Als ich mein Gehalt im Sackerl bekam

Mein erstes Gehalt habe ich noch bar, in einem Sackerl bekommen. Und heute? „I must to the Bank”, lautete eine Fernseh-Werbung und man sah die üblichen Werbeträger in der Natur ihr Smart Phone zücken.

Als ich zu arbeiten anfing, gab es noch keine „Gehaltskonten“, die wurden erst im Laufe der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts eingerichtet. Bis dann gab es Geschäftskonten und Privatkunden (für Vermögende).

Gehaltskunden war ein neues Geschäftsfeld für Banken, man nannte es intern auch Massengeschäft. „Kleine“ Privatkunden hatten bis dahin bestenfalls ein Sparbuch aber kein Girokonto bei einer Bank gehabt. Anfang war nur zögerlich eingestiegen worden, aber dann alsbald begann ein scharfer Wettbewerb um diese Gehaltskonten.  Dieser Geschäftszweig war nur möglich geworden, weil Computer eingesetzt werden konnten, denn rein händisch war keine Bank in der Lage, diese Konten zu verwalten. Noch wurde mit den Firmen verhandelt, in welcher Form die Überweisungen der Gehaltszahlungen an die Banken erfolgen sollten.  Meist wurde ein Band übermittelt, das dann bei der Bank eingelesen wurde, die Beträge konnten den einzelnen Konten zugeordnet werden. Später konnte dann eine Direktübertragung von den Firmen zur Bank erfolgen.

Und der Angestellte erhielt z.B. nur ein Teil seines Gehalts auf ein Konto, den Rest erhielt er oder sie noch immer in bar – im Sackerl. Das war zumindest bei uns Bankangestellten so, damit die Kollegen nicht aus der Überweisung am Monatsende – Gott behüte – die Höhe der Gehälter der anderen Mitarbeiter ermitteln konnten. Von diesem am Monatsanfang erhaltenen barem Geld musste man auch alle Rechnungen bar bezahlen. Sollte dies nicht möglich sein, musste man eine Überweisung bei der Post aufgeben, d.h. dort das Geld einzahlen und es wurde überwiesen – das konnte ganz schön lang dauern. Es gab anfangs keine Daueraufträge, keine Einziehungsaufträge, keine Abschöpfungsaufträge oder ähnliche Möglichkeiten.

Als Angestellter hatte man dann sein Konto bei jener Bank in jener Filiale, die der Arbeitgeber ausgesucht hatte. Dort holte man dann sein Geld ab. Das war nicht immer einfach, weil die Banköffnungszeiten meist mit den Dienstzeiten der Firmen zusammenfielen – d.h. es war wiederum einfacher, sein ganzes Geld am Monatsanfang abzuholen. Bei großen Firmen (wichtigen Kunden der Bank) wurden kleine Filialen im Gebäude dieser Firma eingerichtet. Viele Bankangestellte waren es nicht gewohnt, mit „Massenkunden“ umzugehen. Sie waren sehr streng, besonders wenn sie eine Überziehung des Kontos (oder eingeräumten Kontorahmens) feststellen mussten. Dann wurde der Kunde, die Kundin zuweilen recht barsch, vor allen anderen Anwesenden, auf diese Tatsache hingewiesen. Naja, es liefen dann auch Schulungen für Bankangestellte um dieses Verhalten auszubügeln.

Und es gab auch noch keine Bankomaten, im Englischen ATM (Automated Teller Machine). 1980 wurde für Kunden österreichischer Geldinstitute der Bankomat-Service eingeführt. Es wurde vorerst für die jeweiligen Kunden der Bank angeboten. Die ersten Bankomaten wurden von IBM in Wien in der Schottengasse, am Graben und am Stock-im-Eisen-Platz installiert. In der Folge setzte sich dieser Service immer mehr durch. Anfangs konnte bei der Abhebung noch nicht auf das Konto des Kunden zugegriffen werden, das war dann eine spätere Funktion dieses Systems. Wie Marktforschungen zeigen, können sich heute die meisten Österreicher ihr Leben ohne Bankomaten nur mehr schwer vorstellen. Denn vorher war „Geld-Abheben“ ein zweistufiger Prozess gewesen, zuerst zu einem Bankangerstellten, der dann den Kassier aufforderte, die Auszahlung vorzunehmen – das hatte natürlich gedauert, besonders da in der Bank das Zwei-Augen-Prinzip galt, und immer alles kontrolliert werden musste.

Dann wurden den Kunden Kreditkarten angeboten. Diese Entwicklung kam aus den USA. Die ersten diesbezüglich auch in Österreich verwendeten Karten waren die Diners Club Karten. Am weitesten verbreitet sind heute die MasterCard mit etwa 35 Mio. Akzeptanzstellen weltweit und rund 2 Mio. Geldautomaten weltweit, sowie Visa mit etwa 20 Mio. Akzeptanzstellen und 1,6 Mio. Geldautomaten weltweit. Kreditkarten werden von Vertragsunternehmen sowohl im Inland als auch an Akzeptanzstellen weltweit akzeptiert. Das Land mit der höchsten Akzeptanzrate sind aber noch immer die Vereinigten Staaten von Amerika.

Dass nun pro Kunde weniger Personal benötigt wurde, schlug sich damals nicht im Personalstand nieder, da die Anzahl der Kunden noch ständig wuchs. Aber mit den Angestelltenkonten konnte man bei den Banken nicht sehr viel Geld verdienen, daher musste laufend und immer mehr Funktionen, die früher ein Bankangestellter durchgeführt hatte, den Kunden selbst übertragen werden.

Und das war erst der Anfang! Jetzt führen wir unsere Überweisungen entweder über dafür bereitgestellte Maschinen selbst durch – oder wir verwenden on-line Banking, früher – etwas kompliziert – vom Computer zu Hause durchzuführen, jetzt von seinem Smart Phone, wie verschiedene Werbeträger im Fernsehen für verschiedenen Banken vorstellen. Die Banken haben eigene Foyers eingerichtet, indem sich alle die benötigten Maschinen für die Selbstbedienung stehen, die 24 Stunden, 7 Tage die Woche geöffnet sind.  In diesem Sinne braucht der „Standardkunde“ kaum mehr eine Bankfiliale betreten, es sei denn er benötigt einen Kredit (aber das kann schon on-line gehen) oder er verfügt über ein Bankschließfach.

