Haben wir keine anderen Probleme?

Thomas Drozda, Kanzleramtsminister in der Bundesregierung Kern und vormaliger Kulturmanager, schlägt vor, den Heldenplatz um zu benennen, und zwar in Platz der Demokratie oder Platz der Republik.

Warum eigentlich? Weswegen jetzt? Nur weil ein (kleines) Haus der Geschichte dort in Zukunft eröffnet werden wird? Bisher haben Umbenennungen meist stattgefunden, weil eine Person nicht mehr „würdig“ war, nach der eine Straße, ein Platz benannt worden war (z.B. Lueger Ring in Universitätsring). Aber der Heldenplatz? Weil wir in einer post-heroischen Zeit leben? Oder sind Prinz Eugen oder Erzherzog Karl etwa irgend wie in Ungnade gefallen? Schämen wir uns dieser Männer?

Ja, am Heldenplatz hat auch Schändliches stattgefunden, aber das kann durch Umbenennung kaum getilgt werden!

Der Name Heldenplatz wurde 1878 festgelegt; er kommt von den beiden Reiterdenkmälern, die beide von Anton Dominik Fernkorn (mit den Aufbauten von Eduard von der Nüll) stammen. Das ältere ist dasjenige Erzherzog Karls, das 1860 enthüllt wurde. Es diente zur militärischen Glorifizierung der Dynastie, zumal einer ihrer Angehörigen hier als Feldherr gefeiert wird. 1865 wurde auch das Pendant fertiggestellt, die Reiterstatue Prinz Eugens. Nach Schlaganfällen Fernkorns wurde sie von Schülern vollendet.

Im Moment stehen die Ausweichquartiere des Parlaments während dessen Umbau auf dem Heldenplatz (und im hintersten Eck des Burggartens). Will man etwas nicht als Adresse „Heldenplatz“ für österreichische Parlamentarier angeben?

Wenn’s nach mir geht: lassen wir den Heldenplatz Heldenplatz benannt sein!

(Siehe auch: mein Blogeintrag vom 8. Februar: „Mein Heldenplatz – Gedanken zu einem umstrittenen Ort“)

Haben wir keine anderen Probleme?

Ich wünsch‘ mir ‚was

Vorausschicken möchte ich, dass ich in- und ausländische Zeitungen und Magazine lese, Radio höre (zumeist Oe1) und fernsehe. Ich lese auch Blogs und versuche mir aus all dem eine Meinung zu bilden.

Was mir beim ORF besonders auffällt, ist, dass sogenannte Interviews meist als „Tribunal“ ablaufen. Der Interviewer (oder auch Interviewerin) befragt den Interviewten in aggressiver Weise, wirft ihm herausgepickte Statements aus früherer Zeit vor, und befragt ihn zu Situationen, von denen er wissen muss, dass der Befragte keine Antwort geben wird – und das dann mehrmals.

Ein besonders übles Beispiel ist mir am Samstag, dem 18.2. im Mittagsjournal auf Oe1 aufgefallen.

Der Interviewer: Edgar Weinzettl, Ressortleiter Radio Innenpolitik, seine Bestellung war ein Wunsch der SPÖ und erfolgte unter heftigen Widerspruch seiner Kollegen im Jahr 2012.

Der Interviewte: Sebastian Kurz, Außen- und Integrationsminister. OeVP. Als „Zukunftshoffnung der OeVP“ Angriffsziel von Weinzettl.

Der Anlass war Kurz‘ Besuch der Länder an der Balkanroute.

Kurz war bei keiner seiner Antworten in der Lage seine Gedanken zu Ende zu führen, er wurde immer wieder von Weinzettl unterbrochen – und seine Haltung kritisiert. Weinzettl fragte mehrere Male, ob Kurz Mitterlehner als Parteivorsitzender ablösen werde, was Kurz verneinte. Weinzettl musste ja wissen, dass Kurz jetzt darauf keine Antwort geben würde. Wozu also dafür Zeit zu verschwenden.

Für mich, die ich mir über Edgar Weinzettl bis jetzt noch keine Gedanken gemacht hatte, wurde es während des Interviews bald klar, dass es sich um einen Sozialdemokraten – bereits im Vorwahlfieber? – handelte, der einen „Gegner“ (wobei das möglicherweise die falsche Zielrichtung ist) fertigmachen wollte.

Bei einem Interview  wünsche ich mir, die Meinung des Befragten und nicht die des Interviewers zu hören. Ich möchte, dass der Interviewte seine Ausführungen möglichst ohne Unterbrechung zu Ende führen kann. Mir ist klar, dass auch Interviewzeit begrenzt ist, mir ist auch klar, dass bei eventuellen Falschaussagen des Interviewten eine Richtigstellung/Hinterfragung angebracht ist, aber das war dabei nicht der Fall.

Ich wünsche mir faire Interviewer, die den Interviewten nicht fertig machen wollen.

Ist das zu viel verlangt, oder ist der ORF bereits der Propagandasender einer Partei?

Ich wünsch‘ mir ‚was

Oh Europa!

Europa wird auseinanderbrechen, hört man allenthalben. Trump bedroht Europa. Theresa May wird alles tun, um andere Staaten zum Austritt zu bewegen. Wenn Wilders, Le Pen die anstehenden Wahlen gewinnen, werden in den Niederlanden und Frankreich Austritts-Abstimmungen stattfinden. Putin ist die EU sowieso ein Gräuel und er wird alles tun, um sie zu spalten und zu zerstören.

Das sind grandiose Aussichten – muss es wirklich soweit kommen? Werden alle Errungenschaften in der EU rückgängig gemacht werden, der freie Personenverkehr (schon etwas eingeschränkt), der freie Warenverkehr, der offenen Arbeitsmarkt (an dessen Grenzen wird ohnedies auch schon gerüttelt), die gemeinsame Währung (schon möchten manche wieder zurück Drachme, Lira, dem Franc)? Wird es keine Erasmus-Stipendien mehr geben, wird die Agrarförderung wieder nationale Angelegenheit? Werden wieder Zölle auf Waren eingehoben werden? Wird der Raum der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts Zusammenbrechen?  Wird jedes Land wieder einzeln seine Handelsverträge abschließen müssen.

Und vor allem: werden alle die derzeit noch 28 Länder (nach dem Brexit) nur mehr 27 in Frieden miteinander leben können?

Ich bin Optimistin, ich meine, dass Europa überleben wird, wenn auch in veränderter Form. Selbst der Brexit wäre reversibel, meldet sich nun Tony Blair zu Wort. Aber vom Brexit, der der viele von uns so geschockt hat, ging das Signal aus, dass die europäische Identität nicht mehr nur eine schön klingende Losung ist. Sie ist Realität geworden. Viele von uns hatten geglaubt, , dass das einige Europa eine ewige Gegebenheit ist, der nichts mehr droht, der Brexit war und ist uns allen eine Warnung. Doch was als Kohle- und Stahlprojekt in den fünfziger Jahren begonnen hatte, ist in den Köpfen der jungen Generation  zu etwas ganz anderem gewachsen. Diese sind wenig an Kohle und Stahl und Milch und Wurst interessiert, sie begreifen Europa nicht nur als Raum ihrer Sicherheit, sondern auch ihrer Werte, Regeln und Freiheiten. Und wenn wir Alten vom Friedensprojekt Europa reden, ist das für sie uninteressant, denn sie kennen keinen Krieg.

Für uns, die wir innerhalb der EU leben, ist sie eine Selbstverständlichkeit, für Menschen jenseits der EU-Grenzen indes hat sie eine andere Bedeutung. Während der Revolution auf dem Majdan in Kiew – wurde das beeindruckend gezeigt. Ohne das reale Europa zu kennen, haben die Ukrainer für die Idee dieses Europas gekämpft, das für sie Menschenwürde verkörpert, den Dienst der Staatsmacht am Menschen (und nicht umgekehrt), eine saubere Justiz, eine Politik, die nicht korrupt ist. Vielleicht sehen und begreifen wir EU-Europäer nicht mehr, wie das heutige Europa auf den Rest der Welt wirkt. Für manche ist es ihr Rückhalt, für manche Richtung und Traum.

