Gedanken im Café Imperial

Heute hatte ich eine Verabredung im Imperial (Café), um etwas mit meiner Freundin zu feiern. Nachdem ich mein Handy nicht immer bei mir habe, besonders nicht, wenn ich nach dem Mittagessen ein Schläfchen einschiebe, bin ich eben ins Café Imperial gegangen. Erstens habe ich einmal festgestellt, dass es trotz Umbau keinen (gleich ersichtlichen) barrierefreien Eingang gibt. Darauf passe ich immer besonders auf, weil ich sonst ja meist einen Rollstuhl schiebend unterwegs bin.  Ansonsten kann ich nichts einwenden, die Bedienung war zuvorkommend, der Kaffee hat mir geschmeckt und nachdem meine Freundin nicht kommen konnte, habe ich das Feld bald wieder geräumt. Ich muss dazu sagen, dass ich mich an diesem Ort nicht sonderlich wohl fühle, ich kann eigentlich nicht sagen warum – aber es ist einfach so. Das ist ganz anders im Tirolerhof, im Frauenhuber, Schwarzenberg, zuweilen im Oberlaa oder im Café (jetzt Diglas) im Schottenstift, da bin ich immer gerne.

Als Palais an der Wiener Ringstraße wurde es in den Jahren 1862 bis 1865 im Stile der italienischen Neo-Renaissance für Herzog Philipp von Württemberg, erbaut. Der Herzog bewohnte das Palais mit seiner Gemahlin, der geborenen Erzherzogin Marie Therese von Österreich, seit 1866, verkaufte es aber bereits 1871 an den Bankier Horace von Landau. Möglicherweise war es für den Herzog als Wohnsitz uninteressant geworden, nachdem der neu gebaute Wiener Musikverein die freie Sicht auf den Wienfluss genommen hatte und eine Straße den Zugang zum Park verbaute. Aber auch die Herzogin fühlte sich im Palais nie wohl (das kann ich ihr nachfühlen).  Am 28. April 1873 wurde das Palais als Hotel zur Wiener Weltausstellung 1873 in Anwesenheit von Kaiser Franz Joseph und der Kaiserin Elisabeth feierlich eröffnet. Traditionellerweise logieren Staatsgäste im Hotel Imperial; Die bekanntesten waren John F. Kennedy und Nikita Chruschtschow bei ihrem Gipfeltreffen 1961 in Wien, Richard Nixon, König Olav von Norwegen, Marschall Tito, König Leopold von Belgien, die indische Premierministerin Indira Gandhi, Königin Elisabeth von England, König Juan Carlos von Spanien sowie Kaiser Akihito und Kaiserin Michiko von Japan.

Auch zahlreiche prominente Künstler waren zu Gast im Imperial, darunter Otto Preminger, Walt Disney, Otto Klemperer, Alfred Hitchcock, Frank Sinatra, Woody Allen, Yul Brynner, Peter Ustinov, Michel Piccoli, Zubin Mehta, Vladimir Horowitz, Riccardo Muti, Mick Jagger, Mariah Carey und Sofia Coppola. Michael Jackson schrieb hier das Stück Earth Song.

An manche Ereignisse im Imperial habe ich durchaus gute Erinnerungen. Da gab es Essen, veranstaltet vom Außenministerium, für ausländische Gäste. Das Essen war immer exquisit. Nur einmal, wir waren etwas früher dort, bemerkte mein Mann auf der Speiskarte „Mohr im Hemd“ als Dessert. Nun das waren noch nicht die Zeiten der „political correctness“, aber da die Gäste weitgehend aus schwarzafrikanischen Ländern stammten, wurde der Name der Mehlspeis auf den Speiskarten noch schnell geändert. Aber nicht nur großartige Essen gab es dort, auch Cocktailempfänge, Vorträge etc. Das Ambiente war immer sehr elegant! Näher in die Zimmer und Suiten bin ich nicht vorgedrungen, die kenne ich nur aus einer Fernsehdokumentation über das Hotel. Jedenfalls hat mich dabei das Vorhandenseins eines persönlichen Butlers für Gäste, die das wünschten, schon sehr beeindruckt.

Andererseits, das gegenüberliegende Grand Hotel kenne ich noch gut. Dieses Hotel, ebenso wie das Imperial war in der Nachkriegszeit von den Russen okkupiert.  Zu diesen Zeiten mied ich es, in die Nähe der jeweiligen Portale zu kommen, aber das Verkehrsaufkommen war so, dass man auch auf der Fahrbahn gehen konnte.

Im ersten Abschnitt der entstehenden Wiener Ringstraße wurde 1874 ein „Maison meublée“ fertig, das sogenannte Schneider’sche Haus, ein palaisartiges Gebäude. Schneider, als Hotelier vor allem für das Haus „Zum Erzherzog Karl“ bekannt, war Eigner angrenzender Liegenschaften, die er an eine Aktiengesellschaft verkaufte, welche das Gebäude mit etwa 300 Zimmern und 200 Badezimmern errichten ließ. Nach der Okkupation durch die Russen wurde der Komplex grundlegend restauriert, die Wiedereröffnung erfolgte 1957. Schon 1958 wurde das Gebäude von der österreichischen Regierung für die Internationale Atomenergieorganisation angekauft. Nachdem 1979 diese Organisation umgezogen war, kaufte 1989 die japanische Fluglinie und Hotelkette All Nippon Airways (ANA) das Gebäude. Die ANA baute es um, wobei an sich nur die Hauptfassade erhalten blieb. Die Wiedereröffnung als „ANA Grand Hotel“ nach dem Umbau erfolgte 1994.

Da ich ab 1958 bei der Internationalen Atomenergieorganisation angefangen habe, kenne ich das Gebäude ziemlich gut. Ich kann mich noch gut erinnern, wie noch die Badezimmer bei den jeweiligen Büroräumen existierten, als wir das Haus bezogen haben. Anfangs musste dort noch die Sekretärin sitzen, bis dann endlich die Installationen herausgerissen waren und ein ordentliches Zimmer daraus wurde. Wir „Computervolk“ wurden dann in den Dachbodenzimmern untergebracht und noch heute denke ich manchmal daran, wenn wir im „Le Ciel“ sitzen. Allerdings wir hatten nicht die Ringseite für uns, sondern schauten in die Mahlerstraße. Die Personalabteilung, für die wir Programme entwickelten, saß in den wunderschönen Räumen mit Ringblick und Balkon.

Vieles geht einem so durch den Kopf, wenn man allein im Café Imperial sitzt.

Gedanken im Café Imperial

Ein Gedanke zu “Gedanken im Café Imperial

  1. Beckmesser schreibt:

    Im Grand Hotel war doch nach der Atomenergieorganisation ein paar Jahre auch ein Teil der Oesterreichischen Nationalbank einquartiert, deren Hauptgebäude im Sommer 1979 durch ein Feuer schwer beschädigt wurde.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s