Bei uns in Bagdad?

Zu Abbasidenzeit:

Bagdad wurde am 30. Juli 762 als Madīnat as-Salām („Stadt des Friedens“) von dem Abbasiden al-Mansur (* 714; † 775 war der zweite Kalif der Abbasiden (754–775)), als neue Hauptstadt des Kalifats (islamische Regierungsform, bei der die weltliche und die geistliche Führerschaft in der Person des Kalifen vereint sind) gegründet.

Innerhalb von vier Jahren entstanden der Kalifenpalast und die Hauptmoschee am westlichen Tigrisufer. Die Stadt wurde kreisförmig mit dem Palast und der Moschee im Zentrum konzipiert. Die Kreisstadt war in vier Viertel mit je einem Stadttor, das in eine Himmelsrichtung zeigte, eingeteilt. Die Soldaten des Kalifen wurden nordwestlich von Bagdad in einem eigenen Ort (al-Harbiya) quartiert. Der heutige Stadtteil Karch war damals für die Arbeiter gedacht, während innerhalb des Kreises der Hof, die Garde, der Harem und die oberste Verwaltung wohnten.

Aufgrund der günstig gewählten Lage am Knotenpunkt zahlreicher Handelsstraßen und der fruchtbaren Anbaugebiete dank der Nähe zum Tigris florierte die neu gegründete Stadt schnell. Bagdad war Zentrum der Wissenschaften und Künste geworden; kurzum: es war die Glanzzeit Bagdads.

Das Haus der Weisheit neben dem Abbasidenpalast war eine Art Akademie und Bibliothek, die im Jahr 825 von al-Ma’mūn gegründet wurde. Als Vorbild diente die wesentlich ältere Akademie von Gundischapur. Im Haus der Weisheit arbeiteten Menschen an wissenschaftlichen Übersetzungen vor allem aus dem Griechischen in die arabische Sprache. Neben dem Übersetzungszentrum gehörte zum Komplex auch ein Observatorium, eine Akademie und eine reichhaltige Bibliothek sowie ein Krankenhaus. Im Haus der Weisheit wurde Mathematik und Astronomie betrieben, Algebra stammt aus dieser Zeit. Es wurden Abhandlungen über Mechanik und Geometrie verfasst. Es entstanden Bücher wie:  Bewegung der Himmelskörper und die Kraft der Anziehung. Die Städte verdankten ihre Größe wohl auch der Wasserversorgung, denn es mussten Kanalsystem entwickelt werden um das Wasser dorthin zu bringen. Schon damals erfand man „programmierbare Maschinen“: z.B. einen mechanischen Flötenspieler. Aber auch der Stand der Medizin war hoch, aufgrund der übersetzten Bücher Galens.

Im damaligen Bagdad wetteiferten die gehobene Schicht, wer mehr Bücher als der Nächste hatte. Damals lebten noch eine größere Anzahl von Christen in dieser Stadt, die aber auch an der Weitergabe ihres Wissens an die Araber arbeiteten. Das wurde durch Übersetzung der christlichen aber auch griechischen Literatur ins Arabische gefördert. Gleichzeitig wurde auch eine kritische Sichtung der Hadithe in die Wege geleitet. Das heißt – für mich –  der Islam konsolidierte sich.  Und, der Islam war damals sehr tolerant!

Andalusien unter dem Einfluss Bagdads

Nach Europa kamen alle diese Ideen über Andalusien. Zur Zeit des Kalifats von Cordoba (929–1031) war Al-Andalus ein Zentrum der Gelehrsamkeit. Córdoba wurde ein führendes kulturelles und wirtschaftliches Zentrum sowohl des Mittelmeerraumes als auch der islamischen Welt.

