Die Urlaubsziele wandeln sich – Kroatien

Das beliebte Nordafrika (mit Ägypten und Tunesien) ist für Touristen zu unsicher geworden. Auch in der vormals fast von Reisenden gestürmten Türkei geht es jetzt recht turbulent zu. Die Touristen weichen einfach aus: z.B. bietet sich Kroatien an.

Kroatien, „das kleine Land für den großen Urlaub“, wie Werbeplakate verkünden, lockt auch in diesem Sommer hunderttausende ausländische Touristen an die Adria. Sie genießen die Sonne, das Meer und das bezaubernde mediterrane Flair. Die Strände sind wunderbar, das Wasser ist sauber, die üppige Vegetation bietet Naturschatten, die touristische Infrastruktur ist hervorragend. Für historisch und kulturell Interessierte bietet Kroatien vieles aus jeder der  unterschiedlichen Epochen seiner Geschichte. Sprachlich gibt es selten Probleme, denn vielen im Fremdenverkehr Tätigen sprechen Englisch oder Deutsch. Die Anfahrtswege sind nicht lang, Kroatien ist Mitglied der EU (allerdings noch nicht Schengen beigetreten).

Aber so lange ist das noch nicht her, dass auch im ehemaligen Jugoslawien Krieg geherrscht hatte. Es waren jene Kriege, die den Vielvölkerstaat zerrissen, ca. 10 Jahre nach Titos Tod, der dieses Land zusammengehalten und auch auf die internationale Bühne gebracht hat. Im Einzelnen handelte es sich um den 10-Tage-Krieg in Slowenien (1991), den Kroatienkrieg (1991–1995), den Bosnienkrieg (1992–1995), den kroatisch-bosnischen Krieg im Rahmen des Bosnienkriegs, den Kosovokrieg (1999) und den Albanischen Aufstand in Mazedonien (2001).

Seit Mitte 1990 erfasste die ethnisch auseinanderdriftende Entwicklung in Jugoslawien in fortschreitendem Maße auch Kroatien. Nach ihrem Wahlsieg 1990 stellte die neue kroatische Regierung die gegenwärtigen Grenzen in Jugoslawien zu Gunsten Kroatiens infrage. Sie feierte ihren Amtsantritt am 25. Juli als Erfüllung des „tausendjährigen Traums des kroatischen Volks“ von einem eigenen Staat. Die in Kroatien lebenden Serben reagierten auf den kroatischen Machtwechsel und die öffentliche Rückbesinnung auf den faschistischen kroatischen Staat mit Protestaktionen. Am Vidovdan (St. Veitstag, besondere Bedeutung hat der Vidovdan als Gedenk- und Feiertag für die Serben, an diesem Tag, dem 15. Juni 1389, fand die Schlacht auf dem Amselfeld statt.) 1990 wurde ein Entwurf für eine neue kroatische Verfassung veröffentlicht, die erstens die Loslösung Kroatiens vom Kommunismus und zweitens die Herabstufung der Serben von einem Staatsvolk zu einer Minderheit erklärte. Ausgelöst durch eine Anordnung der kroatischen Regierung Symbole aus der Ustascha Zeit wiederzuverwenden, verweigerten serbische Polizisten auf dem Gebiet der südkroatischen Krajina (spätere Republik Serbische Krajina) der neugewählten Regierung ihre Loyalität und Mitte August begann die sogenannte Baumstammrevolution. Ab August 1990 begannen sie, die Verbindung zu Südkroatien zu blockieren, indem sie mit Baumstämmen die Straßen sperrten. Damit sollte der Tourismus beeinträchtigt werden, weil die Zugangsstraßen zu den an der Adria gelegenen Reisezielen blockiert waren.

Am 28. Februar 1991 wurde in Knin die „Serbische Autonome Provinz Krajina“ ausgerufen. Kroatische Familien wurden vertrieben und serbische Flüchtlinge aus anderen Teilen Kroatiens aufgenommen. Der Kroatienkrieg wurde vor allem um das mehrheitlich von Serben bewohnte Gebiet der so genannten Krajina geführt. Aber auch größere kroatische Städte sowie Slawonien und Nord-Dalmatien, wo Serben eine Minderheit darstellten, waren betroffen. Ziel Serbiens war, die Kontrolle über ein zusammenhängendes Territorium zu erreichen, um so den Anschluss der serbisch besiedelten Gebiete an ein „Rest-Jugoslawien“ zu vollziehen. Die jugoslawische Armee beteiligte sich an dem Beschuss kroatischer Städte wie Vukovar, Osijek und Dubrovnik und blockierte kroatische Adriahäfen. Im September 1991 hatten serbische Milizen ein Drittel Kroatiens erobert. Wichtige Verbindungen nach Dalmatien waren unterbrochen. Ende 1991 gelang es der kroatischen Armee, ihre Verteidigungslinien zu konsolidieren.

Ende Januar 1993 beginnen die Kämpfe in Kroatien von Neuem. Kroatien startete eine Offensive in die serbisch besetzten Gebiete Kroatiens mit dem Ziel, das strategisch wichtige Hinterland von Zadar zurückzuerobern. Anfang Februar weiten sich die Kämpfe auch auf das Hinterland von Split aus. Im Mai startete die kroatische Armee die „Operation Bljesak“ (kroatisch „Blitz“) gegen die serbisch kontrollierten Gebiete in Westslawonien und erobert diese zurück. Serbische Einheiten beschossen daraufhin die kroatische Hauptstadt Zagreb mit Raketen. Eine grundlegende Änderung der Lage in Kroatien und Bosnien zeichnete sich erst im Frühsommer 1995 ab. Anfang August startete die kroatische Armee eine Großoffensive mit der Militäroperation Oluja (kroatisch „Sturm“) gegen die „Republik Krajina“, die innerhalb weniger Tage eingenommen wurde. Den serbischen Einheiten und ihren Angehörigen wurde freier Abzug garantiert. Die politische Führung der Krajina-Serben hatte angesichts der sich abzeichnenden Niederlage die Evakuierung angeordnet. Über 150.000 Serben flüchteten aus der Krajina in Richtung Bosnien und Serbien, wobei es von kroatischer Seite zu massiven Racheakten und Kriegsverbrechen kam. Es war der größte Exodus einer Volksgruppe seit dem Zweiten Weltkrieg. Er veränderte die demografische Zusammensetzung Kroatiens dauerhaft. Der serbische Bevölkerungsanteil sank von zwölf auf vier Prozent. „Oluja“ war auch eine „ethnische Säuberung“ von Gebieten mit jahrhundertealter serbischer Besiedlung. Diese Operation ‚Sturm‘ markiert einen der Endpunkte des Krieges im ehemaligen Jugoslawien. Die Aufarbeitung zwischen Kroatien und Serbien ist bis heute noch nicht abgeschlossen.

