Welche Sprachen sollten unsere Kinder heute lernen?

Wie ich ein Kind war, ließen Eltern ein Kind meist Französisch oder Englisch lernen. Manchmal begann dieser Unterricht schon in frühem Alter, aber spätestens zu Beginn des Gymnasiums musste entschieden werden, Französisch oder Englisch. In der Besatzungszeit stand noch Russisch – meist in der russischen Zone – zur Auswahl. Später lernten wir noch Latein, manche auch Griechisch. Dazu kam noch Spanisch bzw. Italienisch in der Oberstufe.

Wo bleibt die große österreichische Tradition des Verhältnisses zum Orient? Schon 1674 begann J. Podesla an der Wiener Universität mit Kursen für orientalische Sprachen und über das Koranrecht. Die 1754 gegründete Orientalische Akademie  pflegte ebenfalls das Studium östlicher Sprachen. Neben den Universitäten förderte die 1847 gegründete Akademie der Wissenschaften die Orientalistik in allen Zweigen, ab den 90er Jahren des 19. Jahrhunderts vor allem durch Gründung von Kommissionen für Spezialunternehmungen und Expeditionen. In den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts bahnte sich an der Wiener Universität die Spezialisierung einzelner Disziplinen der Orientalistik an: Ägyptologie (in der für die Wiener Schule charakteristischen Verbindung mit der Afrikanistik), Semitistik und Arabistik, Indologie und Sinologie, Assyrologie, Turkologie; Hochschulinstitute und Vereine: Wien: Orientalisches Institut, gegründet 1887; Institut für Ägyptologie und Afrikanistik, gegründet 1923; Indologisches Institut, gegründet 1955; Graz: Institut für vergleichende Sprachwissenschaft, Institut für Indo-iranische Philologie, gegründet 1901; Institut für Orientkunde, gegründet 1908. Innsbruck: Institut für Orientalistik, gegründet 1907; Institut für Vergleichende Sprachwissenschaft (Sonderabteilung Indische Sammlung), gegründet 1928. Orientalische Gesellschaft, Wien, gegründet 1952.

Die Hammer-Purgstall-Gesellschaft und das Afro-asiatische Institut  in Wien bemühten sich um die Erforschung die orientalischen Kulturkreise Die Hammer-Purgstall-Gesellschaft (später Österreichische Orient-Gesellschaft Hammer-Purgstall) wurde 1958 in Wien gegründet, benannt nach dem Orientalisten Joseph von Hammer-Purgstall, Vereinigung zur Pflege der kulturellen Beziehungen mit dem Vorderen Orient. Joseph Freiherr von Hammer-Purgstall (*1774  † 1856) war ein österreichischer Diplomat  und Orientalist.  Er wurde bekannt als Übersetzer  orientalischer Literatur und gilt als der Begründer der wissenschaftlichen Osmanistik und als österreichischer Pionier der Orientalistik.

Heute wächst in Österreich (hoffentlich) einen Generation heran, die mehrsprachig ist: es sind die Kinder von Migranten und Flüchtlingen. Wird dieses Potential ausreichend genutzt? Werden diese Schüler beim Schreiben und Lesen in ihrer Muttersprache und in Deutsch unterstützt? Haben die österreichischen Kinder ebenfalls die Möglichkeit, diese Sprachen parallel mit ihren Mitschülern zu erlernen? Ich erinnere mich nur an die Probleme und Aufschreie, die es gab, als die „Türkisch-Matura“ eingeführt werden sollte. Wenn die Schüler ihre sprachliche Identität besser kennen, könnten sie sich leichter integrieren, und gute Kenntnisse der Muttersprache würden das Lernen weiterer Sprachen erleichtern. Allerdings fehlt noch eine entsprechende Lehrerausbildung für Türkisch (Lehramt). In Türkisch anstatt in Deutsch zu maturieren, also das Maturafach Deutsch zu ersetzen oder die Matura gänzlich auf Türkisch abzulegen, ist nicht vorgesehen.

Im Gegensatz zu anderen Migrantensprachen wie Russisch, Polnisch oder Bosnisch/Kroatisch/Serbisch gibt es eine Türkischmatura derzeit nur als Schulversuch. Insgesamt sprechen laut Statistik Austria 6.300 Schüler in Oberstufenklassen an maturaführenden Schulen (AHS, berufsbildende höhere Schulen) neben Deutsch auch Türkisch.

Wie ich kein Bildungsexperte bin, bin ich auch kein Literaturkenner, aber eines fällt mir schon auf: es gibt viele Bücher, die von Personen mit Migrationshintergrund geschrieben wurden und werden, Romane und Sachbücher. Und manche dieser Bücher finden sich nicht nur in die Bestsellerlisten, sie werden auch vielfach mit Literaturpreisen bedacht, kürzlich z.B. wurde der Ingeborg Bachmann Preis 2016 an die in Berlin lebende britische Autorin Sharon Dodua Otoo für ihren Text „Herr Gröttrup setzte sich hin“.

So, und welche Sprachen sollte man heute Kinder lernen  lassen? Wo werden sie studieren, wo werden sie arbeiten?

Welche Sprachen sollten unsere Kinder heute lernen?

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