Trump der Präsident, der Wahlkämpfer, der Unternehmer

Ja, Trump hat es bewiesen, eine große Nation mit der stärksten Militärmacht der Welt kann ein halbes Jahr ohne einen kompetenten Führer überleben. Aber sollte eine echte Krise auftreten, ist ein instabiler, impulsiver, eitler, unsicherer Mann an der Spitze dieses Staates ein echtes Risiko. Und nicht nur für die USA, sondern für uns alle, für die ganze Welt.

Ein kleiner Vorgeschmack dessen, was da kommen könnte: Die Präsidentenfamilie (vertreten durch Jared Kushner) gegen den Außenminister Rex Tillerson. Secretary of State -also der Außenminister der USA – drang auf eine rasche Aussöhnung in der Katar-Krise, am selben Tag gratulierte Trump den Saudis und den Emiraten zu ihrer harten – aber notwendigen Haltung.

Tillerson soll getobt haben. Man geht davon aus, dass der „wahre Autor“ von Trumps Aussage der Botschafter der Vereinigten Arabischen Emirate,  Yousef Al Otaiba gewesen sein soll, ein enger Freund der Präsidentenschwiegersohns Jared Kushner. Kushner „ein nichts ahnendes Kind“ betreibt nun Außenpolitik aus dem Weißen Haus, polterte Tillerson. Otaiba ist ein Vertrauter Kushners, und Trump vertraut Kushner. Tillerson ist frustriert, sein primärer Job scheint es derzeit zu sein, Probleme, die der Präsident angerichtet hat, in Ordnung zu bringen. Und der außenpolitische Berater des Präsidenten ist ein 36jähriger Amateur: Kushner.

Ersichtlich wurde dies bei einem Treffen im Weißen Haus, als Tillerson „explodiert“ sein soll, weil er keine Leute fände, um die Posten, die das Außenministerium zu vergeben hätte, zu besetzen. Über diesen Ausbruch wären angeblich hohe Beamte im Weißen Haus einigermaßen fassungslos gewesen.

Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Trump Regierung werden diese verfahrene Situation nicht lösen können. Diese ausweglose Konfrontation wird Katar nur in die Arme Teherans treiben. Scheich al-Thani von Katar hat schon „neckisch“ vorgeschlagen, dass Trump gut beraten wäre, sich mit verschiedenen Flügeln seiner Regierung abzusprechen, besonders mit dem Außenministerium und dem Finanzministerium. Letzteres würde bereits die katarischen Bemühungen die Terrorfinanzierung einzuschränken, kontrollieren.

Gleichzeitig sind die Beschwerden der 4 Ländern, die die katarische Blockade ausführen – nämlich Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Ägypten und Bahrain – ernst gemeint und tief sitzend. Saudi-Arabien ist schon lange von Katar irritiert, da es riesige Gas-Reserven hat, die seine finanzielle Unabhängigkeit von dem Königreich gewährleisten. Die Vereinigten Emirate verübeln Katar die Unterstützung, die es der Muslim-Bruderschaft zukommen hat lassen, die gegen die herrschende Familie in Abu Dhabi konspiriert hat. Präsident Abdul Fattah al-Sisi hat die Regierung der Muslim Bruderschaft gestürzt, die sich allerdings zwei Jahre aufgrund der Zuwendungen aus Katar gehalten hatte. Und letztlich Bahrain, das schon lange Auseinandersetzungen um Land mit Katar hatte, die allerdings 1994 geregelt worden sind, hegt aber noch immer Groll gegen Katar, und wird von Riad diesbezüglich angefeuert.

Wie es derzeit aussieht, hat keine Seite vor in nächster Zeit nachzugeben. Und diese Krise führt zu einer Infragestellung der Zukunft des Golfkooperationsrates, meint der katarische Außenminister. Das hinwieder zerschmettert jegliche Träume einer sunnitisch-arabischen Einheit, die ein großes Anliegen Trumps zu sein scheint, wie er sie bei seinem Besuch in Saudi-Arabien angepriesen hat. Die Konsequenzen dieser Situation, die sich da gerade entwickelt, stellt große, aber unnötige  Herausforderungen  an Tillerson, Kushner oder sonst jemanden in der Trump Administration.

Jedenfalls fühlt sich der Präsident nicht so sehr betroffen, denn er hat entschieden, dass ihm Wahlkämpfen jedenfalls lieber ist, als ordnungsgemäß zu regieren. Schließlich will er ja wiedergewählt werden. Und mit dem Sammeln von Mitteln für diesen Wahlkampf hat er bereits begonnen. Donald Trump hält Reden, wie er sie vor dem 8. November 2016 auch schon gehalten hat: Das Versprechen amerikanischer Größe, die Rückkehr von Arbeitsplätzen, die Geißelung der Medien unter Buhrufen („extrem unehrlich“), das Lob einer „Graswurzelbewegung, wie sie die Welt nicht erlebt hat“.Trumps Botschaft „Amerika zuerst“ wird die kommenden Monate, wahrscheinlich Jahre, prägen. Am Abend gibt Trump den Volkstribun und Einheizer, am Vormittag spielt er den Retter.

Und Wahlkampf wird auch im Mar-a-Lago, dem Privatresort der Trumps, betrieben: Trumps Geschäfte mit dem Präsidenten-Bonus laufen besser denn je. Der Palast im spanischen Stil dient dem US-Präsidenten nicht nur als Winter-Residenz, er lädt dort auch zu Pressekonferenzen, empfängt Staatsbesuche und sammelt Spenden für seine Wiederwahl. Darüber hinaus ist das „Southern White House“ ein exklusiver Club für die Reichen und Schönen des Landes. Und diese freuen sich, dass sie hier seit diesem Jahr im Gegenzug für ihre stattlichen Mitgliedsbeiträge nicht nur im Luxus schwelgen dürfen, sondern auch die Chance haben, ab und an einen Blick auf den Club-Inhaber zu erhaschen, der niemand geringerer ist, als der Präsident der USA. Das hat seinen Preis. Mussten Interessenten im 2016 noch 100.000 Dollar allein für die Aufnahme in den Club berappen, ist es seit diesem Jahr das Doppelte. Nicht nur der Club profitiert und damit Inhaber Trump. Es freut auch die vielen Wohltätigkeitsvereine, die hier ihre Benefiz-Veranstaltungen ausrichten. Ihre Tickets sind viel gefragter, seitdem der Inhaber auch Präsident der USA ist – ein Pfund, mit dem die Veranstalter hemmungslos wuchern. Wer Glück hat, erwischt ein Benefizessen, bei dem der Präsident selbst spricht. Die bisherige Saison habe auch gezeigt, dass der Trump-Effekt ins Gegenteil umschlagen könne, wird berichtet. Einige Trump-Kritiker kauften zum Teil demonstrativ keine Tickets, um ihre Distanz zum Präsidenten auszudrücken. Der Anteil der Kritiker scheint jedoch deutlich kleiner als der jener, die sich durch eine potenzielle Begegnung mit dem Präsidenten angezogen fühlen.

Mar-a-Lago ist der beste Beweis, dass genau das eingetreten ist, was Wirtschaftsethiker befürchtet hatten: Donald Trumps Besitz birgt große Interessenkonflikte mit seinem Amt. Genau deshalb hatte die US-Ethikbehörde gefordert, der künftige Präsident möge sein Milliarden-Imperium verkaufen. Doch daran ist gar nicht mehr zu denken. Trump scheint im Gegenteil nichts lieber zu tun, als seinen Promi-Faktor in die Waagschale zu werfen und seinen Namen weiter zu vergolden.

