wenn die Post „auslässt“

Heute wollte ich auf der Post eine Briefmarke kaufen. Wir haben ja, im Gegensatz zu früher, heute keine Briefmarken mehr zu Hause. Erstens schreiben wir selten Briefe, meist eben nur e-Mails, und außerdem ändern sich die Tarife so oft, dass es dann kompliziert ist, Zusatzmarken zu kaufen.

Die Post war offen, an der Tür standen einige Angestellte und teilten mir mit, dass die Filiale (BAWAG und Post) seit heute früh „off-line“ wäre, und daher „nichts mehr ginge“. Das heißt, ich konnte keine Briefmarke kaufen, die Kassen an den Schaltern waren nicht verfügbar, aber auch die Selbstbedienungsgeräte waren ausgefallen, man konnte keine Zahlscheine aufgeben, kein Geld abheben, keine Kontoauszüge drucken. Auch das Paketsystem war lahmgelegt.

Die Filiale war vor nicht allzu langer Zeit umgebaut worden und ist, im Gegensatz zu vielen anderen Zweigstellen, nicht geschlossen worden. Normalerweise ist sie ziemlich voll, in unserer Umgebung gibt es viele Rechtsanwälte, Wirtschaftstreuhänder, die ihre Post abholen und/oder verschicken wollen. Es kommen auch Ausländer, die ihre Postkarten aufgeben möchten.
Außerdem wurde reichlich in Funkionen investiert, die eigentlich mit Post und Bank nicht allzu viel zu tun haben. Die Postfiliale ersetzt eine Papierhandlung (die vorher noch bestehende ist jetzt auch eingegangen), es gibt auch sonst allerhand Krimskrams, das Leute einfach mitnehmen, wenn sie in einer Schlange stehen.

Der Filialleiter war ziemlich böse und murmelte: „zu Tode gespart; jetzt warten wir sei 3/4 sieben, da wurde das Gebrechen an den Helpdesk gemeldet, auf den Techniker“ (es war inzwischen 1/2 zwölf geworden). Ja, und sie wären die einzige Filiale, die nicht funktionierte.
Ich ging also wieder – ohne eine Briefmarke erstanden zu haben, so eilig ist der Brief nun auch wieder nicht.

Aber ich fing an nachzudenken, gibt es für einen solchen Fall keinen Plan B? Als ich noch beruflich mit der Entwicklung von Computerprogrammen zu tun hatte, also in der Steinzeit der Informationstechnologie, wurden immer Ausfallsszenarien entwickelt. Endlose Handbücher wurden verfasst, denn es galt: wenn eine Bank mehr als 3 Tage off line ist, dann ist sie pleite. Jedenfalls durften die Kunden nicht davon betroffen sein. Vielleicht war es damals einfacher, die meisten Angestellten kannten noch die Durchführungsmethoden „ohne Computer“. Es war nicht alles vernetzt, einzelne Teile konnten abgeschaltet werden, aber der Rest funktionierte noch.
Und dann dachte ich weiter, darüber was wohl die Ursache sein könnte. und was wohl geschähe, wenn das nicht nur eine Filiale beträfe – oder „nur“ die Post …

Ich glaube, wir sollten mehr in den Schutz unserer Einrichtungen, die rasche Wiederherstellbarkeit der Funkionen investieren und uns überlegen, wie manches doch auch „von Hand“ (Zettel und Bleistift) durchgeführt werden könnte, wenn die Computer „auslassen“.

wenn die Post „auslässt“

Ein Gedanke zu “wenn die Post „auslässt“

  1. Georg schreibt:

    Alles eine Frage des investierten Geldes … Banken investieren noch mehr und für viele Aktivitäten gibt es mehr als eine Anwendung. Wenn die Kernsysteme ausfallen sieht es aber auch düster aus. Was man vereinzelt schon gesehen hat. Meistens als Folge von Kostensparmaßnahmen … Wirklich gefährlich sind unzureichende Schutzmaßnahmen für Steuerungssoftware bei Kraftwerken – bis hin zu Kernkraftwerken … Ein offenes Problem …

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