Thanksgiving – Erntedank

In den USA wird Thanksgiving als großes Familienfest gefeiert, im Mittelunkt steht der Turkey, der Truthahn, den der Hausherr oft selbst gebraten hat und nun aufschneidet. Das war aber nicht immer so. Zwar wird dieses Fest schon 400 Jahre gefeiert, und gutes Essen stand immer im Mittelpunkt.

Die Wampanoag Indianer, die das Land bereits über tausend Jahre besiedelt hatten, waren der Schlüssel für das Überleben der die ersten Kolonialisten, die 1620 gekommen waren. Nachdem diese „Pilgerväter“ erstmals 1621 ernten konnten, kamen ca. 140 Personen zusammen, um zu essen und Spiele zu spielen. Jedenfalls ist bekannt, dass 90 Einheimische und 50 Engländer am Fest teilnahmen. Es wird angenommen, dass die Engländer bei Tisch saßen und die einheimischen beim Essen am Boden hockten. Diese Festivitäten dauerten angeblich drei Tage. Der Grund: die Dörfer der Einheimischen lagen weit auseinander, sie reisten zu Fuß, und wenn man schon so lange unterwegs ist, dann bleibt man gerne ein Weilchen. Man aß Wild, aber auch Geflügel und Fisch, man delektierte sich an wildem Truthahn, Enten und Gänsen. Die Indianer hatten angeblich fünf Hirsche mitgebracht.

Das Fest wurde noch nicht „Thanksgiving“ genannt, erst Abraham Lincoln  bezeichnete es 1863 so und machte es zum Feiertag. Nach diesem glücklichen Anfang  fand dann dieses Fest jährlich statt, allerdings nur ca. 10 Jahre. Als  dann 25 000 Engländer zwischen 1630 und 1642 gelandet waren und eine Seuche viele Einheimische hinweg gerafft hatte begann der Kampf um das Land. 1675 kam es zu einem Krieg. Für die Einheimischen ist heute Thanksgiving ein Fest der düsteren Erinnerung.

Für uns, meinen Mann und mich, hat Thanksgiving ebenfalls einen düsteren Aspekt. Wir waren zu einem Fulbright-Thanksgiving eingeladen, und knapp davor war der amerikanische Präsident John F. Kennedy ermordet worden. Damals war sein Bild noch nicht von allen möglichen Affären getrübt, und wir, die wir damals noch jung warten, hatten große Hoffnungen in diesen jungen Präsidenten gesetzt.

Bei uns wird Erntedank gefeiert, nicht notwendigerweise an einem fixen Tag. Meist wird in der Kirche gefeiert, andernorts auch als Prozession. Feldfrüchte und Getreide, sowie Obst werden dekorativ  aufgestellt. Dazu kommen auch andere als Gaben wie Mehl, Honig oder Wein. Bekannt sind aus Getreide oder Weinreben geflochtene „Erntekronen“ zu diesem Anlass. Mit dem Erntedankfest soll in Dankbarkeit an den Ertrag in Landwirtschaft und Gärten erinnert werden – und auch daran, dass es nicht allein in der Hand des Menschen liegt, über ausreichend Nahrung zu verfügen. Einzelne Gemeinden kennen den Brauch einer Erntedank-Wallfahrt oder von Umzügen, unter anderem in Tirol. In manchen Gemeinden werden Erntefeste mit Festessen und Tanz gefeiert, in ländlichen Gegenden gibt es Jahrmärkte und es ist Brauch Strohpuppen auf dem Feld zu verbrennen.

Erntedankfeste gab es schon in vorchristlicher Zeit, sowohl in Nordeuropa, Israel , Griechenland oder im Römischen Reich. In der römisch-katholischen Kirche ist ein Erntedankfest seit dem 3. Jahrhundert belegt. Da die Ernte je nach Klimazone zu verschiedenen Zeiten eingebracht wird, gab es nie einen einheitlichen Termin. Nach der Reformation wurde das Erntedankfest an unterschiedlichen Daten gefeiert. Die Erntefeste sind in früheren Jahrhunderten durch die Gutsherren entstanden, die alle Mägde und Knechte, zum Beispiel mit Erntebier und einem festlichen Essen bewirteten.

Unabhängig von unserem Glauben sollten wir Österreicher dankbar sein. Wir leben seit 1945 in Frieden, eine so lange Periode war wenigen Generationen gegönnt. Die große Mehrheit bei uns hat ein festes Dach über dem Kopf, hat ausreichend zu essen. Selbst die Armen haben die Möglichkeit verbilligt einzukaufen und verschiedene Sozialleistungen in Anspruch zu nehmen. Ja, die Arbeitsmarktsituation ist nicht für alle günstig, für wenig Gebildete, für Ältere ist es oft schwierig einen Job zu bekommen. Ich lebe gern in Wien, es ist hier sauber, wir haben hervorragendes Wasser, die Luft ist im Vergleich zu anderen Städten nicht verschmutzt. Wir haben ein gut funktionierendes öffentliches Verkehrsnetz. Die Sicherheit ist nicht überall gleich gut, aber ich fürchte mich nicht allein abends nach Hause zu gehen.

Dennoch tendieren wir Österreicher dazu zu „matschgern“. Aber haben die meisten von uns einen Grund dazu? Wir haben keine „optimale Regierung“, aber die Regierung besteht doch auch nur aus Menschen, die EU scheint keine Führungsqualitäten aufzuweisen, die der derzeitigen Situation adäquat wären. Aber haben wir wirklich alle Benefizien  geschätzt, die die EU uns gebracht hat? Natürlich freuen wir uns nicht über den Brexit aber wir sollten daraus lernen, dass es nicht notwendigerweise opportun ist, einfach „austreten“ zu wollen. Viele von uns sind über den neu gewählten US Präsidenten nicht besonders glücklich

, aber vielleicht bringt er auch positive Seiten ins Spiel. Auch hieraus könnten wir alle lernen, nicht einem Populisten auf seinen Schmäh hineinzufallen.

Ich bitte alle, die positiven Seiten unseres Lebens zu betrachten und nichts alles schlecht zu reden. Angst ist ein schlechter Ratgeber! Seien wir lieber dankbar!

(Gehen Sie am 4.Dezember wählen!)

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