Ganz klar ist mir nicht, wie die Amerikaner diesen Mann im Amt behalten wollen. Aber derzeit hat es den Anschein, dass die ihn gewählt haben, ihn noch immer lieben – selbst wenn er ihnen ihre Krankenversicherung wegnehmen will.

Trump der Präsident, der Wahlkämpfer, der Unternehmer

Meine Wiener Brunnen

Der erste Brunnen, der mir als Kind aufgefallen ist, ist der Schubertbrunnen. Der Schubertbrunnen mit der überlebensgroßen Marmorfigur eines lauschenden Mädchens wurde 1928 enthüllt. Errichtet wurde er auf Veranlassung des Wiener Schubertbundes und der Bezirksvertretung Alsergrund von dem Bildhauer Theodor Stundl und dem Architekten Franz Matuschek. Ich hatte damals nicht erkannt, dass es sich um ein lauschendes Mädchen handelte. Mir gefiel die Figur nicht. Schon besser gefielen mir der Brunnen der Strudelhofstiege, wo aus einem Männergesicht bzw. einem Fischkopf das Wasser in die jeweiligen Becken fliest. Bei dem Gedicht „Auf die Strudlhofstiege zu Wien“ von Heimito von Doderer bleibe ich auch heute noch sinnend stehen.

Einer meiner Lieblingsbrunnen ist der Donnerbrunnen am Neuen Markt, in der Wiener Innenstadt. Eigentlich heißt er Providentiabrunnen (Vorsehung) und wird nur nach seinem Gestalter, Georg Rafael Donner benannt. Manchmal ist auch vom Mehlmarktbrunnen die Rede, da der Neue Markt im 18. Jahrhundert noch Mehlmarkt hieß.

Den ältesten Hinweis auf einen Brunnen auf dem Neuen Markt gibt eine Kammeramtsrechnung aus dem Jahr 1440, wo Ausgaben zur Pesserung des Prunns am Newenmarkcht vermerkt sind. Später befanden sich am Neuen Markt zwei Brunnen: ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts ein vierstrahliger Springbrunnen vor dem Schwarenbergpalais (Ecke Hoher Markt, Tegetthoffgasse, 1894 abgebrochen), der bereits 1737 demoliert wurde, und ein alter Ziehbrunnen in der Platzmitte. An dessen Stelle ließ die Stadt Wien 1737-1739 eine Brunnenanlage errichten, für die Donner den Auftrag erhielt.. In der Mitte eines Wasserbeckens, zu dem Stufen führen, sitzt auf einem Säulenrumpf die Figur der Providentia, den Sockel der Statue umgeben vier Putten. Die zentrale Figur der Providentia (lateinisch = Fürsorge, Vorsorge) bezieht sich wohl auf die Wasserversorgung Wiens. Auf dem Bassinrand liegen vier Figuren, die die Flüsse Enns, March, Traun und Ybbs verkörpern (die Enns wird durch einen greisen Fährmann symbolisiert, die March durch eine reife Frau; die Ybbs durch eine jugendliche Quellnymphe und die Traun durch einen fischenden Jüngling). . 1770 mussten die nackten, aus Bleiguss gefertigten Figuren entfernt werden. Das war die Zeit, als Maria Theresia ein strenges Sittenregiment führte.Eigentlich hätten sie eingeschmolzen werden sollen, sie wurden aber restauriert und 1801 wieder aufgestellt. 1873 wurden sie durch leichtere Bronzeabgüsse ersetzt. Die empfindlichen Bleifiguren warteten ein halbes Jahrhundert in Magazinen auf ein passendes Domizil. 1921 wurden die Figuren im neu eingerichtetenÖsterreichischen Barockmuseum im Unteren Belvedere aufgestellt. Nach der Schließung dieses  Museums 2007 verblieben die Figuren an ihrem Standort im Unteren Belvedere.

Meist ist der Donnerbrunnen von Touristen belagert, besonders wenn die Temperatur nach oben  klettert. Manchen  Stellen der Figuren zeigen Spuren der Hände der „Betrachter“ auf, da scheint die Bronze durch die Patina durch.

Ein touristisch weniger beachteter Brunnen steht auf der Freyung: der Austriabrunnen. An seiner Stelle befand sich einst die Philipp- und Jakobskapelle, die als Karner diente und 1310 nachweislich fertig gestellt war. Nach der 1. Türkenbelagerung wurde sie entweiht, stand bis 1639 als städtisches Pulvermagazin in Verwendung und wurde 1648 im Zuge großer Umbauten an der Schottenkirche und an den Klosteranlagen abgerissen.

Anlass für die Errichtung des Austriabrunnens war die Eröffnung der Kaiser-Ferdinand-Wasserleitung Als Kaiser Ferdinand I. den 1835 Thron bestieg, bewies er gleich seinen Beinamen „der Gütige“, denn er stellte seine Krönungsgeschenke für den Bau einer Wasserleitung, die seinen Namen tragen sollte, zur Verfügung. Erstmals sollten auch die westlichen Vorstädte mit Trinkwasser versorgt werden. Aber dann – wie so oft im Hause Habsburg – ist das Geld doch ausgegangen, und der Weiterbau wurde der Stadt Wien übertragen. Wenn schon der Kaiser den Ruhm einheimst, und die Wiener Bürger die Kosten tragen sollen, dann sollte die Fertigstellung der Wasserleitung der Anlass zur Errichtung eines repräsentativen Brunnens sein.

Der Münchner Ludwig Schwanthaler, der eigentlich aus Ried im Innkreis stammte, wurde beauftragt, den Brunnen auszuführen, er verlangte auch ein sehr geringes Honorar. Die Gesamtkosten der Brunnenanlage betrugen ca. 53.000 Gulden. Die Basis – der Figurensockel – aus zackigem Urgestein Basalt (hier entströmt an 4 Stellen das Wasser), die Säule und die baldachinartige Bekrönung aus stilisiertem Eichenlaub entstanden in München, ebenso die Figuren, die in der königlichen Eisengießerei gegossen wurden. Schwanthaler hatte durchgesetzt, dass der größeren Dauerhaftigkeit wegen Bronze gewählt wurde. Nur das Becken, aus Mauthausner Granit, welches aus 4 Halbzirkeln geformt ist, wurde in Wien hergestellt.

Seine Popularität verdankt der Austriabrunnen einem höchst sonderbaren Gerücht, welches ihm den Beinamen Zigarrlbrunnen einbrachte. In einem Arm der Austria sollen sich Zigarren befunden haben, um sie als Schmuggelgut zollfrei nach Wien zu bringen. Vermutlich hängt es aber mit der damaligen Zollbehörde zusammen, die vom Magistrat 9000 Gulden für die importierten Kunstwerke verlangte. Man löste dieses Problem, indem man die Statuen als Quincaillerie (kurze Ware, kleine Waren aus Metall für den Hausgebrauch) deklarierte.

