Rohrstaberl als Erziehungsinstrument

Diese Methoden und Werkzeuge habe ich in meiner Kindheit noch erlebt, sogar in der Volksschule am Land.

Sowohl von Eltern und Lehrern gerne eingesetzt wurde das Rohrstaberl:

Der Rohrstock aus Rattan – insbesondere aus dem malaiischen Malakka – ist dafür bekannt, dass Hiebe mit ihm (vor allem kumulativ) sehr schmerzhaft sind und charakteristische rote Doppelstriemen, die „Zwillinge“ hinterlassen. Rohrstockhiebe werden bis heute in einigen Ländern als Justizstrafen in der Regel im Dutzend oder einem Mehrfachen davon verabreicht. Hierfür wurde in der Vergangenheit der Prügelbock verwendet, aber auch im Rahmen der Bastonade kam und kommt der Rohrstock häufig zum Einsatz. Als Rattan-Rohrstöcke im 19. Jahrhundert nach Europa importiert wurden, gewannen sie nicht zuletzt wegen dieser Eigenschaft sehr rasch an Beliebtheit. An europäischen Schulen verdrängten sie sehr schnell die bis dahin üblichen Birkenruten als Züchtigungsinstrumente. In Schulen und Internaten erfolgten Strafen mit dem Rohrstock auf die ausgestreckten Hände oder, insbesondere bei Jungen – in meist gebückter Haltung oder über einem Pult liegend –, auf das Gesäß. Die Zahl der Hiebe lag üblicherweise zwischen zwei bis vier (bei Applikation auf die Hände) bzw. drei bis zwölf auf den gespannten Hosenboden. Als “six of the best” ist im englischsprachigen Raum die – nur bei Jungen in Schulen oder Internaten praktizierte – sehr schmerzhafte Züchtigung des Gesäßes mit sechs Rohrstockhieben bekannt. Ich habe sie nur auf die ausgestreckten Hände, zu Hause, genannt Batz’n, als Strafe für nicht optimale Noten erlebt.

Ein Alternativinstrument zum Rohrstaberl war der Pracker

Die eigentliche Aufgabe des Prackers war das Reinigen von Teppichen. Dieses Gerät bestand aus Weiden- oder Rattangeflecht, das in Schlingenform gearbeitet war und in der Form an einen Tennisschläger oder, in seiner kleineren Version, an ein Kleeblatt erinnerte. Um einen Teppich mit einem Teppichklopfer zu reinigen, wurde der Teppich aus dem Haus getragen und über eine Teppichstange gehängt. Diese Teppichstangen, die meist im Hof eines Miethauses standen, dienten uns als Kindern als beliebtes Turngerät. Erst sollte der Teppich von der Rückseite kräftig ausgeklopft werden, um den tief liegenden Schmutz zu lösen. Am besten hielt eine zweite Person – das waren meist die Kinder – den Teppich etwas von der Teppichstange weg, um den ausgeklopften Staub besser entweichen zu lassen. Wenn nicht mehr allzu viel Staub herausgeklopft werden kann, wendet man den Teppich, um die Vorderseite zu klopfen und zu bürsten. Bei Teppichen, die schon Jahre liegen und nur gesaugt und nicht geklopft wurden, sollte diese Prozedur mehrmals durchgeführt werden, da man beim ersten Mal nicht allen Staub herausklopfen kann. Der Teppich wird durch das Klopfen nicht nur gereinigt, sondern auch gelüftet und die Farben werden wieder intensiver. Sollte es geschneit haben und der Schnee noch im Hof liegen, galt es eilig den Teppich dorthin zu schaffen und ihn auf dem Schnee liegend auszuklopfen.

Bis in die späten 1970er Jahre war der Teppichklopfer jedoch vor allem in Deutschland, aber auch in Italien und Österreich neben dem Rohrstaberl ein weit verbreitetes Hilfsmittel zur körperlichen Züchtigung von Kindern und Jugendlichen in der Familie. Weniger schmerzhaft als ein Rohrstock, galt er gleichwohl als sehr effektiv, vor allem auf dem entkleideten Gesäß.  Dabei wurden die Kinder „übers Knie gelegt“. Der Pracker kam bei mir nie zum Einsatz, sehr wohl wurde aber damit gedroht!

Aber nicht nur Prügel gab es, sondern auch „zur Strafe knien“

Das geschah sowohl in der Schule als auch zu Hause, dabei durfte man sich nicht auf die Fersen setzen, sondern aufrecht bleiben – wenn das länger – oft sogar Stunden dauerte, dann war das schon sehr anstrengend –  und in der Schule demütigend. Zuweilen allerdings, wurden „die Schlimmen“ schon auch von den anderen bewundert.