Mit Pathos und Pomp hat heuer Kroatien den 21. Jahrestag der Operation «Oluja» gefeiert. In Serbien hingegen ist der 5. August ein Trauertag und als solcher nicht weniger politisiert. Weder die kroatischen Sieger noch die serbischen Verlierer mochten an ihren Gedenkanlässen neben der eigenen Opfer auch jener der andern Seite gedenken.

Immer häufiger trifft man in Kroatien auf rechtsradikale Symbole – sie sind längst Teil des kroatischen Alltages geworden. Damit einher geht ein wachsender historischer Revisionismus: Das mit Hitler-Deutschland kooperierende faschistische Regime in Kroatien, wird als „patriotische Verfechter kroatischer Interessen in schwierigen Zeiten“ dargestellt. Dieser Revisionismus war noch nie so offen gezeigt worden wie heute. Das jüngste EU-Land Kroatien zeigt bisher auch wenig Unterstützung bei diesen Bemühungen um einen EU Beitritt Serbiens.

Der Prozess der Verarbeitung der Vergangenheit geht langsam vonstatten, aber er ist der einzige, der Frieden und Versöhnung bringen kann.

Die fröhlichen Touristen an der Adriaküste merken wenig von diesen Problemen.

Die Urlaubsziele wandeln sich – Kroatien

Meine Autos

Eigentlich waren Autos für mich nie Kultobjekte, sondern einfach Gefährte, die mich möglichst rasch von A nach B bringen sollten. Natürlich gefallen mir manche Jaguars, Bentleys. etc., aber „haben“ musste ich sie nie. Hätt‘ sie mir auch nicht leisten können.

Meinen Führerschein hatte ich während der Studienzeit gemacht, als der Autobesitz noch in weiter Ferne lag. Als wir 1959 heirateten, besaß mein Mann bereits eine Auto, einen Fiat 1100 (mit dem wir von Wien nach Südspanien auf Hochzeitsreise gefahren sind). Autofahren „durfte“ ich dann zuweilen bei Sonntagsausflügen.

Ein eigenes Auto wollte ich eigentlich dann dringend nach der Geburt meines zweiten Kindes. Das kam so: ich war mit einer „Tasche“ mit Kind vom 9. Bezirk (Kinderarzt) in den 13. Bezirk, nach Hause unterwegs. Es war heiß, beim Umsteigen vom 58 in den 158 (der damals von der Vorortelinie nach Ober St. Veit fuhr) plagte ich mich sehr, die Tasche mit Kind in diese Straßenbahn zu bugsieren. Vorbei kam ein ehemaliger Studienkollege (und Verehrer) – mit Auto – und fragte mich, ob er mich nach Hause fahren könne. Ich war sehr dankbar, weil ich noch ein gutes Stück zu Fuß hätte gehen müssen. Er kam elegant aus dem Büro und ich verschwitzt und müde mit Kind unterwegs. Das war genau der Moment, zu dem ich beschloss, mir ein eigenes Auto anzuschaffen.

Es wurde kein Jaguar oder Bentley, sondern ein Renault 4 CV. Ein kleines 4-türiges Auto, ich kaufte es – 1965 – übertragen; es kostete damals 5000 Schilling. Aber es brachte mich rasch ins Büro und zurück, dort gab es zwar auch nicht mehr gar so viele Parkplätze, aber ein so kleines Auto konnte man fast überall „noch“ hinstellen. Wenn es im Winter nicht ansprang, hatte es noch eine Kurbel, die man vorne hineinstecken konnte. Es war groß genug, für mich und die beiden kleinen Kinder (Kindersitze gab es damals noch nicht!). Anfänglich war ich noch sehr verunsichert – beim Fahren, ich hatte ja keine Praxis, Kratzer am Auto haben mich nie gestört, und das Peitschenschlagsyndrom, das ich davontrug, als mir jemand am Hietzinger Platzl hinten hineinfuhr, war nicht so schlimm. Jedenfalls gab mir dieses Auto die Möglichkeit, auch wenn mein Mann am Sonntag arbeiten musste, mit den Kindern in den so genannten Country Club zu fahren. Der Name täuscht, es war ein ehemaliges öffentliches Bad in Tullnerbach, das die IAEA für ihre Angestellten gemietet hatte.

Nachdem dann doch die Reparaturen häufiger wurden, verkaufte ich dieses Auto wieder und das „Neue“ (das auch wieder ein übertragenes Modell war) war dann eine „Ente“, der berühmte Citroen 2 CV. Die „Revolverschaltung“ erforderte anfänglich wieder eine Anpassung, die Klappfenster fielen, wenn sie nicht ordentlich befestigt waren, oder in einer scharfen Kurve, häufig herunter, und wenn man den Ellenbogen dort platziert hatte, tat es höllisch weh. Man konnte mit diesem Auto vieles transportieren, einfach weil man es durch das aufgerollte Dach hinunterlassen konnte. Ich fuhr mehrere „Modelle“ hintereinander. Ich liebte dieses Auto. Im Frühling konnte man das Dach aufrollen und die Sonne schien herein. Da ich nie Erstbesitzer eines 2CVs war und die Vorbesitzer manchmal Bastler gewesen waren, gab es des Öfteren technische Probleme. Ich transportierte gerade ein Rudel Kinder zu einer Party, als mich mein Sohn fragte, ob es üblich wäre, dass Funken beim Schalten aus dem Boden kämen. Ich hielt das Auto an (Gürtel!) und wartete auf den ÖAMTC (erreicht über ein Telephonhüttel). Die Eltern der Kinder konnte ich nicht alle so leicht verständigen – es waren „Pre-Handy-Zeiten“. Was war der Grund? Beim Service waren 2 Drähte falsch zusammengefügt worden, denn die Farben der Drähte hatten eine bestimmte Bedeutung, die der Vorbesitzer – der Bastler – offensichtlich nicht gekannt hatte. Beim Service waren sie nur teilweise wieder „richtig“ zusammengestellt worden. Naja, ist ja nix passiert.

