Rund um die Telephonzelle: früher – heute – zu Silvester von Vandalismus bedroht

Früher, als es noch keine Handys gab – eigentlich unvorstellbar heute – benutzte man öffentliche Telephonzellen. Es gab sie fast überall in Gehweite. Der erste österreichische Telefonautomat war schon im Jahr 1903 im Wiener Südbahnhof in Betrieb gegangen.

In meiner Kindheit hatten wir zu Hause kein Telephon – wofür auch? Man besuchte Verwandte und Freunde, ohne sich vorher anzumelden und Termine wurden fix ausgemacht. Ich erinnere mich noch gut, um einen Termin mit meiner Freundin abzusagen, musste ich in die nächstgelegene Telephonzelle (ich wohnte damals in der Währinger Straße 26) bei dem Alten Chemischen Institut, auf Währinger Straße 10 gehen. Auch das entsprechende Kleingeld sollte mit dabei sein. Die Telephonnummer wusste man besser auswendig, denn sie im Telephonbuch zu suchen, war nicht immer erfolgreich – denn selbst wenn dieses angekettet war, waren manche Seiten herausgerissen. Leider wurden später die Telephonzellen zunehmend als Bedürfnisanstalten verwendet. Noch später wurden sie dann Unterlage für Graffiti verschiedenster Art.

Dennoch damals haben sie Leben gerettet, Beziehungen ermöglicht oder mitgeholfen Kriminelle zu überführen. Damals waren sie unverzichtbar!

Heute fallen sie fast nicht mehr auf, obwohl es in Österreich noch immer 14.000 öffentliche Sprechstellen gibt, davon sind 12.000 Telefonzellen, die anderen befinden sich meist innerhalb von Gebäuden, beispielsweise in Einkaufszentren oder Krankenhäusern. Für den Betrieb ist A1 zuständig. Häufig fallen sie gar nicht auf und werden von Passanten ignoriert, die ja ohnedies ihr Handy dabeihaben. Der Mindesteinwurf beträgt 30 Cent, damit kann man im Lokalnetz zwei Minuten telefonieren. Die Nutzer sind zum Beispiel Handybesitzer mit leerem oder defektem Akku, Menschen mit geringem Einkommen und sehr oft auch Touristen. Pro Tag wird jede Telefonzelle immerhin rund 2,5-mal benützt.

Trotz hoher Mobilfunkdichte gibt es in Wien noch 4.100 Telefonzellen. Aber auch die Telephonzelle muss mit der Zeit gehen, um bestehen bleiben zu können: 562 wurden zu Multimedia-Stationen mit Internetverbindung und vier zu Stromtankstellen aufgerüstet. Auch das gedruckte Telefonbuch wird noch immer produziert.

Die neueste Generation der Telefonzelle dient daher nicht nur zum Telefonieren, sondern auch als lokale Auskunftsstation. Sie ist mit einer „Multimedia-Station“ bestehend aus einem Computer, einem Touchscreen-Bildschirm aus Panzerglas, einer Webcam und einem Telefonhörer ausgestattet. Damit wird der Zugang zum Internet im öffentlichen Raum ermöglicht. Der Aufruf von Webseiten der öffentlichen Verwaltung – erkennbar am „.gv.“ in der Webadresse – ist an den Multimediastationen kostenlos. Die verschiedenen Services wie Surfen im Internet und E-Mail-Versand sind preislich gestaffelt. Ein weiterer Ausbau der Multimedia-Stationen ist nicht geplant. Denn im Wiener Stadtgebiet gibt es zahlreiche WLAN-Zugangspunkte, die auch im Stadtplan verlinkt sind.

Aber es soll künftig mehr Telefonzellen geben, die mit Stromtankstellen ausgerüstet sind. Diejenige, an der ich immer wieder vorbeigehe (in der Riemergasse), ist durchlaufend von Elektroautos besetzt. Hier können beispielsweise E-Fahrräder aufgeladen werden.

Und wer sorgt dafür, dass wir noch immer auch ohne Handy telephonieren können?  Durch die Universaldienstverordnung (UDVO) ist die Telekom Austria als Nachfolger der Post- und Telegraphenverwaltung zur flächendeckenden Mindestversorgung mit Telefondienstleistungen in Österreich verpflichtet. Darin enthalten sind Vorgaben zur Versorgung entlegener Gebiete mit Telefonzellen sowie zur gebührenfreien Erreichbarkeit von Notrufdiensten.

Der Bedarf an Telefonzellen ist im Laufe der Jahre wegen der hohen Mobilfunkdichte zurückgegangen. Dennoch steht nach wie vor in fast jeder Gemeinde Österreichs zumindest eine Telefonzelle.

Um aber auch telephonieren zu können, sollten neben den neuen Möglichkeiten die Telefonzellen im besten Fall noch immer mit einem Telefonbuch aus Papier ausgestattet sein. Doch laut einem AK-Test waren 21 Prozent der Telefonzellen kaputt und von 16 Prozent konnten lediglich Notrufe getätigt werden, weil der Münzbehälter überfüllt war und daher das eingeworfene Geld nicht aufnehmen konnte. Dazu kam, dass Telefonzellen vielfach verschmutzt waren, keine Preisinformationen enthielten oder Telefonbücher fehlten. Dem widersprach die Telekom. Die Telefonzellen seien so angeschlossen, dass sofort angezeigt werde, wenn ein öffentlicher Fernsprecher nicht funktioniert. Und sobald es eine Störung gibt, wartet ein Mitarbeiter diese Telefonzelle. Und weil der Nutzer ja auch eine saubere Zelle erwartet, werden rund 70.000 Reinigungen österreichweit durchgeführt. Neben der Verschmutzung ist in den Telefonzellen vor allem Vandalismus, besonders zu Jahreswechsel, ein Problem. Alleine vergangenes Silvester wurden laut Telekom Austria rund 200 Apparate in Österreich von Feuerwerkskörpern gesprengt. Der dadurch entstandene Schaden ist erheblich.

In Wiener U-Bahnstationen machen nicht mehr notwendige Telefonzellen Automaten Platz, aus denen man nicht nur Smartphones, sondern auch Zubehör wie Akkupacks und Selfiesticks für die Mobiltelefone herausdrücken kann.

Verglichen mit Deutschland gibt es hierzulande noch sehr viele Telefonzellen. In dem Nachbarstaat sind derzeit nur 22.000 Telefonzellen noch in Betrieb.

Wir brauchen nicht nostalgisch zu werden, die gute alte Telephonzelle wird uns auch – mit erweiterten Funktionen – in Zukunft zur Verfügung stehen.

Rund um die Telephonzelle: früher – heute – zu Silvester von Vandalismus bedroht

Elegische bis wütende Reminiszenzen – und ein Vorbild

Der Magnolienbaum vor dem Weißen Haus

Vorauszuschicken gilt, dass ich nie im Weißen Haus war, noch den Magnolienbaum dort wahrgenommen habe. Dennoch, ich mag Magnolienbäume, wenn sie blühen, mache ich große Umwege, um diese Bäume während ihrer Blüte zu sehen. Diese Magnolie vor dem Weißen Haus ist nun immerhin 180 Jahre alt. Diese Magnolie wurde 1835 vom damaligen US-Präsidenten Andrew Jackson bei dessen Einzug ins Weiße Haus gepflanzt. Es soll dem Vernehmen nach der Lieblingsbaum seiner Frau Rachel gewesen sein, die nur wenige Tage nach seinem Wahlsieg starb. Der Baum hat in den fast zwei Jahrhunderten einen großen Teil der Geschichte der USA miterlebt.

Experten hatten die Magnolie in den vergangenen Monaten wiederholt untersucht und nach möglichen Wegen zur Rettung des riesigen Baumes gesucht – vergebens. Jetzt solle die mehrere Meter hohe Magnolie zurückgeschnitten und eventuell in kleinen Teilen erhalten werden. Vielleicht kann das Holz aufbewahrt und Setzlinge daraus gezogen werden, um eine neue Magnolie zu pflanzen. Hoffentlich gelingt’s!

Das Ende der Geschichte?

Vor 25 Jahren ist das Buch „das Ende der Geschichte“ veröffentlicht worden. Ich hab‘ zwar nie angenommen, dass Auseinandersetzungen aufhören, aber euphorisch waren wir damals schon alle, als die Berliner Mauer gefallen war und der „Kommunismus besiegt schien“. Das war das Credo: Keine Angst mehr vor Krieg und Atomtod, denn die beiden Großmächte, die Amerikaner und die Russen, mussten nun ihre Bomben entsorgen, da kein Systemfeind mehr in Sicht war. Die Grenzen in ganz Europa, würden nun endgültig fallen und dieses endlich als Union auferstehen. Endlich würden die Menschenrechte für alle gelten. Die liberale Demokratie sei die universalhistorische Synthese, welche die totalitären Systeme des Kommunismus und Faschismus überwunden habe. Zum Westen und zu seiner Rechtsstaatlichkeit, seiner Marktwirtschaft und seinen Grundrechten gebe es – ideengeschichtlich gesehen – keine Alternative.

Und heute: hat der Kapitalismus Wort gehalten? Die Geschichte ist noch immer dar: Manch eine Großmacht ist nicht mehr besonders groß (wenn sie es auch wieder werden will), hat aber einen erratischen Führer, die politischen und wirtschaftlichen Schwergewichte haben sich zugunsten der ehemaligen Schwellenländer verschoben, der Terrorismus geißelt weltweit, mehr soziale Ungleichheit im Westen, antisemitische Anschläge, fremdenfeindliche Aktionen …

Ist der Mauerfall von 1989 durch den Hochhausfall von 2001 zugeschüttet worden, als Terroristen die Twin Towers in Manhattan mit gekaperten Verkehrsflugzeugen zerstörten. Seither stehen sich in einem neuen Krieg ein politischer Islam und ein liberaler Westen gegenüber, der mit dem Autoritarismus flirtet. Auch Atombomben scheinen wieder ins Speil zu treten.

