Das arme Christkind

Ich fürchte, dass das Christkind heuer leider zu wenigen Menschen kommen wird. Das Christkind ist  gekränkt, dass es im Rahmen der so genannten political correctness immer mehr verschwinden muss. Dabei meint das Christkind, dass sich Kinder von Andersgläubigen dennoch über sein Kommen freuen würden. Über Vieles, das mit dem Weihnachtsfest zusammenhängt, über die Adventkalender, über die Weihnachtsgeschichten und die gemeinsam gesungenen Weihnachtslieder.

Das Christkind ärgert auch, dass schon überall Christbäume stehen, die es doch sonst immer erst in der Heiligen Nacht gebracht hat. Und erst die Werbung: Kinder schauen in fürsorglich bereitgestellte möglichst große Schuhe und finden Überraschungseier – das ist doch nicht Weihachten. Das Christkind legt die Geschenke doch unter den Christbaum.  Es gefällt dem Christkind auch gar nicht, dass empfohlen wird, „merry“ zu sein, aber irgendwie das „Christmas“ fehlt!

Das Christkind ist eine vor allem in Süd- und Westdeutschland, im Elsass, in Luxemburg, Österreich, Südtirol, der Deutschschweiz, Ungarn, Tschechien, der Slowakei, Slowenien und in Kroatien sowie in Südbrasilien verbreitete Symbolfigur des Weihnachtsfestes. Der Erzählung nach kommt das Christkind zu Weihnachten und bringt, ohne gesehen zu werden, die Weihnachtsgeschenke. Es wird häufig als blondgelocktes Kind mit Flügeln und Heiligenschein dargestellt. Umgangssprachlich wird das Christkind häufig mit dem Jesuskind, der Darstellung des neugeborenen Christi’’, gleichgesetzt.

Engelshaar, das ist etwas, das brave Kinder vor Weihnachten in der Wohnung entdeckten, wenn sie z.B. der Mutter beim Keksebacken geholfen hatten (und nicht zu viel bereits vom Teig genascht hatten).

Im Mittelalter wurden die Kinder am Nikolaustag (6. Dezember) oder am Tag der unschuldigen Kinder (28. Dezember) beschenkt; die Bescherung am Heiligabend bzw. am ersten Weihnachtsfeiertag, wie sie heute üblich ist, gab es damals noch nicht. In der Ostkirche wird Weihnachten überhaupt erst am 6. Jänner gefeiert. Die Protestanten lehnten die römisch-katholische Form der Heiligenverehrung – und damit auch die Verehrung des heiligen Nikolaus – ab. Daher ersetzte mit hoher Wahrscheinlichkeit Martin Luther im 16. Jahrhundert den Nikolaus durch den „Heiligen Christ“ und verlegte die Beschenkung auf den 25. Dezember. Mit „Heiliger Christ“ war Jesus Christus gemeint, jedoch nicht in der Personifikation des neugeborenen Jesuskindes. Über die Jahre entwickelte sich die Bezeichnung „Christkind“ und die Vorstellung als engelsgleiche Erscheinung. Das Christkind verselbständigte sich zusehends und die Verbindung zu Jesus Christus wurde immer unklarer. In der reformierten Schweiz wurde es – entsprechend dem hier (früher) gültigen Bescherungstag – denn auch zum Neujahrskind. Die engelsgleiche Darstellung hat ihren Ursprung vermutlich in weihnachtlichen Umzugsbräuchen und Krippenspielen, bei denen häufig eine Engelsschar von einem „Christkind“ angeführt wurde. Das Christkind verbreitete sich zunächst im evangelischen Deutschland. Später breitete sich der Brauch ins Rheinland, dann zusammen mit Adventskranz und Weihnachtsbaum nach Bayern und Österreich aus. Diese Entwicklungslinie wurde aber von zwei entgegenlaufenden gekreuzt: Einerseits wurde das Christkind in Nord- und in Teilen von Mitteldeutschland bei den Protestanten immer mehr vom Weihnachtsmann abgelöst, anderseits verdrängte das Christkind in der Schweiz immer mehr den zuvor hier sowohl „katholischen“ wie auch „protestantischen“ Nikolaus.

Erwachsene erzählen ihren Kindern, dass das Christkind ungesehen am Heiligen Abend oder in manchen Regionen auch in der Nacht zum 25. Dezember in die Häuser kommt und die Weihnachtsgeschenke bringt. Früher kam oft eine engelsgleiche Christkind-Darstellerin zur Bescherung in die Familien und mancherorts besteht dieser Brauch auch heute noch. In den letzten Jahren wurde das Christkind immer mehr zu Werbezwecken verwendet, besonders oft als Mädchen mit blondem Haar und blauen Augen. Das mag das Christkind eher gar nicht.

