Die Geschichte vom Nikolaus

Nikolaus wurde um 280 / 286 in Patara in Lykien in der Türkei geboren und starb zwischen 345 und 351 in Myra, dem heutigen Kocademre bei Kale in der Türkei. Er wurde von seinem Onkel, ebenfalls Bischof Nikolaus von Myra, im Alter von 19 Jahren zum Priester geweiht und als Abt im Kloster von Sion nahe seiner Heimatstadt eingesetzt. Während der Christenverfolgung 310 wurde er gefangengenommen und gefoltert. Als seine Eltern an der Pest gestorben waren, erbte Nikolaus ihr Vermögen und verteilte es an Arme. Nach dem Tod seines Onkels pilgerte Nikolaus ins Heilige Land. Kaum zurückgekommen, wählte ihn die Gemeinde zum neuen Bischof. Er wird als einen temperamentvollen Streiter und zugleich als einen Mann der fähig ist, geschickt zu vermitteln und Gnade vor Recht ergehen zu lassen, dargestellt. Er zerstörte Tempel der Göttin Diana / Artemis, die in den Küstenorten Lykiens als Patronin der Seefahrer verehrt wurde. Ihr Tempel in Myra war der größte und prunkvollste – Nikolaus‘ Gedenktag am 6. Dezember ist Dianas Geburtstag.

Im Jahre 325 nahm Nikolaus am 1. Konzil von Nicäa teil. Dieses Erste Konzil von Nicäa wurde vom römischen Kaiser Konstantin I. im Jahr 325 in der kleinen Stadt Nicäa (heute İznik, Türkei) bei Byzantion (heute Istanbul) einberufen, um den in Alexandria ausgebrochenen Streit über den Arianismus zu schlichten. Teilnehmer waren zwischen 200 und 318 Bischöfe, die fast alle aus dem Osten des Reiches kamen, damit der Streit um das Wesen Jesu und die Trinität beendet werde, da Konstantin das Christentum als stabilisierenden Faktor seines Kaisertums zu benutzen gedachte. Das Konzil endete mit dem (vorläufigen) Sieg der Gegner des Arianismus und der Formulierung des nicänischen Glaubensbekenntnisses, obwohl die arianischen Bischöfe in der Mehrzahl waren. Aber als der Kaiser die Diskussion damit beendete, dass „der Sohn eines Wesens mit dem Vater“ sei, gaben alle Bischöfe, die anderer Meinung gewesen waren, dem Wort des Kaisers nach, der sich als „Bischof der Bischöfe“ bezeichnete. Die Kanones des Konzils sind die ersten Lehrentscheidungen der christlichen Gesamtkirche, die allein durch die gemeinsamen Unterschriften von über 300 Bischöfen aus dem gesamten damaligen Verbreitungsgebiet des Christentums eine weit höhere Bedeutung hatten, als die bisherigen Entscheide einzelner Bischöfe oder lokaler Bischofsversammlungen. Durch die Autorität des Kaisers, der das Konzil einberufen hatte, wurden sie für die gesamte Kirche im Reich verpflichtend. In der Kirchengeschichte wird das Konzil von Nicäa als das erste ökumenische Konzil gezählt und als einer der wesentlichen Bezugspunkte der Kirchengeschichte angesehen. Die kirchenhistorische Bedeutung des Konzils kristallisierte sich jedoch erst im Verlauf des vierten Jahrhunderts heraus, und die Beschlüsse des Konzils wurden nach dem Tod Konstantins 337 vielfach in Frage gestellt, bevor sie 381 durch das erste Konzil von Konstantinopel bestätigt wurden.

Die Legende erzählt, dass Nikolaus Arius während des Konzils geohrfeigt habe.  Deshalb sei er zuerst verhaftet, gegen Ende des Konzils aber rehabilitiert worden. Nikolaus ist nicht in der Unterzeichner-Liste von Nicäa enthalten, die allerdings unvollständig überliefert ist. „Lassen wir über unserem Zorn die Sonne nicht untergehen“, soll Nikolaus über den Konzilsausgang gesagt haben.