Als die Kinder dann groß wurden, haben sie beide das Fahren in dem jeweiligen 2CV gelernt. Und ab dann sah ich mein Auto nur mehr selten. Es wurde mir sogar vorgeschlagen, auf das Auto zu verzichten. Ich habe hin- und her überlegt und dann beschlossen, dass ich doch ein Auto brauche, denn Auto bedeutet für mich auch ein Stück Freiheit.

Meine Tochter und ihr Freund hatten eine Reise mit Motorrad nach Ägypten geplant. Mein Mann und ich waren gerade in Merida, Yukatan, Mexiko, als uns ein Anruf erreichte: die Kinder wollten doch lieber mit dem Auto – 2CV – nach Ägypten fahren als mit einem Motorrad, wir waren, ich gebe es zu, froh darüber und so wurde das Auto verschifft und die Kinder fuhren u.a. durch die ägyptische Wüste damit.

Leider kam auch die Zeit, als der 2CV zum auslaufenden Modell wurde, mein eigener bereits fast mehr Öl als Benzin verbrauchte … Ich musste mich davon trennen.

Mein erstes Auto – Neubesitz – war ein Nissan Micra Maus. Naja, der kultige 2CV war mir lieber gewesen, als ein „Kleinwagen“, aber auch dieses Modell versah seinen Dienst sehr ordentlich, aber das Fahren machte halt wesentlich weniger Spaß.

Als dann mein Mann aufgrund seiner Gehirnblutung nicht mehr Autofahren konnte, musste ich einspringen. Die Micra-Maus verschenkten wir in der Familie, da wir ja jetzt keine zwei Autos mehr benötigten, und ich fuhr ab damals – 1993 – Audis bzw. jetzt einen Skoda Superb.  Der ist zwar groß, bequem, hat einen praktischen Kofferraum für das Verstauen eines Rollstuhls, ist aber sehr mühsam in und aus unserer Garage zu bringen, die für Klein- und Mittelwagen gebaut wurde und jetzt voller SUVs ist. Außerdem ist das jetzt nicht mehr mein Auto, sondern unser Auto.

Meine Autos

Noch immer stehen in Libyen fremde Krieger im Land

1931 wurden die ersten 5.000 italienischen Kolonisten in Tripolitanien angesiedelt. Doch erst mit einem neuen Gouverneur, der die neue Küstenstraße bauen ließ, begann ein intensiviertes Siedlungsprogramm, vor allem in der Kyrenaika. 1938 kamen 15.000 Kolonisten ins Land, 1939 folgten weitere 10.000. Insgesamt waren bis 1951 500.000 vorgesehen.

Für die enteigneten Libyer, die den Kolonien weichen mussten, waren Ersatzdörfer vorgesehen, doch blieb dieses Projekt bei Kriegsbeginn stecken. Es wurde überhaupt erst begonnen, weil die Zahl der Landlosen und Vertriebenen beständig zunahm und die koloniale Ordnung gefährdete.

In Nordafrika hatten die Italiener zu Beginn des Zweiten Weltkriegs schwere Rückschläge durch die Briten hinnehmen müssen. Im September 1940 befahl Benito Mussolini den Angriff auf das von britischen Streitkräften verteidigte Ägypten. Der Angriff der italienischen 10. Armee blieb aber wegen des starken britischen Widerstandes stecken. Im Dezember 1940 begannen die Briten eine Gegenoffensive mit nur 36.000 Soldaten, die sich rasch zur Katastrophe der italienischen Truppen entwickelte. Die Briten stießen immer weiter nach Libyen vor. Auf einen italienischen Hilferuf hin entsandte Adolf Hitler im Jänner 1941 einen ersten deutschen „Sperrverband“ nach Libyen. Deutsche Truppen, unter Führung des Generalleutnants Erwin Rommel, trafen im Februar 1941 in Tripolis ein, mit dem Befehl, mit schwachen Verbänden, dem Deutschen Afrikakorps, den erfolglosen Bündnispartner Italien bei seiner Verteidigung zu unterstützen.

Die alliierten Truppen der Western Desert Force eroberten im Februar 1941 die Stadt Bengasi. Im März 1941 wurden die südöstlich gelegenen Kufra-Oasen von freifranzösischen Truppen aus dem Tschad zusammen mit einer britischen Einheit besetzt.

Entgegen Befehlen Hitlers griff Rommel mit dem Afrika-Korps Ende März 1941 die alliierten (britischen) Truppen bei El Agheila an und leitete damit die Rückeroberung der Kyrenaika durch deutsche und italienische Truppen ein. Die Offensive der Achsenmächte führte zum Erfolg, so dass im April Bengasi besetzt werden konnten. Etwas später standen deutsche Panzer vor der ostlibyschen Hafenstadt und Festung Tobruk, die kurz zuvor noch von den Italienern ausgebaut und dann beinahe kampflos geräumt worden war. Sowohl „Tobruk“, wie auch „Afrikakorps“ oder „Rommel“ waren auch uns Volksschulkindern ein Begriff, wir waren stolz auf die Eroberungen im fernen Libyen, von dem wir sonst gar nichts wussten, außer dass es dort Wüsten gab. Um Tobruk wurde hart gekämpft.

Im  November 1941 begannen die Alliierten Gegenoffensive, letztlich gelang der Besatzung von Tobruk  der Ausbruch aus dem Belagerungsring.   Aber Rommel gab nicht auf. Im März 1942  begann das Afrikakorps seinem Vormarsch auf Tobruk einzuleiten. Am 20. Juni wurden Stadt und Festung besetzt. Kurz vor El Alamein  hatten die Alliierten einen 65 Kilometer langen Verteidigungsgürtel aufgebaut. Die deutsche Offensive blieb stecken. Der neue britische Befehlshaber Bernard Montgomery  startete am 23. Oktober 1942 zum Gegenangriff. Das Afrika-Korps war zahlenmäßig unterlegen und musste den Rückzug antreten.

