Die Zeit der Abschlüsse der Römischen Verträge 1957

Am 25. März 1957 wurde die EWG (Europäische Wirtschaftsgemeinschaft) mit der Unterzeichnung der Römischen Verträge durch Belgien, Frankreich ,Italien, Luxemburg, die Niederlande und die Bundesrepublik Deutschland gegründet. Ziel war die Förderung der gemeinsamen Wirtschaftspolitik im Rahmen der europäischen Integration. Die Idee zur Schaffung eines Gemeinsamen Marktes reicht bis in die Zeit der gescheiterten EVG (Europäische Verteidigungsgemeinschaft) -Verträge 1952 zurück. Verschiedene europäische Politiker waren maßgeblich an der Wiederbelebung des europäischen Gedankens beteiligt. Sie sahen die beste Möglichkeit der europäischen Kooperation auf wirtschaftlichem Gebiet. Die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl, kurz offiziell EGKS, oft auch Montanunion genannt, war ein europäischer Wirtschaftsverband und ein Vorläufer der EWG. Der EGKS-Vertrag ging auf den Schuman-Plan, eine Initiative des französischen Außenministers Robert Schuman, zurück, in der er dem deutschen Kanzler Konrad Adenauer einen Vorschlag machte, dem dieser sofort zustimmte. Man wollte die kriegsnotwendigen Basismaterialien gemeinsam nutzen und so auch er Aufrüstung einzelner Staaten einen Riegel vorschieben und zukünftige Kriege vermeiden.

Da Ende des Zweiten Weltkriegs lag gerade 12 Jahre zurück. Österreich ist erst 1955 frei geworden. Es tritt jetzt erst dem Europarat bei.  Dennoch bleibt Russland eine gefürchtete Bedrohung, wenn auch in der Sowjetunion die von Parteichef Nikita Chruschtschow verfolgte außenpolitische Linie gebilligt wird, durch friedliche Koexistenz der Systeme die Entscheidung zwischen Kapitalismus und Sozialismus zu suchen; am folgenden Tag kritisiert Chruschtschow offen die Verbrechen der Stalinära und leitet damit die Entstalinisierung ein.

Erst in dieser Zeit beginnt die Entkolonialisierung Früchte zu tragen: Marokko und Tunesien z.B. erlangen ihre Unabhängigkeit von Frankreich.

Aber schon wieder kommt zu einer neuen Krise, der Suezkrise. Das war ein Konflikt im Oktober 1956 zwischen Ägypten auf der einen Seite und Großbritannien, Frankreich und Israel auf der anderen Seite. Auslöser war die Verstaatlichung der mehrheitlich britisch-französischen Sueskanal-Gesellschaft durch den Präsidenten Ägyptens, Gamal Abdel Nasser. Dieser wollte dadurch das formal souveräne Ägypten aus der britischen Einflusssphäre befreien. Für Großbritannien hatte der Suezkanal große Bedeutung für die Erdölversorgung. Nach ergebnislosen internationalen Verhandlungen über die Nutzungsrechte am Sueskanal vereinbarten Frankreich und Großbritannien, den Präsidenten Ägyptens, Gamal Abdel Nasser, zu stürzen. Frankreich war durch die ägyptische Unterstützung der algerischen Befreiungsbewegung FLN motiviert, die gegen die französische Kolonialherrschaft kämpfte. Israel wollte sich aus der arabischen Umklammerung und von andauernden Grenzgefechten mit den Palästinensern befreien. Nach dem Angriff der drei Staaten auf Ägypten brachten die USA und die Sowjetunion das anglo-französische Unternehmen vor die UNO und erzwangen auf diesem diplomatischen Weg den Rückzug der französischen, britischen und israelischen Truppen aus den Gebieten, die sie in Ägypten besetzt hatten. Im Dezember 1956 wurde eine UN-Friedenstruppe an die israelisch-ägyptische Grenze verlegt, im März 1957 die Krise beigelegt. Der geplante Sturz Nassers und ein Regimewechsel waren nicht erreicht worden.

Parallel zu diesen Ereignissen und damit auch in deren Schatten bricht in Ungarn im Oktober 1956 ein Aufstand aus. Es wurde eine Mehrparteienregierung gebildet und diese forderte die parlamentarische Demokratie sowie die Neutralität Ungarns. Ungarn erklärte unter der revolutionären Regierung Imre Nagys seinen Austritt aus dem Warschauer Pakt. Der Aufstand wurde jedoch durch die sowjetische Armee blutig niedergeschlagen. Österreich fühlte sich außerordentlich bedroht. Viele Ungarn verließen das Land, sie kamen zuerst nach Österreich und emigrierten nach Westeuropa oder Nordamerika.

