sollen wir fasten?

Fasten ist ein fester Bestandteil aller Religionen. Der Gläubige soll sich durch das Fasten wieder mehr auf seinen Glauben konzentrieren und Gott näher kommen. Alle großen Religionsstifter haben eine Phase des Verzichts erfahren. Mohammed fastete , bevor ihm der Koran offenbart wurde, Moses stieg auf den Berg Sinai und fastete 40 Tage, bevor er Gottes Wort empfing und Jesus zog sich vor seinem öffentlichen Wirken 40 Tage zum Fasten in die Wüste zurück. Auch heute noch gibt es in allen großen Weltreligionen Fastenzeiten.

Mit dem Aschermittwoch beginnt die 40-tägige Fastenzeit, für Katholiken ein Zeitraum des Fastens d Betens zur Vorbereitung auf das Hochfest Ostern. In den reformatorischen Kirchen ist der Begriff „Passionszeit“ gebräuchlich. In der römisch-katholischen Kirche wird seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil auch die Bezeichnung „österliche Bußzeit“ verwendet. Die orthodoxen Kirchen nennen sie die heilige und große Fastenzeit, kennen daneben aber noch drei weitere längere Fastenzeiten.

Seit dem 2. Jahrhundert ist ein zweitägiges Trauerfasten an Karfreitag und Karsamstag bezeugt, das im 3. Jahrhundert mancherorts auf die ganze Karwoche ausgedehnt wurde. Im 3. Jahrhundert gab es in Rom eine dreiwöchige Fastenzeit, doch „seit dem 4. Jh. ist auf vielfältige Weise eine vierzigtägige Vorbereitungszeit auf das Osterfest bezeugt.“ Ab dem 5. Jahrhundert wurden die Sonntage (als „kleine“ Auferstehungstage) vom Fasten ausgenommen. Um auf eine 40-tägige Fastenzeit zu kommen, wurde daher der Beginn des Fastens  auf den Aschermittwoch vorgezogen und auch die beiden Tage des Trauerfastens (Karfreitag und Karsamstag) noch mitgerechnet.

Nach einer anderen Zählweise, welche die Sonntage einschließt, beginnt die Fastenzeit am Aschermittwoch und geht bis Palmsonntag. Mit dem Palmsonntag beginnt die heilige Woche, die dann als gesonderter Abschnitt gerechnet wird.

Diese Periode galt als Bußzeit für öffentliche Sünder und gleichzeitig als Vorbereitungszeit der Katechumenen (Taufbewerber) auf die Taufe, die damals nur in der Osternacht gespendet wurde.

Biblischer Hintergrund für die Festsetzung der Fastenzeit auf 40 Tage und Nächte ist das ebenfalls 40-tägige Fasten Jesu in der Wüste. Die Zahl 40 erinnert aber auch an die 40 Tage der Sintflut, an die 40 Jahre, die das Volk Israel durch die Wüste zog, an die 40 Tage, die Mose auf dem Berg Sinai in der Gegenwart Gottes verbrachte, und an die Frist von 40 Tagen, die der Prophet Jona der Stadt Ninive verkündete, die durch ein Fasten und Büßen Gott bewegte, den Untergang von ihr abzuwenden.

Die mittelalterlichen Fastenregeln erlaubten nur eine Mahlzeit am Tag, in der Regel am Abend. Der Verzehr von Fleisch, Milchprodukten, Alkohol und Eiern war verboten. Darauf geht die Tradition zurück, in den Fastnachtstagen Backwerk mit Zutaten wie Milch, Eiern, Zucker oder Schmalz herzustellen, wie etwa Krapfen, um solche Vorräte vor der Fastenzeit aufzubrauchen. Der Fastnachtsdienstag wird im französischsprachigen Raum dementsprechend Mardi Gras („fetter Dienstag“), im englischsprachigen Pancake Tuesday („Pfannkuchendienstag“) genannt. 1486 erlaubte Papst Innozenz VIII. auch den Verzehr von Milchprodukten in der Fastenzeit. Gegen Zahlung des sogenannten „Butterpfennigs“ konnte bis dahin von dem Verbot, Butter und andere Milchspeisen zu verzehren, Dispens erteilt werden.

Die Anforderungen der katholischen Kirche an die Fastenpraxis sind detailliert in der apostolischen Konstitution Papst Pauls VI. aus dem Jahr 1966 geregelt. Neben der Beachtung besonderer Speisegebote werden auch andere Formen der Askese und Buße empfohlen. Die Gläubigen sind angehalten, das Gebet intensiver zu pflegen und vermehrt an Gottesdiensten und Andachten (etwa der Kreuzwegandacht) teilzunehmen. Ebenso sollen sie mehr Werke der Nächstenliebe verrichten und Almosen geben.

An den Fastensonntag und Hochfesten, die in die Fastenzeit fallen (etwa dem Josefstag oder an Mariä Verkündigung) wird nicht gefastet. Aber heute gibt es keine Strengen Regeln mehr, jeder kann für sich entscheiden, wie er die Fastenzeit gestalten will.

Auch andere Religionen wie das Judentum und der Islam kennen Zeiten des Fastens, in der sich die Gläubigen von morgens bis abends Speise und Trank enthalten. Das Judentum kennt Fastentage wie den Jom Kippur und Tischa beAv.

