Pearl Harbor, 7. Dezember 1941

Am 7. Dezember 1941, somit vor 75 Jahren, attackierten japanische Bomber Pearl Harbor, Hauptquartier der US-Pazifikflotte auf Hawaii. Der Luftangriff überraschte die USA und erschütterte das Selbstbewusstsein der Weltmacht. Tags darauf, am 8. Dezember 1941, erklärte sie den Krieg gegen Japan und trat in den Zweiten Weltkrieg ein.

Anfang Dezember 1941 herrschte auf Hawaii trügerische Ruhe. Noch befanden sich die USA im Frieden, der Krieg in Europa schien weit weg. Doch in den Monaten zuvor hatten sich die Beziehungen der USA zum kaiserlichen Japan stetig verschlechtert. 100.000 US-Soldaten waren auf Hawaii stationiert – und eine kriegerische Auseinandersetzung schien unmittelbar bevorzustehen. Die amerikanische Militärpräsenz galt den kriegslüsternen Militärs in Tokio als „Dolch an der Kehle“ Japans, verhinderte sie doch die uneingeschränkte japanische Herrschaft über den Pazifik. Pearl Harbor war zu dieser Zeit der Heimathafen der US-Pazifikflotte. 140 Schiffe, darunter 8 Schlachtschiffe und 29 Zerstörer, lagen dort vor Anker. Einige waren schon im Ersten Weltkrieg im Einsatz und galten als veraltet.

Seit die USA alle Öllieferungen an Japan eingestellt hatten, war die Regierung in Tokio zum Krieg entschlossen. Um 5.50 Uhr brachten sich sechs japanische Flugzeugträger in Position; bei stürmischer See waren sie unentdeckt bis auf 230 Meilen an ihr geheimes Ziel herangekommen. Die japanische Luftwaffe, so der Plan, sollte in Pearl Harbor überraschend zuschlagen. Eine halbe Stunde später starteten 185 Flugzeuge, um die erste Angriffswelle zu fliegen.

Um 7.48 Uhr setzten die ersten japanischen Jagdflugzeuge zum Angriff an, es folgten Verbände mit Sturzkampfbombern und Torpedo-Flugzeugen. Fünf Minuten später erging die Meldung an die Einsatzleitung: „Tora, Tora, Tora – Tiger, Tiger, Tiger“.

Um 7.57 griffen 40 japanische Torpedo-Flugzeuge von zwei Seiten ihr wichtigstes strategisches Ziel an, die Schlachtschiffe und Zerstörer in der „Battleship Row“. Bald schlugen auch hier die ersten Bomben ein. Nach dem Alarm rannten die Matrosen zu ihren Gefechtsstationen, doch für solche Verteidigungsmaßnahmen war es längst zu spät. Die „USS West Virginia“ war ab 1940 bei Pearl Harbor stationiert, um im Ernstfall eine japanische Attacke abwenden zu können. Bei dieser Attacke sank das Schlachtschiff, getroffen von sechs Torpedos und zwei Bomben. Erst im Mai 1942 konnte das Wrack geborgen werden. Nach einer Explosion stand die die fast 35.000 Tonnen schwere „USS Arizona“, Baujahr 1915, am 7. Dezember 1941 in Flammen. Eine Bombe schlug neben dem Geschützturm auf der Steuerbordseite ein, direkt in die Munitions- und Benzindep. Das Schiff sank in sieben Minuten mit 1177 Männern. Kaum mehr als 300 gelang die Rettung aus dem Inferno. Die „Oklahoma“ kenterte, im Trockendock explodierten die „Cassin“ und die „Downes“. Die Japaner versenkten im Hafen der US-Basis auf der Pazifikinsel Hawaii nicht nur ein Dutzend Schiffe und sondern zerstörten auch weit über hundert Flugzeuge am Boden.

Um 9.45 Uhr drehten die letzten japanischen Flugzeuge ab. Überall fischte man Überlebende aus dem Wasser. Die Krankenhäuser waren bald überfüllt, immer mehr Schwerverwundete wurden dort eingeliefert. Morphiumspritzen wurden knapp. Zweieinhalbtausend Soldaten starben.

