Vom „Doktor Allesgut“ zum PETCT: Heute ist es doch ganz anders!

 

Als ich mir das erste Mal den Knöchel gebrochen habe, bin ich im Stiegenhaus unserer Wohnung auf dem Eisenabstreifer ausgerutscht. Natürlich hatte ich es eilig gehabt, ich wollte zum wöchentlichen Treffen unserer Alpenvereinsgruppe. Diese Zusammenkunft war nicht nur informativ, wir lernten über Lawinen, über alpine Flora und vieles mehr, sondern auch recht lustig. Aber an diesem Abend schaffte ich es dann doch nicht mehr. Denn nicht mit der Rettung wurde ich die Unfall-Ambulanz des AKH (damals noch die Pavillon Variante) gebracht, sondern mein Cousin lud mich auf sein Fahrrad und führte mich hin. Ich musste ein gutes Weilchen warten, ich war ja „ein leichter Fall“, aber dann wurde der Fuß geröntgt, und es wurde ein kniehoher Gips angebracht. Der kam mir natürlich sehr gelegen, denn am nächsten Tag war Französisch-Schularbeit, die ich einigermaßen fürchtete. Daher blieb ich lieber zu Hause (wäre zwar nicht wirklich notwendig gewesen) und konnte später eine mündliche Prüfung machen. Französisch war für mich damals in der Oberstufe ein Freifach, dennoch nahm die Professorin ihren Unterricht sehr ernst. Da ich sie nicht sehr sympathisch fand, nahm ich halt das Freifach nicht ganz so ernst. Es tat mir später sehr leid, als ich das Stipendium in Frankreich bekommen hatte.

Das nächste Mal war die Medizin schon wesentlich weiter fortgeschritten. Es war wieder der Knöchel, der gebrochen war, aber eigentlich stand eine Ägyptenreise bevor. Das wurde freundlich berücksichtigt und ich bekam –ausnahmsweise – einen so genannten Light Cast, mit einem so genannten Hush-Puppy. Ein besonders großer Schuh, der etwa so aussah, wie die klassischen Timberlands heute, beige, aus Rauleder. Ein großer Vorteil des Light Cast war angeblich die Tatsache, dass er nass werden konnte. Aber nach einem Untertauchen in der Badewanne benötigte er drei Tage um zu trocknen, und das im Winter. Außerdem juckte dann die Haut unter dem Gips. Dem war aber mit einer langen Stricknadel beizukommen.

Aber bald nahte der Abreisetag. Die anderen Teilnehmer der Reisegruppen beäugten mich eher misstrauisch. Man befürchtete, dass ich das Tempo der Gruppe nicht einhalten könnte. Das war dann zum Glück nicht der Fall. Aber sonstige Tücken lauerten. Die Reise fand noch zu Zeiten statt, zu denen man die Schuhe abends vor die Tür stellte, um sie dann am nächsten Tag in der Früh gereinigt hereinzuholen. Die Schuhe waren meist sehr staubig – vom Wüstensand. Ich stellte nur den einen Schuh vor die Tür, den Hush-Puppy behielt ich lieber ein. Aber der eine Schuh stand den nächsten Tag nicht vor der Tür und die große Jagd des Personals begann. Man hatte sichtlich angenommen, dass dieser einzelne Schuh wegzuwerfen wäre. Damals waren die Menschen in Oberägypten sehr arm, daher ist auch ein einzelner Schuh als nützlich erachtet worden. Nach einiger Zeit (ein sehr dehnbarer Begriff im damaligen Ägypten) fand sich der Schuh dann wieder. Ich war sehr erleichtert.

Großen Spaß hatten die vielen bettelnden Kinder in Oberägypten. Sie berührten den Cast mit einem Stöckerl, wahrscheinlich annehmend, dass es sich um so etwas wie ein Holzbein handelte. Sie fanden es dann sehr komisch, als ich den Hush-Puppy auszog und mit den Zehen wackeln konnte.

Es waren noch die Zeiten, in denen Österreich bei den Arabern sehr populär war und alle kannten den Namen Kreisky. Man wusste auch Trinkgeld in Form von Schillingen zu schätzen, deren Kurs man genau kannte.

Heute sind in medizinischem Betrieb sehr viele Apparate im Einsatz, deren Ergebnisse auch das Verhalten der Ärzte beeinflussen. Befunde werden auf CD’s weitergereicht. Wenn das Ergebnis der Aktionen befriedigend ist, sind mir alle Mittel recht. Jedenfalls ist man auch kürzer krank bzw. im Spital als früher. Und man wird gleich mobilisiert.

Ich bin jedenfalls allen Ärzten, Pflegern und Schwestern dankbar, die einem wieder gesund machen.

In meiner Kindheit wurde mir aus einem Büchlein vorgelesen, das  den „Doktor Allesgut“  zum Inhalt hatte.

 

Vom „Doktor Allesgut“ zum PETCT: Heute ist es doch ganz anders!

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