Im Jänner 1943 besetzten die Alliierten Tripolis. Am 13. Mai 1943 erfolgte die Kapitulation der deutsch-italienischen Heeresgruppe Afrika. 130.000 deutsche und 120.000 italienische Soldaten gerieten in alliierte Kriegsgefangenschaft. Insgesamt starben während des Zweiten Weltkriegs in Nordafrika auf beiden Seiten über 96.000 Soldaten. Die Anzahl der Opfer der Zivilbevölkerung sind nicht bekannt.

Nach dem Einmarsch der alliierten Truppen, zusammen mit der kurz zuvor von Idris a-Senussi  gegründeten Senussi-Befreiungsarmee, wurden die Kyrenaika und Tripolitanien unter britische und der südliche Landesteil Fezzan ab 1. September 1943 unter freifranzösische   Verwaltung gestellt.

Der britische Militärgouverneur von Tripolitanien wurde ab 1946 bis zur Unabhängigkeit Libyens als Verwalter der Vereinten Nationen bestimmt. Das libysche Befreiungskomitee in Kairo sprach sich im März 1947 für eine „Union von Tripolitanien und Cyrenaika“ unter Führung der Senussi aus. Im November 1949 verabschiedeten die Vereinten Nationen eine Resolution, die vorsah, Libyen bis 1952 in die Unabhängigkeit zu entlassen.

Während des Kalten Krieges nutzten die US Amerikaner einen Stützpunkt nahe Tripolis für ihre  Langstreckenflugzeuge, die der Luftwaffe die Möglichkeit zu Spionageflügen an der sowjetischen Südgrenze boten.

Libyen wurde am 24. Dezember 1951 unter Idris I. zur Monarchie erklärt. Zu dieser Zeit gehörte das Land, das überwiegend von der Landwirtschaft und der Verpachtung von Militärstützpunkten lebte, zu den ärmsten Staaten der Welt. Über 90 % der einheimischen Bevölkerung waren Analphabeten. 1955 wurden die ersten Explorationsrechte  für Erdöl vergeben.

Während der Suezkrise  1956 nutzten britische Kampfflugzeuge für ihre Operationen auch libysche Luftwaffenstützpunkte.

Am 1. September 1969 wurde König Idris I., von einer Gruppe panarabischer Offiziere gestürzt. Oberst Muammar al-Gaddafi rief am 1. September 1969 die „Arabische Republik Libyen“ aus.

Im Rahmen des Arabischen Frühlings kam es zu Demonstrationen zu Beginn des Jahres 2011 in allen großen libyschen Städten, die die Sicherheitskräfte gewaltsam zu ersticken suchten. Nun kam es zu einer Spaltung der politischen Führung des Landes analog zu den Regimewechseln in Ägypten und Tunesien. Ein neuerlicher internationaler Militäreinsatz umfasste bewaffnete Operationen zur Einrichtung einer Flugverbotszone, zum Schutz der Zivilbevölkerung, zur Unterstützung der Aufständischen gegen die Regierungstruppen und zur Durchsetzung des Waffenembargos durch Marineschiffe. Im März 2011 wurde dieser durch eine UN-Resolution legitimiert. Gleichwohl erlitten Rebellen-Einheiten in einer Reihe von Fällen Verluste durch Militärschläge der Koalition.

Auch dieser Bürgerkrieg forderte viele Tote – die Angaben schwanken zwischen 10 000 und 39 000. Rund 60.000 Libyer wurden verletzt. Der Bürgerkrieg endete nicht mit dem gewaltsamen Tod Gaddafis am 20. Oktober 2011. Revolutionsbrigaden (Clananhänger) aus verschiedenen Landesteilen kämpften ohne Einschreiten der Regierung  weiterhin gegeneinander. Als Grund gelten Streitigkeiten um Einflussgebiete. Weitreichende Folgen hatte ein terroristischer Angriff am 11. September 2012  auf das Konsulat der USA in Bengasi, der Botschafter und drei weitere US-Bürger kamen ums Leben. Nun stehen einander  seit 2014 zwei Regierungen gegenüber. Nach der Eroberung Tripolis durch das Milizenbündnis Fadsch Libya im August 2014 flohen Regierung und Abgeordnetenrat nach al-Baida und Tobruk in den Osten. In Tripolis tagt seither der Neue allgemeine Nationalkongress.

Und der IS konnte sich in Sirte breit machen: siehe meinen Blogeintrag „Es hat schon viele Auseinadersetzungen um Libyen gegeben.“

 

Noch immer stehen in Libyen fremde Krieger im Land

Meine persönliche Verstrickung

der 2. Italienisch-Libysche Krieg

Die Republik Deutsch-Österreich erlässt zunächst eine provisorische Verfassung, auf deren Basis am 5. Dezember 1918 das Deutsch-Österreichische Staatsbürgerrecht ergeht. Nach diesem kommt allen Personen, die in einer Gemeinde der Deutschösterreichischen Republik heimatberechtigt waren, die deutschösterreichische Staatsbürgerschaft zu. Ein Optionsrecht ermöglichte Personen über 18 Jahren, die ihre österreichische Staatsbürgerschaft aufgrund des Heimatrechts in einem Gebiet, das nicht mehr zu Österreich gehört, verloren und eine neue Staatsbürgerschaft erworben haben, innerhalb eines Jahres für die Zugehörigkeit zum neuen Staat optieren. Heimatberechtigte einer Gemeinde, die an einen so genannten Nachfolgestaat (Italien, Jugoslawien, Polen, Rumänien, Tschechoslowakei) fielen, erwarben unter Ausschluss der österreichischen Staatsbürgerschaft die Staatsangehörigkeit des Nachfolgestaates. Ausgenommen waren  jene Personen, die in der Folge für die österreichische Staatsbürgerschaft optierten. Das war die Ausgangslage für meinen Vater, 1902 geboren, der in Wien zur Schule ging. Niemand in seiner Familie dachte damals an eine eventuell erforderliche Option für den Loisl.

Später, als dann Dokumente benötigt wurden, stellte sich heraus, dass mein Vater italienischer Staatsbürger war; denn irgendwelche Vorfahren hatten in Südtirol gelebt, konkret in Tschengls im Vinschgau. Mit dem Ende des 1. Weltkrieges war 1918 zwischen Österreich-Ungarn und Italien ein Waffenstillstand unterzeichnet worden. Daraufhin besetzte das italienische Heer den Süden Tirols, um vorübergehend die Verwaltung des Landes zu übernehmen. In Saint Germain wurde Italien die Annektierung des Gebietes südlich des Brenners offiziell zugesagt. England, Frankreich und Russland hatten im Londoner Geheimvertrag 1915 mit dieser Zusicherung Italien zum Kriegseintritt auf ihrer Seite bewegen können.