Im Islam ist der Fastenmonat der Ramadan.[ Im Islam ist das Fasten ein göttliches Gebot, eine der fünf Säulen dieser Religion. Gefastet wird im Ramadan, dem neunten Monat des islamischen Mondjahres. Das Fasten hat den Charakter einer Bußübung. Die Seele soll gereinigt und geläutert, die Beziehung zu Gott und den Mitmenschen gefestigt werden. 30 Tage lang dürfen Muslime in dieser Zeit zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang nicht essen, trinken und rauchen. Auch der Geschlechtsverkehr ist untersagt. Das abendliche Fastenbrechen findet in größeren Gruppen statt, so hat der Ramadan einen stark familiären und gemeinschaftsfördernden Charakter. Gastfreundschaft und Almosen für die Armen sind während des Ramadans von großer Bedeutung. Wer wegen Krankheit oder anderen Gründen am Fasten nichtteilnehmen kann, ist verpflichtet, den Armen Speisen oder Almosen zu geben.

Im Alevitentum fastet man im Muharrem-Monat, 20 Tage nach dem islamischen Opferfest. Im Februar findet noch das Hizir-Fasten statt. Im Bahaitum beginnt die Fastenzeit Anfang März und endet 19 Tage darauf unmittelbar vor dem astronomischen Frühlingsanfang, wenn die Bahai das Nouruz–Fest begehen.

Der freiwillige Nahrungsentzug wirkt nicht nur verjüngend und regenerierend. Denn Fasten wirkt wie ein – heilsamer – Schock auf den Körper. Er stellt die Physiologie auf den Kopf und löst ganze Kaskaden von biochemischen Reaktionen aus. So werden etwa spezielle Reinigungsmechanismen angeregt: sozusagen die Müllabfuhr und das Recyclingsystem der Zellen. Oder: Fasten hemmt nachweislich Entzündungen und senkt hohen Blutdruck. Oder: Fasten kann, wie neuste Forschungen zeigen, selbst bei Krebsleiden helfen.

Manche von uns – die Älteren halt – haben während des Krieges und in der Nachkriegszeit gefastet, nicht freiwillig, sondern gezwungenermaßen.

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sollen wir fasten?

Die Kopten auf dem Sinai im Visier des IS

 

Mit neun Millionen Gläubigen sind die ägyptischen Kopten die größte christliche Minderheit im gesamten Nahen Osten. Regelmäßig kommt es zu Übergriffen wie Kidnapping gegen Lösegeld, Überfällen oder Brandanschlägen – vor allem in Mittelägypten. Eine systematische Vertreibung der Christen aus ihren Wohngebieten, wie zuvor bereits im Irak und in Syrien, hat es dagegen bisher nicht gegeben.

Der ägyptische IS-Ableger entstand aus einer Extremistengruppe namens Ansar Beit al-Makdis, die ihre Angriffe gegen Israel richtete. Nach dem Coup gegen die Muslimbrüder 2013 witterten die Extremisten eine Gelegenheit: Sie sahen ihre Sicht bestätigt, dass Islamisten auf demokratischem Weg nichts erreichen können, und intensivierten ihre Angriffe gegen die ägyptische Armee. 2014 verkündete die Gruppe ihren Anschluss an den IS. Seither nennt sie sich Wilayat Sina («Provinz des Sinai»).

Ägypten führt seit vier Jahren einen immer brutaleren Krieg gegen den IS auf der Halbinsel im Osten des Landes, in dem schon Hunderte Soldaten und Polizisten getötet wurden. Im nördlichen Teil des Sinai tobt seit Jahren ein Krieg zwischen Extremisten des lokalen IS-Ablegers und der ägyptischen Armee. Meist beschränkt sich die Gewalt auf den Nordsinai. Nachdem die Armee dort vor ein paar Monaten ihre Kontrolle im lange umkämpften Sheikh Zuwaid gefestigt hatte, nahm der IS al-Arish ins Visier. Seither ist dort die Gewalt eskaliert.

Der IS will laut seiner Propaganda einen Konfessionskrieg provozieren, wie auch schon andernorts in Ägypten. Medien und internationalen Beobachtern ist die Fahrt auf den Nordsinai verboten, sodass das Ausmaß der Kämpfe im Dunkeln bleibt. Ex-Feldmarschall Sissi sagte kürzlich in einer Rede vor Offizieren, inzwischen seien 20.000 und 25.000 Soldaten im Einsatz, mehr als bei dem Sechs-Tage-Krieg 1967 gegen Israel. Trotzdem gelingt es den Streitkräften offenbar nicht, die Lage in den Griff zu bekommen. In den vergangenen Wochen feuerten Dschihadisten zweimal Raketen in Richtung Israel ab. Die Geschosse landeten in der Umgebung von Eilat, ohne Schaden anzurichten. Seit Kurzem sind auf dem gesamten Nord- und Zentralsinai Motorräder verboten, die oft bei Attentaten benutzt werden.

