Weihnachtsgewohnheiten: auch Karpfen und Gans

Es gibt so viel Leid in der Welt! Wir sollten uns dessen bewusst sein, wir sollten es wahrnehmen, wir sollten es lindern, wie und wo wir können. Aber das sollte uns nicht daran hindern, selbst fröhlich zu sein und uns auf das kommende Weihnachtsfest zu freuen.

Weihnachten hatte und hat in jeder Familie seine Traditionen. Man kann sie hochhalten, aber man sollte sich nicht davon drangsalieren lassen. Sie sind nicht das Wichtigste an Weihnachten.

Wir essen und aßen am 24. Dezember immer einen Karpfen. Heute kann man ihn filetiert kaufen, auf der Freyung, bei einem Standl, dort kommt der Karpfen aus dem Waldviertel. Man kann ihn auch im Supermarkt erwerben, und wenn man den Karpfen ernst nimmt, kann man Karpfenköpfe und Karpfenbeuschel – für die Fischbeuschelsuppe noch dazu kaufen.

Ganz früher ist man in der „Herrgottsfrühe“ zum Donaukanal gegangen. Mit der Donauregulierung in den Jahren 1870 bis 1875 verlandeten die zahllosen Donauinseln und bildeten eine kompakte Fläche. In dieser Zeit entstand auch der Donaukanal, der südlichste ursprüngliche Donauarm, in seiner heutigen Form auf einer Gesamtlänge von 17,3 Kilometern. So ca. gegenüber von Otto Wagners Schützenhaus wurden die lebendigen Karpfen aus dem Waldviertel im Wasser gehalten. Dort kaufte man sie. Gegen mehr Bezahlung wurden sie gleich dort getötet und geschuppt, und in Stücke gehackt. Diese Stücke wurden dann zu Hause paniert, dazu gab es Erdäpfel- und Vogerlsalat. Aber die armen Hausfrauen ernteten nicht besonders viel Dank für ihre köstlichen Karpfen, denn es waren halt viele Gräten drinnen. Und vor dem Verschlucken dieser wurde dringend gewarnt. Ich ziehe die filetierten Karpfenseiten einfach vor. Dafür braucht man auch nicht besonders früh aufzustehen.

Die andere, die Hausfrauen herausfordernde Speise war das Gansl für den Christtag. Lange hatte man – nach dem Krieg – von der Weihnachtsgans geträumt, aber so in den späteren 50er Jahren ist dieser Traum dann doch Wirklichkeit geworden. Wichtig damals war, dass die Gans fett war. Man musste sie auch selbst „ausnehmen“ daher hatte man auch eine Gansleber! Heute bekommt man sie ausgenommen, die Leber kann man getrennt kaufen. Vom Hals der Gans und den Füßen wurde auch noch eine Ganslsuppe produziert. Das Gansl selbst musste gefüllt und dann zugenäht werden. werden . Am Christtag – zeitig in der Früh (wiederum) – musste die Gans ins Rohr. Denn zu Mittag musste sie fertig sein. Heute kann man das mit „Niedrigtemperaturgaren“ über Nacht erledigen. Dazwischen wurde sie gedreht und gewendet, auch übergossen. Zwischenzeitlich mussten auch die Knödel vorbereitet werden und das Kraut gekocht werden. Ein volles Programm für die Hausfrau.

Das Tranchieren sollte vom Hausherrn bei Tisch vorgenommen werden, bei uns erfolgte dieser Schritt wohlweislich in der Küche. Dann endlich war der Gänsebraten auf jedermanns Teller. Leider hatte die Gans nur zwei Füße, denn die Nachfrage nach den Haxln war immer groß. Jetzt kam der Test – war die Gans entsprechend weich. Einmal – von vielen Malen – war sie es dann nicht. Also wurden nur die Beilagen gegessen, meine arme Mutter war am Boden zerstört. Am nächsten Tag löste sie dann das Gansl von seinen Knochen – und faschierte es. Am Stephanitag gab’s dann Gansllaberln. Die waren dann wieder köstlich.

Aber nicht nur Karpfen und Gansl wurden zu Weihnachten verzehrt, es gab auch eine Weihnachtstorte. Bei uns war es eine Nusstorte, wechselweise mit Schokolade- oder Zitronenglasur. Und, nicht zu vergessen: die köstlichen Kekse. Zuvorderst waren es die Vanillekipferl, die Linzer Augen, die Nussbusserln und viele mehr. Der Lebkuchen musste rechtzeitig vor Weihnachten produziert werden, um richtig „abzuliegen“. Dazu ist zu bemerken, am besten schmecken die Kekse ohnedies vor Weihnachten, wenn man sie noch heimlich stibitzt. Dann bleiben sie meist bis Ostern übrig.

Bei meinen Eltern gab’s noch einen ganz anderen Weihnachtsbrauch. Mein Vater arbeitete in einem Hotel, fast jedes Jahr „fand“ er jemand, der Weihnachten allein feiern müsste. Da aber damals fast alle Lokale am Heiligen Abend geschlossen hatten, lud mein Vater diesen dann zu uns nach Hause ein. Es waren  immer interessante Menschen.

Heute, als ich mein Einkaufswagerl hinter mir her schleppte, stolperte ein Herr darüber. Er entschuldigte sich höflich in englischer Sprache – ich dann auch, war ja mein sperriges Wagerl gewesen über das er gestolpert ist. Er blieb dann stehen, schwärmte mir vor, wie wunderschön Wien wäre, und stellte sich vor: Vasilij aus Russland. Ich fühlte mich an „die Russen“ erinnert, die als gefürchtete Besatzungsmacht in Wien waren, und die dann 1955 gar nicht mehr so gerne nach Russland zurückgekehrt sind. Wäre Vasilij eigentlich ein Kandidat zum Einladen am 24. Dezember gewesen?

Weihnachtsgewohnheiten: auch Karpfen und Gans

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