Highlights der langen konfliktreichen Geschichte Afghanistans (von der Zeit v.Chr. bis 1989)

Schon wieder sollen die Truppen in Afghanistan aufgestockt werden. Ein afghanischer Freund hat einmal mir gegenüber diesen Wunsch geäußert, „wenn nur alle abziehen würden und man uns unsere Probleme allein lösen ließe“. Ich weiß nicht, ob das jetzt auch noch so einfach wäre, aber darüber nachzudenken lohnt nicht, da die Afghanen ohnedies nicht allein gelassen werden.

Aber darüber nachzudenken, welch in interessantes Land Afghanistan ist, sollte nicht verabsäumt werden. Afghanistan hat jedenfalls eine reiche, sehr lange zurückreichende Geschichte:  Schon im dritten und zweiten Jahrtausend v. Chr. lebten dort die Menschen vom Ackerbau und wohnten teilweise in Ortschaften, die schon städtischen Charakter hatten. Diese Oasenkultur bestand aus einer sozial gegliederte Gesellschaft, die aber um 1700 v. Chr. unterging. Ab etwa 500 v. Chr. gehörte das Gebiet des heutigen Afghanistan zum Perserreich. In Teilen von Afghanistan regierten im 3. und 2. Jahrhundert v. Chr. die Nachkommen der Truppen Alexanders des Große. Danach wurde das Gebiet vom Kuschana-Reich im Osten und von den Parthern und anschließend von den Sassaniden im Westen beherrscht. Damals kam der Buddhismus in das Gebiet des Hindukusch.

Nach dem Fall des Sassanidenreichs (651) und der Invasion der muslimischen Araber dominierten bis zum Mittelalter persische Lokaldynastien, die dem muslimischen Kalifat unterstanden. Der Islam setzte sich in dieser Region verhältnismäßig langsam durch, Letztendlich stieg er, vor allem in seiner sunnitischen Form, zur vorherrschenden Religion auf. Es kam zu einer politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Blütezeit in der Region. Diese blühende Stadtkultur wurde aber durch den Mongolenangriff im 13. Jahrhundert arg in Mitleidenschaft gezogen. Dann gründete Timur Lenk das türkisch-persische Timuriden-Reich.

Ab dem 16. Jahrhundert gehörten Herat und Ghur zum Reich der Safawiden, während Kabul dem Mogulreich unterstand. Kandahar gehörte abwechselnd Persien und Indien, bis sich im 18. Jahrhundert einige paschtunische- Stämme gegen die Perser und Mogulen erhoben.

Unzählige paschtunische Aufstände gegen die jeweiligen Herrscher (persische Safawiden und indische Mogulen) führten schließlich zum Sturz der Safawiden in Persien (1722). Dieser Sieg der Paschtunen hielt aber nicht lange an. Nur sieben Jahre später wurden sie von Nadir Schah besiegt und zurück nach Kandahar verdrängt. Durch die folgenden Eroberungen Nadir Schahs (1736–1747) erlangte das persische Reich vorübergehend wieder die Gewalt über die Region, die heute Afghanistan heißt. Nach dessen Ermordung übernahm der Stamm der Durrani, der mit Nadir Schah verbündet war, selbständig die Macht. Ihr Führer, der Paschtune Ahmad Schah Durrani begründete im Jahr 1747 ein selbständiges Königreich im Osten Persiens, das Durrani-Reich. Damit gilt er als der Begründer Afghanistans. Abgesehen von zwei kleinen Ausnahmen haben die Paschtunen das Land seit seiner Gründung durchgehend beherrscht.

Im 19. Jahrhundert führte der Konflikt zwischen den Kolonialmächten Russland und Großbritannien zum Eingreifen der Briten in einen Thronfolgerkrieg in Afghanistan. Mehrere Anglo-Afghanische Kriege waren die Folge (1839 bis 1842). Der britische Versuch scheiterte, Afghanistan zu besetzen und Indien anzugliedern. Die Engländer entschlossen sich dazu, Abdur Rahman Khan (* 1844; † 1901) auf den Thron zu setzen. Unter seiner Herrschaft legten Briten und Russen die heutigen Grenzen Afghanistans fest. 1893 wurde mit der Durand-Linie eine Demarkationslinie zwischen Afghanistan und Britisch-Indien geschaffen, die aber das Siedlungsgebiet des größten Volkes dieser Region, der Paschtunen durchtrennte. Im Jahre 1898 erhielt Afghanistan den Südteil des Khanates Buchara (Süd-Turkestan) zugesprochen und so seine bis heute gültige Nordgrenze.

