Photos werden zu Symbolen ihrer Zeit.

Voriges Jahr war es das Bild des ertrunkenen syrischen Buben an der türkischen Küste, Aylan. Der kleine Junge wurde nur drei Jahre alt. Das Kind war mit seiner Familie aus dem syrischen Kobane geflohen und ertrank auf der Flucht mit seinen Eltern über das Mittelmeer. Seine Leiche wurde nahe Bodrum in der Türkei an den Strand gespült.

Heuer ist es der verletzte Bub von Aleppo: ein Video zeigt, wie Helfer den Kleinen aus Trümmern am 17. August bergen und in einen Rettungswagen bringen. Dort sitzt der völlig in Staub eingehüllte Junge mit nackten Füßen auf einem Stuhl. Er schreit und weint nicht – aber der Schrecken ist an seinem stummen Gesicht und seinem leeren Blick abzulesen. Er fasst sich an den blutenden Kopf, bemerkt das Blut an den Händen und versucht dann, es an dem Stuhl abzuwischen. Inzwischen ist  der nur leicht verletzte Omran Daqneesh zurück bei seinen Eltern, wird berichtet. Die Eltern und alle vier Kinder waren bei dem Angriff unter Trümmern begraben gewesen, aber gerettet worden. Eine Stunde nach dem Angriff sei das gesamte Gebäude eingestürzt.

Und was bewirken diese Bilder nun wirklich? Werden diese beiden Buben „nur“ zu Ikonen des Bürgerkrieges?

Sei fünf Jahren sterben Menschen in Syriens Krieg, mehr als 400.000 sollen es bislang sein. Aleppo war eine wunderschöne Stadt mit einer 6000 Jahre währenden Geschichte. Es wohnten dort 2,3 Millionen Männer, Frauen und Kinder. Heute liegt Aleppo in Ruinen, Tausende seiner Bewohner sind geflohen bzw. ermordet worden, in Stadt leben jetzt noch angeblich 250 000 Menschen. Die UNO ist paralysiert, eines ihrer Mitglieder, sogar ein permanentes Mitglied des Sicherheitsrates, bombardiert die Stadt, davon besonders betroffen sind Spitäler und Schulen. Das syrische Regime setzt Fassbomben ein. Eine derartige Bombe besteht aus einem mit Sprengmitteln n und Metallteilen gefüllten Fass, ihre zerstörerische Wirkung beruht auf der Sprengstoffmenge in einem solchen Behälter und der verheerenden Wirkung der Metallteile, vor allem auf so genannte „weiche“ Ziele. Fassbomben sind billiger und einfacher zu produzieren als herkömmliche Waffen. Die USA stehen im Wahlkampf, und Europa ist durch seine eigenen internen Problem abgelenkt. Der so genannte politische Prozess, geleitet von Staffan de Misura stockt; während des letzten Monats ist keine einzige Hilfslieferung nach Aleppo durchgekommen.

Ob aufgrund dieses Photos oder aus anderen Gründen: Angesichts der katastrophalen Lage der Zivilbevölkerung in Aleppo hat sich Russland zu einer wöchentlichen 48-stündigen Feuerpause in  Aleppo bereit erklärt. Bedingung sei, dass während dieser Zeit Konvois mit Hilfsgütern sowohl in Rebellenviertel als auch in Stadtteile unter Kontrolle der Regierung fahren könnten.

Aber dieser Krieg wird erst aufhören, wenn die Waffenlieferungen an die Kriegsparteien aufhören. Aus mindestens 25 Ländern stammen die Waffen, mit denen die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) kämpft. Die Herkunftsländer sind unter anderem die Vereinigten Staaten, Russland, China oder Mitgliedsländer der EU. Der IS hat aber den größten Teil seiner Waffen aus irakischen Waffenlagern „erobert“.

Seit Jahrzehnten fließen Waffen in großer Zahl in den Irak, zunächst zur Zeit des Krieges zwischen Iran und dem Irak, und eine zweite Welle begann nach der amerikanischen Invasion von 2003. Die konventionellen Waffen des IS sind mehrheitlich russischer und chinesischer Herkunft und stammen aus den Jahren zwischen 1970 und 1990. Die Vereinigten Staaten schlossen in jüngerer Zeit Waffenlieferungsabkommen mit Bagdad in Milliardenhöhe ab. Korruption und fehlende Kontrollmechanismen stellen ein ständiges Risiko dar, dass solche Waffen in die Hände von Gruppen wie dem IS gerieten.

Auch die Aufständischen der ersten Stunde in Syrien erwarben viele ihrer Waffen anfänglich von korrupten Offizieren der syrischen Armee. Deserteure brachten ihre Waffen mit. Daneben beschafften sich die Rebellen Waffen über improvisierte Schmuggelnetzwerke aus den Nachbarländern. In manchen Gebieten hatten Teile der Bevölkerung ohnehin Waffen – Stämme, Jäger, Schmuggler. Waffenlieferungen im größeren Stil kamen dann primär aus zwei Richtungen: aus Südosteuropa und aus Libyen. Washington soll indirekt in die Sendungen von Waffen aus Libyen involviert  sein, welche in die Türkei geflogen und dort über die Grenze gebracht wurden.

Finanziert werden die Waffenlieferungen an die Gegner Assads von Katar, Saudiarabien oder der Türkei sowie von privaten Spendern, etwa am Golf oder in Libyen. Washington versucht, die Lieferungen zu koordinieren und zu überwachen. Oft aber wechseln Waffen die Hände. Wenn sich die Frontlinien verschieben, gehen oft auch die Waffen der Verlierer an die Sieger. Der einstige Al-Kaida-Ableger Jabhat al-Nusra hat mehrmals amerikanisch ausgebildete Rebellen überwältigt und deren Ausrüstung konfisziert.

Hauptlieferant für Rüstungsgüter an Damaskus ist Moskau. Die kostspielige Intervention im syrischen Krieg lohnt sich für Russland: Der Krieg dient quasi als Schaukasten für russische Militärflugzeuge, Raketen oder Panzer, von denen manche in Syrien erstmals zum Einsatz kommen.

Aber auch der Balkan und Ostmitteleuropa liefern Waffen: Hauptprofiteure sind die Rüstungsindustrien in den Herkunftsländern Kroatien, Serbien, Bosnien, Montenegro, Tschechien und der Slowakei, welche die Waffen an Saudiarabien, Jordanien, die Emirate und die Türkei verkaufen. Von dort werden sie nach Syrien weitergeleitet. Dies sind in die Jahre gekommene, aber zuverlässige und effiziente Waffensysteme, die auch Einheiten mit wenig militärischem Training bedienen und warten können.

Das Uno-Flüchtlingshilfswerk hält an seiner Kritik fest: Die Waffenlieferungen aus Osteuropa seien ein Auslöser jenes Exodus, auf den manche dieser Länder mit Stacheldrahtverhauen an den Grenzen reagierten.

Photos werden zu Symbolen ihrer Zeit.

Geschürte Ängste

Im Gegensatz zur Angst ist die Furcht meist rational begründbar und wirklichkeitsgerecht, sie verfügt über einen Gegenstand, dem zu begegnen oder der zu vermeiden ist. Angst ist ein Grundgefühl,  welches sich in als bedrohlich empfundenen Situationen als Besorgnis und unlustbetonte Erregung äußert. Das Wort Angst findet, besonders im Plural, dann Verwendung, wenn die vom Anlass abgelöste, oft vage oder äußerlich grundlose innere Befindlichkeit genannt oder beschrieben werden soll, wohingegen Furcht die Realität der drohenden Gefahr betont.

Angst wird von populistischen Politikern geschürt, die sich Stimmenzuwachs erwarten – leider zurecht! Das ist ein weltweites, nicht nur österreichisches Phänomen: Der Präsidentschaftskandidat Donald Trump lässt keine Gelegenheit aus, muslimische Einwanderer als unerwünscht zu brandmarken, um die verunsicherte untere Mittelschicht gegen alles Fremde aufzuhetzen. Und auch in Frankreich, den Niederlanden, Polen oder Ungarn – wer in der Bevölkerung Angst gegen Einwanderer und Flüchtlinge sät, kann derzeit mit viel Unterstützung rechnen. Inzwischen hat diese kollektive Angst in Deutschland ebenfalls um sich gegriffen. Gleichgültig, was die AfD an politischen Aussagen sonst noch zu bieten hat, die Empörung über die angebliche Islamisierung Deutschlands und die kriminelle Neigung der bei uns Zuflucht suchenden Ausländer mobilisiert die Wähler und trifft offenkundig auf einen sensiblen Nerv. Die Massenmörder von einigen kürzlich erfolgten Anschlägen waren wahrscheinlich keine von der Terrormiliz IS ausgesandten Terroristen, sondern psychisch labile, gewalttätige Personen, die IS-Parolen nutzen (das Auto als Waffe).