Dass alle diese on-line-transfers auch bösen Menschen die Möglichkeit zu Malversationen geben, ist hinlänglich bekannt – sowohl der Kunde als auch die Banken müssen Vorsicht walten lassen. Aber auch das Bargeld unter der Matratze kann gestohlen werden! Und eigentlich benötigt man kaum mehr Bargeld – man kann auch kleine Beträge äußerst bequem mit Karten abwickeln.

Das alles hat nun zu Schließung vieler Bankfilialen geführt aber auch zu erheblichem Rückgang von Bankmitarbeitern. Ein Trend, der sich wahrscheinlich weiter fortsetzen wird.

Ja, und in diesem Sinne wird jetzt auch die Abschaffung des Bargeldes (hoffentlich weit in der Zukunft) diskutiert.

 

 

Als ich mein Gehalt im Sackerl bekam

Durch die Porzellangasse

Heute bin ich wieder einmal durch die Porzellangasse gefahren. Die ersten 24 Jahre meines Lebens habe ich im neunten Bezirk, Alsergrund verbracht, und später habe ich dann dort gearbeitet. Somit bin ich oft durch die Porzellangasse gegangen und vieles dort weckt Erinnerungen.   Allerdings habe ich nie darüber nachgedacht, dass diese Straße einem verlandeten Donauarm folgt, naja, befindet sie sich doch in der Roßau, einer ehemaligen Vorstadt.  Nach der Zerstörung durch die Türken (1529) wurde die Vorstadt nicht wiederaufgebaut und ihr Areal teils in die neue Stadtbefestigung einbezogen, teils jedoch unter Bauverbot gestellt (Glacis).  Die Entstehung einer neuen Ansiedlung oberhalb der ehemaligen Vorstadt vollzog sich im Zuge der allmählichen Versandung beziehungsweise Verkürzung des stadtnächsten Donauarms. Der Name Roßau leitet sich von der 1377-1553 nachweisbaren „Rossetrenke“ am Donauufer (Roßauer Lände) ab. Die im 17. Jahrhundert entstandene Vorstadt lag im Wiener Burgfriedensrayon, die Grundherrschaft übte die Gemeinde Wien aus, die Pfarrechte lagen beim Schottenstift. Nach der zweiten Türkenbelagerung (1683) nahm der Zuzug von Schiffern und Handelsleuten zu; die Auen wurden gelichtet und verbaut. Auf den am Donauufer liegenden Holzlagerplätzen brach 1838 ein großer Brand aus, der erst nach Tagen gelöscht werden konnte. Im Zuge der Eingemeindung kam die Roßau zum neugebildeten 8. (seit 1862 9.) Bezirk.

Der Name der Straße kommt naheliegender Weise von der staatlichen Porzellanmanufaktur, schon 1825 gegründet. Die Tradition der Wiener Porzellanerzeugung („Augarten-Porzellan“) ist alt, die Wiener Manufaktur nach jener in Meißen die zweitälteste in Europa. 1718 hatte der Hofkriegsagent Claudius Innozenz Du Paquier ein Privileg erworben und in der Roßau eine kleine Manufaktur eingerichtet. Trotz gegenteiliger Bestimmung im Privileg erhielt er dafür auch eine staatliche Unterstützung. Der Verkaufserfolge der ersten beiden Jahrzehnte entsprach allerdings keineswegs den Erwartungen des Gründers. 1864 wurde die Fabrik geschlossen, erst in der Republik wurde die Porzellanmanufaktur 1923 im Augarten wiederbegründet und zählt heute zu den bedeutendsten der Welt. Allerdings ging im Jahr 2003 die Manufaktur in Konkurs. Aber aus der Konkursmasse entstand die „Neue Porzellanmanufaktur Augarten“.

Soviel zu Geschichte dieser Gegend. In der Porzellangasse lebten mein Großpapa und meine Tante Mizzi, nachdem sie aus der Harmoniegasse ausgesiedelt worden waren, weil dort ein Hotel erbaut wurde. Ich war gerne bei ihnen, immer köchelte ein – dann schon recht bitterer – Kaffee in einem kleinen Töpfchen am Herd. Meine Tante suchte immer in ihren Kästen und Laden, um etwas zu finden, womit sie mir Freude machen könnte.

In diesem Block spielt eine meiner Freundinnen im Bridgezentrum. Und schräg gegenüber ist das Lohnerhaus. Die spätere Firma Lohner wurde 1821 von Ludwig Laurenzi als Wagensattlerei in der Roßau gegründet. Nach kurzer Zeit gelang es zum k.k. Hoflieferanten für Galawagen aufzusteigen. Im Jahr 1852 trat der Schwiegersohn Laurenzis Jacob Lohner in die Firma ein und übernahm diese nach dem Tod des Gründers in den 1850er Jahren. Lohner vereinigte nunmehr Tischler-, Sattler-, Lackierer- und Sattlergewerbe. 1876 wurde die Produktion auf Grund von Anrainerbeschwerden verlegt, nur die Firmenleitung, die Lackiererei, Sattlerei und der Verkauf verlieben im 9. Bezirk. Und ab 1878 im neu erbauten Haus in der Porzellangasse 2. Während 1873 der Zehntausendste Wagen ausgeliefert wurde, stieg die Gesamtproduktionszahl bis 1898 auf 23.500. Zum Luxuswagenbau trat nun auch der Bau von Ambulanzwagen. Ab 1897 wurden die ersten in Österreich-Ungarn hergestellten benzinbetriebenen und elektrischen Wagen produziert. um 1900 wurden die ersten Elektro-Autos, die Lohner-Porsche, hergestellt. In den 1950igern kamen dann die in Österreich bekannten Sissy-Mopeds und der L125-Roller dazu. Ein Jugendtraum von mir war der Besitz eines Lohner Rollers – wurde dann aber nie verwirklicht.

Im nächsten Block befindet sich dann das Schauspielhaus, für mich war es anfänglich noch das „Heimatkino“.  Die Aufführungen unter Gratzer und Tabori waren dort legendär.

Unbedingt erwähnen muss ich wohl den „Goldenen Drachen“, dieses Chinesische Restaurant ist Wiens ältestes seiner Art, bereits seit 1963 werden hier asiatische Köstlichkeiten im anfänglich sehr fremd wirkenden Ambiente serviert. Es war auch mein erster „Chineser“, wie man salopp in Wien sagt. Ich erinnere mich an die süßsauren Shrimps, die mir serviert wurden.