Die Bedingung für die „Aufgabe der italienischen Staatsbürgerschaft“ um die österreichische zu erwerben, war, den italienischen Militärdienst abzuleisten. Der dauerte damals 4 Jahre. Mein Vater kam zu einer Kompagnie, die aus Südtiroler Bergbauernburschen bestand. Loisl war ein Stadtkind. Es muss gehörige Reibereien gegeben haben. Und diese Kompagnie wurde dann in Libyen eingesetzt; ich weiß eigentlich nur, dass man Vater in Tripolis stationiert war. In diesen vier Jahren wurde der Loisl zum Luigi.

Die militärische Invasion Italiens in Libyen hatte 1911 begonnen. 1918 folgte die Gründung der Tripolitanischen Republik durch die dortigen Stammesführer. 1919 gelang ihnen die Aushandlung eines Friedensvertrages mit den kolonialen Obrigkeiten, der Tripolitanien ein Parlament, Pressefreiheit und die Staatsbürgerschaft für die muslimische Bevölkerung gewährte. Im Jahr 1920 erkannte Rom Mohammed Idris as-Senussi (*1890; † 1983; von 1951 bis 1969 König von Libyen), das Oberhaupt der Senussi-Bruderschaft, als erblichen Emir der Cyrenaika an.

1923 begann eine neue Phase der Kolonisierung. Benito Mussolini (*1883; † 1945; von 1922 bis 1943 Ministerpräsident des Königreiches Italien) hatte sich als „Führer“ (Duce) der faschistischen Bewegung etabliert. Eines seiner vorrangigen Ziele war die militärische „Wiedereroberung Libyens“. Die Politik der Autonomie und Selbstverwaltung wurde von den Faschisten verworfen. Ein grausamer Kolonialkrieg begann nun in Libyen nicht nur gegen die Widerstandsbewegung, sondern gegen die ganze Bevölkerung. Die Generaloffensive in Tripolitanien begann 1923. Im Kern zielte die faschistische Eroberungspolitik auf eine Neuverteilung des bebaubaren Bodens und die Zerstörung der traditionellen islamischen Stammesgesellschaften. Teil dieses Programms war die Vertreibung der indigenen Bevölkerung aus den fruchtbaren Küstengebieten, die nun in die Trockengebiete ausweichen musste. Die Italiener reagierten auf die Guerillataktik der Mudschahedin mit einem immer brutaler werdenden Kleinkrieg: Es kam zu Säuberungen und Entwaffnungsaktionen, zu Festnahmen und zahlreichen Exekutionen. Italien war den „Gotteskriegern“ sowohl numerisch als auch technologisch überlegen und setzte modernste Kriegstechniken ein: Telefon und Radio zur Koordination der Aktionen; schnelle, leicht gepanzerte Einheiten und vor allem Flugzeuge, denen die berittenen oder zu Fuß kämpfenden Mudschahedin nichts Gleichwertiges entgegenzusetzen hatten. Die Luftwaffe des Königreichs Italien übernahm Aufklärungs- und Versorgungsaufgaben, griff aber auch in die Kampfhandlungen ein. Nicht nur Kämpfer, sondern auch die Lager der Stämme wurden von ihr bombardiert oder unter automatisches Feuer genommen. Auch Trecks von Flüchtenden mit ihrem Vieh verschonten die Tiefflieger mit ihren Angriffen nicht. Es wurde auch – wenn auch nur sporadisch – in Libyen Giftgas eingesetzt.

Im Unterschied zu Tripolitanien, wo traditionelle Rivalitäten und alte Konflikte zwischen den Stämmen die Formierung einer einheitlichen Widerstandsfront verhindert hatten, traten die Aufständischen in der Cyrenaika geschlossen auf. Hier stützte sich der Widerstand ganz auf die Senussi-Bewegung, eine 1833 in Mekka gegründete Bruderschaft, die sich für die Erneuerung des Islams und für eine Befreiung der arabischen Länder von jedem europäischen Einfluss einsetzte. Bis zum Ende des Jahres 1927 reichte die Herrschaft Italiens in der Cyrenaika noch nicht über die Küstenzone hinaus.

Nun nahmen die Italiener das soziale Umfeld der Guerilla ins Visier und machten die Nichtkombattanten zu den Hauptleidtragenden ihrer Kriegsführung. Gebäude und Ländereien wurden enteignet. Hunderte von Häusern und 70.000 Hektar besten Bodens wechselten den Besitzer. Korangelehrten wurden gefangen gesetzt und später auf eine Gefängnisinsel deportiert. In klar erkennbarer Absicht schlachteten die Kolonialtruppen viele Zehntausend Stück Schafe, Ziegen, Rinder, Ochsen, Pferde und Kamele ab und zerstörten damit die Lebensgrundlagen der Menschen. Gleichzeitig setzte eine Massenflucht in die umliegenden Länder ein.

Die italienischen Faschisten begannen die libysche Bevölkerung in Rebellen und Kapitulationisten zu unterteilen. Damit wollten sie die Einheit des Volkes untergraben und effizienter gegen die bewaffneten Kämpfer vorgehen. Nach dem Scheitern der militärischen Offensive gegen die Widerstandsbewegung wurden auch die Kapitulationisten als gefährliches Potential eingestuft, da sie die soziale Basis der Widerstandsbewegung bildeten, die von ihnen materiell und moralisch unterstützt wurde. Den Faschisten gelang es, durch das Internieren der Bevölkerung in den Konzentrationslagern die Freiheitskämpfer sozial und ökonomisch völlig zu isolieren. Damit wurde der Widerstandsbewegung die soziale Basis entzogen, Waffen, Geld sowie Nahrungsmittel blieben aus

Insgesamt forderte die „Wiedereroberung Libyens“ von 1923 bis 1933 rund 100.000 libysche Todesopfer – bei einer Gesamtbevölkerung von rund 800.000 Menschen. Die Viehherden, die ökonomische Basis der (semi-)nomadischen Bevölkerung, wurden im Laufe der kolonialen Eroberung immer kleiner. Das Massensterben in Nordafrika kam dem Endziel des faschistischen Kolonisationsprozesses, neuen „Lebensraum“ zu gewinnen, weit entgegen. Bis 1939 ließen sich rund 100.000 italienische Siedler in Libyen nieder, was ziemlich genau der Opferzahl entsprach, die die Errichtung des faschistischen Kolonialregimes unter der indigenen Bevölkerung gekostet hatte.

