Die Schrecken der Demarkationslinie

Die Demarkationslinie war während der Besatzungszeit nach dem Zweiten Weltkrieg , denn da war sie aufrecht, stets gefürchtet. Es war nicht eine Staatsgrenze, wie wir sie heute (leider wieder) kennen, es war keine Binnengrenze oder Außengrenze, von der im Rahmen der EU gesprochen wird, es war etwas Sinisteres. Österreich war nach dem Zweiten Weltkrieg von 1945 bis 1955 von Streitkräften der Alliierten besetzt. Das besetzte Österreich dauerte jedenfalls bis zum Staatsvertrag von 1955, mit dem Österreich nach 17 Jahren „wieder frei“ wurde und seine Souveränität erlangte. Der Staat wurde in den Grenzen, wie sie bis zum „Anschluss“ an das Deutsche Reich 1938 bestanden hatten, wiederhergestellt und in vier Besatzungszonen aufgeteilt. Ab 1938 an die Gaue der „Ostmark bzw. der Alpen- und Donau-Reichsgaue“ des Großdeutschen Reiches angegliederte Gebiete fielen 1945 an die Tschechoslowakei (südböhmische und südmährische Gebiete) und Jugoslawien zurück. Im Gegenzug wurden das Vorarlberger Kleinwalsertal und die Tiroler Gemeinde Jungholz, die nach dem „Anschluss“ an den Gau Schwaben gefallen waren, wieder Teile Österreichs.

Der ungefähre Grenzverlauf der Zonen wurde aber bereits in der Moskauer Deklaration vom 30. Oktober 1943 beschlossen. Kleine Änderungen und Verschiebungen erfuhr diese Einteilung nur durch das Hinzukommen Frankreichs als Besatzungsmacht. Die Besatzungszonen hatten außerhalb Wiens (in seinen Grenzen von 1937) in ihrer definitiven Form folgenden Umfang:

  • Sowjetische Zone: Burgenland, Niederösterreich, Oberösterreich nördlich der Donau (Mühlviertel) und östlich der Enns; Oberkommando in Baden bei Wien,
  • US-amerikanische Zone: Oberösterreich südlich der Donau und westlich der Enns, Salzburg, Steirisches Salzkammergut (bis 1. Juli 1948),
  • Britische Zone: Kärnten, Osttirol, Steiermark (bis 1. Juli 1948 ohne Steirisches Salzkammergut),
  • Französische Zone: Nordtirol, Vorarlberg.

Um die Demarkationslinien zwischen den Besatzungszonen zu überschreiten, benötigte man einen von den Alliierten ausgestellten Identitätsausweis, der in vier Sprachen (Deutsch, Englisch, Französisch, Russisch) ausgefertigt war und Bestätigungsvermerke jeder der vier Besatzungsmächte trug (insgesamt elf Stempel). Zwischen den Zonen der westlichen Mächte kam es bald zu Reiseerleichterungen; das Überschreiten der Demarkationslinie zur sowjetischen Zone oder aus dieser gestaltete sich hingegen aufwändig. Um aus Wien in westliche oder südliche Bundesländer zu gelange, mussten man diese Kontrollen in beide Richtungen über sich ergehen lassen. Die sowjetischen Grenzkontrollen wurden erst im Juni 1954 beendet. Und keiner, der die diese Zonen-Grenze überqueren musste, konnte sicher sein, dass er nicht verhaftet werden würde.  Egal, wie man diese Grenze überschritt, ob im Zug, im Auto oder zu Fuß, man wurde genau geprüft. Und man zitterte, wie letztlich das „Urteil“ ausfallen würde. Züge z.B. standen lange an der Enns, bis alle Passagiere überprüft waren und nicht selten sah man Mitreisende ausstiegen und den kontrollierenden Soldaten in die Baracken folgen. Man bedauerte sie.

Das erste Mal, als ich davon erfuhr, war noch im Sommer 1945, als meine Mutter von Pregarten aus nach Linz fuhr, sie hatte irgendwie erfahren, dass mein Cousin sich dort aufhielt.  Sie hatte noch keinen I-Ausweis und borgte sich einen von einer älteren Frau aus, die ihr eigentlich auch gar nicht ähnlich sah. Ich durfte nicht mitkommen und zitterte, ob wohl alles gut gehen würde, dieser Teil der Reise ging gut, meinen Cousin konnte meine Mutter nicht finden.

Status oder Geld spielten bei diesen Kontrollen keine Rolle: Bundesminister Peter Krauland z.B. wollte an der Ennsbrücke in die sowjetische Zone einreisen, um nach Wien zu gelangen. Vorerst wird behauptet, dass seine Papiere falsch seien. Nach einer Viertelstunde wurde dem Minister eröffnet, dass seine Papiere in Ordnung seien, dass aber die Papiere von der mitreisenden Frau Dr. Margareta Ottilinger falsch wären. Trotz des Einspruchs des Ministers wurde Dr. Ottilinger auf der Kommandantur festgehalten. Die Beamtin konnte erst sieben Jahre später aus der Sowjetunion nach Österreich zurückkehren. Ob es sich bei dieser Aufsehen erregenden Affäre um einen „Schuss vor den Bug“ des als sehr US-freundlich geltenden Ministers handelte, ist bis heute nicht klar.

Bei diesen gefürchteten Prüfungen hatte man manchmal den Eindruck, dass die sowjetischen Soldaten nicht lesen konnten und nur die erforderlichen Stempel zählten. Manchmal wurde auch das Gepäck geprüft, das konnte sehr unangenehm werden, wenn man etwa Lebensmittel mitführte. Nicht nur, dass diese beschlagnahmt wurden, sondern es bestand auch die Gefahr, auf die Kommandantur mitgenommen zu werden, dort festgehalten zu werden und eventuell in ein russisches Lager verschleppt zu werden. Zu Beginn des Jänners 1946 saßen wir auf einem Lastwagen, der uns aus Pregarten nach Wien brachte, und wir hatten wohl aus Selbsterhaltungstrieb Lebensmittel im Gepäck. Wir hatten Glück, die Zonengrenze überquerten wir bei Nacht in eisiger Kälte und die russischen Soldaten zeigten kein großes Interesse an den verfrorenen Fahrgästen.

Ein Onkel meines Mannes, der während des Krieges von den Nationalsozialisten seines Jobs beraubt und auch sonst drangsaliert worden war, wurde ebenfalls an einer der Zonengrenzen aufgehalten. Er hatte seine Familie   dabei und war über die langsame Kontrolle sehr aufgebracht. Als endlich seine Papiere und die seiner Familie kontrolliert wurden und er den Eindruck hatte, dass der Soldaten wohl nicht lesen konnte, da er die I-Ausweise verkehrt hielt, entfuhr dem gute Onkel „Rotzpip‘n, asiatische“. Nun war es gefährlich, diese Soldaten zu beschimpfen und die gängigen Beschimpfungen hätte er wohl erkannt, aber diese Anrede – die war ihm nicht vertraut. Die Familie durfte queren.

Besonders ärgerlich war es für die Österreicher, dass die Kosten für diese Soldaten von ihnen selbst getragen werden mussten, im Jänner 1946 standen etwa 150.000 Rotarmisten in unserem Land, im Oktober 1954 belief sich das sowjetische Kontingent auf 36.000 Mann. Gegen Ende der Besatzung waren Teile Österreichs schon de facto besatzungsfrei, während Wien, Niederösterreich und Burgenland noch immer und spürbar unter militärischer Kontrolle standen. Die starke Präsenz der Amerikaner konzentrierte sich auf den Stadtraum Salzburg und das südliche Oberösterreich, sie war dort aber als Wirtschaftsfaktor gern gesehen.

Bei keiner der vielen späteren Staatsgrenz-Kontrollen habe ich mich so gefürchtet, wie bei der Überquerung der Demarkationslinie. Selbst heute noch, so viele Jahre später, denke ich jedes Mal, wenn ich über die Enns fahre, an die Zeit zurück, als das noch eine gefürchtete, ja gehasste Grenze war.

Die Schrecken der Demarkationslinie

Narziss im Slim Fit Anzug

In letzter Zeit ist mir aufgefallen, wie viele Leute, die im öffentlichen Leben stehen, doch eitel sind. Früher hat man Eitelkeit in größerem Maße Frauen zugeschreiben, aber die Personen, die ich im Auge habe, waren und sind Männer.

Eitelkeit (lat. vanitas) ist die übertriebene Sorge um die eigene körperliche Schönheit oder die geistige Vollkommenheit, den eigenen Körper, das Aussehen und die Attraktivität oder die Wohlgeformtheit des eigenen Charakters. In der christlichen, besonders der katholischen Theologie wird die Eitelkeit zu den Hauptsünden gerechnet. Die Eitelkeit lenkt das Denken des Menschen von Gott ab und hin zu sich selbst, zu seinem Körper und seinem Äußeren. Eitlen Konkurrenten wird Narzissmus vorgeworfen.

Der Ausdruck Narzissmus steht für die Selbstverliebtheit und Selbstbewunderung eines Menschen, der sich für wichtiger und wertvoller einschätzt, als urteilende Beobachter ihn einschätzen. Ein Narzisst ist darüber hinaus jemand, der stark auf sich selbst bezogen ist und anderen Menschen zu wenig Beachtung schenkt. Der umgangssprachliche Gebrauch des Wortes „Narzissmus“ schließt meist ein negatives moralisches Werturteil über die mit dem Ausdruck belegte Person ein.

