Die rote Linie

Immer wieder wird – meist in der Politik – vom Überschreiten der Roten Linie gesprochen. Ich habe versucht herauszufinden, woher das kommen könnte. Bei „rote Linie“ oder „Red Line“ habe ich hauptsächlich Verkehrsverbindungen in verschiedenen Städten gefunden. Eine rote Liniennummer respektive ein roter Linienbuchstabe ist eine spezielle Variante, um Straßenbahn-, Oberleitungsbus- oder Omnibus-Fahrgäste auf einen abweichenden Laufweg, nicht bediente Zwischenhalte oder bestimmte tarifliche Besonderheiten einer Linie hinzuweisen. Aber auch „etwas tun, das nicht mehr toleriert werden kann; einen Tabubruch begehen; eine Grenze überschreiten“.

Beispiele dafür sind z.B.

  • Obama hatte Assad mit nicht näher beschriebenen Konsequenzen gedroht, falls er die ‚rote Linie‘ überschreite und chemische Waffen einsetze“; In den vergangenen Monaten hatte sich die Lage in Syrien und das Verhältnis dieses Landes zu den westlichen Mächten verschärft. Ein Giftgasanschlag, bei dem knapp 1500 Menschen ums Leben kamen, hatte eine umfangreiche Neubewertung der Situation verursacht und besonders die USA veranlasst , einen militärischen Vergeltungsschlag in Betracht zu ziehen. Eine Begründung für diese Abwägung lieferte US-Präsident Obama mit den Worten, Assad habe eine “rote Linie“ überschritten.
  • Indem Trump Vergeltung schwor, nicht etwa für eine Militäraktion Nordkoreas, sondern allein für deren Androhung, zog Trump eine rote Linie, die er nicht wird halten können. Nordkorea hat mit seinem Raketentest eine rote Linie überschritten – meint die Huffington Post.
  • Die USA haben mit dem NSA-Skandal und dem Abhören des Handys der deutschen Kanzlerin eine rote Linie überschritten
  • Die deutschen Forschungsvorhaben zur Mustererkennung in der Videoüberwachung überschreiten eine rote Linie: Eine geheim gehaltene Software soll verdächtige Personen aufspüren, indem ihr Verhalten oder auffällige Gepäckstücke untersucht werden;
  • Schlecht bestellt ist es in den Augen der Kommission auch um die Pressefreiheit in Rumänien. Immer wieder komme es zu Übergriffen, bei denen Medien dazu benutzt würden, Druck auf die Justiz auszuüben. Die Klagen rumänischer Journalisten seien nach Brüssel vorgedrungen, wie es dort heißt. Solche Vorgänge ‚überschreiten eine rote Linie‘, so der EU-Kommissionssprecher.
  • Die rote Linie bezeichnet von 1866 bis 1871die Südgrenze des Norddeutschen Bundes. Dabei wird eher der Begriff „Mainlinie“ verwendet: Im historisch-politischen Sinne wird unter Mainlinie die Abgrenzung der Einflusssphären der beiden deutschen Großmächte Österreich und Preußen innerhalb des Deutschen Bundes im 19. Jahrhundert bezeichnet. Später wurde die Mainlinie Südgrenze des Norddeutschen Bundes. Die historisch-politische Mainlinie wird noch heute häufig als Nordgrenze Süddeutschlands angesehen, manchmal auch als Weißwurstäquator bezeichnet.

Seitdem nimmt man sie in zunehmendem Maße wahr, die roten Linien. Was einstmals der Rubikon war, der überschritten wurde, wenn ein Tabubruch begangen wurde, und was später dann Grenzen waren, die übertreten wurden, sind heute allerorten rote Linien.

Aber stimmt der Vergleich mit dem Rubikon? Der Römische Senat beschloss am 7. Januar 49 v. Chr., dass Gaius Julius Caesar sein Heer entlassen und sein Imperium, d. h. seine Befehlsgewalt für Gallien und Illyrien, niederlegen müsse, ehe er erneut für das Konsulat kandidieren dürfe. Daraufhin überschritt Caesar am 10. Januar 49 v. Chr. mit seinen Truppen den Rubikon. Die bewaffnete Überquerung des Flusses in Richtung Süden – und damit in Richtung Rom – war gleichbedeutend mit einer Kriegserklärung an den Römischen Senat. Caesar war sich bewusst, dass es ab diesem Punkt kein Zurück mehr gab, was er in dem berühmten Zitat alea iacta est (wörtlich: „Der Würfel ist geworfen worden“) zum Ausdruck brachte.

Woher könnte die rote Linie  wohl kommen? Die Farbe Rot steht unter anderem symbolisch für Warnung und Verbot z. B. rote Ampel, rote Karte beim Fußball, Warn- und Verbotsschilder im Straßenverkehr. Rote Linien werden oft zur Markierung von Absperrungen genutzt, die nicht übertreten werden dürfen. Da die Redensart in keinem deutschen Wörterbuch für Redensarten verzeichnet ist, könnte sich dabei daher um eine Wendung neueren Datums handeln. Die Äußerung von US-Präsident Obama aus dem Jahr 2012 hat für die die Verbreitung der Wendung gesorgt. Die englischsprachige Redewendung „to cross the red line“ entspricht jener im Deutschen. Im Englischen bedeutet „to redline“ ausgrenzen, ausschließen. Messgeräte (z. B. Drehzahlmesser, Tachometer im Auto) sind oft mit einer roten Markierung versehen, die die Grenze der Belastbarkeit des Motors kennzeichnet. Der Begriff „Redlining“ wurde in Amerika in den späten 1960er Jahren geprägt. Er bezog sich auf die Praxis von Versicherungen und Banken, auf einer Karte Bereiche mit einer roten Linie zu markieren, innerhalb derer – oft mit rassistischem Hintergrund (z. B. innerstädtische Viertel mit hohem Anteil afroamerikanischer Bewohner) – Dienstleistungen wie z. B. die Vergabe von Krediten oder Versicherungsverträgen verweigert wurden.

Doch die Redewendung der roten Linie im Sinne einer bildlichen Grenze ist nicht völlig neu: Schon in den 90er Jahren – und vermutlich bereits davor – sprach man von symbolischen roten Linien, die nicht überschritten werden sollten. Dies war jedoch vergleichsweise selten der Fall. Viel häufiger hatte die rote Linie damals noch einen deutlich physischeren Charakter, etwa als Grenze zwischen zwei Staaten (oft war der Irak involviert, z. B. bei einer »roten Linie« um Bagdad). Auch diese roten Linien waren nicht zu überschreiten.

Was aus diesem Dickicht an neuen Verwendungen der Redewendung heraussticht, sind jene, bei denen die rote Linie selbst, nicht mehr nur respektiert oder überschritten werden kann: Mittlerweile scheint die rote Linie neben der Bedeutung einer symbolischen Grenze eine weitere zu tragen, nämlich die des roten Tuchs, eines Themas, das äußerst umstritten ist. Der guten Ordnung halber: es gibt auch ein Buch mit dem Titel „Rote Linie, Ritzen bis aufs Blut“ bzw.   „Red Line“ einen amerikanischen Aktion-Film dieses Namens.