Aber es gibt sie, die Europäer, die in eine Richtung eines nationalen Staates und der Wiederauferstehung jahrhundertealter Traditionen drängen. Wenn diese populistischen Gedanken mit größerem literarischen Talent dargelegt würden, könnten sie manche enttäuschte Seele erreichen und dort Zustimmung finden. Denn enttäuschte Menschen sind, solange sie wenige sind, nur unglücklich. Aber wenn es viele sind, werden sie gefährlich. Dann reicht es, sie hinter einem gemeinsamen Grund für die Enttäuschung zu vereinen; ihnen glaubhaft zu machen, dass genau hier der Ursprung ihres Unglücks ist; ihnen einen angeblichen Ausweg zu zeigen und sie so zu einer mächtigen zerstörerischen Kraft zu machen. So war es schon mehr als einmal in Europa, daraus sind Faschismus, Nationalsozialismus und Kommunismus entstanden.

Die heutigen Radikalen haben nichts Neues erfunden, sie nutzen eine erprobte Methode – sie sammeln die Enttäuschten und versuchen, sie auf einen neuen Feind zu hetzen, das Europa ohne Grenzen. Denn genau dieses Europa hält sie am meisten auf, bremst sie sogar dann, wenn es ihnen gelingt, in dem einen oder anderen EU-Land in die Nähe der Macht zu kommen.

Manche der EU Länder, vor allem jene im Osten, haben viele tüchtige, arbeitende Menschen an reichere Länder „verloren“, auf der anderen Seite stehen jene, die meinen, dass ihnen diese zugewanderten Menschen die Jobs wegnehmen.

Migration und Terror werden sicher nicht verschwinden wenn Europa in Nationalstaaten zerbricht. Und das Zerbrechen hätte zur Folge, dass die Feinde Europas jene aus ihrer Sicht verhasste Festung zerstört haben werden, die die „gotteslästerlichen“ Ideen von Rede- und Religionsfreiheit, Frauenrechten und Gleichheit der Geschlechter in die Welt hinausgetragen hat. Mehr Sicherheit wird es in einem zerbrochenen Europa nicht geben.

In einem zerfallenen Europa könnte ganz Ost- und Nordeuropa in Russlands Einflussgebiet abdriften, sein Süden an Flüchtlingen und wirtschaftlichem Stillstand ersticken und überall nach und nach die örtlichen „Retter“ an die Macht kommen, die einen dritten Weg der „besonderen Demokratie“, nämlich die Diktatur der Autokraten, anbieten. Der Zerstörer hat immer einen Vorteil gegenüber dem Erschaffer, denn er muss nichts beweisen, es reicht, wenn er verneint. Aber sobald er zerstört hat, macht er sich aus dem Staub, lehnt jegliche Verantwortung ab und verschwindet in der Menge. Haben sich so nicht die Initiatoren und Rufer des Brexit verhalten?

An Europa gibt es vieles zu verbessern. Vielleicht sollte vorerst das nicht endende Geschwätz über seine unlösbaren Probleme und seinen unvermeidlichen Zerfall eingestellt werden. Es wurde ein ganzer Berg von Problemen aufgeschüttet, der Europa zu zerquetschen droht und die Sicht auf das Gute verstellt das von Europa ausgeht.

Gehen wir’s an: Lösen wir ein Problem nach dem anderen, Europa wird nicht zerbrechen.

 

Oh Europa!

Bin ich etwa intolerant?

 

Die Vollverschleierung

Normalerweise erachte ich mich als tolerant. Ich war immer dafür, dass Frauen tragen dürfen, was ihnen passt, unabhängig von Vätern, Ehemännern und Staat. An das Kopftuch im Straßenbild habe ich mich gewöhnt, auch an den faden langen Mantel, den manche Muslimas tragen.

Aber heute beim Billa (in den Ringstraßengalerien): ich war etwas spät dran, da kann es passieren, dass es am späten Vormittag längere Schlangen vor den Kassen gibt, weil die Schüler und Schülerinnen der Umgebung ihr Essen einkaufen. Als ich in deren Alter war, bekamen wir das Jausenbrot von zu Hause mit, mittags gab’s die so genannte „Ausspeisung“: aus einem großen Kessel wurde jedem Schüler ein Schöpfer Suppe in sein mitgebrachtes (und hoffentlich abgewaschenes) Häferl geleert. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs führten in Deutschland und Österreich insbesondere die US-Besatzungsmacht und die Kinderhilfe des Schweizerischen Roten Kreuzes solche Ausspeisungen durch. Also heute kaufen die Kinder beim Billa ein.

All das hat mich heute nicht aufgebracht, sondern die Tatsache, dass unter den Schülerinnen ein Mädchen war, das sein Gesicht komplett verschleiert hatte. Selbst wenn sie auf Schüleraustausch aus Saudi-Arabien hier wäre, halte ich es für verfehlt, das Gesicht zu verschleiern. Ich gehe aber eher davon aus, dass es sich um ein hier lebendes Mädchen handelt, das ein Zeichen setzen wollte, da ja eine Komplettverschleierungsverbot diskutiert wird. Also war es eine Provokation? Oder war es religiös-politisches Statement? Denn es ist der Wahhabismus bzw. Salafismus der derartige Vorschriften macht, und beide gehören zu der Sektion „militanter Islam“, aber auch politisierter Islam an.

So besehen befinde ich mich im Einklang mit dem neuen Integrationspaket, das ein Verbot der Vollverschleierung in der Öffentlichkeit vorsieht. Es ist mir schon klar, dass es zu Problemen kommen kann. Im Sommer kommen die Touristen von der Arabischen Halbinsel, immer in einer bestimmten Formation, vorne geht der Vater (oft in kurzärmeligen Hemd und sogar kurzen Hosen) , dahinter die größeren Söhne, dann erst die voll-verschleierten Ehefrauen bzw. Töchter und Kinder. Und das sind meist recht zahlungskräftige Kunden z.B. des „Goldenen Quartiers“. Ich kann mir schwer vorstellen, dass diese Damen ihr Gesicht freilegen werden bzw. die Exekutive Strafen von ihnen einheben wird.

Der Einfluss der türkischen Religionsbehörde

Ein paar Zahlen zu den Türken in Österreich:

  • 500 Menschen mit türkischem Migrationshintergrund (d.h. Eltern stammen aus der Türkei) leben in Österreich.
  • 000 Einwohner Österreichs haben die türkische Staatsbürgerschaft.
  • 1242 Türken haben im Jahr 2009 die österreichische Staatsbürgerschaft erhalten. Das sind 15,5 Prozent aller neuen Staatsbürgerschaften.
  • 20 Prozent beträgt die Arbeitslosenquote bei Türken in Österreich.
  • 39 Prozent beträgt die Erwerbsquote bei türkischen Frauen in Österreich. Bei Österreicherinnen ohne Migrationshintergrund sind es 66 Prozent.
  • 53 Prozent der türkischen Zuwanderer besitzen nach eigener Einschätzung muttersprachliche oder sehr gute Deutschkenntnisse, 10 Prozent eher schlechte bzw. gar keine (1%).
  • 500 Kinder an den österreichischen Volksschulen haben Türkisch als Umgangssprache. In den AHS und BHS sind es 5600.
  • 2444 Menschen mit türkischer Staatsbürgerschaft sind an den österreichischen Universitäten inskribiert.
  • 2,41 Kinder bringen Türkinnen in Österreich durchschnittlich zur Welt (Österreicherinnen durchschnittlich 1,27 Kinder).

