Geschichten aus der Familie des Propheten Mohammed

Eine sehr liebe Freundin von mir, die lange in Tunesien gelebt hatte – hat mir einmal eine silberne „Hand der Fatima“ geschenkt.

Die Hand der Fatima, arabisch „fünf“, ist ein kulturelles Zeichen im islamischen Volksglauben Nordafrikas und des Nahen Ostens. Es gilt als universell schützend und als wirksamste Abwehrmaßnahme im Kampf gegen die Dschinn und den Bösen Blick.

Wer aber war Fatima? Sie war die Tochter des Propheten Mohammed mit seiner ersten Frau Chadidscha, der einzigen seiner Frauen, mit der er in Einehe lebte. Chadidscha war – nach unseren Maßstäben – eine moderne, selbstständige Frau. Sie war Erbin einer Karawanserei und eines Handelsgeschäftes in Mekka und Teil des sehr angesehenen Stammes der Quraisch. Sie war Witwe und vor der Ehe mit Mohammed schon zweimal verheiratet gewesen. Aus diesen Ehen hatte sie auch mehrere Kinder. Als Unternehmerin und Kauffrau verfügte sie frei über ihr reiches Vermögen. Mohammed war anfänglich ihr Angestellter, und führte in ihrem Auftrag eine Karawane nach Syrien. Aufgrund seiner Tüchtigkeit wurde er zum Teilhaber bei ihren Handelsgeschäften. Seine kaufmännischen Erfolge und sein hohes Ansehen in Mekka trugen dazu bei, dass sie ihm schließlich die Ehe antrug.  Doch eine Frau wie wir sie bei den heutigen Muslimas nicht erwarten.

Die islamische Überlieferung stellt Chadidscha als eine treusorgende Ehefrau dar und attestiert ihr große Anteilnahme an den religiösen Erlebnissen ihres Mannes, sie war auch erste Person, die an Mohammeds religiöse Botschaft glaubte. Chadidscha hatte mit Mohammed mindestens fünf Kinder, nämlich vier Töchter – Fatima, Ruqaiya, Umm Kulthum und Zainab – und einen Sohn namens al-Qasim, der schon im Kindesalter starb.

Erst nach Chadidschas Tod im Jahre 619 ging Mohammed weitere Ehen ein. Chadidscha blieb aber die einzige Ehefrau Mohammeds, die ihm mehrere Kinder schenkte. Wie die anderen Ehefrauen gilt sie als eine der „Mütter der Gläubigen“.

Zurück zur Tochter Fatima: sie war unter den Kindern Mohammeds das einzige, dessen Nachkommen bis ins Erwachsenenalter überlebten. Sie heiratete Ali ibn Abi Talib, aus dieser Ehe gingen die Söhne Hasan ibn Ali und al-Husain ibn Ali hervor. Als Abu Talib in jungen Jahren in Schulden geraten war, hatte Mohammed den noch jungen Ali in seinen Haushalt aufgenommen und sich um ihn gekümmert.  Fatimas Mann war der erste männliche Anhänger Mohammeds. Eine wichtige Rolle spielte Ali während der Wallfahrt des Jahres 9 nach der Hidschra (631 n.Chr.). Während Mohammed Abu Bakr mit der Leitung dieser Wallfahrt betraute, verblieb Ali bei Mohammed in Medina. Nach Abu Bakrs Abreise erhielt Mohammed jedoch eine wichtige Offenbarung, die den Umgang mit den in Mekka verbliebenen Muschrikun betraf, nämlich die ersten sieben Verse von Sure 9. Er sandte daraufhin Ali nach Mekka, der den Text der sieben Verse vor der Pilgerversammlung in Mina öffentlich verlas.

Der Tod des Propheten Mohammed stellte die muslimische Umma vor die Frage, wer die Nachfolge des Propheten innerhalb der Gemeinde antreten sollte. Mohammed hatte dafür keine Vorkehrungen getroffen.  Ali wäre als der der nächste Verwandte des Propheten zwar in Frage gekommen, aber aufgrund intensiver Werbung erkannten die meisten Prophetengefährten dann Abu Bakr als ersten Kalifen an.