Die anhaltende Gewalt auf Ägyptens nördlicher Sinai-Halbinsel hat neue Opfer unter koptischen Zivilisten gefordert: Dutzende christliche Familien sind am Wochenende aus der Provinzhauptstadt al-Arish vor dem IS geflohen. Sie suchten Zuflucht in der evangelischen Kirche von Ismailia, einer Stadt am Suezkanal an der Grenze zum Sinai. Viele flohen überstürzt und nahmen kaum mehr als ihre Kleider mit. Laut Bewohnern von al-Arish ließ der IS Todeslisten mit Namen von Christen zirkulieren und stellte die Betreffenden vor die Wahl, entweder zu gehen oder zu sterben. IS-Anhänger hatten in den vergangenen drei Wochen sieben Kopten ermordet, manche von ihnen wurden laut Schilderungen vor den Augen ihrer Familien kaltblütig niedergestreckt. Am Sonntag veröffentlichte der IS zudem ein Video, in dem er den ägyptischen Christen mit Attentaten drohte. Das Video nahm Bezug auf den Bombenanschlag auf die St.-Markus-Kathedrale in Kairo vergangenen Dezember, wo der koptische Patriarch seinen Sitz hat. Bei dem Attentat, das der IS für sich reklamierte, kamen 28 Personen ums Leben. Laut Vertretern der Kirche sind 100 von 160 koptischen Familien aus dem Nordsinai geflohen sowie über 200 Studenten, welche in al-Arish studieren.

Die Eskalation gegen Ägyptens Christen kann auch im Kontext der militärischen Verluste des IS in Syrien und im Irak gesehen werden. Das Muster ist bekannt: Verliert der IS an einer Front, expandiert er an einer anderen.

Die Kopten machen etwa zehn Prozent der ägyptischen Bevölkerung aus. Kopten  sind eine ethnisch-religiöse Gruppe, aber ein Teil der Christenheit. Ursprünglich bezeichnete der Ausdruck diejenigen Einwohner Alexandriens und ganz Ägyptens, die die ägyptische Sprache verwendeten. Noch bis in frühislamische Zeit wurde das Wort ohne Rücksicht auf die Religionszugehörigkeit gebraucht. Seit der zunehmenden Arabisierung und Islamisierung Ägyptens wird der Begriff allein für die Christen der koptischen Kirchen verwendet. Das Christentum war im Gebiet des heutigen Ägyptens vor der Islamisierung im 7. Jahrhundert die dominierende Religion. Der Evangelist Markus soll innerhalb der Bevölkerung Ägyptens schon um das Jahr 50 missioniert haben. Die Mehrheit der ägyptischen Christen trug allerdings die Beschlüsse des Konzils von Chalcedon 451 nicht mit, und so kam es schließlich zur Bildung der Koptisch-Orthodoxen Kirche. Wesentlich für die gesamte Christenheit: in Ägypten entstanden die ersten Klöster, dort wurden Regeln entwickelt und Prozeduren festgelegt.

Kopten sind als Minderheit in vielerlei Hinsicht verletzlich. Islamisten beschuldigen sie pauschal, mit Sisi zu paktieren, weil sich ihr Patriarch offen hinter den Putsch von 2013 gestellt hat. Die Kopten selber klagen oft über mangelnden Schutz und Diskriminierung durch den Staat. Außerdem scheint es, dass den Sicherheitskräften in al-Arish wie zuvor andernorts im Nordsinai die Kontrolle entgleitet. Ein Beamter soll den Christen vor Ort die Flucht empfohlen haben.

Der ägyptische Präsident Sisi versprach vergangene Woche einmal mehr, den Terrorismus im Sinai vollkommen auszumerzen. Doch unter der lokalen Bevölkerung herrscht Misstrauen und Unmut über die Sicherheitskräfte und deren rücksichtsloses Vorgehen. Über die Situation der Kopten auf der Sinai-Halbinsel und die Notwendigkeit, weitere Maßnahmen zu ihrem Schutz zu ergreifen, haben sich bei einem Telefongespräch auf der koptische Patriarch Tawadros II. und der ägyptische Ministerpräsident Sherif Ismail ausgetauscht.

Auch offizielle islamische Autoritäten in Ägypten verurteilen die gezielte Tötung von koptischen Christen auf der Sinai-Halbinsel. Die Gewalt von Dschihadisten gegen die einheimischen Christen ziele eindeutig darauf, die nationale Einheit zu untergraben. Auch radikal-islamische Parteien wie al-Nur verurteilen die Tötungen. Sie verstießen gegen die „gegen die Lehre des Islam“.

Der Westen allerdings schweigt zu dem Leiden der Christen am Sinai, in Ägypten und dem gesamten Nahen Osten.

Die Kopten auf dem Sinai im Visier des IS

carne vale

Der Begriff Karneval kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Fleisch (Carne), lebe wohl (vale). Es ist also ein Hinweis auf die anstehende Fastenzeit – übrigens daher auch der Name Fastnacht. Für Ostösterreich besonders aber für Wien gilt nicht Karneval, sondern Fasching und ist bestimmt durch viele (meist elegante) Bälle.

Früher, als ich in die Bank eingetreten war, also in den frühen Siebziger Jahren, war es noch üblich, verkleidet zur Arbeit zu kommen. Zumindest machten dies – zu meinem Erstaunen – doch einige Kolleginnen und Kollegen. Wie es auf wohl auf Kunden wirkte? Als ich dann für eine deutsche Bank in München arbeitete, da waren am Rosenmontag und Dienstag nicht nur Geschäfte, sondern auch die Banken geschlossen.

Als Karneval, Fastnacht, Fasching oder fünfte Jahreszeit bezeichnet man die Bräuche, mit denen die Zeit vor der sechswöchigen Fastenzeit ausgelassen gefeiert wird. Die Karnevalszeit  beginnt am 11.11. genau um 11:11 Uhr. Das wurde erst  im 19. Jahrhundert festgelegt. Die Elf steht seit dem Mittelalter für Jux und Narretei. Ende des Karnevals ist der Aschermittwoch. Sein Termin hängt vom Datum des  Osterfestes ab: Im Jahr 325 wurde auf dem Konzil von Nicäa das Osterdatum auf den ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond festgelegt. Um 600 legte Papst Gregor der Große eine 40-tägige Fastenzeit vor Ostern fest, die an die Zeit erinnern soll, die Jesus Christus in der Wüste verbracht hat.