Der Begriff „Narzissmus“ ist abgeleitet vom antiken Narziss-Mythos. In seinen Metamorphosen erzählt Ovid die in der griechischen Mythologie angesiedelte Geschichte des Jünglings Narziss: In Thespiai hatte der Flussgott Kephissos die Wassernymphe Leiriope mit seinen Mäandern umschlungen und dann geschwängert, worauf Narziss (Narcissus) geboren wurde, dem der Seher Teiresias nur dann ein langes Leben voraussagte, sollte er sich nicht selbst erkennen Er wurde von Jünglingen und Mädchen gleichermaßen umworben, war aber von trotzigem Stolz auf seine eigene Schönheit erfüllt und wies all seine Verehrer und Verehrerinnen herzlos zurück. Diese Kränkung widerfuhr auch der Bergnymphe Echo und dem Bewerber Ameinios, dem Narziss ein Schwert zukommen ließ. Zwar brachte sich Ameinios noch auf der Türschwelle mit dem erhaltenen Schwert um, nicht aber ohne zuvor die Götter anzurufen, seinen Tod zu rächen. Nemesis (nach anderen Quellen Artemis) hörte die Bitte und strafte Narziss mit unstillbarer Selbstliebe: Als er sich in einer Wasserquelle sah, verliebte er sich in sein eigenes Spiegelbild.  Narziss erkannte die Unerfüllbarkeit seiner Liebe, ohne dass es ihm etwas nützte: Er verzehrte sich und verschmachtete vor seinem Ebenbild bis zum Tod. Seine letzten Worte wiederholte Echo: „Ach, du hoffnungslos geliebter Knabe, lebe wohl!“ Statt seines Leichnams fanden die Dryaden eine Narzisse.

Pausanias überliefert: Eines Tages setzte sich Narziss an den See, um sich seines Spiegelbildes zu erfreuen, woraufhin durch göttliche Fügung ein Blatt ins Wasser fiel und so durch die erzeugten Wellen sein Spiegelbild trübte. Schockiert von der vermeintlichen Erkenntnis, er sei hässlich, starb er. Nach seinem Tode wurde er in eine Narzisse verwandelt.

Eine weitere Version berichtet: Narziss verliebt sich in sein Spiegelbild; nicht erkennend, dass es sein eigenes ist, will er sich mit diesem Spiegelbild vereinigen und ertrinkt. Ursprünglich hatte dieser Mythos die Selbstüberhebung (Hybris) und ihre Strafe zum Thema. In der Spätantike wurde an der Sage das Motiv der „Vergänglichkeit“ (Vanitas) hervorgehoben.

Alexander Lowen, „Narzissmus. Die Verleugnung des wahren Selbst“ erschienen 1992, meint: „Auf der individuellen Ebene ist er (der Narzissmus) eine Persönlichkeitsstörung, die gekennzeichnet ist durch eine übertriebene Pflege des eigenen Images auf Kosten des Selbst. Narzisstische Menschen sind mehr daran interessiert, wie sie anderen erscheinen, als an dem, was sie fühlen. Tatsächlich leugnen sie Gefühle, die dem von ihnen angestrebten Image widersprechen. Da sie ohne Gefühl handeln, neigen sie zu verführerischem und manipulativem Verhalten und Streben nach Macht und Herrschaft. Sie sind Egoisten, auf ihre eigenen Interessen ausgerichtet, aber ihnen fehlen die wahren Werte des Selbst – nämlich Selbstausdruck, Gelassenheit, Würde und Integrität. Auf der kulturellen Ebene kann man den Narzissmus an einem Verlust menschlicher Werte erkennen – an einem Fehlen des Interesses für die Umwelt, an der Lebensqualität, an den Mitmenschen. Eine Gesellschaft, die die natürliche Umwelt dem Profit und der Macht opfert, verrät, dass sie für menschliche Bedürfnisse unempfindlich ist. Wenn Reichtum einen höheren Rang einnimmt als Weisheit, wenn Bekanntheit mehr bewundert wird als Würde, wenn Erfolg wichtiger ist als Selbstachtung, überbewertet die Kultur selbst das ‚Image‘, und man muss sie als narzisstisch ansehen.“

Diese Definition scheint mir durchaus auf manche Politiker, Medienmenschen und Schauspieler zu zutreffen, ja teilweise sogar eine Voraussetzung für Ausübung dieser Profession zu sein.

Hans-Joachim Maaz bescheinigt in „Die narzisstische Gesellschaft: Ein Psychogramm“ erschienen 2012, den westlichen Konsumgesellschaften einen Mangel an Orientierung und Moral. Die Menschen dieser Gesellschaft seien von einer Gier nach Konsumgütern oder sonstigen Vorteilen in Schule, Beruf und Privatleben getrieben. Zwar sei der Narzissmus bei den Prominenten (Politiker, Manager, Stars) besonders stark ausgeprägt, er betreffe aber die Bevölkerung im Ganzen. Die Gier sei Ausdruck einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung; immer mehr Menschen würden zu Narzissten, d. h. zu Persönlichkeiten, die um Anerkennung und Bestätigung rängen, in Wahrheit aber tief verunsichert seien. Das narzisstische Defizit bedürfe einer Kompensation durch die Ablenkungen der im Leben der Menschen allgegenwärtigen Konsum-, Unterhaltungs- und Tourismusindustrie. Das „den Hals nicht vollkriegen können“, die unaufhörliche Suche nach dem „Kick“ sei auch die tiefere Ursache der anhaltenden Krisen in den Finanz-, Wirtschafts- und Sozialsystemen der modernen Gesellschaften; diese ließen sich letztlich nur beheben, wenn Mittel und Wege gefunden würden, das Problem des Narzissmus in den Griff zu bekommen.

Selbst der Papst äußerte sich diesbezüglich In seiner Weihnachtsansprache an die Kurie 2014. Im Katalog der 15 „kurialen“ Krankheiten bemängelte er die narzisstische Selbstbezogenheit innerhalb der Institution als elitaristische Abwendung von Gott: „Es ist die Krankheit des reichen Toren aus dem Evangelium, der glaubte, ewig zu leben, und derer, die sich zu Herren machen und sich allen überlegen fühlen statt im Dienste an allen. (Das Gleichnis: Das Land eines reichen Menschen trug viel ein. Und er überlegte bei sich selbst und sprach: Was soll ich tun? Denn ich habe nicht, wohin ich meine Früchte einsammeln soll. Und er sprach: Dies will ich tun: Ich will meine Scheunen niederreißen und größere bauen und will dahin all mein Korn und meine Güter einsammeln; und ich will zu meiner Seele sagen: Seele, du hast viele Güter liegen auf viele Jahre. Ruhe aus, iss, trink, sei fröhlich! Gott aber sprach zu ihm: Du Tor! In dieser Nacht wird man deine Seele von dir fordern. Was du aber bereitet hast, für wen wird es sein? So ist, der für sich Schätze sammelt und nicht reich ist im Blick auf Gott.) Sie rührt oft von der Sucht nach Macht und vom ‚Komplex der Erwählten‘, vom Narzissmus, der leidenschaftlich das eigene Ebenbild betrachtet und nicht das Abbild Gottes, das sichtbar ist im Antlitz der anderen, vor allem der Schwächsten und Bedürftigsten.

Und was sagt uns das alles im Vergleich zu Slim-Fit Anzügen?

Narziss im Slim Fit Anzug

Es ist die Zeit der Erntedankfeste

Das Erntedankfest (auch Erntedank, Erntefest, Erntedanksonntag) ist im Christentum ein Fest nach der Ernte im Herbst, bei dem die Gläubigen Gott für die Gaben der Ernte danken.  Aber schon in vorchristlicher Zeit gab es in anderen Ländern ähnliche Feste und Brauchtümer.

An einem Sonntag im Rahmen des Gottesdienstes mit anschließender Prozession und Feier wird nicht nur Dank gezeigt, sondern auch daran erinnert, dass es nicht allein in der Hand des Menschen liegt, über ausreichend Nahrung zu verfügen.

Erntedankfeste gab es schon in vorchristlicher Zeit. Vergleichbare Riten sind aus Nordeuropa, Israel, Griechenland oder aus dem Römischen Reich bekannt. Im Judentum gibt es Schawuot, das Wochenfest, nach Beginn der Ernte, und das Sukkot, das Laubhüttenfest, im Herbst am Ende der Lese.

Da die Ernte je nach Klimazone zu verschiedenen Zeiten eingebracht wird, gab es nie einen einheitlichen Termin. Nach der Reformation wurde das Erntedankfest an unterschiedlichen Daten gefeiert. Einige evangelische Kirchenordnungen „verbanden den Dank für die Ernte mit Michaelis, andere legten ihn auf den Bartholomäus Tag (24. August), auf den Sonntag nach Ägidii (1. September) oder nach Martini (11. November). Schließlich bürgerte sich die Feier am Michaelistag (29. September) oder – weit überwiegend – am ersten Sonntag nach Michaelis als Termin ein. Diese Regelung geht u. a. auf einen Erlass des preußischen Königs aus dem Jahre 1773 zurück. Mit dem Gesetz über die Feiertage vom 27. Februar 1934 wurde der Erntedanktag in Deutschland am ersten Sonntag nach dem 29. September (Michaelis) gesetzlicher Feiertag. An diesem Tag würdigte das NS-Regime auf der Grundlage der Blut-und-Boden-Ideologie besonders die Bedeutung der Bauernschaft für das Reich. Zentrale Veranstaltung war das Reichserntedankfest, mit dessen Organisation das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda beauftragt war.

Zurückzuführen ist die Tradition des heutigen Erntedankfestes auf einen weltlichen Brauch des bäuerlichen Arbeitslebens aus dem 18. Jahrhundert, bei dem das Gesinde den Bauern nach Abschluss der Ernte einen Kranz aus geflochtenem Getreide überreichte und daraufhin ein Festessen serviert bekam.