Welche Rolle mein Vater bei all dem gespielt hat, weiß ich nicht. Mir ist nicht einmal bekannt, welche „4 Jahre“ er in Libyen war. Ich schätze, dass Luigi zwischen 1924 und 1928 in Tripolis „diente“. Was hat er wohl von all dem gewusst? Jedenfalls ist er in seinem späteren Leben nie nach Italien gefahren und hat nie über diese Periode gesprochen.

Meine persönliche Verstrickung

Es hat schon viele Auseinandersetzungen um Libyen gegeben

Das US-Militär hat erstmals Stellungen der Terrormiliz Islamischer Staat in der libyschen IS-Hochburg Sirte angegriffen. Lange hat Europa weggeschaut, während Libyen in Gewalt versank und sich der IS dort einnistete.

Für unsere Erinnerungen ist Libyen „Gaddafi-Land“, und Sirte, am Mittelmeer gelegen, ist seine Geburtsstadt. Doch nach dem Tod des Herrschers, der von seinen Gegnern im Arabischen Frühling nach einer internationalen Militärintervention im Oktober 2011 getötet worden war, versinkt das Land in Chaos und geriet zunehmend in Vergessenheit seitens der Europäer. Sirte gilt seit einem Jahr als wichtigste IS-Hochburg in Libyen. Die Terrormiliz konnte sich damit in einem Land einnisten, dessen Küsten an einigen Stellen sowohl von Italien als auch Griechenland rund 500 Kilometer entfernt sind. Die Angriffe der US-Luftwaffe auf IS-Stellungen in Sirte erfolgten auf Gesuch der libyschen Einheitsregierung um Präsident Fajes al-Sarradsch.

Schon die erste Übergangsphase nach der Revolution 2011 war von Auseinandersetzungen zahlreicher lokaler Gruppen geprägt, die um die Macht rangen und zahlreichen Übergangsregierungen keine Ruhe ließen, dem Land Stabilität zurückzugeben. Im Jahr 2014 eskalierte der Konflikt zwischen zwei großen Blöcken, die sich mittlerweile gebildet hatten, zum Bürgerkrieg. Mit dem Abkommen von Shkirat wurde Ende 2015 unter Vermittlung der UN eine Einheitsregierung gebildet, der seit März 2016 al-Sarradsh als Präsident vorsteht. Unter dem neuen Präsidenten hat der Druck auf den IS in Libyen zwar zugenommen. Doch Machtfragen innerhalb der Einheitsregierung erschwerten bislang ein effektives Vorgehen gegen die Terrormiliz. So sollen nach UN-Angaben in diesem Jahr bereits mehr als 89.000 Flüchtlinge von Schleuserbanden über den gefährlichen Seeweg nach Italien gelangt seien. Die meisten kamen über Libyen. Seit 2014 sollen mehr als 10.000 Menschen dabei ihr Leben verloren haben – 3000 davon allein in diesem Jahr.

Für uns Touristen, denen früher die ganze Welt offen stand, war in Libyen ein Anziehungspunkt Leptis Magna, es war von den Phöniziern gegründet worden, die Ende des 2. Jahrtausends nach Libyen gekommen waren. Es herrschte laut Herodot Polygamie, die Ahnenreihe verlief über die Mütter. Metalle wurden eingeführt, Metallverarbeitung wurde nicht ausgeübt, auch wurde die Töpferscheibe zu Herodots Zeiten noch nicht eingesetzt. Opfergaben wurden Sonne und Mond dargebracht. Die Landwirtschaft beruhte auf einem komplizierten Bewässerungssystem, das die geringen Wasserressourcen schonend nutzte, die Arbeitskräfte beschaffte man sich durch Sklavenjagd. Krieger waren mit Streitwagen ausgestattet, die Wagen wurden auch in der Landwirtschaft und für den Personentransport eingesetzt.

Im 1. Jahrhundert v. Chr. eroberte das Römische Reich Tripolitanien und die Kyrenaika. Nur der Süden konnte seine Unabhängigkeit bewahren. Die römische Herrschaft intensivierte den Warenaustausch, der nun Teil des gesamten Mittelmeerraum umfassenden Marktes war, und verband ihn mit dem Transsaharahandel. Nach der Teilung des Römischen Reiches 395 wurde Tripolitanien an das Weströmische, Kyrenaika an das Oströmische Reich angegliedert. Im Zuge der Völkerwanderung setzten 429 Vandalen und Alanen von Südspanien nach Afrika über.

Möglicherweise durch Austrocknen der Wasserlöcher begann im 4. Jahrhundert der Niedergang. In der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts nahm die Bevölkerung das Christentum an, im 7. Jahrhundert den Islam.

Wenige Jahre nach dem Ende des Krieges zwischen Ostrom-Byzanz und dem Perserreich begann der zähe Siegeszug der von der arabischen Halbinsel kommenden neuen Religion des Islam, der auf der Schwertmission basierte. Aber bereits vor 750 begann ein Prozess, in dem sich die Randgebiete Schritt für Schritt der Kontrolle des arabischen Riesenreiches entzogen.

Tripolitanien bildete nach der Reconquista einen wichtigen Fluchtpunkt für die Juden, die gleichzeitig mit zahlreichen Mauren aufgrund des Alhambra-Edikts von 1492 Spanien verlassen mussten. Nachdem im 14. Jahrhundert die Piraterie der Korsaren von Tripolis stark zugenommen hatte, kam es immer wieder zu Angriffen der christlichen Seemächte Genua und Aragon. 1509 wurde Tripolis schließlich von Spaniern erobert. Kaiser Karl V. überließ die Stadt 1530 dem Johanniterorden als Lehen.Im 18. und frühen 19. Jahrhundert blieb die Piraterie weiterhin ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, weshalb Tripolis mehrmals von den Flotten Britanniens und Frankreichs beschossen wurde, dabei wurde die Stadt 1728 zerstört.