Die ursprüngliche Konzeption sah als Bekrönung eine Allegorie auf Wien, also eine Vindobona vor. Dann entstand die Idee, sie durch eine 4 Meter hohe Austria-Figur zu ersetzen, denn es war klar, dass die Allegorie der Stadt Wien mit den 4 großen Flüssen der Monarchie schwer in Verbindung zu setzen war.Zudem – und es wäre ja verwunderlich, wenn nicht dabei auch der „Kutscher Europas“, Kanzler Metternich, seine Finger im Spiel gehabt hätte: er wollte, dass eine Integrationsfigur für die vielen verschiedenen Völker der Monarchie geschaffen würde. Im Austriabrunnen manifestierte sich in einem Denkmal eine österreichisch-patriotische Idee. Das Herrschaftsgebiet der Austria in alle vier Himmelsrichtungen wird durch die Auswahl der Flüsse versinnbildlicht, denn jeder Fluss mündet in ein anderes Meer: Der Po in die Adria, die Donau ins Schwarze Meer, die Elbe in die Nordsee und die Weichsel in die Ostsee. Die 4 Flüsse stehen für die Volksstämme der Germanen, Italiener, Slawen und Magyaren.

Beim Austriabrunnen spielt das Wasser als gestaltendes Element eine völlig untergeordnete Rolle. Es wird im unterem Teil des Brunnens isoliert, und steht in keiner Beziehung zu den Figuren. Den Wienern gefiel anfänglich dieser Brunnen gar nicht.

Gleich gegenüber – in der „Ferstlpassage“ – befindet sich der liebliche Donaunixenbrunnen mit dem Donauweibchen (siehe  auch meinen Blog: „das Donauweibchen, die Donauinsel und das Donauinselfest“ vom 22.06.2017).

Der Brunnen gibt es noch viele in Wien, aber nicht alle sind „Lieblingbrunnen“.

 

Meine Wiener Brunnen

Schon wieder ein großflächiger Cyber Angriff

 

Sechs Wochen nach der globalen Attacke des Erpressungstrojaners WannaCry hat ein Cyberangriff Dutzende Unternehmen vor allem in Russland und der Ukraine lahmgelegt. Man geht von 2000 befallenen Unternehmen aus.( Siehe auch meinen Blogbeitrag  „WannaCry – Gedanken zur letzten Cyberattacke und deren mögliche Konsequenzen, vom 19. Mai 2017)

Mitte Mai hatte die „WannaCry“-Attacke hunderttausende Computer in mehr als 150 Ländern mit dem Betriebssystem Windows betroffen. Dabei sorgte eine seit Monaten bekannte Sicherheitslücke im veralteten Windows XP für eine schnelle Ausbreitung. Betroffen waren vor allem Verbraucher – aber auch Unternehmen wie die Deutsche Bahn und Renault.

Diesmal betroffen sind unter anderem der russische Ölkonzern Rosneft und die dänische Reederei Maersk. Rosneft spricht von einer „massiven Hacker-Attacke“. Die Ölproduktion sei aber nicht beeinträchtigt, weil die Computer auf ein Reserve-System umgestellt worden seien. Auch die Tochterfirma Baschneft wurde in Mitleidenschaft gezogen. Maersk erklärte, IT-Systeme diverser Geschäftsbereiche seien an verschiedenen Standorten lahmgelegt.

Auch das britische Werbeunternehmen WPP und der französische Industriekonzern Saint-Gobain bestätigten, von Hackern angegriffen worden zu sein. Die Großmärkte des Düsseldorfer Konzerns Metro in der Ukraine seien von gehackt worden. Das britische Werbeunternehmen WPP und der französische Industriekonzern Saint-Gobain meldeten, ebenfalls angegriffen worden zu sein. Es scheinen vor allem die Ukraine, Russland, England und Indien Opfer der neuen Attacke zu sein. Auch in der Schweiz und in Österreich wurden Angriffe gemeldet. Fast alle osteuropäischen Länder seien betroffen, nun verbreite sich die Schadsoftware schnell in Westeuropa.

Die Ukraine wird seit Monaten besonders schwer angegriffen. Der ukrainische Präsident Petro Poroshenko hatte schon im Dezember 2016 mitgeteilt, dass es nur in den zwei Monaten zuvor 6500 Cyberattacken auf 36 Ziele im Land gegeben habe. Ist die Ukraine quasi zum russischen Testlabor für Cyberattacken geworden? In der Ukraine waren Systeme der Zentralbank, des internationalen Flughafens, der U-Bahn der Hauptstadt und der Internetauftritt der Regierung betroffen. Kunden der staatseigenen Sparkasse wurden an Geldautomaten anderer Banken verwiesen. In den Filialen fänden nur Beratungen statt, hieß es. Mindestens vier weitere Banken, drei Energieunternehmen, die staatliche Post sowie ein privater Zusteller seien ebenso angegriffen worden. Auch die Eisenbahn und der größte Flughafen des Landes, Boryspil, berichteten von Problemen. Die Webseiten mehrerer Medienunternehmen funktionierten ebenfalls nicht mehr. Bei der Polizei gingen bis zum Nachmittag 22 Anzeigen ein, darunter auch von mindestens einem Mobilfunk-Anbieter.

Der Angriff soll bei der Art und Geschwindigkeit der Verbreitung Ähnlichkeiten mit der Verschlüsselungssoftware „WannaCry“ aufweisen. Der Schädling nutzt nun offenbar die gleiche Schwachstelle in Windows-Systemen wie zuvor WannaCry. Angeblich hätte das Schließen dieser Schwachstelle mit dem seit Monaten verfügbaren Microsoft-Patch in vielen Fällen eine Infektion verhindert. Doch offenbar schützt ein Update nicht grundsätzlich, was auch das Ausmaß der neuen Angriffswelle erklären könnte. So würden bei der Schadsoftware auch noch andere Werkzeuge genutzt, so dass auch Computer befallen werden können, die die ursprüngliche Schwachstelle geschlossen haben.

Experten hielten die Software zuerst für eine Variante der seit vergangenem Jahr bekannten Erpressungs-Software “Petya”, der Computer verschlüsselt und Lösegeld verlangt. Der Virus sei eine Variante und wurde deshalb “Petya.A” genannt. Inzwischen hat aber eine russische Sicherheitsfirma  mitgeteilt, die Schadsoftware sei eine neue Art von Ransomware und wurde deshalb „NotPetya“ getauft. Die Sicherheitslücke war ursprünglich beabsichtigt, sie war vom US-Abhördienst NSA ausgenutzt worden und wurde dann im vergangenen Jahr von Hackern öffentlich gemacht. Jedenfalls  hat es den Anschein, dass diese neue Schadware einen Exploit (Schwachstellen auszunutzen) aus dem Arsenal eines Geheimdienstes“ benutzt. Unabhängig von ihrem Namen gilt diese Ransomware (Erpressungsschadsoftware) als der böse Zwillingsbruder von WannaCry.