Offizieller Bestandteil des Kirchenjahres ist das Erntedankfest bis heute nicht, d. h. die Gemeinden sind nicht verpflichtet, das Fest zu feiern. „Das heilsgeschichtlich orientierte Jahr der Kirche kennt kein Ernte-Dankfest“. Dennoch ist der Brauch des Dankes für eine gute Ernte seit langem auch in vielen römisch-katholischen Gemeinden üblich geworden, so dass – neben Kräuterweihen am 15. August, Quatember und der Erstlingsfrüchtesegnung – in der römisch-katholischen Kirche die Eucharistie am ersten Oktobersonntag vielfach als „Dank für die Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit“ auf dem von Erntedank-Gaben umgebenen Altar gefeiert wird.

Bei der Feier, die meist in einer Kirche, aber regional auch als Prozession veranstaltet wird, werden Feldfrüchte, Getreide und Obst dekorativ aufgestellt. Dazu kommen auch andere als Gaben bezeichnete Produkte von besonderer Naturnähe, wie Mehl, Honig oder Wein.

Kunstvoll gestaltete vier- oder sechsbogige Erntekronen sowie Erntegaben, Brot, Eier, Feld- und Gartenfrüchte werden bei der Prozession zur Schau gestellt, zur Kirche getragen und gesegnet. Begleitet wird der Umzug oft durch Musiker, aber auch Kindergartenkinder und Schulkinder nehmen daran teil, ebenso Ministranten, Trachtengruppen und die Bauer- bzw. Jägerschaft. Manche Gemeinden veranstalten Erntedank als ein großes Fest, das schon mit dem Frühschoppen eingeleitet wird. Alle Teilnehmer bringen Körbe mit und erbitten die Segnung der Ernte. Die gesegneten Erntegaben werden an Bedürftige der Gemeinde, Obdachlose oder karitative Vereine gespendet. Mit dem Erntedankfest soll in Dankbarkeit an den Ertrag in Landwirtschaft und Gärten erinnert werden – und auch daran, dass es nicht allein in der Hand des Menschen liegt, über ausreichend Nahrung zu verfügen. t.

In einzelnen Gemeinden in Österreich wird auch die Erntedank-Wallfahrt zelebriert, u.a. in Tirol von Reit im Winkl nach Maria Kirchental. In Salzburg wird zur Erntezeit der Bauernherbst veranstaltet, eine Tradition kombiniert aus Brauchtum und altem Handwerk, die dabei in Erinnerung gerufen werden sollen. Auch der Brausilvester am 30. September fällt häufig mit der Erntedankfeier zusammen und bezeichnet den Jahreswechsel in der Bierbranche und ist kennzeichnend dafür, dass die Landwirte ihre Rohstoffe für die neue Brausaison einfahren. Das Erntedankfest am Wiener Heldenplatz ist ein weiterer fixer Bestandteil der Feierlichkeiten. Nicht nur der reichhaltigen Ernte wird gedankt, sondern auch die Bandbreite der täglichen Arbeit vorgestellt. 2017 wurde das Erntedankfest erstmals wegen Bauarbeiten in den Augarten verlegt und sorgte damit für ordentlich Diskussionsstoff.

Erntedank feiert man auch in anderen Kulturkreisen, wobei sich in Süd- und Ostasien die Tradition großer Volksfeste entwickelt hat, etwa das tamilische Pongal oder das japanische Matsuri. In vielen Regionen gibt es auch im Frühjahr und Sommer Feste, Riten und Gebete für eine gute Ernte oder günstiges Wetter.

In den USA wird der „Thanksgiving Day“ am vierten Donnerstag im November gefeiert und ist ein staatlicher Feiertag. Das Fest erinnert an das erste Erntedankfest der Pilgerväter. Traditionell wird dazu im Familienkreis ein Truthahn verspeist.  Es ist dort ein Dankfest für alles Gute und allen Erfolg. Die Pilgerväter sowie alle Präsidenten von Washington bis Obama haben Dank an Gott proklamiert.  Aufgrund seiner familiären und sozialen Bedeutung wird der Tag jedoch auch von vielen Atheisten gefeiert.

In Japan gab es ein altes kaiserliches Erntedankfest, ein schintoistisches Ritual, bei welchem den Göttern durch den Kaiser frisch geernteter Reis geopfert wird. Im ersten Jahr nach der Thronbesteigung des Kaisers wird das Fest als „Großes Kosten“ begangen. In einem Geschichtswerk wird von einer Zeremonie aus dem Jahr 678 berichtet. Aus dem Erntedankfest hat sich ein gesetzlicher Feiertag entwickelt, der am 23. November begangen wird, und der Tag des Dankes für die Arbeit heißt.

Das Erntedankfest hat trotz des Rückganges von Bauern in unserer Gesellschaft nichts von seiner Bedeutung verloren. 1970 ernährte ein österreichischer Bauer vier Menschen, heute sind es 77. Nur noch drei Prozent der Bevölkerung arbeiten in der Landwirtschaft.

Wir, die wir in Städten leben und vom bäuerlichen Leben nur mehr wenig Ahnung haben, sollten dennoch danken, dass wir seit langem im Frieden leben, ausreichende Ernährung haben und keine Hungersnöte in unseren Breiten befürchten müssen.

Es ist die Zeit der Erntedankfeste

Lügengeschichten und Ehrlichkeit

Ich wünsche mir, in Zeiten wie diesen, mehr Ehrlichkeit. Aber leider: fake-news sind „in“. Uns hat man als Kinder gelehrt: „wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht.“, oder „Lügen haben kurze Beine“. Ich kann mich auch erinnern, dass man mir sagte: „wer lügt, der betrügt, wer betrügt, der stiehlt, wer stiehlt, der mordet und wer mordet wird aufgehängt.“

Lügen dienen dazu, einen Vorteil zu erlangen, zum Beispiel um einen Fehler oder eine verbotene Handlung zu verdecken und so Kritik oder Strafe zu entgehen. Gelogen wird auch aus Höflichkeit, aus Scham, aus Angst, Furcht, Unsicherheit oder Not („Notlüge“), um die Pläne des Gegenübers zu vereiteln oder zum Schutz der eigenen Person, anderer Personen oder Interessen (z. B. Privatsphäre, Intimsphäre, wirtschaftliche Interessen), zwanghaft/pathologisch oder zum Spaß.

Soll ein persönliches Verständnis für eine bewusste Falschaussage geäußert werden, verwendet man umgangssprachliche Ausdrücke wie Schwindel oder Flunkerei, so z. B. in Zusammenhang mit einem Scherz, bei emotionaler Überforderung, wenn ein Sachverhalt nur etwas beschönigt wird (Euphemismus) oder wenn die ausgedrückte Unwahrheit unmittelbar wieder zurückgenommen wurde. Die Lüge ist auf Sprache angewiesen.

In der Bibel wird der Teufel als „Vater der Lüge“ bezeichnet, weil er Eva gegenüber im Garten Eden die erste Lüge der Menschheitsgeschichte geäußert haben soll, die dann zum Sündenfall führte. Im 2. Buch Mose steht: „Du sollst nicht falsch gegen deinen Nächsten aussagen. “ im 5. Buch Mose steht: Du sollst nicht Falsches gegen deinen Nächsten aussagen. Also das Verbot der gerichtlichen Falschaussage, was in Christentum und Judentum weithin als generelles Verbot der Lüge interpretiert wird.

In manchen Texten der Bibel wird die Lüge nicht prinzipiell abgelehnt. Die Lüge sichert durch Stammvaters Abraham bzw. Isaak das Überleben des Gottesvolkes. Jakob erlistet durch eine Reihe von Lügen den väterlichen Segen, ohne dass das negativ bewertet würde; Die Bibel geht also davon aus, dass Lügen unter bestimmten Umständen geradezu nötig sind.

Lügen ist im Islam nicht erlaubt und wird als verwerflich betrachtet. Ausnahmen gibt es, um Leute miteinander zu versöhnen und bei Erzählungen zwischen Ehemann und Ehefrau. Schiiten ist es unter bestimmten Bedingungen gestattet, ihren Glauben zu verleugnen, Taqiyya genannt. Das ist ein bei verschiedenen schiitischen Gruppen geltendes Prinzip, wonach es bei Zwang oder Gefahr für Leib und Besitz erlaubt ist, rituelle Pflichten zu missachten und den eigenen Glauben zu verheimlichen. Im sunnitischen Islam ist das Konzept zwar ebenfalls bekannt, doch hat es nicht in der Allgemeinheit Anwendung gefunden, wurde zum Teil sogar abgelehnt. Verheimlichung des eigenen Glaubens in Gefahrensituationen gilt jedoch ebenfalls als zulässig.

Heutzutage redet man nicht von Lügen – sondern von „faken“. Für die Erforschung des Lügenverhaltens gibt es eine neue wissenschaftliche Disziplin, Mentiologie genannt.