Aber es sind nicht nur die Politiker, es sind auch gewisse Medien, die Angst schüren. Terroralarm, Terrorangst, Terrorgefahr, Terroranschläge – die Medien verbreiten seit den diversen Anschlägen jeden Tag solche Parolen. Die Boulevardmedien sind voll auf dem Terrortrip. Sie ängstigen ihre Leser und Zuschauer so gut sie nur können: Großes Terrorgeschrei ohne Substanz, ohne nachvollziehbare Fakten, meist gezielt in Richtung Islamisten und IS. Die Ereignisse können noch so weit weg stattfinden, die Zahl der Opfer noch so klein sein, Hauptsache es wird „Terror“ geschrien, wobei eine Terrordefinition weitgehend fehlt. Die Medien schüren eine diffuse Angst, Informationen werden nur teilweise übermittelt, weil sich die Aufmerksamkeitsspanne der Menschen auf Kurznachrichten reduziert hat – und die können keine komplexen Sachverhalte darstellen. Das Ziel dieser Medien ist die Erhöhung der Auflagenzahl, das wiederum erhöht die Werbeeinnahmen, denn die meisten dieser Medien sind Gratiszeitungen, die sich nicht durch den Verkauf finanzieren. Mit dem Flüchtlingsstrom verdoppeln Medien ihre Angstrate.

Kein normaler Bürger möchte gerne in einem Polizei- und Überwachungsstaat leben. Aber wenn das Volk genügend verängstigt und in ständiger Panik gehalten wird, dann akzeptiert es genau einen solchen Polizeistaat bzw. autoritäre Politiker.

Ein Blick in die Statistik aber zeigt: es findet sich bei schweren Straftaten kein Hinweis auf eine Überrepräsentanz von Ausländern; erst recht nicht von Flüchtlingen. Auch nicht bei Vergewaltigungen. Was noch mehr auffällt: Gerade die angstauslösenden Verbrechen wie Körperverletzungen, Mord oder Totschlag  gehen eher zurück. Es gibt auch negative Entwicklungen. So nimmt z.B. die Zahl der Wohungseinbrüche zu.  .

Wieso kommt es zu dieser Diskrepanz zwischen der wirklichen Sicherheitslage und deren Wahrnehmung?

Vor 100 Jahren waren rund 70 bis 80 Prozent des Wissens durch persönliche Erfahrung bestimmt. In der heutigen Welt basieren dagegen 70 bis 80 Prozent des Wissens nicht mehr auf Erfahrung, sondern auf Kommunikation. Gefahren erleben wir vermittelt über Medien und andere Formen der Kommunikation, häufig in digitalen sozialen Netzwerken. Es hat sich gezeigt, dass sich viele angeblich gesicherte Erkenntnisse als falsch oder zumindest nicht ganz richtig herausgestellt haben. So bleibt es bei dem Gefühl der Verunsicherung. Aus der Psychologie ist bekannt, dass Angstgefühle vor allem mit Ungewissheit verbunden sind, während das Erlebnis eines konkreten Schadens eher Widerstandskräfte hervorruft. Je weniger sich die Gefahr einschätzen lässt, desto mächtiger wirkt das Gefühl von Angst und Ausgeliefertsein. Daher haben Menschen am meisten Angst vor Flüchtlingen oder Ausländern in jenen Regionen, in denen es keine gibt. Ihnen felt die konkrete Erfahrung!

Der zweite Grund ist, dass in einer pluralistischen Gesellschaft Wahrheitsansprüche fast immer umstritten sind. Die Menschen können nicht aus eigener Erfahrung entscheiden, wer recht hat. Vielen Menschen erscheint es ratsam, an die schlimmsten Variante zu glauben.

Der dritte Grund ist die heutige Medienstruktur. Bei rund sieben Milliarden Menschen ist allein statistisch jede Minute eine Katastrophe oder eine andere Form von gravierenden Schadensereignissen zu erwarten. Früher war es eher Zufall, wenn diese Katastrophen in das Bewusstsein der weit weg lebenden Menschen gelangten. Deshalb setzte sich damals die Erkenntnis durch, dass solche Katastrophen zwar nicht ausgeschlossen, aber doch eher unwahrscheinlich seien. In dem Moment aber, in dem es täglich Katastrophenmeldungen gibt, wächst die Furcht, wir würden weltweit in zunehmendem Maße immer größeren Risiken ausgesetzt, die tagtäglich ihre schreckliche Wirkung zeigen.

Die Statistik zeigt aber, dass die Zahl der wegen Katastrophen zu Tode gekommenen Menschen seit Jahrzehnten abnimmt. Das gilt auch und insbesondere für Übergriffe durch Flüchtlinge oder Ausländer. Da die Bevölkerung aber jeden Tag „Horrormeldungen“ hört, hat sich die Erkenntnis festgesetzt, die Welt werde immer risikoreicher und gefährlicher. Umso wichtiger scheint es daher, jeder noch so absurden Warnung vor einer neuen Gefahr durch Überfremdung die gebührende Achtung zu erweisen.

Das Motto sollte aber heißen: mehr Gelassenheit, und weniger Aktionismus. Es lässt sich in der Regel leicht überprüfen, was uns bedroht und in welchem Ausmaß. Und das sind weder „die Ausländer“ noch „die Flüchtlinge“.

Geschürte Ängste

Die umkämpfte muslimische Bekleidung: der Burkini

 

Muslimische Frauen dürfen im Bad, am Strand keinen Ganzkörperschwimmanzug tragen. Von den Gegnern werden einerseits „hygienische Gründe“ angegeben, aber auch „heftige Beschwerden“ werden angeführt. In Cannes mussten die ersten Frauen bereits für das Tragen eines Burkini am Strand Strafe zahlen. In vielen muslimischen Gesellschaften treten Frauen in der Öffentlichkeit stark verhüllt auf. Dennoch wächst in den letzten Monaten der Widerstand gegen die Verschleierung in Europa. In der Schweiz beispielsweise hat ein Vorfall für einen Eklat im Schwimmbad gesorgt. Burkini-Trägerinnen wurden des Beckens verwiesen.

Ein erstes Verbot hatte der Bürgermeister von Cannes Ende Juli per Dekret erlassen, danach folgte der Ort Sisco auf Korsika. Dort war es zu Auseinandersetzungen zwischen korsischen Jugendlichen und Familien maghrebinischer Herkunft gekommen. Zuvor hatten Touristen Augenzeugen zufolge Frauen fotografiert, die im Burkini baden gingen. Cannes und die Nachbargemeinde Villeneuve-Loubet haben verfügt, dass Frauen keine Burkinies mehr tragen dürfen. Der Bürgermeister von Cannes, erklärte in den Burkini zur „Uniform des extremistischen Islamismus“,. schließlich würden am Mittelmeer andere Werte gelten.Bedroht der Islam unsere christlichen Wurzeln  und das laizistische Fundament der Republik?

Frankreichs Regierungschef befürwortet ein Burkini-Verbot an einzelnen Stränden. Ein Gesetz für ganz Frankreich kommt für Valls aber nicht infrage. „Strände müssen wie jeder andere öffentliche Raum vor religiöser Inanspruchnahme geschützt werden“. „Der Burkini ist nicht ein neues Modell von Badeanzügen, eine Mode. Er ist die Übersetzung eines politischen Projekts, einer Gegengesellschaft, die unter anderem auf der Unterjochung der Frau fußt.“ Hinter dem Burkini stehe die Idee, dass Frauen „von Natur aus unkeusch und unrein“ seien und sich deshalb vollständig zu bedecken hätten, sagte Valls weiter. Mit den „Werten Frankreichs und der Republik“ sei das nicht vereinbar. „Die Republik muss sich gegen Provokationen verteidigen.“

Angesichts der derzeitigen Spannungen – ein Verweis auf die islamistischen Anschläge dieses Sommers und die weiterhin hohe Terrorgefahr – müssten Störungen der öffentlichen Ordnung verhindert werden, sagte Valls. Er verstehe und unterstütze deswegen Bürgermeister, die das Tragen der muslimischen Anzüge verbieten, wenn das Motiv dahinter sei, „das Zusammenleben zu fördern, ohne politischen Hintergedanken“. Anlass für eine gesetzliche Regelung sieht Valls dagegen nicht: Allgemeine Bekleidungsvorschriften könnten „nicht die Lösung sein“.