Ransomwareattacken dieser Art zielen normalerweise nicht auf ein bestimmtes Unternehmen, der Schädling verteilt sich nach dem Zufallsprinzip und will möglichst viele Rechner infizieren, egal ob Konzern oder Privatrechner. Dafür spricht allein schon die Höhe des „Lösegeldes“ – 300 Dollar, in Bitcoin. Die Schadsoftware selbst wird quasi frei gehandelt – in den richtigen Foren bekommt man sie zum Schleuderpreis von 28 Dollar. Der Erlös steht in keinem Verhältnis, nach Angaben von Sicherheitsfachleuten nahmen im vergangenen Jahr Cyberkriminelle Lösegeld von mehr als 1 Milliarde Dollar ein. Und das Geschäft boomt, gab es 2015 noch 29 Ransomware-Familien, stieg deren Zahl innerhalb eines Jahres explosionsartig auf 247. Es findet ein Wettlauf statt zwischen Hackern und Sicherheitsfirmen, mit ungleichen Voraussetzungen: während die Hacker nur eine Sicherheitslücke in den großen Betriebssysteme finden müssen, um erfolgreich anzugreifen, können die Verteidiger nie sicher sein, wo der nächste Angriff stattfindet. Kurz nach Ausbruch der Attacke am späten Nachmittag waren Lösegeldzahlungen von mehr als 1500 Dollar eingegangen, später stiegen sie auf mehr als 4000 Dollar. Die Lösegeldzahlungen sind öffentlich, die Währung ist anonymisiert, aber nachverfolgbar im Internet.

Nicht nur Unternehmen, selbst Kernkraftwerke sind betroffen. Besonders erschreckend ist, dass selbst kritische Infrastrukturen wie zum Beispiel die Reaktoren von Tschernobyl nicht ausreichend geschützt sind. An der Ruine des Katastrophen-Atomkraftwerks Tschernobyl musste die Radioaktivität nach dem Ausfall der Computer manuell gemessen werden. Die Agentur für die Verwaltung der Sperrzone in Tschernobyl betonte, alle wichtigen technischen Systeme der Station funktionierten normal. „Aufgrund der temporären Abschaltung der Windows-Systeme“ finde die Kontrolle der Radioaktivität manuell statt. Die Website des nach dem schweren Unfall 1986 abgeschalteten Kraftwerks war nicht erreichbar. Im vergangenen Herbst wurde eine neue Stahlhülle über die Atomruine zum Schutz vor radioaktiver Strahlung geschoben. Dennoch muss die Umwelt ständig auf den Austritt von Radioaktivität überwacht werden.

Angeblich könnten Cyberkriminelle Angriffe auf Industrial Control Systems (ICS) und andere kritische Infrastrukturen erwägen, um nicht nur Netzwerke sondern ganze Ökosysteme zu lähmen. Dies könne ein Megatrend der kriminellen Evolution der erpresserischen Vorgehensweisen werden, fürchten die Experten.

Es wird dies wohl nicht der letzte Cyber-Angriff auf unsere Systeme sein. Wir sollen uns nicht fürchten und Vertrauen in unsere Abwehrkräfte setzen, dass sie imstande sind, uns vor bedrohlicheren Angriffen beschützen können. Kein Gebiet, auf dem Budgetmittel eingespart werden sollten!

Schon wieder ein großflächiger Cyber Angriff

Srebrenica 1995 – wer trägt die Schuld

Lang liegt er schon zurück, der Krieg in Jugoslawien – eigentlich die Kriege in Jugoslawien. 10 Jahre nach Titos Tod hat dieses Vielvölkergebilde noch zusammengehalten. Dann kam Milosevic, wollte seine großserbischen Ambitionen verwirklichen. Die Amselfeld-Rede des serbischen Präsidenten Slobodan Milosevic zum 600. Jahrestag der Amselfeldschlacht wurde am Vidovdan 1989 gehalten und wird als Vorbote des nahenden Zerfalls Jugoslawiens angesehen. Dieser Vidovdan(St.Veits-Tag)  ist das wichtigste Datum im kollektiven Bewusstsein des serbischen Volkes und einer der Grundpfeiler der serbischen kollektiven Identität. Dieser Tag wird jedes Jahr am 28. Juni begangen. Die Schlacht am Amselfeld (Kosovo polje) fand am 28. Juni/15. Juni 1389, unweit von Priština statt. Ein serbisches Koalitionsheer stand dem osmanischen Heer gegenüber. Der Konflikt war durch die Offensiven seitens der Osmanen gegen die christlichen Reiche auf der Balkanhalbinsel entstanden. In dieser Schlacht fielen die Anführer beider Seiten. Somit endete die Schlacht endete ohne eindeutige Siegermacht, allerdings bedeute dieser Ausgang eine enorme Schwächung der serbischen Mächte. Die Schlacht am Amselfeld  in der serbischen Geschichtsschreibung bedeutet den Beginn von 500 Jahren Fremdherrschaft der Osmanen am Balkan. Die Serben waren und sind der Auffassung, dass sie eigentlich mit dieser Schlacht das christliche Abendland gerettet hätten.

Am 28. Juni 1914 erschoss der bosnische Serbe Gavrilo Princip den österreichisch-ungarischen Thronfolger Franz Ferdinand in Sarajevo, was im weiteren Gang der Ereignisse zum Ersten Weltkrieg  führte. Nach dem Ende dieses Krieges wurde die Verabschiedung der so genannten „Vidovdan-Verfassung“ des Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen, mit der eine zentralistische und monarchische Staatsordnung festlegt wurde, feierlich auf den 28. Juni 1921 gelegt.

Der Völkermord von Srebrenica in Ostbosnien markierte einen Wendepunkt im jugoslawischen Krieg. Dieser begann 1991 in Slowenien und endete 1999 in Kosovo. Jetzt urteilt ein Gericht in Den Haag über die Mitverantwortung der Niederlande am Völkermord von Srebrenica. Angehörige der beim Massaker im Juli 1995 ermordeten muslimischen Männer und Knaben hatten den Staat verklagt. Niederländische Uno-Soldaten sollten damals die bosnische Enklave Srebrenica schützen, ergaben sich jedoch den bosnisch-serbischen Einheiten unter General Ratko Mladic (*1942). Er war 1992 bis 1996 Oberbefehlshaber der Vojsky Republike Srpske. Ihm werden zahlreiche Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Bosnienkrieges zur Last gelegt, darunter die knapp vierjährige Belagerung von Sarajevo und das Massaker von Srebrenica im Juli 1995.

Der Name Srebrenica steht für das größte Verbrechen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg, und er steht für das Unvermögen der Staatengemeinschaft, dieses Verbrechen zu verhindern. Im April 1993 errichtete hier die UNO ihre erste Schutzzone. Der Chef der UNO-Schutztruppen in Bosnien hatte den eingeschlossenen Vertriebenen versprochen: «Ihr steht jetzt unter dem Schutz der Vereinten Nationen. Ich werde euch nie verlassen.» Zwei Jahre später, am 11. Juli 1995, fiel die Schutzzone Srebrenica.

Die bosnisch-serbischen Truppen stießen bei ihrem Vormarsch – er begann am 6. Juli – auf wenig Widerstand der bosniakischen Verteidiger; diese hatten wenig Waffen und gaben zuletzt den Kampf auf. Die UNO-Soldaten leisteten keinen Widerstand, sie schossen nicht zurück, als sie beschossen wurden, sondern ergaben sich. Sie hatten gar keinen Kampfauftrag; sie hatten Befehl, zuerst sich selbst zu schützen und erst dann die eingeschlossene Bevölkerung.