Und es gibt doch auch noch den Lügenbaron: Hieronymus Carl Friedrich Freiherr von Münchhausen war ein deutscher Adliger aus dem Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg. Ihm werden die Geschichten vom Baron Münchhausen zugeschrieben.  Dem Baron werden von den verschiedenen Autoren insgesamt weit über hundert Lügengeschichten zugeschrieben. Zu den bekanntesten zählen unter anderem: Das Pferd auf dem Kirchdach: Münchhausen bindet sein Pferd in einer Winternacht an einen – wie er glaubt – Pfahl an, der aber in Wirklichkeit die Spitze des Wetterhahns eines Kirchturms ist. Nach einer Schneeschmelze baumelt das Pferd am Kirchturm. Da schießt Münchhausen mit seiner Pistole den Halfterriemen durch, so dass das Pferd herunterfällt und er seine Reise fortsetzen kann; Der Schlittenwolf, Das Feuerwerk des Generals; Münchhausen fängt mit an eine Leine gebundenen Speckstückchen Enten, die dann aber aufflattern und ihn durch die Luft tragen; Der nackte Fuchs und die Wildschweine; Münchhausen schießt einem Hirsch eine Ladung Kirschkerne auf den Kopf, worauf in dessen Geweih ein Baum entsprießt; Eine ungewöhnliche Hasenjagd; Der beste Freund des Menschen; Mein Wunderpferd aus Litauen; Das tanzende Pferd; Der „geteilte“ Gaul;  Münchhausen reitet auf einer Kanonenkugel über eine belagerte Stadt, inspiziert die feindlichen Stellungen und steigt kurzerhand auf eine in die Gegenrichtung fliegende Kugel um; Münchhausen springt mit seinem Pferd durch eine fahrende Kutsche; Münchhausen zieht sich samt Pferd am eigenen Schopf aus dem Sumpf; Meine erste Mondreise; Mit Schwung zurück zur Erde; Die Bärenfalle; An einem kalten Wintertag gefrieren die Töne im Posthorn eines Kutschers. Später taut das Horn in der Schenke auf und gibt die Musik von sich; Der schnelle Läufer; Der Horcher und der Jäger; Der starke Mann und ein „Sturmbereiter“; Die Wette; Die leere Schatzkammer, Die Suche nach dem Land der Riesen, Die „kochenden Geschöpfe; Münchhausen fährt mit einem Pferdeschlitten, als ein Wolf sein Pferd von hinten angreift, ganz auffrisst und dann im Geschirr steckend die Aufgabe des Pferdes übernimmt.

Der Witz liegt bei einem Großteil der Geschichten darin, dass physikalische oder biologische Möglichkeiten ad absurdum geführt werden. Die dem Baron zugeschriebenen Erzählungen gehören in die Tradition der Lügengeschichten, die weit in die Literatur des klassischen Altertums, das talmudische Judentum und das frühe orientalische Erzählgut zurückreicht und von den humanistischen Fazetien- und Schwank-Sammlungen des 15. und 16. Jahrhunderts in Deutschland fortgeführt wurde.

Jetzt kommen viele Lügengeschichten aus dem Lan der unbegrenzten Möglichkeiten und uns gefriert manchmal das Lachen im Hals darüber.

Aber Ehrlichkeit ist eine wichtige Tugend, die man in allen Religionen findet. Ehrlichkeit wird heute meist in der Bedeutung von Redlichkeit, Aufrichtigkeit, Wahrhaftigkeit, Offenheit, Geradlinigkeit und Fairness verwendet.

Bis vor einigen Jahrzehnten verstand man unter einem ehrlichen Menschen ausschließlich einen Menschen, der nicht lügt und nicht stiehlt: So lautete die Forderung seit der Pädagogik der Aufklärung, die auch meine Erziehung war (siehe oben). Die Erziehung zur Ehrlichkeit oder – negativ gewendet – die Verabscheuung der Lüge blieb ein zentrales Anliegen erzieherischer Praxis. In neuerer Zeit – kurz nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich eine Bedeutungserweiterung vollzogen: Als „ehrlich“ werden mittlerweile auch jene Menschen bewertet, die zu sich selbst, ihren Eigenheiten, ihren Defiziten, ihren entwicklungsbedingten Störungen usw. (reflektiert) stehen und nichts beschönigen. Unterschieden wird Ehrlichkeit im Reden, was bedeutet, die Wahrheit zu sagen, und die Ehrlichkeit im Verhalten, zum Beispiel um andere nicht zu manipulieren, nicht zu täuschen, um anderen nicht zu schaden oder einen Auftrag (ohne einen eigenen Vorteil wahrzunehmen und im Sinne eines fairen Auftraggebers) sachlich zu Ende bringen.

Im Moment scheint es für uns „gewöhnliche Bürger“ recht schwer, die Lügengewebe der verschiedenen in der Politik handelnden Personen zu durchschauen.

Lügengeschichten und Ehrlichkeit

Meine Traumregierung

Es gibt neue Darstellungsformen – die Koalitionstaferln, – Schwarz-Blau, Rot-Blau oder Rot-Schwarz und neue Polit-Begriffe: Schnittmengen. Gestern, bei einer interessanten, auf hohem Niveau geführten Diskussion auf ORF III, geleitet von Ingrid Thurnher, besetzt mit kompetenten „Polit-Hasbeenern“, wurden die Taferln angeboten und die Teilnehmer ersucht, die ihnen am sinnvollsten erscheinende Variante zu wählen. Die Teilnehmer haben das weitgehend abgelehnt. Ich hätte es auch nicht gemacht, es muss doch auch andere Lösungen geben!

Aber welche Regierung könnte es nun letztlich werden?  Wenn ich mir etwas wünschen darf: also „meine Regierung“ soll „anders“ sein, verändert, aber auch veränderungsbereit. Sie soll zwar patriotisch sein, nicht rassistisch, aber europaorientiert. Sie soll international nicht Anstoß erregen. Sie soll aus kompetenten Personen bestehen und nicht aus „Vertretern“, sei es von Parteien, Bundesländern, sei es Bünden. Sie muss für mich nicht durchgehend gegendert sein. Und sie soll leistungsorientiert sein, in dem Sinne, dass sie vorhat, etwas weiterzubringen. Die handelnden Personen sollen „miteinander können“, d.h. einander zuhören können, einander anerkennen und tolerant gegeneinander sein.  Sie sollen respektvoll miteinander umgehen wollen. Alle daran beteiligten Personen sollten (intern) diskussionsbereit und kompromissfähig sein. Sie soll zwar tranparent arbeiten, aber ihre Ideen sollte sie nicht an die ihnen genehmige Presse hinausposaunen, sondern intern besprechen. Diese meine Regierung sollte möglichst viele Gruppierungen der Bevölkerung vertreten.

Wenn ich mit der Regierungsbildung beauftragt würde, würde ich einmal schauen, wer denn in der vergangenen Periode kompetent gearbeitet hat, wer sich als paktfähig erwiesen hat, jetzt unabhängig von seiner Parteizugehörigkeit. War es z.B. der Verteidigungsminister, die Gesundheitsministerin? Wer hat sich im Wahlkampf besonders für ein bestimmtes Thema eingesetzt, also z.B. Bildung oder Umweltschutz? Wer ist ein geeigneter Fachmann für ein bestimmtes Resort und dennoch ein fähiger Politiker.

Diese Personen würde ich als designierter Bundeskanzler zu Gesprächen einladen. Allerdings würde ich auf einer Richtlinienkompetenz in einem solchen Umfeld bestehen. Und dann würde ich mit diesen Personen, wenn sie auch zusagen, ein Regierungsprogramm ausarbeiten. Konkret hieße das, dass ein Kanzler Kurz mit Personen verschiedenster Richtungen als Minister arbeiten sollte. Mir erscheint das auch eine demokratischere Lösung, da mehr Parteien, als nur zwei, in dieser Regierung vertreten sein könnten.

Ob das in einem föderalen Staat, wie es der unsrige ist, auch funktioniert – ich weiß es nicht, aber es könnte doch versucht werden. Es ginge halt dann nicht, dass ein Bundesland sagte, aber wir sind in dieser Regierung nicht vertreten. Es ginge auch nicht, dass die Kammern, Bünde etc. alle in dieser Regierung vertreten sein müssten.

Ein derartiger Weg könnte doch einmal zumindest versucht werden. Es könnten dennoch manche Forderungen der Parteien damit verwirklicht werden, damit auch keiner sein Gesicht verliert.

Ob’s erfolgreich wäre – das käme auf einen Versuch an!

Sich eine Regierung erträumen – das wird man doch noch dürfen – oder?

 

 

Meine Traumregierung

Ach, E. U.

Das durchlöcherte Schengen-Abkommen

1985 unterzeichneten Deutschland, Frankreich und die Benelux-Länder im luxemburgischen Dorf Schengen das „Schengener Abkommen“. Das Ziel war, die Personenkontrollen an den Binnengrenzen der beteiligten Länder abzuschaffen. Im Gegenzug sollen die Außengrenzen stärker kontrolliert werden. Zehn Jahre später wurde das Abkommen umgesetzt.

Der Schengen-Raum bezeichnet ein Gebiet, in dem sich 26 verschiedene europäische Nationen mit anderen Mitgliedsstaaten bzw. Nicht-Mitgliedsstaaten auf die Abschaffung der Binnengrenzen sowie auf den freien und unbeschränkten Verkehr von Personen, Gütern, Dienstleistungen und Kapital einigten, und dies in Übereinstimmung mit den allgemein gültigen Regeln zur Kontrolle der Außengrenzen und der Bekämpfung der Kriminalität durch die Stärkung des Rechtssystems und der polizeilichen Zusammenarbeit.

Durch den Schengen-Raum existieren die Grenzen zwischen europäischen Staaten nur auf Landkarten, da über 400 Millionen Bürgern die Freiheit eingeräumt wird, sich ohne Pass- und Grenzkontrollen sowie in einem einzigen Staat frei sowohl inner- als auch außerhalb des Gebietes zu bewegen, da in allen Ländern die allgemeinen Rechte auf Reise- und Bewegungsfreiheit Gültigkeit haben.

Wo sind die Zeiten, als man vom Nordkap bis zur Südspitze Siziliens „grenzenlos“ reisen konnte. Aber es geht ja nicht nur um uns Reisende: es geht auch um den Güterverkehr – der, wenn behindert, zu höheren Warenpreisen führt; Dienstleistungen und Kapital scheinen nicht betroffen zu sein.