Der Burkini– eine Wortschöpfung aus Burka und Bikini – bedeckt den ganzen Körper einschließlich des Kopfes und wird von muslimischen Frauen getragen, die beim Baden einer strengen Auslegung des Islam entsprechen wollen. Das Gesicht bleibt beim Burkini aber frei. Das Tragen eines Burkinis fällt also nicht unter das seit 2011 in Frankreich geltende Burka-Verbot, das untersagt, in der Öffentlichkeit sein Gesicht zu verhüllen. Ein Burkini verdeckt nicht das Gesicht einer Frau, er steht also angeblich nicht für Unterdrückung. 2007 kam der Ganzkörperanzug aus Elastan, der auch Hände und Füße freilässt, unter diesem Namen auf den Markt. Seither boomt das Geschäft: Immer mehr Frauen gehen damit schwimmen.

Was als schleichende Islamisierung interpretiert wird, könnte auch als Indiz für eine stärkere Teilnahme strenggläubiger Frauen am öffentlichen Leben gewertet werden. Wer an den Strand geht, zeigt schließlich, dass er sich der hiesigen Gesellschaft zugehörig fühlt. Der spezielle Badeanzug ist für viele Muslimas oft der einzige Weg, sich dabei wohlzufühlen. Auch wenn wir uns nicht vorstellen können, diesen Anzug freiwillig zu tragen: Man muss ihn nicht gut finden, aber akzeptieren. Wie viel Haut man zeigen möchte, ist eine persönliche Entscheidung. Jede Frau sollte sich an den Strand legen dürfen wie sie will: im Bikini, Stringtanga – oder eben im Burkini.

Die Burkini-Verbote sind allerdings höchst umstritten. Kritiker prangern sie als rassistisch und islamfeindlich an und argumentieren, damit würden französische Muslime stigmatisiert. Befürchtet wird zudem, dass Burkini-Verbote die nach dem Anschlag von Nizza gewachsenen Spannungen zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen in Frankreich verstärken könnten.

Ein Sprecher der kommunistischen Partei warf Valls vor, mit seiner Unterstützung für die Burkini-Verbote dem rechtsextremen Front National „hinterherzurennen“. Der Premier spiele zudem Islamisten in die Hände: „Das ist genau das, was die Terroristen letztlich wollen: Einen Religionskrieg, ständige Spannungen, das Abdriften in einen Bürgerkrieg.“

Ein Gericht in Nizza hat das im südfranzösischen Cannes verhängte Burkini-Verbot bestätigt.

Das Verbot fußt zudem nicht auf einem gesellschaftlichen Konsens, der durch Diskussionen erreicht wurde und hinreichend begründet ist. Es ist Produkt einer durch Terroranschläge aufgekochten Islamophobie – und der kurzfristigen Profilierung zweier Bürgermeister. Das Dekret zielt nicht darauf ab, die Frau zu befreien oder den Laizismus zu verteidigen. Es zielt auch nicht darauf ab, wie es in der Verordnung heißt, „die guten Sitten und die Hygieneregeln“ einzuhalten oder vor Terrorismus zu schützen. Vielmehr sagt es eines: „Wir wollen euch hier nicht.“

Hat irgendjemand überlegt, warum diese Frauen einen Burkini tragen? Vielleicht „erlaubt“ der Mann, der Vater der Bruder der Burkini-Trägerin ihr nur, in diesem Kostüm überhaupt baden zu gehen? Vielleicht ist sie eine Konvertitin, die früher auch im Bikini an den Strand gekommen ist, jetzt aber, um die Regeln der neu angenommenen Religion nicht zu verletzen, einen Burkini trägt? Und sicher gibt es auch sie, die provozieren will: „seht wie keusch ich bin, ich renne nicht halbnackt am Strand herum.“ Hat jemand diese Frauen gefragt?
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Die umkämpfte muslimische Bekleidung: der Burkini

Würde ein Präsident Trump den Weltfrieden bedrohen?

Trump fürchtet also, dass das Wahlergebnis im November 2016 „manipuliert“ sein könnte – wenn er nicht gewinnt. Das kommt doch dem österreichischen Wähler durchaus bekannt vor.

Dennoch ist die Situation eine andere. In den USA wurden bisherige Ergebnisse taktvoll akzeptiert, auch wenn die Ergebnisse sehr knapp ausgefallen sind: z.B. Al Gore im Jahr 2000 gegen George W. Bush oder Mitt Romney  gegen Barack Obama im Jahr 2012. Trump, sollte er verlieren, was aber derzeit für wahrscheinlich gilt, will diesen Weg nicht gehen. Er will das Ergebnis delegitimieren, denn das Resultat wäre nur dann fair, wenn Trump gewinnt. Sollte das nicht der Fall sein, wenn es Unregelmäßigkeiten geben sollte, dann wäre diese Wahl ungültig und es käme zu einer verfassungsrechtlichen Krise, begleitet von „zivilem Ungehorsam“. Schon allein mit seinen Themen und Forderungen im Wahlkampf, wie Rassismus, Einsatz von Nuklearwaffen, mit seinen Zweifeln an der Unabhängigkeit der Justiz, mit seinem Wunsch nach Tests über religiöse Inhalte, um in die USA einreisen zu können, hat er die Grenzen des eines zivilen Verhaltens verletzt.

Jetzt einmal unabhängig vom Verhalten Trumps gibt es bisher keinen Nachweis, dass bei amerikanische Wahlen grobe Fälschungen aufgetreten sind. Es gibt Studien über Wahlen in der Periode 2000 bis 2014, wobei 834 Millionen Stimmen abgegeben wurden, dabei wurden 31 Fälle glaubhafter Fälschung festgestellt. Aber Trump weist darauf hin, dass man mithilfe des Ausweises als Stimmberechtigter bis zu zehn Mal abstimmen kann. Ganz unrecht hat Trump nicht, mit dieser Abstimmberechtigung, aber nicht auf die Art, wie er es darstellt. In einer Reihe von Prozessen hat sich gezeigt, dass seitens der Republikaner immer wieder versucht wurde, das Wahlsystem zulasten der Armen, der Behinderten, der ethnischen Minoritäten zu manipulieren. Schwarze wurden beispielsweise in North-Carolina aufgrund ihrer Merkmale weitgehend von den Wahlen ausgeschlossen.

Vielleicht sollte Trump die österreichische Anfechtung der Präsidentschaftswahlen 2016 studieren!

Aber Trump hat noch weitere Pläne: im Gegensatz u den Bemühungen von Präsident Obama will er Guantanamo, den Schandfleck der USA, noch weiter ausbauen. Über die Frage, ob auch amerikanische Bürger dort untergebracht werden dürften, ist in der Republikanischen Partei eine heftige Diskussion entbrannt. Auch seine jüngsten Aussagen zum Einsatz von Nuklearwaffen („Wenn wir sie haben, wieso setzen wir sie nicht ein?“) sind heftig umstritten. Im Falle einer Wahl würde er Einwanderer verschärft kontrollieren, auch mittels eines „Ideologietests“.

Trump greift auch die deutsche Kanzlerin Merkel heftig an, er meint, dass Hillary Clinton „die Merkel“ der USA werden wolle. Die massive Einwanderung von Muslimen hätte in Deutschland  zu einer erheblichen Steigerung der Verbrechensraten geführt – nun, das stimmt einfach nicht! Auch sein „Plan“, betreffend den Nahen Osten, ist weder konkret noch durchführbar. Er fordert, dass beide Parteien in den USA, aber auch alle Alliierten in Europa den „radikalen Islam“ gemeinsam bekämpfen. Nur man traut seinem Wissen über diese Gegend nicht. Durchschaut er die Kämpfe in Syrien und im Irak, weiß er über die Anstrengungen um bürgerliche Freiheiten in diesen Ländern des Nahen und Mittleren Ostens? Was weiß er über jene Kämpfer dort, die eine verantwortungsbewusste Regierungsführung in manchen dieser Länder anstreben? Überblickt er das Kurdenproblem? Viele Wähler gehen davon aus, dass ihm Menschen und Schicksale in dieser Region einfach egal sind. Er geht sogar so weit, die Folgen des Arabischen Frühlings der Obama-Administration in die Schuhe zu schieben. Dennoch – auf das Öl der Region kann nicht verzichtet werden – selbst wenn Waffengewalt erforderlich wäre. Aber ein Engreifen in fremde Staaten lehnt Trump ab – wie soll das eigentlich funktionieren?

Es stimmt, es wurden viele Fehler in der Vergangenheit gemacht, aber die „Maßnahmen“, die Trump plant, scheinen dem Frieden der Welt nicht gerade förderlich.