Es ist zu vermuten, dass uns in absehbarer Zukunft noch diverse rote Linien begegnen werden – um möglicherweise sang- und klanglos wieder zu verschwinden oder aber einen dauerhaften Platz in unserem Wortschatz zu erhalten: neben der übertretenen Grenze und dem überschrittenen Rubikon.

 

 

Die rote Linie

Der Haddsch

Am 30. August beginnt der diesjährige Haddsch, die Pilgerfahrt gläubiger Muslime nach Mekka, der eine der fünf Säulen des Islam darstellt. In Zeiten mehrspuriger Autobahnen, klimatisierter Busse und erschwinglicher Flugreisen ist das einfacher geworden.

Mekka liegt eingebettet in eine Wüstenlandschaft, von spitzen Bergen durchzogen. Die Wüstenlandschaft ist ein Sinnbild der Kargheit, in deren Zeichen die muslimische Pilgerfahrt steht. Sie bedeutet, „mit nur zwei Stoffstücken bekleidet in ein trockenes Tal zu gehen, in dem es keine Pflanzen gibt.“

Jede Muslima und jeder Muslim sollten einmal im Leben zur Kaaba in Mekka pilgern, wenn es die Gesundheit und die finanzielle Lage erlaubt. Muslime aus aller Welt finden sich im letzten Monat des islamischen Mondkalenders in Mekka ein. Dieser wird nach den Mondphasen berechnet und nicht nach der Sonne. Die Riten des Haddsch sollen die Seele reinigen und die Gleichheit und Solidarität aller Muslime in ihrer Unterwerfung unter Gott ausdrücken. Im Mittelpunkt steht die „Kaaba“ (Würfel) als heiligste Bauwerk im Islam, um sie herum wurde die große Moschee gebaut. Die Kaaba wird von einem schwarzen Vorhang aus Seide und Baumwolle bedeckt, darin sind mit Goldfäden das muslimische Glaubensbekenntnis sowie Koranverse eingestickt. Dieser Vorhang wird alljährlich nach dem Haddsch erneuert.

Eine der zentralen Riten ist der Eintritt in den Weihezustand (Ihram) – nach der Ganzkörperwaschung ziehen die Pilger ein eigenes Pilgergewand an. Männliche Pilger hüllen sich in zwei weiße, ungesäumte Tücher und offene Sandalen, sie dürfen sich während der Wallfahrt weder rasieren, noch kämmen, noch Haare oder Nägel schneiden. Frauen dürfen sich nicht vollverschleiern und keine Handschuhe tragen. Im Ihram dürfen die Pilger keine Tiere töten, sich keine Körperhaare entfernen, kein Parfüm benutzen, und auch Sex und Fluchen sind verboten. Die Idee dahinter: Die einfachen Kleidungsstücke sollen die gesellschaftlichen, kulturellen und nationalen Unterschiede aufheben und alle als Gleiche vor Gott erscheinen lassen.

Der Haddsch beginnt am ersten Tag in Mekka mit dem Eintritt in den Weihezustand Ihram und dem Lauf nach Mina. Dort bleiben die Pilger bis zum nächsten Morgen und brechen dann in Richtung der Ebene Arafat 20 km östlich von Mekka auf. Zu den Höhepunkten der Wallfahrt gehört das Stehen im Bereich dieser Ebene am zweiten Tag. Dort wird Gott um Vergebung gebeten, was bei den Pilgern der emotionalste Teil der Wallfahrt ist. Sie halten sich bis zum Sonnenuntergang an diesem Ort auf und begeben sich anschließend nach Muzdalifa, um dort zu übernachten.

Kurz vor Sonnenaufgang am dritten Tag erfolgt der Aufbruch nach Mina. Dort wird der Ritus der symbolischen Steinigung des Teufels vollzogen, indem sieben (oder ein Vielfaches davon) kleine Steine auf die Dschamarat al-Aqaba geworfen werden, welche den Teufel symbolisiert. Diese Dschamara war in der Vergangenheit eine Säule, wurde mehrfach umgestaltet und ist heute eine hohe Mauer mit konkaven Wänden. Anschließend rasieren sich die männlichen Pilger das Haupthaar oder kürzen es, die Frauen schneiden sich eine Haarsträhne ab, was den Beginn eines neuen Lebensabschnittes, befreit von früheren Sünden, symbolisiert. Danach, noch am dritten Tag werden Opfertiere geschlachtet, wobei die Pilger nur einen kleinen Teil für sich behalten und den Rest den Armen überlassen. Dieser Tag, das Opferfest (Idu l-Adha), ist der höchste islamische Feiertag und wird auch von den daheim gebliebenen Muslimen überall auf der Welt begangen. Danach ist der Zustand des Ihram aufgehoben und die während des Tragens des Pilgergewandes zuvor verbotenen Dinge sind wieder erlaubt (mit Ausnahme des Geschlechtsverkehrs mit dem Ehepartner).

In der Folge kehren die Pilger zurück nach Mekka und zur Kaaba, einem würfelartigen Gebäude mit einem schwarzen Stein, und vollziehen den sogenannten Tawaf. Dabei wird die Kaaba sieben Mal entgegen dem Uhrzeigersinn umschritten. Wer zur Kaaba aufblickt, murmelt «Allahu akbar», «Gott ist groß», eine Vergegenwärtigung der Allmacht Gottes. Darauf erfolgt der so genannte Sa’i, indem unweit davon der siebenmalige Gang zwischen den beiden Hügeln Safa und Marwa durchgeführt wird, bei dem die Suche nach Wasser, wie Hagar sie erlebte, nachempfunden werden soll. Die nächsten zwei oder drei Tage verbringen die Pilger in Mina. Dort findet erneut der Ritus der symbolischen Steinigung des Teufels statt, wobei nun aber drei Dschamarat, mit jeweils sieben Steinen beworfen werden. Der Haddsch wird mit dem Abschiedstawaf und -sai abgeschlossen. Der Pilger kann jetzt in die Heimat zurückkehren.

Heuer werden im saudi-arabischen Mekka über zwei Millionen Teilnehmer erwartet, an die 100.000 Sicherheitskräfte sind im Einsatz.  Vor zwei Jahren waren bei einer Massenpanik während der Wallfahrt nach offiziellen Angaben 769 Pilger ums Leben gekommen. (Inoffizielle Berechnungen gehen von rund 2000 Todesopfern aus.) Und das war nicht der erste Unfall. Die saudischen Behörden ließen danach die Sicherheitsstrukturen überarbeiten. Überschattet wird die Wallfahrt in diesem Jahr von der diplomatischen Krise zwischen Katar und seinen Nachbarstaaten am Golf.  Teilnehmer, die mit Bussen aus Qatar kommen, werden problemlos nach Saudi-Arabien eingelassen. Ende des Hadsch ist am 4. September 2017.

Die Kaaba ist heute von einem Heer von Baukränen umgeben. Dahinter ragt der Uhrturm des „Mecca Royal Clock Tower Hotel“ in den Himmel, mit 601 Metern das zweithöchste Gebäude der Welt. Mit der Kommerzialisierung des Hadsch manifestieren sich auch bei den Pilgern Klassen, obwohl diese verschwinden sollten.

Der Bauwahn rund um die Kaaba, Gastarbeiter, riesige Parkplätze, Fast-Food-Ketten wie McDonald’s, Werbeplakate, arme Vororte, in denen illegale Einwanderer zum Teil schon in dritter Generation leben – all das ist auch Mekka. Was wie ein muslimisches Las Vegas scheint, ist den einen die natürliche Folge veränderter Zeiten, den anderen ein schmerzhafter Bruch mit der Vergangenheit.