Dass die türkische Religionsbehörde (Dyanet) in Österreich großen Einfluss ausübt, ist schon länger bekannt. Es handelt sich um eine staatliche Einrichtung zur Verwaltung religiöser Angelegenheiten in der Türkei. Das Diyanet ist direkt dem Ministerpräsidenten unterstellt. Die Behörde hatte im Jahre 2015 mehr als 100.000 Mitarbeiter und einen Jahresetat von umgerechnet mehr als einer Milliarde Euro. Die Behörde ist somit die höchste religiöse Instanz des Landes. Der Behördenleiter, zugleich Präsident des Diyanet, hat hierdurch den Rang des höchsten islamischen Gelehrten der Türkei inne und stellt somit aus staatlicher Sicht, welche in gleicher Weise vom überwiegenden Teil der Bevölkerung anerkannt wird, die oberste islamische Autorität des Landes dar.

Die Religionsbehörde entsendet Räte und Attachés an Botschaften und Konsulate, insbesondere in der Bundesrepublik Deutschland und Österreich. Sie unterhält in Österreich eine eigene Niederlassung: die „Türkisch-Islamische Union für kulturelle und soziale Zusammenarbeit in Österreich“ (ATIB). ATIB ist der größte österreichische Dachverband türkisch-islamischer Moscheegemeinden. 1990 mit 31 Mitgliedsvereinen gegründet, organisiert der Verband mit Sitz in Wien heute 63 Moscheevereine. Der Verband gilt als Auslandsarm der staatlichen türkischen Religionsbehörde Diyanet. Obmann der ATİB ist der türkische Kulturattaché. ATIB betreibt zusätzlich zahlreiche soziale Einrichtungen und Zentren. Die ATIB vertritt heute genau jenen Islam, der von der aktuellen türkischen Regierung, also von der AKP, propagiert wird. ATIB war finanziell  immer gut dotiert, weil es große Zuwendungen aus der Türkei gegeben hat. Nach dem neuen Islamgesetz sind Finanzspritzen aus der Türkei eigentlich verboten. Es ist zu vermuten, dass man sich irgendwelche legalen Wege einfallen lassen wird müssen, um dieses Gesetz zu umgehen.

Die ATIB war früher ein kemalistisches Projekt, eine Art Gegenbewegung zu Milli-Görüş und anderen konservativen politischen Islamverbänden in der Türkei. Das hat sich mit der Machtübernahme der AKP geändert. Innerhalb des „Amtes für Religiöse Angelegenheiten“ in der Türkei sind immer mehr wichtige AKP-Gefolgsleute in hohe Positionen gebracht worden, und das hat natürlich die Ausrichtung der ATIB verändert. Die AKP hatte auch keinen eigenen Moscheenverband und konnte so ihre eigene Anhängerschaft in die ATIB hineinbringen.

In Österreich kommt erschwerend dazu, dass die die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) kürzlich mit Ibrahim Olgun einen neuen Präsidenten gewählt hat. Der 28-jährige ist in Österreich geboren und studierte in Ankara Theologie. Olgun ist Mitglied des ATIB, wo er in Wien als Integrationsbeauftragter für den interreligiösen Dialog und ab 2014 auch als Fachinspektor für den islamischen Religionsunterricht für verschiedene Wiener Bezirke und deren Pflichtschulen zuständig war. Olgun gehört schon zur „Generation Erdoğan“. Es ist also zu erwarten, dass er offensiver auf die österreichische Öffentlichkeit zugehen wird, als es sein Vorgänger es getan hat.

Mit ATIB einerseits und nun mit der IGGiÖ andererseits kann nun der Einfluss und Druck der Türkei auf Österreich zunehmen. Es war bisher schon so, dass die Zustimmung zu Erdogan in Österreich prozentmäßig höher war, als in der Türkei. Und der Druck Erdogans, die Gülen Anhänger aus Österreich auszuliefern, wird noch steigen.

Bin ich etwa intolerant?

Kreuzfahrt in den Tod

In den letzten Kriegsmonaten mussten noch viele Menschen sterben. Nicht nur an der Front – auf beiden Seiten – nicht nur im Bombenhagel, sondern auch bei der Flucht, besonders vor den Russen an der Ostfront. Manche dieser „Großereignisse“ haben mich als damals fast Zehnjährige besonders beeindruckt. Dazu gehörte auch das Schicksal der Wilhelm Gustloff, deren Kreuzfahrtplätze vor dem Krieg so berühmt wie begehrt gewesen waren.

Das nationalsozialistische Regime hatte eine frühzeitige Evakuierung Ostpreußens abgelehnt. Nach dem Durchbruch der Roten Armee an der Ostfront fanden sich daher zu Beginn des Jahres 1945 viele Einwohner der Provinz vom übrigen Reichsgebiet abgeschnitten. Am 21. Januar 1945 wurde die Verlegung der 2. U-Boot-Lehrdivision nach Westen angeordnet. Dies war der Beginn einer Reihe von Transportunternehmungen, in deren Rahmen verwundete Soldaten mit allen verfügbaren Schiffen in das westliche Reichsgebiet transportiert werden sollten. Mittlerweile war die Mitnahme von Zivilisten erlaubt worden, so dass 2,5 Millionen Menschen über die Ostsee entkommen konnten, die meisten von Ihnen, Frauen und Kinder. Sie hatten schon eine lange Flucht hinter sich, in einem bitter kalten Winter. Viele waren zu Fuß unterwegs gewesen, Autos waren ausnahmslos im „Fronteinsatz“, selbst Pferde waren knapp.

Auch die Wilhelm Gustloff sollte sich an der Evakuierung beteiligen. Am 30. Januar 1945 legte sie gegen 13:10 Uhr mit schätzungsweise 5.000 bis über 10.000 Menschen an Bord in Gotenhafen ab. Die genaue Anzahl der Passagiere und Besatzungsmitglieder ließ sich nie mit letzter Sicherheit feststellen, da ihre Flucht übereilt erfolgte. Es war ein unbeschreibliches Gedränge gewesen, um noch „herauszukommen“. Später wurden bekannt, dass offiziell 7.956 Menschen registriert wurden, aber nach Ende der offiziellen Zählung drängten aber noch ungefähr 2.500 weitere Passagiere an Bord. Insgesamt dürften sich demnach auf der Wilhelm Gustloff rund 10.300 Menschen befunden haben: etwa 8.800 Zivilisten, davon eine große Zahl Kinder, sowie etwa 1.500 Angehörige der Wehrmacht, darunter 162 Verwundete, rund 340 Marinehelferinnen und 918 Marinesoldaten der 2. U-Boot-Lehrdivision, die dann erneut in den Kriegseinsatz gehen sollten. Die Wilhelm Gustloff hatte nur leichten Geleitschutz.

Auf dieser letzten Fahrt der Wilhelm Gustloff befanden sich insgesamt vier Kapitäne an Bord. Sie kannten die drohende Gefahr durch sowjetische U-Boote, konnten sich aber nicht auf ein gemeinsames Vorgehen einigen. Der militärische Kommandant schlug vor, abgedunkelt durch flache Küstengewässer zu fahren, in denen U-Boote nicht operieren konnten. Er setzte sich jedoch nicht durch, es wurde angesichts der Überladung des Schiffes für eine Route durch tiefes Wasser entschieden. Ein vermeintlicher Funkspruch der Kriegsmarine veranlasste ihn zudem, Positionslichter zu setzen, um die Kollisionsgefahr mit einem angeblich entgegenkommenden Minensuchgeschwader zu verringern. Daher war das Schiff auch in der Dunkelheit auszumachen. Tatsächlich befand sich kein Minensucher auf Gegenkurs zur Wilhelm Gustloff. Anlass und Absender des Funkspruchs konnten bis heute nicht geklärt werden.