Zu Hause konnte das Knien erheblich verschärft werden, indem es entweder auf Holzscheiten oder auch auf getrockneten Erbsen erfolgt ist. Das „Scheitelknien“ als Bestrafung für Kinder war in vergangenen Jahrhunderten legal. Heute ist es jedoch illegal wie auch alle anderen Arten körperlicher Züchtigung, sowohl in der Schule als auch zu Hause, und wird von den Behörden geahndet wenn es nachgewiesen werden kann. Und Kinder schämen sich oft und berichten daher nichts über derartige Strafen.

Die geringere diesbezügliche Strafe in der Schule war das „Winkerl stehen“. Da mussten unfolgsame Kinder mit dem Gesicht an die Wand in der Ecke stehen – während des Unterrichts. Der Delinquent musste für einen bestimmten Zeitraum an einer bestimmten Stelle, meist möglichst reglos, stehend verweilen. Schon eine sehr demütigende Strafe, die allerdings leicht zur Farce bei häufiger Anwendung kommen konnte, nämlich wenn schon alle 4 Ecken eines Klassenzimmers besetzt waren, und den Anordnungen der Lehrer noch nicht Folge geleistet wurde.

Aber es gab auch noch subtilere Formen der Bestrafung, die besonders in meiner Gymnasialzeit – und noch lange später zum Einsatz kamen. Die Verweigerung der Kommunikation: ich wurde nicht beachtet, mit mir wurde nicht gesprochen – ich war „Luft“.  Diese Situation konnte Tage bis Wochen andauern. Und es war lange wirksam.

Mir Essen vorzuenthalten – auch Süßspeisen – „zog bei mir nicht“. Dagegen scheine ich „immun“ gewesen zu sein.

Und was hat das alles mit mir gemacht? Ich war lange nicht selbstbewusst, ich war lange autoritätsgläubig. Und daraus herauszukommen, war ein langer, mühsamer Prozess – mit Rückfällen. Zum Glück kommt ja diese „schwarze Pädagogik“ heutzutage kaum mehr zur Anwendung. Der Kinderarzt meiner Kinder war berühmt für seinen Einsatz gegen  die „g’sunde Watsch’n“. Sein Name war Hans Czermak. In seinem letzten Lebensjahrzehnt war Hans Czermak Vorkämpfer für eine humane, gewaltfreie Erziehung von Kindern. Es war ihm ein besonderes Anliegen, dem Kind von der ersten Lebensstunde an einen unbestrittenen Platz in der Gesellschaft einzuräumen und ihm damit eine uneingeschränkte psychisch-physische Entwicklung zu ermöglichen. Er stellte fest, dass 98 Prozent aller Kinder psychisch und physisch gesund geboren werden, aber bereits jedes zweite Kind schon nach einigen Lebensjahren mehr oder weniger psychisch gestört und behandlungsbedürftig ist. Er führte diese katastrophale Entwicklung auf die gängige und weitverbreitete Straf- und Prügelerziehung zurück, der viele Kinder schon ab dem ersten Lebensjahr ausgesetzt sind und die ein Ausgangspunkt für vielfältige Fehlentwicklungen Jugendlicher ist. Als deutliche Folgen dieser frühkindlichen Erziehungsdefizite sind Jugendliche aggressiv, leiden unter Depressionen, Schul- und Existenzängsten, zeigen Leistungs- und Entscheidungsschwächen; unterwerfen sich selbstzerstörerischen, rigiden Anpassungszwängen und entwickeln sich zu unglücklichen Außenseitern.

Ich kann ihm nur zustimmen!

 

Rohrstaberl als Erziehungsinstrument

11 Gedanken zu “Rohrstaberl als Erziehungsinstrument

  1. kakadu3012 schreibt:

    Meine Mutter hat mich immer mit dem Teppichklopfer versohlt wenn ich fällig war.
    Da kamen die Hosen runter und der Klopfer hat ordentliche Arbeit geleistet!
    Danach fiel das Sitzen schwer!
    Wer kennt das auch?
    Würde mich über Austausch freuen.