Um Platz für die Millionen Pilger zu schaffen, zerstörte Saudi-Arabien große Teile des historischen Stadterbes von Mekka. Von den fünfzehn alten Vierteln Mekkas sind heute dreizehn komplett zerstört. Mehr als 95 Prozent der historischen Stätten mussten modernen Bauten wie Hotels oder Parkplätzen weichen. Dafür mussten Säulengänge aus osmanischer Zeit und Marmorsäulen aus dem 8. Jahrhundert den Bulldozern weichen. Ein Hadith, eine überlieferte Äußerung des Propheten Mohammed, besagt, dass dieser angeblich verboten habe, Mekka zu verändern und zum Beispiel Bäume an der heiligen Stätte auszureißen. Davon ist die Baupolitik in Mekka weit entfernt. Nicht einmal Berge konnten den Bulldozern im Weg stehen: Ein Hügel wurde für den Bau des Clock-Tower-Hotels samt der osmanischen Festung, die darauf stand, abgetragen. Manche meinen, Mekka habe an Spiritualität verloren.

Es gab eine Zeit, in der die Familien Mekkas Pilger in ihren Häusern unterbrachten, ehe es Luxushotels und Package Deals gab, eine Vergangenheit, wo in der Großen Moschee Gelehrte verschiedener Rechtsschulen debattierten, auch Schiiten. Heute sind nur noch wahhabitische Prediger in der Moschee anzutreffen. Die wahhabitische Geistlichkeit, welche mit der Königsfamilie seit Begründung des Königreiches einen Pakt zum gegenseitigen Machterhalt aufrechterhält und die radikalen wirtschaftlichen und sozialen Transformationen der Moderne mit rigiden Gesetzen zur «Wahrung der Tradition» kompensiert, beherrscht den Haddsch.

Ist Mekka heute das krankende Herz der Umma?

 

 

 

 

Der Haddsch

Die Beseitigung von Statuen – allüberall und fast immer

Jetzt hat die Ukraine alle 1320 Lenin Statuen beseitigt.

Die Beseitigung der Statue Saddam Husseins in Bagdad hat mich damals 2003 tief beeindruckt: Ein US-Panzer hat mit einem Seil die Statue des irakischen Präsidenten Saddam Hussein am zentralen Fardus-Platz in Bagdad zu Fall gebracht. Der übergroße Saddam blieb allerdings nach seinem Sturz zunächst auf dem Sockel hängen, bevor er zu Boden fiel. Eine jubelnde Menge stürzte sich danach auf die Trümmer der riesigen Statue und feierte deren Sturz. Vor dem Sturz hatte ein aufgebrachter Iraker der riesigen Statue eine Schlinge um den Hals geworfen, andere schlugen mit einem Vorschlaghammer auf den Sockel der Statue. Zahlreiche Menschen versammelten sich auf dem Platz, wo kurz zuvor vier Panzer und weitere Truppentransporter vorgefahren waren. Von regierungstreuen Sicherheitskräften oder Soldaten war nichts zu sehen. Der britische Fernsehsender BBC zeigte Bilder von Marineinfanteristen, die die Statue erklommen und den Kopf des überlebensgroßen Saddam mit einer amerikanischen Fahne verhängten. Daraufhin befestigten sie eine irakische Flagge am Hals der Statue, sodass sie wie eine Krawatte herunterhing. Danach zog ein US-Panzer die Statue mit einem Seil zu Boden.  Dieses Bild wurde medial als „Ikone des amerikanischen Siegs“ rezipiert, obwohl der Diktator erst bedeutend später ergriffen werden konnte.

Warum stürzt man eigentlich Statuen? Jedenfalls nennt man das: Politischen Ikonoklasmus (auch Denkmalsturz). Es ist die politisch motivierte Beseitigung oder Zerstörung von Herrschaftssymbolen oder Herrscherbildern, meist im Zusammenhang mit dem Sturz eines Herrschers oder dem Zusammenbruch eines politischen Systems. Das Ziel dabei ist, den Machtverlust symbolisch sichtbar zu machen beziehungsweise die Symbole einer untergegangenen Herrschaft dauerhaft aus der öffentlichen Wahrnehmung zu entfernen.

Aber es ist nicht nur ein Zeichen unserer Zeit: Im alten Ägypten ließ Pharao Thutmosis III. den Totentempel seiner Stiefmutter Hatschepsut von Bildnissen und Zeugnissen ihrer Existenz befreien und ihren Namen durch die anderen Pharaonen ersetzen. Besonders im antiken Rom können ikonoklastische Handlungen im Zuge der damnatio memoriae als Mittel der Geschichtspolitik beobachtet werden. Hierbei wurden die Bildnisse des Herrschers beschädigt, vernichtet oder im Tiber versenkt.

Der im Allgemeinen als Beginn der Französischen Revolution 1789 betrachtete Sturm auf die Bastille ist ein Beispiel des politischen Ikonoklasmus. Das als Burg errichtete und zuletzt als Gefängnis genutzte Bauwerk galt als Symbol königlich-absolutistischer Willkürherrschaft und dessen Repressionsmechanismen. Mit der Erstürmung und dem späteren Abriss der Bastille sollte der Umsturz des alten, verhassten Regimes (Ancien Régime) symbolisch besiegelt werden. Vergleichbar hierzu ist u.a. auch die Erstürmung des Winterpalais in St. Petersburg 1917.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die Symbole des Nationalsozialismus, wie beispielsweise Hitlerbilder oder Hakenkreuze, fast überall aus dem öffentlichen Raum entfernt. In Deutschland ist die Verwendung solcher Symbole, mit wenigen eng definierten Ausnahmen, als Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen unter Strafe gestellt. In Österreich existiert mit dem Abzeichengesetz eine vergleichbare Regelung.

Ähnlich wie bei der Französischen Revolution kann auch der Fall der Berliner Mauer, bei dem die Menschen zum Teil mit Hammer und Meißel Teile des Bauwerks zerstörten, als symbolischer Sturz eines Monuments der sozialistischen Herrschaft angesehen werden. Auch diesen Vorgang haben wir alle sehr beglückt im Fernsehen verfolgt.

Der Zusammenbruch des Sozialismus führte dazu, dass zahlreiche Denkmäler, aber auch Gebäude des alten Regimes entfernt wurden. Ein sehr prominentes Beispiel ist der Abriss des Lenindenkmals 1991 in Berlin-Friedrichshain, wobei symbolträchtig zunächst der Kopf entfernt wurde und zusammen mit den restlichen Teilen der Statue vergraben wurde. Auch der Palast der Republik als Ikone der sozialistischen Vergangenheit wurde abgerissen.

Und heute? Nach den Protesten und gewaltsamen Ausschreitungen bei der Rassisten-Kundgebung in Charlottesville entfernen immer mehr Städte im Süden der USA Statuen, die an den Bürgerkrieg erinnern. Z.B. wurden kürzlich in Baltimore die Statuen von mehreren Generälen der Südstaaten entfernt. Mit Kränen wurden ein Monument für die Generäle Robert E. Lee und Thomas «Stonewall» Jackson sowie die Statue des Vorsitzenden des Obersten Gerichtshofes, Roger B. Taney (1777-1864), der aus einer Familie von Sklavenhaltern stammt, entfernt.