Der Kult um Nikolaus entwickelte sich etwa 200 Jahre später, Kaiser Justinian weihte ihm Mitte des 6. Jahrhunderts eine Kirche in Konstantinopel. Der Kult verbreitete sich auch in Griechenland und kam dann in die slawischen Länder. Über die byzantinische Tradition wurde Nikolaus einer der am meisten verehrten Heiligen Russlands. In Rom zog der Kult im 8. Jahrhundert ein. Er verbreitete sich dann zunehmend auch in Süd- und Mitteleuropa. Um das Jahr 980 entstand in Deutschland die erste Nikolauskirche.

Nach der Evakuierung der Stadt Myra und vor ihrer Eroberung durch seldschukische Truppen 1087 raubten süditalienische Kaufleute die Reliquien aus der Grabstätte des Heiligen in der heute noch bestehenden St.-Nikolaus-Kirche in Demre und überführten sie ins heimatliche Bari. Sein zerbrochener, leerer Sarkophag wird noch heute in der wiederhergestellten Unterkirche von Demre von Wallfahrern der Ostkirche verehrt.  Die Reliquien befinden sich in der eigens errichteten Basilika San Nicola in Bari. Die türkische Nikolaus-Stiftung fordert allerdings die Reliquien des Heiligen zurück.

Im Zuge der Renovierungsarbeiten an der Basilika San Nicola in den 1950er-Jahren wurde 1953 das Grabmal geöffnet. 1957 fand eine ausführlichere forensische Untersuchung statt. Es wurde festgestellt, dass es sich um die Überreste eines 72 bis 80 Jahre alten Mannes handelt, der 167 cm groß war. Der Verstorbene litt nach den Befunden unter schwerer chronischer Arthritis an der Wirbelsäule und am Becken. Zudem zeigte sich am Schädelknochen eine Verdickung, die möglicherweise chronische Kopfschmerzen verursachte.

Der Kult um den Nikolaus in Deutschland wurde im 10. Jahrhundert besonders durch Kaiserin Theophanu, die griechische Ehefrau des Kaisers Otto II., gefördert. Schon damals entstand der Brauch, dass Nikolaus die Kinder beschenkt. Das war wohl aufgrund der vielen Legenden, die sich um Nikolaus ranken: Er half z.B. durch ein Geldgeschenk, das er heimlich durchs Fenster und durch den Kamin in die darin aufgehängten Socken warf um zu verhindern, dass der Vater seine Töchter zur Prostitution hergeben musste. Vom 15. Jahrhundert an verbreitete sich die Legende von den Getreidehändlern: Nikolaus erbat bei einer Hungersnot in Myra von jedem der für den Kaiser in Rom bestimmten Schiffe nur 100 Scheffel und versicherte, dass durch sein Gebet nichts bei der Ablieferung fehlen werde, was sich auch bewahrheitete. Nikolaus aber konnte seine Gemeinde auf Jahre hinaus ernähren und sogar Saatgut austeilen.

Daher ist Nikolaus von Myra der Patron vieler: Russland, Lothringen; von Bari und Trani in Apulien; der Kinder, der Schüler, Mädchen, Jungfrauen und alten Menschen, der Ministranten, Feuerwehr, der Pilger und Reisenden, der Zigeuner, der Gefangenen; der Apotheker, Richter, Rechtsanwälte und Notare, Kaufleute, Bäcker, Müller, Korn- und Samenhändler, Metzger, Bierbrauer, Schnapsbrenner, Wirte, Weinhändler, Fassbinder, Parfümhersteller und – händler, Fährleute, Schiffer, Matrosen, Fischer, Flößer, Brückenbauer, Bauern, Weber, Spitzen- und Tuchhändler, Steinmetze, Steinbrucharbeiter, Knopfmacher, Kerzenzieher, der Diebe und Verbrecher; für glückliche Heirat und Wiedererlangung gestohlener Gegenstände; gegen Wassergefahren, Seenot, Diebe. Nikolaus gilt als Helfer in fast allen Schwierigkeiten. Und wenn man so die Liste anschaut – für uns alle.

Seit 1555 ist Nikolaus als Gabenbringer für Kinder belegt. Begleitet ist er je nach Region vom Knecht Ruprecht, vom Krampus vom Schwarzen Piet.

Für die weltweite Verbreitung dieses Bildes von Nikolaus sorgte um die Jahrhundertwende die Firma „Coca Cola“, die ihn für Werbung in ihren Firmenfarben benützte. Auch in liberalen islamischen Familien beschenkt „Noel Baba“ die Kleinen.

Freuen wir uns auf den 6. Dezember.

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