Insgesamt bewerben sich jeweils Dutzende von Unbekannten ums höchste Amt im Staat. Neben Hillary Clinton und Trump haben die Wähler jedoch nur zwei weitere Optionen: Gary Johnson  von der Libertarian Party und Jill Stein von den Grünen. Stein, eine Ärztin, hat wenig landesweite Parteistruktur hinter sich und ist nur für Eingeweihte wählbar. Johnson verficht libertäre Positionen, die für Republikaner kaum tragbar sind – etwa die regulierte Freigabe von Marihuana. Zudem will er Abtreibungen nicht wieder verbieten – ein Sakrileg unter Republikanern.

Andererseits: wie viele Menschen wären froh, wenn es freie Wahlen in ihrem Land gäbe. In vom so genannten Islamischen Staat beherrschten Gebieten müssen die Menschen nicht nur um ihr Leben fürchten, sondern die Gefahr, dass sie ob geringster Vergehen hart bestraft werden, ist sehr groß. Und die Strafen können sehr brutal ausfallen.

Das Problem für uns Europäer besteht darin, dass wir keine Stimme bei der US-Wahl haben, aber davon sehr betroffen sind.

Würde ein Präsident Trump den Weltfrieden bedrohen?

Oh, wie schön ist Austria

(nicht nur Panama*)

Ein ungetrübter Sommertag! In wenigen Minuten ist man vom Stadtzentrum auf der Westautobahn – und eigentlich mitten im Wald. Man meint fast die Wildschweine zu sehen, die hier leben.

Früher, als es die Autobahn noch nicht gab, fuhr man nach Westen über den Riederberg. Als dann  doch recht bald der Bau der Autobahn wieder begonnen wurde erfolgte dies nur stückerlweise, über jedes Teilstück freute man sich, jedes Teilstück wurde einzeln von Ministern eröffnet. Jetzt wird die Autobahn erweitert, mit neuem Belag versehen, aber sie ist selbstverständlich geworden. Die West Autobahn ist die erste in Österreich  gebaute Autobahn  und geht auf die Planung der Reichsautobahn  zurück. Der erste schon während des Zweiten Weltkriegs  gebaute Abschnitt reicht von der deutschen Grenze bis Salzburg-Mitte. Der letzte Bauabschnitt befindet sich im Wienerwald  zwischen Pressbaum und Wien und wurde 1966 eröffnet. Am 12. Mai 1967 folgte der Lückenschluss zwischen Amstetten-West und Amstetten-Ost.

Nach dem landschaftlich schönen, verhältnismäßig wenig befahrenen Stück, nach dem Steinhäuslberg, beginnen auch schon die Lärmschutzwände. Schallschutz bezeichnet Maßnahmen, die eine Schallübertragung  von einer Schallquelle zu einem Empfänger mindern. Durch geeignete Maßnahmen soll in erster Linie die Übertragung von Schall vermieden oder gemindert werden. Der Begriff Lärmschutz  ist nicht gleichbedeutend mit dem Begriff Schallschutz. Schall ist eine messbare Größe. Erst durch nicht messbare individuelle oder sozio-kulturelle Aspekte wird Schall zu störendem Schall, zu Lärm. Ich werde es nie verstehen, warum in einem Land mit doch hoher Baukultur so hässliche Verbauungen an der Autobahn erfolgen. Egal, wo sie sind, egal wie hoch sie sind, sie sind, wie man bei uns so trefflich sagt, au-schiach. Dazwischen kann man schon Ausblicke auf die Landschaft erhaschen. Es ist alles so saftig grün, aber das ist heuer wohl auf den vielen Regen zurückzuführen ist. Da kommt einem schon Grillparzer in den Sinn: „Mit hellem Wiesengrün und Saatengold, Von Lein und Safran gelb und blau gestickt, Von Blumen süß durchwürzt und edlem Kraut, …..

Und weil ich nicht ganz so aufgepasst habe, hätte ich fast die Abzweigung nach Melk verpasst. Auch der Anblick dieses wahrhaft fürstlichen Klosters ist schon überwältigend, und schon fährt man über die Donau: „Vom Silberband der Donau rings umwunden – Hebt sich`s empor zu Hügeln voller Wein, Wo auf und auf die goldne Traube hängt“. Wenn man von der Brücke schräg über die Donau schaut, glänzt sie wirklich silbrig, wie schon Grillparzer trefflich bemerkt hat. Baustellen müssen ja wohl sein, jetzt gerade eine solche am Wachauer Donauufer. Daher geht sich nur ein kurzer Blick auf Schloss Luberegg aus, das frisch restauriert mit Schindeln – man sagt aus Südtirol – gedeckt, sehr einladend wirkt.

Aber schon verlassen wir die Wachau, um uns nach Norden, ins Waldviertel zu begeben. Wir fahren durch das Weitental, das ist nicht wörtlich zu nehmen. Die Straße folgt dem Bachverlauf und ist wirklich extrem gewunden. Schnell kann man hier wirklich nicht fahren, auch wenn der Verkehr eher schwach ist. Wenn man das, nämlich Schnellfahren, an den wenigen geraden Stellen doch macht, gilt das als Ortsgebiet – die Polizei ist dann unerbittlich. Hier merkt man schon den Unterschied zu den hellen Kalkgebirgen, denn hier, nördlich der Donau ist es der etwas düstere Granit, der die Hügel ausmacht. An manchen Stellen blüht schon der Erika (ich bin nie sicher, ob es nicht die Erika heißen sollte), das heißt, in der Pflanzenwelt kündigt sich schon der Herbst an.

Und schon geht es bergauf, die wenigen Radfahrer schieben bereits, und wir kommen in den Wald, zuerst ist es Mischwald, später sind es meist Fichten. Auch das hat Grillparzer bereits vorweggenommen: “ Der dunkle Wald voll Jagdlust krönt das Ganze“. Aber unsereins treibt nicht die Jagdlust, sondern gerne würde man stehenbleiben und schauen, ob es in diesem Gebiet denn keine Schwammerln gäbe.

Wald und Felder wechseln einander ab, das Getreide steht schon sehr hoch, auch der Mais schaut prächtig aus. Dazwischen liegen schmucke Dörfer, wir haben kein einziges nicht restauriertes, verkommenes Gebäude gesehen, alles wirkt sehr einladend. Und es gibt sie noch, die guten Wirtshäuser, in denen österreichisches Essen, der Schweinsbraten mit dem Erdäpfelknödel, serviert wird. Dazu wird Wachauer Grüner Veltliner von freundlichem Personal kredenzt.

Und schon denkt man an Weihnachten, wenn man an den stillen Karpfenteichen vorbeikommt. Weit weg sind die täglichen Sorgen und Probleme denn

oh, wie schön ist Austria.

*) Oh, wie schön ist Panama (Die Geschichte, wie der kleine Tiger und der kleine Bär nach Panama reisen) ist eine mit dem Deutschen Jugendbuchpreis  ausgezeichnete illustrierte Kindergeschichte  von Janosch. Das Buch erschien am 15. März 1978.

Oh, wie schön ist Austria

Was ist nun Terror wirklich?

Jeder scheint sich vor Terror zu fürchten, jeder meint, dass Terror bekämpft werden muss, es gibt Terrorabwehr, Terrorbekämpfung, …

Aber was ist Terror eigentlich? Sichtlich meinen Erdogan oder Putin nicht dasselbe wie z.B. Hollande.

„Der Terror (lateinisch: terror „Schrecken“) ist die systematische und oftmals willkürlich erscheinende Verbreitung von Angst und Schrecken durch ausgeübte oder angedrohte Gewalt, um Menschen gefügig zu machen.  Laut Resolution 1566 des UN-Sicherheitsrates  sind „terroristische Handlungen solche, die mit Tötungs- oder schwerer Körperverletzungsabsicht oder zur Geiselnahme und mit dem Zweck begangen werden, einen Zustand des Schreckens hervorzurufen, eine Bevölkerung einzuschüchtern oder etwa eine Regierung zu nötigen und dabei von den relevanten Terrorismusabkommen erfasst werden“.

Das Ausüben von Terror zur Erreichung politischer, wirtschaftlicher oder religiöser Ziele nennt man Terrorismus“ Soweit Wikipedia.

Aber was unterscheidet z.B. einen Terroristen von einem Amokläufer? „Der Spiegel“ meint dazu, dass Terror  ein politischer Begriff – und Amok ein psychologischer wäre. Walter (Zeev) Laqueur (*  1921) bemerkte schon 1977: „In letzter Zeit wird der Begriff Terrorismus […] in so vielen verschiedenen Bedeutungen benutzt, dass er fast völlig seinen Sinn verloren hat.“ Gibt es überhaupt „den Terrorismus“ oder viele verschieden Arten von Terrorismen?