Schätzungen zufolge gibt es bis zu 1500 Konföderierten-Denkmäler sowie nach ihnen benannte Straßen, Brücken und Militärbasen.

Diese Monumente gedenken getöteten Soldaten der Südstaaten aus dem Amerikanischen Bürgerkrieg (1861-1865), für viele Amerikaner sind sie aber auch Symbole für Rassismus. Die Konföderierten, die sich damals vom Norden losgesagt hatten, wollten die Sklaverei beibehalten. Der Aufmarsch ultrarechter Gruppen in Charlottesville galt dem Streit über das Denkmal Robert E. Lees. Der Sieger in vielen Schlachten des Bürgerkriegs ist eine Ikone, aber nicht nur im Süden.

Der Hass, der im Bürgerkrieg mindestens 650.000 Amerikanern das Leben und dem Süden seinen Wohlstand gekostet hat, schwelt weiter. Warum er sich so leicht an der Person von Robert E. Lee (1807–1870) entzündet, hat mehrere Gründe. Als Spross einer der führenden Familien des US-Gründungsstaats Virginia verkörpert er so recht den Typus des südstaatlichen Gentlemans, der seit jeher das verklärte Leitbild des Südens repräsentierte. Als herausragender General des Bürgerkriegs siegte er in zahlreichen Schlachten, die der Konföderation beinahe den Sieg gebracht hätten. Und, nicht zuletzt, gilt er auch im Norden als großer Stratege, ja als Held aller Amerikaner. Lees Vater war Gouverneur von Virginia gewesen, seine Frau eine Urenkelin von Martha Washington, der ersten First Lady der USA. Ihre Plantage Arlington House lag am Ufer des Potomac in Sichtweite Washingtons. Übrigens: Amerikas Nationalfriedhof Arlington erstreckt sich auf Lees ehemaliger Plantage.

Rechtsradikale Gruppen wie die Alt-Right-Bewegung oder der Ku-Klux-Klan huldigen der Vision von einer White Supremacy, der unbedingten Dominanz der weißen Rasse in und über Amerika, wie sie bis zur Befreiung der Sklaven durch den 13. Verfassungszusatz 1865 südlich der Mason-Dixon-Linie Fundament jeglicher sozialen Ordnung gewesen war.

Was nun die Entfernung von Statuen bringen soll?  Mir ist es noch immer nicht klar – sie hatten doch die Geschichte abgebildet!

Die Beseitigung von Statuen – allüberall und fast immer

Was haben Trump und Caligula gemeinsam?

Über Trump wird viel geschrieben – und geklagt. In einem amerikanischen Magazin habe ich einen Vergleich Trump – Caligula gefunden, und zwar unter dem Motto: was geschieht, wenn die Menschen eines Landes plötzlich feststellen müssen, dass ihr Anführer vielleicht nicht ganz richtig im Kopf sein sollte.

Gaius Caesar Augustus Germanicus (*12 als Gaius Julius Caesar; † 41), postum bekannt als Caligula, war von 37 bis 41 römischer Kaiser. Caligulas Jugend war von den Intrigen eines ehrgeizigen Prätorianerpräfekten geprägt. Nach hoffnungsvollem Regierungsbeginn, der durch persönliche Schicksalsschläge getrübt wurde, übte der Kaiser seine Herrschaft zunehmend als autokratischer Monarch aus und ließ in Hochverratsprozessen zahlreiche Senatoren in willkürlicher Ausschöpfung seiner Amtsgewalt zum Tode verurteilen.

Als er 37 zum römischen Imperator wurde, freut das seine Untertanen, ein römischer Autor des Ersten Jahrhunderts schrieb, dass überall Altäre aufgestellt und geschmückt wurden, Männer und Frauen ihre besten Festtagsgewänder angelegt haben – und lächelten!

Auch der Senat hieß ihn willkommen, man sah in ihm einen frischen Wind nach der Sturheit, den langen Abwesenheiten und dem Geiz seines Großonkels, Kaiser Tiberius. Caligula dagegen war farbenprächtig, auffällig, er bot viele Gelegenheiten für frechen Tratsch. Der neue Kaiser hatte sehr rasch hintereinander vier Ehefrauen, und man sagte ihm nach, dass er mit seiner Schwester schliefe. (die römischen Geschichtsschreiber verachteten ihn, daher muss man den Tratsch eher skeptisch betrachten). Er war charmant, ungestüm, tatkräftig. Er schlief angeblich nur drei Stunden in der Nacht und hatte einen guten direkten Draht zu den Menschen.

Am Beginn seiner Amtszeit beschäftigte er sich hauptsächlich damit, seinen Vorgänger zu verunglimpfen, und alles das dieser erreicht hatte, umzudrehen und zu zerstören. Caligula versprach auch eine Steuerreform, um die Belastungen der Menschen zu verringern. Überdies machte er großspurige Versprechungen zu Infrastrukturprojekten, z.B. um den Isthmus von Korinth zu durchstechen.

Aber leider hatte Caligula wenig Erfahrung in Regierungsgeschäften und es zeigte sich, dass er vollständig unfähig war, diese Projekte auch durchzusetzen, ja überhaupt etwas zu erreichen. Und dazu kam sein persönliches Luxusleben, das dazu führte, dass er Steuern erhöhen musste.

Sueton, der römische Historiker, berichtete, dass das Heck seiner Schiffe mit Edelsteinen geschmückt, die Segel mehrfärbig waren. Auf diesen Schiffen gab es auch große Bäder, Wandelgänge, Ballsäle und sogar Weinstöcke und Obstbäume.

Die Römer akzeptierten anfänglich die Extravaganzen ihres Kaisers, sie imponierten ihnen sogar. Aber seine verschwenderischen Ausgaben brauchten sogar den Überschuss auf, den er geerbt hatte. Und Rom hatte kein Geld mehr. Das führte nun zu zunehmend verzweifelten, grausamen und tyrannischen Verhalten des Kaisers. Es wird berichtet, dass Caligula sogar ein Bordell in seinem Palast eingerichtet hatte, um zu Geld zu kommen. Und er führte neue Steuern ein, als das nicht reichte, konfiszierte er die Besitzungen der römischen Elite, die das klarerweise ablehnte. Manchmal musste er manche der Besitzer töten lassen. Er selbst war ein Feigling, aber man sagte ihm nach, dass es ihm Vergnügen machte, bei der Folterung anderer zu zu sehen. Angeblich soll er zu Folterknechten gesagt haben: „töte ihn so, dass er es spürt zu sterben“.

Caligula, selbstverliebt und sich selbst bewundernd, größenwahnsinnig, wurde zunehmend verwirrter. Angeblich rollte er sich in einem großen Haufen aus Goldmünzen, sprach mit dem Mond, den er in sein Bett einlud. Er ersetzte die Köpfe mancher Götterstatuen mit seinem eigenen Kopf, und manchmal erschien er als Gott verkleidet in der Öffentlichkeit. Er ließ sich gottähnlich verehren, und ließ einen Tempel bauen, indem er verehrt werden konnte. Laut Sueton meinte er zu seiner Großmutter: „Erinnere dich daran, dass ich das Recht habe jedem alles anzutun.“

Sueton liebte auch alles Militärische, und zuweilen trug er auch die Triumphkleidung eines Feldherrn. Es ließ den Brustpanzer von Alexander dem Großen aus seinem Grab entfernen und trug ihn selber zu bestimmten Anlässen.