Die Zukunft bleibt höchst ungewiss und wird später zur turbulenten Geschichte!

Neuerlicher Anschlag auf Kopten in Ägypten

Immer wieder kommt es zu Anschlägen auf koptische Christen in Ägypten, die Regierung scheint nicht willens oder nicht in der Lage sie zu schützen. Immerhin machen die Kopten 10% der Bevölkerung aus.

Die Kirche Mar Mina befindet sich in Helwan südlich der Hauptstadt Kairo und wurde zum Zeitpunkt des Angriffs von Sicherheitskräften bewacht. Bei dem anschließenden Schusswechsel kamen nach Angaben von Behörden ein Polizist sowie etliche koptische Kirchenbesucher ums Leben. Der koptische Bischof Andraos befand sich zum Zeitpunkt des Angriffs in der Kirche, in der sich viele Gläubige befunden haben sollen.

Der Angreifer, der verletzt festgenommen wurde, soll ein Sturmgewehr, 150 Schuss Munition und eine Bombe bei sich getragen habe. Die Bombe wollte er vermutlich in der Kirche zünden. Der Festgenommene war polizeibekannt. Er wurde wegen eines tödlichen Überfalls auf Polizisten gesucht, an dem er sich im Mai 2016 beteiligt haben soll. Wenige Stunden nach dem Angriff reklamierte die Terrormiliz IS die Tat für sich.

Allein in diesem Jahr wurden Christen und ihre Einrichtungen mehrfach zum Ziel von Anschlägen. Im April kamen bei zwei Selbstmordattentaten auf Kirchen in den Städten Alexandria und Tanta 45 Menschen ums Leben.

Und nicht nur in Ägypten müssen Christen um ihr Leben fürchten.

Unabhängigkeitsbestrebungen – wie sie glücken können

Allerorten gibt es derzeit Unabhängigkeitsbestrebungen, die Kurden, die Katalanen, die Menschen in Barcelona von den abgespaltenen Katalanen, die Schotten, die Flamen, die Norditaliener ….

Vielleicht sollten alle zurückschauen um eine glückliche Trennung zu finden. Vor 25 Jahren hat sie stattgefunden: Die 1918 gegründete Tschechoslowakei hatte nie die Herzen der Menschen erreicht. Über eintausend Jahren lang lebten beide Völker zuvor in unterschiedlichen Staatsgebilden. Die gesellschaftlichen und kulturellen Unterschiede wurden auch während der sozialistischen Jahrzehnte nur übertüncht. Die deutliche kleinere Slowakei fühlt sich durch Prag gegängelt und wirtschaftlich benachteiligt.

Der Streit um die Nationalhymne und den Namen des Landes wird nach der Revolution 1989 zum Symbol für die wachsende Unzufriedenheit mit dem gemeinsamen Staatsgebilde. Viele Slowaken wollen nicht länger die zweite Geige spielen. Sie misstrauen dem tschechischen Reformeifer und der raschen Hinwendung zur Marktwirtschaft. 1992 wählen sie den Ultranationalisten Vladimir Meciar zum neuen Ministerpräsidenten ihrer Teilrepublik. Der neue starke Mann in Bratislava wird zum Motor der Trennung.

In Prag stoßen diese Forderungen auf offene Ohren. Ministerpräsident Vaclav Klaus will seine marktwirtschaftlichen Reformen ohne Rücksicht auf die ärmere Slowakei verwirklichen. In Vier-Augen-Gesprächen vereinbaren beide Politiker das Scheidungsverfahren. Den lauten nationalistischen Forderungen zum Trotz ist die schweigende Mehrheit der Bevölkerung bis zum Schluss für den Fortbestand eines gemeinsamen Staates. Die politischen Führer in Prag und Bratislava verzichten deshalb bewusst auf eine Volksbefragung. Diese Abspaltung war und ist ein Beispiel für eine erfolgreiche Trennung zweier Staaten. Sie ist sehr zivilisiert ohne größere Spannungen und ganz ohne Gewalt abgelaufen.

25 Jahre nach der friedlichen Scheidung sind die Gefechte der Vergangenheit inzwischen längst in Vergessenheit geraten.

Und ceterum censeo:

Die Lage im Jemen verschlechtert sich von Tag zu Tag

Elegische bis wütende Reminiszenzen – und ein Vorbild

Silvester – einst und heute?

Ich wurde also aufgefordert, über meine Silvestererinnerungen zu schreiben. Als ich nachdachte, fiel mir gar nicht so besonders viel dazu ein. Silvester war in meiner Kindheit und Jugend eher kein so großes Fest. Woran ich mich erinnere, war das Umschreiben des Kalenders. Es gab damals weitgehend nur kleine Büchlein, die den Kalender enthielten, darin gab es „Formulare“ für „persönliche Daten“ und vor allem das Adressbuch. Das musste übertragen werden.  Etwas später gab es dann herausnehmbare Teile für das Adressbuch, damit man nicht mehr alles übertragen musste. Heute führe ich z.B. meinen Kalender am Computer (nicht immer schlau), aber jedenfalls „rollt er weiter“ und es gibt keinen Bruch am Jahresende. Die Adressdaten (meist Telephonnummern) hat man heute am Handy gespeichert und braucht kein „papierenes Adressbuch“. Auch die Adressen haben sich geändert, waren es früher Orte, Straßen und Hausnummern, speichert man heute primär Mailadressen – wer schreibt noch Briefe, Karten oder gar Korrespondenzkarten oder schickt Telegramme?

Und was Trinken anlangt: in meiner Familie wurde in meiner Kindheit und Jugend nur in Ausnahmefällen Alkohol getrunken. Ich weiß noch von einer Flasche Champagner im Keller, der anfangs für den „Endsieg“ aufgehoben wurde. Als meine Mutter ihn einmal suchte, griff sie im Dunkeln auf etwas Haariges, erschrak fürchterlich, da sie eine Ratte vermutete, zerbrach den lang gelagerten Champagner. Das haarige Ding stellte sich dann später als Bartwisch heraus, der einmal beim Kelleraufräumen dort vergessen worden war. Naja, und zum Endsieg ist es für uns ohnedies nicht gekommen.

Aufgeblieben sind wir schon, etwas Besonderes gegessen haben wir jedenfalls nicht, außer zu Mitternacht die Biskuitfischerln, wobei ich nicht mehr oder noch immer nicht weiß ob man sie von hinten oder von vorne anbeißen muss, um im folgenden Jahr Glück zu haben.

Wichtig war es jedenfalls, die Fenster zu Mitternacht aufzumachen, um „das Neue Jahr hereinzulassen“. Bei uns wurde auch darauf geachtet, dass keine Wäsche übers in der Silvesternacht an einer Leine hing, denn das bedeutete den Tod eines Familienmitglieds. (Konnte ich nicht verifizieren). Und an Feuerwerke kann ich mich in dieser Zeit überhaupt nicht erinnern.

Einmal, es muss in den frühen Fünfziger Jahren gewesen sein, war ich bei einer Schulkollegin zu Silvester eingeladen. Sie hatte einen Zwillingsbruder und somit waren auch ein paar Burschen anwesend. Die Mutter dort hatte für uns Brote hergerichtet, mit Liptauer und sonstigen Aufstrichen. Ich glaube auch, dass wir dort keinen Alkohol getrunken haben. An Bleigießen kann ich mich auch nicht erinnern. Ein paar von den Jugendlichen hatten ihre Platten mitgebracht und dazu haben wir getanzt. Um Mitternacht, als wir über unsere Wünsche für das kommende Jahr sprachen, stand an oberster Stelle bei allen von uns, der Wunsch nach Freiheit für Österreich.

In meiner Jugend war ich auch Mitglied des Alpenvereins, Sektion Austria. Die Jugendgruppe fuhr oft schon am 26. Dezember zum Schifahren auf eine Hütte. Zurück kamen wir dann am 6. Jänner. Konkret kann ich mich einmal an die Austria- Hütte am Dachstein erinnern, wir waren im Matratzenlager untergebracht. Um bis Mitternacht aufzubleiben wurde Karten gespielt. Um Mitternacht waren wir jedenfalls alle im Freien, aber nicht schifahrend. Wir wurden mit einem herrlichen Sternenhimmel belohnt, ein Feuerwerk ging uns daher gar nicht ab.

Aber was ist eigentlich so besonders an Silvester? Als Silvester (regional auch Altjahrstag oder Altjahrestag) wird in einigen europäischen Sprachen der 31. Dezember, der letzte Tag des Jahres im westlichen Kulturraum, bezeichnet. Nach dem Heiligenkalender der römisch-katholischen Kirche ist dies der Gedenktag des heiligen Papstes Silvester I. Er starb am 31. Dezember 335. Weil er als Heiliger verehrt wird, wurde sein Todestag zugleich sein Namenstag. Herrschte zur Zeit seiner Priesterweihe noch Christenverfolgung, so wurde durch das 313 erlassene Toleranzedikt der Beginn einer Wende zur christlichen Staatsreligion vollzogen. Von historischer Bedeutung wurde die Beziehung des Papstes zum damaligen Kaiser Konstantin durch die sogenannte „Konstantinische Schenkung“. Dabei handelte es sich um eine gefälschte Urkunde, wonach Kaiser Konstantin angeblich den Vorrang Roms über alle Kirchen anerkannte, dem Papst kaiserliche Abzeichen und den Lateran-Palast in Rom verlieh, sowie die Herrschaft über die Stadt, Italien und die römischen Provinzen im östlichen Mittelmeerraum.

Das Jahresendfest hatten bereits die Römer gefeiert, erstmals im Januar zu Beginn des Jahres 153 v. Chr., als der Jahresbeginn vom 1. März auf den 1. Januar verschoben wurde. Die Feuer-Feste am Jahresende haben alte germanische Wurzeln.