Ab 27. Juni 1835 wurde das Land erneut unter osmanische Herrschaft gestellt. Die Osmanen verfügten jedoch über eine schwache Garnison in Tripolitanien. Araberstämme wehrten sich gegen die Herrschaft der Türken.

Neben den osmanischen Statthaltern regierte ab 1843 auch die Sanussiya-Bruderschaft in der Kyrenaika. 1857 wurde der Sklavenhandel abgeschafft. Istanbul hob ab 1835 alle bestehenden diskriminierenden Vorschriften für Juden auf.

1911 marschierten italienische Truppen in das osmanische Libyen ein. Dieser Schritt wurde mit der Beeinträchtigungen der Handelsfreiheit italienischer Kaufleute begründet. Der Kriegszustand zwischen Italien und dem Osmanischen Reich blieb bestehen, gleichzeitig wurde die Hauptstadt Tripolis und der Küstenstreifen der Kyrenaika von den Italienern besetzt. Die dort stationierten osmanischen Divisionen leisteten unerwartet heftigen Widerstand. Nach mehrtägigem Bombardement auf Tripolis richteten die italienischen Invasoren ein Blutbad unter der Bevölkerung an. Der türkische Widerstand gegen die italienische Invasion wurde von der Wüste aus geleitet. Die Italiener konnten jedoch aus den Küstenorten Libyens nicht mehr vertrieben werden. Im Oktober 1912 musste der Sultan Libyen im Frieden von Ouchy an Italien abtreten. Im Landesinneren Libyens führten die Wüstenscheichs einen erfolgreichen Kleinkrieg. Die Eroberung des Landesinneren und der Kufra-Oasen  gelang erst Mussolini  in den frühen 1930er Jahren.

Über diese Periode möchte ich ein andermal genauer berichten, denn in diesem Krieg war auch mein Vater im Einsatz, den ich leider nie zu diesen Ereignissen befragt habe. Eine Tatsache, die ich jetzt zutiefst bedauere. Ich kann nur aufrufen: Kinder, befragt Eure Eltern und Großeltern rechtzeitig!

 

Es hat schon viele Auseinandersetzungen um Libyen gegeben

Hochsommer in Wien

Worauf freut sich der Wiener, wenn er vom Urlaub kommt? Auf das Wiener Wasser und das Ankerbrot – sagte man in meiner Kindheit, wenn wir mit dem Zug, pfeifend und rußend, dem neuen Schuljahr entgegenfuhren.

Das mit dem Wasser stimmt noch immer, das Ankerbrot hat viel Konkurrenz bekommen und pfeifende, rußige Züge benützen wir nicht mehr.

Dafür die Autobahnen, die Verkehrsteilnehmer sind höchst international. Man kommt kaum nach, beim Entziffern der Länderkennzeichen, jene der ehemaligen „Kronländer“ erkennt man bald, sie sind auch stark vertreten. Aber bei manchen anderen braucht man schon ein Weilchen, bis man dann doch draufkommt: „MK“ ist dann doch nicht so offensichtlich (Mazedonien), „MNE“ steht jedenfalls für Montenegro.

Früher war Wien im Sommer ruhig und verschlafen gewesen, davon kann jetzt keine Rede mehr sein. Wien ist voll von Touristen: sehr dominant jene aus Ostasien, die Damen meist mit Hut oder Schirm, in Gruppen einher wandernd, photographiert wird alles und jedes. Auch viele Damen in arabischen Gewändern, mehr oder weniger verschleiert, oft  hinter sehr luftig gekleideten Männern einher wandelnd; aber wenn’s ums Shoppen geht, wird bei Höchstpreisigem kräftig zugeschlagen. Und die vielen lustigen Jugendlichen, die sichtlich aus Polen hereinströmen, noch immer kenntlich an gelben Rucksäcken, Tüchern etc. Einen habe ich wahrgenommen, auf dessen Leiberl die Mess-Termine zu ersehen waren. Die Wiener unter den vielen Touristen erkennt man daran, dass sie meist grantig dreinschauen.

Und die Fortbewegungsmittel sind höchst unterschiedlich, man ist nicht nur zu Fuß oder im (Sightseeing-) Bus unterwegs, manche flitzen mit ihre Rollern durch die Gegend, Rollerblades werden auch gerne für rasche Fortbewegung verwendet. Skateboards sind oft auf größeren Plätzen im Einsatz, dort wo man auch auf Rampen springen kann; beliebt sind Segways, diese Benutzer treten in Gruppen auf, sie wissen oft nicht so recht, wo sie nun fahren sollen, auf den Gehsteigen, auf den Fahrradwegen oder überhaupt auf der Fahrbahn. Manche Gruppen sind mit Fahrrädern unterwegs, also als „normaler“ Fußgänger fürchtet man sich schon zuweilen. Dazu kommen die Pokemon Jäger, und viele aus allen Gruppen schauen hauptsächlich auf ihr Mobiltelephon, meist ohne Rücksicht auf Verkehr. Ausländer benutzen gerne die Fahrbahn – wie im Disneyland. Und die früher im Sommer doch häufig verfügbaren freien Parkplätze, die sucht man auch vergeblich.

Wenn man nicht gerade unterwegs ist, ist der Sommer, ob am Land oder in Wien, eine Zeit des Lesens. Ich gebe es zu: ich bin ein „Polit-Thriller-Junkie“. Dazu habe ich mir heuer ein ganz dickes Taschenbuch gekauft: Command Authority, Kampf um die Krim, von Tom Clancy, bekannt von vielen früheren Büchern und Filmen – die Jack Ryan Serie (verkörpert von Harrison Ford).

Nun habe ich dieses Buch fasziniert gelesen, es ist erstmals 2013 in englischer Originalfassung erschienen. Tom Clancy starb im Oktober 2013. Die völkerrechtlich umstrittene Annexion der Krim durch Russland fand dann aber erst im März 2014 statt. Mich fasziniert die Idee, dass Clancy diese Ereignisse vorhergesagt hat. Und nicht nur jene in der Krim, sondern auch die tragischen Vorkommnisse in der Ost-Ukraine, Donezk und Lugansk.

Wenn Clancy das vorhersehen konnte: wieso wurden dann die Geheimdienste in den USA und in Europa von diesen Ereignissen „überrascht“? Vielleicht hätten sie rechtzeitig diesen Politthriller lesen sollen!