Als die Serben in die Stadt Srebrenica vorstießen, strömte der Großteil der Bevölkerung, etwa 25 000 Menschen, zum Stützpunkt der Uno-Schutztruppen in Potocari. In der Nacht kam es zu Übergriffen. Prügel, Vergewaltigung, Mord – das gehörte in Bosnien seit dem Kriegsbeginn 1992 zum Muster der sogenannten ethnischen Säuberung. Am 12. Juli begannen die Eroberer, die Männer von den Frauen und Kindern zu trennen. Die Frauen wurden mit Bussen in Richtung bosniakisches Gebiet gebracht, die Männer abgeführt, an verschiedene Orte der weiteren Umgebung gebracht, und dort auf Feldern oder auch in einer Lagerhalle mit Maschinengewehren reihenweise niedergemäht. Zuletzt wurden die Leichenhaufen durch Bulldozer mit Erde überdeckt.

Die meisten Männer in der Enklave, ca.  10 000, wollten sich nicht ergeben, sondern versuchten zu entkommen. Viele gehörten zur bosnischen Armee, die meisten hatten aber keine Waffen. In einer langen Kolonne marschierten sie in Richtung des von den Bosniaken gehaltenen Gebiets, etwa 100 Kilometer Marsch, mit wenig Trinkwasser und Proviant, immer wieder unter serbischem Beschuss.

Nach der Schlächterei wurden 8372 Männer aus Srebrenica als vermisst gemeldet; die Überreste von 7100 wurden inzwischen exhumiert, viele anhand von DNS-Proben identifiziert. Das Umbringen von Gefangenen ist ein Kriegsverbrechen. In Srebrenica war den muslimischen Männern in kampffähigem Alter auf jeden Fall der Tod beschieden.

Das serbische Fernsehen zeigte den bosnisch-serbischen Kommandanten, General Ratko Mladic, wie er Süßigkeiten an Kinder verteilte. Deportierte Frauen erzählten von ihrem Transport, geflüchtete Männer von ihrem Marsch. Später tauchten Männer auf, es waren wenige, die die Massenerschießungen überlebt hatten.

Nach dem Urteil des Jugoslawien-Tribunals in Den Haag geschah in Srebrenica ein Völkermord. Die serbischen Verantwortlichen wurden, wenn man sie fand, vor Gericht gestellt. Doch gleich vom ersten Tag an stellte sich auch die Frage: Waren die UNO und ihre Schutztruppen mitschuldig an dem Massenmord?

Viel kritisiert wurde zuerst der Kommandant der niederländischen Uno-Truppen in Srebrenica; er war fotografiert worden, wie er mit Mladic Schnaps trank. Doch das musste er wohl, wenn er mit den Serben verhandeln wollte, wozu er den Befehl hatte. Er und seine Soldaten, zusammen mit ihren Schutzbefohlenen, waren Mladic ausgeliefert. Die Serben hatten mit Granatbeschuss auf das UNO-Lager und die Flüchtlinge gedroht.

Das Versagen der Uno-Truppen war in erster Linie ein Versagen der diplomatischen und militärischen Planer an der Spitze. Die Uno-Schutztruppen waren von Beginn an zu schwach, um ihren Auftrag zu erfüllen. Sie konnten die muslimischen Truppen nicht entwaffnen und schon gar nicht die serbischen Truppen auf Dauer abschrecken. Die Serben wollten die Schutzzonen in Ostbosnien beseitigen. Sie verfolgten dazu eine Strategie des Aushungerns, um die Bevölkerung durch schiere Not zum Abzug zu zwingen. Auch der Nachschub der Schutztruppen mit Nahrung, Treibstoff, Munition und Ersatzteilen kam praktisch zum Erliegen. Es wurde nicht entschieden, ob man  Nachschub mit Militärgewalt hineinbrachte, oder die eingeschlossene Bevölkerung evakuierte. Man scheute beides, das Verteidigen wie den Abzug.  Zudem hatten die Serben auch schon UNO-Soldaten als Geiseln genommen. Die Soldaten  hatten Grund, sich einsam und verlassen zu fühlen, da auch der Kontakt zur Bevölkerung untersagt war. Zuletzt entschieden die Serben.

Am 26. Mai 2011 wurde Mladić schließlich in Serbien verhaftet, dann dem Haager Tribunal überstellt. Ende 2017 wird das Urteil erwartet. Der Ausgang des Prozesses gegen die Niederlande harrt noch eines Urteils.

Siehe auch mein Buch: „Wenn Kreuz und Halbmond brennen – Religion und Balkankrieg“ erschienen im Ibera Verlag

Srebrenica 1995 – wer trägt die Schuld

Gedanken über die Post-IS Zeit

Jetzt scheint der Islamische Staat in Syrien fast besiegt. Der Islamische Staat wird als unabhängige, organisierte Einheit im Herzen des Nahen Ostens nicht verschwinden. Die darunterliegende Ideologie, die Quelle des fortdauernden Terrorismus in der Region aber auch im Westen bleib bestehen.

In Mosul hält sich der IS noch in der Altstadt – und darunter leiden viele, viele Zivilisten, und in Raqqa, die eigentliche Hauptstadt ist bereits von drei  Seiten bedroht. Wenn Raqqa erobert wird, ist das Kalifat tot. Aber die Kämpfe werden weitergehen, die Erben kämpfen schon um ihren Anteil.

Es wurde ein syrisches Kampfflugzeug  von den Amerikaner abgeschossen, weil es die westlich eingestellten Kurden und arabische Kräfte (die syrischen demokratischen Kräfte) nicht weit von den Grenzen des Islamischen Staates  angegriffen hatte. Warum? Weil das Regime von Bashar al-Assad, unterstützt vom Iran, der Hisbollah und Russland Oberhand über die nicht-dschihadistischen Rebellen in Syrien – besonders in Aleppo – gewonnen hatte und sich nun sicher genug fühlt, die Hand auch nach dem östlichen Syrien auszustrecken. Wenn Assad über ganz Syrien herrschen will, benötigt er Raqqa und das umgebende Gebiet (ehemals Islamischer Staat). Aber die Kräfte, die Raqqa erobern wollen, sind pro-westlich und gegen das Regime Assads eingestellt. Deshalb wurde der syrische Kampfjet abgeschossen. Die USA beschützt ihre Freunde. Daher kommt die russische Drohung amerikanische Flugzeuge abzuschießen, denn auch die Russen beschützen ihre Freunde.

Am Tage des Abschusses des syrischen Kampfjets schoss der Iran sechs Boden-Boden-Raketen in syrisches Gebiet, das vom Islamischen Staat kontrolliert wird. Warum? Anscheinend, um die Dschihadisten für ihren Terror-Angriff innerhalb des Iran zu bestrafen. Vielleicht!  Aber das eigentliche Ziel war viel eher, Saudi-Arabien und den anderen sunnitischen Arabern zu zeigen, wie weit die iranischen Waffen reichen – um damit seine territorialen Ansprüche zu dokumentieren. Denn für den Iran ist Syrien der Schlüssel, der zentrale Kriegsschauplatz eines schiitisch-sunnitischen Krieges um die regionale Hegemonie. Iran (nicht-arabisch) führt die schiitische Seite, unterstützt von arabischen Hilfstruppen der Hisbollah im Libanon, Schiitische Milizen im Irak und die stark von Schiiten durchsetzte irakische Regierung und das alawitische Assad Regime (Alawiten sind eine nicht-sunnitische Sekte, die eher den Schiitismus zugerechnet wird).