Die Assoziation des Jahresendes mit dem Namen Silvester („Waldmensch“, von silva ‚Wald) geht auf das Jahr 1582 zurück. Damals verlegte die Gregorianische Kalenderreform den letzten Tag des Jahres vom 24. Dezember auf den 31. Dezember, den Todestag des Papstes Silvester I.

Das jetzt übliche Feuerwerk sollte im vorchristlich-animistischen Glauben früher „böse Geister“ vertreiben und drückt heute vielleicht bei manchen auch Vorfreude auf das neue Jahr aus. Um 12 Uhr nachts wird von vielen Kirchen das neue Jahr eingeläutet. Je nach örtlicher Tradition dauert das Geläut zwischen zehn Minuten und einer Stunde. Bei uns in Wien läutet die Pummerin – nur leider ist sie aufgrund des Getöses der Böller und Feuerwerkskörper kaum zu hören – außer im Radio.

Das österreichische Pyrotechnikgesetz von 2010 verbietet in § 38 Abs 1 „die Verwendung pyrotechnischer Gegenstände […] im Ortsgebiet“ auch zu Silvester. Um die private Verwendung von Feuerwerk – etwa zu Silvester – zu ermöglichen, kann die Gemeinde unter Vorgabe eines Zeitrahmens „bestimmte Teile des Ortsgebietes von diesem Verbot ausnehmen, sofern nach Maßgabe der örtlichen Gegebenheiten durch die Verwendung Gefährdungen von Leben, Gesundheit und Eigentum von Menschen oder der öffentlichen Sicherheit sowie unzumutbare Lärmbelästigungen nicht zu besorgen sind“. Davon ausgenommen ist der Umkreis von „Kirchen, Gotteshäusern, Krankenanstalten, Kinder-, Alters- und Erholungsheimen sowie Tierheimen und Tiergärten“ (§ 38 Abs 2). Nur wenige österreichische Gemeinden haben eine solche Verordnung erlassen, und nur ein Bruchteil der Feuerwerker hält sich an den darin vorgegebenen zeitlichen Rahmen. In der Mehrzahl der Gemeinden ist die private Verwendung von Feuerwerk auch zu Silvester generell verboten. Hilft aber nicht viel!

Seit dem Jahreswechsel 1990/91 veranstaltet die Stadt Wien mit anderen Organisationen den Wiener Silvesterpfad. Mittlerweile ist es das größte Silvesterevent Europas. Heute am Vormittag war schon ein großer Teil der „Standln“ aufgestellt (während noch jene der Christkindlmärkte weggeräumt wurden).  Mit tut es nur leid, dass nicht schönere Produkte, die vielleicht in Österreich hergestellt werden, dort verkauft werden.

Ich teile noch immer nicht die hektische Lustigkeit, die viele Menschen zu Silvester verspüren. Vielleicht bin ich auch jetzt schon zu alt dafür!

 

Silvester – einst und heute?

Die Welt steht auf kein’ Fall mehr lang

Das ist der Refrain eines Wiener Couplets aus der Posse Der böse Geist Lumpacivagabundus (April 1833) von Johann Nestroy.

Trump und das Jahr des Hundes

Und ganz so unzutreffend für unsere Zeit ist dieser Text auch nicht. Da lese ich, dass eine gigantische Figur eines Hundes – des Symbols für das Jahr 2018 nach dem chinesischen Horoskop – mit einer leicht erkennbaren Frisur und den Augenbraunen des US-Präsidenten Donald Trump nun Käufer eines Supermarktes in China begrüßt.

Die Figur mit goldenen Haaren, rotem Halstuch und nach oben gerichtetem Zeigefinger steht in Taiyuan, der Hauptstadt der Provinz Shanxi. Trump wurde 1946 geboren – nach dem chinesischen Horoskop war das ebenfalls ein Jahr des Hundes. Auch die Gestik soll jener Trumps sehr ähnlich sein.  Und das rote Halstuch soll die rote Krawatte symbolisieren, die der US-Präsident so gern trägt.

Das Anfertigen und Aufstellen von Installationen, die Trump gewidmet sind, wird in China schon zur Tradition. So erschienen voriges Jahr im Vorfeld des Neujahrsfestes Figuren eines weißen Hahnes mit deutlich erkennbarer Frisur. Derartige Symbolfiguren aus dem Jahr 2017 wurden sogar in Serienbetrieb genommen, da sie unter den Chinesen sehr gefragt waren.

Das Jahr des Erdhundes, das am 16. Februar 2018 beginnt, könnte ein Wendepunkt in der Geschichte der Menschheit sein. Denn Donald Trump, im Jahr des Hundes geboren, hat auch eine dunkle Seite. Leute, die in diesem Zyklus geboren sind, neigen angeblich zu Wut, sind anderen gegenüber sehr kritisch, sind auch stur und lassen sich nicht beraten, sind überempfindlich auf Kritik, und tief emotional. Donald Trumps Geburtstag war im Jahr des Feuerhundes. Das macht ihn zu einem aggressiven Anführer. Das Feuerelement macht es ihm schwer, seine Emotionen zu kontrollieren, und sein Wunsch, andere zu dominieren, ist sehr intensiv. Er wird alle ihm zur Verfügung stehenden Mittel nutzen, um seine Position zu behalten und zu bekommen, was er will. Dies wird mit ziemlicher Sicherheit zu Konflikten und Chaos führen.

Könnte die gegenwärtige politische Atmosphäre, in der viele Menschen Präsident Trump verspotten, einen intensiven Wutausbruch bei ihm auslösen, der sogar zu einem Atomkrieg auslösen könnte. Es gibt Gründe, dass Hundejahre manche Revolutionen auslösen.

So viel zu Horoskopen – wenn auch chinesischen.

Diktatoren unter sich: Erdogan und Asad

Eine Nachkriegsordnung mit Präsident Baschar al-Asad an der Spitze ist für den türkischen Regierungschef Recep Tayyip Erdogan unvorstellbar. „In Syrien mit Asad zu gehen, funktioniert absolut nicht“, sagte er nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu am Mittwoch bei einem Besuch in Tunis. Die Türkei tritt als Schutzmacht der Rebellen auf.

Asad sei ein „Terrorist“, der „fast eine Millionen Bürger getötet“ habe, sagte Erdogan. Damaskus konterte über seine staatliche Nachrichtenagentur Sana, Erdogan habe die Türkei in ein „riesiges Gefängnis“ verwandelt und ersticke die Medien.

Inzwischen kam es östlich von Damaskus nach monatelangem Warten erstmals zu Krankentransporten aus der belagerten Enklave Ost-Ghuta. Die 400 000 Menschen dort sind seit vier Jahren eingeschlossen. Die Gegend wird vor allem von islamistischen Rebellen kontrolliert.

Wie aus einer einfachen Beobachtung ein Shitstorm wird

„Wer soll eigentlich noch freiwillig in eine Christmette gehen, wenn er am Ende der Predigt denkt, er hat einen Abend bei den #Jusos bzw. der Grünen Jugend verbracht?“, twitterte Ulf Poschardt, Chefredakteur der „Welt“, in der Nacht zum ersten Weihnachtsfeiertag. Auf den ursprünglichen Inhalt folgen erste Reaktionen. Sie haben stets nur eine Tendenz, aber noch keine klare Richtung. Am 25. Dezember war sein Tweet bereits etliche Male geteilt und kommentiert worden. Ein junger Berliner, der nach eigenen Angaben «Campaigner und Konzepter» ist, hatte Poschart  noch in der Nacht gefragt, ob seine Kirchenkritik nicht zeige, dass christliche Werte nun einmal „am ehesten bei der Grünen Jugend und den Jusos vertreten werden“. Ob man etwa wie die Junge Union oder, Gott bewahre, die AfD predigen solle, wollte er wissen. Poschart warf nun dem Campaigner und Konzepter seinerseits undiplomatischer Weise „eine pharisäerhafte Selbstgerechtigkeit“ vor.

Binnen weniger Stunden sah sich Poschardt einem Sturm an Kommentaren ausgesetzt. Die einen versuchten mit Bibelzitaten nachzuweisen, dass Jesus tatsächlich der erste Jungsozialist war – ungeachtet des neunten und zehnten Gebots und zahlreicher konträrer Lehren des Neuen Testaments, etwa vom Zinsgroschen oder den anvertrauten Zentnern bei Matthäus. Andere konzentrierten sich auf die Dämonisierung des Übeltäters. Unter #PoschardtEvangelium verbreiteten sie, was der bekennende Marktfreund ihrer Meinung nach am liebsten beim Kirchgang gehört hätte. „Bittet, so wird euch gegeben! Zumindest ein bisschen. Wir müssen einsehen, dass der Sozialstaat seine Grenzen hat.“ Oder kürzer: „Und Jesus sprach zu den Bedürftigen: Der Markt wird’s schon richten.“ Sogar der frühere grüne Bundesminister Jürgen Trittin empfahl als verspätetes Weihnachtsgeschenk für Poschardt eine leere „AfD-Krippe“, ohne Juden, Araber und Flüchtlinge.

Am Ende des zweiten Weihnachtsfeiertags hatten die Apostel des #PoschardtEvangeliums aus einem Gottesdienstkritiker einen neoliberalen Satan gemacht, der Armen ihre Almosen klaut und Flüchtlinge hasst.

Aber was zeigt uns das nun? Ist Religion zurück in der Mitte der Gesellschaft?  Oder sind die Internet-User allesamt Gutmenschen? Oder Beides! Mit Weihnachten hat ein Shitstorm aber wenig zu tun.