Vorläufer des Karnevals wurden bereits vor 5000 Jahren in Mesopotamien gefeiert. Nach Neujahr wurde ein siebentägiges Fest gefeiert“Die Mächtigen und der Niedere sind gleichgeachtet“. Hier wurde zum ersten Mal das Gleichheitsprinzip bei ausgelassenen Festen praktiziert, und dies ist bis heute so geblieben. Ähnlich bei den Römern: man feierte vom 17. Dezember bis 19. Dezember die Saturnalien. Das Fest war verbunden mit einem öffentlichen Gelage, zu dem jedermann eingeladen war. Hinrichtungen wurden verschoben. Sklaven und Herren tauschten zeitweise die Rollen, feierten, tranken und aßen, konnten jedes freie Wort wagen und überschütteten einander mit kleinen Rosen. Schon die Römer veranstalteten farbenprächtige Umzüge.

Im mittelalterlichen Europa feierte man zwar in Kirchen, jedoch nicht offiziell kirchlich, Narrenfeste vom 12. Jahrhundert bis zum Ende des 16. Jahrhunderts um den 6. Januar. Dabei übernahmen die unteren Kleriker vorübergehend Rang und Privilegien der höheren Geistlichkeit. Kirchliche Rituale wurden parodiert. In Gestalt von Prozessionen wurden auch die Bewohner der Städte am Fest beteiligt. Schon seit dem 13. und 14. Jahrhundert gehörten Ess- und Trinkgelage, Bälle und Turniere zu den karnevalistischen Bräuchen. Höhepunkt fand das ausgelassene Treiben an den drei „tollen Tagen“ Weiberfastnacht, Karnevalssonntag und Veilchendienstag. Erst in den 1820er Jahren begannen die Menschen Straßenkarneval zu feiern. Der Rosenmontagsumzug wurde zum Höhepunkt und ist es heute noch.

Die mittelalterliche Fastnacht wird auf die augustinischen Lehren in seinem Werk „De civitate Dei“ zurückgeführt. Die Fastnacht steht daher für die civitas diaboli, den Staat des Teufels. Mit dem Aschermittwoch musste daher die Fastnacht enden, um die unausweichliche Umkehr zu Gott zu verdeutlichen. Während die Kirche bei gotteslästernden Szenen während der Fastnacht untätig blieb, wurde ein Weiterfeiern der Fastnacht in den Aschermittwoch hinein streng verfolgt. Im ausgehenden 14. und 15. Jahrhundert fand auch der Narr Einzug in die Fastnacht, der im auf die Vergänglichkeit hinweisen sollte.

1353 wurde den Klerikern und Ordensleuten verboten, Bier und Wein zu verkaufen oder auszuschenken; also bestand zu Karneval ein großes Interesse an alkoholischen Getränken. 1369 wurde das Verbot wieder aufgehoben. Auch später kam es wieder zu Verboten, die alsbald wieder aufgehoben werden mussten.

Die Reformation stellte die vorösterliche Fastenzeit in Frage. In protestantischen Gegenden gerieten viele Bräuche zum Teil  in Vergessenheit. Im Barock und Rokoko wurden vor allem auf Schlössern und an den Fürstenhöfen Karnevalsfeste gefeiert, deren Masken sich stark an die italienische Commedia dell’arte anlehnten.

In anderen Ländern konnten sich der Fasching und der Karneval kaum etablieren; so gerieten in England viele Bräuche aufgrund der Reformation Heinrich VIII. in Vergessenheit, die sich daher auch nicht in den USA oder Kanada festigen konnten. Als eine der wenigen Ausnahmen gelten hier Quebec und das früher französische und katholische New Orleans.

Bis heute ist der Karneval Sinnbild katholischer Mentalität. Aber ein regelrechter Fastnachtsboom in den 1990er Jahren führte auch in protestantischen Gegenden die Fastnacht ein.

In der Nacht zu Aschermittwoch um Mitternacht endet der Karneval, und es gibt an vielen Orten die Tradition, dass die Karnevalisten in dieser Nacht eine Strohpuppe als Verantwortlichen für alle Laster der karnevalistischen Tage verbrennen. Dieser Schelm oder Hanswurst (Strohpuppe) hatte Ähnlichkeit mit Till Eulenspiegel und den mittelalterlichen Hofnarren.

Mancherorts treffen sich die Karnevalisten am Aschermittwoch noch einmal zu einem gemeinsamen Fischesse (Heringschmaus), oder zu einem rituellen „Portemonnaie-Auswaschen“.

Im Bereich der Orthodoxen Kirchen beginnt das volle Fasten bereits am Montag nach dem 7. Sonntag vor Ostern, bereits eine Woche vorher beginnt der Fleischverzicht. Die russische Butterwoche, in der traditionell gefeiert wird und große Mengen Bliny gegessen werden, liegt dazwischen. Da das östliche Osterfest oft später ist als das westliche beginnt  – beruhend auf der westlichen Reform des Kalenders –, verschiebt sich auch die Fastnacht

Die genannten Karnevalstage gelten nicht als gesetzliche Feiertage, denn die Feiertagsgesetze erwähnen weder den Rosenmontag noch andere Karnevalstage. Dann ist arbeitsrechtlich zu klären, wie es an jenen Tagen zu einer Arbeitsbefreiung kommen kann.

