The same procedure as every year: der Akademikerball

Alle Jahre wieder. Auch heuer findet der Akademikerball am 26.2.2018 wieder statt, wie üblich am letzten Freitag im Jänner. Und wieder ist die Hofburg der Ort für dieses Fest. Und wieder sind Demonstrationen angekündigt. Mich erinnert das an den jährlich zu Silvester ausgestrahlten Sketch „Dinner for one““ und der darin geäußerten Frage „The same procedure as last year?“ und dazugehörigen Antwort: “The same procedure as every year“. Auch ich habe hier 2016 schon darübergeschrieben (der berüchtigte Akademikerball, 29.01.2016).

Muss das wirklich so sein? Schon werden „in der Stadt“ die Absperr-Gatter fürsorglich hergerichtet. Bei den Sitzungen von Geschäften des Ersten Bezirks wurde vereinbart, diese um 16 Uhr zu schließen. Bei uns (ich wohne im Ersten) wurden die Müllkübel für Papier, Flaschen, Metall und Plastik entfernt, wahrscheinlich um den Demonstrierenden keine „Waffen“ zur Verfügung zu stellen. Ich musste also meinen diesbezüglichen Mist heute wieder nach Hause nehmen – ärgerlich, aber noch nicht gravierend. Ein Enkelkind wollte morgen Nachmittag kommen um Bücher einzukaufen – ich habe abgesagt, weil die Buchhandlungen zu sein werden und ich mich mit einem kleinen Kind nicht in den zu erwartenden Trubel begeben werde. Lästig, aber noch nicht gravierend.

Die Medien sind bereits jetzt voll von Vorhersagen, um wieviel schlimmer es doch heuer werden würde!  Und wieviel Polizei im Einsatz sein werde. Das sind doch reizvolle Ankündigungen für jeden, der gerne demonstriert!

„Wann i amol was z’reden hätt‘, i schaffert olles o‘ / wos brauch ma denn dös olles, net / is eh‘ gnua do.“ Sprach schon Josef Weinheber in dem Gedicht „Waaßt? Net? Verstehst?“ (Selbstgespräch eines Biertipplers). Ich würde nicht alles abschaffen, aber heuer wäre doch die elegante Gelegenheit gewesen, den Akademiker Ball zu übersiedeln, da das Parlament in der Hofburg tagt. Nix is g’schehn – er findet dort wieder statt. Und für viele ist das ein besonderer Dorn im Auge, da der umstrittene  unter seinem alten Namen Ball des Wiener Korporationsringes (WKR) – indirekt – für eine Streichung der Wiener Bälle aus der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes gesorgt hat. Das war schon 2012.

Aber der jetzt so genannte Akademikerball wird stattfinden, ob er viele Leute anzieht, wenn es möglicherweise Radau geben wird, ist ungewiss, sicher wird der jetzige Vizekanzler daran teilnehmen. Demonstrationen werden auch stattfinden und die Polizei wird gewappnet sein.

Aber muss das wirklich so ablaufen? Könnten wir uns ausnahmsweise diesbezüglich nicht einmal ein Beispiel an den Narrenumzügen in deutschen Städten am Rosenmontag und Faschingsdienstag nehmen?  Auch da sind Geschäfte geschlossen, ich erinnere mich noch gut als ich für eine Bank in München arbeitete. Es wäre sinnlos gewesen, am diesem beiden Tagen nur anzurufen! Weder der Faschingsdienstag noch der Rosenmontag sind in Deutschland gesetzliche Feiertage. Wegen der Umzüge und Feiern kann es jedoch örtlich zu Behinderungen des Straßenverkehrs kommen. Manche Züge sind mit feiernden “Narren” überfüllt.

Könnte man nicht die Demonstrationen in einen Faschingsumzug umfunktionieren? In den Sälen der Hofburg tanzen die „Akademiker“, und heraußen, auf den Plätzen und Straßen tanzen die Demonstranten, wohlwollend überwacht von der Polizei. Von Vermummungen würde ich zwar abraten, in Österreich ist das Vermummungsverbot im § 9 Versammlungsgesetz geregelt. Aber Verkleidungen wären doch angemessen. Der so genannte „schwarze Block“, der wahrscheinlich wieder aus Deutschland angereist kommen wird, hätte dieses Problem ja schon gelöst. Und so schwierig wäre das doch gar nicht auch für passende Musik zu sorgen – wie das geht zeigt sich ja jedes Jahr bei der „Love Parade“.

Und dann wäre es doch gar nicht erforderlich, Scheiben einzuschlagen oder gar Autos anzuzünden. Für Ausländer wäre es dann ein Spektakel, dessentwegen man nach Wien kommen könnte. Wien Tourismus könnte das „Akademikerballfest“ doch glänzend vermarkten und die derzeitige – touristisch- etwas flaue Zeit ein bissel beleben. Vielleicht könnte man sogar einen anderen Namen finden, wie Karneval in Vienna?

Dann wäre die Teilnahme an dieser „ehemaligen Demonstration“ viel attraktiver auch für Wiener, die originellsten Kostüme könnten prämiert werden, dafür fände sich sicherlich ein Sponsor. Über das Ereignis müsste dann nicht in den Nachrichten, sondern in den „Seitenblicken“ berichtet werden, denn viele Adabeis würden doch sicher daran teilnehmen.

Uns geht ja ohnedies ein Faschingsumzug in Wien ab – auch Politiker könnten sich daran beteiligen und Sponsoren könnten in attraktiver Form werben.

Bis dahin werde ich am Nachmittag bzw. Abend des „Akademikerballes“ nicht ausgehen, sondern genüsslich ein Buch lesen und hoffen, dass es zu keinen gröberen Zusammenstößen kommen wird. Einen Faschingsumzug würde ich mir aber gerne ansehen, auch mit meinen kleinen Enkelkindern.

Fasching ist, Freunde!

The same procedure as every year: der Akademikerball

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s