Aber um im Rahmen des Lumpacivagabundes zu bleiben: „der Komet kommt ja bald, die Welt steht auf kein’ Fall mehr lang, lang, lang, lang, lang, lang.“

Die Welt steht auf kein’ Fall mehr lang

Das Hamstern in schlechten Zeiten und unser Wohlstand heute

Heute möchte ich auf das Hamstern zurückkommen, das zu Kriegs- und Nachkriegszeiten das Überleben ermöglichte. Derzeit wird in vielen Familien mühsam versucht, die „Weihnachtsrestln“ auf andere Familienmitglieder zu verteilen. Wir wissen nicht mehr wohin, mit dem Essen. Und wegschmeißen, das geht gar nicht. Also werden auf längere Zeit Restln verzehrt werden.

Ich kannte den Begriff „Hamstern“ als kleines Kind nicht. Da wurden mir nur „Hamsterbacken“ vorgeworfen, wenn ich mir nicht schmeckendes Essen von einer Backe in die andere schob und es nicht hinunterschluckte.

Wahrscheinlich kommt das Hamstern von den Hamstern. Die Hamster sind eine zu den Wühlern gehörende Unterfamilie der Mäuseartigen mit etwa 20 Arten. Den Kindern heutzutage werden sie als geliebte Haustiere bekannt sein. Aber ihr Verbreitungsgebiet sind trockene und halbtrockene Gebiete Eurasiens. In Mitteleuropa kommt nur der Feldhamster vor.

Hamster sind vorwiegend Pflanzen- und insbesondere Samenfresser. Neben Pflanzensamen ernähren sie sich jedoch auch von grünen Pflanzenteilen, Sprossen, Wurzeln, Früchten, Blättern und Blüten. Gelegentlich können sie Insekten, Eidechsen, Frösche, Mäuse und andere Kleinsäuger, junge Vögel und Schlangen erbeuten. Diese machen jedoch nur einen kleinen Anteil ihrer Nahrung aus. Sie verzehren Feldfrüchte wie Weizen, Gerste, Hirse, Sojabohnen, Erbsen, Kartoffeln, Karotten und Rüben. Die Nahrung wird als Wintervorrat eingelagert, der hauptsächlich aus Pflanzensamen besteht, bei der Rückkehr in den Bau gefressen oder an der Erdoberfläche verzehrt, wenn alles ruhig ist.

Soweit zu den Hamstern – und nun zum Hamstern. Man ging nämlich Hamstern.

Unsere Eltern kannten das Hamstern aber noch aus der Zeit des Ersten Weltkriegs. Anfangs war „Hamstern“ zuerst einmal negativ besetzt. Die „Hamsterer“ waren Leute, die große Lager an Lebensmittelvorräten angesammelt haben und diese dann möglicherweise auch noch vor den nachfragenden Behörden verbargen.  „Hamstern“ war ein Delikt. „Hamstern“ konnte zum Schleichhandel werden, wenn die eingelagerten Vorräte spekulativ zu teuren Preisen verkauft wurden. Das Wort „Hamstern“ wurde allerdings, je länger der Erste Weltkrieg dauerte, in Wien positiv besetzt. „Hamstern“ bedeutete, dass man aufs Land fährt und bei den Bauern anklopft, ob sie Gemüse und Obst, Eier und Fleisch verkaufen. Wenn sie nicht Geld wollten, dann mussten andere Objekte her, damit die Bauern ihre Produkte doch hergeben: Schmuck, Küchengeräte, Tabak etc.  Auf diese Art und Weise können die Städter karge Kost, die man auf den Märkten und Läden bekommen kann, etwas aufbessern.

Je kleiner die per Lebensmittelkarten zugeteilten Rationen werden, desto mehr wurde „Hamstern“ zur Überlebensnotwendigkeit. Wehe dem, der nicht „hamstern“ konnte. Nach Dörfern jenseits der Donau oder ins Tullnerfeld zogen die Menschen aus Wien um Kartoffeln. Mit Markttaschen, mit Rucksäcken, mit Wägelchen, die sie selber hinter sich herschleppten, wanderten besonders Frauen. Und sie haben kärgliche Vorräte von Zucker, Tabak, Zigaretten oder Kaffee-Ersatz mit dabei, um mit Bauern zu handeln.

All das war unseren Eltern wohl noch in Erinnerung, als es dann zu Mangelerscheinungen in der Ernährung im Zweiten Weltkrieg kam. Wiederum bestimmte der Hunger Denken und Handeln der Menschen in den letzten Kriegs- und Nachkriegsjahren. Die auf Lebensmittelkarten zu kaufende Nahrung reicht bei weitem nicht aus. Nur Tausch- und „Kompensationsgeschäfte“ konnten das Überleben sichern. Wer nicht auf dem Land lebte, begann Hamsterfahrten zu überlegen.
Massenhaft begaben sich die Städter aufs Land, denn hier war die Versorgungslage weitaus besser.  Die Bauern hielten Hühner, Schweine, zogen Gemüse und Obst in ihren Gärten. In überfüllten Zügen, in Güterwaggons, zu Fuß und mit dem Fahrrad, oft tagelang, durchstreiften sie die Dörfer, um Butter, Speck, Kartoffeln gegen Hausrat, Kleidung oder Wertgegenstände zu tauschen. Viele Bauern ließen sich die Lebensmittel teuer bezahlen. Die bösen Worte vom „Perserteppich im Kuhstall“ machen die Runde.

Viele, die keine Tauschwaren besaßen, besonders Frauen, verdingten sich bei den Bauern als Arbeitskräfte gegen Naturallohn. Große Rucksäcke waren das Transportmittel. Häufig wurde das mühsam „Gehamsterte“ auf dem Weg nach Hause beschlagnahmt. An Bahnhöfen und Ausfallstraßen fanden Kontrollen statt, denn „Hamstern“ war offiziell verboten. Doch Kontrollen wie Appelle, das „Hamstern“ zu unterlassen, zeigten keinerlei Wirkung. Nach und nach wurden die strengen Regelungen gegen das „Hamsterunwesen“ entschärft, Lebensmittel in bestimmten, festgelegten Mengen, die der Selbstversorgung dienten, nicht mehr beschlagnahmt.

Auch bei den Bauern wurden Verschärfungen eingeführt, sie mussten alles, auch wenn es für den „Eigenbedarf“ bestimmt war, oder „Kleinvieh“ war, registrieren lassen. Damit hoffte man, das Hamstern verhindern zu können. Aber die Bauern zogen halt ihre Tiere „schwarz“ auf und die Kontrolleure, die konnte man ebenfalls mit ein paar Eiern, Speckseiten oder Blutwürsten bestechen.

Wir selbst lebten damals auf dem Land und ich ging mit meiner Mutter hamstern. Host an Oa? (Haben Sie ein Ei für uns) fragten wir die Bäuerinnen, wir selbst schleppten mit, was wir entbehren konnten – z.B. auch Spielzeug von mir (meine Puppe Lorli weigerte ich mich allerdings  herzugeben). Nachdem uns die Tauschobjekte ausgegangen waren, verdingte sich meine Mutter auf den Bauernhöfen, ich brachte die Jause aufs Feld (Most und Brot) und hütete Kühe. Ich fürchtete mich anfangs vor den Riesenviechern, es stellte sich aber heraus, dass Kühe-Hüten recht geruhsam war, man konnte dabei lesen. Abends musste man halt die Tiere wieder in den Stall treiben.

Nicht nur meine Mutter begleitete ich auf den Hamsterzügen, auch den Nazl, den Bruder des Bürgermeisters, den Kontrollor des Kleinviehs. Wir zogen von Bauernhof zu Bauernhof, die oft sehr weit auseinanderlagen. Nazl konnte nicht sehr gut schreiben. Ich schrieb also auf, was man mir diktierte – besonders oft wurden Perlhühner genannt (ich hatte keine Ahnung was wohl ein Perlhuhn war), die konnte man nämlich eher unbegrenzt halten. Zum Dank bekamen wir Eier, Speck, Schmalz etc. Ich erhielt für die Schreibarbeit einen fairen Anteil, den ich stolz nach Hause brachte.

So kam ich auch zu einem „Sautanz“, d.h. zum Schachten eines „schwarz gehaltenen“ Schweines. Ein bissel unangenehm war’s mir schon, als das Schwein laut quiekend über den Hof lief, als ahnte es sein Schicksal. Letztlich wurde es eingefangen, mit einem Schlachtschussapparat in den Kopf geschossen – und dann begann die Arbeit. Das Auffangen des Blutes für die Blunzen, das Ausnehmen, das Waschen der Gedärme für die Würste, Innereien wurden gleich für die Schlachtpartie gekocht, andere Teile wurden eingesalzen und in die Selchkammer befördert, Teile wurden „eingeweckt“. Belohnt mit Blut- und Leberwurst und einem Tiegel Schmalz ging ich müde, aber zufrieden den langen Weg nach Hause.

Welcher Gegensatz zu unserem heutigen Überfluss. Mögen die Entbehrungszeiten nicht wiederkehren!

 

Das Hamstern in schlechten Zeiten und unser Wohlstand heute

Ist der Christtag wirklich der Geburtstag Jesu?

Heute ist Christtag. Wir feiern die Geburt von Jesus Christ. Aber ist er wirklich am 25. Dezember geboren worden? Das Neue Testament gibt kein Geburtsdatum Jesu an; Jahr und Tag waren den Urchristen unbekannt. Die christliche Jahreszählung berechnete Jesu mutmaßliches Geburtsjahr falsch. „DER wirkliche Geburtstag Jesu ist unbekannt“, wird auch im Lexikon für Theologie und Kirche erklärt. In der Bibel gibt es Anhaltspunkte, dass Jesus nicht im Dezember geboren wurde.