Bald ist er zu Ende, der Karneval – carne vale!

carne vale

Die Pressefreiheit in Zeiten von Fake- und alternative News.

Es ist ein Verhalten, das Diktatoren, Populisten und solche, die auf dem Weg dorthin sind, an den Tag legen. Das ist unabhängig von dem Land, in dem sie leben, oder unabhängig von der sonstigen Kultur, die dort herrscht.

Das Verhalten: unliebsame Medien, sei es Bücher, Zeitungen, Zeitschriften, Radio- und Fernsehstationen zu behindern. Es gibt verschiedene Wege, das zu tun, man kann diese Institutionen von seinen wohlhabenden Freunden aufkaufen lassen, man kann unliebsame Reporter und Reporterinnen aufgrund fadenscheiniger Gründe verhaften lassen, man kann sie des Landes verweisen oder einfach zu den wesentlichen Pressekonferenzen nicht mehr beiziehen.

Das ist derzeit bereits über eine gewisse Zeit in der Türkei zu bemerken, wo eine Erdogan-kritische Presse nicht mehr existiert. Aber es geschieht derzeit auch in den USA: CNN, the New York Times, the Los Angeles Times, BuzzFeed und Politico wurden zu einem Gespräch mit dem Pressesprecher des Präsidenten einfach nicht mehr zugelassen. Dafür wurden Vertreter anderer (rechtsstehender) Medien wie z.B. Breitbart News (aus dem der Präsidentenberater  Steve Bannon stammt) dazu gebeten. Die ausgeschlossenen Medien hatten auch negativ über den Präsidenten berichtet, was dieser umgehend als Fake-News abgetan hatte.

Eines der Menschenrecht, festgeschrieben im Artikel 19 betrifft die Pressefreiheit: „Jeder hat das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung; dieses Recht schließt die Freiheit ein, Meinungen ungehindert anzuhängen sowie über Medien jeder Art und ohne Rücksicht auf Grenzen Informationen und Gedankengut zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten.

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen hat anlässlich des Tages der Pressefreiheit folgendes gesagt: „Die Pressefreiheit ist ein Grundstein der Menschenrechte. Sie macht die Regierungen für ihre Taten verantwortlich und ist eine Warnung an alle, dass Straflosigkeit eine Illusion ist. Sie fördert Wissen und Verständnis innerhalb der Staaten und zwischen diesen. Die Pressefreiheit trägt dazu bei, dass die Völker in aller Welt besser verstehen, was sie vereint und nicht nur was sie trennt. Dennoch gibt es immer noch einige, die den Wert der Redefreiheit für die Gesellschaft in Frage stellen. Es gibt einige, die meinen, sie bedrohe die Stabilität und gefährde den Fortschritt. Ja manche sehen in der Redefreiheit etwas, das Ihnen vom Ausland aufgezwungen wird und nicht etwas, das dem ureigensten Wunsch der Menschen nach Freiheit entspricht.“

Allerdings gibt es viele Länder, in denen diese Pressefreiheit nicht besteht: Dazu gehört auch z.B. China unter vielen anderen (77 an der Zahl, eine andere Quellegibt an, dass die Presse in 66 Staaten frei (33,5 Prozent), in 72 Staaten eingeschränkt frei (36,5 Prozent) und in 59 Staaten unfrei (30 Prozent) ist). Dort, in China, hat sich der Kampf um die Meinungsfreiheit längst ins Internet verlagert. Die neue chinesische Mauer ist eine Firewall, die Wörter wie zum Beispiel „free tibet“ einfach aufschluckt. Nur vorher festgelegte Informationen dürfen in das Land gelangen und das Land verlassen. Sich nicht alternativ informieren zu dürfen als vom Staat vorgegeben, weckt Erinnerungen an George Orwells „1984“. Chinas Regierung und – nach Beobachtungen anderer Organisationen – auch die Deutsche wenden immer mehr Mühen und Gelder auf, die Nutzer des ursprünglich dezentralen Mediums besser kontrollieren zu können. Mit der Kontrolle geht die Möglichkeit einher, zu zensieren, zu filtern und zu bestrafen.

Bei der Ausprägung der Pressefreiheit bestehen große Unterschiede zwischen den Regionen. Nirgendwo ist der Anteil der Staaten, in denen die Presse unfrei ist, höher als im Nahen Osten und in Nordafrika – trotz der politischen Umwälzungen und der damit einhergehenden partiellen Verbesserungen: Im Jahr 2011 war die Presse in 13 (69 Prozent) der insgesamt 19 Staaten der Region unfrei, in fünf Staaten war sie eingeschränkt frei. Demnach ist in dieser Region die Presse nur in Israel vollständig frei.

In allen Weltregionen ist im vergangenen Jahr ein Rückgang ihrer Freiräume zu beobachten gewesen. Das geht aus der Rangliste der Pressefreiheit 2016 hervor, die Reporter ohne Grenzen kürzlich veröffentlicht hat. Zunehmend autokratische Tendenzen in Ländern wie Ägypten, Russland oder der Türkei tragen zu diesem Trend ebenso bei wie die bewaffneten Konflikte etwa in Libyen, Burundi und dem Jemen. Negativ wirken sich auch die Bestrebungen der Regierungen in Ländern wie Polen und Ungarn aus, staatliche und private Medien unter ihren Zugriff zu bringen.