Der Angriff der Kaiserlich Japanischen Marineluftstreitkräfthatte die in Pearl Harbor ankernde US-Pazifikflotte völlig unvorbereitet getroffen. Es war keine Kriegserklärung Japans an die USA vorangegangen. Am nächsten Tag bezeichnete US-Präsident Franklin D. Roosevelt im Kongress den Angriff der Japaner als einen „Tag der Schande, den wir nie vergessen werden“. Von nun an befand sich die ganze Nation im Krieg – und schrie nach Rache. Manche Experten glaubten, Roosevelt habe die Katastrophe von Pearl Harbor gewollt. Eine Theorie besagt sogar, er habe vom bevorstehenden Angriff gewusst und verhindert, dass die Einheiten vor Ort rechtzeitig gewarnt wurden. So habe der Präsident den Verlust von über 2000 Menschenleben zynisch in Kauf genommen, um den Kriegseintritt der USA zu erreichen. Eines der belastenden Details: Die modernen amerikanischen Flugzeugträger waren zum Zeitpunkt des Angriffs nicht im Hafen, sollten möglicherweise bewusst den japanischen Bomben entzogen werden. Bewiesen wurde das jedoch nie.

Der Krieg gegen Japan dauerte fast vier Jahre. Die Japaner eroberten nicht nur Guam, Hongkong, Manila und Singapur, sondern errangen scheinbar spielerisch leicht die absolute Überlegenheit im Pazifikraum.

Die Erinnerung an diese Niederlage bleibt für die Amerikaner traumatisch – nicht nur für die, die dabei waren. Nach dem Schock von Pearl Harbor bereiteten sich die USA auf eine Invasion der Japaner vor. Das Militär lieferte sich Feuergefechte mit imaginären Flugzeugen, sperrte Zehntausende Staatsbürger weg – und räumte erst Jahrzehnte später Fehler ein. Die geschockten und empörten Amerikaner reagierten, wie sie auch sechzig Jahre später auf die Terrorangriffe in New York reagieren sollten: mit überbordenden Patriotismus, Aktionismus, Paranoia und Rassismus. Die Amerikaner, die in Umfragen vorher zu mehr als 80 Prozent gegen einen Kriegseintritt gewesen waren, änderten nun ihre Meinung. Mit einem Schlag waren sie in einen Krieg verwickelt, der ihnen lange sehr fremd und fern erschienen war. Doch jetzt schien alles möglich. Und tatsächlich: Die Japaner griffen an. Nur ganz anders, als es sich die Amerikaner in ihren Alpträumen ausgemalt hatten. Am 23. Februar 1942 etwa kreuzte an der kalifornischen Küste das japanische U-Boot I-17 auf. In der Nähe von Santa Barbara feuerte es ein paar Schüsse auf eine Raffinerie ab, beschädigte einen Pier, einen Kran und ein Pumpenhaus und verschwand dann wieder. Der Schaden belief sich nur auf ein paar Hundert Dollar, doch die Hysterie nach der Attacke ließ die Grundstückspreise in der Region auf einen historischen Tiefstand fallen. Ähnlich erfolglos attackierte vier Monate später ein weiteres japanisches U-Boot an der Mündung des Columbia River in Oregon die Militärbasis Fort Stevens. Die Geschosse legten ein paar Telefonleitungen lahm und trafen ein Baseballfeld – wieder war die Aufregung größer als der Schaden.

So gerieten in den Wochen nach Pearl Harbor die japanischstämmigen Amerikaner genauso unter Generalverdacht wie nach dem 11. September die amerikanischen Muslime. Präsident Roosevelt setzte mit seinem „Erlass 9066“ genau diese Forderung um. Er erlaubte dem Militär, Sperrbezirke zu errichten, aus denen japanischstämmige Amerikaner willkürlich umgesiedelt werden konnten. Insgesamt 120.000, von denen die meisten einen US-Pass besaßen, wurden von der Westküste in zehn hastig errichtete „War Relocation Center“ geschickt. Dort mussten sie oft jahrelang in primitiven Holzbaracken leben. „Konzentrationslager“ nannten die Gefangenen ihre Zwangsheimat. Für die hatten sie auch noch binnen weniger Tage ihre Häuser verkaufen müssen – meist zu einem sehr schlechten Preis.

(Fortsetzung morgen: die USA und Deutschland im Krieg)

 

Pearl Harbor, 7. Dezember 1941

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