Jesus kam in Bethlehem in Judäa zur Welt. Das Lukasevangelium berichtet: „Es waren auch Hirten in derselben Gegend, die draußen im Freien lebten und in der Nacht über ihre Herden Wache hielten“. Das war nicht ungewöhnlich. Denn die Herden blieben einen großen Teil des Jahres im Freien. Hätten sich aber die Hirten im kalten Dezember mit ihren Herden nachts im Freien aufgehalten? Wahrscheinlich verbrachten die Herden den Winter in Schafställen, und das allein würde genügen, um zu beweisen, dass unser Weihnachtsdatum im Winter kaum richtig sein kann, denn das Evangelium sagt uns, dass die Hirten auf dem Felde waren.“

Außerdem kann man im Lukasevangelium lesen: „In jenen Tagen nun ging eine Verordnung von Cäsar Augustus aus, dass die ganze bewohnte Erde eingeschrieben werde (diese erste Einschreibung fand statt, als Quirinius Statthalter von Syrien war).“ Diese Volkszählung wurde von Augustus vermutlich zur Steuerschätzung und zum Erfassen wehrfähiger Männer angeordnet. Damit machten sich Joseph und seine hochschwangere Frau Maria auf die 150 Kilometer lange Reise von Nazareth nach Bethlehem. Aber mischte sich Augustus als Herrscher in die örtliche Verwaltung ein? Hätte er dann wohl einem ohnehin aufsässigen Volk mitten im Winter weite und beschwerliche Reisen zugemutet?

Tatsache ist, dass den ersten Christen Weihnachten nahezu gleichgültig war. Kein früher christlicher Autor erwähnt Feierlichkeiten am Jahrestag der Geburt des Herrn, im Gegenteil: Origines hielt Geburtstage sogar für eine „heidnische“ Praxis. So feierten die frühen Christen auch nie die Geburtstage ihrer Heiligen und Märtyrer, sondern stets den Tag ihres Martyriums, ihrer „Geburt im Himmel“. Dementsprechend finden wir in den Evangelien sehr konkrete Angaben über den Todestag Jesu und den Zeitpunkt seiner Auferstehung. Nur weil sich Matthäus und Lukas darin einig sind, dass er unter Herodes dem Großen geboren wurde, können wir sicher sein, dass er vor dem März 4 v.Chr. auf die Welt kam.

Die früheste Nachricht über den historischen „Geburtstermin“ stammt von Clemens von Alexandrien (150-215). „Es gibt jene, die nicht nur das Jahr der Geburt unseres Herrn, sondern auch den Tag bestimmt haben; und sie sagen, sie fand statt im 28. Jahr des Augustus und am 25. Tag des (ägyptischen Monats) Pachon… andere sagen, er sei am 24. oder 25. Parmuthi geboren worden.“ Im 2. Jahrhundert jedenfalls, zur Zeit des Clemens, fiel der 25. Pachon auf den 9. April und der 24./25. Parmuthi auf den 9./10. März.

Erst seit der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts feierte man im Westen die Geburt Christi am 25. Dezember und im Osten am 6. Januar, was übrigens nicht, wie gerne behauptet wird, auf einen Befehl Konstantins des Großen zurückgeht und auch nichts mit dem Festtag des Sol invictus, des Unbesiegten Sonnengottes der Römer, zu tun hatte. Tatsächlich stammt diese Behauptung aus dem 12. Jahrhundert, und zwar von Dionysius bar-Salibi, einem syrischen Christen. Erst im skeptischen 18. Jahrhundert fand sie weite Verbreitung. Um 200 behauptete Tertullian, der 14. Nisan, der Todestag Jesu nach dem jüdischen Mondkalender, würde dem 25. März des römischen Sonnenkalenders entsprechen. Der 25. März wurde aber von den Christen auch als Tag der Verkündigung Mariens gefeiert – woraus sich, wenn man neun Monate addiert, der 25. Dezember als Geburtsdatum ergibt. Davon war etwa der hl. Augustinus überzeugt, wie in seiner Abhandlung „Über die Dreifaltigkeit“ zu lesen ist.

Andere Christen wiederum wussten noch (oder hatten errechnet), dass Jesus am 7. April 30 n.Chr. gekreuzigt wurde, setzten diesen Tag mit dem Verkündigungstag gleich und kamen auf den 6./7. Januar als Geburtstag.

Die astronomischen Fakten, der Zeitpunkt der Steuerschätzung (wahrscheinlich zeitgleich mit der Tempelsteuer), die lokalen Begebenheiten, wie sie die Evangelien schildern (Lämmer auf den Weiden!), vor allem aber der gut dokumentierte Termin des Kindermordes von Bethlehem (18. Mai) und der Ermordung des Zacharias (am oder vor dem 20. Mai), frühestens 40 Tage nach der Niederkunft Mariens (Lukas erwähnt seine Präsentation im Tempel!), eher sogar mehr als 53 Tage danach (so lange dauerte die Reise der Magier), deuten jedoch alle auf die Geburt Jesu und nicht auf die Empfängnis Mariens im Monat Nisan (März/April) hin. Jesus aber wurde zweifelsfrei im Nisan geboren, der im jüdischen Jahr 3756 (5 v. Chr.) am 9. März begann, was auch theologisch einen Sinn ergibt. Denn die Juden waren überzeugt: „Im Nisan wurde die Welt erschaffen. Im Nisan wurden die Patriarchen geboren; und im Nisan werden sie (unsere Nachkommen) in der Zukunft erlöst.“  Aber dabei könnte es zu einer Kollision des Geburts- und Todestages kommen!

Der Mönch Dionysius Exiguus (470-540), ein gebürtiger Ukrainer, sollte im Auftrag des Papstes einen genaueren Kalender erstellen. Dabei errechnete er, dass das Jahr 1 n.Chr. dem Jahr 754 ab urbe condita, also seit der Gründung Roms 753 v.Chr., entspricht. Ein „Jahr Null“ konnte es nicht geben, denn die Null war zu seiner Zeit im Westen unbekannt. Nimmt man dieses Datum als Ausgangspunkt, dann wäre das 28. Jahr des Augustus – das Jahr 5 v.Chr., das letzte Jahr, das als Geburtsjahr Jesu in Frage kommt, da König Herodes im März 4 v.Chr. verstarb. Ist es Zufall, dass zu eben diesem Zeitpunkt, um den 1. Nisan des Jahres 3756 nach dem jüdischen Kalender (oder dem 9. März 5 v.Chr. nach unserer Zeitrechnung), das Zeichen des Messias – ein neuer, heller Stern, eine Supernova – am Himmel erschien?

Der Grund für die Festlegung von Weihnachten auf den 25. Dezember ist ziemlich fragwürdig. Doch dieser Tag wurde gewählt, weil er mit heidnischen Festlichkeiten zusammenfiel, die um die Wintersonnenwende stattfanden. Man feierte die ‚Wiedergeburt der Sonne‘.  In diese Zeit fielen auch die römischen Saturnalien (Saturn, dem Gott des Ackerbaus, gewidme. Die wiedererlangte Kraft der Sonne wurde gefeiert).“ Das waren meist ausgelassene Feste, bei denen sich die Feiernden überaus schamlos aufführten.

Bibel berichtet. Damals erschienen sogar Engel, die freudig ausriefen: „Herrlichkeit Gott in den Höhen droben und Frieden auf Erden unter Menschen guten Willens“. Aber in Gottes Wort wird mit keiner Silbe auch nur angedeutet, man solle Jesu Geburtstag feiern. Dagegen wird ausdrücklich geboten, seines Todes zu gedenken.

Mir scheint, dass es vielleicht doch am besten ist, Weihnachten an dem angestammten Datum zu belassen, egal, ob es auf Grund des sol invictus, der Saturnalien oder wegen der 9 Monate nach Empfängnis Mariens geschehen ist.

Ist der Christtag wirklich der Geburtstag Jesu?

Was die Bettler Wiens mit einem Märchen von H.C. Andersen verbindet.

Ich gehe oft durch die Straßen des Ersten Bezirks in Wien. Da gibt es wunderschön dekorierte Auslagen mit vielen unterschiedlichen Waren.  Einige Geschäftslokale stehen auch leider leer. Und besonders auf den Touristenwegen reiht sich ein Souvenirgeschäft an das nächste. Die alten eleganten Traditionslokale sind fast ganz verschwunden.

Aber darüber will ich eigentlich gar nicht berichten. In der Inneren Stadt wimmelt es geradezu vor Bettlern, beiderlei Geschlechts, unterschiedlichen Alters und teilweise mit unterschiedlichen Gebrechen, aber auch Fähigkeiten, etwas zu produzieren, z.B. zu singen oder ein Instrument zu spielen. Es geht einfach nicht, dass man jedem von ihnen etwas gibt, wie das ein leider schon verstorbener   Freund von uns getan hat (da gab es allerdings auch noch viel weniger Bettler).

Mir tut eigentlich fast jeder leid, der auf dem kalten Boden sitzt, kniet oder sogar liegt, manche sogar mit nackten Füßen. Immer, wenn ich einen von denen sehe, denke ich daran, einmal zu mindestens dicke Socken einzustecken, um sie ihnen zu geben. Aber geben kann man nicht allen etwas und auch nicht jeden Tag. Und immer habe ich ein schlechtes Gewissen, wenn ich oft achtlos vorbeigehe. Normalerweise danke ich jedenfalls für ihre guten Wünsche.

Aber ich habe einfach ein schlechtes Gewissen, besonders wenn ich es eilig habe oder keine Münzen mehr habe. Und besonders dazu fällt mir das Märchen von Hans Christian Andersen ein,  „Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzchen“.