Man kann es auch von einer weiteren Seite betrachten: wenn es einer Gruppierung/Partei gelingt, ihren Gegnern das Label „Terrorist“ anzuheften, dann hat sie es indirekt geschafft, andere von ihrem moralischen Standpunkt zu überzeugen. Terrorismus ist das, was die Bösen machen. Es wird von nationalistischen und separatistischen Terror gesprochen oder die Abgrenzung zwischen „linkem“, „rechtem“ und „anarchistischem“ Terrorismus.

Und was unterscheidet manche Terroristen von Freiheitskämpfern oder Guerilleros? „Guerilla“ z. B. bedeutet in einem weithin akzeptierten Sprachgebrauch eine zahlenmäßig größere Gruppe bewaffneter Individuen, die als militärische Einheit operiert, feindliche militärische Kräfte angreift und die Gebiete erobern und halten will […], während sie gleichzeitig eine gewisse Form der Souveränität oder Kontrolle über ein definiertes geografisches Areal und seine Bevölkerung ausübt. Terroristen hingegen fungieren nicht offen als bewaffnete Kampfeinheiten, versuchen nicht Gebiete zu erobern oder zu halten, achten sorgsam darauf, sich nicht mit feindlichen militärischen Truppen in eine offene Feldschlacht zu verstricken und üben auch nur selten direkte Kontrolle oder Souveränität über ein Territorium oder seine Bevölkerung aus.“ Dieser Aspekt hat sich mit dem sogenannten Islamischen Staat doch geändert.

Aber unabhängig von  Definitionen und Abgrenzungen: Sind Terroristen diejenigen, die die Staatsgewalt bedrohen? Erdogan lässt (in den Augen mancher im Westen) eher wahllos jene verhaften, die seine Macht, seine Pläne bedrohen. Dazu gehören die Putschisten, aber auch Staatsbeamte, insbesondere Richter, Lehrer, Journalisten, sogar ein prominenter Fußballer, Gülenistjeglicher Professionen und selbstverständlich Kurden  und viele andere.

Und Putin? Wladimir Putin hat ähnlich Erdogan mit Entlassungen im Staatsdienst begonnen. In einem der größten Umbauten der vergangenen Jahre ersetzte er unter anderem die Gouverneure von vier Regionen und die Vertreter von fünf Föderationskreisen. Seinen Posten aufgeben musste auch der Chef der Zollverwaltung. Bei einer Hausdurchsuchung des FSB hatte man bei ihm unter anderem 900.000 Dollar in bar gefunden. Das hat wahrscheinlich weniger mit Terrorismus als mit Korruption zu tun. Dennoch entwickelt Russland ein neues föderales Informationssystem zur Erfassung biometrischer Daten und operativer Fahndungsdaten von Terror- und Extremismusverdächtigen in einer einheitlichen Datenbank. Im Juni 2016 hatte die Staatsduma, das Unterhaus des Parlaments, ein „Anti-Terror-Paket“ verabschiedet. Dieser Gesetzentwurf sieht auch härtere Strafen für extremistische Straftaten vor, er setzt das Alter bei strafrechtlicher Verantwortung für Terrorismus herab und führt neue Einschränkungen ein, darunter ein Verbot für Missionstätigkeit in Wohnräumen. Schon im Dezember 2015 hatte das russische Innenministerium darüber informiert, dass die Zahl terroristischer Verbrechen im Lande um das Anderthalbfache und extremistische um ein Viertel angestiegen sei.

Beim Ukraine-Konflikt bezichtigen  Russland und die Ukraine einander des Terrorismus.

Präsident Hollande verlängert den Ausnahmezustand in Frankreich, er ist überzeugt, dass es sich bei den November-Anschlägen, bei dem Nizza Attentat und bei der Ermordung eines Priesters in Rouen um Terrorismus handelt.

Dieser Tage detonierten innerhalb weniger Stunden in Thailand Sprengsätze. Vier Thailänder starben, 35 Menschen – darunter auch eine Österreicherin – wurden verletzt. Betroffen waren hauptsächlich Touristenziele im Süden des Landes. Noch immer ist unklar, wer hinter den Bombenanschlägen steckt. Thailand ist aber bemüht, darauf hinzuweisen, dass es sich nicht um Terroristen handelt. In Frage kommen mehrere Gruppierungen: einheimische Muslimrebellen, Gegner der Militärregierung, ausländische Extremisten oder auch Uiguren. Außerdem gibt es im Süden von Thailand seit Jahren Widerstand gegen die Regierung in Bangkok. Separatisten fordern die Unabhängigkeit der drei südlichsten Provinzen des Landes. In Thailand versucht man, die Terrorismus-Variante herunterzuspielen, denn man setzt auf Tourismus, und der wendet sich recht rasch neuen Zielen zu, sobald Terroristen ein Gebiet angegriffen haben.

Wer ist jetzt ein Terrorist und wer ist keiner? Für die Opfer von Anschlägen ist es allerdings einigermaßen unerheblich, wer die Täter sind, durch den sie zu Schaden gekommen sind.

Was ist nun Terror wirklich?

Erinnern Sie sich noch?

Das Merkwürdige an der Zukunft
ist wohl die Vorstellung,
dass man unsere Zeit einmal
die gute alte Zeit nennen wird.

Ernest Hemingway

Ein bisserl Nostalgie sei mir bitte heute gestattet. Ich weiß schon, dass früher nicht alles besser war – anders aber war es auf alle Fälle.

Mir geht es manchmal ab, wenn ich in der Nacht nicht schlafen kann: das Pferdegetrappel der Zusteller von Milch an die entsprechenden Geschäfte – noch in den 60er Jahren konnte man sie hören und sehen.

Das Lagern von Lebensmittel erfolgt schon lange im „Eiskasten“, nur früher kamen Männer, die aufgeschnittene Säcke über Kopf und Schultern gezogen hatten, um Eisblöcke zu bringen, die man dann in den Eiskasten schob. Was taute, musste man selbst entsorgen. Also zugegebenermaßen, die heutigen Kühlschränke sind eindeutig bequemer. Manche Leute, die sich selbst diese Eiszustellung nicht leisten konnten, lagerten Lebensmittel in den kühleren Jahreszeiten zwischen den Fenstern.

Was man heute im Supermarkt auf einmal einkaufen kann, besorgte man früher in sehr unterschiedlichen Geschäften. Da war einmal die Milchfrau, dort bekam man Milch in die eigenen, selbst gewaschenen Flaschen, die aus großen Kannen abgefüllt wurde und mit einem aus Pappendeckelgefertigten Blatt abgedeckt wurden. Natürlich rann die Milch bei Schräglage aus. Auch Joghurt z.B., bekam man dort, eher aber kaufte man Rahm oder Schlagobers, vielleicht etwas Käse. Um die Ecke war gleich der Fleischhauer. Deren gab es viele in Wien, wenige sind übriggeblieben. Aber man bekommt ja das Fleisch im Supermarkt. Diese Fleischer schlachteten meist selbst, sie  räucherten das Fleisch. Viele von ihnen stellen sich auch um und bieten Fertigspeisen an. Viele Wienerinnen kauften auch gerne beim Pferdefleischhauer ein.

Wenn man lieber Hendl essen wollte, ging man ins Geflügelgeschäft. Dort musste man aber ohnedies hin, denn man brauchte ja auch Eier. Eine Schachtel für die Verpackung musste man auch dorthin selbst mitbringen. Dort erstand man zu Weihnachten auch sein Gansl, natürlich mitsamt der Leber.

Wenn es weder Fleisch noch Geflügel war, das man benötigte, dann ging man eben auch ins Fischgeschäft. Das Angebot dort könnte sicher nicht mit jenem konkurrieren, die große Supermärkte anbieten und die Hausfrau, der ja der Einkauf oblag, kannte auch nur wenige Fische, meist Karpfen, Forelle, oder eben „Seefisch“. In den Monaten ohne „r“ aß man ohnedies keinen Fisch, das lag wohl daran, dass das Lagern und Kühlen wesentlich schwieriger und teurer war als heute.