Gegenüber war lange Zeit eine Buchhandlung, in meiner Kinderzeit hieß sie Auff, dort wurden meine ersten Schulbücher erstanden. Viel später kaufte ich dann – gut beraten – interessante Bucher ein. Jetzt ist auch dort die Buchhandlung Geschichte.

An der Ecke Fürstengasse kann man einen Blick auf das Palais Liechtenstein werfen. Es ist schon erstaunlich, dass es sich hier um ein Sommerpalais handelte, das Stadtpalais befindet sich ja im Ersten Bezirk. Ich bedaure sehr, dass dieses herrliche Palais mit seinen wunderbaren Kunstschätzen jetzt nicht mehr öffentliches Museum ist, sondern für private Veranstaltungen gemietet werden kann. Aber der Garten war und ist wieder öffentlich zugänglich. Als Kind habe ich dort gespielt, jetzt spielt meine Urenkelin wieder dort. Und als ich noch am Julius-Tandler-Platz arbeitete bin ich gerne durchgegangen, ein wunderbarer Ort um abzuschalten.

Lustige Stunden haben wir auch im Wiener Kabinett Theater verbracht. Besonders beeindruckt hat mich die Ermahnung der Leitung beim Nach Hause Gehen nicht zu viel Lärm zu machen, da die Anrainer diesbezüglich eher unfreundlich reagierten.

In dem 1903-1905 errichteten Gebäude, Porzellangasse 51 war die Generaldirektion der Austria Tabak AG untergebracht. Ab 1907/1908 begann die Zigarette die Zigarre an Beliebtheit zu überrunden. Die Tabakregie erzeugte 1913 1,36 Millionen Zigarren und 6,349 Milliarden Zigaretten neben großen Mengen an Rauch- und Schnupftabaken; sie betrieb 30 Fabriken, 17 Verschleißmagazine und acht Einlöseämter in den großen Produktionsgebieten, beschäftigt waren (1914) 38.000 Arbeiter und 1.200 Beamte. Nach dem Ersten Weltkrieg (durch den die meisten Anbaugebiete verlorengingen) blieb die Tabakregie bis 1939 ein staatlicher Betrieb. 1945 wurde die „Austria Tabakwerke AG“ wieder in österreichisches Eigentum rückgeführt. Mitte der 1980er Jahre erzeugten die Austria-Tabak-Werke (als staatlicher Monopolbetrieb) jährlich rund 15 Milliarden Zigaretten, 50 Millionen Zigarren und über 270 Tonnen Pfeifen-, Kau- und Schnupftabake sowie Feinschnitte.

Aber meine liebste Erinnerung an diese Gegend ist  „literarisch“: beschrieben in Heimito von Doderers Romanen. Die Häuser, die in diesen Büchern beschrieben sind, stehen noch heute – und man kann sich im Vorübergehen an die fiktiven Personen und Handlungen wohl erinnern.

Durch die Porzellangasse

Das islamische Steuersystem

Wie vieles im Islam ist auch das Steuersystem vom Koran bestimmt. Es betrifft jene Länder, die im Dar al-Islam leben, also in Gebieten, die von Muslimen regiert werden bzw. in der die islamische Gesetzgebung (Scharia) gilt. Nun leben viele Muslime in der Diaspora, also auch bei uns, in Europa, die den jeweiligen Steuersystemen jener Länder, in denen sie leben, unterworfen sind.

Hier möchte ich aber nun das koranische Steuersystem vorstellen:

Zakat

Ist die ausschließlich den Muslimen auferlegte Armensteuer. Schon von Beginn an betraf die muslimische Frömmigkeit nicht nur den religiösen Aspekt, der die Beziehung des einzelnen zu Gott betonte, sondern zugleich wurde im Koran und in dem vorbildhaften Verhalten des Propheten (Sunna) auch auf die Verantwortlichkeit des Gläubigen gegenüber dem Nächsten hingewiesen. Aus dieser „Solidarität“ der Gläubigen untereinander entwickelte sich die obligatorische Armensteuer und die freiwilligen Almosen. Die beiden Begriffe dafür, „Zakat“ und „Sadaqa“, werden im Koran häufig erwähnt und sind in dieser Schrift noch austauschbar. Eine Differenzierung in die Steuer (Zakat) und die freiwillige Gabe (Sadaqa) erfolgte erst in späterer Zeit.

Zakat ist die vierte der fünf Säulen des Islam (Glaubensbekenntnis, Gebet, Fasten, soziale Pflichtabgabe, Pilgerfahrt nach Mekka). Diese Abgabe ist eine den Muslim-Männern und Frauen, die genügend Mittel besitzen, von Gott auferlegte Pflicht  einen bestimmten Prozentsatz ihrer jährlichen Ersparnisse oder Vermögens in Waren oder Geld unter die Armen und Bedürftigen zu verteilen. Die Zakat wird auf Basis des Vermögens und der Ersparnisse am Jahresende ermittelt.

Die wörtliche Bedeutung des Begriffs Zakat ist „Reinheit“. Der Prophet sagte: „Gott hat euch die Zakat nur darum zur Pflicht gemacht, damit euer übriges Eigentum dadurch gereinigt werde.“ Zakat ist keine Steuer, die vom Staat erhoben wird, sie ist aber auch keine freiwillige Abgabe. Sie ist in erster Linie eine Pflicht, die von Gott auferlegt wurde. „Gewiss, die da glauben und gute Werke tut und das Gebet verrichten und die Zakat bezahlen, die sollen ihren Lohn bei ihrem Herrn finden, und keine Furcht soll über sie kommen, noch sollen sie trauern.“

In einem nicht-islamischen Staat hingegen bleibt es dem einzelnen Muslim überlassen, Gott und der Gemeinschaft gegenüber seine Pflicht zu erfüllen, und es obliegt seinem Muslim-Bruder, ihn daran zu erinnern. Zakat ist auf Bargeld, Viehbestand und Ernteerträge zu entrichten. Die Bestimmungen sind jedoch für die drei Kategorien verschieden.