Viele Kinder schicken noch immer in der Vorweihnachtszeit Briefe mit Wünschen an das Christkind. Diese werden besonders im oberösterreichischen Christkindl, einem Steyrer Stadtteil, seit 1950 gesammelt und zumeist auch beantwortet. Dieses Postamt Christkindl ist jedes Jahr geöffnet und versieht die Briefsendungen, die darüber verschickt werden, mit einem Sonderstempel. Pro Jahr erhalten etwa zwei Millionen Sendungen diesen Stempel. Das höchste Christkindl-Postamt Österreichs steht am Pitztaler Gletscher in Tirol auf 3.440 m Höhe. Jedes Jahr von 20.–23. Dezember können Kinder im dortigen Café 3440 ihre Post an das Christkind aufgeben und in den Briefkasten einwerfen. Aber wie viele Kinder glauben noch an das Christkind?

Weihnachten wird auch in verschiedenen Ländern unterschiedlich gefeiert. Ausgangspunkt ist das christliche Fest der Geburt Jesu Christi. Im Brauchtum sind teilweise ältere, vorchristliche Winter- und Lichtbräuche hinzugetreten und mit christlichen Motiven verschmolzen. Letztlich war der 25. Dezember auch das Fest des Sol Invictus (unbesiegbarer Sonnengott) im Römischen Reich. Ursprünglich wurde das weihnachtliche Brauchtum in den Krippenspielen als besondere geistliche Schauspiele verchristlicht und seit dem 16. Jahrhundert in den Weihnachtskrippen dargestellt. Ich bin mit meiner Mutter immer nach Weihnachten in die verschiedenen Kirchen gegangen um „Kripperl zu schauen“. Am besten hat mir damals die Krippe in der Alserkirche gefallen. Das heute im deutschen Sprachraum übliche Weihnachtsfest in der Familie mit Weihnachtsbaum, Weihnachtsliedern, Krippe, Geschenken und einem Gottesdienstbesuch stammt ausm dem Bürgertum des 19. Jahrhunderts.

In Mitteleuropa wird der Weihnachtsbaum (in einigen Regionen auch Christbaum genannt) in der Kirche und in Wohnungen sowie auf großen Plätzen in den Ortschaften aufgestellt und mit Lichterketten, Kerzen, Glaskugeln, Lametta, Engel- oder anderen Figuren geschmückt. Der häusliche Weihnachtsbaum bleibt oft noch lange nach Weihnachten im Zimmer stehen, oft bis zum Ende der liturgischen Weihnachtszeit. Der geschmückte Christbaum ist heute zentrales Element der familiären Weihnachtsfeier. Mein Vater hat jedes Jahr zu Weihnachten jemanden, der keine Familie hatte und wohl auch nicht feiern würde, zu uns nach Hause mitgebracht.

Den ursprünglichsten Weihnachtsbrauch stellt die Tradition des Krippenspiels dar, das die Weihnachtsgeschichte anschaulich nachgestaltet. Um die Weihnachtskrippe versammeln sich die Familienmitglieder am Weihnachtsabend und gedenken der Geburt Christi. Oft wird das Weihnachtsevangelium gelesen. Die Geschichte der Weihnachtskrippe, die heute selbstverständlicher Bestandteil des Weihnachtsfestes ist, begann wohl schon im 13. Jahrhundert, und die Krippe ist im Gottesdienst wohl schon im 11. Jahrhundert verwendet worden.

Zu Weihnachten gehört meist ein aufwendiges Weihnachtsmahl am ersten Feiertag, für das bestimmte Speisen typisch sind, wie etwa die Weihnachtsgans oder der Weihnachtskarpfen sowie das speziell für die Weihnachtszeit hergestellte Weihnachtsgebäck.

Auch in manchen muslimischen Haushalten kommt zu Weihnachten eine Gans auf den Tisch, und die Kinder bekommen Geschenke. Da die Geburt Jesu Christi im Koran ausführlich beschrieben wird, ist den Muslimen der Ursprung des Weihnachtsfests nicht fremd. In einigen jüdischen Haushalten, die als Minderheit in einer christlichen Umgebung leben, kommt es vor, „Weihnukka“ zu feiern. Dabei werden zum Chanukka-Fest beispielsweise Tannenbäume in Wohnzimmern aufgestellt und mit Kugeln geschmückt, in die Davidssterne eingraviert sind.

Darüber z.B. würde sich das Christkind sicher freuen!

Das arme Christkind

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