Hochsommer in Wien

Rechte der Autokraten über ihr Territorium hinaus.

zwei Beispiele in letzter Zeit:

Putin in Slowenien

Der russische Präsident Wladimir Putin hat in Slowenien russischer Opfer im Ersten Weltkrieg gedacht. Er nahm vor der sogenannten russischen Kapelle im Norden des Landes an einer Feier für 300 Landsleute teil, die vor 100 Jahren als Kriegsgefangene durch einen Lawinenabgang ums Leben gekommen waren. Die Staats- und Regierungsspitze des EU- und NATO-Landes Slowenien hatte die Visite als rein humanitäres Ereignis heruntergespielt. Der Kreml spricht von einem bilateralen Arbeitsbesuch, und das EU- und Nato-Mitglied Slowenien versucht, trotz der EU-Sanktionen das Verhältnis zu Moskau, einem seiner wichtigen Handelspartner, aufrechtzuerhalten. Eine weitreichende politische Bedeutung habe Putins Besuch nicht, hieß es aus Ljubljana beschwichtigend.

Demgegenüber hofften viele Medien, die traditionelle Freundschaft zwischen den beiden slawischen Völkern werde trotz der Handelssanktionen des Westens gegen Russland neuen Schwung erhalten. Das größte Land der Erde ist außerhalb der EU der wichtigste Handelspartner Sloweniens. Immer mehr Russen hatten in den letzten Jahren die slowenische Adriaküste besucht.

Und jetzt komme ich zu meinem Anliegen: Definitiv ausgewirkt hat sich Putins eintägiger Aufenthalt in Slowenien aber auf den Verkehr: Nicht nur dort, sondern auch in Österreich und Italien kam es zu Verkehrsbehinderungen und Staus. In der Region Gorenjska wurden alle Straßen gesperrt, so auch der Karawankentunnel zwischen Kärnten und Slowenien. An dieshaben Ferien. Die Folge sind kilometerlange Staus auf den Autobahnen Richtung Meer und Alpen. Das ist jedes Jahr so. Doch in diesem Jahr kommt auf einer der wichtigen Routen Richtung Adria noch ein Problem hinzu: ein Putin-Besuch.

Nun weiß ich leider nicht, wer diesen Besuch zu dem Termin geplant hat, ich gehe davon aus, dass es ein Wunsch Putins war. Ich weiß auch nicht, ob diese Sicherheitsvorkehrungen aus Moskau gefordert worden waren oder ob sie „in vorauseilendem Gehorsam“ von Slowenien in die Wege geleitet wurden. Jedenfalls hat diese Maßnahme Tausende Urlauber betroffen, die auf dem Weg in ihr Urlaubsziel waren. Auf sie, „das Volk“, dem Souverän, nahm keiner Rücksicht. Ja, wenn man so geschützt reist, wie es Autokraten tun, kennt man die Probleme der Normalsterblichen nicht. Heiß ist es, es geht nur schrittweise weiter, die Kinder quengeln, sie haben Durst – und sie fragen wahrscheinlich hundertmal, an diesem heißen Sommertag,  wie lange dauert es noch?

Erdogan (in Österreich) und Deutschland.

Deutschtürken demonstrierten in Köln am vergangenen Samstag, 30.7. Dort war die Demonstration, im Gegensatz zu Wien, wo sie spontan stattgefunden  hat, immerhin angemeldet. Dennoch, mitten in Deutschland gehen Tausende für einen Mann auf die Straße, der eine solche Demonstration in seinem eigenen Land, wäre sie gegen ihn gerichtet, niederknüppeln ließe. Noch schwerer zu ertragen ist, dass viele Teilnehmer seit Jahren hier leben, aber offensichtlich nie angekommen sind. Sonst hätten sie nicht für, sondern gegen Erdogan demonstriert. Ob sich die Deutschtürken, die gestern in Köln ihren Staatspräsidenten feierten, der Qualität des deutschen Rechtsstaates und der damit verbundenen Errungenschaften bewusst sind und diese zu würdigen wissen? Hier dürfen sie jedenfalls demonstrieren. Die Konflikte in der Türkei, ob es sich um den Kurdenkonflikt handelt oder um die Verfolgung mutmaßlicher Gesinnungsgenossen mutmaßlicher Putschisten, darf man nicht in Deutschland austragen, schon gar nicht mit Gewalt. Europäische Länder dürfen nicht zu Arenen werden, in denen es um die Macht in Ankara und innertürkische Richtungskämpfe geht.

Die Veranstalter der Pro-Erdogan-Demonstration in Köln durften den türkischen Staatspräsidenten nicht live zuschalten. Das hat das Bundesverfassungsgericht beschlossen. Auf der Demo hätte eine Rede Erdoğans aus der Türkei  übertragen werden sollen, doch die Richter wiesen den Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung einstimmig ab. Man wollte eine Zuschaltung Erdogans unbedingt verhindern, „um zu vermeiden, dass es zu einer hochemotionalisierten Lage kommt“. Dieses Verbot einer Video-Live-Schaltung führt zu diplomatischen Spannungen zwischen der Türkei und Deutschland. Im diesem Streit um die Pro-Erdogan-Demonstration in Köln bestellt das türkische Außenministerium den Gesandten der deutschen Botschaft in Ankara ein. Der Botschafter ist im Urlaub, daher nimmt der Gesandte – sein Stellvertreter – den Termin wahr. Der türkische Justizminister  kritisiert die deutsche Entscheidung scharf. Das Verbot der Übertragung sei auf „widerrechtliche und unhöfliche Art“ erfolgt und eine „Schande“ für Demokratie und Recht. Es sei von nun an inakzeptabel, wenn Deutschland gegenüber der Türkei die Begriffe Demokratie, Rechtsstaat, Menschenrechte und Freiheit auch nur in den Mund nehme. Zudem warf der Justizminister Deutschland eine ungerechte Behandlung der hierzulande lebenden Türken vor. Deutschland sei für viele „ernste Diskriminierungen und Ungerechtigkeiten“ verantwortlich.

Ich bin fassungslos, über die Ungeheuerlichkeit dieser türkischen Anschuldigungen. Eigentlich steht es ja den Deutschtürken frei, jetzt in die „ehemalige (?) Heimat zu reisen und dort Erdogan zu sehen und zu hören.

Rechte der Autokraten über ihr Territorium hinaus.