Was ist nun Terror wirklich?

Jeder scheint sich vor Terror zu fürchten, jeder meint, dass Terror bekämpft werden muss, es gibt Terrorabwehr, Terrorbekämpfung, …

Aber was ist Terror eigentlich? Sichtlich meinen Erdogan oder Putin nicht dasselbe wie z.B. Hollande.

„Der Terror (lateinisch: terror „Schrecken“) ist die systematische und oftmals willkürlich erscheinende Verbreitung von Angst und Schrecken durch ausgeübte oder angedrohte Gewalt, um Menschen gefügig zu machen.  Laut Resolution 1566 des UN-Sicherheitsrates  sind „terroristische Handlungen solche, die mit Tötungs- oder schwerer Körperverletzungsabsicht oder zur Geiselnahme und mit dem Zweck begangen werden, einen Zustand des Schreckens hervorzurufen, eine Bevölkerung einzuschüchtern oder etwa eine Regierung zu nötigen und dabei von den relevanten Terrorismusabkommen erfasst werden“.

Das Ausüben von Terror zur Erreichung politischer, wirtschaftlicher oder religiöser Ziele nennt man Terrorismus“ Soweit Wikipedia.

Aber was unterscheidet z.B. einen Terroristen von einem Amokläufer? „Der Spiegel“ meint dazu, dass Terror  ein politischer Begriff – und Amok ein psychologischer wäre. Walter (Zeev) Laqueur (*  1921) bemerkte schon 1977: „In letzter Zeit wird der Begriff Terrorismus […] in so vielen verschiedenen Bedeutungen benutzt, dass er fast völlig seinen Sinn verloren hat.“ Gibt es überhaupt „den Terrorismus“ oder viele verschieden Arten von Terrorismen?

Man kann es auch von einer weiteren Seite betrachten: wenn es einer Gruppierung/Partei gelingt, ihren Gegnern das Label „Terrorist“ anzuheften, dann hat sie es indirekt geschafft, andere von ihrem moralischen Standpunkt zu überzeugen. Terrorismus ist das, was die Bösen machen. Es wird von nationalistischen und separatistischen Terror gesprochen oder die Abgrenzung zwischen „linkem“, „rechtem“ und „anarchistischem“ Terrorismus.

Und was unterscheidet manche Terroristen von Freiheitskämpfern oder Guerilleros? „Guerilla“ z. B. bedeutet in einem weithin akzeptierten Sprachgebrauch eine zahlenmäßig größere Gruppe bewaffneter Individuen, die als militärische Einheit operiert, feindliche militärische Kräfte angreift und die Gebiete erobern und halten will […], während sie gleichzeitig eine gewisse Form der Souveränität oder Kontrolle über ein definiertes geografisches Areal und seine Bevölkerung ausübt. Terroristen hingegen fungieren nicht offen als bewaffnete Kampfeinheiten, versuchen nicht Gebiete zu erobern oder zu halten, achten sorgsam darauf, sich nicht mit feindlichen militärischen Truppen in eine offene Feldschlacht zu verstricken und üben auch nur selten direkte Kontrolle oder Souveränität über ein Territorium oder seine Bevölkerung aus.“ Dieser Aspekt hat sich mit dem sogenannten Islamischen Staat doch geändert.

Aber unabhängig von  Definitionen und Abgrenzungen: Sind Terroristen diejenigen, die die Staatsgewalt bedrohen? Erdogan lässt (in den Augen mancher im Westen) eher wahllos jene verhaften, die seine Macht, seine Pläne bedrohen. Dazu gehören die Putschisten, aber auch Staatsbeamte, insbesondere Richter, Lehrer, Journalisten, sogar ein prominenter Fußballer, Gülenistjeglicher Professionen und selbstverständlich Kurden  und viele andere.

Und Putin? Wladimir Putin hat ähnlich Erdogan mit Entlassungen im Staatsdienst begonnen. In einem der größten Umbauten der vergangenen Jahre ersetzte er unter anderem die Gouverneure von vier Regionen und die Vertreter von fünf Föderationskreisen. Seinen Posten aufgeben musste auch der Chef der Zollverwaltung. Bei einer Hausdurchsuchung des FSB hatte man bei ihm unter anderem 900.000 Dollar in bar gefunden. Das hat wahrscheinlich weniger mit Terrorismus als mit Korruption zu tun. Dennoch entwickelt Russland ein neues föderales Informationssystem zur Erfassung biometrischer Daten und operativer Fahndungsdaten von Terror- und Extremismusverdächtigen in einer einheitlichen Datenbank. Im Juni 2016 hatte die Staatsduma, das Unterhaus des Parlaments, ein „Anti-Terror-Paket“ verabschiedet. Dieser Gesetzentwurf sieht auch härtere Strafen für extremistische Straftaten vor, er setzt das Alter bei strafrechtlicher Verantwortung für Terrorismus herab und führt neue Einschränkungen ein, darunter ein Verbot für Missionstätigkeit in Wohnräumen. Schon im Dezember 2015 hatte das russische Innenministerium darüber informiert, dass die Zahl terroristischer Verbrechen im Lande um das Anderthalbfache und extremistische um ein Viertel angestiegen sei.

Beim Ukraine-Konflikt bezichtigen  Russland und die Ukraine einander des Terrorismus.

Präsident Hollande verlängert den Ausnahmezustand in Frankreich, er ist überzeugt, dass es sich bei den November-Anschlägen, bei dem Nizza Attentat und bei der Ermordung eines Priesters in Rouen um Terrorismus handelt.

Dieser Tage detonierten innerhalb weniger Stunden in Thailand Sprengsätze. Vier Thailänder starben, 35 Menschen – darunter auch eine Österreicherin – wurden verletzt. Betroffen waren hauptsächlich Touristenziele im Süden des Landes. Noch immer ist unklar, wer hinter den Bombenanschlägen steckt. Thailand ist aber bemüht, darauf hinzuweisen, dass es sich nicht um Terroristen handelt. In Frage kommen mehrere Gruppierungen: einheimische Muslimrebellen, Gegner der Militärregierung, ausländische Extremisten oder auch Uiguren. Außerdem gibt es im Süden von Thailand seit Jahren Widerstand gegen die Regierung in Bangkok. Separatisten fordern die Unabhängigkeit der drei südlichsten Provinzen des Landes. In Thailand versucht man, die Terrorismus-Variante herunterzuspielen, denn man setzt auf Tourismus, und der wendet sich recht rasch neuen Zielen zu, sobald Terroristen ein Gebiet angegriffen haben.

Wer ist jetzt ein Terrorist und wer ist keiner? Für die Opfer von Anschlägen ist es allerdings einigermaßen unerheblich, wer die Täter sind, durch den sie zu Schaden gekommen sind.

Was ist nun Terror wirklich?

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