Fallobst und Hungerkrise

Wir hier im Westen überlegen uns, ob für uns Vegetarismus oder Veganismus oder Frutarismus (Fallobst) oder Freeganismus (Abfallprodukte) wohl dies sinnvollste Ernährung ist. Ab 2019 sollen – wenn es nach der EU geht – neue Regeln für Lebensmittelhersteller, Restaurants und Bäckereien gelten (arme Gastwirte!). Um unsere Gesundheit zu schütze, soll das möglicherweise krebserregende Acrylamid aus Lebensmitteln wie Pommes frites, Toastbrot, Chips und Knäckebrot so weit wie möglich zurückgedrängt werden. Acrylamid entsteht beim Rösten, Backen, Braten und Frittieren insbesondere von besonders stärkehaltigen Lebensmitteln wie Kartoffeln und Mehl. Das bedeutet z.B., dass die Pommes Frites nicht zu braun sein dürfen.

Im Fernsehen wird köstliches Katzenfutter z.B. aus Shrimps beworben.

In anderen Teilen der Welt verhungern Kinder! Z. B. in Jemen. In der Zeit, die ich kenne, war Jemen nie besonders friedlich. Aber im Altertum galt Jemen als „Arabia felix“ (glückliches Arabien), ein Land mit fruchtbaren, bewässerten Ebenen, betriebsamen Häfen, wohin die Handelsleute kamen, um Weihrauch, Amber (wertvoller Duftstoff) etc. zu kaufen oder zu verkaufen.

Derzeit kann man den Jemen kaum als glücklich bezeichnen. Dort tobt ein gnadenloser Bürgerkrieg und die saudische Einmischung seit 2015 hat den Tod tausender Zivilisten aufgrund unbarmherziger Bombenangriffe zur Folge.  Das führte zum Zusammenbruch der Infrastruktur des Landes. Es gibt in den Städten kaum mehr sauberes Wasser. Viele Menschen haben ihre Unterkunft und/oder ihren Arbeitsplatz verloren. Derzeit blockierten die Saudis auch die Häfen des Landes, damit fehlen Lebensmittel für 17 Millionen Yemeniten, das sind ungefähr 2/3 der Bevölkerung. Hilfsorganisationen schätzen, dass Hunger und Krankheiten 50 000 jemenitische Kinder unter 5 Jahren bedrohen. Durchschnittlich sterben 130 Kinder jeden Tag, das heißt: alle 10 Minuten stirbt dort ein Kind! Aber auch diejenigen, die überleben können, werden dann beeinträchtigt sein: ihre Gehirne sind kleiner, ihre Körper sind kleiner, einfach weil sie alle unterernährt sind. Diese Situation geht parallel mit dem Ausbruch von Cholera. Es handelt sich um das größte Ausmaß einer Cholera-Epidemie seit Menschengedenken. Es sind daran schon 2 100 Personen gestorben. Man führt diese Epidemie auch auf den permanenten Mangel an Treibstoff zurück, der für Wasserpumpen und das Betreiben von Abwasserkläranlagen fehlt.

Friede wäre erforderlich, um diese Epidemie zu stoppen, meinen Vertreter der Weltgesundheitsorganisation. Aber der scheint in weiter Ferne.

Der Bürgerkrieg gewann internationale Aufmerksamkeit als die Huthis die Hauptstadt Sanaa, im September 2014, eroberten. Die Huthis, die eher dem schiitischen Islam zu zuordnen sind, erhielten begrenzte Hilfe vom Iran. Nun der Iran ist er Erzfeind vom sunnitischen Saudi-Arabien.  Im Frühjahr 2015 versuchten die Saudis, zusammen mit den Golfstaaten die pro-Riad-Regierung im Jemen wiedereinzusetzen.  Trotz einem Bombenteppich auf die Städte Jemens, ist es den Angreifern nicht gelungen, die Huthi Rebellion auszulöschen, die immer noch Sanaa und einen großen Teil des nördlichen Territoriums des Landes besetzt hält.

Nach einem ohnedies abgewehrten Raketenangriff auf das saudische Riad durch die Huthis, schraubte das saudische Königreich seine Rhetorik einige Stufen höher und klagt den Iran „der direkten Aggression“ an.  Dabei meinen viele Experten, dass die iranische Unterstützung an die Huthis erheblich überbewertet wird. Dennoch wurde seitens der Saudis die Blockade der jemenitischen Häfen noch rigoroser durchgeführt, angeblich um die Lieferung von Gütern und Waffen aus dem Iran zu verhindern. Das wiederum verschlechtert die humanitäre Situation in Jemen erheblich.

Bevor dieser Bürgerkrieg ausgebrochen war, importierte der Jemen 90 % der benötigten Lebensmittel über diese Häfen. Sieben Millionen Jemeniten hängen ausschließlich von diesen Importen ab. Aber aufgrund der Kämpfe ist dieser Import sehr schwierig geworden. Viele Frächter befördern nichts mehr in den Jemen. Selbst vor der Blockade wurden die Lieferungen erheblich verzögert und mussten sich genauen Überprüfungen durch die Kriegsschiffe der Koalition unterwerfen.

Kenner der Lage sind überzeugt, dass von allen Seiten, seien es die Saudis aber auch die Huthis, Lebensmittel als Waffen eingesetzt werden.

Die Saudis haben versprochen, die Blockade zu entschärfen und weisen darauf hin, dass sie selbst humanitäre Hilfe im Jemen leisten. Aber internationale Hilfsorganisationen beklagen weiterhin die Schwierigkeiten überhaupt dieses Land erreichen zu können. Selbst die UNO beanstandet, dass die Behinderungen durch die von den Saudis geführte Koalition eine kollektive Bestrafung von Millionen von Jemeniten darstellen. Sie verschärft eine der schlimmsten humanitären Katastrophen nach drei langen Kriegsjahren, wodurch 20 Millionen Menschen Hilfe benötigen würden und 7 Millionen dem Hungertod nahe sind.

Ganz unschuldig an dieser Situation sind auch die USA nicht. Sowohl Obama als auch Trump unterstützten die saudischen Maßnahmen, indem sie Schiffe in die Region sandten, nachrichtendienstliche Informationen bereitstellten und vor allem den Saudis Waffen lieferten. Und Trump hat dem jungen Thronfolger, Prinz Mohammed bin Salman, grünes Licht gegeben, um den iranischen Einfluss im Nahen und Mittleren Osten einzudämmen – trotz Warnungen aus dem Auswärtigem Amt.

Sowohl in den USA als auch in Großbritannien ist man sich langsam der Mitschuld an der jeminitischen Misere bewusst. Aber das wird jenen Jeminiten, die in einer Welt aus Angst, Hunger und Entbehrungen ohne Aussicht auf ein Ende, gefangen sind, kaum helfen.

(Ich habe hier schon zwei Mal über den Jemen berichtet: „Jemen“, am 3.11. 2016 und „Im Jemen sterben Kinder an Unterernährung“ am 4.4.2016)

 

 

Fallobst und Hungerkrise

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