Dieses so erhobene Geld ist für die Armen und Bedürftigen bestimmt und die mit ihrer Verteilung Beauftragten und für die, deren Herzen versöhnt werden sollen, für die (Befreiung von) Gefangenen und für die Schuldner, für die Sache Gottes und für den Reisenden. Die Arten von Menschen, denen durch die Zakat geholfen werden soll, sind schon vor vierzehnhundert Jahren festgelegt worden, aber sind sie auch in unserer Zeit noch anwendbar. Das Geld darf aber auch folgendermaßen verwendet werden:

  • Zur Verbreitung der Botschaft des Islam
  • Stipendium an Studenten, Wissenschaftler oder Forscher
  • Zur Förderung von Einrichtungen, die zum Wohle der Gemeinschaft beitragen, wie beispielsweise Krankenhäuser, Moscheen
  • Zur Förderung von Gruppen, die im Dienst des Islam und zur Verbreitung von Wissen tätig sind.

Die Zakat muss von allen Muslimen, auch jenen in der Diaspora bezahlt werden.

KHARADJ (Eigentumssteuer)

Der Staat gibt Muslimen das Recht, sein Vermögen, z.B. ein Stück Land, zu benutzen und davon zu profitieren. Außerdem gibt es auch Landstücke, deren Besitzer nicht Muslimen sind. Von all diesen Landstücken, die sowohl dem Staat als auch dem Nicht-Muslimen gehören, bekommt der Staat Eigentumssteuer.

Durch die Zahlung dieser Steuer auf den Landbesitz wurde das Besitzrecht des zunächst nicht-muslimischen Eigentümers gesichert. „Kharadj“ ist im Übrigen nur eine Fortführung von Steuerformen auf Land, wie sie bereits vor der islamischen Eroberung bestanden hatten. Die Land-Steuer wurde jedoch nicht jedem einzelnen Besitzern abverlangt, sondern einem ganzen Dorf. Die Form der Zahlung dieser Abgabe wurde den lokalen „Herrschern“ überlassen. Land, das künstlich bewässert werden musste, hatte eine geringere Steuerlast zu tragen als das, bei dem dieser Aufwand nicht notwendig war. Die Höhe der Steuer war auch von der Fruchtbarkeit eines Gebiets abhängig, die aus der Erfahrung mehrjähriger Beobachtungen der Erträge geschlossen wurde. Bei Missernten konnte die Steuer reduziert oder ganz erlassen werden. Im weiteren Verlauf der Geschichte durfte die „Kharadj“ nicht mehr in Naturalien beglichen werden.

DJIZYA (Kopfsteuer)

Christen und Juden bezahlen im islamischen Staat keine „Zakat“ oder „Sadaqa“. Ihnen ist die „Djizya“ (Kopfsteuer) auferlegt. Dafür waren sie vom Militärdienst befreit. In früherer islamischer Zeit wurde weder die Höhe noch die Form der Zahlung festgelegt. Sie durfte nur von erwachsenen, freien und gesunden Männern erhoben werden. Frauen, alte Männer, Invalide oder Sklaven sind von ihr ausgenommen. Fremde sind ebenfalls von der „Djizya“ ausgeschlossen, falls sie sich nicht dauernd im islamischen Staat niederlassen. Nicht – Muslime in Grenzregionen, die zum Kriegsdienst in muslimische Heere herangezogen wurden, war die „Djizya“ in dem entsprechenden Jahr erlassen. Trat ein „Dhimmi“ (Nicht-Muslim) zum Islam über, brauchte er diese Steuer nicht mehr zu zahlen.

Diese Kopfsteuer wurde einmal im Jahr, in der Regel zu Beginn des Mondjahres erhoben. Üblicherweise wurde sie in Geld gezahlt, Naturalzahlungen waren die Ausnahme. Zunächst waren Priester und Mönche von der Kopfsteuer ausgenommen. Erst gegen Ende des ersten Jahrhunderts nach der „Hidjra“ hatte auch dieser Personenkreis (z.B. in Ägypten) die Kopfsteuer zu zahlen. Die Höhe der „Djizya“ wird in den Quellen mit einem, zwei oder drei Goldstücken (Dinar), je nach dem Einkommen und Vermögen des zu Besteuernden, angegeben (etwa 10% des Jahres- Einkommens)

Weitere Abgaben

Es gibt auch noch verschiedene andere Zahlungsformen, mit deren Hilfe der islamische Staat seine Finanzen aufbesserte. Sie werden zwar von frommen Muslimen ebenso wie von Vertretern des islamischen Rechts abgelehnt, spielten aber dennoch für die Budget- Deckung eine wichtige Rolle. In diese Kategorie von Steuern fällt die Handelsabgabe, die bis zu 30% des Warenwerts betragen konnte. Unter „schariatsrechtlichen“ Gesichtspunkten war sie noch zu akzeptieren, wenn sie als eine Außenhandelsabgabe, als ein Zoll, erhoben wurde. Sie war jedoch auch innerhalb der muslimischen Staaten zu zahlen, und zwar bei Zollstationen, die entlang der Handelsstraßen eingerichtet waren. Weiterhin wurden auch die Märkte der unterschiedlichsten Produkte mit dieser Steuer belegt. In gleicher Weise hatten Gewerbetreibende eine Steuer auf ihre Produkte zu entrichten. Weitere Einkommensquellen des Staates ergaben sich durch Geldstrafen, Quittungsgebühren, Fischereiabgaben, Gebühren für Bäder, für Ölpressen usw.

Wie man sieht, sind auch islamische Staaten bei Einführung von Steuern und Abgaben recht erfinderisch – wie überall!

Das islamische Steuersystem

Es geht uns jetzt schon sehr gut!

Ich bin heute früh aus dem Haus gegangen. Zugegeben es ist für Wien sehr kalt, klirrend wird uns im Wetterbericht mitgeteilt. In Wien war es schon lange nicht so kalt!

Ich kam aus einer geheizten Wohnung, ja, da sind Heizkörper in jedem Raum! Ich konnte mit warmen Wasser duschen und einen guten heißen Kaffee trinken. Ich verfüge jetzt über pelzgefütterte Schuhe, eine Pelzhaube und Pelzfäustlinge, und dazu habe ich einen mit Daunen gefütterten langen Mantel und einen großen Schal. Natürlich ist mir nicht kalt draußen. Ich dürfte mir heute sogar den Schal vor den Mund binden – bei der Kälte wäre das vom Vermummungsverbot ausgenommen. Nur wenn ich die dumme Idee hätte, draußen zu telephonieren, dann werden die Hände richtig kalt und erwärmen sich auch erst im nächsten Geschäft. Ich gebe zu, in der Aufmachung stark an ein Michelin-Männchen zu erinnern, aber das ist mir eher egal (wurscht, wie wir hier sagen).