Die Wilhelm Gustloff wurde gegen 21 Uhr von dem sowjetischen U-Boot S-13 gesichtet. Um 21:16 Uhr ließ dessen Kommandant, Alexander Iwanowitsch Marinesko, aus etwa 700 Metern Entfernung vier Torpedos abschießen. Ein Torpedo klemmte, drei trafen die Wilhelm Gustloff am Bug, unter dem E-Deck und im Maschinenraum. Nach etwas mehr als einer Stunde, gegen 22:15 Uhr, sank das Schiff etwa 23 Seemeilen von der pommerschen Küste entfernt.

Herbeieilende Schiffe konnten nur 1.252 Menschen retten. Ein Rettungstorpedoboot wurde während der Rettungsaktion ebenfalls von der S 13 angegriffen, wehrte sich aber mit Einsatz von Wasserbomben, worauf das sowjetische U-Boot abdrehte. Zur hohen Zahl der Opfer trugen mehrere Umstände bei: Um eine planlose Flucht vom Schiff und den Ausbruch einer Panik zu verhindern, wurden etwa 1.000 Menschen in den Wintergarten des Schiffes beordert und dort von Offizieren mit Waffengewalt festgehalten. Aber die Fenster des Wintergartens bestanden aus Panzerglas, die jedes Entkommen verhinderten. Schwerwiegender war, dass die Wilhelm Gustloff über viel zu wenige Rettungsboote verfügte. Es gab kleinere Ruderboote, die rasch überfüllt waren. Erschwerend kam hinzu, dass in der Nacht des Untergangs eine Außentemperatur von bis zu −20 °C herrschte, so dass viele der noch vorhandenen Boote blockiert waren und nicht seeklar gemacht werden konnten. Das Schiff und seine Rettungsmittel waren nur für circa 1.900 Passagiere und Besatzungsmitglieder ausgelegt, es waren aber über 10 000 Menschen an Bord.

Die Versenkung der Wilhelm Gustloff entsprach geltendem Kriegsvölkerrecht. Als Truppentransporter hatte sie den rechtlichen Status eines Kriegsschiffes, das von der sowjetischen U-Boot-Besatzung auch nur als solches wahrgenommen werden konnte: Sie hatte einen grauen Tarnanstrich, sie fuhr zum Zeitpunkt der Torpedierung abgeblendet durch Kriegsgebiet und wurde von einem weiteren Kriegsschiff begleitet. Zudem war die Wilhelm Gustloff mit Flugabwehrgeschützen bewaffnet und hatte kampffähige Soldaten an Bord. All das machte sie zu einem vom damaligen Kriegsrecht gedeckten, legitimen Ziel gegnerischer Angriffe. Marinesko, der Kommandant von S-13, wurde nach dem Krieg unehrenhaft aus der Marine entlassen. Trotzdem wurde ihm 1990 postum der Orden „Held der Sowjetunion“ verliehen und ein Ehrenmal am oberen Königsberger Schlossteich errichtet.

Die Wilhelm Gustloff war ursprünglich zu Propagandazweckendes dritten Reiches vorgesehen gewesen. Die Taufe erfolgte beim Stapellauf am 5. Mai 1937 im Beisein von Adolf Hitler durch Hedwig Gustloff, die Witwe des von den Nationalsozialisten zum Märtyrer stilisierten Wilhelm Gustloff. Die Wilhelm Gustloff war als Kreuzfahrtschiff konzipiert, doch bei der Konstruktion hatte man von Anfang an auch eine Nutzung als Hospitalschiff berücksichtigt. Das Schiff war auf 417 Besatzungsmitglieder und 1.463 Passagiere ausgelegt. Die Kabinen waren für Fahrgäste und Besatzung gleich. Die Passagiere wurden auch in der Touristenklasse in Außenkabinen für zwei oder vier Personen untergebracht. Jede Kabine entsprach einem gehobenen Standard eines damaligen Hotels. Es gab eine größere Kabinengruppe, die Hitler vorbehalten war, aber nie von ihm genutzt wurde.

Das Schiff war auch gut für die Unterhaltung und Versorgung der Passagiere  ausgestattet: auf dem Sonnendeck mit Sportplatz und Turnhalle, eine Musik- und Theaterhalle, Hospital, Speisesäle, aber auch einen Friseur, eine Schwimmhalle.

Bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges am 1. September 1939 wurde die Wilhelm Gustloff als Kreuzfahrtschiff der „Kraft durch Freude“ (KdF) genutzt. Ziele waren das Mittelmeer um Italien, oder auch Norwegen. Im August 1939 ging es zur 50. Reise der MS. Wilhelm Gustloff: eine Kreuzfahrt nach Norwegen.

Nach Kriegsbeginn wurde die Wilhelm Gustloff im September 1939 als Lazarettschiff der Kriegsmarine übergeben. Während der Besetzung Norwegens im Frühjahr 1940 diente sie als Verwundetentransporter. Ab 20. November 1940 wurde die Wilhelm Gustloff als Wohnschiff für die 2. U-Boot-Lehrdivision in Gotenhafengenutzt. (Heute Gdynia, Gdingen, im Zweiten Weltkrieg Gotenhafen, Hafenstadt in Polen an der Danziger Bucht).

Später wurden noch weitere deutsche Boote mit Flüchtlingen versenkt, dabei sind noch ungefähr 7 000 Menschen umgekommen.

Kreuzfahrt in den Tod

Dresden, Bombardierung vom 13. – 15. Februar 1945

Dresden war sicher nicht die einzige Stadt, die in Deutschland bombardiert wurde. Nicht nur in Deutschland war bombardiert worden, sondern besonders auch in England, Frankreich, Belgien etc. Auch heute wird wieder bombardiert, z.B. in Aleppo.

Aber warum ist mir Dresden so besonders in Erinnerung geblieben? War es noch die Darstellung in der reichsdeutschen Propaganda, war es die Vorstellung einer Stadt, in der sich viele Flüchtlinge aufhielten, vor allem Frauen und Kinder. Eigentlich war der Krieg für die Alliierten schon fast gewonnen, was sollte mit dieser Bombardierung noch erreicht werden? Auch war die Luftabwehr bereits sehr geschwächt. Oder waren es die vielen Arten, wie damals das Leben verloren wurde.

Im Zweiten Weltkrieg wurden erste Luftangriffe auf den Großraum Dresden bereits im August 1944 geflogen, und die Stadt wurde auf Bombardierungen vorbereitet. Seitdem Air Marshal Arthur Harris (genannt Bomber Harris) 1942 Oberbefehlshaber des britischen „Bomber Command“ geworden war, wechselten Nachtangriffe der RAF und Tagesangriffe der USAAF einander ab.

Harris gab den Angriffsbefehl zu den folgenden schweren Bombardierungen Dresdens. Sechs Bomberstaffeln flogen am 13. 2. gegen 17:30 von Südengland über zwei Routen in das Reichsgebiet ein. Einige Begleitjäger flogen zur Irreführung der deutschen Luftabwehr andere Routen. Bei den Luftangriffen auf Dresden wurden in vier aufeinanderfolgenden nächtlichen Angriffswellen vom 13.bis 15.Februar 1945 weite Teile des Stadtgebietes durch britische und US-amerikanische Bomber schwer beschädigt.

Am Faschingsdienstag, 13. Februar 1945 um 21:45 Uhr, wurde in Dresden Fliegeralarm ausgelöst. Die Menschen begaben sich in die Keller ihrer Häuser oder Wohnblocks und indie wenigen vorhandenen Luftschutzbunker. Die Angriffe begannen bei wolkenlosem Nachthimmel. Um 22:03 Uhr wurde die Innenstadt von Bombern mit Magnesium- -Lichtkaskaden (so genannten „Christbäumen“) ausgeleuchtet, zwei Minuten darauf warfen neun britische Mehrzweckflugzeuge rote Zielmarkierungen auf das gut sichtbare Stadion nordwestlich des Stadtkerns. Von 22:13 bis 22:28 Uhr fielen die ersten Bomben. 244 britische Bomber zerstörten die Gebäude mit 529 Luftminen und 1800 Spreng- und Brandbomben mit insgesamt 900 Tonnen Gewicht. Sie gingen südwestlich des Zielpunktes in einem 45-Grad-Fächer zwischen der großen Elbschleife im Westen der Stadt, dem industriell bebauten heutigem Messegelände und dem etwa 2,5 km Luftlinie entfernten Hauptbahnhof nieder.