Diese Freizügigkeit wurde aufgrund der Flüchtlingsströme von einigen Ländern außer Kraft gesetzt. Nun sollte Schengen wieder voll in Kraft treten, da haben es nun z.B. Deutschland und Österreich erreicht, dass das Schengenabkommen weiterhin ausgesetzt bleibt. Die Entscheidung wird damit begründet, dass Terrorgefahr besteht, dass es noch immer Defizite beim Schutz der EU-Außengrenzen gibt sowie illegale Migration innerhalb des Schengenraums stattfindet. Die Kontrollen sollen sich demnach vorerst weiter auf die deutsch-österreichische Grenze sowie auf Flugverbindungen von Griechenland nach Deutschland beschränken. Auch Dänemark verlängert die Kontrollen an der Grenze zu Deutschland um weitere sechs Monate. Die Sonderregelung auf Grundlage des Schengener Abkommens wäre am 12. November ausgelaufen.

Politiker der betroffenen Staaten meinen, dass eine vollständige Rückkehr zu einem Schengenraum ohne Kontrollen an den Binnengrenzen erst dann möglich sein wird, wenn die Entwicklung der Gesamtlage dies zulässt. Wahrscheinlich müssten alle Schengeländer zusammenstehen, um die Außengrenzen effektiver zu schützen – aber auch dafehlt die Solidarität. Und ohne ausreichenden Schutz der Außengrenzen werden die Ausnahmen nicht so schnell auslaufen.

Die Brexit-Verhandlungen, die nicht vom Fleck kommen

Ein ungeordneter Austritt Großbritanniens aus der EU schien lange kaum wahrscheinlich. Jetzt wandelt sich die Stimmung. Die Regierung bereitet sich auf eine Katastrophe vor. Der „No Deal Brexit“ galt, trotz aller Schwierigkeiten, bisher als ein eher hypothetischer Grenzfall. Die Drohungen der britischen Premierministerin Theresa May, dass „kein Deal besser als ein schlechter Deal“ sei, wurde als Bluff interpretiert, um Druck in den Verhandlungen aufzubauen. Zu viel stehe für beide Seiten auf dem Spiel, als dass London und die EU die Austrittsverhandlungen gegen die Wand fahren ließen, so das Argument. Doch nachdem mehr als ein Viertel der kostbaren zweijährigen Verhandlungsfrist ohne große Fortschritte verstrichen ist, wird ein ungeordneter Brexit allmählich zur realen Bedrohung.

Wenn es wirklich so käme, rechnen die meisten Ökonomen mit ziemlich beispiellosen wirtschaftlichen Verwerfungen: Kilometerlange Lastwagenstaus vor den Häfen am Ärmelkanal, Lieferketten von Industrieunternehmen, die unterbrochen werden, Fluggesellschaften, die massenhaft Flüge streichen – und viele weitere unmittelbare Konsequenzen. Denn Großbritannien würde zum Brexit-Termin im März 2019 schlagartig aus dem Europäischen Binnenmarkt, der Europäischen Zollunion und weiteren branchenspezifischen Abkommen etwa im Luftverkehr herausfallen. Für den Warenaustausch zwischen der EU und Großbritannien würden plötzlich die Regeln der Welthandelsorganisation WTO gelten. Die in einem WTO-Szenario zu erwartenden beiderseitigen Zölle würden dem Export schaden und Importe verteuern.

Weiterentwicklung oder Zerfall der E.U.?

Auch wenn es vordergründig scheint, dass es der EU „gut geht“ – die Wirtschaftsentwicklung hat jene der USA übertroffen, selbst die extrem rechten Parteien, haben ihre Austrittswünsche zurückgestellt. Und ich glaube und hoffe, dass Österreich nicht der Visegrad-Gruppe beitritt, wie von manchen Mitgliedsländern aufgrund der Wahlergebnisse befürchtet wird.

Aber Brüssel hat zu wenige Mittel um gegen aufmüpfige Staaten vorzugehen, es wird meist gewartet, dass die betroffenen Staaten ihre Fehler einsehen und von selbst zum Regelwerk der EU zurückkehren.  Aber eine schnellere Integration? Die wird nicht von allen Mitgliedssaaten begrüßt werden. Und es gibt tiefe Gräben innerhalb Europas: Die Mitgliedsländer in Norden werden vielleicht gegeneine verstärkte wirtschaftliche Integration auftreten, weil das Wachstum der südlichen Länder zu gering ist. Westeuropa wird einer engeren Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Immigration zustimmen während der Osten strikt dagegen ist. EU Mitglieder in der EURO-Zone sind eher für eine finanzielle Integration, wohingegen Ländern mit ihrer eigenen Währung befürchten, bei strategischen Entscheidungen der Zukunft ausgegrenzt zu werden.

E.U- Skeptizismus wird besonders problematisch, wenn er von den Regierungen im Zusammenhang mit alten Vorurteilen dazu benutzt wird, ihre eignen, selbstständigen Ziele zu verfolgen – wie man bei Polen sehen kann.

Wenn nun Großbritannien wirklich aus der EU austritt (meine geheime Hoffnung: vielleicht bleiben sie letztlich doch) werden Frankreich und Deutschland die Schlüsselländer sein, die die Zukunft der EU bestimmen. Macron jedenfalls wünscht sich weitreichende Reformen, wie verstärkte Sicherheit, engere Zusammenarbeit bei der Migration und einen gemeinsamen Finanzminister.  Er würde auch ein Modell der verschiedenen Geschwindigkeiten unterstützen, das einzelnen Ländern ermöglichen würde, größere Veränderungen vorzunehmen als andere. Merkel könnte ihm wahrscheinlich diesbezüglich folgen.

Das Problem mit den Macron-Vorschlägen ist, dass sie gar nicht so neu sind, sondern sich nur als schwer umsetzbar erwiesen haben. Osteuropa steht einer Flüchtlingsaufteilung feindlich gegenüber. Verstärkte gemeinsame Sicherheit könnte kurzfristig daran scheitern, dass es in naher Zukunft kein vereintes europäisches Militär geben wird. Und selbst die großen Anschläge in Europa haben zu keiner verbesserten Zusammenarbeit auf dem Sektor der Terrorismusbekämpfung geführt.

Und Europa der verschiedenen Geschwindigkeiten: das gibt es schon. Anstatt ein einheitliches Ziel zu verfolgen haben sich Ländern mit ähnlichen Problemen zusammengeschlossen, um diese zu lösen. Die EU entwickelt sich nicht als eine, sondern als viele verschiedene Einheiten. Das könnte zu „zweitklassigen“ Mitgliedsstaaten führen. Eine derartige Balkanisierung könnte zum Zerfall der EU führen. Ist dieser Macron-Vorstoß eher ein Todesstoß für Europa al seine Lösung zukünftiger Probleme?

Ich bleibe pro-europäisch und wünsche mir mehr positive Einstellungen zu diesem großen Projekt.

Ach, E. U.

Kirkuk, das Ende der schnurgeraden Linie vom E von Acre bis zum letzten K von Kirkuk

Das sollte die 1916 vereinbarte Grenze zwischen englischen und französischem Kolonialgebiet nach dem Ersten Weltkrieg sein – die Sykes-Picot-Lnie

Kirkuk – schon wieder erobert, schon wieder Zivilisten auf der Flucht. Heute ist Kirkuk Universitätsstadt aber auch – und das ist wohl der Grund für die oftmaligen Eroberungen – Zentrum der irakischen Erdölindustrie. 2012 hatte der damalige irakische Premier die irakische Identität der Stadt betont, und damit die kurdische Bevölkerungsmehrheit der Stadt vergrämt, die sich seit jeher eine Angliederung an Kurdistan wünscht. Diese sehen Kirkuk nämlich als ihre heimliche Hauptstadt und erkennen in ihr vor allem eine rein kurdische Identität, die laut ihnen, durch die Deportationen von Kurden, und Ansiedlung von Arabern durch das Baath-Regime, verändert wurde. Die Kontroverse um die Identität der Stadt wurde erst Anfang des 20. Jahrhunderts größer, als die ölreichen Felder in der Region entdeckt wurden. Zuvor hatte die Stadt über Jahrhunderte als Hauptstadt des kurdischen Reiches gedient.

Die Geschichte von Kirkuk geht mehrere Jahrtausende zurück. Kirkuk war einst Hauptstadt eines hurritischen Reiches. Im 10. und 11. Jahrhundert v. Chr. entwickelte sich die Stadt unter den Assyrern gut. Dann wurden die Assyrer durch ein Bündnis von Medern und Babyloniern geschlagen. So fiel die Stadt an die Meder und nach ihnen an die Achämeniden. In parthischer und sassanidischer Zeit war Kirkuk Hauptstadt des Reiches Garmakan. Durch christliche Mission wurden viele Menschen in diesem Gebiet zum Christentum bekehrt, die Christen bildeten dort die Mehrheit. Durch die islamische Expansion wurden sie zur Minderheit, denn im 7. Jh. n. Chr. fiel das Gebiet unter arabisch-islamische Herrschaft. Im späten Mittelalter gehörte Kirkuk zum osmanischen Wilajet Schahrazor, dessen Hauptstadt es seit dem 16. Jh. war. Als Kirkuk im 16. Jahrhundert von den Safawiden erobert wurde, begann die Besiedlung mit turkmenischen Stämmen. Die Safawiden versuchten ihre schiitische Konfession der sunnitischen Bevölkerung aufzudrücken. Nach arabischer, seldschukischer, mongolischer, persischer und osmanischer Eroberung war Kirkuk bis Ende des 18. Jahrhunderts für knapp 200 Jahre Hauptstadt des autonomen kurdischen Baban-Fürstentums.