Zusammen bilden sie einen riesigen Bogen – der schiitische Halbmond – der sich vom Iran, über den Irak, Syrien und den Libanon bis zum Mittelmeer erstreckt. Wenn sich dieser Bogen verfestigt, haben die Perser  eine Ausdehnung bis zum Mittelmeer, die sie in der vergangenen 2300  Jahren nicht mehr hatten. Diese Allianz steht unter der Schirmherrschaft und dem Schutz Russlands, der die Iran-Allianzen mit Geld und Waffen und seit 2015 auch aus der Luft  unterstützt, und zwar von den neu errichteten Luftstützpunkten in Syrien.

Auf der anderen Seite des großen muslimischen Bürgerkrieges sehen die Sunniten, gemäßigt und mit dem Westen alliiert, geführt von Saudi-Arabien, die Golfstaaten, Ägypten und Jordanien, mit ihrem großen Schirmherren, der USA, nun wieder in der Post-Obama Zeit voll in Aktion.

Auf dem Spiel steht die Konsolidierung des Schiitischen Halbmondes. Sie ist schon fast erreicht. Während der Islamische Staat zerquetscht und aus Mosul vertrieben wird, übernehmen die vom Iran kontrollierten Militärs die Hauptrouten und andere strategisch wichtige Punkte im westlichen Iran. Das nächste Ziel: Ostsyrien (Raqqa und Umgebung).

Das Endergebnis sähe dann folgendermaßen aus: ein vereinigtes Syrien unter Assad, biegsam in den Händen des Iran und Russlands. Die Hisbollah, die iranische Speerspitze, wesentlichste Kraft im Libanon, Iran der regionale Schiedsrichter und Russland, mit seinen syrischen Militärbasen, der Hegemon von außen.

Den Amerikanern schwebt ein ganz anderes Bild vor: ein lose verbündetes Syrien, aufgeteilt in Kantone, wobei Assad nur der alawitische Rumpf verbliebe.

Die iranisch-russische Strategie wäre ein Alptraum für den gesamten sunnitischen Nahen Osten und auch für die USA. Das Pentagon versucht diese Strategie zu verhindern: daher auch der Abschuss des syrischen Kampfjets.

Dieses Szenario lässt sowohl die Wünsche der Kurden – die einzig effektive Kampftruppe gegen den IS – außer Acht und der Türkei, die einen kurdischen Staat um jeden Preis verhindern will. Auch in Jemen tobt ein Bürgerkrieg, wo es um sunnitische und schiitische Vorherrschaft geht.

Dann gibt es noch innersunnitische Nebenkriegsschauplätze, wie z.B. derzeit Katar. Und nicht zu vergessen: Afghanistan, wo derzeit die Taliban wieder erstarken, wobei wieder die USA ihre Präsenz dort verstärken und sich Russland und China von den Taliban bedroht fühlen.

Und es gibt auch noch die Al Qaida. Die Endziele von al-Qaida sind nicht kurzfristig, mit ihrem Erreichen rechnet das Netzwerk erst in Jahren oder Jahrzehnten. Das Hauptmotiv ist nicht zwingend diese Ziele selbst durchzusetzen, sondern eine Kette von Ereignissen in Gang zu setzen, welche letzten Endes zum gewünschten Ergebnis führen soll. Weil der harte Kern von al-Qaida im Verborgenen arbeitet und unter anderem False-Flag-Operation (verdeckte Operation) durchführt, sind ihre tatsächlichen Ziele schwer zu bestimmen. Hinzu kommen die Verbindungen zu anderen islamistischen Bewegungen, die auch eigenständige Interessen verfolgen. Einen großen Teil ihrer Anstrengungen verwendet al-Qaida auf den Krieg bzw. Dschihad gegen den Westen, da dieser durch seine wirtschaftliche und machtpolitische Dominanz das Haupthindernis für alle folgenden Schritte sei. Außerdem betrachtet sie die Zusammenarbeit und Unterstützung einiger westlicher Staaten (vor allen der Vereinigten Staaten und Frankreich) von einigen arabischen Ländern (Jordanien, Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate, Libanon) als Einmischung in innerarabische Angelegenheiten, deren Zweck es sei, die Einigung der islamischen Welt zu verhindern und die Position Israels zu stärken. Diesen Krieg führt al-Qaida vor allem mit terroristischen Anschlägen gegen zivile Ziele in den Zielländern, um dadurch die Bevölkerung zu terrorisieren, das Land politisch zu destabilisieren und die Wirtschaft zu schädigen.

Seit 16 Jahren führen die USA Krieg, Krieg gegen den Terror. Der 2001 begonnene Krieg wird ein „Long War“ bleiben, den Ex-Präsident Bush, der ihn begonnen hatte, angekündigt und den der damalige US-Verteidigungsminister Rumsfeld mit dem Kalten Krieg verglichen hat, nur dass der lange und globale Krieg gegen den Terror der bislang komplexeste ist.

Gedanken über die Post-IS Zeit

Was haben der ORF und Al-Dschasira gemeinsam: man ärgert sich über sie

Ich bin wahrscheinlich nicht die einzige, die sich über den ORF ärgert. Um die Situation klarzustellen: ich höre hauptsächlich Nachrichtensendungen auf Oe1 bzw. ORF 2 und Dokumentationen auf ORF III. Und bei den Nachrichten stört mich vor allem die Einseitigkeit – es sind besonders „Experten“ von NGO’s, die zu Wort kommen: z.B. in der Frage des Freihandelsabkommens mit Japan. Das bedeutet, dass Vorteile eines Freihandelsabkommens selten den Hörern zur Kenntnis gebracht werden. Damit werden aber die Menschen manipuliert. Die Aufgabe des ORF wäre es doch, objektiv zu informieren und beiden Seiten Gehör zu verschaffen. Der Österreichische Rundfunk (ORF) ist eine Stiftung des öffentlichen Rechts. Er ist der größte Medienanbieter Österreichs. Grundlage für die Gründung des ORF in seiner heutigen Form war das erste österreichische Volksbegehren im Jahr 1964, das auf eine Reform des Rundfunkwesens abzielte. Demzufolge wurde 1966 ein „Rundfunkgesetz“ beschlossen, das am 1. Jänner 1967 in Kraft trat. Mit dem Rundfunkgesetz 1974 wurde der ORF in eine Anstalt des öffentlichen Rechts überführt. Die letzte große Reform erfolgte im Jahr 2001, mit welcher der ORF in eine Stiftung öffentlichen Rechts umgewandelt wurde. Begünstigter der Stiftung ist die Allgemeinheit.

Das ORF-Gesetz sieht im Rahmen des Versorgungsauftrages unter anderem einen Bildungsauftrag vor. Der ORF finanziert sich als öffentlich-rechtlicher Sender zum Teil über das Programmentgelt, das zusammen mit der Rundfunkgebühr, dem Kunstförderungsbeitrag und den allenfalls bestehenden Landesabgaben eingehoben wird. Die Gebühren werden vom ORF-Tochterunternehmen Gebühren Info Service GmbH (GIS) eingehoben. Leitung und Kontrolle des ORF obliegen dem Stiftungsrat, der auch den Generaldirektor wählt. Der Publikumsrat wahrt die Interessen der Hörer und Seher.