In diesen 15 Minuten wurden drei Viertel der Dresdner Altstadt in Brand gesetzt. Gezielte Treffer einzelner Gebäude waren bei diesen Nachtangriffen der RAF nicht möglich. Vielmehr sollte ein Bombenteppich die gesamte Innenstadt großflächig zerstören. Die Flammen der brennenden Innenstadt nach der ersten Angriffswelle waren im weiten Umkreis am Himmel zu sehen. Manche Brände loderten noch vier Tage lang.

In der Nacht von 13. auf den 14. Februar begann um 1:23 Uhr die zweite Angriffswelle mit 529 britischen Bombern der Royal Air Force sowie der der kanadischen Luftwaffe. Sie warfen bis 1:54 Uhr insgesamt 650.000 Stabbrandbomben – 1500 Tonnen – ab. Die von der ersten Angriffswelle verursachten Brände dienten zur Orientierung für die nachfolgenden Bomber. Ihre Bomben trafen auch die Elbwiesen und den Großen Garten, wohin viele Dresdner nach der ersten Welle geflüchtet waren. Zwei Krankenhäuser in der Neustadt wurden schwer beschädigt. Beide Bombardements betrafen ein Stadtgebiet von etwa 15 Quadratkilometern.

Die zweite Angriffswelle zerstörte die Technik der ausgerückten Feuerschutzpolizei und verhinderte weitere Löschaktionen, sodass sich die zahlreichen Einzelfeuer rasch zu einem orkanartigen Feuerstrum vereinten. Dieser zerstörte ganze Straßenzüge. In der extremen Hitze schmolzen Glas und Metall. Der starke Luftsog wirbelte größere Gegenstände und Menschen umher oder zog sie ins Feuer hinein. Sie verbrannten, starben durch Hitzeschock und Luftdruck oder erstickten in den Luftschutzkellern an Brandgasen. Wer sich ins Freie retten konnte, war auch dort dem Feuersturm und detonierenden Bomben ausgesetzt. Manche versuchten sich durch einen Sprung in die Elbe zu retten.

Den Nachtangriffen folgte am 14. Februar von 12:17 bis 12:31 Uhr ein Tagesangriff von 311 bis 316 Bombern der USAAF . Sie warfen bei wolkenbedecktem Himmel über Dresden nach Zielradar 1.800 Sprengbomben (474,5 t) und 136.800 Stabbrandbomben (296,5 t) ab. Ihre Angriffsziele waren einige Rüstungsbetriebe und erneut der Bahnhof und das Reichsbahnausbesserungswerk Dresden in Friedrichstadt. Getroffen wurden auch das dortige Krankenhaus und umliegende Stadtteile. Im etwa 35 km entfernten Neustadt ging am 14. Februar ein von den Nachtangriffen verursachter Ascheregen nieder.

Am 15. Februar etwa um 10:15 Uhr stürzte die ausgebrannte Frauenkirche ein. Von 11:51 bis 12:01 Uhr folgte ein weiterer Tagesangriff von 211 amerikanischen Bombern. Bei schlechter Sicht warfen sie 460 Tonnen Bomben, verstreut auf das gesamte Gebiet zwischen Meißen und Pirna.

Am 2. März flogen 455 Bomber wiederum nach Dresden. Ab 10:27 Uhr fielen 853 Tonnen Sprengbomben und 127 Tonnen Brandbomben auf die Bahnanlagen in Friedrichstadt und Neustadt sowie in die angrenzende Bebauung.

Nach Zeugenaussagen konnten einige Menschen durch Mauerdurchbrüche in den Kellern geschlossener Häuserzeilen in unversehrte Häuser und Stadtteile fliehen, andere fanden durch die Gewölbe unterhalb der Altstadt ins Freie auf die Elbwiesen. Etwa 1000 Menschen überlebten den Angriff in der Annenkirche. Viele sind jedoch auf der Flucht an Brandgasen erstickt. Familien wurden im Chaos auseinandergerissen. Überlebende, die in Bunkern und Kellern ausgeharrt oder den Weg ins Freie gefunden hatten, wurden traumatisiert. Tausende Menschen flohen noch während der ersten Angriffswelle in weniger betroffene Stadtteile oder in das Umland.

Die genaue Zahl der Opfer ist ungewiss. Sie reichen (Angaben von rechtsradikaler Seite) von rund 350.000 Toten In jüngerer Zeit sind die Opferzahlen auf 22.700, höchstens 25.000 korrigiert worden. Angeblich geht die falsche Opferzahl auf eine Fälschung der Nazis selber zurück: Ihr sei einfach eine Null hinzugefügt worden, um Stimmung gegen die Alliierten zu machen. 60 Prozent des Stadtgebietes waren von den Angriffen schwer betroffen, 15 km² ausgehend von der Innenstadt wurden total zerstört; Stadtteile im Norden und Nordwesten waren dagegen wenig betroffen. Auch etwa 40 Juden starben im Dresdner „Judenhaus“ durch Bomben, während andere trotz Nutzungsverbots in Luftschutzräumen überlebten.

Unter den Westalliierten war das Area Bombing der RAF in den letzten Kriegsmonaten 1945 umstritten. Besonders nach den Februarangriffen auf Dresden drängte die US-Militärführung die Briten dazu, diese Taktik aufzugeben. Doch die RAF war überwiegend für Flächenbombardements ausgerüstet und ausgebildet.

Historiker diskutieren bis heute, ob diese Flächenbombardements militärisch notwendig und zweckmäßig waren und ob sie als Kriegsverbrechen zu werten sind.

Dresden, Bombardierung vom 13. – 15. Februar 1945

Juncker hat mich mit seinen Ansagen erschreckt.

Jean-Claude Juncker (*1954) ist ein luxemburgischer Politiker der Christlich-Sozialen Volkspartei (CSV/PCS) und seit dem 1. November 2014 Präsident der Europäischen Kommission. Von 1989 bis 2009 war er Finanzminister und von 1995 bis Dezember 2013 Premierminister Luxemburgs sowie von 2005 bis 2013 Vorsitzender der Euro-Gruppe.

Juncker wird einiges vorgeworfen, aber das scheint nicht seine Rücktritts-Absichten, besser gesagt „keine Wiederwahl-Gedanken“ beeinflusst zu haben. Angeblich hat er Honorare für Reden auf Messen und vor Industrieverbänden bezogen, ohne über die Höhe dieser Einnahmen Rechenschaft abzulegen. Nach Angaben von Juncker seien allerdings alle Rednertätigkeiten ordnungsgemäß beim Europäischen Parlament deklariert und zudem in ihrer Zahl sehr überschaubar. Aus einigen Ländern kamen Vorwürfe, dass es zu einer Marginalisierung der Klimapolitik gekommen sei. Am meisten schadete ihm wohl sein Verhalten, das unter Luxemburg-Leaks bekannt wurde. Das Großherzogtum Luxemburg habe in der Amtszeit von Jean-Claude Juncker seit 2002 komplizierte Steuerabkommen zwischen mehr als 340 internationalen Konzernen und Luxemburg abgeschlossen, welche Hunderte Milliarden Euro durch Luxemburg schleusten und damit Steuern in Milliardenhöhe verloren gingen. Am 1. Januar 2017 warf der Guardian Juncker aufgrund von “German diplomatic cables” vor, dass er als Premierminister insgeheim Anstrengungen der EU durch Vetos blockiert hatte, Steuervermeidung durch multinationale Konzerne anzugehen.

