Mein wunderbares Usbekistan in der Krise

Ich habe wunderbare Erinnerungen an eine Usbekistan-Reise – noch in der Sowjetzeit. Es waren Taschkent, Buchara und Samarkand, die wir besucht hatten. Usbekistan war für mich nicht „sowjetisch“ sondern orientalisch geprägt.

Usbekistan ist ein säkularer, aber islamisch geprägter Binnenstaat in Zentralasien. Er entstand im Oktober 1924 als Usbekische Sozialistische Sowjetrepublik, einem Teil der Sowjetunio, und wurde 1991 unabhängig. Aber es gab ein „davor“. Eine Persische Herrschaft, die von Alexander dem Großen beendet wurde. Seit dem Altertum verlief die Seidenstraße durch Usbekistan. Wie überall in der Gegend begann im 8. Jahrhundert die Islamisierung. Später setzte sich das türkische Element durch. Ab Mitte des 12. Jahrhunderts herrschten die Choresm-Schahs und die verfeindeten, aus China geflohenen, Kara Kitai.

Im Jahre 1220 drangen die Mongolen in Usbekistan ein. Am Ende einer unruhigen Zeit stand der neue, heutige usbekische Volksheld Timur Lenk, auch bekannt als Tamerlan, der sich 1370 zum Herrscher von ganz Transoxanien ausrief und den Titel eines Emirs annahm. Er strebte die Wiederherstellung des Mongolischen Reiches an, ging dabei mit äußerster Brutalität vor. Gleichzeitig war ein Förderer von Kunst und Literatur.  Die Timuriden herrschten noch bis Anfang des 16. Jahrhunderts. Erst danach begann die Zeit der eigentlichen Usbeken, einem Turkvolk, das ursprünglich aus West-Sibirien stammte.

Die Zeit der usbekischen Khanate, mit dem noch bis 1600 zunehmenden Karawanenhandel, gilt als eine Blütezeit der Kultur und Wissenschaft. Mit dem frühen 18. Jahrhundert begann eine Zeit der inneren Probleme und Unruhen. Im 19. Jahrhundert begannen die Auseinandersetzungen zwischen dem Vereinigten Königreich und dem Russischen Reich um die Vorherrschaft in Zentralasien. Russland erlangte schließlich die Kolonialherrschaft über Usbekistan.

In den 1930er Jahren fiel ein Großteil der rekrutierten einheimischen Parteiführung den Säuberungen Stalins zum Opfer. Von 1959 bis 1983 war Usbekistan eine Art kommunistisches Khanat. Am 24. März 1990 wurde Islom Karimov Staatspräsident Usbekistans; am 20. Juni erklärte das Land seine Unabhängigkeit von der UdSSR. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion, wurde 1991 die Unabhängigkeit Usbekistans erklärt. Präsident wurde Islom Karomov, der schon seit 1989 erster Parteisekretär in Usbekistan gewesen war und sein Amt als Präsident Usbekistans bis heute ausübt.

Nach der Verkündung der Unabhängigkeit Usbekistans wurden die Rechtsgrundlagen des neuen Staates geschaffen. Die Verfassung Usbekistans ist auf Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Marktwirtschaft mit sozialen Garantien und Grundrechtsschutz ausgerichtet. Die praktische Umsetzung der Verfassung durch die Politik ist jedoch heftiger Kritik wegen mangelnder Rechtsstaatlichkeit und erheblicher Demokratiedefizite ausgesetzt.

In den 1990er Jahren gab es wiederholt innere Konflikte, zu einer Serie von Bombenanschlägen kam es 2004. Offizielle usbekische Stellen beschuldigen die Islamische Bewegung Usbekistan, die dem islamischen Fundamentalismus zugeordnet wird. Im Mai 2005 wurden während einer Demonstration 400 bis 600 Menschen durch usbekische Militär- und Polizeikräfte erschossen. Die mehrtägigen Unruhen, wurden vom Regime Karimov den Islamisten der Hizb it-Tahrir (Partei der Befreiung) zugeschrieben.

Usbekistan kennt nur einen Herrscher: Islom Karimow, 25 Jahre im Amt. Doch nun ist der Diktator schwer erkrankt, und das  kurz vor einem historischen Jubiläum. Am Donnerstag, dem 1. September, feiert Usbekistan seinen 25. Unabhängigkeitstag. In dem Vierteljahrhundert seit der Unabhängigkeit hat es in Usbekistan nie einen anderen Präsidenten gegeben als Karimow. Lange galt seine älteste Tochter Gulnara als Favoritin, doch sie steht inzwischen unter Hausarrest. Nun gibt es keinen klaren Favoriten auf die Nachfolge des Präsidenten.

Alternative politische Kräfte abseits der Führung und die unabhängigen Medien hatte der Präsident schon lange ausgeschaltet. Das Internet steht unter Kontrolle der Regierung. Mit einer repressiven Religionspolitik ließ die Führung keinen Raum für unabhängige muslimische Glaubensgemeinschaften. Von der staatlichen Doktrin abweichende Lehren wurden unter Generalverdacht des Islamismus gestellt.

Usbekistan ist mit mehr als 30 Millionen Einwohnern der bevölkerungsreichste Staat Zentralasiens. Viele Usbeken leben aber auch in den Nachbarstaaten. Durch eine komplizierte Grenzziehung zu Sowjetzeiten gibt es zudem viele Enklaven und strittige Grenzverläufe. Ein fairer und durch den Willen des Volkes bestimmter Machtwechsel ist nicht zu erwarten. Die Einnahmen des Staates aus dem Export von Öl und Gold sind durch die gefallenen Rohstoffpreise gesunken. Die soziale und wirtschaftliche Lage der Bevölkerung ist prekär. Millionen Usbeken verdienen ihr Geld in Russland, der Türkei oder den Nachbarstaaten. Doch durch die Wirtschaftskrise in Russland verloren auch viele Exil-Usbeken ihre Jobs.

Meine Erinnerungen umfassen z.B. den Markt von Taschkent, dort stießen mich Marktfrauen an und fragten nach Nescafe. Im Bazar gab es die bunten Seidenstoffe, aber auch  Trapezkünstler und Seiltänzer stellten ihre Künste zur Schau. Man saß auf einer Art Bett und trank den köstlichen Tee. Die Altstadt von Buchara mit ihren eindrucksvollen Baukunstwerken, darunter zahlreiche Moscheen und Medresen, wird von der UNESCO schon seit 1993 zum Weltkulturerbe gezählt. Die Bauwerke sind uralt, und sie erwecken Vorstellungen über das Treiben auf der Seidenstraße, wo man dann in den Karawansereien absteigen konnte. Am eindrucksvollsten für mich war der Registan von Samarkand. In der Sonne glänzen die Kacheln in Türkis und Blau an den Kuppeln der historischen Gebäude.

Man kann diesem Land nur eine glückliche Zukunft wünschen.

Mein wunderbares Usbekistan in der Krise

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