Im Jahr 1912 lebten in Kirkuk geschätzte 12.000 Personen. Schon 1959 war es bei den Feierlichkeiten zum ersten Jahrestag des Sturzes der Monarchie zu Zusammenstößen zwischen den Volksgruppen, bei denen es viele Tote unter der Bevölkerung gab, gekommen. Im Jahr 1965 gaben offizielle Bevölkerungsstatistiken 184.000 Einwohner an, darunter 71.000 Kurden, 55.000 Turkomanen und 41.000 Araber. Christen waren bereits eine vernachlässigbare Minderheit. Es gab erhebliche staatliche Anstrengungen, Araber anstelle von Kurden anzusiedeln. Die Bevölkerung Kirkuks lag 2014 bei 1.000.000 Einwohnern. Die Bevölkerung besteht mehrheitlich aus Kurden und Araber und Turkmenen. Zu den kleineren Minderheiten zählen unter anderem die christlichen Assyrer. Vor allem die Deportierung der Kurden unter Saddam Hussein hat die Bevölkerungsstruktur der Stadt völlig verändert und heizte die Kontroverse der Zugehörigkeit der Stadt zu Kurdistan oder aber zum Irak bis heute an.

Im April 2003 (Krieg gegen Saddam Hussein) wurde die Stadt im Laufe des Irak-Krieges von alliierten Truppen und kurdischen Kämpfern erobert. Die Kurden waren Hauptakteure im Kampf um die Befreiung des Iraks, als sie die Nordfront bildeten und unter anderem durch geschickte Diplomatie Mossul und Kirkuk praktisch kampflos übernahmen. In der Folge verschlechterte sich die Sicherheitslage in Kirkuk, wie auch im Rest des Irak, rapide. In Kirkuk war dies besonders ausgeprägt, weil arabische Sunniten, Kurden und Turkmenen gleichermaßen Anspruch auf die ölreiche Stadt erheben.

Im derzeitigen Konflikt (Kampf gegen den IS) übernahmen nach dem Vorstoß des IS, der am 10. Juni 2014 zum Fall von Mossul und zum Rückzug der irakischen Armee aus der Region und aus Kirkuk geführt hatte, die kurdischen Streitkräfte Mitte Juni die Sicherung der Stadt. Die syrisch-irakischen Grenzsoldaten waren über alle Berge. Mit einem gelben Bulldozer schoben die Dschihadisten des „Islamischen Staates“ mitten in der Wüste Kontrollposten und Sandbarrieren beiseite, bejubelt von ihren Waffenkameraden. „Wir zerschmettern Sykes-Picot“, twitterten die bärtigen Extremisten.  (Sykes-Picot: Vertrag von 1916 zwischen den Kolonialmächten England und Frankreich zur Aufteilung des Nahen und Mittleren Ostens). Während der Irakkrise 2014 zog sich die irakische Armee im Zuge des Vormarsches von ISIS aus Kirkuk zurück. Die Kurden nutzten im Juni desselben Jahres die Gelegenheit, die verlassenen Stellungen zu besetzen. Damit schufen sie auch in Hinblick auf die Zugehörigkeit der Stadt militärische Fakten. Im März 2015 drängten die kurdischen Truppen die IS-Kämpfer weiter zurück und befreiten mehrere Dörfer im Vorfeld der Stadt. Hiervon blieb die Ölindustrie jedoch weitgehend verschont auch wenn sich die Kämpfe oftmals um deren direkte Kontrolle drehten. Bei den Zusammenstößen kamen bis Ende 2015 ca. 800 Menschen ums Leben und weitere 2000 wurden verletzt. Daneben kommt es in der Stadt immer wieder zu Zusammenstößen zwischen den Peschmerga und schiitischen Milizen, die von der Zentralregierung in Bagdad aufgestellt wurden.

Mit dem Rückzug des IS aus der Region spitzten sich die Auseinandersetzungen zwischen der irakischen Zentralregierung und der kurdischen Regionalregierung über Kirkuk zu. Dabei spielen die generellen Unabhängigkeitsbestrebungen der Kurden eine ebenso große Rolle wie der Ölreichtum der Region Kirkuk, wo etwa 10 % der irakischen Ölreserven vermutet werden. Die kurdische Regierung hatte bereits einseitig mit dem Export des Rohstoffes begonnen und Bagdad dabei übergangen.

Nach Angriffen des IS in Kirkuk während der Schlacht um Mossul im Oktober 2016 wurden arabische Einwohner aus der Stadt vertrieben. Es wird den irakischen Kurden vorgeworfen, eine Kampagne gestartet zu haben, um arabische Iraker aus den vom IS eroberten Gebieten zu vertreiben. Im Juni 2017 beschloss Masud Barzani, ein Referendum in den kurdischen Gebieten für den September 2017 anzusetzen. Was zusätzlich zu Protesten führte, war, dass auch umstrittene Gebiete wie Kirkuk und Sindschar Teil dieses Referendums sein sollten. Die kurdische Regionalregierung hielt am 25. September 2017 ein Referendum ab, welches auch die Gebiete wie Kirkuk einschloss. Das führte zu Spannungen zwischen Erbil und Bagdad, so dass im Oktober 2017 die Irakischen Streitkräfte begannen Truppen bei Kirkuk und dessen Umland zu konzentrieren, nach dem der IS komplett aus dem Gouvernement Kirkuk vertrieben worden war. Sie eroberten Kirkuk fast kampflos. Und wieder kam es zu Flüchtlingsströmen.

Im kollektiven Bewusstsein der 300 Millionen Araber ist Sykes-Picot ein Verrat, der bis heute präsent ist. Das dubiose Geheimabkommen vom 16. Mai 1916 machte alle Hoffnungen auf Unabhängigkeit und einen eigenen Staat zunichte. Und es schuf die Ursachen für die endlosen Konflikte, die die Region bis heute plagen und mittlerweile an den Rand eines Zusammenbruchs gebracht haben. „Ein Frieden, der jeden Frieden beendete“, wurde dieses Abkommen genannt. Wie lange wird es wohl noch dauern, bis in dieser Gegend Friede herrschen wird?

Kirkuk, das Ende der schnurgeraden Linie vom E von Acre bis zum letzten K von Kirkuk

Wiener G‘schichten

Immer, wenn man nach Süden fährt oder vom Süden nach Wien kommt, passiert man zwei bemerkenswerten Bauwerke, die man wahrscheinlich, aufgrund des Verkehrs wenig beachtet. Auf der einen Seite der Wiener Wasserturm, eines der markantesten Bauwerke im Stil des industriellen Historismus, auf der anderen Seite die Spinnerin am Kreuz, eine gotische Steinsäule aus dem 15. Jahrhundert.

Dieses auf dem Wienerberg gelegene Wahrzeichen „Spinnerin am Kreuz“ war in vergangenen Jahrhunderten weithin sichtbar. Im Mittelalter hatte man, von Süden kommend, von diesem Punkt aus den ersten Blick auf die Stadt Wien. Das Wiener Stadtrecht von 1296 erwähnt bereits „ain stainern kreuch ob meurling“, mit dem der Vorgänger des heutigen Tabernakelpfeilers gemeint sein dürfte. 1446 wurde dieses ältere Bauwerk durch Scharen des János Hunyadi zerstört. In ihrer heutigen Form wurde die Säule 1452 von einem Dombaumeister des Stephansdomes, Hans Puchsbaum wiedererrichtet. Mehrmals zerstört und wiederaufgebaut, erinnert sie an eine Sage: „Ein frisch vermähltes Paar musste sich trennen, weil sich der Mann auf einen Kreuzzug begab. Die junge Frau begleitete ihn bis zum Wienerberg, an einem Ort wo ein großes Holzkreuz stand. Die Frau kaufte sich einen Spinnrocken und verbrachte Tag für Tag am Holzkreuz und spann. Sie kam auf die Idee, anstelle des einfachen Holzkreuzes eine Steinsäule errichten zulassen und bis diese fertig sei, würde auch ihr Mann zurückkommen. Das Denkmal wurde fertig, doch ihr Mann kam nicht zurück. Drei Jahre später saß die Frau noch immer dort und wurde nur noch die “Spinnerin am Kreuz“ genannt. Bei der Rückkehr der Kreuzfahrer war ihr Mann anfangs nicht unter ihnen, am Abend kam jedoch ein Mann den Berg hinauf, mit langem Bart und auf einem Stock gestützt. Das Paar erkannte sich wieder und mit dem fleißig verdienten Geld der Frau konnte das Ehepaar glücklich bis an sein Lebensende zusammenbleiben.“

Diese Sage ist auf der Säule nicht abgebildet, sondern figural dargestellt sind die christlichen Motive der Kreuzigung, Geißelung, Dornenkrönung und Ecce homo. Dennoch steht für mich dieses Denkmal für eheliche Treue und Zuneigung.

Und das andere Monument: es steht für mich ebenso für Zuneigung – eines Kaisers zu seinem Volk. Denn das Wasser, das ihm so gut schmeckte, sollte auch seinem Volk zukommen:  Der Kaiser Franz Joseph I. ließ über die erste Wiener Hochquellwasserleitung Wien mit Wasser aus dem Rax / Schneeberggebiet versorgen. Dieses Gebiet war seine Sommerresidenz und das Wasser schmeckte ihm sehr gut. Er ließ es zunächst mit Wasserreiter nach Wien bringen. Später wollte er ganz Wien damit versorgen. Die Eröffnung der 1. Wiener Hochquellwasserleitung war nach vierjähriger Bauzeit im Jahr 1873, wo zunächst nur das Wasserwerk Rosenhügel und erst 1899 das Wasserhebewerk Favoriten (Wasserturm) angeschlossen war. Durch die 1. Wiener Wasserleitung gingen die Krankheiten in Wien stark zurück.