Der Senat, selbst würdevoll und traditionell, beobachtete Caligula mit zunehmender Beunruhigung. Er schockierte den Senat, auch indem er manchmal Frauenkleider trug, und er vergrößerte die Spannungen, indem er die Senatoren beleidigend verunglimpfte, und seine Verachtung für die Institution zur Schau stellte.

Einer der letzten Freunde Caligulas war sein geliebtes Rennpferd, Incitatus, das ein mit Schmuckseinen besetztes Geschirr trug und in einem Marmorstall untergebracht war., manchmal lud Caligula das Pferd ein, mit ihm zu speisen.

Ein Historiker an der Princeton University meint, dass Caligula eine Lust an Streichen hatte, die ein Vierjähriger verachten würde. Er zeigte auch eine Neigung, mit allem heraus zu platzen, was ihm gerade in den Sinn kam. Z.B. hatte er vorgeschlagen, Incitatus zum Konsul zu machen. Diese Sprüche zirkulierten in Rom, denn mächtige Führer werden nicht nur ernst sondern auch wörtlich genommen.

Während Caligula Chaos verursachte, hatte Rom auch Werte, Institutionen und Sitten, die dazu führten, dass es zu Widerstand kam. Er hatte fast jeden beleidigt, hatte seine Versprechungen nicht erfüllen können. Seine geistige Stabilität wurde zunehmend in Zweifel gezogen und Caligula hatte gezeigt, dass er einfach nicht in der Lage war, zu regieren. Innerhalb von wenigen Jahren hatte er jegliche Unterstützung verloren und wurde von seiner Prätorianer-Garde im Jänner 41 ermordet.

Er war ein verabscheuungswürdiger Lenker einer großen Nation, aber Rom zeigte sich unverwüstlich (damals noch). Aber auch später noch, unter dem Kaiser Nero, der Rom wahrscheinlich anzündete, Christen hinschlachtete, der mit seiner Mutter geschlafen hatte, die dann dennoch umbrachte, seine schwangere Frau zu Tode trat, sich kastrieren ließ, einen Mann heiratete und das Reich schlecht verwaltete.

Wer immer Rom auch regierte, wie sehr Rom auch darunter litt, die römischen Institutionen und traditionellen Werte hielten das Reich aufrecht, dass es sich später zu seiner ganzen Größe entfalten konnte.

Was kann davon abgeleitet werden? Wenn sich Rom gegen instabile Regenten wehren konnte, damit es sich erholen und sich zu neuer Glorie erheben konnte, können auch andere große Nationen katastrophale Führer überleben und ihre Widerstandfähigkeit beweisen, allerdings nur, wenn die Öffentlichkeit zu den wahren Werten, Institutionen und Traditionen steht. Das war vor 2000 Jahren so und trifft auch heute zu.

Heute fehlt uns halt die Prätorianer-Garde.

Was haben Trump und Caligula gemeinsam?

Die 1968er Bewegung – wie ich sie damals wahrnahm

Ich sah mich nie als Teil der 68er Bewegung – obwohl ich altersmäßig durchaus in diese Gruppe hätte fallen können. Aber zu diesem Zeitpunkt war ich schon verheiratet, hatte zwei Kinder und auch berufliche Herausforderungen – daher hatte ich für „revolutionäre Aktionen“ kaum Zeit, und auch eigentlich kein Interesse.

Direkt betroffen war wir nur einmal – auf einer Reise durch Frankreich, als die Polizei aufgrund von Demonstrationen Straßensperren errichtete –  es waren Nagelsperren, die ich bis dahin nicht gekannt hatte.

Die Pariser Demonstrationen gingen von der Universität Paris-Nanterre aus. Nach einer Aktion gegen den Krieg in Vietnam gründeten Angehörige der Hochschule die Bewegung des 22. März. Zu den führenden Köpfen gehörte Daniel Cohn-Bendit (* 1945). Nach seiner Ausweisung aus Frankreich war er im Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) und der APO aktiv. Von 1994 bis 2014 war er Mitglied im Europäischen Parlament.

Nach dem Attentat auf den deutschen Studentenführer Rudi Dutschke bekundeten viele Menschen ihre Solidarität. Als in Paris die Polizei Demonstrationen gewaltsam beendete, protestierten in der Provinz zahlreiche Bürger. Frankreich erlebte in der Nacht vom 10. auf den 11. Mai 1968 eine der gewaltsamsten Auseinandersetzungen seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Am 13. Mai demonstrieren im ganzen Land Hunderttausende.

Jetzt ging es nicht mehr um die Forderungen der Studenten, sondern um Lohnerhöhungen und um die Einführung der 40-Stunden-Woche. Frankreichs Arbeiter verlangten eine Regierung des Volkes. 10 Millionen Werktätige waren im Warnstreik, drei Wochen lang besetzten sie ihre Fabriken. Die Arbeiter übernahmen von den Studenten deren Formen des Protests und politische Inhalte. Ihre Forderungen richteten sich gegen die Hierarchien in den Betrieben, die sich in einem großen Lohngefälle ausdrückten. Nach der gleichzeitigen Drohung De Gaulles mit dem Ausnahmezustand und der Ankündigung von Wahlen kam es zu einer starken Pro-De Gaulle-Kundgebung. Ende Juni 1968 ebbten Streiks und Fabrikbesetzungen ab.

In Deutschland nahm die 68’er Bewegung einen anderen Verlauf: Am 9. November 1967 entrollte Studenten bei der Rektoratsübergabe an der Universität Hamburg ein Transparent mit der Aufschrift „Unter den Talaren – Muff von 1000 Jahren“. Sie setzten sich für die Drittelparität zwischen Professoren, dem akademischen Mittelbau und den Studierenden ein. Der Student Benno Ohnesorg wurde durch die Polizei bei der Demonstration am 2. Juni 1967 in West-Berlin gegen den Staatsbesuch von Schah Mohammad Reza Pahlavi erschossen.

Am 17. und 18. Februar 1968 fand in Berlin ein Internationaler Vietnamkongress statt. Der Sozialistische Deutsche Studentenbund und die Brüsseler Konferenz riefen zum Widerstand gegen den westlichen Imperialismus, sowie gegen den Vietnamkrieg auf. 1968 entstand in West-Berlin der zur außerparlamentarischen Opposition gehörende Aktionsrat zur Befreiung der Frauen. Dieser protestierte gegen die patriarchalen Strukturen der maskulin dominierten 68er-Bewegung. In Deutschland gilt dieses Ereignis als Beginn der Frauenbewegung. In verschiedenen Universitätsstädten entstanden studentisch-feministische Weiberräte.

Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Thorwald Proll und Horst Söhnlein waren für die politisch motivierten Kaufhaus-Brandstiftungen am 2. April 1968 in Frankfurt am Main verantwortlich. Kaufhäuser galten als Symbol des Kapitalismus. Über den Prozess gegen die Brandstifter schrieb Ulrike Meinhof. Eine Journalistin und Publizistin, die sich später als Terroristin radikalisierte. Sie war Gründungsmitglied der Rote-Armee-Fraktion (RAF). Am 11. April 1968 wurde der marxistische Soziologe und politischen Aktivisten Rudi Dutschke erschossen. Er hatte schwere Hirnschäden erlitten, an denen er 1979 starb.

