Gedanken zum Advent – heute und früher

 

Advent bedeutet Ankunft. Es steht für adventus domini – Ankunft des Herrn – die Zeit in der die Christenheit sich auf das Fest der Geburt Jesu Christi, Weihnachten, vorbereitet. Die Christen gedenken der Geburt Jesu und feiern sie als Menschwerdung Gottes. Zugleich erinnert der Advent daran, dass Christen das zweite Kommen Jesu Christi erwarten sollen. Mit dem ersten Adventssonntag beginnt nach katholischer wie evangelischer Tradition auch das neue Kirchenjahr.

Die Adventszeit war ursprünglich eine Fastenzeit, die die Alte Kirche auf die Tage zwischen dem 11. November und dem ursprünglichen Weihnachtstermin, dem Fest der Erscheinung des Herrn am 6. Januar, festlegte. In diesen Zeiten durfte nicht getanzt und aufwendig gefeiert werden. Auch feierliche Trauungen durften nicht stattfinden, stille Trauungen dagegen schon. Seit 1917 wird das Adventsfasten vom katholischen Kirchenrecht nicht mehr verlangt.

Die Adventszeit in der heutigen Form geht zurück auf das 7. Jahrhundert zurück. Papst Gregor der Große (* um 540; † 604; war von 590 bis 604 Papst) legte dann die Zahl der Sonntage erstmals auf vier fest. Die vier Sonntage standen symbolisch für die viertausend Jahre, die die Menschen gemäß damaliger Auffassung nach dem Sündenfall auf den Erlöser warten mussten. Im gallischen Bereich lag die Betonung auf dem endzeitlichen Motiv der Wiederkunft Christi, das zur Ausgestaltung des Advents als Zeit einer ernsthaften Buße führte, wohingegen im römischen Einflussbereich das weihnachtlich-freudige Ankunftsmotiv der Menschwerdung Gottes Einfluss gewann. Dieser Ambivalenz wird an den unterschiedlichen Adventssonntagen in der Liturgie Rechnung getragen.

Es gibt eine Reihe von alten Bräuchen, wie das Aufstellen eines Adventkranzes, und heutzutage besonders für Kinder der Adventkalender. Besonders schön sind die alten Adventlieder, wie z.B. „macht hoch die Tür“, „O Heiland, reiß die Himmel auf“, „leise rieselt der Schnee“…

Was hat sich nun von meinem Kindheitsadvent zur heutigen Zeit verändert?  Vieles! Als ich noch ein Kind war, wurden Kekse nach den alten Rezepten, übernommen von den Altvorderen zu Hause gebacken. Wobei diese Rezepte heutzutage nur schwer nachzuvollziehen sind: die Mengenangaben waren: eine Handvoll, eine Messerspitze, ein Spritzer … Damals in der Nachkriegszeit gab es nicht alle Zutaten in ausreichender Menge, schon lange vor Weihnachten wurde Butter gespart, um die Kekse wirklich mit Butter backen zu können. Natürlich spielte „Licht“ auch eine Rolle, aber eher in der Form von Kerzen – oft selbstgemacht, aus Bienenwachs, das man von Imkern gekauft hatte. Die zusätzlichen Beleuchtungen in den Geschäftsstraßen gab es noch nicht, es musste ja auch Strom gespart werden.  Übrigens: auch jetzt „brennen“ die Lichter an den Weihnachtsbeleuchtungen noch nicht, aber wenn tagsüber die Sonne scheint, glitzern die Kristalle an den bereits sehr früh (Ende Oktober) angebrachten Bögen in der Kärntnerstrasse in allen Regenbogenfarben.

Weihnachtsmärkte gab es nicht, dafür einen einfachen Christkindlmarkt, wo es Spielzeug, Weihnachtsschmuck und Lebkuchen gab. Dafür gab es auch noch nicht den Weihnachtsmarkttourismus, Punschstandln sind ebenfalls eine spätere Einrichtung, meist betrieben von Serviceorganisationen, die Geld für ihre jeweiligen Charities sammeln.

Zu mir kamen anfänglich noch Krampus und Nikolo. Ich hab‘ mich sehr gefürchtet, der Krampus mit der großen Butte am Rücken, in die schlimme Kinder gesteckt werden sollten, mit der Eisenkette, mit der er rasselte um die bösen Kinder einzufangen und die große Rute, die durchaus eingesetzt wurde. An den Wadeln tat das ganz schön weh! Auch der Nikolo war eine Respektsperson, aus einem großen Buch las er die bösen Taten vor, nach jeder bösen Tat setzte der Krampus seine Rute ein. Zuletzt bekam man dann doch noch ein Sackerl mit Mandarinen, Nüssen und ein paar Süßigkeiten, nicht zu vergessen, die Ermahnung das kommende Jahr doch etwas braver zu sein.

Der 8. Dezember war kein Großeinkaufstag! In der NS-Zeit (1938-1945) war der Feiertag abgeschafft worden. Nach dem Krieg wurde eine, von hunderttausenden ÖsterreicherInnen getragene Unterschriften-Aktion zur Wiedereinführung des Feiertages durchgeführt. Der Nationalrat beschloss im Jahr 1955 aufgrund eines SPÖ-Initiativantrages, dass der 8. Dezember wieder als Feiertag begangen werden soll – als Dank für die wiedererlangte Freiheit Österreichs. Erst 1995 wurde die Öffnung der Geschäfte am 8.Dezember endgültig erlaubt. 2003 begannen wieder Aktivitäten gegen die Öffnung am 8. Dezember.

Aber wofür steht der 8. Dezember: Die unbefleckte Empfängnis ist ein Dogma (1854 verkündet von Papst Pius IX., * 1857; † 1939).  Sie bezieht sich nicht auf die Empfängnis Jesu, sondern auf die seiner Mutter Maria, die auf natürliche Weise von ihren Eltern Anna und Joachim gezeugt, empfangen und geboren wurde, dabei aber von der Erbsünde frei blieb. Ein eigenes kirchliches Fest Mariä Empfängnis, das der Erwählung Marias im Mutterleib gedenkt, lässt sich seit dem 9. Jahrhundert nachweisen. Heute heißt es Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria. Es wird am 8. Dezember gefeiert, neun Monate vor dem wohl älteren Fest Mariä Geburt.

Den Christbaum haben wir noch lange in meine Erwachsenenzeit hinein bei einem Bauern in Niederösterreich gekauft. Mit dieser Bauernfamilie waren wir irgendwo „ums Eck“ verwandt, sie hatten eine kleine Landwirtschaft, ein paar Kühe und Ziegen, ein paar Schweinderln, Hühner und einen Wald, von dort kam unser Baum. Eine mittelgroße Fichte. Erst viel viel später kauften wir unseren Christbaum, eine Tanne, am Neuen Markt.

Viel hat sich geändert, gut geht es uns heute, aber die Heimeligkeit des Advents ist doch etwas abhandengekommen.

Advertisements
Gedanken zum Advent – heute und früher

Ein Gedanke zu “Gedanken zum Advent – heute und früher

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s