Der Wasserturm in Favoriten war 1898/99 errichtet worden und versorgte die hoch gelegenen Gebiete des 10. und 12. Bezirks mit Trinkwasser. Diese Aufgabe übernahm wenige Jahre später die II. Wiener Hochquellenleitung, die 1910 in Betrieb genommen wurde. Sie bringt Trinkwasser aus dem Hochschwabgebiet in der Steiermark nach Wien. Ab dieser Zeit war der Turm nur fallweise in Betrieb, etwa wenn die II. Hochquellenleitung für Instandhaltungsarbeiten trockengelegt werden musste. Ab 1956 wurde der Wasserturm nicht mehr für die Wasserversorgung genützt.

Der Wasserturm ist heute denkmalgeschützt. Ein Teil des Baumaterials kam aus Kaisersteinbruch, harter Kaiserstein aus dem Hausbruch und Neukaiserstein aus dem Kapellenbruch. Der Turm war Teil eines größeren Gebäudekomplexes.  Der Wasserturm hat eine Gesamthöhe von 67 Metern (inklusive Wetterstange). Der Stahlblechbehälter im Inneren des Turmes kann rund 1.000 Kubikmeter Wasser speichern und ruht auf einem Mauerzylinder in 25 Metern Höhe. Der Aufstieg im Inneren des Wasserturmes führt entlang der Mauer über eine 203 Meter lange spiralförmig angelegte Rampe. Auf der Höhe der Laterne, 48 Meter über dem Gelände, befindet sich auf der Gebäudeaußenseite ein Rundgang mit einem Meter Breite.

Zur Zeit des Baus des Wasserturms wies Wien ein außerordentlich starkes Bevölkerungswachstum und damit einen stetig wachsenden Trinkwasserverbrauch auf. Beim Bau der großen Repräsentativbauten an der Ringstraße wie dem Rathaus oder der Votivkirche kamen vielfach Facharbeiter aus dem Friaul und der Provinz Belluno zu Einsatz. Sie wanderten häufig auf zweirädrigen Karren zu, auf denen sich ihr Arbeitsgerät befand und welche sie auch zum Abtransport des Aushubs nutzten. Angeführt von einem sprachkundigen Vorarbeiter, dem „Capo Lavoro“ oder „Padrone“, wurden die meist geringen Arbeitslöhne, Unterkunft und die Verpflegung ausgehandelt. Die Umsetzung des Bauprojektes allerdings erforderte nicht nur den Einsatz unzähliger Arbeiter, sondern auch Unmengen von Ziegeln. Dafür zuständig waren die so genannten „Ziegelbehm“. Das waren jene Arbeiter und Arbeiterinnen aus Böhmen und Mähren, die als Ziegelschläger in den Wienerberger Ziegelwerken tätig waren. Auch hier herrschten heute unvorstellbare Arbeits- und Lebensumstände.

Seit 1956 wurde der Wasserturm nicht mehr zur Wasserversorgung genutzt. Eine Generalsanierung des Wahrzeichens erfolgte in den Jahren 1988 bis 1990. Das Innere des Turms wird als Raum für Ausstellungen auch zum Thema Wasser oder andere Veranstaltungen genutzt. Heute kann der Turm an bestimmten Tagen besichtigt werden. Zuletzt via Wendeltreppe in der Mitte des Kegeldachs gelangt man auf 48 m Höhe und hat von einem Rundgang, der außenliegend oberhalb des Kegeldachs um die Laterne führt, einen guten Ausblick auf die Stadt. Auf dem Gelände um den Turms wurde der Wasserspielplatz Wasserturm eingerichtet, auf dem zuweilen Wasserfeste für Kinder gefeiert wurde.

Wenn Sie also demnächst die Triester Straße hinauf oder hinunter fahren, werfen Sie – während einer Rotlichtphase – einen Blick auf diese beiden signifikanten Monumente und erinnern Sie sich wofür sie auch stehen: für Zuneigung einer Frau zu ihrem Mann und eines Kaisers zu seinem Volk.  Hehre Tugenden, aber das sagt man heute wohl nicht mehr.

Wiener G‘schichten

Die Rabenmütter: das Dilemma der arbeitenden Mütter

Als arbeitende Mutter hatte ich immer ein schlechtes Gewissen, einerseits meiner Familie, besonders meinen Kindern gegenüber, andererseits auch im Job.  Für alles hatte ich zu wenig Zeit. Das belastet.

Als meine Kinder noch klein waren, war es unüblich, dass Männer im Haushalt oder mit den Kindern halfen – sie waren Patriarchen und Familienoberhäupter. Nette Ehemännern leisteten ihren (arbeitenden) Ehefrauen eine Haushaltshilfe. Und es stellte sich dann immer die Frage, ob die Differenz zwischen dem Verdienst der Frau und den Kosten für die Haushaltshilfe groß genug war. In meiner Generation war es gesellschaftlich auch nicht „angesehen“, dass Frauen nach der Eheschließung bzw. nach der Geburt der Kinder noch arbeiteten. Schnell wurde von der Umgebung die Frage gestellt: „verdient ER nicht genug, um die Familie zu erhalten?“

Und der Haushalt verursachte auch noch viel mehr Arbeit damals, nicht in allen Haushalten gab es Waschmaschinen oder gar Geschirrwaschmaschinen. Und es gab auch noch keine Wegwerfwindel. Selbstverständlich war der Druck auf die Kinder größer, möglichst bald auf den Topf zu gehen. Ich erinnere mich noch gut an die Zeit, als Windeln „ausgekocht“ und dann gewaschen werden mussten. Dann musste diese Wäsche entweder aus der Waschküche oder Küche auf den Dachboden befördert werden. Wo sie zum Trocknen aufgehängt wurde. Und dann passierte es eben, dass man die Schlüssel in der Wohnung vergaß, wo einerseits ein Kind schlief (die Schlafenszeit musste man nutzen, um die Hausarbeit zu erledigen) und auf dem Herd der nächste Schub schmutziger Wäsche kochte. Das war nun echt gefährlich, sollte die Wäsche überkochen, die Wäsche zu brennen beginnen. Daher wurde die Feuerwehr gerufen, die über das Fenster einstieg … Man war ja recht panisch, vielleicht hätte der Schlüsseldienst genügt …. Jedenfalls musste man froh sein, nicht wegen fahrlässiger Behandlung des Kindes angezeigt zu werden.

Es galt noch als schändlich, den Kindern vorgefertigte Kost zu verabreichen, jeder Karotte musste geschält, zerkleinert und gekocht werden, um einen gesunden Brei „verfüttern“ zu können.

Jeder Besuch beim Kinderarzt war dann auch eine Herausforderung: das Kind in einer Tasche und das sonstige Zeug in einem weiteren Container musste man die hohen Stufen in die Straßenbahn steigen. Das war dann auch der Anlass für die Entscheidung ein eigenes kleines Auto zu kaufen. Das war damals nicht ein großer sicherer SUV, wie das heute für die manchmal für die Zweitfrau mit neuem Kind üblich ist, sondern ein übertragener 4CV (Renault). Er kostete damals 5000 Schilling und leistete gute Dienste. Das war noch ein Modell, das man auch mit einer Kurbel starten konnte. Jedenfalls dauerte jetzt der Büroweg erheblich weniger lang, die Schlepperei fiel weg, da man alles ins Auto laden konnte, und das Auto war so klein, dass man fast überall einen Parkplatz fand. Ein eigenes Auto bedeutete Freiheit, man musste nicht einen frühmorgens unwilligen Mann bitten, doch seine Frau zu nächsten Straßenbahnhaltestelle zu bringen, man konnte auch ohne fragen zu müssen, die „Schwiegermutter“ auf den Friedhof führen – oder am Sonntagnachmittag, wenn der Ehemann Dienst hatte, doch mit den Kindern noch ins Bad fahren.

Mütter mit Kindern waren im Büro nicht gar so gerne gesehen. Da hatte der Chef – wahrscheinlich ohnedies gegen seinen Willen, so einen Highflyer aus dem Personalbüro zugewiesen bekommen, man hatte sie auf Kurse geschickt – und dann erlaubte sie sich, ein Kind zu erwarten.   Natürlich versuchte die Schwangere den Dienst zu erfüllen. Man nahm sogar die Arbeit mit nach Hause, um nicht ins Hintertreffen zu geraten.  Ich kann mich erinnern, so müde gewesen zu sein, dass ich beim Schwangerschaftsturnen regelmäßig eingeschlafen bin. Man trug auch noch „Schwangerschaftsmode“, d.h. man versuchte seinen Zustand so gut wie möglich zu verstecken. Die nächsten Beförderungsschritte konnte man jedenfalls vergessen unabhängig von der Leistung, die man erbrachte – denn man war ja schwanger.  Später, als dann die Kinder da waren und man noch immer arbeitete, gab es noch keinen Pflegeurlaub, dass man etwas zu Hause bleiben durfte, wenn ein Kind krank war. Überstunden konnte man keine erbringen – wieder ein Minuspunkt beim Chef, man musste ja zu den Kindern nach Hause, die „Nach-Dienst-Treffen“, wo dann die wirklich wichtigen Dinge besprochen wurden, denen konnte man auch nicht beiwohnen.  Zusätzlich wurden dann auch die unverheirateten und kinderlosen Kolleginnen vorgezogen. Der Preis für Kinder!

