Die Sterndeuter

Ich muss mich nun doch zur Bundespräsidentenwahl äußern.

Mich ärgert eigentlich das „davor“ und das „nachher“. Vorher gab es eine Unzahl von Prognosen. Alle deuteten in eine bestimmte Richtung. Eingetreten ist keine der mir bekannten Vorhersagen. Aber sie haben das Wahlverhalten massiv beeinflusst. Und diese Manipulation finde ich unverzeihlich. Sie war nämlich schädlich. Wenn über die  Kandidaten der Regierungsparteien ständig getrommelt wird, dass sie „Looser“ sind,  wer soll sie dann noch wählen, eine derartige Stimmer gilt bei vielen Wählern als verlorene Stimme. Wenn einem Kandidat, den der ORF immer „gemocht“ hat, in allen Umfragen ein unumstößlicher erster Platz zugeordnet wurde, haben ihn möglicherweise viele Wähler gar nicht mehr gewählt, unter dem Motto „g’mahte Wiesn“, um taktisch-strategisch den zweiten Platz günstig zu besetzen. Bei ganz wenigen der Umfragen wurde angegeben, wie groß das Sample war, oder nach welchen Kriterien die zu Befragenden ausgewählt wurden. Wir selbst wurden mehrfach angerufen – meist auf dem Festnetz (ist das eine Voraussetzung?) aber nicht jeder hat immer und überall Zeit und Lust eine Reihe von Fragen zu beantworten, die manchmal Antworten, z.B. zu Wohnungsgröße oder Einkommen fordern.

Und besonders ärgerlich sind jene (vom ORF) ernannten Experten, die mir anhand der Befragungen und deren Analysen die Möglichkeiten der Bundespräsidentenwahlen erläutern wollen. Man soll nicht ungerecht sein, es gibt auch seriöse darunter – die leider gar nicht so oft auftreten dürfen/wollen? Dann gibt den Herrn Prof. F. auf der anderen Seite des Spektrums, der meine Erachtens unentwegt zu allem befragt wird, mir extrem eitel erscheint und kokett behauptet, sich keine Voraussagen entlocken zu lassen – bitte wozu das Ganze?

Ich verstehe natürlich, dass die Branche, die Umfragen durchführt und Auswertungen macht, nicht sehr glücklich mit Forderungen ist, dieses bei Wahlen einzustellen. Man meint, dass dann die Ergebnisse und Zahlen unerläutert und irreführend über die sozialen Medien laufen würden und damit nicht der gesamten Bevölkerung zur Verfügung stünden. Aber sollte man grad bei diesen politischen Umfragen vor Wahlen nicht einen  Abstand vor der Wahl einführen, innerhalb derer keine Umfragen veröffentlich werden?

Ich glaube, das würde in der Vorwahlzeit zu etwas Ruhe und Gelassenheit beim Wahlvolk führen. Damit könnten die „Spielchen“ des taktischen bzw. strategischen Wählens etwas eingedämmt werden und vielleicht (hoffentlich) bei den Wählern einen Denkprozess auslösen, welchen Kandidaten/Partei sie denn wirklich weswegen unterstützen wollen. Dazu müsste es aber inhaltsreichere Homepages (diesbezüglich vorbildlich Dr. Griss) oder Publikationen geben, die über die politischen Intentionen der Kandidaten/Parteien seriös Auskunft geben.

Für den 22. Mai wird sich das alles leider nicht ausgehen und wir werden uns weiterhin mit Schlagwörtern zufrieden geben müssen.

Für die nächsten Nationalratswahlen sollten wir gerüstet sind, und wann die kommen, ist offen. Aller- aller spätestens 1918, ich glaube an diesen Termin aber nicht mehr.

Die Sterndeuter

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