Die Bäckerei gab es selbstverständlich auch, es waren keine Ketten, sondern der einzelne Bäcker erzeugte sein Brot, seine Semmeln (das Wort Handsemmel gab es noch nicht, alle Semmeln waren mit der Hand gemacht.) selbst. Die Kaisersemmel gab es auch damals, aber leider kann ich nicht sagen, wodurch sie sich von einer „normalen“ Semmel unterscheidet. Aber Kuchen oder Erdäpfelbrot für das Sonntagsfrühstück buk die Hausfrau am Samstagnachmittag selber. Muffins oder Donuts kannten wir damals nicht.

Vieles wurde noch zu Hause gemacht, meine Mutter dachte nicht daran, Nudeln einzukaufen, die wurden selbst gemacht, wie eben z.B. auch Strudelteig, der so dünn sein musste, dass man eine Zeitung darunter lesen können musste, und er durfte beim Ausziehen ja keine Löcher bekommen. Man musste überhaupt noch vieles selber machen, denn Fertiggerichte gab es doch gar nicht!

Was fehlt denn jetzt noch? Ja, das Obst und Gemüse, der Salat. Das konnte man beim so genannten Pracker erwerben, so er in der Gegend war. Ein Pracker war ein Wanderverkäufer, der mit einem handgezogenen Pritschenwagen durch die Straßen zog und einheimisches frisches Obst und Gemüse anbot und mittels eines typischen Kaufrufs die Kunden anlockte; er durfte an einem Standort nur so lange verweilen, als er tatsächlich Ware verkaufte. Seine Beliebtheit lag in der Frische der Ware und im billigeren Preis begründet. Wenn der Pracker ausblieb, konnte man noch immer zur Kräutlerin gehen, wo man dann halt nur jenes Obst und Gemüse bekam, das der jeweiligen Jahreszeit entsprach.

Dass  das Einkaufen auf diese Art nicht ganz so schnell ging, ist ja damit ersichtlich. Und ein kleines Plauscherl in jedem der Geschäfte war natürlich auch noch einzuplanen.

In dörflicher Umgebung gab es noch den Greißler, manchmal auch Viktualienhändler genannt. In Städten trat er zuweilen als Kolonialwarenhändler auf. Das wäre heute sprachlich nicht mehr ganz korrekt. Dort wurde jede Ware einzeln eingewogen; die Gurkerl aus dem großen Gurkenglas konnte man einzeln kaufen, ebenso wie Zuckerln.

Aber für Zuckerln war ohnedies das Zuckerlgeschäft zuständig; meist in der Nähe von fast überall anzutreffenden Kinos gelegen, es durfte auch länger offenhalten, als die anderen Geschäfte, jedenfalls bis die letzte Vorstellung begonnen hatte.

Aber all das betraf nur Lebensmittel, es gab selbstverständlich Schuster, Schneiderzubehör, Knopfgeschäfte – in Wien beispielsweise der „Knopfkönig“, Stoffgeschäfte – da ja selbst geschneidert wurde. Es gab auch die Eisenhandlung, die Geschirrhandlung, die Parfumerie und die Drogerie, Farbenhandlungen, Photographen, aber auch Scherenschleifer, oft ganz in der Nähe.

Ein Leben unter diesen Umständen wäre wohl den heute „außerhäuslich“ arbeitenden Frauen unmöglich. Und bei aller Nostalgie: das wünschen wir uns doch alle nicht – oder?

Erinnern Sie sich noch?

Finnland wünscht sich einen Berg zum Geburtstag

Finnland wird am 6. Dezember 2017 sein 100-jähriges Jubiläum seiner Unabhängigkeit begehen. Und es hat einen Geburtstagswunsch, geäußert von der Gemeinde Kåfjord. Es geht um einen Felsen. Der Haltitunturi ist ein Fels im norwegisch-finnischen Grenzgebiet und gilt als höchster Berg Finnlands. Sein höchster Gipfel auf finnischer Seite befindet sich 1324 Meter über dem Meeresspiegel, der Gipfel auf norwegischer Seite ist 1331 Meter hoch. Damit der Halti-Gipfel auf dem finnischen Territorium liegt, müsste die Staatsgrenze um 40 Meter verschoben werden. Mit dem Jubiläumsgeschenk wäre Finnlands höchster Punkt zukünftig sieben Meter höher.

Finnland war lange Zeit ein Teil Schwedens. Die Anbindung Westfinnlands an Schweden war ein allmählicher Vorgang. Die erstarkten Mächte Schweden und Nowgorod traten aus politischen, wirtschaftlichen und religiösen Gründen in Wettbewerb um das von den Finnen bewohnte Gebiet. Beide Staaten unternahmen ab dem 12. Jahrhundert mehrere mehr oder weniger militärische „Kreuzzüge“ in die Region. Die Grenze zwischen beiden Mächten und damit die Ostgrenze Finnlands wurde erstmals 1323 vertraglich festgelegt.

Die Tätigkeit der Kirche, die Siedlungsbewegungen schwedischer Einwanderer sowie die Reichsgesetzgebung und -verwaltung trugen dazu bei, dass die neuen Gebiete als Österland  einer der vier festen Landesteile  Schwedens wurden. Vom Ende des 14. bis zu deren Zerfall Anfang des 16. Jahrhunderts war Finnland als Teil Schwedens Bestandteil der Kalmarer Union. Unter Gustav Wasa wurde im Zuge der Reformation  der katholische Glaube durch das evangelisch-lutherische Christentum ersetzt.

Während des 18. Jahrhunderts schwand die Machtstellung Schwedens, besonders im Großen Nordischen Krieg (1700–1721), als Finnland russisch besetzt wurde (1714–1721). Nach Abschluss eines Friedesnvertrages endete die Besetzung Finnlands, aber auch die Großmachtstellung Schwedens. In einem weiteren russisch-schwedischen Krieg (1741–1743), wurde Finnland erneut besetzt, und im anschließenden Frieden wurde die russische Westgrenze bis an den Fluss Kymijoki  vorgeschoben.

1808 griff Russland Schweden an und begann damit den Finnischen Krieg, als dessen Resultat Schweden 1809 weite Gebiete an Russland abtreten musste. Das Großfürstentum Finnland  wurde gebildet, das Teil des Russischen Reiches  war, aber eine weitgehende politische Autonomie genoss. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erwachte aber auch ein finnisches Nationalbewusstsein und es wurden zahlreiche Anstrengungen zur Stärkung der finnischen Identität unternommen, ohne dass sich diese zunächst gegen die Zarenherrschaft gerichtet hätten.

Dem erstarkten finnischen Nationalbewusstsein traten ab dem Ende des 19. Jahrhunderts russische Bestrebungen einer Zentralisierung  des Reiches und einer Russifizierung  der zu diesem gehörenden Gebiete entgegen. Dies hatte einen zähen politischen Konflikt zur Folge. Der Generalgouverneur  wurde1904 ermordet. Im Herbst 1905 kam es zu einem umfassenden Generalstreik. Daraufhin sagte Nikolaus die Wiederherstellung der Autonomie sowie die Schaffung einer nichtständischen Volksvertretung zu.

Zu dem 1906 neugeschaffenen Parlament hatten alle Finnen – europaweit erstmals auch Frauen – gleiches Wahlrecht. Die Russifizierungsbemühungen wurden aber 1909 wieder aufgenommen. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges, an dem finnische Soldaten, von einigen Freiwilligen abgesehen, nicht teilnahmen, kam das politische Leben aber zunächst zum Erliegen.

Nach der Februarrevolution  in Russland erklärte das finnische Parlament am 6. Dezember 1917 Finnlands Unabhängigkeit. Den Ablösungsprozess von Russland begleiteten schwere innere Konflikte. Mit Sowjetrussland  wurde 1920 ein Friedens- und Grenzvertrag unterzeichnet, aufgrund dessen die Grenzen Finnlands mit dem früheren Großherzogtum übereinstimmten. Im Verhältnis zu Schweden entstand Streit um die strategisch bedeutsamen Alandinseln.  Eine Entscheidung des Völkerbundes sprach die Inseln schließlich 1921 Finnland mit der Maßgabe zu, dass sie eine weitgehende Autonomie erhielten.

Am 19. September 1944 schloss Finnland mit der Sowjetunion den Separatfrieden von Moskau. Dieser verpflichtete Finnland, die deutschen Truppen aus dem Land zu vertreiben, und so schloss sich der finnisch-deutsche  Lapplandkrieg  an. Der Krieg endete am 27.April 1945 mit dem Abzug der letzten deutschen Soldaten. Der Kriegszustand mit den Alliierten wurde durch den Pariser Friedensvertrag  von 1947 endgültig beendet.

1992 nahm Finnland Verhandlungen über seinen Beitritt zur Europäischen Gemeinschaft  auf, die 1995 in eine Vollmitgliedschaft in der heutigen Europäischen Union mündeten. 2002 ersetzte der Euro die Finnische Mark   als Landeswährung.