Ich hatte das große Glück, dass meine Mutter kurz nach der Geburt meines ersten Kindes Witwe geworden war und daher mit Freude die Pflege der Kinder übernahm. Sie war kompetent, immer fleißig aber sie beanspruchte das Erziehungsrecht. Es waren harte Kämpfe, um auch meine Ansichten zur Kindererziehung einbringen zu können. Da sie ja viel mehr Zeit mit den Kindern verbrachte als ich, standen ihr auch die Kinder näher als mir – eigentlich ein hoher Preis!

Wie man es dreht und wendet, man war auf beiden Feldern unzureichend – sowohl im Job als auch bei der Kinderbetreuung. War ich eine Rabenmutter? Das müssen Sie allerdings meine Kinder fragen!

Die Rabenmütter: das Dilemma der arbeitenden Mütter

Isolation und Welt-Erbe

Wir erleben eine Zeit des Isolationismus – das ist nichts Neues. Isolationismus bezeichnet das Bestreben eines Staates, sein außenpolitisches Wirken auf bestimmte Gebiete der Welt zu beschränken und Bündnisverpflichtungen zu vermeiden. Der Begriff wird zumeist im Zusammenhang mit den USA verwendet. Die Tendenz zum freiwilligen Selbstausschluss aus dem internationalen politischen Geschehen und der Abschottung vom Ausland war unter anderem seit der Monroe-Doktrin der 1820er-Jahre Teil der US-amerikanischen Außenpolitik. Der amerikanische Isolationismus wurde zunächst durch den Kriegseintritt in den Ersten Weltkrieg 1917, später dann (endgültig?) durch den Eintritt in den Zweiten Weltkrieg beendet und ist seit 1945 bis kürzlich ohne Belang bzw. wurde durch den Interventionismus abgelöst.

Die mit über 200 Jahren wohl längste Zeit des Isolationismus erlebte Japan in der Zeit der Abschließung. Ebenso war das Verbot der privaten Seefahrt in China zur Zeit der Ming-Dynastie Ausdruck isolationistischer Politik. Ein Beispiel für eine extreme Abschottung eines Staates sowie das Streben nach vollständiger Autarkie war die Politik Enver Hoxhas ( * 1908; † 1985)  zur Zeit des albanischen Alleingangs. Ein weiteres bis heute andauerndes Beispiel ist die Isolation Nordkoreas.

Nun, wenn man überhaupt von einer Außenpolitik der USA sprechen kann (derzeit scheint die Strategie hauptsächlich aus der Abschaffung von Obama-Erfolgen zu bestehen) geht es nun wieder in Richtung Isolationismus. Dazu gehören u. A. der Drang zum Austritt aus internationalen Organisationen oder die Aufkündigung von multilateralen Verträgen (derzeit der Deal mit dem Iran, der bedroht zu sein scheint, oder die Aufkündigung von der Zugehörigkeit5 zu NAFTA)

Ein Beispiel ist das Verhalten der USA zur UN und ihren so genannten „Specialised Agencies“, wie z.B. FAO, ILO, IMF, UNESCO etc. Grundsätzlich wollen die USA ihre Beiträge kürzen und ihre Last auf andere Staaten überwälzen. Allerdings ist zu bemerken, dass die USA nicht nur die höchsten Beiträge bezahl(t)en, sondern dass sie auch den größten Einfluss ausüben. Das trifft besonders auf den Sicherheitsrat zu. Aber eine Reduktion der Zahlungen sollte m.E. auch mit einer besseren Verteilung der Macht einhergehen. Wieso sind Indien, Brasilien, Deutschland nicht unter den Vetomächten des Sicherheitsrates?

Nun tritt die USA (zeitgleich mit Israel) aus der UNESCO aus. Die UNESCO (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization) ist eine internationale Organisation und gleichzeitig eine der 17 rechtlich selbstständigen Sonderorganisationen der Vereinten Nationen. Sie hat ihren Sitz in Paris. Derzeit sind 195 Mitglieder in der UNESCO vertreten und 9 assoziierte Mitglieder. Zu ihren Aufgabengebieten zählen die Förderung von Erziehung, Wissenschaft und Kultur sowie Kommunikation und Information. Die UNESCO betreut die Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten von 1954, das wichtigste Werkzeug zur Bewahrung von Kulturgut, und die Konvention gegen illegalen Handel mit Kulturgut von 1970, das Werkzeug gegen Plünderung. 2001 entstand die Konvention zum Schutz des Kulturerbes unter Wasser, womit eine wichtige Lücke im geographischen Abdeckungsgebiet der Haager Konvention geschlossen wurde.

Am bekanntesten ist wohl das Welterbe Komitee der UNESCO, das das Welterbe der Menschheit (Welterbe Konvention von 1972) verwaltet, welches eine besondere Auszeichnung mit Bewahrungspflicht darstellt. Es setzt sich aus dem Weltkultur- und Weltnaturerbe zusammen, womit die UNESCO ihre Agenden auch in den Bereich der Landschaften und Naturgebilde ausdehnte (entsprechend dem Begriff des Naturdenkmals).

Zwischen den Vereinigten Staaten und der UNESCO war es mehrfach zu ernsthaften Differenzen gekommen.  Im Jahr 1974 stellte der amerikanische Kongress auf Empfehlung des damaligen Präsidenten Gerald Ford die Zahlungen an die UNESCO vorübergehend ein, nachdem diese in einer Resolution die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) anerkannt, und den Staat Israel verurteilt hatte. Am 19. Dezember 1983 unter Ronald Reagan kündigten die USA ihre UNESCO-Mitgliedschaft; genau ein Jahr später trat diese in Kraft. Zur Begründung wurde angeführt, dass die UNESCO „linksgerichtet politisiert“ sei und dass ihre Finanzen völlig in Unordnung seien. Am 31. Dezember 1984 erfolgte der tatsächliche Austritt der Vereinigten Staaten. Zum 31. Dezember 1985 verließ auch das Vereinigte Königreich unter Premierministerin Margaret Thatcher mit ähnlichen Argumenten und Bedenken wegen der befürchteten Einschränkung der Pressefreiheit durch die neue „Weltinformations- und -kommunikationsordnung“ die Organisation, trat ihr aber im Jahr 1997 unter Premierminister Tony Blair wieder bei. Singapur trat zeitgleich mit Großbritannien aus und kehrte am 8. Oktober 2007 wieder in die UNESCO zurück. Auch die USA traten im Jahr 2003 unter George W. Bush nach 19 Jahren der Abwesenheit wieder der UNESCO bei.

In einer umstrittenen Entscheidung beschloss die UNESCO-Generalversammlung am 31. Oktober 2011 mit 107 gegen 14 Stimmen bei 52 Enthaltungen Palästina als offizielles Mitglied aufzunehmen.  Danach reduzierten die Vereinigten Staaten, die zu diesem Zeitpunkt etwa ein Fünftel des UNESCO-Budgets finanziert hatten, ihre Beitragszahlungen zur UNESCO. Zur Begründung hieß es, dass die Aufnahme Palästinas „die internationalen Bemühungen um einen gerechten dauerhaften Frieden im Nahen Osten unterminieren würde.“

Am 18. Oktober 2016 verabschiedete die UNESCO auf Antrag arabischer Mitgliedsstaaten eine Resolution unter dem Titel „Sicherstellung des Kulturerbes Palästinas und des eigenständigen Charakters Ost-Jerusalems“, in der die Bedeutung der alten Stadt Jerusalem für die drei monotheistischen Religionen betont wurde. Allerdings wurden die heiligen Stätten nur mit ihren arabisch-islamischen Namen (al-Aqsa-Moschee/al-Haram al-Sharif – der arabische Name für den Tempelberg) bezeichnet. Israel wurde außerdem wegen angeblicher Gewalt gegen islamische Pilger und wegen archäologischer Ausgrabungen kritisiert. Daraufhin stellte Israel seine Zusammenarbeit mit der UNESCO vorläufig ein.

Am 12. Oktober 2017 teilte das US-Außenministerium mit, dass die USA zum 31. Dezember 2018 aus der UNESCO austreten werde. Wenige Stunden später gab Israel eine gleichartige Erklärung ab. Begründet wurde die Aktion mit der Mitgliedschaft Palästinas in der UNESCO. Zusätzlich hatte die UNESCO heuer Hebron als palästinensisches Weltkulturerbe erklärt. Dazu meinte Israel, dass damit die jüdischen Bezüge vernachlässigt worden wären.

Dem vorausgegangen war eine Kritik von US-Präsident Donald Trump, dass die Vereinten Nationen nicht die ihr gesetzten Ziele erreicht hätten. Trump kritisierte auch den nach seiner Ansicht überproportionalen Anteil der USA an den regulären Ausgaben der Vereinten Nationen (22 %) und an den Ausgaben für friedenserhaltende Maßnahmen (28 %). Beide Staaten waren für 2016-2017 am regulären UNESCO-Haushalt mit insgesamt 135 Millionen US-Dollar beteiligt. Stattdessen streben die USA den Status eines permanenten Beobachters bei der UNESCO an, um weiterhin ihre Sichtweise und Expertise bei einigen wichtigen Aktivitäten der Organisation einzubringen, besonders bei dem Projekt „Weltwerbe“.

Derzeit sucht die UNESCO gerade einen neuen Generaldirektor, in der engeren Auswahl befinden sich der früheren französischen Ministerin für Kultur und Kommunikation, Audrey Azoulay und der katarische Diplomat Abdulaziz Al-Kawari.

Nun, Österreich, besonders Wien, hat ja auch so seine Probleme mit der UNESCO, die Stadt war ja – aufgrund des Heumarktprojektes auf die so genannte „Rote Liste“ (möglicher Verlust des Welt-Erbe- Status) gesetzt worden.

Isolation und Welt-Erbe