Jedes Geschäft, das ich betrete habe, war – wie man so schön sagt – bacherlwarm. Wäre ich in ein Auto eingestiegen, wäre es auch dort nach einiger Zeit schön warm geworden, in manchen Autos hätte ich sogar die Sitze erwärmen können. Wäre ich mit der Straßenbahn oder U-Bahn gefahren, wären diese selbstverständlich geheizt gewesen.

Nur manchen von den vielen Bettlern auf der Straße, die haben es nicht warm!

Und da habe ich mich an die Nachkriegsjahre erinnert: Auch damals waren die Winter bitter kalt, Heizmaterial war sehr rar, wenn überhaupt geheizt wurde, dann das nur in einem Raum, der wies dann bestenfalls so 16° auf. Der Rest der Wohnung war viel kälter. Denn das Fensterglas war ja durch die Bombenangriffe gesprungen und die Fenster waren mit Brettern vernagelt und zwischen diesen Brettern zog mächtig die kalte Luft herein. Auch die Küche war kalt, denn Gas gab es nur stundenweise, die Elektrizität war auch nur zeitweilig verfügbar. Zum Waschen gab es nur kaltes Wasser! Der Kaffee war nur „Ersatz“ (z.B. Malz) und auf das Maisbrot gab es keine Butter- vielleicht Marmelade – die mit sehr wenig Zucker selbst eingekocht worden war.

Ich verbrachte einen Teil des Tages im Bett, denn es fand kein Unterricht in der Schule statt – Kälteferien! Ferien sind ja immer lustig, diese „verordneten“ aber gar nicht, weil man auch nichts unternehmen konnte. Denn es fehlte auch an warmen Kleidern. Ja, wir hatten von unseren Müttern aus Rest‘ln gestrickte Pullover, Fäustlinge, Schals und Hauben (so genanntes Norwegermust war „in“). Ich hatte nur eine Jacke, keinen Mantel, und die war etwas dünn (zerschlissen), weil sie aus alten Sachen der Eltern geschneidert war. Hosen durften wir in die Schule nicht anziehen. Also waren es Röcke und mehrfach gestopfte Strümpfe (die mit einem sogenannten Strumpfgürtel befestigt waren).  Die Schuhe (wir besaßen nur ein Paar) mussten immer abends beim Ofen getrocknet werden. In der Schule gab’s mittags die Ausspeisung, eine dicke warme Suppe in ein mitgebrachtes Häferl. In den Klassenzimmern zogen wir oft Jacken oder Mäntel nicht aus, denn auch dort war es kalt.

Die Straßenbahnen, mit denen wir zu Schule fuhren waren selbstverständlich nicht geheizt, wenn sie überhaupt kamen, denn auch die Schneeräumung funktioniert nicht immer in dieser Zeit.

Viellicht sollten wir Alten uns zuweilen dran erinnern, wenn wir wieder klagen, dass es draußen so kalt ist und es den Jungen sagen, dass warme Räume und warme Kleidung nicht immer selbstverständlich waren.  Und vielleicht denken wir auch an die Bevölkerung von Ost-Ghouta, die zusätzlich zu Kälte auch noch Bombardierung erleiden muss. Also bitte: klagen wir lieber nicht!

 

 

Es geht uns jetzt schon sehr gut!

Die vier infokalyptischen Reiter

Erinnern Sie sich noch an den Kinderreim und das dazugehörige Spiel:

Es tanzt ein Bi-Ba-Butzemann In unserm Haus herum, fidebum, es tanzt ein Bi-Ba-Butzemann In unserm Haus herum. Er rüttelt sich, er schüttelt sich, er wirft sein Säckchen hinter sich. Es tanzt ein Bi-Ba-Butzemann In unserm Haus herum.

Butzemann oder auch Butz bezeichnet Dämonen, Gespenster, Kobolde oder zwergartige Schreckgestalten,alternativ könnte auch der „schwarze Mann“ eingesetzt werde (Wer fürchtet sich vor’m schwarzen Mann).

Dieser Butzemann heißt englisch: Boogeyman. Das führt uns zu den vier Reitern der Infokalypse: Denn dieser Butzemann schreckte die Menschen, die hierauf auf ihre Privatsphäre, auf ihre freie Meinungsäußerung und andere on-line Rechte verzichten. Diese vier Reiter sind Terroristen, Pädophile, Drogenhändler und Geldwäscher, aber möglicherweise auch andere verachtungswürdige Personen. Diesen Vier Reitern der Infokalypse verdanken wir es, dass der Staat unsere privaten Computer, Laptops, Smart Phones jederzeit durchsuchen darf (z.B. durch die geplanten Bundestrojaner in Österreich).

Der Begriff stammt von Timothy C. May, der ihn schon 1988 geprägt hat. Damals definierte er Nutzer und Produzenten von Kinderpornographie, Terroristen, Drogenhändler etc. als diese vier Reiter. Diese Diskussion entstand aufgrund der fehlenden kryptographischen Möglichkeiten privater Nutzer.

Und wie kommt so ein Butzemann am besten zu seinem Ziel:

  1. Man definiere „Etwas“, das man verhindern will, aber ohne jeglichen moralischen oder praktischen Grund es zu tun.
  2. Man wähle eine Angst aus, die viele Menschen bewegt; etwas das „aus dem Bauch heraus“ entschieden wird: z.B. Terroristen, Serienmörder
  3. Man schreie laut, besonders zu den Medien, dass dieses „Etwas“ von Kriminellen begangen werden wird. Man kümmere dich nicht darum, ob es überhaupt wahr ist, ob es „alles“ betrifft bzw. schon lang im Einsatz bestehende Systeme wie Festnetztelephon, Post, private Hotelzimmer etc.
  4. Man postuliere, dass der einzige Weg dieses Problem („Etwas“) in den Griff zu bekommen ist, es (Etwas) überhaupt zu sperren, oder zu Tode regulieren, oder eine Möglichkeit einzuführen es komplett zu kontrollieren. Man kümmere nicht darum, ob das verfassungsmäßig richtig ist. Wenn das richtiggemacht wird, tritt der zweite infokalyptische Reiter auf, niemand wird es merken, denn sie werden laut rufen, sie vor dem „Etwas“ zu schützen.