Und das geht so: „Es war entsetzlich kalt; es schneite und war beinahe schon ganz dunkel und Abend, der letzte Abend des Jahres. In dieser Kälte und Finsternis ging auf der Straße ein kleines, armes Mädchen, mit bloßem Kopfe und nackten Füßen. Als sie das Haus verließ, hatte sie freilich Pantoffeln angehabt: aber was half das? Es waren sehr große Pantoffeln gewesen, die ihre Mutter bisher benutzt hatte, so groß waren sie. Die Kleine aber verlor dieselben, als sie über die Straße weg huschte, weil zwei Wagen schrecklich schnell vorüberrollten. Der eine Pantoffel war nicht wieder zu finden, den andern hatte ein Junge erwischt und lief damit fort; er meinte, er könne ihn recht gut als Wiege benutzen, wenn er selbst erst Kinder hätte. Da ging nun das kleine Mädchen mit den kleinen, nackten Füßen, die ganz rot und blau vor Kälte waren. In einer alten Schürze trug sie eine Menge Schwefelhölzer und ein Bund davon in der Hand. Niemand hatte den ganzen langen Tag ihr etwas abgekauft, Niemand ihr einen Pfennig geschenkt. Zitternd vor Kälte und Hunger schlich sie einher, ein Bild des Jammers, die arme Kleine! Die Schneeflocken bedeckten ihr langes, blondes Haar, welches in schönen Locken um den Hals fiel; aber daran dachte sie nun freilich nicht.

Aus allen Fenstern glänzten die Lichter, und es roch ganz herrlich nach Gänsebraten: es war ja Sylvesterabend. Ja, daran dachte sie!

In einem Winkel, von zwei Häusern gebildet, von denen das eine etwas mehr vorsprang als das andere, setzte sie sich hin und kauerte sich zusammen. Die kleinen Füße hatte sie an sich gezogen; aber es fror sie noch mehr, und nach Hause zu gehen wagte sie nicht: sie hatte ja keine Schwefelhölzchen verkauft und brachte keinen Pfennig Geld. Von ihrem Vater würde sie gewiss Schläge bekommen, und zu Hause war es auch kalt; über sich hatten sie nur das Dach, durch welches der Wind pfiff, wenn auch die größten Spalten mit Stroh und Lumpen zugestopft waren. Ihre kleinen Hände waren beinahe vor Kälte erstarrt.

Ach! ein Schwefelhölzchen konnte ihr gar wohl tun, wenn sie nur ein einziges aus dem Bunde herausziehen, es an die Wand streichen und sich die Finger erwärmen dürfte.

Sie zog eins heraus. Rrscht! wie sprühte, wie brannte es! Es war eine warme, helle Flamme, wie ein Lichtchen, als sie die Hände darüber hielt; es war ein wunderbares Lichtchen! Es schien wirklich dem kleinen Mädchen, als säße sie vor einem großen, eisernen Ofen mit polierten Messingfüßen und einem messingenen Aufsatz. Das Feuer brannte so gesegnet, es wärmte so schön; die Kleine streckte schon die Füße aus, um auch diese zu wärmen; – doch – da erlosch das Flämmchen, der Ofen verschwand, sie hatte nur die kleinen Ueberreste des abgebrannten Schwefelhölzchens in der Hand.

Ein zweites wurde an der Wand abgestrichen; es leuchtete, und wo der Schein auf die Mauer fiel, wurde diese durchsichtig wie ein Schleier: sie konnte in das Zimmer hineinsehen. Auf dem Tische war ein schneeweißes Tischtuch ausgebreitet, darauf stand glänzendes Porzellangeschirr, und herrlich dampfte die gebratene Gans, mit Äpfeln und getrockneten Pflaumen gefüllt. Und was noch prächtiger anzusehen war: die Gans hüpfte von der Schüssel herunter und wackelte auf dem Fußboden, Messer und Gabel in der Brust, bis zu dem armen Mädchen hin. Da erlosch das Schwefelhölzchen, und es blieb nur die dicke, feuchtkalte Mauer zurück.

Sie zündete noch ein Hölzchen an. Da saß sie nun unter dem herrlichsten Christbaume; er war noch größer und geputzter als der, den sie durch die Glastüre bei dem reichen Kaufmanne gesehen hatte. Tausende von Lichterchen brannten auf den grünen Zweigen, und bunte Bilder, wie sie an Schaufenstern zu sehen waren, blickten auf sie herab. Die Kleine streckte ihre Hände danach aus: da erlosch das Schwefelhölzchen.

Die Weihnachtslichter stiegen höher und höher; sie sah sie jetzt als Sterne am Himmel; einer davon fiel herunter und bildete einen langen Feuerstreifen. „Jetzt stirbt Jemand!“ dachte das kleine Mädchen, denn ihre alte Großmutter, die Einzige, die sie liebgehabt hatte, und die jetzt gestorben war, hatte ihr erzählt, dass, wenn ein Stern herunterfällt, eine Seele zu Gott emporsteigt.

Sie strich wieder ein Hölzchen an der Mauer ab, es wurde wieder hell, und in dem Glanze stand die alte Großmutter so klar und schimmernd, so mild und liebevoll. „Großmutter!“ rief die Kleine. „O! nimm mich mit! Ich weiß, Du entfernst Dich, wenn das Schwefelhölzchen erlischt; Du verschwindest, wie der warme Ofen, wie der herrliche Gänsebraten und der große, prächtige Weihnachtsbaum!“ Und sie strich schnell das ganze Bund Schwefelhölzchen, denn sie wollte die Großmutter recht fest halten.

Und die Schwefelhölzchen leuchteten mit einem solchen Glanze, dass es heller wurde, als mitten am Tage; die Großmutter war nie früher so schön, so groß gewesen; sie nahm das kleine Mädchen auf ihre Arme, und Beide flogen in Glanz und Freude so hoch, so hoch; und dort war weder Kälte, noch Hunger, noch Angst – sie waren bei Gott.

Aber im Winkel an die Mauer gelehnt, saß in der kalten Morgenstunde das arme Mädchen mit roten Backen und mit lächelndem Munde – erfroren an des alten Jahres letztem Abend. Die Neujahrssonne ging auf über der kleinen Leiche. Starr saß das Kind dort mit den Schwefelhölzchen, von denen ein Bund abgebrannt war. „Sie hat sich erwärmen wollen!“ sagte man.

Niemand ahnte, was sie Schönes gesehen hatte, in welchem Glanze sie mit der Großmutter zur Neujahrsfreude eingegangen war.“

Ich hoffe nur, dass es keinem der Bettler und Bettlerinnen, die mir begegnen, so geht, wie diesem kleinen Mädchen.  Dass sie alle einen Weg in ein der Suppenküchen finden, und dass es in Wien genügend Schlafplätze gibt, wo sie nicht frieren müssen.

Was die Bettler Wiens mit einem Märchen von H.C. Andersen verbindet.

Vor Hundert Jahren: Friedensverhandlungen von Brest-Litowsk

100 Jahre ist es her, dass die Friedensverhandlungen von Brest-Litowsk begonnen haben.

Brest (früher auch Brest-Litowsk ‚Litauisch Brest‘) ist eine weißrussische Stadt am Westlichen Bug mit über 300 000 Einwohnern. Sie ist der wichtigste Grenzübergang des Landes zu Polen. Brest ist für Weißrussland das „Tor zum Westen“. Hier befindet sich der wichtigste Eisenbahn- und Straßengrenzübergang nach Polen – der größte Teil des landgestützten Verkehrs von Westeuropa über Deutschland und Polen nach Weißrussland, Russland und weiter nach Zentralasien passiert die Stadt. Sämtliche durchgehenden Züge müssen ein Umspurverfahren durchlaufen, bevor sie die Stadt wieder verlassen.

Brest wurde 1019 erstmals urkundlich als eine Stadt der Kiewer Rus erwähnt. Von 1349 bis 1795 gehörte die Stadt zum Großfürstentum Litauen (Brest-Litowsk). 1596 wurde hier die Kirchenunion zwischen Katholiken und Orthodoxen unterzeichnet. Im Zusammenhang mit einem polnischen Aufstand 1794 fand nahe Brest die Schlacht bei Terespol statt. Nach der dritten Teilung Polens kam Brest 1795 unter die Herrschaft des Russischen Zarenreichs. In den Jahren 1836–1842 wurde zur Sicherung von dessen Westgrenze die Brester Festung errichtet. Sie gilt als größte Festungsanlage des 19. Jahrhunderts im russischen Reich. 1900 waren in Brest 65 % der Bevölkerung Juden, sodass die Stadt eines der größten kulturellen Zentren des Judentums war.

Als im Ersten Weltkrieg ab dem Frühjahr 1915 die deutschen Truppen an der Ostfront in die Offensive gingen, zog sich die russische Armee zurück. Große Bevölkerungsteile schlossen sich ihnen – oft unfreiwillig – an. So auch in Brest. Auf Befehl des Militärs verließen Anfang August 1915 Zehntausende Einwohner die Stadt. Festung und Stadt wurden von den abziehenden Truppen niedergebrannt, Teile der Festung wurden gesprengt.

Am 9. Februar 1918 wurde in Brest der „Brotfrieden“ zwischen dem Deutschen Reich und der Ukraine unterzeichnet. Wenige Wochen später, am 3. März 1918, wurde im Weißen Palast in der Brester Festung auch der Friedensvertrag von Brest-Litowsk zwischen dem Deutschen Reich und Sowjetrussland unterschrieben. Nach dem Polnisch-Sowjetischen Krieg und dem Frieden von Riga im März 1921 gehörte die Stadt wieder zum neugegründeten Polen. Bei antijüdischen Ausschreitungen am 13. Mai 1937 verletzten polnische Brester 50 ihrer jüdischen Landsleute und demolierten oder plünderten hunderte von jüdischen Geschäften.