Erst nach der Ermordung des Uthman, des dritten sogenannten rechtgeleiteten Kalifs, 656, leisteten viele der Aufständischen, die dessen Haus belagert hatten, Ali den Treueid und forderten ihn dazu auf, das Kalifat zu übernehmen. Ali zögerte zunächst, nahm aber fünf Tage später die Huldigung als Kalif entgegen. Das Kalifat Alis wurde jedoch nicht allgemein anerkannt. Viele bedeutende Prophetengefährten verweigerten ihm die Huldigung. Andere kritisierten, dass bei Alis Wahl kein reguläres Wahlgremium getagt habe.

Eine weitere Partei in dem Konflikt bildeten Mohammeds Witwe Aischa und weitere Prophetengefährten. Sie begaben sich nach Basra und bauten sich dort eine Widerstandsbasis auf. Im Jahr 36 (656) kam es zu einer Schlacht zwischen den beiden Lagern, die für die Partei Aischas mit einer vernichtenden Niederlage endete. Die Verbände Alis gingen als klare Sieger hervor. Da Aischa dieser Schlacht in einer Kamelsänfte beigewohnt hatte, hat man sie Kamelschlacht genannt.

Ali heiratete im Laufe seines Lebens insgesamt neun Frauen – sicher eine schwierige Situation für Fatima – und hatte daneben mehrere Konkubinen, die ihm insgesamt 14 Söhne und 19 Töchter schenkten. Drei von seinen Söhnen spielten nach seinem Tod eine politische Rolle: sein Sohn Hasan folgte ihm im Frühjahr 661 im Kalifenamt, dankte dann aber im Sommer ab; sein Sohn Husain unternahm 680 einen Aufstand gegen die Umayyaden, fiel aber bei Kerbela im Kampf; und sein Sohn Muhammad ibn al-Hanifa wurde 685 in Kufa als Thronprätendent genannt.

Am 21. Ramadan des Jahres 40 (= 28. Januar 661) wurde Ali in Kufa ermordet. Ali wird von den Muslimen für seine Weisheit und seine außerordentliche literarische Begabung gerühmt. In der imamitischen Schia wurde Ali glorifiziert und in eine Figur mit tragischen und heroischen Zügen verwandelt.

Die Schiiten lassen Fatima bint Muhammad besondere Verehrung zukommen: als einzige Frau wird sie zusammen mit Mohammed und den Zwölf Imamen zu den „Vierzehn Unfehlbaren“ gezählt. Fatima begleitete die Muslime oft zu den Verteidigungsschlachten, um als Krankenschwester zu wirken. Nach dem Ableben ihres Vaters Mohammed war sie nur noch wenige Monate (nach manchen Überlieferungen 95 Tage) in dieser Welt. Nach schiitischer Vorstellung verkörpert Fatima ”die Fleischwerdung von allem Göttlichen in der weiblichen Natur, das edelste von der menschlichen Denkkraft erreichte Ideal. Auch nach sunnitischer Überlieferung wird sie als ”Königin der Frauen des Paradieses erklärt

Und noch einmal „Hand der Fatima“: Dschinn und der Böse Blick sind beide im Koran erwähnt: Gemäß dem islamischen Volksglauben muss im Alltag ständig auf Dschinn Rücksicht genommen werden. Dschinn ist eine Sammelbezeichnung für mehr oder weniger gute oder böse Geister, die zwar nicht besiegt, aber durch Abwehrzauber gebannt werden können.  Sie haben Gottes Wort im Koran gehört und bekennen sich hier ausdrücklich als gläubige Wesen. Eine weitere Gefahr soll durch den Bösen Blick drohen, dessen Ursache der Neid (hassad) ist, den das Opfer oft durch Unvorsichtigkeit selbst heraufbeschwört. In Sure 113 wird die negative Auswirkung des Neides erwähnt.

Ob die Hand der Fatima auch – nach muslimischen Glauben – „Ungläubige“ beschützt, kann ich nicht sagen!

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