Und wo wurde diese Strategie bereits erfolgreich eingesetzt:

2015 behauptete die Conservative Party in Großbritannien, dass ihr neu eingebrachtes Gesetz über Daten Kommunikation die Exekutive stärken werden, terroristische Anschläge zu verhindern, kriminelle Netzwerke zu zerschlagen und Cybergrooming (Heranmachen an Kinder im Internet mit dem Ziel des sexuellen Missbrauchs) zu vereiteln.

Damit dies alles möglich wird, bedarf es „FUD“, das steht für fear, uncertainty and doubt bzw. Desinformation (Angst, Unsicherheit und Zweifel), eine Desinformations-Strategie, die in folgenden Bereichen eingesetzt werden kann: Verkauf, Marketing, Öffentlichkeitsarbeit, Radiosendungen, Politik, von religiösen Institutionen sowie in jeglicher Propaganda.  Generell kann gesagt werden, dass es eine Strategie zur Beeinflussung der Wahrnehmung ist, verursacht durch Verbreitung negativer, zweifelhafter oder falscher Informationen um Angst hervorzurufen.

Anfänglich war es z.B. ein Vorgehen der IBM, bei ihren Kunden Angst bei Einsatz von Konkurrenzprodukten von IBM zu wecken. Diese Methode wurde nicht nur von IBM sondern auch von Microsoft, Apple etc. eingesetzt. Klarerweise findet es Anwendung bei der so genannten Sicherheitsindustrie, dazu werden völlig hypothetische Probleme beschrieben um den potentiellen Käufer dazu zu bringen, gewisse Sicherheitspakete zu kaufen. Aber auch z.B. bei Reinigungsprodukten wird diese Methode eingesetzt, besonders im Kampf gegen ökologisch orientierte Produkte.

Zurecht befürchten viele von uns Internetkriminalität. Da ist von Troll Fabriken (im Netzjargon eine Person, die ihre Kommunikation im Internet auf Beiträge beschränkt, die auf emotionale Provokation anderer Gesprächsteilnehmer zielt. Dies erfolgt mit dem Ziel, eine Reaktion der anderen Teilnehmer zu erreichen) die Rede oder von den Bots (Computerprogramm, das weitgehend automatisch sich wiederholende Aufgaben abarbeitet, ohne dabei auf eine Interaktion mit einem menschlichen Benutzer angewiesen zu sein), die das Internet überschwemmen, und von den Machenschaften im Zusammenhang mit den USA-Wahlen.

Von einem Social Bot spricht man, wenn dabei so getan wird, als stecke hinter dem Account eine echte Person. Social Bots haben dann oft Profilbilder von jungen hübschen Menschen und versuchen zum Beispiel auf Facebook, mit echten Personen befreundet zu sein, um sie entsprechend beeinflussen zu können. Z.B. steht Donald Trump in Verdacht, dass er mit Bots Meinung macht. Nach dem ersten Fernseh-Duell zwischen den US-amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Hillary Clinton und Donald Trump stellte sich angeblich heraus, dass mehr als jeder dritten Pro-Trump-Tweet von einem Bot abgesetzt wurde. Außerdem sollen sich unter den fast 13 Millionen Nutzern, die Donald Trump auf Twitter folgen, mehrere Millionen Bots befinden. Sie teilen seine Tweets und versuchen Stimmung für den Republikaner zu machen.

Aber meines Erachtens ist die Antwort darauf nicht, Bundestrojaner oder Ähnliches (wie es jetzt bei uns geplant ist) auf private Computer hetzen zu können, oder Zugriffe zu verbieten oder zu behindern (siehe diesbezügliche Maßnahmen von z.B. Erdogan oder sonstigen Diktatoren), sondern Information über die Gefahren – und wie man sich davor schützen kann.

Und Information ist allemal noch, wie mir ein meinem Berufsleben eingebläut worden war, eine Holschuld. Bekämpfen wir damit den Butzemann!

 

Die vier infokalyptischen Reiter

Rohrstaberl als Erziehungsinstrument

Diese Methoden und Werkzeuge habe ich in meiner Kindheit noch erlebt, sogar in der Volksschule am Land.

Sowohl von Eltern und Lehrern gerne eingesetzt wurde das Rohrstaberl:

Der Rohrstock aus Rattan – insbesondere aus dem malaiischen Malakka – ist dafür bekannt, dass Hiebe mit ihm (vor allem kumulativ) sehr schmerzhaft sind und charakteristische rote Doppelstriemen, die „Zwillinge“ hinterlassen. Rohrstockhiebe werden bis heute in einigen Ländern als Justizstrafen in der Regel im Dutzend oder einem Mehrfachen davon verabreicht. Hierfür wurde in der Vergangenheit der Prügelbock verwendet, aber auch im Rahmen der Bastonade kam und kommt der Rohrstock häufig zum Einsatz. Als Rattan-Rohrstöcke im 19. Jahrhundert nach Europa importiert wurden, gewannen sie nicht zuletzt wegen dieser Eigenschaft sehr rasch an Beliebtheit. An europäischen Schulen verdrängten sie sehr schnell die bis dahin üblichen Birkenruten als Züchtigungsinstrumente. In Schulen und Internaten erfolgten Strafen mit dem Rohrstock auf die ausgestreckten Hände oder, insbesondere bei Jungen – in meist gebückter Haltung oder über einem Pult liegend –, auf das Gesäß. Die Zahl der Hiebe lag üblicherweise zwischen zwei bis vier (bei Applikation auf die Hände) bzw. drei bis zwölf auf den gespannten Hosenboden. Als “six of the best” ist im englischsprachigen Raum die – nur bei Jungen in Schulen oder Internaten praktizierte – sehr schmerzhafte Züchtigung des Gesäßes mit sechs Rohrstockhieben bekannt. Ich habe sie nur auf die ausgestreckten Hände, zu Hause, genannt Batz’n, als Strafe für nicht optimale Noten erlebt.