Am 1. Mai 1969 gründeten Klaus Eschen, Horst Mahler und Hans-Christian Ströbele in Berlin das Sozialistische Anwaltskollektiv. Diese Sozietät vertrat Aktivisten der 68er-Bewegung. Später wurde sie durch ihre Verteidigung von Mitgliedern der RAF im Stammheim-Prozess bekannt.

Ab Herbst 1969 verübte die linksgerichtete Terrorgruppe Tupamaros München einige Brand- und Sprengstoffanschläge. Die Tupamaros West-Berlin bekannten sich dazu, am 31. Jahrestag der Novemberpogrome einen Bombenanschlag auf das Jüdische Gemeindehaus in Berlin versucht zu haben.

Auch in Italien gärte es: Ende der 1960er Jahre plädierte der prominente Verleger Giangiacomo Feltrinelli für die Abschaffung des Kapitalismus. Er hatte zu verschiedenen extremistischen Gruppen und zu den Roten Brigaden Kontakt. Weil er einen Staatsstreich von rechts befürchtete, gründete er seine eigene Gruppe, diese sollte, wenn nötig, gewaltsame Mittel nutzen, um ihre politischen Ziele zu verwirklichen.

In der osteuropäischen Region waren der Prager Frühling und seine Niederschlagung durch die Rote Armee der UdSSR Schlüsselereignisse, die auf Polen, Ungarn, Jugoslawien und Rumänien ausstrahlten. Im sowjetischen Machtbereich, dem Ostblock, fanden unter sehr verschiedenen Vorzeichen tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen statt.

In den USA drehte sich viel um den Vietnamkrieg einerseits und um die Bürgerrechtsbewegung (Martin Luther King) andererseits. Martin Luther King sprach sich als einer der ersten prominenten US-Amerikaner gegen den Vietnamkrieg aus. Er trat für eine Zusammenarbeit zwischen der Bürgerrechtsbewegung und der Friedensbewegung ein. Am 28. August 1963 erreichte die Bürgerrechtsbewegung der Afroamerikaner ihren Höhepunkt als mehr als 250 000 Menschen Martin Luther Kings Rede „Ich habe einen Traum“ zuhörten. Unter ihnen waren etwa 60 000 Weiße. Am 2. Juli 1964 verabschiedete der Kongress der Vereinigten Staaten Gesetze gegen die politische, soziale und rechtliche Diskriminierung. Am 4. April 1968 wurde Martin Luther King erschossen. Die Studentenbewegungen in den USA orientierten sich teilweise an der Black Panther Party und deren identitärer Politik. Am 15. April 1967 demonstrierten in New York City 300 000 Menschen gegen die amerikanischen Bombenangriffe auf Nordvietnam und forderten den sofortigen Abzug der US-Amerikaner aus Südvietnam. Im Oktober 1967 kam es in Washington D.C. zu großen Straßendemonstrationen. Diese Proteste strahlten auf Paris, Amsterdam, Kopenhagen, Berlin und Tokio aus. Aus der studentisch geprägten Antikriegsbewegung entstand die Hippiebewegung mit Aufrufen, wie „Make Love Not War“.

In Österreich gab es den Wiener Aktionismus mit der Aktion Kunst und Revolution; von 1962 bis 1970 hatte eine Gruppe Wiener Künstler das Konzept der amerikanischen Happening-Kunst aufgriffen und auf äußerst provokante Weise umsetzten. Die zentralen Protagonisten dieser Kunstrichtung waren Günter Brus, Otto Muehl, Hermann Nitsch und Rudolf Schwarz Kögler. Der Wiener Aktionismus wandte sich gegen repressive gesellschaftliche Zustände und suchte bewusst die Konfrontation mit staatlicher und kirchlicher Autorität. Über drastische Ausdrucksweisen und aggressive Tabuverletzung sollten einerseits Mechanismen offener und vor allem versteckter (unterdrückter) Grausamkeit und Perversion in der bürgerlichen Gesellschaft dargestellt werden, andererseits sollte ebendiese Gesellschaft damit schockiert werden – was auch gelang. Besondere Berühmtheit erlangten die Wiener Aktionisten durch die von den Medien als Uni-Ferkelei bezeichnete Aktion von Brus, Muehl und Oswald Wiener vom 7. Juni 1968, die eine Anklage aller Beteiligten nach sich zog.

All das entnahm ich den Medien, damals hauptsächlich Zeitungen und Radio. Der Einsatz von Gewalt stieß mich ab, besonders in Deutschland die Aktionen der RAF und in Italien die Roten Brigaden. Die Wiener Ferkeleien waren mit zuwider und ich konnte deren Ziele nicht ernst nehmen. Sehr betroffen machte mich der Einmarsch der Warschauer Truppen in Prag.

Viele Aspekte spielten eine Rolle, nicht nur der Feminismus, auch der Wunsch nach Frieden, die griechische Militärdiktatur, der Prager Frühling, der Schah von Persien, aber auch die Pille zur Empfängnisverhütung. Zu verstehen ist die 68’er Bewegung besser aus dem damals herrschenden Umfeld, für viele war der Vietnamkrieg ausschlaggebend.

Es war eine sehr turbulente Zeit, der „Marsch der 68’er durch die Institutionen“ hatte begonnen und in Österreich z.B. kam es in der Folge zu tiefgreifenden friedlichen Änderungen z.B. in der Familienpolitik (Abschaffung des Patriarchats, antiautoritärer Kindererziehung) an den Universitäten und auf dem Gebiet des Bürgerlichen Rechts.

Die Welt hat sich verändert, die Schwerpunkte der Studenten sind friedlicher geworden, Kriege toben noch überall aber wir sind über Flüchtlinge bekümmert..

Die 1968er Bewegung – wie ich sie damals wahrnahm

Der Stock-im-Eisen: heute und in der Sage

Der Stock-im-Eisen ist der Brennpunkt des Tourismus in Wien; von hier hat man einen hervorragenden Platz, um den Stephansdom zu photographieren, und das tut wohl fast jeder Wien-Besucher. Daher ist es gar nicht so leicht, zum Stock im Eisen zu gelangen.

Der Stock-im-Eisen ist der mittlere Teil einer zweiwipfeligen Zwieselfichte aus dem Mittelalter, die über und über mit Nägeln beschlagen wurde. Man nennt solche Stämme Nagelbäume. Der Wiener Stock-im-Eisen ist der älteste noch erhaltene Nagelbaum, die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1533. Das Original steht heute noch in Wien, am Stock-im-Eisen-Platz 3, an der Ecke des Palais Equitable. Es wäre für kunstinteressierte Touristen durchaus empfehlenswert, einen Blick auf dieses Palais zu werfen, zwar Palais genannt, aber nie Adelssitz. Es wurde von der New Yorker Lebensversicherungsanstalt Equitable errichtet, auf dem Giebel befindet sich ein amerikanischer Adler, auf dem Dach ein Segelschiff, das die weltumspannende Tätigkeit der amerikanischen Versicherung darstellen soll.  1944 durch Bomben stark zerstört, aber wieder renoviert.