Aber der Haltitunturi wäre nicht die erste Bergspitze, die verschenkt worden ist. Die Zugspitze, so heißt es, ist ein Geschenk des österreichischen Kaisers Franz-Joseph an die bayerische Prinzessin Sisi. „Damit’s auch an richtigen Berg habt.“ Es geht um die nördliche Hälfte der Zugspitze, und die Schenkung soll 1854 erfolgt sein. Dagegen wird eingewendet, dass es ältere Verträge zwischen Österreich und der (bayerischen) Grafschaft Werdenstein gegeben haben soll, die den heutigen Grenzverlauf bereits festlegen.

Die Zugspitze ist der höchste Berg Deutschland: von 1938 – 1945 war der höchste Berg Deutschlands vorübergehend der Großglockner. Und vor 1918 war es der Kilimandscharo (von 1902 bis 1964 Kaiser-Wilhelm-Spitze oder auch Wilhelmskuppe), er ist mit 5895 m Höhe über dem Meeresspiegel  das höchste Bergmassiv Afrikas. Es ist im Nordosten von Tansania  gelegen und hat mit dem Kibo  den höchsten Berg  des afrikanischen Kontinents. Ab 1885 erwarb die Gesellschaft für deutsche Kolonisation  Ansprüche auf Teile des Binnenlandes und versuchte, eine Kolonie zu begründen. Ihre Herrschaft brach 1888 im Aufstand der ostafrikanischen Küstenbevölkerung  zusammen, woraufhin das Deutsche Reich mit militärischen Kräften die Gebiete eroberte, aus denen dann die Kolonie Deutsch-Ostafrika wurde, die neben dem heutigen Festlandstansania auch Ruanda und Burundi  umfasste. Während des Ersten Weltkriegs leistete die deutsche Schutztruppe bis Kriegsende Widerstand  gegen die alliierten Truppen. Die Kolonie wurde ab 1916 von britischen  und belgischen  erobert und anschließend unter den Siegern aufgeteilt.

Eine größere Übertragung mit nachhaltigen Folgen stellt heute die Krim dar.

Finnland wünscht sich einen Berg zum Geburtstag

Fethullah Gülen, der große Gegenspieler Erdogans

„Erneuerung der Religion aus den traditionellen Quellen des anatolischen Volksislams“, war das Motto Fethullah Gülens. Er betont einen modernen türkischen Nationalismus, freie Marktwirtschaft und die Bedeutung von Bildung. Gülen versucht, den türkischen Nationalismus stärker zu islamisieren. Sein Nationalismus ist dabei mehr ein umfassend religiöser, weniger ein ethnischer oder rassischer. Er umfasst fast alle Muslime des Osmanischen Reichs.  Perser- und araberfeindliche  Untertöne sind aber nicht zu überhören.

Der Prediger verwirft die Evolutionstheorie Darwins, geißelt den Atheismus  und stellt den Islam über die Demokratie. Gülen vergleicht die Abwendung vom Islam mit Hochverrat. Von Frauen wird zwar nicht verlangt, sich zu verschleiern bzw. Kopftuch zu tragen, doch verhalten sich die meisten seiner Anhängerinnen so. Fethullah Gülen selbst sieht das Schlagen der Frau als im Islam verboten an. Er hielt zur Rolle der Frau im Islam fest, dass Frauen nahezu alle Funktionen übernehmen und auch als Richter und Staatsoberhaupt tätig sein können.

Als Gülen- oder Hizmet-Bewegung wird seine transnationale religiöse und soziale Bewegung  bezeichnet. Die Bewegung ist mit Privatschulen in über 160 Ländern in der Bildung tätig und investiert gleichzeitig in Medienarbeit, Finanzen und Gesundheitshäuser. Ihre Weltanschauung wird teilweise in der Öffentlichkeit als „pazifistischer, moderner Islam, als Gegenstück zum weitaus extremeren Salafismus“ bezeichnet. Andere sehen in ihr eine „sektenähnliche Organisation“. Die Bewegung hat keinen offiziellen Namen, wird aber von ihren Anhängern als Hizmet (der Dienst) bezeichnet und nennt sich in der breiteren türkischen Öffentlichkeit Cemaat (Gemeinde).

Die genaue Zahl der Anhängerschaft der Gülen-Bewegung ist nicht bekannt, Schätzungen zufolge hat sie bis zu acht Millionen Anhänger. Ihre Zahl in Österreich wird auf 15.000 geschätzt. Gülenisten sind meist Studenten, Lehrer, Geschäftsleute und Journalisten. Hinter der Bewegung sollen erhebliche Geldmittel stehen, das Vermögen der Bewegung belaufe sich angeblich auf 50 Milliarden US-Dollar.

Schon seit den 1980er-Jahren hatte die Gülen-Bewegung Nachhilfeschulen für die zentrale Hochschulaufnahmeprüfung (ÖSS) gegründet sowie Anhänger an den Hochschulen in der Türkei rekrutiert. 1986 wurde von ihr die später mit Abstand auflagenstärkste Tageszeitung der Türkei, Zaman, gegründet, dazu kommen weitere Nachrichtenagenturen, Zeitungen, Zeitschriften und Fernsehanstalten, sowie eine Journalistenschule.

1997 empfing Papst Johannes Paul II. Fethullah Gülen.

Sowohl Erdogan als Gülen wollen die Türkei verändern, indem sie die Religion aus den Fesseln des strengen Laizismus befreien und zu einem Teil des Staates machen. Ihr gemeinsamer Gegner war anfänglich die säkulare Elite im Westen des Landes, ihr gefährlichster Feind war das türkische Militär.

1998 ereignete sich im Rahmen einer Untersuchung der angeblichen Unterwanderung des Militärs durch Islamisten ein Skandal um eine zusammengeschnittene Rede Gülens, die 1999 ausgestrahlt wurde und in der er Anhänger aufforderte, geduldig zu arbeiten, um die Kontrolle im Staat zu übernehmen. Gülen reiste hierauf angeblich aus gesundheitlichen Gründen in die USA.

Die Verhaftung mehrerer Generäle als vermeintliche Putschisten in der Türkei Anfang Juli 2008 geht angeblich auch auf die Anhänger Gülens zurück. Sie hatten inzwischen hohe Positionen inne, nicht nur in der AKP, sondern auch im Staatsapparat, in der Justiz und der Polizei. Es wird auch vermutet, dass die Gülen-Bewegung hinter den Ergenekon-Ermittlungen und anderen Verfahren gegen das Militär steht, um Rache für Gülens vergangene Verurteilung zu üben.

Der Think Tank EastWest-Institute verlieh der Gülen Bewegung  im Jahr 2011 den jährlichen Peace Building Award.

Mitte Dezember 2013 warf Erdogan mehrfach der Gülen-Bewegung Umsturzversuche vor und behauptete, die Bewegung betreibe einen „Tiefen Staat“. Die türkische Regierung ging mit Festnahmen, Massenversetzungen und Entlassungen im Justiz- und Polizeiapparat vor und ließ Gülen-Anhänger aus staatlichen Institutionen entfernen. Neue internationale Aufmerksamkeit erfuhr die Bewegung im Korruptionsskandal in der Türkei seit Dezember 2013. Am 25. Juni 2014 wies die Zentrale der Polizei  ihre Dienststellen an, zu untersuchen, ob die Hizmet-Bewegung einen bewaffneten Arm unterhält.

Am 16. Juli 2016 warf der türkische Präsident der früher  mit ihm verbündeten Gülen-Bewegung vor, für den gescheiterten Putschversuch in der Türkei 2016   verantwortlich zu sein, was von Gülen bestritten wurde; er kritisierte den versuchten Staatsstreich. Die Regierung in Ankara verlangt die Auslieferung Gülens. Schon wenige Tage nach dem Putschversuch hatte die Türkei den USA mehrere Dokumente geschickt,  die eine Beteiligung Gülens belegen sollen. Ein Istanbuler Gericht erließ einen Haftbefehl gegen Gülen. Der Prediger reagierte darauf mit scharfer Kritik an der türkischen Justiz: Es sei „gut dokumentiert“, dass den türkischen Gerichten die „juristische Unabhängigkeit“ fehle, sagte Gülen. Der Haftbefehl sei ein weiteres Beispiel dafür, dass sich Erdogan immer mehr zum „Autoritarismus und weg von der Demokratie“ bewege

In türkischen regierungsnahen Medien ist nun zu lesen, für welche illegalen und terroristischen Aktivitäten Gülen (im Nachhinein) verantwortlich gemacht wird – etwa für das Grubenunglück in Soma vor zwei Jahren. Damals starben nach einem Brand im Braunkohlebergwerk mehr als 300 Arbeiter. In sozialen Netzwerken posteten User, dass das Unglück eine Gülen-Sabotage gewesen sei, während eine linke Tageszeitung herausfand, dass hinter ebendiesen Usern die Jugendbewegung der AKP stecke.