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      1. Gerhard Josef Murke schreibt:

        strenge Erziehung kann furchtbar schmerzhaft sein, ich wurde mit der Dornenrute aus dem Rosenstrauch gezüchtigt, war eine blutige GESCHICHTE; die Spuren auf meinem Gesäß sind bis heute sichtbar !!! Bei jedem kleinsten Fehler gab es SCHLÄGE, für jede Minute zu spät nach Hause kommen waren automatisch 25 RUTENHIEBE angesetzt und dies bis ins Erwachsenenalter !!! Bei einer zehnminütigen VERSPÄTUNG hatte ich die Verpflichtung bis 250 HIEBEN mitzuzählen !!! So war das Leben am Bauernhof, ARBEIT UND SCHLÄGE; Geboren im Jahre 1955 !!! Es sorgten MUTTER und VATER gemeinsam für ZUCHT,ORDNUNG,LEISTUNG UND GENAUIGKEIT !!! Meinen NERVEN hat diese Erziehung gar nicht gut getan,aber aus mir ist zumindest ein anständiger MENSCH geworden !!! GOTT SEI DANK !!!

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      2. ich kann Ihnen nur gratulieren, dass Sie es zustande gebracht haben, ein ordentlicher Mensch zu werden! Und wenn Sie Kinder haben, werden sie diese sicher nicht züchtigen …

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  2. Gerhard Josef Murke schreibt:

    Sehr geehrte Frau Chorherr ! Ich danke Ihnen recht herzlich für die positive Rückmeldung ! Ich habe meine Kinder immer liebevoll behandelt, denn meine sehr negativen ERFAHRUNGEN dürfen sich niemals wiederholen !!! Es geht auch ohne RUTE,PRACKER,PEITSCHE und ROHRSTOCK !!! Ich habe das NEGATIVE ins POSITIVE umgewandelt und als LEHRER 35 Jahre lang zum SEGEN für die SCHÜLER gearbeitet !!! Das ist der größte ERFOLG meines LEBENS !!! Für meine Eltern war ich nur als LANDWIRT bestimmt, ein STUDIUM MIT AKADEMISCHEM ABSCHLUSS war in ihrer WELTSICHT nicht vorgesehen !!! Meine Bitte an alle LESER dieser ZEILEN: KINDER SIND DAS WERTVOLLSTE GUT, DAS ES ZU SCHÜTZEN UND ZU FÖRDERN GILT UND DIES OHNE JEDE FORM VON GEWALT !!! VIELEN HERZLICHEN DANK FÜR IHR BEMÜHEN !!! ……………………………..

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  3. Gerhard Josef Murke schreibt:

    Bitte niemals SCHLÄGE mit der DORNENRUTE ! Die gesundheitlichen Schäden sind einfach zu stark, vor allem wenn dann nach siebenhundert Hieben auch noch EINSPERREN im FINSTEREN KELLER dazu kommt ! Ich bin sehr froh, diese TORTUR überlebt zu haben !!!!!!! BITTE HÄNDE WEG VON GEWALT AN KINDERN !!!!!!!! Zur Klarstellung, um Missverständnissen vorzubeugen, ich war kein schlimmes Kind ! Ich hatte nur kreative Ideen zur besseren Lebensgestaltung, mit Hilfe meiner intensiven und hochmotivierten STUDIEN konnte ich diese Erlebnisse verarbeiten ! Was KINDER heute am meisten brauchen ist KOSTENLOSE FÖRDERUNG und nicht durch gewinnorientierte Nachhilfeinstitute ! Das RECHT AUF BILDUNG gebührt JEDEM KIND, unabhängig von der Brieftasche der Eltern ! FÜR EINE GUTE ZUKUNFT !!!!!!!!!!

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  4. Gerhard Josef Murke schreibt:

    Leider waren meine Eltern aufmerksame Bibelleser. Im Alten Testament finden sich eindeutige Anweisungen für strenge Erziehung. So ist zu lesen Zitat: “ Wer seinen Sohn liebt, spart mit der Rute nicht !“ Meine Eltern haben sich peinlich genau an das Wort Gottes gehalten. Ich hatte die besondere Aufgabe, mit nacktem Gesäß die Bibel bei ausgestreckten Armen auf meinen Händen zu tragen und gleichzeitig die Rute zu spüren !!! Was hat sich der Verfasser der Bibel dabei nur gedacht ? Kann dies tatsächlich der Wille Gottes sein ?

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  5. Gerhard Josef Murke schreibt:

    50 JAHRE VORMUNDSCHAFT sind genug, für mich begann ein freies Leben, vor allem ohne die entsetzliche DORNENRUTE ! Ich fühle mich wie neugeboren befreit aus der SKLAVEREI ! Unser GOTT ist tatsächlich ein LIEBENDER GOTT !!!

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