Aber zurück zum Stock-im Eisen: Die urkundliche Erwähnung von 1533 bezeichnet ihn als „Stock der im Eisen liegt“. Dies bezieht sich auf ein breites Eisenband in mittlerer Höhe mit der Attrappe eines Vorhängeschlosses. Die Fichte des späteren Stock-im-Eisen begann etwa um 1400 zu wachsen und wurde, wie Untersuchungen 1975 gezeigt haben, um das Jahr 1440 gefällt. Die Verjüngung in der Mitte des Stammes (er ist durch fünf Metallbänder gestützt) rührt von Axtschlägen her. Die Benagelung begann, als der Baum noch lebte (also vor 1440). 1548 befand er sich bereits an einem der Häuser am heutigen Stock-im-Eisen-Platz.

Ab 1715 fand dann eine Benagelung von Wandergesellen auf der Walz (Wanderjahre von Handwerksgesellen) statt. Diese unterscheidet sich jedoch deutlich von der mittelalterlichen Benagelung. Die wahrscheinlichste Theorie für die mittelalterliche Benagelung ist der alte Brauch, in Kreuze, Bäume und sogar Felsen, Nägel zum Schutz oder zum Dank der Heilung von Krankheiten zu schlagen – als Votivgabe. Nägel waren im Mittelalter immerhin teures Gut, das man nicht achtlos vertat. Der Brauch für durchreisende Schmiede und Schmiedgesellen, sich mit einem Nagel zu verewigen, entstand erst im 18. Jahrhundert.

Und wie an vielen Plätzen in Wien, ranket sich auch eine Sage um diesen Stock-im-Eisen:

„Ein armer Schlosserlehrling entwandte seinem Meister einen überaus künstlichen Nagel, welcher bei dem Bau eines Jagdschlosses Herzog Leopold des Heiligen verwendet werden sollte, das im Wienerwalde errichtet wurde. Bei der Heimkehr verirrte er sich in das Walddickicht.

Im Walde stand ein besonderer Baum, zu dem der Verirrte immer wieder gelangte, so dass er endlich ganz erschöpft und weinend unter diesen Baum auf das weiche Moos sank, und da wurde er inne, dass er sich eines großen Fehlers schuldig gemacht durch den Diebstahl, schämte sich aber doch, sein Verbrechen einzugestehen, wollte jedoch auch den Nagel nicht behalten und schlug ihn in den Baum.

Und wie er den Nagel in den Baum geschlagen hatte, so stand der böse Feind neben ihm und sprach: „Den gestohlenen Nagel kannst du wohl einschlagen; könntest du aber einen solchen Nagel und ein Schloss machen, das diesen Baum vor Axt und Säge schützte, so wäre dir geholfen.“

Der Junge erschrak zwar sehr, doch fasste er einen frischen Mut und sprach: „Ich habe des wohl Lust und Mut, solch Schloss fertigen zu lernen, so Ihr mir’s lehren wollt und könnt.“

Der Teufel sagte: „Topp!“ und hieß den Jungen mit sich gehen, der nun einen Bund mit ihm machte und von ihm Lehre und Unterweisung erhielt, so künstliche Schlösser zu verfertigen, wie niemand in der Welt. Diese Schlösser vermochte kein anderer Schlossermeister zu öffnen, und so verdiente der junge Meister viel Gut und Geld und wurde ein reicher und angesehener Mann. Neben jenem Nagel schlug er einen ganz gleichen ein, zum Zeichen, dass er seinem Meister gleich sei an Kunstfertigkeit, und umgab den Baum, dessen obern Teil er absägte, so dass nur noch ein Stock dastand, mit einem starken Eisenring, hing auch ein Schloss daran, welches kein Mensch zu öffnen vermochte (das Schloss am Stock im Eisen ist nur eine Attrappe und daher tatsächlich keinem Schlüssel zugänglich), und lebte herrlich und in Freuden.

Endlich, so kam die Zeit, dass der Pakt um war, den der Schlosser mit dem Bösen geschlossen, und dieser gedachte ihn zu holen. Jedoch der Schlosser hatte längst bereut, sich mit dem Feind eingelassen zu haben, und ging jeden Morgen in die Kirche, eine Messe zu hören. Die Kraft der Messe aber schützte den Frommen je vierundzwanzig Stunden lang, das wusste er gar wohl, und deshalb hörte er sie täglich, und der Böse, der auf ihn lauerte, konnte ihm nichts anhaben. Eines Tages ging er in einen Keller auf Sankt Peters Platze, allda vor Anfang der Kirche ein Glas Wein zum Morgenimbiss zu trinken, und verspätete sich. Als er endlich doch zur Kirche schritt, begegnete ihm ein altes Weib, das rief ihm zu: „Zu spät! zu spät! Die heilige Messe ist schon gelesen!“ Daließ sich der Schlosser betören und kehrte um und ging wieder in den Keller, noch ein Glas Wein zu trinken; kaum aber setzte er den Becher an die Lippen, so trat das alte Weib von vorhin, das niemand anders als der Teufel war, auch herein, fasste und würgte ihn, drehte ihm den Hals um und hing ihn an die Wand an einen Haken.“

Ich weiß nicht, wie vielen Touristen diese Sage (oder eine ähnliche) von ihren Fremdenführern erzählt wird, aber es ließe sich aus dieser Sage einiges ableiten, für unser Leben heute: nicht stehlen, nicht zu ehrgeizig zu sein, nicht jedem gleich glauben, sondern Aussagen hinterfragen, und vielleicht zuweilen nicht zu tief ins Glas zu schauen.

Ein Besuch des Stock-im Eisen und des Palais Equitable in einer stilleren Zeit ist durchaus empfehlenswert.

 

Der Stock-im-Eisen: heute und in der Sage

Werden 4000 zusätzliche US Soldaten die Taliban ausrotten können?

Wenn man über Afghanistan spricht, muss man die Taliban erwähnen.  Die Taliban sind aber nicht die einzige extremistische Organisation, die in Afghanistan ansässig ist, da gibt es noch die Al-Qaida, Vertreter des Islamischen Staates aber auch das hierorts weniger bekannte Haqqani-Netzwerk (militante, terroristisch-islamistische Organisation in Afghanistan und Pakistan; wird für zahlreiche tödliche Anschläge in Afghanistan verantwortlich gemacht).

Die Taliban selbst gehören der ideologischen Schule der Deobandis an, einer fundamentalistischen Gruppe mit Hauptsitz in Deoband, Indien. In der Koranschule in Peschawar, dem größten pakistanischen Ableger der Dar ul-‚Ulum Haqqania-Koranschule, rekrutierten sich viele hochrangige Taliban. Politischer Zweig und Unterstützer der Schulen der Deobandis ist die Partei Jamiat Ulema-e-Islam in Pakistan. 2007 wurden die Medresen in Pakistan auf 13.500 geschätzt, andere gehen von 20.000 aus.

Die Taliban zerstörten auch kulturelle Zeugnisse, die sie als unislamisch werteten. Dazu gehörten die Buddha-Statuen von Bamiyan (UNESCO Weltkulturerbe) sowie buddhistische Ausstellungsstücke des Museums in Kabul.