Viele Länder haben Gesetze verabschiedet, mit denen Journalisten etwa wegen vermeintlicher Präsidentenbeleidigung, Gotteslästerung oder Unterstützung terroristischer Gruppen ins Gefängnis gebracht werden können. Eine weitere Gefahr geht von Oligarchen aus, die Medien in ihrem Besitz für ihre politischen oder wirtschaftlichen Zwecke instrumentalisieren wollen.

Zurück in die USA: US-Präsident Donald Trump hat einen Auftritt vor einem konservativen Kongress für einen neuen scharfen Angriff auf die Medien genutzt. Trump unterstellte ihnen, sie würden Geschichten erfinden. „Sie haben keine Quellen, sie denken sie sich aus“, sagte er auf der Conservative Political Action Conference in Washington. Der Präsident ging auch frontal einen Grundsatz der Pressefreiheit an, den Quellenschutz. „Es sollte ihnen nicht mehr erlaubt sein, Quellen zu benutzen, wenn sie nicht den Namen von jemandem nennen.“ Trump sagte, er habe nicht etwas gegen alle Journalisten, nur gegen die „Fake News Presse“.  Als „Fake News Presse“ bezeichnet er immer wieder Medien, die kritisch über ihn berichten.

Wir alle müssen in Zukunft sehr findig sein, um Wahrheit zwischen Fake News. alternative News, und vor allem im Internet finden zu können, um nicht Populisten, Rechts- und Linksextremisten auf den Leim zu gehen.

Die Pressefreiheit in Zeiten von Fake- und alternative News.

Olé España

Spanien, Sommer 1955,  Franco-Zeit

Weil doch in den USA alles so einfach gegangen war und ich auch Spanisch dort gelernt hatte, plante ich den nächsten Sommer in Spanien zu verbringen. Da das damals mit Stipendien nicht so einfach war und ich eigentlich auch Geld verdienen sollte, suchte ich nach einem Weg, einen Job in Spanien zu finden. Meine Kolleginnen arbeiteten schließlich auch in verschiedenen Restaurants in Italiens Urlaubsorten.

Ich begab mich zur Bundeskammer der gewerblichen Wirtschaft, die ja ein Auslandsnetz betrieb und meldete mich beim für Spanien zuständigen Referat. Man hatte Verständnis für meinen Wunsch und nach einiger Zeit erfuhr ich, dass ich dort in einem Restaurant arbeiten können würde.

Ich fuhr mit der Bahn, dritter Klasse nach Madrid. Es war eine lange Bahnfahrt, ca. 3 Tage war ich unterwegs und als ich an der Grenze zwischen Frankreich und Spanien bei San Sebastian auf das Meer im Golf von Biskaya schaute, wurde mir das Herz schon schwer. Gerne wäre ich am Meer geblieben. Aber der Zug fuhr unerbittlich weiter, jetzt fuhren auch z.B. Käfige Mit Hühnern mit. Man bot mir auch etwas zu Essen an, aber mein Spanisch, das hat von meinen Mitreisenden niemand verstanden.

An einem frühen Vormittag kam ich in Madrid an, der Himmel war strahlend blau es war noch nicht brütend heiß. Das Restaurant lag unweit vom Prado-Museum am Paseo del Prado und war Großteils ein Out-Door Restaurant. Als ich mit meinem Gepäck dort ausgestiegen war, musste ich eine Weile warten – so früh, fing man in Spanien nicht zu arbeiten an. Seltsam beäugten mich früh angekommene Mitarbeiter des Restaurants. Erst später tauchten dann der Chef mit seiner Frau auf. Ganz erinnerten sie sich nicht, mir einen Job angeboten zu haben, aber sie fanden dann, dass ich französische Kochbücher ins Spanische übersetzen sollte. Ich hoffe, dass nie jemand nach meinen Übersetzungen zu kochen versuchte.

Jetzt erhob sich die Frage meiner Unterbringung; man kannte eine Bürgerkriegswitwe, die mir gerne ein Zimmer überlassen würde. Also dorthin begleitete man mich, es wurde ein Zimmerpreis ausgehandelt und das Problem schien gelöst. Na, ganz meinen Vorstellungen entsprach die Unterbringung nicht. Ein lautes Zinshaus mit vielen Wohnungen , mein Zimmer ging in einen Hinterhof. Das Badezimmer musste ich mit der Wohnungsinhaberin teilen. Ihre Katzen (10 an der Zahl) spazierten über Gesimse auch in mein Zimmer – das sie aber für das Ihrige hielten. Vor allem hielten sie meine Kosmetiktasche für ihr Katzenklo. Das bemerkte ich allerdings erst später – am Geruch. Ich zog ein. Es war dann schlimmer, als ich anfänglich gedacht hatte, vor allem war in der Badewanne dauernd Wäsche eingeweicht, und um mich zu duschen – bei dem Klima einfach unerlässlich – musste ich in diese eingeweichte Wäsche steigen. Andererseits war die Vermieterin eine Witwe aus dem Bürgerkrieg, die nur eine sehr kleine Rente bezog und meine Mietzahlung ermöglichte ihr, sogar am Monatsende noch Geld für das Essen zu haben. Sie kochte für sich ständig Paella.

Der Weg ins Restaurant  war nicht weit, meine Dienstzeiten waren von ca. 10 bis 14 Uhr, und dann wieder ab 17 – 22 Uhr. Am Abend durfte ich in der Kassa sitzen, aber: ich durfte kein Dekolleté zeigen und musste etwas Langärmeliges tragen. Bei der Hitze war das eher lästig. Essen bekam ich im Restaurant.