Ein Alternativinstrument zum Rohrstaberl war der Pracker

Die eigentliche Aufgabe des Prackers war das Reinigen von Teppichen. Dieses Gerät bestand aus Weiden- oder Rattangeflecht, das in Schlingenform gearbeitet war und in der Form an einen Tennisschläger oder, in seiner kleineren Version, an ein Kleeblatt erinnerte. Um einen Teppich mit einem Teppichklopfer zu reinigen, wurde der Teppich aus dem Haus getragen und über eine Teppichstange gehängt. Diese Teppichstangen, die meist im Hof eines Miethauses standen, dienten uns als Kindern als beliebtes Turngerät. Erst sollte der Teppich von der Rückseite kräftig ausgeklopft werden, um den tief liegenden Schmutz zu lösen. Am besten hielt eine zweite Person – das waren meist die Kinder – den Teppich etwas von der Teppichstange weg, um den ausgeklopften Staub besser entweichen zu lassen. Wenn nicht mehr allzu viel Staub herausgeklopft werden kann, wendet man den Teppich, um die Vorderseite zu klopfen und zu bürsten. Bei Teppichen, die schon Jahre liegen und nur gesaugt und nicht geklopft wurden, sollte diese Prozedur mehrmals durchgeführt werden, da man beim ersten Mal nicht allen Staub herausklopfen kann. Der Teppich wird durch das Klopfen nicht nur gereinigt, sondern auch gelüftet und die Farben werden wieder intensiver. Sollte es geschneit haben und der Schnee noch im Hof liegen, galt es eilig den Teppich dorthin zu schaffen und ihn auf dem Schnee liegend auszuklopfen.

Bis in die späten 1970er Jahre war der Teppichklopfer jedoch vor allem in Deutschland, aber auch in Italien und Österreich neben dem Rohrstaberl ein weit verbreitetes Hilfsmittel zur körperlichen Züchtigung von Kindern und Jugendlichen in der Familie. Weniger schmerzhaft als ein Rohrstock, galt er gleichwohl als sehr effektiv, vor allem auf dem entkleideten Gesäß.  Dabei wurden die Kinder „übers Knie gelegt“. Der Pracker kam bei mir nie zum Einsatz, sehr wohl wurde aber damit gedroht!

Aber nicht nur Prügel gab es, sondern auch „zur Strafe knien“

Das geschah sowohl in der Schule als auch zu Hause, dabei durfte man sich nicht auf die Fersen setzen, sondern aufrecht bleiben – wenn das länger – oft sogar Stunden dauerte, dann war das schon sehr anstrengend –  und in der Schule demütigend. Zuweilen allerdings, wurden „die Schlimmen“ schon auch von den anderen bewundert.

Zu Hause konnte das Knien erheblich verschärft werden, indem es entweder auf Holzscheiten oder auch auf getrockneten Erbsen erfolgt ist. Das „Scheitelknien“ als Bestrafung für Kinder war in vergangenen Jahrhunderten legal. Heute ist es jedoch illegal wie auch alle anderen Arten körperlicher Züchtigung, sowohl in der Schule als auch zu Hause, und wird von den Behörden geahndet wenn es nachgewiesen werden kann. Und Kinder schämen sich oft und berichten daher nichts über derartige Strafen.

Die geringere diesbezügliche Strafe in der Schule war das „Winkerl stehen“. Da mussten unfolgsame Kinder mit dem Gesicht an die Wand in der Ecke stehen – während des Unterrichts. Der Delinquent musste für einen bestimmten Zeitraum an einer bestimmten Stelle, meist möglichst reglos, stehend verweilen. Schon eine sehr demütigende Strafe, die allerdings leicht zur Farce bei häufiger Anwendung kommen konnte, nämlich wenn schon alle 4 Ecken eines Klassenzimmers besetzt waren, und den Anordnungen der Lehrer noch nicht Folge geleistet wurde.

Aber es gab auch noch subtilere Formen der Bestrafung, die besonders in meiner Gymnasialzeit – und noch lange später zum Einsatz kamen. Die Verweigerung der Kommunikation: ich wurde nicht beachtet, mit mir wurde nicht gesprochen – ich war „Luft“.  Diese Situation konnte Tage bis Wochen andauern. Und es war lange wirksam.

Mir Essen vorzuenthalten – auch Süßspeisen – „zog bei mir nicht“. Dagegen scheine ich „immun“ gewesen zu sein.

Und was hat das alles mit mir gemacht? Ich war lange nicht selbstbewusst, ich war lange autoritätsgläubig. Und daraus herauszukommen, war ein langer, mühsamer Prozess – mit Rückfällen. Zum Glück kommt ja diese „schwarze Pädagogik“ heutzutage kaum mehr zur Anwendung. Der Kinderarzt meiner Kinder war berühmt für seinen Einsatz gegen  die „g’sunde Watsch’n“. Sein Name war Hans Czermak. In seinem letzten Lebensjahrzehnt war Hans Czermak Vorkämpfer für eine humane, gewaltfreie Erziehung von Kindern. Es war ihm ein besonderes Anliegen, dem Kind von der ersten Lebensstunde an einen unbestrittenen Platz in der Gesellschaft einzuräumen und ihm damit eine uneingeschränkte psychisch-physische Entwicklung zu ermöglichen. Er stellte fest, dass 98 Prozent aller Kinder psychisch und physisch gesund geboren werden, aber bereits jedes zweite Kind schon nach einigen Lebensjahren mehr oder weniger psychisch gestört und behandlungsbedürftig ist. Er führte diese katastrophale Entwicklung auf die gängige und weitverbreitete Straf- und Prügelerziehung zurück, der viele Kinder schon ab dem ersten Lebensjahr ausgesetzt sind und die ein Ausgangspunkt für vielfältige Fehlentwicklungen Jugendlicher ist. Als deutliche Folgen dieser frühkindlichen Erziehungsdefizite sind Jugendliche aggressiv, leiden unter Depressionen, Schul- und Existenzängsten, zeigen Leistungs- und Entscheidungsschwächen; unterwerfen sich selbstzerstörerischen, rigiden Anpassungszwängen und entwickeln sich zu unglücklichen Außenseitern.

Ich kann ihm nur zustimmen!

 

Rohrstaberl als Erziehungsinstrument

Meine Chefs

 

Da ich anfänglich in der Atombehörde (wie man in Wien für IAEA sagt) gearbeitet habe, waren meine Chefs meist Ausländer. In der Bank waren es meist Österreicher, mit Ausnahme jener Zeit, da wir anfingen, für die Auslandstöchter der Bank zu arbeiten – da war es ein Engländer.

