das Muslim Dilemma

Es ist wirklich schwierig, ein guter Muslim in Europa zu sein.

Einerseits werden sie von „den Einheimischen“ nach jedem Terroranschlag aufgefordert, diesen zu verdammen. Die meisten Muslime fürchten den Terror, sind gegen Anschläge, aber – andererseits: die Terroristen sind doch auch Muslime? Für manche (viele?) ist das ein Dilemma. Außerdem fürchten sie die Rache dieser terroristischen Vereinigungen. Denn deren Ziel ist es nicht nur, Europa in Angst und Schrecken zu versetzen, sondern auch dieses Europa noch weiter zu polarisieren, in der Hoffnung, dann die Muslime in Europa mir ihrer Hassbotschaft mobilisieren zu können.
Denn im Denken der Extremisten gibt es in der Welt nur zwei Gruppierungen: das Haus des Islams und das Haus des Krieges – Dar al Islam: das Kalifat – Dar al-Harb: die Ungläubigen, bzw. ihre militante Ausprägung: die Kreuzfahrerstaaten.
Muslime, die diese Dualität nicht akzeptieren, gehören in den Augen der Dschihadisten ausgelöscht. Genau so, wie die Revolutionäre des Arabischen Frühlings – also säkular denkende Muslime – in ihren Augen keine Daseinsberechtigung haben.

Während dieses Konzept des Haus des Islam/Haus des Krieges auf alte islamische Rechtsbegriffe zurück geht, ist es nirgends in Koran oder Sunna angesprochen. Kriegszüge gegen die Dar al-Harb werden aus traditioneller Sicht des Islam nicht als Kriege betrachtet und deshalb auch nicht als solche bezeichnet, sondern als „Öffnungen“. Nach traditioneller islamischer Auffassung kann es keinen Salam („Frieden“) mit der Dar al-Harb geben, sondern nur eine zeitlich begrenzte Hudna („Waffenstillstand“). Kriege gegen die Dar al-Harb werden als Dschihad bezeichnet

Aber spätestens seit der Entstehung des Islamischen Staates und des Kalifats gibt es für Muslime keine Ausrede mehr, nicht am Krieg gegen die Ungläubigen teilzunehmen. Damit werden seitens der Extremisten jene Muslime, die sich in dieser Polarisierung neutral verhalten und ihre Unabhängigkeit vom Dschihad bewahren wollen, als „Sünder“ gebrandmarkt. Denn wer sich als Muslim nicht im Sinne des IS verhält, muss als Abtrünniger seiner Religion gehandelt werden.

Daher zielen die Anschläge in Europa auch darauf, die hier lebenden Muslime zu veranlassen, sich für die dschihadistische Ideologie zu entscheiden. Und als Reaktion darauf – so hoffen diese Terroristen – würde Europa seine Muslime ausgrenzen; diese wären dann eher bereit, sich dem Dschihad anzuschließen. Das ist jedenfalls die Hoffnung der Dschihadisten: „wenn die Kreuzfahrer in den Ländern des Kreuzes die Muslime überwachen, verhaften und verhören, werden sie bald beginnen, sie zu deportieren, sie werden tot sein gefangen und ohne Heimat. Sie werden niemanden in Ruhe lassen, außer jene Muslime, die von ihrer Religion abtrünnig geworden sind und die ihrer folgen“.
Und wir diskutieren mit Muslimen über einen Euro-Islam, der mit Demokratie und Menschenrechten kompatibel wäre ….

Andererseits propagieren die rechtspopulistischen Bewegungen in Europa ebenfalls die „zwei-Lager-Theorie“: hier das Abendland, dort die Muslime. Und nach jedem Anschlag in Europa wird diskutiert wie sich dieser Kontinent schützen und verteidigen kann. Meist kommt es zu neuen Sicherheitsmaßnahmen.
Es wird nicht einfach, nicht für die Muslime, nicht für die Europäer. Aber keiner von uns beiden darf in die Falle tappen, die der IS für uns ausgelegt hat. Das beste Mittel ist: Ruhe bewahren, wachsam bleiben und eine tolerante Koexistenz weiterleben, die dem IS so ein Dorn im Auge ist.

das Muslim Dilemma

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