laetare – „freue dich“

 

Laetare ist das heutige Moto der  christlichen Kirchen. Laetare („freue dich!“) ist der nach dem Anfangswort des Introitus in der römisch-katholischen und evangelisch-lutherischen Liturgie benannte vierte Fastensonntag oder vierte Passionssonntag. Der gesamte Text lautet: „Freut euch mit Jerusalem! Jubelt in der Stadt, alle, die ihr sie liebt. Seid fröhlich mit ihr, alle, die ihr über sie traurig wart. Saugt euch satt an ihrer tröstenden Brust, trinkt und labt euch an ihrem mütterlichen Reichtum!“ In der römisch-katholischen Kirche wird Laetare umgangssprachlich zuweilen auch „Rosensonntag“ genannt, da an diesem Tag vom 11. bis zum 19. Jahrhundert die Goldene Rose (Tugendrose) gesegnet wurde, die der Papst einer Person oder Institution verlieh, die sich um die Kirche besonders verdient gemacht hatte. Regional wird Laetare auch „Todsonntag“ genannt, was auf den Brauch des allegorischen Todaustragens von Winter und Sommer zurückgeht, bei dem der Sommer gewinnt.

Das Feuer, Symbol der Sonne, des kommenden Sommers, soll die Natur wecken, Fruchtbarkeit bewirken. Das Scheibenschlagen ist heute noch üblich: Glühende Holzscheiben oder brennende Karrenräder wurden von einem Hügel oder Berg ins Tal laufen gelassen. Funkenschlagen, das Schwenken einer mit Stroh umwickelten brennenden Stange, hatte den gleichen Sinn. Beim Saatgang zog man mit brennenden Fackeln durch die Felder. Fackelschwingen oder Fackelwettrennen waren üblich. Laetare hieß in England zu Zeiten von Heinrich III. (1216–1239) „Mothering Sunday“, ein Tag, an dem der „Mutter Kirche“ für ihre Mutterschaft gedankt wurde. Zu diesem Feiertag der Kirche gehörte es schon damals, dass auch gegenüber der leiblichen Mutter an diesem Tag Dank ausgedrückt wurde – ein Vorläufer des heutigen „Muttertages“.

Aber jetzt abgesehen, von all den Bräuchen: haben wir nicht hier in Österreich Grund zur Freude? Der Frühling kommt, der Himmel ist blau und allenthalben sprießt es grün und bunt. Wir leben in einer funktionierenden Demokratie. Ja, sicher, die Koalitionspartner streiten über Petitessen, aber im Grunde funktioniert unsere Demokratie. Wir sind ein wohlhabendes Land, die Aussichten der Wirtschaftsentwicklung haben sich gebessert, ja, sicher, wir haben eine viel zu hohe Arbeitslosigkeit, aber gehen wir davon aus, dass sich das durch den Wirtschaftsaufschwung verbessert. Wir haben ein Bildungssystem, das den Kindern im Land eine gute Ausbildung gewährleistet. Werden wir nicht von anderen für unser duales Bildungssystem beneidet? Sind Fachkräfte von uns nicht im Ausland gefragt? Ja, sicher, unser Bildungssystem ist eine permanente Baustelle, aber muss sich das Bildungssystem nicht laufend den gesellschaftlichen Gegebenheiten anpassen? Ja, es harren viele offenen Frage einer Lösung, aber sie wird immerhin angestrebt und die Verantwortlichen „raufen sich alleweil wieder zusammen“. Wir haben noch immer ein funktionierendes Pensionssystem, trotz aller Unkereien, die Pensionen werden ausbezahlt, und eigentlich sinkt der Staatszuschuss. Selbstverständlich muss endlich das Pensionsalter der Frauen jenem der Männer angepasst werden, ja sicher muss das Pensionsantrittsalter dem steigenden Lebensalter angepasst werden, das ist bei der österreichischen Mentalität schwierig, aber nach und nach, Schritt für Schritt wird uns auch das gelingen. Wir haben ein funktionierendes Gesundheitssystem für alle. Ja, die Wartezeiten in den Ambulanzen sind mancherorts unerträglich, natürlich ist es nicht zulässig, dass Patienten in Betten auf dem Gang liegen. Grad auf diesem Gebiet gibt es noch „Gleichere“, die sich eine frühere Leistung „kaufen“ können. Ja, es sollte auf die Schwere der Erkrankung ankommen, aber auch das ist bereits ein guter Vorsatz der Gesundheitsministerin. Im Moment ist auch noch die Pflege der Alten und Gebrechlichen kein Problem, dank der vielen Osteuropäerinnen, die diesen verantwortungsvollen Job ausfüllen. Sicher, es gilt auch diesbezüglich Vorsorge für die Zukunft zu treffen. Wir sind auch – bis jetzt – und dafür müssen wir nicht nur dankbar sein, sondern auch wachsam bleiben, von großen terroristischen Anschlägen verschont geblieben. Diesbezügliche Angst ist ein schlechter Ratgeber, vor der wir uns hüten müssen. Und die Integration der Flüchtlinge holpert noch, aber wir sind ja lernfähig.

Die EU wird sich längerfristig auch von dem Brexit erholen und langsam (und mühsam) wieder Fahrt aufnehmen, bei ihrer eigenen Fortentwicklung. Auch dort wird gestritten, aber es werden Kompromisse gesucht – und letztlich immer auch wieder gefunden. Es ist gut, dass Österreich jetzt versucht , Initiativen zu ergreifen, um vor allem das Flüchtlingsproblem zu lösen – vielleicht ist lösen zu viel gesagt, aber zu seiner Lösung beizutragen.

Und auch auf der internationalen Bühne wird dafür gesorgt, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Ein bissel Schadenfreude sei mir gegönnt, aber auch Trump kann nicht alle seine Anliegen durchsetzen. Erdogan ist sicher eine wachsende Bedrohung – primär für sein eigenes Volk – aber es ist noch nicht sicher, dass es am 16. April eine Zustimmung zu seine „Diktaturwünschen“ geben wird.

Ja, die Kriege in Syrien, im Irak, im Jemen wüten weiter, ein Ende ist nicht abzusehen. Auch Afghanistan wird zunehmen d unsicherer, die Warlords wittern wieder ihre Chancen und der Taliban wird wahrscheinlich wieder zunehmend Frauen unterdrücken.

Trotzdem  ist Österreich ein gutes Land, indem wir leben. Perfekt ist es nirgends. Aber es gibt Anstrengungen, es zu verbessern. Daher sollte nicht (nur) gejammert werden.

Also laetare, freue Dich!

laetare – „freue dich“

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