Missbrauchte Kinder

Waren es früher die Kindersoldaten in Afrika, die die Welt erschütterten, so sind es heute jene Kinder, die vom IS als Terroristen ausgebildet werden. Manche von ihnen sind bereits bei Attentaten zum Einsatz gekommen. Die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) soll in Syrien seit Jahresanfang mindestens 400 Kinder als Kämpfer angeworben. Die sogenannte „Jugend des Kalifat“ erhalte eine militärische Ausbildung und werde von Hardlinern indoktriniert. Kinder und Jugendliche würden vor Schulen und Moscheen angesprochen. Zudem gingen die Extremisten in der Nähe von öffentlichen Plätzen auf Werbetour. Greifen sie auf Kinder zurück, weil bei ihnen die Gehirnwäsche einfach ist? Möglicherweise spreche die Miliz aber auch Kinder an, weil der Zulauf von erwachsenen Kämpfern abgenommen habe. Systematisch erziehe die Terrormiliz IS Kinder und Jugendliche zum effektiven Morden.

Es sollen Tausende von Kindern und Jugendlichen sein, die die Dschihadisten seit 2014 in Spezialtrainingscamps zu Killern ausbildeten. Man wolle eine „neue Generation“ von „heiligen Kriegern“ für die Zukunft heranziehen. Kinder im Alter zwischen sieben und 15 Jahren sollen abgeschottet von der Außenwelt an geheim gehaltenen Orten in Syrien und im Irak das Handwerk des Tötens lernen. Die Tagesabläufe sollen genau strukturiert sein, praktische und theoretische Unterweisungen wechseln einander ab, wie Gymnastik, Laufen, Waffenkunde, Zielschießen mit Pistolen und Gewehren, Handhabung von Sprengstoffgürteln, aber auch Hinrichtungsmethoden – wie z.B. durch einen Messerstich in den Hals. Die gesamte Kampfausbildung dauert mindestens zehn Wochen. Jeden Handgriff wiederholten sie hunderte Mal, bis er perfekt saß. Morden scheint so die normalsten Sache der Welt – genau das sollen die Kinder in den Camps verinnerlichen.

Die Ausbilder gehen auf die Kinder ein, sie geben ihnen, was sie wollen, z.B. auch Geld und Kleider. Diese Lehrer stammen aus Saudi-Arabien, Tunesien, Libyen, China, Belgien und Frankreich. Alle tragen Masken, die sie nur in seltenen Ausnahmefällen abnehmen. Dennoch, die Kinder mögen die Ausbilder. Auch die Kinder sind verschiedener Nationalität: die wenigsten stammen aus Syrien selbst, aber auch Chinesen, Usbeken, Iraker, Franzosen und noch viele andere europäische Kinder werden unterwiesen. Offensichtlich schicken gerade ausländische IS-Kämpfer, die mit ihrer Familie in den Dschihad gezogen sind, den Nachwuchs ins Terrorcamp. Ihre Söhne sollten so zu „wahren“ Gotteskriegern erzogen werden und als „Märtyrer“ sterben. Und die Kinder werden immer schneller auch im Kampf eingesetzt. 2014 wollte der IS die Jugendlichen noch Schritt für Schritt auf ihre zukünftigen Aufgaben vorbereiten. Damit ist es vorbei. Denn die Terrormiliz braucht heute dringend Nachschub – vor allem Kämpfer an der Front und Selbstmordattentäter werden gebraucht. Sie sterben in einem bisher ungekannten Ausmaß. So wurden unter 18-Jährige im Januar 2016 dreimal so oft als Selbstmordattentäter eingesetzt wie noch im Januar 2015. Der IS verheizt die Jugend, und es ist ihm völlig egal.

Der IS versucht mit allen Tricks, Kontrolle über Kinder und Jugendliche zu gewinnen. Manche werden in Terrorcamps völlig isoliert. Der IS soll das Zuhause ersetzen. Den Kindern werden täglich Videos vorgeführt, in denen Morde gezeigt werden. Die müssen dann die Kinder „nachspielen“. Mit der Alltäglichkeit von Gewalt sollten alle Ressentiments dagegen ausgeschaltet werden. Das Morden wurde glorifiziert und kollektiv eingeübt. So sinkt die Hemmschwelle gegen die Anwendung von Gewalt. Der IS versucht mit allen Tricks, Kontrolle über Kinder und Jugendliche zu gewinnen. Sie werden teilweise völlig isoliert. Der IS soll das Zuhause ersetzen.

Zudem müssen die Kinder jeden Freitag nach dem Gebet in der Moschee öffentlichen Exekutionen beiwohnen. Wie bei einem Schulausflug wurde alle Camp-Insassen mit Bussen zum Schauplatz transportiert. Da wurde das Abhacken von Hand und Fuß, die Enthauptung mit Messer und Schwert gezeigt. Nach den Exekutionsbesuchen durften die Jungen nachts nicht schlafen. So sollten Albträume verhindert werden. Wer einschlief, wurde mit einem Kübel Wasser geweckt. Zu essen gab es auch nichts. Womöglich hätte sich einer übergeben. So versuchten die IS-Ausbilder schlechte Erinnerungen an die Hinrichtungen zu tilgen. Dagegen sollten positive Gefühle erzeugt werden. Denn als Belohnung durften die Kinder am darauf folgenden Abend vor dem Schlafengehen wie ganz normale Kinder spielen. Das war etwas ganz Besonderes, weil es die Ausbilder selten zuließen. Selbst Fußballspielen war ihnen dann erlaubt, was an normalen Tagen verboten blieb.

Auch in einer normalen „Schule“/Madrasa der Extremisten in Syrien ist das Rezitieren des Korans  eines der Hauptfächer, neben Kampftraining und Exekutionen.

Millionen von syrischen Kindern leben auf der Flucht, ohne ein Zuhause, ohne Ausbildung und Zukunftsaussichten. Sie können leicht zur Beute der Terroristen werden.

Aber die Ausbildung erfolgt nicht nur in entsprechenden Camps oder in Madrasen, manche Eltern nehmen das selbst in Angriff. Der Terrorist Khalid Sharrouf postet ein Foto seines Sohnes, der einen abgeschlagenen Kopf in beiden Händen hält. Das Ziel: Ein Kalifat zu errichten – und möglichst viele Ungläubige zu töten. Wird aus diesem Terrorkrieg auch ein Krieg der Kinder? Denn Führer der Dschihadisten sehen in ihnen sogar mögliche Attentäter in einem Krieg, der aus ihrer Sicht von Allah gesegnet ist. Alle von ihnen brennen angeblich darauf, für den Islamischen Staat und für Allahs Sache zu kämpfen.
Und was ist, wenn diese Kinder zu uns kommen?

Es kann eher sehr schwierig werden, alle diese Jugendlichen in Zukunft in eine hoffentlich dann friedliche Gesellschaft einzugliedern.

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