Wien zu dieser Zeit

Und Wien zu dieser Zeit? Das römische Legionslager Vindobona im heutigen Wien lag weit im Osten des weströmischen Reiches und fiel daher den Wirren der germanischen Völkerwanderung rasch zum Opfer. Die Straßen und Häuser des frühmittelalterlichen Wien folgten dem Verlauf der römischen Lagermauern, was darauf schließen lässt, dass ein Teil der Befestigungen noch stand und von den Siedlern verwendet wurde. Auch wurden im Bereich der heutigen Inneren Stadt mehrmals byzantinische Kupfermünzen aus dem 6. Jahrhundert gefunden, was auf regen Handel schließen lässt. Das Zentrum des frühen Wiens war der Berghof (heute Salvatorgasse, eine Nebenstraße zur Marc-Aurel-Straße). Bei Grabungen in diesem Bereich wurden Gräber aus dem 6. Jahrhundert gefunden. Damals herrschten die Langobarden im Wiener Raum. Nachdem die Langobarden 568 nach Süden abgezogen waren, übernahmen die Awaren unter Baian die Herrschaft in der gesamten Region. Neben der awarischen Oberschicht lebten aber andere Völker im Awarenreich. Die Bevölkerungsmehrheit wurde von Slawen gebildet, über welche die Awaren einen Schutz- und Herrschaftsanspruch geltend machten. Bereits um 650 kehrten die ersten Awaren aber wieder in die aufständischen Gebiete zurück. Im Jahr 791 führte Karl der Große einen ersten misslungenen Feldzug gegen die Awaren, konnte die Awaren aber dennoch bis zum Wienerwald zurückdrängen. Ein Bürgerkrieg im awarischen Reich 795 endete damit, dass ein neuer Herrscher, der Tudun, den Franken seine Unterwerfung sowie die Annahme des Christentums anbot, was die Franken jedoch für einen neuerlichen Angriff nutzten und bis 796 große Teile des Awarenreiches unterwarfen. Der Tudun erhielt eine eigene Herrschaftsorganisation innerhalb der fränkischen Awarenmark, das so genannte Awarische Fürstentum östlich von Wien. Danach war der Wiener Raum noch mehrmals Schauplatz bedeutender Awarenaufstände sowie von Einfällen nicht unterworfener Awaren. Von einem Haus der Weisheit oder Entwicklung von Wissenschaften war hier kaum die Rede!

Und Bagdad heute?

Ab 2003 tobte hier der so genannte Irak-Krieg. Am 5. April rückten die US-amerikanischen Truppen erstmals ins Stadtzentrum vor. Es fand zwar kein Häuserkampf statt, dennoch erlitt die irakische Seite schwere Verluste. Die Streitkräfte des Irak beschränkten sich auf eine überwiegend passive Vorgehensweise mit vielen Defensivbauten wie Gräben und paramilitärischen Aktivitäten. Bagdad konnte ab diesem Zeitpunkt dennoch als offene Stadt gelten. Die US-amerikanischen Streitkräfte brachten die Stadt innerhalb der nächsten vier Tage weitgehend unter ihre Kontrolle, danach kam es auch weiterhin zu geringeren Kämpfen. Nach dem Ende der Kampfhandlungen litt ganz Bagdad unter Plünderungen und Chaos. Es kam immer wieder zu verheerenden Anschlägen, von denen nicht nur die US-Truppen, sondern auch die irakische Bevölkerung betroffen war. 2005 kam es auf der Al-Aaimmah-Brücke, die den Tigris überspannt, zu einer Massenpanik unter schiitischen Pilgern, die des Todestages des Imams Mussa Al-Kadhim gedachten. Durch das Gerücht, ein Selbstmordattentäter sei in der Menge, entstand Panik, wodurch hunderte Menschen erdrückt und niedergetrampelt wurden oder in den Tigris stürzten; bei dem Unglück kamen 1.011 Menschen ums Leben, mehr als 800 wurden verletzt. Aufgrund dieses Vorfalles wurde eine dreitägige Staatstrauer angeordnet.

Am 30. Juni 2009 zogen sich die US-Truppen aus Bagdad und anderen Städten zurück. Aber es kam und kommt immer wieder zu Anschlägen, bei denen viele Menschen ums Leben kamen und kommen.

 

Im achten Jahrhundert hätten wahrscheinlich Bürger von Bagdad und Umgebung die Nobelpreise bekommen, hätte es diese damals schon gegeben.

Bei uns in Bagdad?

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