Um mir eine Freude zu machen, lud mich die Frau des Chefs für Samstag am Nachmittag ein, um mit ihr ins Kino zu gehen, ich meinte aber, dass ich lieber zu einem Fünf-Uhr-Tee tanzen gehen wollte. Sie meinte, dass mir das dann nicht gefallen würde, das konnte ich mir nicht vorstellen. Also gingen wir in ein sehr elegantes Tanzcafé, bestellten je einen Drink, die Musik spielte, die anderen tanzten und ich saß geschlagene zwei Stunden mit meiner Dueña am Tisch – ohne zu tanzen. Mir wurde erklärt, dass das daher kam, dass ich nicht in die Gesellschaft eingeführt war.

Alles lief soweit problemlos, bis der Chef mich einlud, mit ihm nach Toledo zu fahren. Das gefiel mir sehr gut, weil ich Toledo unbedingt sehen wollte. Ich erzählte ganz aufgeregt seiner Gattin davon – und das war dann das Ende meiner Karriere in dem Restaurant. Ich wurde umgehend rausgeworfen, Essen gab es auch keines mehr.

Das war nun ein Problem: ich hatte zwar als eiserne Reserve das Geld für die Fahrkarte nach Hause, aber meinen Lebensunterhalt musste ich mir verdienen. Auch meine Witwe musste ich ja bezahlen. Und jetzt schon nach Hause fahren – das kam eigentlich nicht infrage. Das hätte ich als Niederlage empfunden.

Also versuchte ich mich an eine österreichische Vertretungsbehörde in Madrid zu wenden. Aber seit 1938 waren die diplomatischen Beziehungen unterbrochen. Gerade war man am Werk, diese Beziehungen wieder aufzubauen. Ich traf also jenen Beamten, dem diese Aufgabe übertragen worden war. Glück, das ich hatte, ich kannte ihn aus den USA, wo ich ihn vor einem Jahr getroffen hatte. Er lud mich zum Essen ein (ein Restaurant mit deutscher Küche), und stellte für mich eine Verbindung zur Außenwirtschaft der Bundeskammer der gewerblichen Wirtschaft her. Dort wusste man von einer Import-Export Firma, die eine deutschsprachige Sekretärin suchte.  Dorthin wandte ich mich und wurde auch prompt aufgenommen.

Doch darüber bei nächster Gelegenheit.

Olé España

Wie man in den USA 1953/54 seinen Ruf aufbaute und wieder verlor

Ich hatte mich also gewöhnt an das Leben am College. Von der großen Politik bekamen wir eigentlich recht wenig mit. McCarthyism war kein Thema, weder im Unterricht noch in der Diskussion unter Studenten. Dieser „Second Red Scare“, wie er genannt wurde, kam mir erst viel später ins Bewusstsein. Dass es den Korea-Krieg gab, wusste ich nur, weil der Freund meiner Zimmernachbarin dort war. (Er blieb nicht sehr lange ihr Freund). Dieser Krieg  wurde 1953 mit einem Waffenstillstandsabkommen beendet. Dass der Kalte Krieg noch im Gange war, wusste ich wohl schon in Österreich, dass die USA Wasserstoffbomben testeten beindruckte mich damals nicht. Man glaubte zu verstehen, dass atomare Aufrüstung unerlässlich wäre, aufgrund der Bedrohung seitens der UdSSR. Auch wenn Chruschtschow bereits Entspannungssignale aussendete.  Damals lasen wir kaum Zeitungen

Dass man sich am Samstag am Abend ein Football Match anschauen ging, gefiel mir gar nicht. Aber es war für die gesellschaftliche Stellung wichtig, dazu eingeladen zu werden. Ich langweilte mich, mir gefielen auch die tanzenden Girls, die Majorettes und ihr Twirling nicht besonders gut … Lieber ging ich mit den weniger beliebten Mädchen ins Kino, Drive-in war damals sehr populär, man zahlte nur fürs Auto und nicht für die Anzahl der Personen drin.

Überhaupt fand ich manches seltsam, dass es Veranstaltungen der einzelnen Sororities nur für Mädchen gab, wozu man mit Ballkleid erscheinen musste, alle wurden einzeln und in Gruppen photographiert, es gab auch ähnliche Zusammenkünfte, wobei man sich hawaiianisch verkleidete und irgendeinen Ananascocktail (alkoholfrei) schlürfte. Es gab auch gemeinsame Ausflüge, Burschen und Mädchen, wobei man auf einem mit Pferden gezogenen Wagen zu der Tanzerei fuhr, Bekleidung war Western Stil, ebenso die Musik beim Barn Dance.

Gewöhnt hatte ich mich auch schon an die Radiowerbung, wobei für bestimmte Produkte gesungen wurde, das hatte mich am Anfang schon einigermaßen verstört.

Da ich keinen fixen Freund hatte, wurde ich von den anderen Studentinnen oft mitgenommen und mir wurde ein „blind date“ verpasst. Das war dann meist ein junger schüchterner uninteressanter Mann, mit dem man  den Abend verbrachte. Man sah einander tunlichst hinterher nie wieder.

Die einzige Verbindung nach Hause waren Briefe. Die brauchten mindestens eine Woche. Heimweh hatte ich eigentlich nicht, nicht einmal zu Weihnachten, denn dafür war die Hektik zu groß.