Nun wird auch von einer Zusammenarbeit zwischen der verbotenen kurdischen Untergrundorganisation PKK und der Gülen-Bewegung berichtet. 60 mutmaßliche Gülen-Putschisten, davon drei Generäle, sollen sich in das Hauptquartier der PKK begeben haben. Die Gülenisten seien auch der Grund, warum die Spitze der PKK durch türkische Bombardements bisher nicht ausgeschaltet werden konnte: Ein General sei Anhänger Gülens gewesen und hätte die Kurden vor den Einsätzen gewarnt. Die PKK ist aber bisher nicht mit einer Gülen-freundlichen Haltung aufgefallen, im Gegenteil. Die marxistische Untergrundorganisation hat den Einfluss des islamischen Netzwerkes zurückzudrängen versucht. Beide haben im türkischen Südosten rekrutiert, die PKK wollte bewaffnen, die Gülenisten islamisieren. Fethullah Gülen selbst hat sich mehrmals nach PKK-Anschlägen zu Wort gemeldet. Es sei eine Schande, dass das Militär nicht mit den „Banditen in den Bergen“ fertig werde.

Fethullah Gülen, der große Gegenspieler Erdogans

Islamische Mehrehe in Europa unerwünscht

Die Union der islamischen Gemeinden und Organisationen in Italien fordert die Legalisierung der Polygamie in Italien.

Die islamische Ehe basiert auf der Scharia.  Sie gilt nach muslimischer Systematik als zivilrechtlicher Vertrag. Eine diesbezügliche Einführung würde zu dem  Einzug der Scharia als paralleles Rechtssystem führen.

Der Koran empfiehlt die Ehe; sie helfe unter anderem zur geistigen Vervollkommnung und ist daher gerne gesehen. Jede Muslimin und jeder Muslim, die zur Ehe in der Lage sind, sollten versuchen, dem nachzukommen. Auch wenn die Polygamie im islamischen Kulturkreis nicht unumstritten ist, so erlaubt nach islamischer Rechtsauffassung der Koran die Ehelichung von bis zu vier Frauen sowie eine unbestimmte Zahl von Konkubinen. Eine Frau hingegen kann nur mit einem einzigen Mann verheiratet sein.

Die Heirat von mehr als einer Frau ist nach islamischem Recht an hohe Anforderungen gebunden. Der Mann muss eine vollkommene Gleichbehandlung der Frauen gewährleisten, keine der Ehefrauen darf finanziell oder emotional bevorzugt werden. Der Mann muss darüber hinaus finanziell in der Lage sein, jeder seiner Ehefrauen einen eigenen Haushalt zu finanzieren.

In fast allen mehrheitlich muslimisch geprägten Ländern außer der Türkei, Tunesien, Albanien und den Ländern der ehemaligen Sowjetunion ist die Polygamie heute legal. Die Polyandrie – eine Frau hat mehrere Ehemänner – ist nicht zulässig.

In der Türkei, wo die Scharia im Zuge der Gründung der Türkischen Republik 1923/24 zwar als Gesetzesgrundlage abgeschafft wurde, werden dennoch bis heute vor allem in ländlichen Gebieten Ehen nach Scharia-Recht-Recht geschlossen. Diese sogenannten Imam-Ehen, die unter anderem Ehen mit mehreren Ehefrauen sein können, aber auch Ehen von Minderjährigen oder Zwangsehen, werden in regelmäßigen Abständen vom türkischen Staat amnestiert, sodass auf diese Weise das traditionelle und kulturell geprägte Heirats- und Eheverständnis zunehmend wieder Einzug hält

Die Personenstandsgesetzgebung Saudi Arabiens basiert auf dem islamischen Gesetz, der Scharia. Dieser Vertrag soll von Zeugen unterschrieben werden und legt eine gewisse Geldsumme (mahr) fest, die von dem Mann an die Frau zu zahlen ist.

Der Ehevertrag kann auch eine bestimmte Summe festlegen, die im Falle einer Scheidung an die Frau zu zahlen ist, oder bestimmte andere Bedingungen enthalten, beispielsweise der Frau das Recht zusichern, sich scheiden zu lassen in dem Fall, dass der Mann eine zweite Frau heiratet, oder dass in diesem Fall der Frau das Sorgerecht für die Kinder zusteht. Im Scheidungsfall geht das Sorgerecht zwingend auf den Vater über. Lediglich bis zu einem bestimmten Alter verbleiben die Kinder in der Obhut der Mutter.

Es gibt islamischen Voraussetzungen, die eine Ehefrau erfüllen muss:

Es muss sich bei der Frau um eine Muslima oder eine Angehörige der schriftbesitzenden Religionen (Jüdin und Christin) handeln, die an ihre Religion glaubt. Allerdings empfiehlt der Islam, eine gläubige, religiöse Muslima zur Ehefrau zu wählen. Denn eines Tages wird diese Frau die Mutter deiner Kinder sein, die sich um ihre Erziehung kümmern und dir eine Hilfe sein wird, um Gutes zu verrichten und standhaft auf dem Wege Allahs zu bleiben. Es muss eine keusche, anständige und ehrbare Frau sein. Somit ist es verboten, eine Frau zu heiraten, von der bekannt ist, dass sie unanständig ist und Unzucht betreibt. Es darf sich nicht um ein nahes weibliches Familienmitglied handeln.

Islamischen Voraussetzungen, die ein Ehemann erfüllen muss:

Beim Ehemann wird vorausgesetzt, dass er ein Muslim ist. Es ist im Islam verboten, dass eine muslimische Frau einen nichtmuslimischen Mann heiratet. Der Islam empfiehlt nachdrücklich, den Heiratsantrag eines Muslims anzunehmen, wenn dieser die zwei folgenden Eigenschaften besitzt: Geradlinigkeit in der Religion und guten Charakter

Allah bestimmte, dass die Ehemänner Verantwortung für ihre Ehefrauen tragen müssen. Das heißt, sie sind für ihre Angelegenheiten verantwortlich, müssen ihnen den rechten Weg weisen und für ihr Wohlbefinden sorgen. Der Mann trägt die Verantwortung, weil Allah ihn mit Besonderheiten und Eigenschaften ausstattete und weil Allah den Mann dazu verpflichtete, für die Finanzierung der Familie aufzukommen. Im Koran steht: Die Männer stehen in Verantwortung für die Frauen wegen dessen, womit Allah die einen von ihnen vor den anderen ausgezeichnet hat und weil sie von ihrem Besitz (für sie) ausgeben.

Es gehört zu den Rechten des Ehemanns gegenüber seiner Ehefrau, dass sie seinem Wunsch nach Intimität und Geschlechtsverkehr nachkommt. Wenn sie jedoch den Ruf ihres Mannes zum Geschlechtsverkehr ablehnt und sich weigert, so begeht sie einen schweren Fehler und eine große Sünde. Außer, sie hat hierfür einen legitimen Grund.

Zu den Rechten des Ehemanns gehört, dass seine Frau keinen Menschen in sein Haus eintreten lässt, den der Ehemann nicht mag. Eines der Rechte des Ehemannes über seine Frau ist, dass sie nicht aus dem Haus gehen darf, außer mit seiner Erlaubnis. Ganz gleich, ob es sich hierbei um eine besondere Erlaubnis handelt für das Hinausgehen zu einem bestimmten Ort oder ob es sich um eine allgemeine Erlaubnis handelt für das Hinausgehen, um beispielsweise zur Arbeit zu gehen oder private Angelegenheiten zu erledigen.Es ist islamisch empfohlen, dass die Ehefrau in rechtlicher Weise ihrem Ehemann Dienste erweist, indem sie für ihn kocht und den Haushalt führt.

Wenn man dies alles bedenkt, würde mit der Einführung der islamischen Mehrehe die westliche Errungenschaft, die Gleichberechtigung der Geschlechter, aufgehoben. Es ist nicht so lange her, dass auch bei uns eine Frau die Erlaubnis von ihrem Ehemann einholen musste, um arbeiten gehen zu dürfen.

Gefährlich wäre es auch, wenn diese Form der Ehe in Parallelgesellschaften in Europa praktiziert würde.

Islamische Mehrehe in Europa unerwünscht