Die geruhsamen Tage zwischen Weihnachten und Neujahr

Als wir noch Kinder waren, dienten diese Tage dazu, die neuen Bücher anzusehen bzw. zu lesen, sich mit den neuen Spielsachen vertraut zu machen. Draußen war’s kalt und man genoss das zu Hause sein.

Später, als man dann schon gleichaltrige Gesellschaft suchte und ohnedies gar nicht zu Hause beim Aufräumen helfen wollte, fuhr ich mit der Jugendgruppe des Alpenvereins, Sektion Austria „Skifahren“. Von den Eltern wurden wir zu Bahn gebracht, mit unseren Holzschiern, mit den Lederriemenbindungen, in den Bergschuhen und im Gepäck die Seehundfelle, zum Aufsteigen. Es war natürlich die „Holzklasse“ der Bahn, noch in diesem Sinne des Worte, aber das störte uns eigentlich gar nicht.

Das Ziel war z.B. die Austria Hütte am Dachstein, dort schliefen wir im Matratzenlager, an Proviant hatte man uns zu Hause reichlich eingepackt, unsere Konsumation war dann eher gering (Teewasser z.B.) Ein andermal fuhren wir auf eine Selbstversorgerhütte; das Hinaufschleppen der Lebensmittel und des Heizmaterials war eher mühsam, aber das machte uns wenig aus. Ich kann mich gut erinnern, wie wir die Erbswurstsuppe aus einer Rolle kochten. Dazu aßen wir „Dürre“ (eine Wurstsorte) und Eckerlkäse. Die mitgebrachten Kekse wurden geteilt. Wasser zum Trinken, Kochen und Waschen mussten wir aus Schnee schmelzen.

Ein andermal waren wir in Obertauern. Das kann man mit dem heutigen Ort kaum vergleichen. Wir fuhren mit dem Bus von Radstadt hinauf. Oben gab’s gerade eine Kirche, einen Greißler, und bestenfalls eine Handvoll Hotels. Ja, und es gab genau einen Lift. Auch hier steigen wir mit unseren Seehundfellen auf. Das war gar nicht so einfach, denn zwischen Fell und Schi sammelte sich oft pickiger Schnee an, der mit der Hand beseitigt werden musste. Thermokleidung hatten war auch keine, eher dicke Pullover und Wollfäustlinge und Windjacken. Ich besaß ein besonders edles Kleidungsstück: eine lange Schijacke, erstanden im „Überschussgüterladen“ der US Army in Wien, in der Berggasse. Auf der einen Seite war die Jacke weiß, sie hätte ja im Krieg als Tarnkleidung dienen sollen, auf der anderen Seite war sie beige, man musste sie wie ein Hemd über den Kopf ziehen, aber dafür hatte die Kapuze einen kleinen Pelzrand. Ich bin mir schon sehr schön mit dem Ding vorgekommen. Der Aufstieg war immer mühsam, vor allem wenn es über verschneite Latschen ging. Kalt war einem natürlich nicht. Oben angekommen genoss man die Aussicht, verzehrte ein mitgebrachtes Butterbrot und schwang sich in die Tiefe, ganz meisterte ich den Parallelschwung nicht, manchmal – wenn’s sehr steil war, fuhr ich Serpentinen – wobei ich an den Enden jeweils „umdrehte“. Also höchst unelegant. Aber andererseits hatten wir gelernt, auf Lawinenhänge zu achten, diese z.B. nicht in der Mitte „abzuschneiden“.

Das heißt also, dass man pro halbem Tag einmal hinaufging und wieder herunterfuhr. Das änderte sich dann radikal mit dem Aufkommen der Lifte. Anfangs waren es nur Schlepplifte, mit einem Teller, auf den man sich setzte, etwas später dann Querstangen, auf die man sich zu zweit setzte. Da die Lifte nicht immer grade hinaufgingen, war „Herausfallen“ durchaus an der Tagesordnung, man musste dann halt irgendwie auf eine Piste kommen um wieder herunterzufahren und es neuerlich mit dem Lift probieren.

Obertauern sind wir lange treu geblieben – Schulschikurse wurden auf der Felseralm abgehalten, die etwas unterhalb der Passhöhe liegt. Schneemangel war eigentlich nie ein Problem. Jetzt fahren meine Kinder und Enkelkinder dorthin und ich höre, dass wegen Schneemangels fast die Hälfte der Pisten gesperrt ist. Obertauern liegt auf 1639 m Seehöhe (die Pisten gehen auf 2 526 m hinauf); aber es hat heuer einfach nicht geschneit. Heute muss niemand mehr zu Fuß gehen, es gibt 26 Lifte und Bahnen. Es überwiegen kuppelbare Sesselbahnen mit Hauben, die z.T. sogar Sitzheizung bieten. Ein Highlight ist zudem die Kombibahn am Grünwaldkopf, die sowohl Gondeln als auch Sesselbahn als Beförderungsmöglichkeit bietet. In der Nähe vom Zentrum von Obertauern befinden sich noch einige Schlepplifte.

Schifahren nützte man aus, man kehrte erst am 6. Jänner wieder nach Wien zurück, denn da waren dann die Weihnachtsferien zu Ende.

Aber genug der Nostalgie: Heute mache ich mir wieder Sorgen um die Flüchtlinge aus Aleppo. Stolz wurden die Busse im Fernsehen gezeigt, genau gesagt wurde eigentlich nie, wohin diese Busse gefahren waren. Was sich so herauskristallisierte, war, dass sie nach Idlib gefahren sind. Nun steht Idlib sowohl für ein Gouvernement als auch für die Hauptstadt dieser Region.

Idlib ist eines der 14 syrischen Gouvernements und liegt im Nordwesten des Landes an der Grenze zur Türkei. Dort leben 1.852.062 Einwohner nach einer Berechnung für 2012. Das Gouvernement ist mit seiner strategisch wichtigen Lage im Syrischen Bürgerkrieg bereits seit 2011 Schauplatz schwerer Kämpfe und Ziel zahlreicher Luftangriffe. Idlib, die Stadt, ist mit 164.983 Einwohnern (Berechnung 2010) die Hauptstadt des Gouvernements Idlib. Die Bevölkerungszahlen werden sich durch die Flüchtlinge wohl verändert haben.

Nun hat zwei Tage nach dem Abzug der so genannten Aufständischen aus Aleppo die russische Luftwaffe ihre Angriffe auf „Rebellen“ in der syrischen Provinz Idlib verstärkt. Auch das ländliche Gebiet um Aleppo ist beschossen worden. Mindestens acht Angriffe sind auf drei wichtige Städte in der Provinz Idlib geflogen worden.

Die Region soll eine Hochburg vor allem radikal-islamischer Rebellengruppen sein und wird bereits seit Monaten von der russischen Luftwaffe bombardiert. Es wird erwartet, dass auch die nächste große Offensive der syrischen Armee Idlib gelten wird. Russland ist der engste Verbündete des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Auch der Iran und die schiitische Hisbollah-Miliz unterstützen Assad bei diesen Aktivitäten.

Wer kümmert sich um die vielen Zivilisten? Das Ganze erinnert mich stark an das Bombardement von Dresden 1945, als auch bekannt war, dass die Stadt voll von Flüchtlingen – meist Frauen und kleinen Kindern – war.  Es hat sich nichts geändert, wo ist die UNO?

Die geruhsamen Tage zwischen Weihnachten und Neujahr

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