Während des Ersten Weltkriegs versuchten das Deutsche und das Osmanische Reich, Afghanistan auf Seiten der Mittelmächte in den Krieg zu ziehen. Der Friede von Rāwalpindi beendete 1919 den dritten Afghanisch-Britischen Krieg, brachte dem Land die Souveränität und führte zum Vertrag von Kabul (1921) mit der Anerkennung der vollen Unabhängigkeit Afghanistans durch Großbritannien und Russland. Seit 1925 bestand ein konstitutionelles Königreich. In der zweiten Hälfte der 1930er Jahre schloss das Deutsche Reich einige Staatsverträge mit Afghanistan auf militärischem, wirtschaftlichem und kulturellem Gebiet. Sicherheitspolitisch schloss sich Afghanistan im Vertrag von Saadabad aus 1937 mit dem Irak, dem Iran und der Türkei auf einer gegenseitigen Nichtangriffsbasis gegen die Sowjetunion zusammen. Offiziere der Wehrmacht modernisierten Afghanistans Armee, Polizei und Geheimdienst wurden von Deutschen reorganisiert. Deutschland wurde für die gesamte landwirtschaftliche und industrielle Planung sowie den Ausbau des Straßenwesens Afghanistans federführend. Auch in das gesamte Erziehungs- und Ausbildungswesen schalteten sich die Nationalsozialisten ein. Trotz enger Handelsbeziehungen zu Deutschland, Italien und Japan, erklärte Afghanistan zu Beginn des Zweiten Weltkriegs die Neutralität des Landes.

Erst 1964 kam es mit der Verabschiedung einer neuen Verfassung durch die Loya Dschirga (Große Ratsversammlung) zur Einführung einer konstitutionellen Monarchie. Die ersten freien Wahlen fanden im September 1965 statt. Erstmals wurde ein Ministerium, nämlich das Gesundheitsministerium, einer Frau übertragen. Immer wieder gab es schwere Auseinandersetzungen zwischen den Volksteilen und Krisen durch Nahrungsmittelmangel. 1973 kam es zu einem Staatsstreich unter Führung von General Sardar Mohammed Daoud Khan, der aber relativ wenige Opfer forderte. Daoud Khan rief die Republik Afghanistan aus. Außenpolitisch strebte Daoud Khan die Beibehaltung des Status Afghanistans als Pufferstaat zwischen der Sowjetunion und dem Westen an. Daouds Regierung entwickelte sich aber zu einer brutalen Diktatur und wurde von Anfang an sowohl von der linken Opposition, die insbesondere in der Khalq-Partei (Volkspartei) organisiert war, als auch von islamischen Gruppierungen aus der Illegalität und dem pakistanischen Exil heraus bekämpft. Die Anführer der Khalq-Partei sahen eine Unterwanderung des afghanischen Militärs und die Durchführung eines Staatsstreiches als notwendiges Mittel zur Machtübernahme an. Der Kampf gegen Daoud Khan kulminierte im April 1978, in der der afghanische Diktator durch das Militär abgesetzt und hingerichtet wurde. Neue Machthaber in dem in „Demokratische Republik Afghanistan“ umbenannten Staat waren die Anführer der vorher illegalen Khalq-Partei. Sie starteten einen radikalen Versuch, das unterentwickelte Land mittels u.a. einer Bodenreform zu einem modernen sozialistischen Staat zu entwickeln. Ihre Abhängigkeit von sowjetischer Hilfe nahm zu, als die während der Bodenreform enteigneten Großgrundbesitzer zusammen mit dem lokalen muslimischen Klerus zu bewaffnetem Widerstand gegen das neue Regime aufriefen und dabei Unterstützung von chinesischer und wenig später von amerikanischer Seite erhielten. Zusätzlich begann sich die Khalq-Partei zu radikalisieren und opponierende Mitglieder aus ihren Reihen auszuschließen, zu verhaften oder zu ermorden. Als die Regierung gegenüber den konservativ-islamisch geprägten Kräften immer mehr in Defensive geriet, ließ die damalige sowjetische Regierung 1979 Truppen in Afghanistan einmarschieren und setzte Karmal als Präsidenten ein. Afghanistan geriet zum Schauplatz eines „Stellvertreterkrieges“, im Konflikt zwischen den von der Sowjetunion und den USA dominierten Machtblöcken. Es gelang den Sowjets jedoch nicht, den Widerstand der verschiedenen islamischen Gruppen (Mudschaheddin) zu brechen, obwohl eine waffentechnische Überlegenheit gegeben war. Die letzten sowjetischen Truppen verließen am 1989 das Land. Die afghanischen Widerstandskämpfer gewannen letztendlich den Konflikt mit Hilfe der gleichen Guerillataktik wie in den Afghanisch-Britischen Kriegen; außerdem konnten sie auf die Unterstützung aus Pakistan, Saudi-Arabien, den USA bauen, die zum Beispiel chinesische Waffen für die Mudschaheddin kauften und lieferten. Speziell in orthodoxen islamischen Ländern wie Saudi-Arabien wurden Söldner angeworben, die sich nach Kriegsende im zersplitterten Land festsetzten.

Fortsetzung folgt.

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