carne vale

Der Begriff Karneval kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Fleisch (Carne), lebe wohl (vale). Es ist also ein Hinweis auf die anstehende Fastenzeit – übrigens daher auch der Name Fastnacht. Für Ostösterreich besonders aber für Wien gilt nicht Karneval, sondern Fasching und ist bestimmt durch viele (meist elegante) Bälle.

Früher, als ich in die Bank eingetreten war, also in den frühen Siebziger Jahren, war es noch üblich, verkleidet zur Arbeit zu kommen. Zumindest machten dies – zu meinem Erstaunen – doch einige Kolleginnen und Kollegen. Wie es auf wohl auf Kunden wirkte? Als ich dann für eine deutsche Bank in München arbeitete, da waren am Rosenmontag und Dienstag nicht nur Geschäfte, sondern auch die Banken geschlossen.

Als Karneval, Fastnacht, Fasching oder fünfte Jahreszeit bezeichnet man die Bräuche, mit denen die Zeit vor der sechswöchigen Fastenzeit ausgelassen gefeiert wird. Die Karnevalszeit  beginnt am 11.11. genau um 11:11 Uhr. Das wurde erst  im 19. Jahrhundert festgelegt. Die Elf steht seit dem Mittelalter für Jux und Narretei. Ende des Karnevals ist der Aschermittwoch. Sein Termin hängt vom Datum des  Osterfestes ab: Im Jahr 325 wurde auf dem Konzil von Nicäa das Osterdatum auf den ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond festgelegt. Um 600 legte Papst Gregor der Große eine 40-tägige Fastenzeit vor Ostern fest, die an die Zeit erinnern soll, die Jesus Christus in der Wüste verbracht hat.

Vorläufer des Karnevals wurden bereits vor 5000 Jahren in Mesopotamien gefeiert. Nach Neujahr wurde ein siebentägiges Fest gefeiert“Die Mächtigen und der Niedere sind gleichgeachtet“. Hier wurde zum ersten Mal das Gleichheitsprinzip bei ausgelassenen Festen praktiziert, und dies ist bis heute so geblieben. Ähnlich bei den Römern: man feierte vom 17. Dezember bis 19. Dezember die Saturnalien. Das Fest war verbunden mit einem öffentlichen Gelage, zu dem jedermann eingeladen war. Hinrichtungen wurden verschoben. Sklaven und Herren tauschten zeitweise die Rollen, feierten, tranken und aßen, konnten jedes freie Wort wagen und überschütteten einander mit kleinen Rosen. Schon die Römer veranstalteten farbenprächtige Umzüge.

Im mittelalterlichen Europa feierte man zwar in Kirchen, jedoch nicht offiziell kirchlich, Narrenfeste vom 12. Jahrhundert bis zum Ende des 16. Jahrhunderts um den 6. Januar. Dabei übernahmen die unteren Kleriker vorübergehend Rang und Privilegien der höheren Geistlichkeit. Kirchliche Rituale wurden parodiert. In Gestalt von Prozessionen wurden auch die Bewohner der Städte am Fest beteiligt. Schon seit dem 13. und 14. Jahrhundert gehörten Ess- und Trinkgelage, Bälle und Turniere zu den karnevalistischen Bräuchen. Höhepunkt fand das ausgelassene Treiben an den drei „tollen Tagen“ Weiberfastnacht, Karnevalssonntag und Veilchendienstag. Erst in den 1820er Jahren begannen die Menschen Straßenkarneval zu feiern. Der Rosenmontagsumzug wurde zum Höhepunkt und ist es heute noch.

Die mittelalterliche Fastnacht wird auf die augustinischen Lehren in seinem Werk „De civitate Dei“ zurückgeführt. Die Fastnacht steht daher für die civitas diaboli, den Staat des Teufels. Mit dem Aschermittwoch musste daher die Fastnacht enden, um die unausweichliche Umkehr zu Gott zu verdeutlichen. Während die Kirche bei gotteslästernden Szenen während der Fastnacht untätig blieb, wurde ein Weiterfeiern der Fastnacht in den Aschermittwoch hinein streng verfolgt. Im ausgehenden 14. und 15. Jahrhundert fand auch der Narr Einzug in die Fastnacht, der im auf die Vergänglichkeit hinweisen sollte.

1353 wurde den Klerikern und Ordensleuten verboten, Bier und Wein zu verkaufen oder auszuschenken; also bestand zu Karneval ein großes Interesse an alkoholischen Getränken. 1369 wurde das Verbot wieder aufgehoben. Auch später kam es wieder zu Verboten, die alsbald wieder aufgehoben werden mussten.

Die Reformation stellte die vorösterliche Fastenzeit in Frage. In protestantischen Gegenden gerieten viele Bräuche zum Teil  in Vergessenheit. Im Barock und Rokoko wurden vor allem auf Schlössern und an den Fürstenhöfen Karnevalsfeste gefeiert, deren Masken sich stark an die italienische Commedia dell’arte anlehnten.

In anderen Ländern konnten sich der Fasching und der Karneval kaum etablieren; so gerieten in England viele Bräuche aufgrund der Reformation Heinrich VIII. in Vergessenheit, die sich daher auch nicht in den USA oder Kanada festigen konnten. Als eine der wenigen Ausnahmen gelten hier Quebec und das früher französische und katholische New Orleans.

Bis heute ist der Karneval Sinnbild katholischer Mentalität. Aber ein regelrechter Fastnachtsboom in den 1990er Jahren führte auch in protestantischen Gegenden die Fastnacht ein.

In der Nacht zu Aschermittwoch um Mitternacht endet der Karneval, und es gibt an vielen Orten die Tradition, dass die Karnevalisten in dieser Nacht eine Strohpuppe als Verantwortlichen für alle Laster der karnevalistischen Tage verbrennen. Dieser Schelm oder Hanswurst (Strohpuppe) hatte Ähnlichkeit mit Till Eulenspiegel und den mittelalterlichen Hofnarren.

Mancherorts treffen sich die Karnevalisten am Aschermittwoch noch einmal zu einem gemeinsamen Fischesse (Heringschmaus), oder zu einem rituellen „Portemonnaie-Auswaschen“.

Im Bereich der Orthodoxen Kirchen beginnt das volle Fasten bereits am Montag nach dem 7. Sonntag vor Ostern, bereits eine Woche vorher beginnt der Fleischverzicht. Die russische Butterwoche, in der traditionell gefeiert wird und große Mengen Bliny gegessen werden, liegt dazwischen. Da das östliche Osterfest oft später ist als das westliche beginnt  – beruhend auf der westlichen Reform des Kalenders –, verschiebt sich auch die Fastnacht

Die genannten Karnevalstage gelten nicht als gesetzliche Feiertage, denn die Feiertagsgesetze erwähnen weder den Rosenmontag noch andere Karnevalstage. Dann ist arbeitsrechtlich zu klären, wie es an jenen Tagen zu einer Arbeitsbefreiung kommen kann.

Bald ist er zu Ende, der Karneval – carne vale!

carne vale

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