Juncker meint, dass er bei den nächsten EU Wahlen nicht mehr antreten will. Ist es Resignation aufgrund der vielen offenen Probleme oder ist es ein Weckruf für die Europäer? Die EU-Wahlen sind noch weit weg. Es gäbe objektiv keinen Grund dafür, dass ein Kommissionschef so frühzeitig Amtsmüdigkeit signalisiert und damit Spekulationen über einen frühzeitigen Abgang und einen Nachfolger in Gang setzt. Die nicht enden wollende „Multikrise“ in der Union seit 2008 hat ihm zugesetzt. Die Union gerade befindet sich gerade in der kritischsten Phase ihrer Geschichte: In den USA trat ein deklariert EU-skeptischer Präsident, der den Euro kippen will, sein Amt an. Die Lage mit Russland und der Türkei hat sich nicht gebessert. Großbritannien wird in wenigen Wochen offiziell den EU-Austrittsantrag stellen. Und die EU-27 sind durch wichtige Wahlen in den drei Gründerländern Niederlande (Mitte März), Frankreich (April) und Deutschland (im Herbst) kaum handlungsfähig. Außerdem könnten bei diesen Wahlen die Rechtspopulisten Chancen haben, zu gewinnen, die allesamt nationalistische Ziele vertreten und einen Austritt aus der EU popagieren. Dazu kommen die Probleme Griechenlands – es droht wieder einmal die Pleite des Landes, und damit verbunden eventuell ein Grexit. Die Visegrad-Staaten blockieren eisern eine sinnvolle Flüchtlingspolitik. Unsicherheit überall.

Woran krankt Europa; und was könnte eintreten könnte, wenn die Regierungen und Bürger der Union nicht bald realisieren, dass die Gemeinschaft als solche auf dem Spiel steht: EU ade! Juncker geht nicht nur vom Brexit aus, er befürchtet gerade durch diesen den weiteren Zerfall der Gemeinschaft. London, so seine Botschaft, werde mit aller Macht versuchen, im Zuge der Austrittsverhandlungen auch noch die Rest-EU zu spalten. Im Tandem mit der US-Regierung in Washington wird die britische Regierung mit Angeboten und Drohungen gegenüber einzelnen EU-Staaten vorgehen. Irland voran, aber auch einige andere enge Partner müssen sich wappnen.

Noch mehr aber irritiert den Vertreter eines geeinten, versöhnten und politisch integrierten Europa, dass „seine“ Regierungschefs in der Tafelrunde bei den EU-Gipfeln ihn und die Kommission, das Gemeinsame, permanent hängenlassen. Statt sich darauf zu konzentrieren, wie man sich als Union aus der Misere herausarbeitet, statt den „EU-Zerstörern“ konstruktiv etwas entgegenzusetzen, setzten immer mehr Länder auf Egoismus und Nationalismus.

Aber im Vergleich mit den USA hat die EU bei aller Kritik an ihren strukturellen, politischen und organisatorischen Schwächen zumindest ein Gutes: Ein derart abrupter und zugleich absurder Wechsel in der globalen Positionierung, wie ihn die USA unter Präsident Donald Trump vornehmen, ist in der Union undenkbar. Da gibt es neben noch 28 gleichberechtigten Regierungschefs, die selten einer Meinung sind, noch mehrere EU-Präsidenten und 751 Parlamentarier, die mitreden wollen. Entsprechend schwierig ist aber die Willensbildung. Trump meint (derzeit), dass er nach Großbritannien weitere EU-Austritte erwarte. Der US-Präsident will die Union kaputt sehen. Also entsendet er einen US-Botschafter in die EU, der offen sagt, dass bilaterale Arbeit mit EU-Staaten oft viel besser sei als die Kooperation mit der Union – zum Vorteil und Profit der USA.

Nun müssen die EU-Länder ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen, an Kooperation und Partnerschaft als Politikprinzip festhalten, auch in den internationalen Organisationen. Sie müssen aber auch ihre Nationalisten und Spaltpilze im Inneren deutlicher bekämpfen, zusammenrücken, die Gemeinschaft sogar weiter integrieren, Schritt für Schritt. Zu Grundwerten stehen, vereint marschieren, vereint schlagen! – Das ist der einzige Erfolgsweg bei einem eitlen oberflächlichen Übermachttypen wie Trump.

Am 27. März 1957 erfolgte die Unterzeichnung der ersten europäischen Verträge in Rom. Es gibt bereits einen zivilgesellschaftlichen Aufruf, die EU auf starken Fundamenten wiederzugründen, eine EU für Gemeinwohl, Sicherheit und Demokratie. Dem kann ich mich anschließen!

Juncker hat mich mit seinen Ansagen erschreckt.

Der Fuchs, der Jäger und das Glockenspiel

oder „unsere Sorgen möchte ich haben…“

Das sind die Fakten: In Limburg (noch bekannt ob seines „Luxus-Bischofs“) gibt es in Glockenspiel im Rathausturm. 33 Lieder sind im Repertoire. Eines davon ist das alte Kinderlied: „Fuchs, du hast die Gans gestohlen“. Eine Veganerin, die in der Nähe des Rathauses arbeitet, hörte diese Melodie – und bei ihr rief diese Melodie den Text des Kinderliedes in Erinnerung:

„Fuchs, du hast die Gans gestohlen, gib sie wieder her!/Sonst wird dich der Jäger holen, mit dem Schießgewehr.
Eine große, lange Flinte, schießt auf dich den Schrot,/dass dich färbt die rote Tinte und dann bist du tot.
Liebes Füchslein, lass dir raten, sei doch nur kein Dieb. Nimm, du brauchst nicht Gänsebraten, mit der Maus vorlieb.“
Der Liedtext von Ernst Anschütz wurde 1824 unter dem Titel „Warnung“ veröffentlicht.

Sie habe aus Gründen des Tierschutzes gegen das Erklingen der Melodie des Kinderliedes protestiert. Es sei nicht der Gans-Diebstahl gewesen, der die Frau an dem Lied geärgert habe. Vielmehr traf sie die im Liedtext geäußerte Drohung: „Sonst wird dich der Jäger holen, mit dem Schießgewehr …“

Der Bürgermeister wollte „nur nett sein“ Er habe der Limburgerin daraufhin „unspektakulär einen Gefallen erweisen wollen“, zumal sie freundlich angefragt habe. Die freundliche Dame hat leider übersehen, dass das Lied als Warnung gegenüber dem Fuchs zu interpretieren ist, um ihn vom nochmaligen Raub einer Gans abzuhalten, denn sonst …..

Auch die Stadt legt Wert auf die Feststellung:  Der Bürgermeister habe lediglich nett sein wollen und es handele sich um ein vorübergehendes Entgegenkommen – ohne ideologischen Hintergrund. Beim nächsten Wechsel in der Glockenspiel-Rotation werde „Fuchs, Du hast die Gans gestohlen“ wieder aufgenommen. Der Fuchs hat nur Schonfrist, meinte der Bürgermeister. „Fuchs, du hast die Gans gestohlen“ war übrigens nicht von Beginn des Glockenspiels dabei. Es löste „Horch, was kommt von draußen rein“ ab – laut Stadtverwaltung aber nicht, weil es schon gegen dieses Lied Beschwerden gegeben hätte.

Die Tierrechtsorganisation PETA (People for the Ethical Treatment of Animals, „Menschen für den ethischen Umgang mit Tieren“, nach eigenen Angaben: mehr als drei Millionen Unterstützer, weltweit die größte Tierrechtsorganisation) äußerte vollstes Verständnis für die Maßnahme und bat den Bürgermeister, das Lied dauerhaft aus dem Programm zu nehmen. PETA teilte dazu mit: „Altertümliche Lieder wie dieses oder auch Märchen wie „Rotkäppchen und der böse Wolf“ sind leider noch immer weit verbreitet und senden vor allem an Kinder ein falsches Zeichen, indem sie ein schlechtes Licht auf bestimmte Tiere werfen.“ Die Jagd auf Füchse sei unnötig und grausam. Mir sagte ein passionierter Jäger, dass Füchse, da sie ja schädigen, jederzeit und überall abgeschossen werden dürfen.