Der Krieg verschärfte die politischen und sozialen Probleme Russlands dramatisch. Mit zunehmender Kriegsdauer und angesichts der enormen Verluste nahmen die Unruhen und Proteste zu. Sie gipfelten 1917 in der Februarrevolution, der Zar musste abdanken. Die neue bürgerliche Provisorische Regierung teilte ihre Macht mit den sozialistischen Arbeiter- und Soldatenräten. Sie setzte den Krieg an der Seite der Verbündeten Russlands fort. Nach erfolgreichen Offensiven der Mittelmächte wurde die russische Front im Sommer 1917 jedoch auf 200 Kilometern Breite schwer erschüttert, die russischen Einheiten zogen sich über 100 Kilometer zurück. Damit hatten die Mittelmächte fast ganz Ostgalizien und die Bukowina zurückerobert. Deutlich zeigten sich nun die Auflösungserscheinungen der russischen Armee. Desertionen und Aufstände machten eine wirksame Verteidigung der russischen Frontlinie unmöglich. Die Regierung verlor die Unterstützung der kriegsmüden Bevölkerung, anhaltende Versorgungsprobleme schürten die revolutionäre Stimmung. Im Herbst 1917 war die letzte militärische Offensive der Revolutionären Demokratie Kerenskys dramatisch gescheitert, die russische Armee und mit ihr der russische Staat befanden sich im Stadium der völligen Auflösung. Die Oktoberrevolution brachte Wladimir I. Lenin und seine Anhänger an die Macht. Im Dezember 1917 schied Russland aus dem Krieg aus, schon vorher war es an der Front zu Verbrüderungsszenen zwischen Russen und Deutschen gekommen.

 

 

Die in der Oktoberrevolution zur Macht gelangte bolschewistisch-sozialrevolutionäre Koalition erneuerte Kerenskys Friedensangebot, stellte zugleich einen Separatfrieden mit den Mittelmächten in Aussicht und erklärte die zaristischen Milliardenschulden an die Entente für annulliert. Die deutschen Ziele wurde in den kommenden Friedensverhandlungen mit der von Trotzki geführten russischen Delegation offenkundig: Ein gewaltiges kontinentales Imperium, das einerseits die zehn Nationen Österreich-Ungarns in einem Mitteleuropa unter deutscher Führung zusammenfassen, andererseits im Westen Belgien und die französischen Erzgebiete, im Osten die russischen „Randvölker“ vom den baltischen Ländern bis zum Schwarzen Meer, im Südosten Rumänien, den Balkan und die Türkei bis zum Persischen Golf unter deutsche Hegemonie zwingen sollte. Unter diesen Vorzeichen trat eine starke Gruppierung innerhalb der Bolschewiki für den revolutionären Krieg gegen den deutschen Imperialismus ein, selbst um den Preis eines möglichen Verlustes des gesamten europäisch-russischen Territoriums. Schließlich aber setzte sich Lenins Position durch, der bereit war, einen Diktatfrieden zu akzeptieren, umso mehr, als ein solcher die dringend benötigte Atempause verschaffen konnte und – wie die aktuellen Massenstreiks in Österreich und Deutschland nahelegten – der Fortgang des Krieges in Westeuropa auf eine allgemeine revolutionäre Erhebung hinauszulaufen schien.

Am 29. November 1917 hatten Deutschland und Österreich-Ungarn das russische Friedensangebot angenommen, Mitte Dezember war ein (von den Mittelmächten allerdings wieder gebrochener) Waffenstillstand vereinbart worden. Während die Verhandlungen über einen Friedensvertrag mit den russischen Bolschewiken am 20. Januar 1918 ergebnislos vertagt worden waren, verhandelten die Deutschen in Brest-Litowsk auch mit Vertretern der Ukraine über einen Sonderfrieden. Ein im Februar 1918 mit der Ukraine geschlossener Sonderfriede hatte diese zur (niemals erfolgten) Lieferung von einer Million Tonnen Getreide verpflichtet.  Die Übereinkunft zwischen der deutschen und der ukrainischen Delegation sah als Gegenleistung für die Anerkennung der Unabhängigkeit große Getreidelieferungen aus der Ukraine an das Deutsche Reich vor. Dieser „Brotfriede” wurde am 9. Februar unterzeichnet und erhöhte den Druck auf die Bolschewiken. Am 3. März 1918 wurde der Friedensvertrag von Brest Litowsk unterzeichnet. Dieser Friedensvertrag zwischen Russland und dem Deutschen Reich sah die Bildung deutsch kontrollierter Satellitenstaaten von der Ukraine bis zum Baltikum vor. Russland sollte weit nach Osten gedrängt werden. Russland verlor ein Drittel seiner Bevölkerung und die Hälfte seiner industriellen Kapazität. Kurland, Livland und Estland wurden selbstständig, vom Baltikum bis zur Ukraine sollte es zur Bildung deutsch kontrollierter Satellitenstaaten kommen. Beide Seiten verzichteten auf Reparationen. Die nach Millionen zählenden und nunmehr an die Mittelmächte übergebenen deutschen, österreichisch-ungarischen und türkischen Kriegsgefangenen stellten eine gewaltige Reservearmee für die Fortsetzung des Krieges an den anderen Fronten dar. Brest-Litowsk eröffnete den Mittelmächten nunmehr die Möglichkeit, Lebensmittel und Rohstoffe Asiens über Russland zu beziehen, was einer Durchbrechung der Entente-Blockade gleichkam.

Der Friede von Brest Litowsk hat den Ersten Weltkrieg im Osten Europas beendet; seine Bestimmungen wurden in Versailles samt und sonders aufgehoben.

Vor Hundert Jahren: Friedensverhandlungen von Brest-Litowsk

Maria: Tochter, Ehefrau und Mutter

Sie lebten in Palästina, niemals ein wirklich ruhiges Land. Damals war es beherrscht von den Römern: arrogant, überheblich, sehr schnell bereit, Aufständische zu kreuzigen. Aber auch bestrebt, möglichst viel aus dem Land herauszuholen.

Anna und Joachim, später wird er mit dem Titel „Vorfahr Gottes“ bezeichnet. Im Koran heißt er ‘Imran. Joachim wird als reicher und frommer Mann beschrieben, der regelmäßig den Armen und dem Tempel spendet. Da seine Frau jedoch unfruchtbar ist, weist der Hohepriester Joachim und seine Opfer zurück, die Kinderlosigkeit seiner Frau wird von ihnen als Zeichen göttlicher Missgunst gedeutet. Joachim zieht sich daraufhin in die Wüste zurück, wo er 40 Tage lang fastet und Buße tut. Joachim wurde später dann der Schutzpatron der Väter und Großväter. Anna war zutiefst unglücklich über ihre 20jährige Unfruchtbarkeit.

Dann wird ihnen eine Tochter geboren, sie nennen sie Maria. Dieses lang ersehnte Mädchen wächst in behüteter Umgebung auf, vielleicht ein bisserl verwöhnt, weil sie dann das erste Kind ist. Ihre Eltern denken schon früh an eine Verheiratung der Tochter, auch um sie weiter in gesicherter Existenz zu wissen. Also wird sie Joseph verlobt. Der Altersunterschied ist zwar recht groß, aber Joseph kann Maria ein gesichertes Leben bieten. Er ist gelernter Zimmermann und übt sein Handwerk in Nazareth aus. Immerhin stammte Joseph aus dem Geschlecht des israelitischen Königs David.

Alles scheint geregelt, aber dann, wie es so geht im Leben, ist plötzlich alles anders. Maria ist schwanger. Was wird geschehen- wird Joseph sie verstoßen – Schande über Schande! Aber Joseph steht zu Maria – er liebt sie eben, so wie sie ist.

Während ihrer Schwangerschaft hat Maria ihre Freundin und Verwandte Elisabeth, die ebenfalls ein Kind erwartete besucht. Drei Monate war sie dort geblieben. Ganz schön lang vom Ehemann weg gewesen!

Kaum scheint alles wieder in normale Bahnen zu kommen, wird zur Volkszählung aufgerufen. Maria muss hochschwanger von Nazareth nach Bethlehem reisen. Anna macht sich wirklich große Sorgen und hofft, dass das erwartete Kinderl sich noch ein bisserl Zeit lässt und dann zu Hause geboren werden kann. Aber wieder kommt es anders.

Quartier in Bethlehem: es gibt keines, also wird das Kind ohne Beihilfe der Großmutter, ohne andere weibliche Hilfe in einem Stall geboren. Zum Glück war’s eine leichte Geburt und Joseph musste nicht viel tun – er ist diesbezüglich ein wenig patschert. In dem Stall gibt’s kein Wasser zum Waschen, ein paar Tücher für das Kind waren eingepackt worden, aber bequem ist anders. An eine Rückreise mit dem Neugeborenen ist nicht gleich zu denken. Es gibt trotz aller Probleme eine Menge Besuch, Hirten kommen und bringen Milch, gekochte Eier, gebratenes Lammfleisch und vor allem Wolltücher gegen die eisige Kälte. Aber auch hoher Besuch kommt, drei weise Männer, die Weihrauch Myrrhe und Gold bringen.

Dann trieb Joseph plötzlich zur Eile an, aber es kann nicht nach Hause gehen, die kleine Familie muss die Flucht antreten. Maria findet zwar, dass es eine blöde Idee ist, nicht nach Nazareth zurückzugehen, aber als geduldige Frau folgt sie ihrem Mann in Richtung Ägypten. Kalt ist es, windig und der Weg ist lang. Und zu Flüchtlingen sind eigentlich nur wenige Leute nett. Aber es geschahen auch Wunder, z.B. neigte sich eine Dattelpalme, dass man ihre Früchte essen konnte, plötzlich entsprang eine Quelle, aus der man trinken konnte. Aber man ließ sich dann in der Stadt Sotinen nieder, Joseph übte sein Handwerk aus und konnte so Maria und ihren Sohn erhalten.

Nach und nach drangen die Gerüchte auch nach Ägypten vor: in Palästina, in Bethlehem hatte der grausame König dort alle Neugeborenen umbringen lassen. Maria war nun heilfroh, dass sie ihrem Mann in das doch sichere Ägypten gefolgt war. Anna hinwieder machte sich allergrößte Sorgen um Maria und ihr Kind.

