Olé España

Spanien, Sommer 1955,  Franco-Zeit

Weil doch in den USA alles so einfach gegangen war und ich auch Spanisch dort gelernt hatte, plante ich den nächsten Sommer in Spanien zu verbringen. Da das damals mit Stipendien nicht so einfach war und ich eigentlich auch Geld verdienen sollte, suchte ich nach einem Weg, einen Job in Spanien zu finden. Meine Kolleginnen arbeiteten schließlich auch in verschiedenen Restaurants in Italiens Urlaubsorten.

Ich begab mich zur Bundeskammer der gewerblichen Wirtschaft, die ja ein Auslandsnetz betrieb und meldete mich beim für Spanien zuständigen Referat. Man hatte Verständnis für meinen Wunsch und nach einiger Zeit erfuhr ich, dass ich dort in einem Restaurant arbeiten können würde.

Ich fuhr mit der Bahn, dritter Klasse nach Madrid. Es war eine lange Bahnfahrt, ca. 3 Tage war ich unterwegs und als ich an der Grenze zwischen Frankreich und Spanien bei San Sebastian auf das Meer im Golf von Biskaya schaute, wurde mir das Herz schon schwer. Gerne wäre ich am Meer geblieben. Aber der Zug fuhr unerbittlich weiter, jetzt fuhren auch z.B. Käfige Mit Hühnern mit. Man bot mir auch etwas zu Essen an, aber mein Spanisch, das hat von meinen Mitreisenden niemand verstanden.

An einem frühen Vormittag kam ich in Madrid an, der Himmel war strahlend blau es war noch nicht brütend heiß. Das Restaurant lag unweit vom Prado-Museum am Paseo del Prado und war Großteils ein Out-Door Restaurant. Als ich mit meinem Gepäck dort ausgestiegen war, musste ich eine Weile warten – so früh, fing man in Spanien nicht zu arbeiten an. Seltsam beäugten mich früh angekommene Mitarbeiter des Restaurants. Erst später tauchten dann der Chef mit seiner Frau auf. Ganz erinnerten sie sich nicht, mir einen Job angeboten zu haben, aber sie fanden dann, dass ich französische Kochbücher ins Spanische übersetzen sollte. Ich hoffe, dass nie jemand nach meinen Übersetzungen zu kochen versuchte.

Jetzt erhob sich die Frage meiner Unterbringung; man kannte eine Bürgerkriegswitwe, die mir gerne ein Zimmer überlassen würde. Also dorthin begleitete man mich, es wurde ein Zimmerpreis ausgehandelt und das Problem schien gelöst. Na, ganz meinen Vorstellungen entsprach die Unterbringung nicht. Ein lautes Zinshaus mit vielen Wohnungen , mein Zimmer ging in einen Hinterhof. Das Badezimmer musste ich mit der Wohnungsinhaberin teilen. Ihre Katzen (10 an der Zahl) spazierten über Gesimse auch in mein Zimmer – das sie aber für das Ihrige hielten. Vor allem hielten sie meine Kosmetiktasche für ihr Katzenklo. Das bemerkte ich allerdings erst später – am Geruch. Ich zog ein. Es war dann schlimmer, als ich anfänglich gedacht hatte, vor allem war in der Badewanne dauernd Wäsche eingeweicht, und um mich zu duschen – bei dem Klima einfach unerlässlich – musste ich in diese eingeweichte Wäsche steigen. Andererseits war die Vermieterin eine Witwe aus dem Bürgerkrieg, die nur eine sehr kleine Rente bezog und meine Mietzahlung ermöglichte ihr, sogar am Monatsende noch Geld für das Essen zu haben. Sie kochte für sich ständig Paella.

Der Weg ins Restaurant  war nicht weit, meine Dienstzeiten waren von ca. 10 bis 14 Uhr, und dann wieder ab 17 – 22 Uhr. Am Abend durfte ich in der Kassa sitzen, aber: ich durfte kein Dekolleté zeigen und musste etwas Langärmeliges tragen. Bei der Hitze war das eher lästig. Essen bekam ich im Restaurant.

Um mir eine Freude zu machen, lud mich die Frau des Chefs für Samstag am Nachmittag ein, um mit ihr ins Kino zu gehen, ich meinte aber, dass ich lieber zu einem Fünf-Uhr-Tee tanzen gehen wollte. Sie meinte, dass mir das dann nicht gefallen würde, das konnte ich mir nicht vorstellen. Also gingen wir in ein sehr elegantes Tanzcafé, bestellten je einen Drink, die Musik spielte, die anderen tanzten und ich saß geschlagene zwei Stunden mit meiner Dueña am Tisch – ohne zu tanzen. Mir wurde erklärt, dass das daher kam, dass ich nicht in die Gesellschaft eingeführt war.

Alles lief soweit problemlos, bis der Chef mich einlud, mit ihm nach Toledo zu fahren. Das gefiel mir sehr gut, weil ich Toledo unbedingt sehen wollte. Ich erzählte ganz aufgeregt seiner Gattin davon – und das war dann das Ende meiner Karriere in dem Restaurant. Ich wurde umgehend rausgeworfen, Essen gab es auch keines mehr.

Das war nun ein Problem: ich hatte zwar als eiserne Reserve das Geld für die Fahrkarte nach Hause, aber meinen Lebensunterhalt musste ich mir verdienen. Auch meine Witwe musste ich ja bezahlen. Und jetzt schon nach Hause fahren – das kam eigentlich nicht infrage. Das hätte ich als Niederlage empfunden.

Also versuchte ich mich an eine österreichische Vertretungsbehörde in Madrid zu wenden. Aber seit 1938 waren die diplomatischen Beziehungen unterbrochen. Gerade war man am Werk, diese Beziehungen wieder aufzubauen. Ich traf also jenen Beamten, dem diese Aufgabe übertragen worden war. Glück, das ich hatte, ich kannte ihn aus den USA, wo ich ihn vor einem Jahr getroffen hatte. Er lud mich zum Essen ein (ein Restaurant mit deutscher Küche), und stellte für mich eine Verbindung zur Außenwirtschaft der Bundeskammer der gewerblichen Wirtschaft her. Dort wusste man von einer Import-Export Firma, die eine deutschsprachige Sekretärin suchte.  Dorthin wandte ich mich und wurde auch prompt aufgenommen.

Doch darüber bei nächster Gelegenheit.

Olé España

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