Der Zweite Weltkrieg in neuen Romanen

Auch im 21. Jahrhundert werden noch immer Romane über den Zweiten Weltkrieg geschrieben.  Warum eigentlich?  Es ist doch schon viel Zeit vergangen und viele Kriege haben seither stattgefunden. Auch über den Vietnamkrieg ist sicher auch viel veröffentlich worden, aber wo sind jetzt erschienen Romane über die Roten Khmer in Kambodscha, über die Zerfallskriege von Jugoslawien – wenn es näher bei uns sein soll?

Dennoch habe ich einige der meist neu erschienen Romane über den 2. Weltkrieg innerhalb kurzer Zeit gelesen. Die Standpunkte und Themen waren sehr unterschiedlich. Für mich, die ich ja diesen Krieg erlebt habe, ist es ohnedies zwiespältig darüber zu lesen. Letztlich waren damals Engländer, Russen und Amerikaner für mich „Feinde“.  Die Darstellung der „Deutschen“ in derartigen Romanen ist immer sehr negativ. Dennoch, diese Bücher wurden alle in der Jetztzeit geschrieben, besteht dieser Hass auf „die Deutschen“ denn noch immer, trotz NATO? Wir, also hier in Österreich, sehen z.B. jetzt in Amerikanern eher Freunde (wenn man von Trump absieht).

  • „In Farleigh Field“, von Rhys Bowen, erschienen 2017
  • „Berlin Calling“, Kelly Durham, erschienen 2017
  • „Die Leopardin“, Ken Follet, erschienen 2001
  • “Daughters of the Night”, Aimie K. Runyan, erschienen 2017
  • “To do or die” James Barrington, erschienen 2010
  • („Munich“, Robert Harris – über dieses Buch habe ich im vergangene Oktober geschrieben)

Es sind nicht nur die kriegerischen Ereignisse, die beschrieben werden, es sind die Menschen, ihre Beziehungen, ihre Taten und auch das gesellschaftliche Umfeld.

Z.B. in “Daughters of the Night” wird das Leben und Verhalten von russischen Pilotinnen beschrieben. Aber interessant sind nicht nur ihre Flüge, sondern auch ihre Ausbildung und ihr Kampf um Anerkennung. Stalin hatte zwar die Gleichheit von Männern und Frauen verkündet, aber – laut diesem Buch – durchgesprochen hatte sich das eher nicht. Jede dieser Frauen hatte ihren eigenen Kampf zu kämpfen, zuerst gegen ihre Familie, dann um ihre Ausbildung, dann um sichere Flugzeuge und Ausrüstung. Immer mussten sie besser sein, als ihre männlichen Kollegen, um überhaupt wahrgenommen zu werden. Und männlichen Übergriffen mussten sie sich zur Wehr setzen.  Interessant – für mich – ist an diesem Buch auch die Darstellung der verschiedenen Klassen, in dieser klassenlosen Gesellschaft. Dass diese Frauen ihre Feinde – die Deutschen – hassten, ist irgendwie nach zu vollziehen.

In der „Leopardin“ geht es um den Widerstand im besetzten Frankreich.  Auch hier waren Frauen nicht nur sehr aktiv, sondern auch innovativ. Sie hatten Möglichkeiten, durch Becircen von hochrangigen Offizieren an Informationen für ihre Aktivitäten zu gelangen. Hier werden die Deutschen doch eher als geil und dumm dargestellt.

Berlin Calling“ hab‘ ich von allen diesen Romanen am differenziertesten gefunden. Hier geht es um eine junge Amerikanerin, irischer Abstammung – mit entsprechendem Hass auf die Engländer -die in Heidelberg studiert und sich in einen jungen SS-Offizier verliebt und in Deutschland bleibt. Um ihren Unterhalt zu verdienen, verdingt sie sich bei dem deutschen Propagandasender, der die „deutsche Version“ der Situation ins Ausland sendet. Einerseits kommt sie in Kontakt mit Goebbels und seiner Umgebung, andererseits hält sie auch ihre Verbindungen zu ihren Landsleuten in Deutschland aufrecht. Als der Krieg anfängt, wird ihre Situation recht zwiespältig und vor allem der junge SS-Offizier, in der Leibstandarte Adolf Hitler, enttäuscht sie durch sein Macho-Verhalten, privat und im Krieg.  In dieser Situation wird sie für Spionage gegen Deutschland angeworben. Dennoch hält sie ihre Position im Propaganda Sender mit innovativen Einfällen aufrecht. Natürlich wird sie von der Gestapo erwischt, eingesperrt und entkommt bei einem Bombenangriff. Jedenfalls wird die sich verschlechternde Situation der Berliner Bevölkerung sehr eindringlich beschrieben, und auch das Chaos des Kriegsendes recht glaubwürdig dargestellt. Hier gibt es sie nicht, „die Deutschen“. Hier gibt es Goebbels und seine Entourage, die ihm fast hörig war. Hier gibt es die SS-Männer, die zwar Machos waren, sich aber tapfer und auch rücksichtsvoll gegenüber ihren Kampfgefährten erwiesen. Und es gibt die unter Bombenterror leidende Berliner Bevölkerung.

„To do or die“ kann ich ehr als „Action-Thriller“ einordnen. Es geht um den Beginn der Kampfhandlungen an der Maginot-Linie. Einfache Englische Soldaten sollen die Franzosen unterstützen, indem sie Minenräumungsdienste durchführen um ein Endringen der Franzosen in deutsches Territorium zu ermöglichen. Hier wird bereits die hervorragende aber brutale Technik der Deutschen gerühmt. Aber es wird genauso auf die Ineffektivität der Franzosen (Schlamperei an der Maginot-Linie) und ihre Hinterhältigkeit (Engländer werden nicht vor Eindringen der Feinde gewarnt, eine Mine wird besonders in ihren Weg gelegt) hingewiesen. Gut sind also nur die Engländer (obwohl sie an dem an diesem Verhalten schuldigen Franzosen durchaus „Selbstjustiz“ vornehmen). Der Rest ist eine „Räuber – und – Gendarm-Jagd“ durch französisches Territorium. Die Jäger sind von einem sehr effektiven Offizier geführte SS-Truppe, die aber letztlich nach langen Schlagabtäuschen vernichtet werden kann.

Auf mich hat „in Farleigh Field“ in bisserl wie „Downton Abbey“ gewirkt und daher nicht so besonders beeindruckt. Liest sich aber recht angenehm.

Was mich an dieser Lektüre fasziniert hat, ist wie sich Kriege seit dem Zweiten Weltkrieg verändert haben. Es sind vor allem die Kommunikationsmöglichkeiten, die seither entwickelt wurden. Mussten im Zweiten Weltkrieg noch „Nachrichtentruppen“ aufgestellt werden, welche die Einrichtung und Betrieb der Nachrichtenverbindungen als Fernsprech- und Funkverbindungen ermöglichen mussten. Speziell für das Abhören von gegnerischem Fernmeldeverkehr dienten Horchkompanien, in denen fremdsprachenkundige Soldaten Dienst taten. Die Kommunikation zwischen den einzelnen Soldaten und ihren Befehlshabern ist heutzutage halt schon ganz anders geworden.

Dennoch hoffe ich, dass wir von Kriegen verschont bleiben und Aktionen, wie die derzeit von Türken in Syrien angetriebenen Kämpfe nicht zur Verlängerung und Erweiterung dieses schrecklichen Bürgerkrieges führen.

Der Zweite Weltkrieg in neuen Romanen

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