Zuschauerzahlen und Reichweiten der ORF-Programme sinken seit Jahren. Im April 2007 wurde versucht mit der  „größten Programmreform aller Zeiten“ dem immer stärkeren Seherschwund, vor allem in der Zielgruppe der unter 49-Jährigen, entgegenzuwirken. Speziell diese Gruppe zog es in den vergangenen Jahren immer mehr zu deutschen Privatsendern, womit ein Sinken der ORF-Marktanteile verbunden war. Im April 2013 sank die Quote von ORF 1 erstmals unter die 10 %-Marke und erreichte nur 9,9 % Marktanteil.

Der Einfluss der politischen Parteien im ORF ist heute gestärkt und gesichert durch den ORF Stiftungsrat, der u. a. den Generaldirektor wählt: 24 der 35 Stiftungsräte werden von Bundesregierung, Landesregierungen und Parlamentsparteien ausgewählt, 6 vom Publikumsrat, der aus 17 vom Bundeskanzler bestellten Mitgliedern besteht, weitere Stiftungsräte stellen Parteiakademien und Sozialpartner. Somit lassen sich 32 von 35 Stiftungsräten Parteien zuordnen.

Einer Anfang 2017 veröffentlichten repräsentativen Umfrage zufolge halten nur 4 % der Österreicher den ORF für völlig unabhängig von Politik und Interessensgruppen. Damit belegt der ORF den letzten Platz aller österreichischen Sender. Darüber hinaus waren die Befragten mehrheitlich der Meinung, dass SPÖ, ÖVP und Grüne vom ORF bevorzugt behandelt würden. Meines Erachtens ist es besonders die SPÖ, der viele der Redakteure nahe zu stehen scheinen.

2014 wurde von unabhängigen österreichischen Journalisten die Website ORF-Watch.at gegründet, deren Ziel es nach eigenen Angaben ist, eine freie und öffentliche Debatte über die einseitige Berichterstattung und die Privilegien des von Staat und Politik abhängigen Gebühren-Radios und -Fernsehens sowie diverse Aspekte des Machtmissbrauchs zu ermöglichen.

Aber all dies ist  nichts im Vergleich mit den Problemen von al Dschasira. Für Al-Dschasira geht es im Konflikt mit den Golfstaaten um alles oder nichts. Für Katar ist der Sender das wichtigste Aushängeschild und Machtinstrument. Die derzeitigen Gegner von Katar verlangen in ihrem Forderungskatalog die Schließung von Al-Dschasira. Siehe auch meinen Blog:“ der neue Kronprinz von Saudi-Arabien und die Krise von Katar“ vom 14.6. und „was ist los mit Katar“ vom 7.6.

Einschaltquoten, Schlagzeilen, Kontroversen: Das ist das Konzept von Al-Dschasira. Sein Ziel, bei seiner Gründung und heute: nicht nur möglichst viele Zuschauer zu erreichen, sondern bei ihnen für den politischen Kurs Katars zu werben. Dazu gehören neue journalistische Formate und kalkulierte Skandale, wie das Interview mit Bin Laden. Dass der Sender eines benachbarten Staates, Katar, ein Interview mit Bin Laden ausstrahlte, war für die saudische Herrscherfamilie unverzeihlich. Kurz nach der Ausstrahlung äußerte sich der damalige Kronprinz Naif ibn Abd al-Aziz öffentlich über Al-Dschasira. Der Sender, erklärte er, sei ein herausragendes Produkt von höchster Qualität. „Aber er präsentiert Gift auf einem Silbertablett.“

Es geht um die Frage, welches Verhältnis große Sender zu ihren Zuschauern haben sollten. Saudi-Arabien pflegt ein paternalistisches Verhältnis zum Publikum. Katar hingegen gibt den Zuschauern die Möglichkeit, sich ein eigenes Urteil zu bilden. Einzige Ausnahme von dieser Regel ist Katar selbst. Über das Emirat, in dem es beheimatet ist, berichtet Al-Dschasira niemals kritisch.

Al-Dschasira hat in der arabischen Medienwelt neue Maßstäbe gesetzt. Der Sender übertrug als erstes arabisches Medium überhaupt Sitzungen aus der israelischen Knesset; seine Reporter berichteten nach den Anschlägen vom 11. September 2001 live aus Afghanistan, wo die USA Bin Laden jagten; sie informierten ihre Zuschauer über die US-Invasion 2003 in den Irak; und regelmäßig gingen sie in den Gaza-Streifen, wenn Israel und die palästinensische Hamas sich dort bekämpften.

Zugleich führte Al-Dschasira politische Talkshows ganz neuer Art ein. Schonungslos befragten die Journalisten arabische Politiker, in einer Direktheit, wie man es aus den arabischen Medien bislang nicht kannte. Außerdem stellten sich in der arabischen Welt ebenso prominente wie umstrittene Prediger, wie etwa Yusuf Al-Qaradawi, ein geistlicher Führer der Muslimbrüder, live den Fragen der Zuschauer.

Für Katar dürfte es sehr schwierig sein, den Fernsehsender Al-Dschasira tatsächlich zu schließen. Al-Dschasira gilt insbesondere seit 2011, dem Jahr der arabischen Aufstände, als zentrales Sprachrohr der arabischen Bevölkerung. Es ist immer noch der meist gesehene Sender der arabischen Welt. Viele schätzen ihn aufgrund seines Pluralismus. Das hat sich in den letzten Jahren zwar deutlich geändert und leider auch verschlechtert. Dennoch wäre die Schließung ein enormer Gesichtsverlust.

Würden sich die vier Staaten mit ihrem Plan durchsetzen, wären sie ein für sie unbequemes Medium los. Al-Dschasira hat mit Sympathie über die Aufstände in der arabischen Welt berichtet und sich dabei oft die Perspektive der Aufständischen zu eigen gemacht. Allein durch seine hohe Reichweite hat das Programm dazu beigetragen, die Forderungen der Demonstranten in der gesamten arabischen Welt bekannt zu machen. Außerdem hat Al-Dschasira immer wieder kritisch über die autoritären Regime in der Region – auch die Monarchien am Golf -berichtet. All das hat in Saudi-Arabien die Angst ausgelöst, dass es einen Spillover-Effekt geben könnte und sich Aufstände oder zumindest der Widerspruchsgeist der Demonstranten auch auf saudisches Territorium übertragen könnten.

Der ORF hat in Zukunft sicher weniger Sorgen als Al-Dschasira.

Was haben der ORF und Al-Dschasira gemeinsam: man ärgert sich über sie

Maximilian, der unglückliche Kaiser von Mexiko, vor 150 Jahren hingerichtet

Es gilt sich eines wenig beachteten Jahrestages zu erinnern. Maximilian, Kaiser von Mexiko, geboren 1832 als Erzherzog Ferdinand Maximilian Joseph Maria von Österreich wurde 1867 von der legitimen Gegenregierung des Präsidenten Benito Juarez gefangen genommen, von einem Kriegsgericht zum Tode verurteilt und hingerichtet. Er war der nächstjüngere Bruder von Kaiser Franz Joseph I. aus dem Haus Habsburg-Lothringen. Und das war sein Problem.

Vorbereitet auf eine Staatsführung wurde Maximilian nicht. Man machte sich auch keine Gedanken darüber, welche Aufgaben der jüngere Sohn später einmal übernehmen solle.  Er erhielt die für einen Erzherzog übliche Erziehung. Neben der militärischen Ausbildung bestand sein Unterricht aus Fremdsprachen (Französisch, Italienisch, Englisch, Ungarisch, Polnisch und Tschechisch), Philosophie, Geschichte und Kirchenrecht. Das vorgeschriebene Exerzierprogramm war ihm schon in jungen Jahren ein Gräuel. Er galt als phantasiebegabt, malte und dichtete gerne. Schon früh interessierte er sich für Literatur und Geschichte. Er war aufgrund seines Charmes am Wiener Kaiserhof sehr beliebt und auch der Liebling seiner Mutter Sophie. Aufgrund seines unkomplizierten und freundlichen Wesens war er  auch bei der Wiener Bevölkerung beliebt.