Als ich zu arbeiten anfing, war mein Chef eine Chefin, die Dame war Kanadierin, ihr Mann arbeitete in gehobener Position ebenfalls in der IAEA. Sie war ganz freundlich, wenn auch recht unnahbar. War auch nicht einfach, ihr Job, ihre Untergebenen waren ausschließlich Frauen, die meisten davon Österreicherinnen. Sie hielt Abstand, saß in ihrem Zimmer bei geschlossener Tür und rauschte nur zuweilen durch unseren Saal – wir, das war die Registry, zuständig für die Registrierung, Ablage und Verfolgung hereinkommender Post, abgeschlossen durfte ein Fall nur werden, sobald auch die Antwort auf diese hereinkommende Nachricht erfolgt war.

Ich blieb nicht lange dort. Dann verschlug es mich in die „Finanz“, wieder eine Abteilung mit vielen Frauen, aber alle Chefs waren damals Männer. Mein Chef war ein Österreicher, heute würde man sagen, ein rechter Macho. Er war lange in russischer Kriegsgefangenschaft gewesen, aber er führte seine Truppe ordentlich, stand für uns ein, wenn es notwendig war und sorgte auch nach Maßgabe seiner Möglichkeiten für Beförderungen. Er war es auch, der mir ermöglichte, an dem „Automatisierungsprojekt“ teilzunehmen. Ich besuchte diverse Kurse über das Funktionieren der (damaligen) Computer und über das Programmieren, alle von Mitarbeitern der IBM gehalten.  Wir automatisierten die Personalverwaltung und die Lohnabrechnung. Als die Computerabteilung gegründet wurde, war ich dabei – mein Chef war dann ein Amerikaner. Allerdings der „Auftraggeber“ des Projektes blieb der ehemalige Chef aus der Finanz. Der amerikanische „Führungsstil „war wesentlich informeller, aber durchaus zielorientiert. Da diese Chefs auch die Materie sehr gut beherrschten und wir nur von ihnen lernen konnten war der Respekt vorhanden. Der informelle Kontakt umfasste auch die Familien. In Zusammenhang mit Automatisierung war die Hierarchie weitgehend amerikanisch, mit Ausnahme des Bereichsleiters, der Russe war. Beeindruckend waren Sitzungen mit dieser Hierarchie, bei denen kein Kaffee, sondern Vodka serviert wurde. Zeitweilig musste man in dieser Umgebung einigermaßen trinkfest sein. Allerdings gab es auch den ein oder anderen Chef der manche Damen in seiner Abteilung aus recht durchsichtigen Gründen bevorzugte. Damit musste man halt leben. Diesen Chef gab’s auch dann nicht sehr lang.

Als ich dann in die Bank wechselte veränderte sich auch die Unternehmenskultur. Aufgenommen war ich von einem Franzosen worden. Mein direkter Chef war aber ein Österreicher. Das führte zu Friktionen, besonders, als dieser Franzose in Ungnade fiel. Er fand, dass Netzwerken (damals sagte man das nicht so) beim Tennisspielen effektiver war, als im Büro herumzusitzen. Er pflegte lange Mittagspausen, die er in guten Lokalen verbrachte. Das erregte Anstoß bei seinen Vorgesetzten, die eben eine dauerhafte Anwesenheit forderten. Leider blieb er nicht sehr lange mein Chef. Dann wurde es einigermaßen hart für mich. Es wurde viel Wert auf Äußerlichkeiten und „schriftliche Berichterstattung“ gelegt. Abends musste der Schreibtisch komplett abgeräumt sein, es mussten detaillierte Fortschrittsberichte geschrieben werden (die viel Zeit in Anspruch nahmen), noch mehr Zeit beanspruchten Projektfortschrittssitzungen mit beteiligten Abteilungen.

Und damals begann schon die Zeit der zahlreichen Umstrukturierungen. Wir waren schon sehr froh, wenn die kleinsten Einheiten beisammenbleiben konnten, denn nur so konnte ein Fortschritt der Projekte gewährleistet werden. Im Rahmen der Umstrukturierungen, die immer von irgendwelchen Beratungsfirmen begleitet waren, blieben auch zuweilen Mitarbeiter dieser Firmen als Chefs in der Bank hängen.  Und da alle diese neuen Abteilungen Chefs benötigten, schwammen auch manchmal Mitarbeiter nach dem Peter Principle (“In a hierarchy every employee tends to rise to his level of incompetence.”) hinauf. Frauen waren jedenfalls keine drunter, die Leitungspositionen erhalten hätten.  Bei anderen dieser neu ernannten Chefs zeigt sich auch, dass nicht der beste Fachmitarbeiter auch nach seinem Aufstieg der beste Chef sein kann. Und leider spielte auch die politische Zugehörigkeit eine Rolle, und das führte zu allerhand bösen Intrigen.

Natürlich gab es solcher (eher wenige) die mit Empathie ihre Mitarbeiter förderten und unterstützten. Von Seiten der Bank wurde viel Geld in die Ausbildung investiert, aber Leadership kann man nicht (leicht) lernen.  Und eigentlich kann man als Untergebener Vorgesetzte nur dann anerkennen, wenn sie natürliche Autorität haben und nicht nur Autorität aufgrund einer Position.

Ein gewisser Schock war es für mich, als mein Chef (plötzlich) jünger war als ich, wobei dieser ohnedies ein fähiger war.

Aber Chefs waren eine Sache, wesentlich für die IT-Arbeit waren die Auftraggeber. Das war manchmal schwierig, da z.B. die Auslandstöchter auf ein gemeinsames System eingeschworen werden mussten. Und die Chefs dieser Auslandsbanken ließen sich manchmal gar nicht gerne etwas von (untergeordneten – aus ihrer Sicht) Mitarbeitern der Zentrale sagen. Da fiel mir manchmal das Zitat von Kaiser Franz Josef ein: „Mir bleibt doch gar nichts erspart auf dieser Welt!“, wenn wieder einmal die Ungarn etwas ganz anderes wollten als die Tschechen.

Als die Creditanstalt dann zur Bank Austria wurde, prallten auch zwei Kulturen aufeinander. Und lange noch war es möglich, wer aus der Zentralsparkasse, der Länderbank (die schon vorher mit der Zentralsparkasse fusioniert worden war) und der Creditanstalt kam.  Der Verkauf an die Unicredit brachte wenig Wechsel, außer ein paar wenigen leitenden Mitarbeitern aus München. Allerdings die Übernahme durch die Unicredit veränderte die Bank schon wesentlich – aber das musste ich nicht mehr erleben.

Lob war selten, und das ist eigentlich sehr schade! Es hätte motiviert!

 

Meine Chefs