Aber es gibt noch weitere Klagen:

Ausgerechnet an einem Geldschein – der neuen Fünf-Pfund Note“ haftet ein Hauch von totem Tier. Deswegen hat die Bank of England, die Zentralbank des Vereinigten Königreichs, gerade Ärger mit britischen Vegetariern und Veganern. Der neue Fünf-Pfund-Schein, der seit September im Umlauf ist und aus Kunststoff besteht, „enthält eine Spur von Talg“, wie die Bank of England am Montag auf ihrer Twitter-Seite gestand. Eine Veganerin hatte die Zentralbank gefragt, ob es stimme, dass die Banknote das tierische Fett enthält.

Der Fünf-Pfund-Schein aus Plastik soll fälschungssicherer und stabiler als der Vorgänger aus Papier sein und auch den ein oder anderen Waschgang überleben. Weil er im Schnitt zweieinhalbmal länger lebe als Papiergeld, sei der Plastikschein besonders umweltfreundlich.

Umweltfreundlich vielleicht, tierfreundlich anscheinend weniger. Denn damit der Schein glänzt und die Oberfläche Wasser und Schmutz besser abweist, enthält der Kunststoff Talg, der aus dem Fett von geschlachteten Tieren gewonnen wird. Das gilt aber auch, wenn im kommenden Jahr der Zehn-Pfund-Schein und von 2020 an auch der Zwanziger auf Kunststoff umgestellt werden sollen.

Dementsprechend wütend zeigen sich britische Vegetarier und Veganer. Es sei „schockierend“ und „lächerlich“, Geld aus tierischen Produkten herzustellen, hieß es in den Kommentaren auf Twitter. Eine Online-Petition, die sich gegen den Talg auf britischem Geld ausspricht, läuft. Wie diese Vegetarier und Veganer besänftigt werden sollen, wollte die Bank of England nicht verraten. Die rumänische Zentralbank, die schon länger Geld aus Plastik ausgibt, antwortete erst gar nicht auf die Frage, ob ihre Scheine tierische Fette enthalten. Vielleicht heizt das die Debatte um die Abschaffung des Bargeldes weiter an.

Es wird heute gegen Massentierhaltung, Pelztierhaltung, Tierversuche, Fleischindustrie und Tiere in der Unterhaltungsindustrie sowie gegen Angeln, Trophäenjagd, Tötung von Tieren, die als Schädling (also z.B. auch der Fuchs) betrachtet werden, Hunde- und Hahnenkämpfe gekämpft. Die kontroversen Kampagnen, die dazu eingesetzt werden, rufen teilweise heftige Kritik hervor.

Viele Menschen in der westlichen Welt haben noch keine Hungersnot erlebt, wie sie alte Menschen hier, oder Bewohner von anderen Kontinenten kennen, daher haben sie Zeit und Geld, sich vegan oder vegetarisch zu ernähren. Es sei ihnen unbenommen, aber fanatischer Kampf gegen jene, die halt noch immer gern ein Stück Fleisch essen, ist einfach intolerant und auch nicht zu tolerieren.

Der Fuchs, der Jäger und das Glockenspiel

Des einen Leid – des anderen Freud: Gedenktage in Israel-Palästina

2017 ist ein Gedenkjahr:

Es sind 100 Jahre seit der Balfour Erklärung vergangen. Im Grunde ging es damals weder um Juden oder Palästinenser, es ging um die Machtansprüche Frankreichs und Englands. Um den zu erwartenden Druck der Franzosen für eine internationale Verwaltung nach der Eroberung von Palästina abzuwehren, veröffentlichte die britische Regierung ihre zionistischen Pläne. Am „. November 1917 erklärte sich Großbritannien  einverstanden mit dem 1897 festgelegten Ziel des Zionismus, in Palästina eine „nationale Heimstätte“ des jüdischen Volkes zu errichten. Dabei sollten die Rechte bestehender nicht-jüdischer Gemeinschaften gewahrt bleiben. Zum damaligen Zeitpunkt befand sich Palästina noch im Machtbereich der Osmanen. Die damalige britische Regierung unter Lloyd George versprach sich von der Zusage an die zionistische Bewegung Vorteile in der Mobilisierung zusätzlicher Ressourcen während des Krieges und auch langfristige strategische Überlegenheit.

Anfang Dezember 1917 zogen sich die Türken aus Jerusalem zurück und Allenbys Truppen konnten Jerusalem kampflos einnehmen. Vorausahnend, dass die Franzosen versuchen würden, sich in die Verwaltung der Heiligen Stadt einmischen, befahl die britische Regierung Allenby, alle derartigen Versuche abzuwehren, während Palästina noch Kampfgebiet war, aber dennoch den Eindruck zu vermeiden, dass eine Annektierung geplant wäre. Am 11 Dezember 19017 betrat Allenby die Stadt zu Fuß durch das Jaffa Tor.

Seit 1922 hatte der Völkerbund die Schaffung einer nationalen Heimstätte für Juden („Jewish National home“) in Palästina im Völkerbundmandat für Palästina festgeschrieben. Verschiedene zionistische Organisationen, darunter die Jewish Agency, forderten dann, nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Holocaust, verstärkt einen eigenen Staat in Palästina.

Arabische Interessenvertreter hingegen  favorisierten einen gemeinsamen Staat, der größere arabische Bevölkerungsanteile gehabt hätte, oder – im Falle einer Teilung – die Sicherung eines zum Bevölkerungsanteil proportionalen Teils des wirtschaftlich interessanten Gebiets. Weil es der Mandatsmacht Großbritannien nicht gelungen war, eine sowohl für den jüdischen als auch den arabischen Bevölkerungsteil annehmbare Lösung zu finden, beschloss die britische Regierung am 14. Februar 1947, das Palästinaproblem den Vereinten Nationen zu übergeben.

  1. November 1947, vor 70 Jahren, wurde die Resolution 181 (II) umgesetzt, sie enthielt im Wesentlichen die Vorschläge des Mehrheitsplans zur Teilung des Landes. Die Resolution sah für beide Seiten demokratische Verfassungen vor, die das allgemeine Wahlrecht, die Respektierung der Menschen- und Bürgerrechte, den Schutz der heiligen Stätten aller in Palästina vorhandenen Religionsgemeinschaften und vor allem den Schutz der nationalen und der religiösen Minderheiten in dem jüdischen und dem arabischen Staat enthalten sollte.

Die Palästinenser sehen in dem Trennungsplan von 1947 den Auslöser der Naqba, der Vertreibung von 750 000 Palästinensern ins Exil. Die Juden sehen endlich die Möglichkeit zur Gründung eines eigenen Staates, der dann 1948 erfolgte.

1967 – also vor 50 Jahren – kam es zum 6-Tage Krieg. 1967 bereiteten mehrere arabische Staaten unter Führung des ägyptischen Präsidenten Gamal Abdel Nasser einen Angriff auf Israel vor. In einem präventiven Angriff der Israelischen Armee wurden die arabischen Armeen vernichtend geschlagen. Nach einem Waffenstillstandsabkommen mit Ägypten kam es an der syrischen Front zu einer schnellen Eroberung der strategisch wichtigen syrischen Golanhöhen. Jordanien, das im Glauben an einen leichten Sieg in Israel einfiel, wurde weit zurückgedrängt und verlor dadurch den östlichen Teil Jerusalems und das Westjordanland.

Die Palästinenser sehen darin die israelische Besetzung des Westjordanlandes, einschließlich Ostjerusalems, Gazas und des syrischen Golan. Es kam zu einer neuerlichen Auswanderung/Vertreibung von Palästinensern. Die Israelis feierten eine großen Sieg, und vor allem die Rückeroberung ihrer Heiligen Stätten in Jerusalem.