Bei einem Aufenthalt in Portugal verliebte er sich in Maria Amalia von Portugal. Die beiden waren bereits so gut wie verlobt, als Maria Amalia plötzlich an Lungentuberkulose starb. Das war nicht die einzige Enttäuschung seiner frühen Jahre. Maximilian interessierte sich vor allem für die Seefahrt und unternahm viele Fernreisen. Im Jahr 1854 wurde er mit nur 22 Jahren – als jüngerer Bruder des Kaisers – zum Kommandanten der k.k. Kriegsmarine (1854–1861) ernannt, die er in den folgenden Jahren reorganisierte. 1857 heiratete er die belgische Prinzessin Charlotte und wurde zum Generalgouverneur von Lombardo-Venetien ernannt. Während seiner Amtszeit geriet der liberalem Gedankengut zugängliche Erzherzog immer wieder in Gegensatz zum Kaiser. Vor allem begehrte er einen seiner Stellung im Kaiserhaus angemessenen Wirkungskreis. Als die Lombardei 1859 als Folge der österreichischen Niederlage in der Schlacht von Solferino verlorenging, zogen sich Maximilian und Charlotte in das eigens für sie erbaute Schloss Miramar in der Nähe von Triest zurück.

Als Mitte des 19. Jahrhunderts in Mexiko radikale Reformen die wirtschaftlichen Interessen der alten Kolonialmächte Großbritannien, Spanien und Frankreich gefährdeten, entsandten diese ein Okkupationskorps in das Land. Da die ersten beiden Mächte sich bald wieder zurückzogen, unternahm es Frankreich unter Napoleon III., in Mexiko ein Kaiserreich zu installieren. Seit 1861 hatte Frankreichs Kaiser dort bereits mit Truppen interveniert, weil Mexiko (unter seinem Präsidenten Benito Juarez) sowohl den spanischen Gesandten wie auch den päpstlichen Legaten des Landes verwiesen hatte. Benito Juárez hatte die Zahlungen der 82 Mio. US-Dollar Schulden, die von den Europäern gefordert wurden, für zwei Jahre eingestellt.

Nun schlug Napoleon III. 1861 Erzherzog Maximilian von Österreich als Kandidaten für den Kaiserthron in Mexiko vor. Im Oktober 1863 besuchte eine mexikanische Delegation Schloss Miramar, um Maximilian und Charlotta die Krone anzubieten. Insbesondere Charlotta spornte ihren Mann an das Amt zu übernehmen. Sein Bruder, Kaiser Franz Joseph I. stand dem Abenteuer ablehnend gegenüber, Maximilian musste sogar auf den österreichische Thronfolge verzichten. Maximilian glaubte, in Mexiko seine Träume eines modernen, liberalen Staates verwirklichen zu können, und nahm deshalb am 10.April 1864 auf Schloss Miramar die Kaiserkrone an. Der Habsburger nahm die Aussagen des französischen Kaisers, dass sich das mexikanische Volk nichts mehr wünsche als einen Habsburger als Kaiser, für bare Münze (es war eine Lüge). Am 10. April 1864 wurde Maximilian 1861 gegen den Willen des Volkes zum Kaiser von Mexiko ausgerufen und am 14. April 1864 verließ er auf dem Schiff „NOVARA“ Österreich in Richtung Mexiko.

Der Empfang des Schiffes fiel schon sehr enttäuschend aus. In Mexiko-Stadt wählte Maximilian das Schloss Chapultepec als kaiserliche Residenz. Der Regierungspalast war allerdings desolat, düster und vollkommen verwahrlost, und die erste Nacht verbrachte der neue Kaiser auf einem Billardtisch, da die Matratzen voller Insekten waren.

Benito Juarez war bei den Einheimischen wesentlich populärer als dieser fremdländische Kaiser, der, von den Franzosen und einer österreichischen Leibgarde umgeben, im Palast von Chapultepec weitgehend isoliert von der Bevölkerung regierte. Der Befehlshaber der französischen Besatzungstruppen musste im Sommer 1865 einräumen, dass seine Armee von den Juaristen allmählich in die Defensive gedrängt wurde. Nach dem Ende des Nordamerikanischen Bürgerkrieges 1865, ergriffen die USA ganz im Sinne der Monroe-Doktrin die Partei der Gegner Kaiser Maximilians. Auch die Franzosen mussten auf Druck der USA ihre Truppen aus Mexiko (1866) abziehen. In Mexiko musste der Habsburger feststellen, dass sämtliche amerikanische Staaten den von den Franzosen abgesetzten mexikanischen Präsidenten Juárez unterstützten, da sie in Maximilian eine unerwünschte europäische Einmischung sahen. Maximilian versuchte, seine Machtbasis durch die Adoption der Enkel des früheren Kaisers Augustin de Iturbide und ihre Ernennung zu Thronfolgern sowie die Ernennung des Ex-Diktators Antonio Lopez de Santa Anna zum Reichsmarschall zu verbreitern. Der Kaiser, ein weichherziger, wenig entschlussfreudiger Mensch, ließ sich im Oktober 1865 von seiner Entourage zu einem Dekret hinreißen, wonach alle Anhänger von Juarez als Räuber geächtet seien und ohne Gerichtsurteil getötet werden dürften. Auf Grund dieses Dekrets wurden ca. 9000 Menschen ermordet.

Maximilian ließ sich letztlich von seiner Frau überreden, nicht abzuziehen, sondern zu bleiben. Sie selbst reiste nach Europa um Hilfe zu erbitten, aber niemand dort war bereit dem bedrängten Kaiser zu helfen. Mit seinen letzten Truppen verschanzte sich Maximilian zuletzt in die Stadt Querétaro, die nach einer Belagerung am 14.Mai 1867 fiel. Die Entscheidung fiel nicht durch einen Angriff der Belagerer, sondern durch Verrat. Am 14. Mai 1867 wurde Kaiser Maximilian entmachtet und da er seine letzten Getreuen nicht allein lassen wollte, ließ er sich gefangen nehmen. Trotz intensiver diplomatischer Bemühungen von Seiten Österreichs, wurde er von einem Kriegsgericht abgeurteilt und am 19. Juni 1867 standrechtlich erschossen. Kein geringerer als der Vizeadmiral Wilhelm von Tegetthoff hatte die Aufgabe, den Toten im September 1867 heimzuholen. Am 18. Januar 1868 wurde Maximilian in der Krypta seiner Vorfahren in der Kapuzinerkirche in Wien zur Ruhe gelegt.

Es gibt eine Verschwörungstheorie, dass Maximilian durch eine geheime Vereinbarung mit Juárez gar nicht hingerichtet worden sein, sondern bis 1936 in El Salvador unter dem Namen Justo Armas weitergelebt haben soll. Ob das wirklich besser gewesen wäre?

Maximilian, der unglückliche Kaiser von Mexiko, vor 150 Jahren hingerichtet