Dann kamen die Semesterferien und das College begab sich zum Schifahren in den Yosemite Park. Eigentlich ähnelte das Leben dort unseren Schikursen. Meine freundlichen Kollegen hatten mir einer mehr oder weniger passende Ausrüstung geliehen. Aber jetzt hatte ich ein Problem: als Österreicherin erwartete man von mir, dass ich gut Schifahren könnte. Dass ich aus Wien kam und nicht in den Bergen beheimatet war, galt eigentlich nicht. Ich hatte jetzt die Wahl, meinen Ruf zu verlieren und so zu fahren, wie ich es gewohnt war oder so zu tun, als ob ich wirklich Schifahren könnte. Ich entschloss mich für Zweiteres, und landete mit einem gebrochenen Bein im Spital. Ich wurde von vielen Leuten besucht – auch vom Präsidenten des Colleges. Man brachte mir Konfekt, chauffierte mich überall hin (obwohl ich eigentlich recht gut gehen konnte), kurzum -ich war populär (sehr erstrebenswert für ein Mädchen).

Dann kam mich meine „shipboard-romance“ besuchen, der in Ann Arbor studierte. Er war zusammen mit seinem Freund auf einer „quer-durch-Amerika-Reise“ unterwegs, die ich erst für den Sommer geplant hatte. Er schlug vor, dass wir gemeinsam in den Yosemite Park fahren sollten. Die liebe Marilyn, die gerade nichts besseres zu tun hatte, fuhr mit. Das Wetter  war wirklich wunderschön, wir wollten noch dieses und jenes sehen und mit einem Mal wurde es finster. Wir fanden den Weg zurück nicht mehr, verirrten uns endgültig und beschlossen, die Nacht einfach abzuwarten und sobald es hell würde, wieder zurückfahren. Es war bitter kalt im Auto, wir hatten keine Decken, wir hatten auch nichts mehr zu essen, und ein wenig fürchteten wir uns auch vor Bären …. Es war wirklich alles andere als romantisch. Sobald es hell wurde, erkannten wir wieder Straßenschilder und fuhren schnurstracks nach Fresno zurück.

Aber was dann geschah, damit hatten wir nicht gerechnet, die Burschen mussten weiter und ihre Tour rechtzeitig abzuschließen, aber wir beide, Marilyn und ich, waren unerlaubt – und sogar über Nacht, noch dazu mit zwei unbekannten ausländischen Burschen weggeblieben. Es wurde eine Art Tribunal einberufen, und wir wurden bestraft: 2 Wochen Ausgangssperre. Nun das war überhaupt nicht mein Problem, aber mein gesellschaftlicher Status war weg. Keine Besuche, kein Konfekt, ich musste allein (noch immer mit Gipsfuß) zu den Vorlesungen hatschen. Über Nacht mit einem Burschen (unerlaubt) wegbleiben war einfach in dem damals doch noch sehr prüden Amerika ein „no-go“.

Mein Ruf war zwar etwas ruiniert, aber ich lebte recht vergnügt und ungeniert weiter. Die 2 Wochen waren bald herum und andere Ereignisse ließen meinen Fehltritt dann bald vergessen.

Wie man in den USA 1953/54 seinen Ruf aufbaute und wieder verlor

Opernballsplitter

 

Die Begleitung in die Sperrzone

Zur hohen Zeit der Opernball-Demonstrationen, querte ich die Stadt vom Schottentor bis in die Walfischgasse. Es war mein Weg zurück vom Büro. Ich war spät dran, war ja kein Problem, auf den Opernball wollte ich sowieso nicht. Überall waren schon die Gitter gegen die Demonstranten aufgestellt.

In der Herrengasse gesellt sich ein junger Mann – Fahrradschiebend – zu mir. Es war ein Schulfreund meines Sohnes. Er meinte, dass es am Abend so wie diesem, doch besser wäre, wenn er mich begleitete. Wir kamen gemeinsam durch die Polizeisperren, da ich nachweisen konnte, in der gesperrten Zone zu wohnen, der junge Mann begleitete mich bis vors Haustor.

Ich weiß es noch immer nicht, ob es wirklich eine besonders freundliche Geste war, oder ob der junge Mann in die Sperrzone kommen wollte, um später für die Demonstration bereit zu sein?

Das Opernballdinner

Zu einer Zeit als Bälle für mich nicht mehr interessant waren, bzw. noch nicht interessant waren (um die Kinder zu begleiten) traf ich mich mit Kollegen aus der Projektgruppe zum Abendessen in der Kervanseray. Die gibt es leider schon sehr lange nicht mehr, und es gibt auch keinen Nachfolger, das Lokal steht leer. Aber damals trafen wir einander dort – was wir nicht bedacht hatten, es war der Abend des Opernballes. Ich glaube, wir waren der einzige Tisch, der es nicht eilig hatte. Für uns war es wirklich kurzweilig, die Gäste zu sehen, die noch auf den Opernball gehen wollten. Wir konnten die Kleider und Frisuren der Damen bewundern –  oder ausrichten, wie man in Wien sagt. Auch der Schmuck regte zu Diskussion an, oder der (vielleicht doch unpassende) Mäntel. Bei den Herrn konnte man auch klar erkennen, wer nicht mehr ganz in den Frack passte.

So ca. um 1/2 10 erfolgte dann allseits der Aufbruch. Wir aber konnten noch gemütlich ein köstliches Dessert verspeisen, um dann nach Hause zu schlendern, um uns den Opernball im Fernsehen anzusehen.

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