Europas Probleme mit Sultan Erdogan

Europa ist abhängig von der Türkei – aufgrund der Flüchtlingsproblematik. Ist es das wirklich? Die Flüchtlinge, die aus der Türkei nach Griechenland kommen wollen, und auch die Schlepper sind doch längst bestens informiert, dass die Balkanroute geschlossen ist. Warum sollten sie dann von der Türkei über das Mittelmeer nach Griechenland übersetzen – besonders weil bestimmt bekannt ist, dass sie höchstwahrscheinlich zurückgeschickt werden.

Vielleicht sollten wir überlegen, dass wir Europäer doch nicht von der Türkei erpressbar sind, vielleicht sollte sogar der „Deal“ noch einmal überlegt werden und das Geld direkt in die lokale Flüchtlingsbetreuung in der Türkei, aber auch In Jordaniern und im Libanon eingesetzt werden.

Man muss ja nicht gleich soweit gehen, wie der Holländische „De Telegraf“, der Erdogan als Affen auf seiner Titelseite abdruckt. Solche Aktionen sind eigentlich nie einer gedeihlich Zusammenarbeit förderlich, auch wenn die holländische Journalistin Ebru Umar in der Türkei festgenommen wurde. Ebru Umar (* 1970 in Den Haag) ist eine niederländische Kolumnistin türkischer Abstammung. In ihren Texten bezieht sie Stellung zu dem nach ihrer Ansicht „diktatorhaften Männertum“ und fehlenden Menschenrechten  im Islam In der Nacht zum 24. April 2016 wurde Umar während ihres Urlaubs in Kusadasi  (Türkei) von der Polizei festgenommen und von der Staatsanwaltschaft verhört. Sie wurde zwar nach einem Tag aus der Haft entlassen, darf die Türkei aber nicht verlassen. Kurz zuvor hatte sie in metro (niederländische Gratiszeitung) einen kritischen Kommentar über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan veröffentlicht und in Auszügen auch via Twitter verbreitet. Die niederländische Botschaft wurde eingeschaltet. Am 25. April 2016 wurde in Umars Amsterdamer Wohnung eingebrochen, dort „alles auf den Kopf gestellt“, ein Computer gestohlen, und eine Wand mit dem Schimpfwort „Hoer“ („Hure“) beschmiert.

Sie ist aber nicht die einzige Frau, die Probleme mit Erdogan hat. Betroffen ist auch Sineb El Masrar, die in Deutschland, im renommierten Herder Verlag ein Buch namens „Emanzipation im Islam – eine Abrechnung mit ihren Feinden“ veröffentlicht hat. Sineb El Masrar (*1981 in Deutschland) ist die Tochter marokkanischer Einwanderer. Von ihren Eltern wurde sie zu Selbstbewusstsein erzogen. Zu eigenständigem Denken. Gleichzeitig ist sie religiös. Der Islam ist für die heute 34-jährige Publizistin eine tolerante spirituelle Kraft: „Das ist diese Barmherzigkeit“. Und das ist ein Islam, den viele erlebt haben, auch die erste Einwanderungs-Generation. El Masrar war 2006 Mitglied der Arbeitsgruppe „Medien und Integration“ der Integrationskonferenz im Kanzleramt. Von Mai 2010 bis 2013 war sie Teilnehmerin de Deutschen Islamkonferenz.

Heute erlebt El Masrar ihre Religion aber immer öfter als ideologisch: als Herrschaftssystem. Das all jenen Frauen, die ihren Glauben anders leben wollen, wenig Wahlfreiheit lasse. Nur wer sich in das enge Gerüst füge, gehöre dazu, so El Masrar.

