Der Waschtag

Dank sei der Waschmaschine, die uns solches erspart!

Der Waschtag meiner Kindheit fand monatlich statt und musste geplant werden. Wir wohnten in einem Miethaus im neunten Bezirk in Wien, im zweiten Stock – mit Halbstöcken – ohne Lift. Wenn ich mich recht erinnere, waren es 56 Stufen bis zu unserer Wohnung. Die Waschküche befand sich im Keller, weitere geschätzte 15 Stufen. Die Wäsche wurde „auf dem Boden“, d.h. auf dem Dachboden getrocknet, noch einmal geschätzte 15 Stufen.

Vor dem Waschtag wurde alles „abgezogen“, die Wäsche getrennt in weiße und bunte und  in Wäschekörbe sortiert. Über die Schlüssel zur Waschküche und zum Dachboden verfügte die Hausbesorgerin. Eine gestrenge Frau, die für Ordnung und Sauberkeit im Haus sorgte. Ihre Wohnung lag im Tiefpaterre und durfte als einzige den Garten betreten, mit dem herrlichen alten Kastanienbaum. Sie pflegte ihn auch. Die Höfe waren frei zugänglich, dort standen ja die Mistkübel und die Teppichklopfstangen.

Am bereits länger am Horizont drohenden Waschtag musste früh aufgestanden werden, um das Material in den Keller zu befördern. Material waren Waschmittel, Bürsten, Aufwischfetzen, aber auch Brennmaterial, um einzuheizen, damit das Wasser im Kupferkessel in der Waschküche rechtzeitig kochte. Ja, die weiße Wäsche wurde gekocht, einerseits aus hygienischen Gründen, andererseits aber auch, um zu garantieren, dass sie auch wirklich weiß blieb. Heute garantiert dies das Waschmittel? In dem dampfenden Kessel wurde mit einer Art Keule „umgerührt“ und nach angemessener Zeit die Wäsche herausgehoben und in den nahe stehende Waschtrog befördert. Da konnte man sich schon leicht verbrühen. Das abtropfende Wasser floss dann direkt in eine Öffnung am Boden. Im Waschtrog fand dann die eigentliche Reinigung statt, entweder durch Verwendung einer Wäscherumpel oder durch Bürsten. Die Lauge wurde später für die Buntwäsche weiterverwendet, die nicht gekocht wurde. Der Waschtrog hatte einen Stöpsel, damit das Wasser draus abfließen konnte. In der Waschküche stand während all dieser Vorgänge immer Wasser, sei es kochend heiß oder ziemlich kalt. Denn mehrmals geschwemmt wurde mit kaltem Wasser.

Und jetzt musste die nunmehr saubere Wäsche mit der Hand ausgewrungen werden. Eine sehr anstrengende Aufgabe! Nun wurde diese noch ziemlich nasse Wäsche wieder in die Körbe befördert, die auf den Dachboden getragen werden mussten. Nasse Wäsche ist schwer, und wenn es durch diese Weidenkörbe tropfte, musste das im Stiegenhaus selbstverständlich aufgewischt werden. Es war mühsam, diese Körbe zuerst aus dem Keller, dann vier Stockwerke und zuletzt auf den Dachboden zu schleppen. Dort mussten die Wäscheleinen gespannt werden und letztlich konnte die Wäsche aufgehängt werden. Und die Waschküche musste selbstverständlich auch gesäubert und aufgewischt werden. In den Höfen konnte nicht aufgehängt werden, da sie nicht versperrt waren und zuweilen Teppich geklopft wurden. Außerdem wäre man hier wetterabhängig.

Später, und das war der leichtere Teil, musste die Wäsche abgenommen, zusammengelegt und wieder in die Wohnung gebracht werden. Die Wäscheleinen abgenommen und eingerollt werden. Dort wurden die großen Stücke wie z.B. Leintücher „eingespritzt“, gerade gezogen, um sie etwas leichter bügeln zu können.

Zum Waschen konnte man sich die so genannten Waschweiber bestellen, oder die Arbeit „familiär“ teilen. Alle Kinder kannten jedenfalls damals den Reim: „Wir Wiener Waschweiber würden weiße Wäsche waschen, wenn wir wüssten, wo wirklich weiches, warmes Waschwasser wäre“.

Ein Waschtag war kein „normaler“ Tag, alle waren schlecht aufgelegt, es gab kein Essen, außer man wärmte es sich selber, und man wurde immer wieder zu „Dienstleistungen“ eingeteilt. Natürlich versuchte man, den Pflichten zu entkommen – „wir mussten länger in der Schule bleiben“ – aber alles half nichts, zum Wäschekörbetragen war man auch nach dem täglichen Schulschluss wieder zu Hause. Ganz schlimm war es, wenn man beim Aufhängen der Wäsche den Boden streifte und das gute Stück schon wieder schmutzig war.

Wenn man am Lande lebte, war es wieder anders, auch hier musste man den Kessel vorheizen, der aber oft im Freien stand. Dort musste dann sowohl im Sommer als auch im Winter gewaschen werden. Geschwemmt wurde im nahe gelegenen Mühlbach, der war auch im Winter nicht zugefroren. Aufgehängt wurde im Freien, mich beeindruckte besonders die „gefrorene“ völlig steife Wäsche im Winter.

Es waren schon sehr starke, flinke Frauen notwendig, um diese Arbeiten bewältigen zu können. „Schöne“ Hände hatte man dann hinterher auch nicht, da man sowohl in sehr heißem als auch extrem kalten Wasser arbeiten musste, sie waren dann oft rissig und rot!

Auch all das sollte man bedenken, wenn man von der „guten alten“ Zeit spricht. Aber vielleicht sprechen ja hauptsächlich Männer davon, die nicht für Wäschewaschen zuständig waren.

Der Waschtag

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