Nach einiger Zeit – es ist so die Rede von drei Jahren war sichtlich wieder etwas Ruhe in Palästina eingekehrt und Joseph beschloss mit seiner Familie in die Heimat zurückzukehren. Naja, wenn man drei Jahre weg gewesen ist, wurde das Haus natürlich zwischenzeitlich von anderen benutzt. Da war es wieder schwierig, das Haus und die Werkstatt zurück zu bekommen. Aber man war doch froh wieder zu Hause zu sein, bei den vertrauten Nachbarn und Freunden.

Jesus wächst heran und kann schon seinem Vater in der Werkstatt helfen. Aber dann kommt es zu dem Besuch in Jerusalem. Der zwölfjährige Jesus pilgert mit seinen Eltern zum Paschafest von Nazareth nach Jerusalem. Nach den Festtagen machen sich seine Eltern mit ihrer Pilgergruppe wieder auf den Heimweg. Jesus aber bleibt in Jerusalem zurück, ohne dass seine Eltern es merken, da sie ihn irgendwo in der Pilgergruppe vermuten. Erst nach einer Tagesreise vermissen und suchen sie ihn. Nach drei Tagen schließlich finden sie Jesus im Tempel, wo er mitten unter den Schriftgelehrten sitzt, ihnen zuhört, Fragen stellt. Die armen Eltern müssen sich fürchterliche Sorgen gemacht haben! Auf die Frage seiner Mutter „Kind, wie konntest du uns das antun? Dein Vater und ich haben dich voll Angst gesucht!“ antwortet Jesus: „Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört?“ Naja, ob die Mutter das nicht als etwas vorlaut empfunden hat.  Aber man ist ja so froh, dass man das Kind heil wiedergefunden hat.

Dann bleibt Jesus bei seinen Eltern. Maria wunderte sich, dass er sich keine Frau fand, redete aber nicht darüber, da Jesus diese Gespräche nicht leiden konnte. Als er dann schon über dreißig Jahre alt war, traf er sich mit seinem Cousin Johannes (den wir den Täufer nennen). Ab da sah ihn seine Mutter sehr wenig, sie hörte nur zuweilen, dass er mit einer Gruppe junger Männer herumzog und keiner geregelten Arbeit nachging.

Einmal trafen sie wieder aufeinander: es war eine Hochzeit in Kana. Als der Wein ausging, sagte die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr. Aber Jesus weist seine Mutter Maria schroff ab. Maria ist tief getroffen! Erst danach gibt er den Dienern den Befehl, die Wasserkrüge mit Wasser zu füllen. Er spricht sie mit „Frau“ an, niemals mit „Mutter“ und seine Frage „Was willst du von mir, Frau“ muss sie sehr verletzt haben.

Seither meiden die beiden einander. Das muss sehr schwer für Maria gewesen sein.

Erst als er wieder in Jerusalem ist und in große Schwierigkeiten kommt, ist seine Mutter wieder zur Stelle – wie es halt Mütter immer tun, wenn ihre Kinder, egal wie alt sie sind, Probleme haben.

Beim Aufstieg nach Golgota sieht Jesus seine Mutter. Ihre Blicke treffen sich. Sie verstehen einander. Sie sieht ihn leiden, und auch sie leidet. Aber sie begleitet ihn auf seinem Weg, sie ist anwesend als er gekreuzigt wird. Seine unvorstellbare Qual ist auch ihre Qual. Aber sie bleibt bei ihm, zusammen mit ihrer Schwester, Maria, der Frau des Kleophas, und Maria von Magdala. Als Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zu seiner Mutter: Frau, siehe, dein Sohn! Dann sagte er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich. Es sind auch diese Frauen, die dann die Kreuzabnahme und die Bestattung beobachten. Maria muss dabei sehr tapfer gewesen sein.

Maria bleibt dann im Kreis seiner Jünger in Jerusalem. Dort nimmt sie zusammen mit den Brüdern Jesu am Gebet dieser Gemeinschaft teil.

Die leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel ist ein am 1. November 1950 durch Papst Pius XII. verkündetes Dogma der römisch-katholischen Kirche.

Was für ein Schicksal!

Maria: Tochter, Ehefrau und Mutter

Erinnerungssplitter zu verschiedenen Weihnachten meiner Kindheit

Zu Weihnachten 1945 fällt mir ein: Meine Mutter und ich waren etwas mühselig von Wien nach Pregarten gekommen. Wir konnten über keine Grenze – z.B. bei Linz, weil meine Mutter noch keine I-Karte hatte. Also suchten wir bei St. Valentin den Besitzer einer Zille, der uns über die Donau fuhr, ab dann ging’s zu Fuß weiter. Kalt war’s, der Wind pfiff, ich verlor ein Paar Fäustlinge, die meine Mutter mir aus Wollrestln gestrickt hatte – was meine Mutter gar nicht erfreute.

Wir wohnten in der Unterkunft, die wir zu Kriegsende bezogen hatten, in einer Hammerschmiede, an der Aist. Ich bekam ein eigenes Zimmer (ein großes Privileg), allerdings ungeheizt – in das Bett wurden im Backrohr gewärmte Ziegelsteine gelegt und ich kann mich erinnern, mit einer Haube geschlafen zu haben.

Es gab einen kleinen Christbaum – in unserer Wohn-, Schlafküche war nicht viel Platz. Sehr viel hing auch nicht dran – keine gewickelten Zuckerln, keine Kugeln, sondern kleine rote Apferln, ein paar Nüsse (nicht vergoldet) und Lametta, das waren die Streifen, die von den feindlichen Flugzeugen abgeworfen worden waren, um die Flak zu täuschen. Darunter lag für mich ein neuer Rock und ein paar Fäustlinge, verfertigt aus der Haut des Hasen, den ich zu Ostern bekommen hatte und der im Herbst geschlachtet und verzehrt worden war (ich hatte dieses Essen verweigert!).

Wir gingen auch zur Mitternachtsmette, es war stimmungsvoll, im Schnee, von allen Seiten kamen die Leute mit ihren Laternen in Richtung Kirche. Ich glaube, dass ich in der Messe vor lauter Müdigkeit eingeschlafen bin.

Am Christtag waren wir bei einer bekannten Wiener Familie, die in dieser Gegend bei Bauern lebte, zum Mittagessen eingeladen. Es war ein langer Weg. Wir kamen recht hungrig an. Aber es gab einen Schweinsbraten! Großartig.

Am Stephanitag ging ich dann Eislaufen auf der Aist – die war zugefroren, wir hatten noch meine Eisschuhe aus Wien mitgenommen – sie waren mir zwar etwas zu klein geworden, aber das konnte damals nicht berücksichtigt werden. Es war wunderschön. Ein fließendes Wasser friert zwar nicht regelmäßig zu, und die kleine Wasserfälle musste man außen überqueren, aber die Sonne schien, das Eis glitzerte und ich konnte lange Strecken über die Aist flitzen.

Später, als es uns schon besserging und wir Weihnachten wieder in Wien feierten, gab es als Essen am Heiligen Abend den Karpfen.  Meine Mutter stand früh auf und begab sich anfänglich an den Donaukanal, wo in der Gegen der Rossauer Kaserne damals die Waldviertler Karpfen im Wasser des Donaukanals gehalten wurden. Später ging meine Mutter dann auf den Naschmarkt. Wieder zu Hause wurde der Germteig für den Nuss- und Mohnstrudel vorbereitet – er musste ja „gehen“ – damit es am Christtag zum Frühstück eben diesen Strudel gab. Der Karpfen hinwieder wurde nicht filetiert, sondern in Stücke gehackt und paniert. Dazu gab es dann Erdäpfel- und Vogerlsalat. Die Erdäpfel mussten selbstredend Kipfler sein. Beim Essen, nach der Bescherung, gab es dann den Kampf (mit den Gräten).

Um meiner Mutter all diese Tätigkeiten zu erlauben, fuhr ich mit meinem Vater mit der Elektrischen (Straßenbahn), wie wir damals sagten, in den Wiener Wald. An einen Spaziergang zum Häuserl am Roan kann ich mich noch gut erinnern. Natürlich lag Schnee!

Zu Hause war ich dann sehr aufgeregt – wann kommt denn das Christkind endlich? Irgendwie schaffte ich es jedes Jahr, jemandem so auf die Nerven zu gehen, dass ich noch rechtzeitig vor dem „Heiligen Abend“ eine Watschn ausfasste. Aber ich suchte überall Engelshaar, beschwerte mich schon wieder das Christkind nicht gesehen zu haben, als es grad beim Fenster vorbeigeflogen war. Endlich läutete das Glöckerl, die Tür wurde aufgemacht und da stand er der Christbaum, mit den brennenden Kerzen und vor allem mit dem Sternspuckern. Leider wurde ich meist veranlasst, zu diesen Feierlichkeiten aktiv beizutragen, meist durch Aufsagen eines Weihnachtsgedichts, bei dem ich vor Aufregung meist steckenblieb, oder später dann durch Klavierspielen, bei dem ich dann vor ständig patzte.

Ich gebe zu, meist zu den Geschenken geschielt zu haben.  Meist waren es auch in der Nachkriegszeit „praktische“ Dinge, die man gerade benötigte, z.B. handgestrickte Pullover, Mützen, Schals. Aber: vor allem Bücher. Das waren mir die liebsten Geschenke! Waren es vor 1945 noch die germanischen Sagen gewesen, waren es später dann die „Mädchenbücher“ gewesen – etliche Bände von Pucki – die ich in Erinnerung habe. Aber auch die klassischen Sagen des Altertums waren ein beliebter Lesestoff. (Später, im Lateinunterricht, waren mir dann diese genaue Kenntnis der Sagen beim Lesen von Ovid sehr hilfreich).

Und als es uns schon – aus unserer Sicht sehr gut ging, hat mein Vater immer jemanden am 24. abends mitgebracht, der sonst niemanden hatte, mit dem er feiern könnte.  Und da, da gab’s dann am Christtag einen Kalbsnierenbraten!

Weihnachten war und ist immer schön!

Erinnerungssplitter zu verschiedenen Weihnachten meiner Kindheit