Die Khartum-Resolution vom 1. September 1967 wurde nach einem Treffen der Führer acht arabischer Staaten nach dem Sechstagekrieg verabschiedet. Sie bestimmte die Basis der Außenpolitiken dieser Staaten bis zum Jom-Kippur-Krieg im Jahre 1973. Sie enthielt in ihrem dritten Absatz Bestimmungen, die als die „drei Neins“ bekannt wurden: Kein Frieden mit Israel; keine Anerkennung Israels; keine Verhandlungen mit Israel.

Nach dem Sechs-Tage-Krieg verübte die Fatah eine Reihe von Anschlägen gegen Israel. Der oft benutzte Slogan arabischer Organisationen, die „Juden ins Meer zu treiben“, hielt das große Misstrauen Israels gegenüber den Arabern aufrecht. Nach den verschiedene Terroranschlägen, nicht nur gegen Israel, mussten die PLO und verschiedene bewaffnete palästinensische Widerstandsbewegungen ihre Basen in den Libanon und nach Syrien verlegen.

1987 – hiermit vor 30 Jahren -kam es zur Ersten Intifada. Gewaltsam eskalierte der Konflikt seit dem Ausbruch der ersten Intifada 1987, einem Aufstand der Palästinenser in den israelisch besetzten Gebieten. Im so genannten „Krieg der Steine“, der bis 1991 dauerte, kam es immer wieder zu Zusammenstößen zwischen der israelischen Armee und aufständischen Palästinensern.

Davon halt wohl keine der beiden Seiten profitiert

Und nun kommt – 2017 – das Gesetz, das es dem Staat Israel ermöglicht, privates Land im Westjordanland zu beschlagnahmen um darauf Siedlungen zu errichten. (siehe meinen Blogbeitrag vom 2.7.: ein Requiem für zwei Staaten)

Über eine gemeinsame Geschichtsauffassung wird man sich in Zukunft nicht so leicht einigen können.

Des einen Leid – des anderen Freud: Gedenktage in Israel-Palästina

Cash in mit Adele

Adele Bloch-Bauer wurde mehrmals von Gustav Klimt porträtiert . Die Bilder hingen in der Wohnung von Adele und ihrem Mann, in der Elisabethstr. 18, dem Industriellen Ferdinand Bloch-Bauer.

Adele starb 1925, in ihrem Testament legte sie fest, ihr Mann möge später die Klimt-Gemälde der Österreichischen Staatsgalerie im Belvedere vermachen. Als er 1938 emigrieren musste, ließ er sein Vermögen und auch die Bilder zurück, die Nazis konfiszierten beides. Ferdinand Bloch-Bauer starb 1945 in Zürich, vor seinem Tod widerrief er alle Schenkungen an österreichische Museen. Doch die Bilder blieben im Belvedere.

Nach dem Beschluss des Restitutionsgesetzes 1998 suchte Maria Altmann, eine Nichte der Familie Adele und Ferdinand Bloch-Bauer, um Rückgabe ihres Erbes an. Maria Altmann war neun Jahre alt, als ihre Tante starb. Die zuständige Ministerin lehnte das ab, indem sie sich auf den letzten Willen Adeles berief.

Maria Altmann war eine Vorkämpferin der Restitution. Bis jetzt wurden 36 Bilder an die Familie Altmann zurückgegeben.

2006 entschied ein Schiedsgericht für die Restitution, so wurden am 14. Februar fünf Klimt-Gemälde, darunter zwei Porträts von Adele Bloch-Bauer, zu Maria Altmann nach Los Angeles gebracht(die anderen waren Apfelbaum, Buchenwald/Birkenwald und Häuser in Unterach am Attersee).

Ursprünglich war es nämlich, laut Aussagen von Maria Altmann, ihre Intention gewesen, die Bilder in der Österreichischen Galerie Belvedere zu belassen, wohin sie, wie Adele Bloch-Bauer in ihrem Testament erbat, nach dem Tod ihres Gatten hätten gelangen sollen. Die hartnäckige Weigerung Österreichs, darüber zu verhandeln, ließ sie ihre Intentionen ändern.

Nach der Rückgabe der Kunstwerke wurde die Bitte um eine Leihgabe von ihrem Anwalt jedoch negativ beschieden. Dagegen bot Maria Altmann dem österreichischen Staat ein Vorkaufsrecht an. Die Kunstwerke sollten einen Schätzpreis von etwa 250 Millionen Euro besitzen. Nach Maria Altmanns Wunsch sollten die Bilder auch nach einem Verkauf der Öffentlichkeit zugänglich sein. Man habe den Erben, so meint das Auktionshauses, zur öffentlichen Versteigerung geraten – mit dem erklärten Ziel, die Bilder in „superben Sammlungen“ zu platzieren.

Vier Monate später berichteten Zeitungen, dass der Unternehmer Ronald S. Lauder das berühmtere der beiden Bilder („Adele Bloch-Bauer I“, auch „Goldene Adele“) um angeblich 135 Millionen Dollar gekauft haben soll. Das wäre der höchste bekannte Preis, der bis dahin für ein Gemälde bezahlt wurde. Bestätigt ist das nicht, das Bild hängt aber seither in der von Lauder mitgegründeten Neuen Galerie in Manhattan.

„Adele Bloch Bauer II“ wurde im November 2006 bei Christie’s um ca. 88 Millionen Dollar versteigert. Wer das Bild gekauft hat, blieb damals geheim. Nun weiß man: Es war die Talkshow-Moderatorin Oprah Winfrey. Sie hat jetzt das Bild um 150 Millionen Dollar an einen chinesischen Käufer verkauft.

Michael Kimmelman, der einflussreiche Kunstkritiker der New York Times, meinte „Wie traurig, wenngleich nicht überraschend, ist es zu hören, dass die Erben von Ferdinand und Adele Bloch-Bauer tatsächlich Kasse machen (cahing in) wie geplant und die vier Klimts verkaufen. Eine Geschichte der Gerechtigkeit und Einlösung  nach dem Holocaust ist nun doch in eine weitere Fabel über den verrückten, berauschenden Kunstmarkt übergegangen.“ Und Kimmelman fährt fort: „Wäre es nicht bemerkenswert gewesen (ich träume hier nur), wenn die Erben sich statt dessen entschlossen hätten, eines oder mehrere der Gemälde einer öffentlichen Institution zu stiften? Oder, mangels dessen, einen privaten Verkauf an ein Museum auszuhandeln, zu einem Preis unterhalb der Schätzungen des Auktionshauses zwischen fünfzehn und sechzig Millionen Dollar?“

Kimmelman weist auf das Verdienst der Museen hin, den Klimt-Bildern noch mehr Prestige und Beachtung eingebracht zu haben, und sein geschulter Blick gilt vor allem dem wunderschönen „Birkenwald“ (oder auch „Buchenwald“) aus dem Jahr 1903 (der jetzt auf zwanzig bis dreißig Millionen Dollar geschätzt ist): Ihn wünschte er sich am meisten von den Erben in öffentliche Hände übergeben und befindet, dass sie so „die Rechtschaffenheit ihrer Schlacht um die Restitution unterstrichen“ hätten und zudem klargestellt, dass „Kunst, selbst in diesen geldversessenen Tagen, nicht nur von Geld handelt“.

Ich kann mich der Meinung Kimmelmans nur anschließen. Für mich als Österreicherin sind Restitutionen noch immer „Verluste“, vor allem wenn die Kunstwerke aus Museen, wo sie allen Menschen zur Verfügung stehen, letztlich in private Sammlungen gehen, weil – wie Kimmelman schreibt, diese so genannten Erben, hauptsächlich an „cashing in“ interessiert sind. Wenigstens Adele I, unsere Goldenen Adele, kann in New York , im Museum deutscher und österreichischer Kunst, die „Neue Galerie“ von Ronald Lauder besichtigt werden.

Cash in mit Adele