Fidel Castro landet im Osten der Insel Kuba und beginnt seinen Guerillakrieg gegen den Diktator Fulgencio Batista. Das englische Kernkraftwerk Calder Hall wird als erste kommerziell genutzte Anlage eröffnet. Der Bayrische Rundfunk strahlt den ersten Werbespot – für Persil – im deutschen Fernsehen aus. Bei der ersten Dartmouth-Conference prägte John Mc-Carthy den Begriff „artificial intelligence“ („Künstliche Intelligenz“), jetzt eine Basis von Industrie 4.0

In Reaktion auf die Suezkrise  im Jahr zuvor verkündet US-Präsident Dwight D. Eisenhower am 5. Januar 1957 die Eisenhower-Doktrin, wonach die USA alle Länder im Nahen Osten mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln verteidigen werden, falls diese einer Aggression des internationalen Kommunismus anheimfallen sollten.

Die Konfrontation der Supermächte gewinnt in diesem Jahr erneut an Brisanz, als die Sowjetunion am 26. August 1957den Start ihrer ersten Interkontinentalrakete bekannt gibt und Wochen später, am 5. Oktober, den ersten künstlichen Erdsatelliten, genannt Sputnik, in die Erdumlaufbahn bringt. Damit ist klar, dass die sowjetischen Truppen künftig an jeden beliebigen Punkt der Erde Atomsprengköpfe transportieren können. Diese Tatsache und das Gefühl der Unterlegenheit löst vor allem in den USA und der übrigen westlichen Welt den nachhaltigen Sputnikschock aus.

In Algerien kann die französische Armee in der Schlacht von Algier enorme Erfolge gegen die aufständische FLN erzielen. Die Konfrontation wird zum Wendepunkt des seit 1954 geführten Algerienkrieges: das brutale Vorgehen der Fremdenlegion und der Fallschirmjäger und die systematische Verletzung der Menschenrechte wie Massenverhaftungen, Folter und Verschwindenlassen schockiert nicht nur die französische Öffentlichkeit, sondern führt zu einer weltweiten Sympathiekundgebungen für die algerischen Nationalisten, die als Vorkämpfer für die Befreiung von Kolonialismus und Imperialismus angesehen werden.

In den USA kommt es im September, drei Jahre nach der offiziellen Aufhebung der Rassentrennung durch den Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten, in den Südstaaten zu einer schwerwiegenden Konfrontation, als der Gouverneur des Bundesstaates Arkansas neun schwarze Schüler am Betreten der Central High School in der Hauptstadt Little Rock mittels Nationalgarde hindert. Präsident Eisenhower entzieht dem Gouverneur von Arkansas die Befehlsgewalt über sämtliche Polizei- und Armeeeinheiten und entsendet Soldaten einer Luftlandedivision , um den Schulbesuch der schwarzen Schüler zu ermöglichen.

In Österreich wird 1957 zum ersten Mal die „Zeit im Bild“ ausgestrahlt .Im Februar  beginnt der Schauprozesse in Budapest gegen Beteiligte am Volksaufstand in Ungarn vom Oktober 1956. In der Volksrepublik China hält Mao Zedong seine Rede Zur Frage der richtigen Behandlung von Widersprüchen im Volk, es beginnt die Hundert-Blumen-Kampagne. In Kairo beschließen die Staatschefs von Ägypten, Jordanien, Syrien und Saudi-Arabien eine Politik der „aktiven Neutralität“ und erteilen damit Einmischung durch andere Staaten, wie sie in der Eisenhower-Doktrin angestrebt wird, ein Absage. Die Vereinigten Staaten geben bekannt, dass ihre in der Bundesrepublik Deutschland stationierten Truppen über Kernwaffen verfügen.

1957 stand Europa somit vor ganz anderen Herausforderungen als 2017. Damit sind gerade nun bei einem Umbau der EU ganz andere Anforderungen und Grundsätze zu berücksichtigen. Der Friede ist aber noch immer bedroht.

Die Zeit der Abschlüsse der Römischen Verträge 1957

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s