In ihrem neuen Buch fordert sie „Emanzipation im Islam“. Und wendet sich gegen eine reaktionäre Islam-Auslegung, voller „narzisstischer Frauenunterdrückung“. Die Lesart des Islam, die auch von vielen Deutschen Islam-Verbänden vertreten werde: „Also ich werfe den Verbänden in erster Linie vor, dass sie doppelzüngig sind. Auf der einen Seite sagen sie, sie sind frei, sie sind für die Demokratie, sie würden sich für Geschlechtergerechtigkeit einsetzen, aber auf der anderen Seite verbreiten sie eben genau das Gegenteil. Sie zitieren Islamisten, sie zitieren Akteure des politischen Islams und diese Akteure sind alles andere als emanzipatorisch oder demokratiefreundlich.“

Dabei hätten gerade die Islam-Verbände eine wichtige Aufgabe. Statt nur eine Diskriminierung verschleierter Frauen zu beklagen, sollten sie auch klar Position beziehen gegen religiöse Indoktrination. Zum Beispiel durch Kinderbücher, in denen schon dreijährigen Mädchen Kopftuchtragen als religiöse Pflichtaufgabe beigebracht wird. So werde ein konservatives Frauenbild manifestiert, sagt El Masrar. Sie wirft den Verbänden vor, nichts dagegen zu tun.

Die Deutsch-Türkischen Verbände wehren sich, z.B. DITIB (Türkisch Islamische Union der Anstalt für Religion). Aber gegen Unterdrückung und Bevormundung der Muslimas im Namen der Religion müsse klar Position bezogen werden, meint El Masrar. Statt – wie die Verbände – immer alles zu relativieren: „Rechte sind keine Privilegien! Die stehen uns zu. Und da möchte ich und möchte auch mit den anderen Frauen sagen: Debattiert nicht darum. Nehmt euch das, was euch zusteht“.

Die islamische Organisation Milli Görüs ist eine länderübrgreifend aktive islamische Bewegung. In vielen Staaten und Ländern ist Millî Görüş wegen islamistischer Tendenzen umstritten. Diese Organisation hat vor dem Landgericht München eine einstweilige Verfügung erwirkt: Das Buch „Emanzipation im Islam“ von Sineb El Masrar wird jetzt geschwärzt ausgeliefert. Denn die Autorin hatte in diesem ihrem Buch geschrieben, dass die islamische Gemeinschaft Milli Görüs die Terrororganisation Hamas finanziell unterstützt habe. Diese Behauptung wollte der Verein, der jahrelang wegen islamistischer Tendenzen vom Verfassungsschutz beobachtet worden war, nicht hinnehmen und klagte vor dem Münchner Landgericht auf Unterlassung. Dabei wurde Milli Görüs von Michael-Hubertus von Sprenger, der auch den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan im Verfahren gegen den Satiriker Jan Böhmermann unterstützt, vertreten.

Dem Antrag wurde am 5. April stattgegeben, das Buch eingezogen und eine Passage geschwärzt.

Es gibt weitere „Einmischungsversuche“: z.B. die Festsetzung des ARD-Korrespondenten Volker Schwenck am Istanbuler Flughafen sowie Probleme deutscher Türkei-Korrespondenten bei der Akkreditierung. Außerdem will Erdogan nicht nur Satire verbieten lassen, wie im Fall der Schmähkritik von Jan Böhermann, er geht auch gegen Hochkultur vor. Die Türkei bekämpft das Konzertprojekt „Aghet“ der Dresdner Sinfoniker und des deutsch-türkisch-armenischen Gitarristen Marc Sinan. In ihren Konzerten wird der Genozid an den Armeniern durch das Osmanische Reich vor hundert Jahren thematisiert.. Die EU-Kommission förderte das Projekt mit 200 000 Euro, stellte „Aghet“ (armenisch für Völkermord) auf ihrer Homepage vor. Aber in dem Text tauchte das Wort Genozid zweimal auf. Prompt schickte die Türkei, die den Völkermord bis heute leugnet, ihren EU-Botschafter los. Gerfordert wurde ein Stopp der Förderung und eine Löschung des Beitrags.  Die Kommission knickte ein! Zwar wird „Aghet“ weiter gefördert, allerdings ist das Projekt von der Internetseite verschwunden.

Was will Erdogan? Seine Macht beweisen, Europa demütigen, die Europäer turkisieren? Wer ist er eigentlich, dass er für den Islam sprechen kann, der neue Kalif, wie er auch bezeichnet wird?

Ich meine, dass sich Europa, die Europäer, die Kommission sich das nicht gefallen lassen dürfen und Erdogans Intervention scharf zurückweisen sollen. Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil.

 

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