Wie beginnt ein Krieg?

Der spanische Bürgerkrieg, Ausgangslage

Bei all den blutigen Ereignissen in Deutschland und Frankreich werden fast die „runden Jahrestage“ vergessen. Dabei könnten Informationen darüber vielleicht auch bei der heutigen Situation helfen.

Fakten: Im Juli 1936 begann der Spanische Bürgerkrieg. Er wurde von Juli 1936 bis  April 1939 zwischen der demokratisch gewählten Volksfrontregierung der Zweiten Spanischen Republik und den rechtsgerichteten Putschisten unter General Francisco Franco ausgetragen. Er endete mit dem Sieg der Anhänger Francos und der bis zum Tode Francos 1975 anhaltenden Diktatur in Spanien.

Ursachen: für den Ausbruch des Krieges sind in den extremen sozialpolitischen und kulturellen Verwerfungen in der spanischen Gesellschaft sowie in regionalen Autonomiebestrebungen zu finden, etwa im Baskenland und in Katalonien. Spanien erlitt seit Mitte des 19. Jahrhunderts zahlreiche gewalttätige Konflikte, die ungelöst blieben. Den wenigen Anhängern der Zweiten Spanischen Republik war es weder gelungen, die gravierenden sozialen Missstände zu beheben, noch den Verfechtern einer autoritären Staatsordnung etwas entgegenzusetzen.

Wenn man das so überlegt: sozialpolitische und kulturelle Verwerfungen in der Gesellschaft haben wir auch heute in Europa, ebenso wie regionale Autonomiebestrebungen. Und Spanien ringt seit Monaten um eine Regierung!

Die Ausgangslage: Die traditionellen Eliten fürchteten eine Gefährdung ihrer Privilegien und ihres kulturellen Selbstverständnisses. Die laizistische  Orientierung der ersten Regierung und die von einem radikalen Antiklerikalismus  inspirierten Übergriffe gegen kirchliche Einrichtungen bestärkten sie in dieser Haltung. Sie wandten sich gegen sämtliche Reformen, die eine Verbesserung der allgemeinen Lebensumstände in Aussicht stellten. Rasch wandte sich daher die Arbeiterschaft gegen die Republik. Nachdem sich die sozialen Reformen als nicht durchsetzungsfähig erwiesen und 1934 die neue Rechtsregierung einen harten Kurs eingeschlagen hatte, sahen die organisierten Arbeiter in der neuen parlamentarischen  Staatsform nichts weiter als eine Fortsetzung der alten Politik der Unterdrückung.

1932 fand ein erster Militärputsch statt, der nur schlecht ausgeführt und durch einen anarchistischen Generalstreik vereitelt wurde. 1935 bildeten Sozialisten, Republikaner, liberale Katalanisten, der stalinistische Partido Comunista de Espana (PCE) und der linkskommunistische Partido Obrero de Unificacion Marxista (POUM) ein Volksfront-Bündnis: die Frente Popular. Unterstützt wurden sie von den baskischen Nationalisten und den Anarchisten, die diesmal keinen Wahlboykott formulierten. Dagegen stand die Frente Nacional aus CEDA (die katholizistische Sammlungsbewegung, die in Teilen mit dem europäischen Faschismus sympathisierte), Monarchisten, einer Grundbesitzer-Partei und den Karlisten (monarchistische Bewegung, favorisierte Thronprätendenten dem Haus Bourbon-Parma) aus. Dazwischen standen die Parteien der Mitte, die kaum mehr Bedeutung besaßen. Am 16. Februar 1936 gewann die Volksfront die Wahlen; auch die parlamentarische Opposition erkannte ihren Sieg an. Allerdings war der Sieg sehr knapp gewesen, und es kam zu einer neuerlichen Wahl. Stimmauszählungsergebnisse wurden damals nicht verlautbart, es kam zu folgender Sitzverteilung: Volksfront 301 Sitze, Nationale Front 124 ), andere 71. Durch den Sieg der Volksfront hatte für Teile der Rechten die Republik aufgehört zu existieren. Ungeachtet des moderaten Reformprogramms der neuen Regierung kam es zu spontanen Landbesetzungen, die Streikaktivität stieg stark an und Straßenkämpfe zwischen Extremisten beider politischer Lager, die von bewaffneten Ordnungskräften zum Teil gewaltsam unterdrückt wurden, nahmen deutlich zu. Die faschistische Falange übte gezielten Terror aus, gegen den der Staat sich machtlos zeigte.

Währenddessen planten die Offiziere nahezu öffentlich den Putsch. Als der Aufstand begann, leisteten vor allem die Arbeiter Widerstand. Wo sie erfolgreich waren, reagierten sie mit einer Revolution, die hauptsächlich von den Anarchisten getragen wurde. Dies rettete der Republik vorläufig die Existenz. Aus dem Putsch wurde ein Bürgerkrieg, der schon bald in das internationale Beziehungsgeflecht Europas geriet, was den Verlauf der Ereignisse entscheidend beeinflussen sollte.

Der internationale Einfluss: Der Spanische Bürgerkrieg besaß einen gewichtigen internationalen Aspekt. Die europäischen Mächte bildeten unter der Ägide des Völkerbundes das Nichteinmischungskomitee, welches bereits am 9. September 1936 zum ersten Mal zusammentrat. Aber das Prinzip der Nichteinmischung wurde nicht ernsthaft verfolgt.

Auf der einen Seite unterstützten die faschistischen Mächte Italien und Deutschland offen die Putschisten, während die liberalen Demokratien Frankreich und Großbritannien eine Nichteinmischungspolitik praktizierten und damit den Siegeszug der Aufständischen begünstigten. Die Sowjetunion dagegen belieferte die Republik bis 1938 mit Waffen und Beratern. Dadurch konnte sie die Madrider Regierung maßgeblich beeinflussen und die Stellung der zuvor unbedeutenden spanischen Partido Comunista des Espana (PCE) ausbauen. Spanien wurde zu einem militärischen und politischen Labor für die schwelende Systemkonkurrenz in Europa, die in den Zweiten Weltkrieg mündete.

Am 16. November 1936 trafen die ersten 5.000 deutschen Soldaten und am 26. November 1936 weitere 7.000 der Legion Condor in Cadiz ein. Die Legion Condor, die nach Spanien entsandt wurde, verfügte bereits nach einigen Monaten über 100 Flugzeuge. Trotz der deutschen Unterzeichnung einer Nicht-Interventions-Vereinbarung im September 1936 griff die Legion Condor in alle wichtigen Schlachten ab 1937 ein. Von besonderer – auch symbolischer – Tragweite war der Luftangriff auf Guernica am 26. April 1937, bei dem die religiöse Hauptstadt des Baskenlandes fast vollständig zerstört wurde.

Guernica war eine der schutzlosen Stadt, völlig unvorbereitet auf einen Luftangriff. Die Stadt ist wieder aufgebaut, aber es gibt dort ein eindrucksvolles Museum, das die Schrecken dieses Angriffs vor Augen führt. Wir waren dort und sind sehr betroffen wieder herausgegangen. Vielleicht hatte auch das Gemälde Pablo Picasssos „Gernika“, das wir in Madrid gesehen hatten, zu diesem unseren Gefühl beigetragen.

Möglicherweise wäre es sinnvoll, sich jetzt wieder einmal mit dem Spanischen Bürgerkrieg zu beschäftigen.

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