Während der Regierungszeit der Taliban im Islamischen Emirat Afghanistan von 1996 bis 2001 wurden die Taliban durch die Unterdrückung von Frauen weltweit bekannt. Ihr Ziel war es, ein „sicheres Umfeld für die Frau zu schaffen, in der ihre Keuschheit und Würde wieder unantastbar ist“. Frauen wurden gezwungen, in der Öffentlichkeit die Burka zu tragen, weil „das Gesicht der Frau eine Quelle der Korruption für die mit ihr nicht verwandten Männer ist“. Es wurde Frauen verboten zu arbeiten, und sie durften ab einem Alter von acht Jahren nicht mehr unterrichtet werden. Dieses Arbeitsverbot hat besonders Witwen betroffen, die ihren Unterhalt nur mehr durch Bettelei finanzieren konnten. Durch die Wirren des Krieges lebten allein in Kabul ca. 30.000 Frauen als Witwen ohne jegliche männliche Verwandtschaft.

Nachdem sie die Kontrolle über Afghanistan erkämpft hatten, erließen die Taliban zudem Edikte, die die Rechte der Frauen noch weiter einschränkten. Sie betrafen die Bereiche Bildung, medizinische Versorgung, Kleidung und Verhalten in der Öffentlichkeit. Mädchen war es verboten, zur Schule zu gehen. Viele Schulen wurden geschlossen, worauf die Mädchen, wenn überhaupt, nur noch privat unterrichtet werden konnten.

Zugang zu medizinischer Versorgung war vor allem den Frauen fast unmöglich. Es gab zur Zeit der Talibanherrschaft in Kabul ein einziges Krankenhaus, in dem Frauen behandelt werden durften. Dort war die Grundausstattung mangelhaft, Röntgen- oder Sauerstoffgeräte und Medikamente fehlten, fließendes Wasser war nicht vorhanden. Es war schwierig überhaupt behandelt zu werden, ohne männlichen Begleiter durfte einer Frau nicht geholfen werden. Da es männlichen Ärzten generell verboten war, Frauen anzuschauen oder zu berühren, konnten Frauen nur noch sehr eingeschränkt untersucht werden. Das Tragen der Burka war auch während der Behandlung Pflicht. Eine einfache Untersuchung oder ein Zahnarztbesuch war fast unmöglich, da der Schleier nicht hochgehoben werden durfte. Um die Einhaltung dieser Gesetze zu wahren, waren Taliban-Mitglieder in den Krankenhäusern anwesend. Falls sich Ärzte den Taliban-Gesetzen dennoch widersetzten, wurden schwere Strafen verhängt: z. B.  Schläge, Berufsverbot und Gefängnisstrafen.

Sowohl in den Städten als auch auf dem Lande waren (und sind teilweise heute noch) die hygienischen Verhältnisse auf niedrigstem Niveau. Öffentliche Bäder waren, soweit noch vorhanden, Frauen generell nicht mehr zugänglich.

Die Taliban verübten systematische Massaker gegen die Zivilbevölkerung, insbesondere gegen Angehörige der mehrheitlich schiitischen Hazara-Volksgruppe. Anfang 1998 schnitten die Taliban das Hauptsiedlungsgebiet der Hazara, systematisch von UN Hilfslieferungen ab. Die sogenannte 055 Brigade al-Qaidas war ebenfalls an Gräueltaten gegen die afghanische Zivilbevölkerung beteiligt. Zeugenaussagen beschreiben, dass arabische Milizionäre lange Messer mit sich trugen, mit denen sie Kehlen aufschnitten und Menschen häuteten. Die Taliban verfolgten zudem eine Politik der Verbrannten Erde. Ganze Landstriche wurden verbrannt, gesamte  Städte niedergerissen, die Einwohner ermordet oder vertrieben.

Zivilisten sind mehr als doppelt so häufig das Ziel tödlicher Anschläge der Taliban als afghanische Regierungstruppen oder Truppen der ISAF. Das sind jetzt doch wohl Kriegsverbrechen. Selbst religiöse Führer verurteilten die Anschläge der Taliban als Verstoß gegen die islamische Ethik.

Neben dem Drogenhandel finanzieren sich die Taliban über Spenden aus dem Ausland, dem Abzweigen internationaler Hilfsgelder, Schutzgelderpressung und der Erhebung von Steuern in den von ihnen kontrollierten Gebieten. Im Jahr 2017 wurde angenommen, dass Russland die Taliban mit Waffenlieferungen unterstützt.

Im von den Taliban regierten Afghanistan in den späten 1990er Jahren verdienten die Taliban am Anbau von Drogen und am Schmuggel mit Opium, Heroin, Haschisch und anderen Gütern. Dabei ließen die Taliban den Bauern und der Weiterverarbeitung des Rohopiums zu Heroin freie Hand und erhoben auf Anbau sowie Handel Steuern.

Im Jahr 2001, vor den Terroranschlägen am 11. September, setzten die Taliban ein rigoroses Anbauverbot für Schlafmohn in Afghanistan durch, welches weltweit den bisher größten Rückgang an Drogenproduktion innerhalb eines Jahres in einem Land zur Folge hatte.

Daraufhin wurde nur noch im nicht von den Taliban kontrollierten Norden Afghanistans Schlafmohn angebaut. Jedoch handelten die Taliban weiterhin mit Opium und Heroin aus Lagerbeständen. Der Anbaustop führte zu einer „humanitären Krise,“ da sich Tausende Kleinbauern ohne Einkommen wiederfanden. Der Rohopiumpreis stieg damals von einem Allzeittief von 28 $/kg auf ein Allzeithoch von 746 $/kg am 11. September 2001. Später fiel er wieder auf 95 $/kg, wahrscheinlich weil Lagerbestände angesichts einer drohenden Invasion verkauft wurden.

Im Jahr 2002 stieg die Anbaufläche für Schlafmohn von 8000 auf 74.000 Hektar. In den von Taliban kontrollierten Gebieten erheben lokale Taliban-Kommandeure oft eine zehnprozentige Steuer nicht nur auf den Verkauf von Rohopium, sondern auch auf diverse andere Geschäfte, z. B. die von kleinen Läden und Kleinbetrieben. Bei Nichtzahlung der Steuer wird Gewalt eingesetzt. Taliban-Kommandeure finanzieren sich auf Dorf-Ebene aus weiteren mafiösen Geschäften, z. B. Wegzöllen, müssen aber einen Teil davon an die ranghöheren Kommandeure abgeben. Taliban-Kommandeure schützen Produktion und Schmuggel von Opium militärisch und verlangen dafür bis zu 20 % der Einnahmen. Dabei setzen sie Waffengewalt gegenüber staatlicher Polizei ein und überfallen mitunter Kontrollpunkte um Drogenkonvois freie Fahrt zu garantieren. Daneben sind Taliban-Kommandeure an der Besteuerung oder dem Betrieb von bis zu 60 Heroinlaboren beteiligt.

Spendengelder erhalten die Taliban aus allen Teilen der Welt, vor allem aber aus der Golfregion. Genaue Zahlen zu den Spendensummen seien zwar schwierig zu ermitteln, jedoch seien Spendengelder „wichtiger“ als der Drogenhandel.

Ob die geplanten 4000 US Soldaten diese Situation erheblich verbessern werden können, bleibt anzuzweifeln.

Der Zivilbevölkerung Afghanistans ist jedenfalls zu wünschen, dass sie nicht unter einer Taliban Herrschaft leben muss.

 

Werden 4000 zusätzliche US Soldaten die Taliban ausrotten können?