Oh, wie schön ist Austria

(nicht nur Panama*)

Ein ungetrübter Sommertag! In wenigen Minuten ist man vom Stadtzentrum auf der Westautobahn – und eigentlich mitten im Wald. Man meint fast die Wildschweine zu sehen, die hier leben.

Früher, als es die Autobahn noch nicht gab, fuhr man nach Westen über den Riederberg. Als dann  doch recht bald der Bau der Autobahn wieder begonnen wurde erfolgte dies nur stückerlweise, über jedes Teilstück freute man sich, jedes Teilstück wurde einzeln von Ministern eröffnet. Jetzt wird die Autobahn erweitert, mit neuem Belag versehen, aber sie ist selbstverständlich geworden. Die West Autobahn ist die erste in Österreich  gebaute Autobahn  und geht auf die Planung der Reichsautobahn  zurück. Der erste schon während des Zweiten Weltkriegs  gebaute Abschnitt reicht von der deutschen Grenze bis Salzburg-Mitte. Der letzte Bauabschnitt befindet sich im Wienerwald  zwischen Pressbaum und Wien und wurde 1966 eröffnet. Am 12. Mai 1967 folgte der Lückenschluss zwischen Amstetten-West und Amstetten-Ost.

Nach dem landschaftlich schönen, verhältnismäßig wenig befahrenen Stück, nach dem Steinhäuslberg, beginnen auch schon die Lärmschutzwände. Schallschutz bezeichnet Maßnahmen, die eine Schallübertragung  von einer Schallquelle zu einem Empfänger mindern. Durch geeignete Maßnahmen soll in erster Linie die Übertragung von Schall vermieden oder gemindert werden. Der Begriff Lärmschutz  ist nicht gleichbedeutend mit dem Begriff Schallschutz. Schall ist eine messbare Größe. Erst durch nicht messbare individuelle oder sozio-kulturelle Aspekte wird Schall zu störendem Schall, zu Lärm. Ich werde es nie verstehen, warum in einem Land mit doch hoher Baukultur so hässliche Verbauungen an der Autobahn erfolgen. Egal, wo sie sind, egal wie hoch sie sind, sie sind, wie man bei uns so trefflich sagt, au-schiach. Dazwischen kann man schon Ausblicke auf die Landschaft erhaschen. Es ist alles so saftig grün, aber das ist heuer wohl auf den vielen Regen zurückzuführen ist. Da kommt einem schon Grillparzer in den Sinn: „Mit hellem Wiesengrün und Saatengold, Von Lein und Safran gelb und blau gestickt, Von Blumen süß durchwürzt und edlem Kraut, …..

Und weil ich nicht ganz so aufgepasst habe, hätte ich fast die Abzweigung nach Melk verpasst. Auch der Anblick dieses wahrhaft fürstlichen Klosters ist schon überwältigend, und schon fährt man über die Donau: „Vom Silberband der Donau rings umwunden – Hebt sich`s empor zu Hügeln voller Wein, Wo auf und auf die goldne Traube hängt“. Wenn man von der Brücke schräg über die Donau schaut, glänzt sie wirklich silbrig, wie schon Grillparzer trefflich bemerkt hat. Baustellen müssen ja wohl sein, jetzt gerade eine solche am Wachauer Donauufer. Daher geht sich nur ein kurzer Blick auf Schloss Luberegg aus, das frisch restauriert mit Schindeln – man sagt aus Südtirol – gedeckt, sehr einladend wirkt.

Aber schon verlassen wir die Wachau, um uns nach Norden, ins Waldviertel zu begeben. Wir fahren durch das Weitental, das ist nicht wörtlich zu nehmen. Die Straße folgt dem Bachverlauf und ist wirklich extrem gewunden. Schnell kann man hier wirklich nicht fahren, auch wenn der Verkehr eher schwach ist. Wenn man das, nämlich Schnellfahren, an den wenigen geraden Stellen doch macht, gilt das als Ortsgebiet – die Polizei ist dann unerbittlich. Hier merkt man schon den Unterschied zu den hellen Kalkgebirgen, denn hier, nördlich der Donau ist es der etwas düstere Granit, der die Hügel ausmacht. An manchen Stellen blüht schon der Erika (ich bin nie sicher, ob es nicht die Erika heißen sollte), das heißt, in der Pflanzenwelt kündigt sich schon der Herbst an.

Und schon geht es bergauf, die wenigen Radfahrer schieben bereits, und wir kommen in den Wald, zuerst ist es Mischwald, später sind es meist Fichten. Auch das hat Grillparzer bereits vorweggenommen: “ Der dunkle Wald voll Jagdlust krönt das Ganze“. Aber unsereins treibt nicht die Jagdlust, sondern gerne würde man stehenbleiben und schauen, ob es in diesem Gebiet denn keine Schwammerln gäbe.

Wald und Felder wechseln einander ab, das Getreide steht schon sehr hoch, auch der Mais schaut prächtig aus. Dazwischen liegen schmucke Dörfer, wir haben kein einziges nicht restauriertes, verkommenes Gebäude gesehen, alles wirkt sehr einladend. Und es gibt sie noch, die guten Wirtshäuser, in denen österreichisches Essen, der Schweinsbraten mit dem Erdäpfelknödel, serviert wird. Dazu wird Wachauer Grüner Veltliner von freundlichem Personal kredenzt.

Und schon denkt man an Weihnachten, wenn man an den stillen Karpfenteichen vorbeikommt. Weit weg sind die täglichen Sorgen und Probleme denn

oh, wie schön ist Austria.

*) Oh, wie schön ist Panama (Die Geschichte, wie der kleine Tiger und der kleine Bär nach Panama reisen) ist eine mit dem Deutschen Jugendbuchpreis  ausgezeichnete illustrierte Kindergeschichte  von Janosch. Das Buch erschien am 15. März 1978.

Oh, wie schön ist Austria

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