Finnland wünscht sich einen Berg zum Geburtstag

Finnland wird am 6. Dezember 2017 sein 100-jähriges Jubiläum seiner Unabhängigkeit begehen. Und es hat einen Geburtstagswunsch, geäußert von der Gemeinde Kåfjord. Es geht um einen Felsen. Der Haltitunturi ist ein Fels im norwegisch-finnischen Grenzgebiet und gilt als höchster Berg Finnlands. Sein höchster Gipfel auf finnischer Seite befindet sich 1324 Meter über dem Meeresspiegel, der Gipfel auf norwegischer Seite ist 1331 Meter hoch. Damit der Halti-Gipfel auf dem finnischen Territorium liegt, müsste die Staatsgrenze um 40 Meter verschoben werden. Mit dem Jubiläumsgeschenk wäre Finnlands höchster Punkt zukünftig sieben Meter höher.

Finnland war lange Zeit ein Teil Schwedens. Die Anbindung Westfinnlands an Schweden war ein allmählicher Vorgang. Die erstarkten Mächte Schweden und Nowgorod traten aus politischen, wirtschaftlichen und religiösen Gründen in Wettbewerb um das von den Finnen bewohnte Gebiet. Beide Staaten unternahmen ab dem 12. Jahrhundert mehrere mehr oder weniger militärische „Kreuzzüge“ in die Region. Die Grenze zwischen beiden Mächten und damit die Ostgrenze Finnlands wurde erstmals 1323 vertraglich festgelegt.

Die Tätigkeit der Kirche, die Siedlungsbewegungen schwedischer Einwanderer sowie die Reichsgesetzgebung und -verwaltung trugen dazu bei, dass die neuen Gebiete als Österland  einer der vier festen Landesteile  Schwedens wurden. Vom Ende des 14. bis zu deren Zerfall Anfang des 16. Jahrhunderts war Finnland als Teil Schwedens Bestandteil der Kalmarer Union. Unter Gustav Wasa wurde im Zuge der Reformation  der katholische Glaube durch das evangelisch-lutherische Christentum ersetzt.

Während des 18. Jahrhunderts schwand die Machtstellung Schwedens, besonders im Großen Nordischen Krieg (1700–1721), als Finnland russisch besetzt wurde (1714–1721). Nach Abschluss eines Friedesnvertrages endete die Besetzung Finnlands, aber auch die Großmachtstellung Schwedens. In einem weiteren russisch-schwedischen Krieg (1741–1743), wurde Finnland erneut besetzt, und im anschließenden Frieden wurde die russische Westgrenze bis an den Fluss Kymijoki  vorgeschoben.

1808 griff Russland Schweden an und begann damit den Finnischen Krieg, als dessen Resultat Schweden 1809 weite Gebiete an Russland abtreten musste. Das Großfürstentum Finnland  wurde gebildet, das Teil des Russischen Reiches  war, aber eine weitgehende politische Autonomie genoss. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erwachte aber auch ein finnisches Nationalbewusstsein und es wurden zahlreiche Anstrengungen zur Stärkung der finnischen Identität unternommen, ohne dass sich diese zunächst gegen die Zarenherrschaft gerichtet hätten.

Dem erstarkten finnischen Nationalbewusstsein traten ab dem Ende des 19. Jahrhunderts russische Bestrebungen einer Zentralisierung  des Reiches und einer Russifizierung  der zu diesem gehörenden Gebiete entgegen. Dies hatte einen zähen politischen Konflikt zur Folge. Der Generalgouverneur  wurde1904 ermordet. Im Herbst 1905 kam es zu einem umfassenden Generalstreik. Daraufhin sagte Nikolaus die Wiederherstellung der Autonomie sowie die Schaffung einer nichtständischen Volksvertretung zu.

Zu dem 1906 neugeschaffenen Parlament hatten alle Finnen – europaweit erstmals auch Frauen – gleiches Wahlrecht. Die Russifizierungsbemühungen wurden aber 1909 wieder aufgenommen. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges, an dem finnische Soldaten, von einigen Freiwilligen abgesehen, nicht teilnahmen, kam das politische Leben aber zunächst zum Erliegen.

Nach der Februarrevolution  in Russland erklärte das finnische Parlament am 6. Dezember 1917 Finnlands Unabhängigkeit. Den Ablösungsprozess von Russland begleiteten schwere innere Konflikte. Mit Sowjetrussland  wurde 1920 ein Friedens- und Grenzvertrag unterzeichnet, aufgrund dessen die Grenzen Finnlands mit dem früheren Großherzogtum übereinstimmten. Im Verhältnis zu Schweden entstand Streit um die strategisch bedeutsamen Alandinseln.  Eine Entscheidung des Völkerbundes sprach die Inseln schließlich 1921 Finnland mit der Maßgabe zu, dass sie eine weitgehende Autonomie erhielten.

Am 19. September 1944 schloss Finnland mit der Sowjetunion den Separatfrieden von Moskau. Dieser verpflichtete Finnland, die deutschen Truppen aus dem Land zu vertreiben, und so schloss sich der finnisch-deutsche  Lapplandkrieg  an. Der Krieg endete am 27.April 1945 mit dem Abzug der letzten deutschen Soldaten. Der Kriegszustand mit den Alliierten wurde durch den Pariser Friedensvertrag  von 1947 endgültig beendet.

1992 nahm Finnland Verhandlungen über seinen Beitritt zur Europäischen Gemeinschaft  auf, die 1995 in eine Vollmitgliedschaft in der heutigen Europäischen Union mündeten. 2002 ersetzte der Euro die Finnische Mark   als Landeswährung.

Aber der Haltitunturi wäre nicht die erste Bergspitze, die verschenkt worden ist. Die Zugspitze, so heißt es, ist ein Geschenk des österreichischen Kaisers Franz-Joseph an die bayerische Prinzessin Sisi. „Damit’s auch an richtigen Berg habt.“ Es geht um die nördliche Hälfte der Zugspitze, und die Schenkung soll 1854 erfolgt sein. Dagegen wird eingewendet, dass es ältere Verträge zwischen Österreich und der (bayerischen) Grafschaft Werdenstein gegeben haben soll, die den heutigen Grenzverlauf bereits festlegen.

Die Zugspitze ist der höchste Berg Deutschland: von 1938 – 1945 war der höchste Berg Deutschlands vorübergehend der Großglockner. Und vor 1918 war es der Kilimandscharo (von 1902 bis 1964 Kaiser-Wilhelm-Spitze oder auch Wilhelmskuppe), er ist mit 5895 m Höhe über dem Meeresspiegel  das höchste Bergmassiv Afrikas. Es ist im Nordosten von Tansania  gelegen und hat mit dem Kibo  den höchsten Berg  des afrikanischen Kontinents. Ab 1885 erwarb die Gesellschaft für deutsche Kolonisation  Ansprüche auf Teile des Binnenlandes und versuchte, eine Kolonie zu begründen. Ihre Herrschaft brach 1888 im Aufstand der ostafrikanischen Küstenbevölkerung  zusammen, woraufhin das Deutsche Reich mit militärischen Kräften die Gebiete eroberte, aus denen dann die Kolonie Deutsch-Ostafrika wurde, die neben dem heutigen Festlandstansania auch Ruanda und Burundi  umfasste. Während des Ersten Weltkriegs leistete die deutsche Schutztruppe bis Kriegsende Widerstand  gegen die alliierten Truppen. Die Kolonie wurde ab 1916 von britischen  und belgischen  erobert und anschließend unter den Siegern aufgeteilt.

Eine größere Übertragung mit nachhaltigen Folgen stellt heute die Krim dar.

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