Erd- und andere Beeren

Jetzt gibt es Ananaserdbeeren in den Supermärkten, sie kommen aus Spanien und schmecken sogar „nach was“.

Aber: was ist das gegen Walderdbeeren! Als Kinder haben wir sie im Wald gesammelt – es dauert schon ein Weilchen bis man einen Becher voll gesammelt hat. Die Erdbeeren wuchsen in so genannten Schlägen, also in kürzlich abgeholzten Stellen im Wald, meist waren diese an Abhängen, die noch dazu steil waren.  So ganz ohne Mühe kam man daher nicht zu den Walderdbeeren. Außerdem warnte man uns vor Schlangen, die sich in diesen sonnigen Abhängen verstecken sollten. Mir ist keine untergekommen.

Wenn man dann endlich genug davon gesammelt hatte, ging es nach Hause, dort wurde aus dem Keller der Krug mit saurer Milch geholt und endlich konnte man die Erdbeeren schnabulieren.  Damals hatten wir keine Ahnung, dass diese Erdbeeren auch in germanischen Mythologie eine Rolle spielen, sie wird mit der Göttin Frigg (Freya) verknüpft, der Ehefrau von Wotan und Göttermutter. Uns ist sie als Namensgeberin des Freitags geläufig.  Sie soll die toten Kinder in Erdbeeren versteckt haben, um sie dann unentdeckt mit nach Walhall nehmen zu können. Einer Legende zufolge soll die Gottesmutter Maria einmal im Jahr vom Paradies auf die Erde herabsteigen, um dort Erdbeeren für die verstorbenen und nun im Paradies lebenden Kinder zu sammeln.

Aber in Märchen kommt die Erdbeere vor: Im Winter befiehlt die Stiefmutter ihrer Stieftochter, in einem Kleid aus Papier draußen Erdbeeren zu suchen. Im Wald begegnet das Mädchen drei Haulemännerchen in einem Häuschen. Es grüßt artig und teilt sein karges Brot mit ihnen. Sie lassen es hinter dem Haus den Schnee wegkehren, wo es Erdbeeren findet. Sie schenken ihr, dass es jeden Tag schöner wird, dass ihr beim Reden Goldstücke aus dem Mund fallen und dass ein König sie heiratet. Als sie heimkommt, will die neidische Stiefschwester auch Erdbeeren suchen. Weil sie aber unartig und böse ist, schenken ihr die Männlein, dass sie jeden Tag hässlicher wird, dass ihr beim Reden Kröten aus dem Mund fallen und dass sie unglücklich stirbt. Als das gute Mädchen auf Befehl der Stiefmutter an einem Eisloch Garn schlittert, begegnet es dem König, der es heiratet.

Als sie nach einem Jahr einen Sohn bekommt, machen Stiefmutter und -schwester einen Besuch. In einem unbeobachteten Augenblick stoßen sie die junge Königin aus dem Fenster in den Fluss. An ihrer Stelle legt sich die hässliche Stiefschwester ins Bett. Die Stiefmutter erzählt dem König, seine Frau liege im Schweiß, und daher käme wohl das mit den Kröten. Nachts sieht der Küchenjunge eine Ente durch die Gosse kommen. Sie spricht: König, was machst du? schläfst du oder wachst du? Als der Küchenjunge nicht antwortet, fragt sie weiter: was machen meine Gäste? sie schlafen feste! was macht mein Kindelein? es schläft in der Wiege fein.

Dann versorgt sie in Gestalt der Königin ihr Kind. Die dritte Nacht lässt sie ihn den König holen, dass er dreimal das Schwert über ihr schwingt, wodurch seine Frau wieder vor ihm steht. Die Stiefmutter lässt er unwissentlich ihr eigenes Urteil sprechen, wonach sie mit ihrer Tochter in einem mit Nägeln beschlagenen Fass in den Fluss gerollt wird. Soviel zu Erdbeeren m Winter.

Den herrlichen Duft und Geschmack der Walderdbeeren lassen wir hinter uns und wenden uns anderen Beeren zu.

Zuerst einmal die Himbeere. Auch die Himbeere wächst auf den schon für die Erdbeeren so typischen Schlägen. Aber, im Gegensatz u den Erdbeeren auf meist eher verfilzten Buschen, und diese sind mit Stacheln versehen. Eine meiner Tanten liebte die Himbeeren und sammelte sie überall, wo sie nur wuchsen. Vielleicht kam das daher, dass es in ihrem Garten viele Ribiselsträucher wuchsen und sie die Ribisel mit den Himbeeren zu einer köstlichen Marmelade verarbeitete. Jedenfalls kann ich mich daran erinnern, dass diese meine Tante und deren beide Kinder, die etwa älter als ich waren, sowie meine Mutter und ich einen Ausflug auf den Schneeberg gemacht hatten. Wir waren mit der Zahnradbahn hinaufgefahren und dann beschlossen zu Fuß hinunterzugehen. Sehr durchdacht war das alles nicht, jedenfalls war der Abstieg mühsam (die Fadenwände) und wir verspäteten uns zunehmend. Es wurde schon dämmrig als wir durch einen Wald gingen und auf eine Lichtung kamen – wo Himbeeren wuchsen. Meine Tante (die ansonsten die besten Schmalbrote der Welt machte), die immer ein Gefäß mit sich führte, das sich eignen würde, Beeren aufzunehmen, begann Himbeeren zu pflücken. Wir Kinder waren rechtschaffen müde und wollten nichts als „hinunter“. Damals soll ich den Satz gesagt haben, ich will nur weiter gehen und wenn wir in England herauskommen. „England“ war damals der „Feind“, und von Geographie hatte ich noch keine Ahnung. Wir kamen in der Dunkelheit hinunter, irgendwann nahm uns dann ein daherkommendes Pferdefahrzeug mit, an den Rest erinnere ich mich nicht mehr, da ich sofort eingeschlafen war.

Und neben den Himbeeren gibt es ja noch die Brombeeren, die sind noch stacheliger als die Himbeeren und außerdem werden sie auch erst im Herbst, und daher nicht mehr in den Ferien reif.  Über ihre Verarbeitung habe ich in der Familie nicht viel gehört, nur bei späteren Wanderungen zupften wir sie gerne von den Sträuchern. Gemeinerweise befanden sich die dunkelsten, reifsten immer in der Mitte, sodass man einige Kratzer in Kauf nehmen musste, um sie zu erreichen.

Und jetzt noch zu den Heidelbeeren. Die wachsen nicht in Pernitz, wo ich die anderen Beeren gepflückt habe, sondern in Pregarten im Mühlviertel – und natürlich an vielen anderen Orten.  Heidelbeeren waren etwas, dass uns half, die Hungerwinter nach dem Krieg zu überstehen. Also mussten sie gesammelt werden. Das allein machte sie nicht so besonders attraktiv für mich. Und das Sammeln im großen Stil ging folgendermaßen vor sich: eine Gruppe von Frauen mit ihren Kindern machten sich frühmorgens – wirklich früh – auf den Weg, in ein Gelände, wo es viele Heidelbeeren gab. Man führte ein Leiterwagerl mit, auf dem die Gefäße standen, die gefüllt werden sollten.  An diesem Tag regnete es, es war kühl. Nach einem Fußmarsch von etwa einer Stunde kamen wir in das angepeilte gebiet. Der Leiterwagen wurde abgestellt und die Frauen und Kinder verteilten sich im Heidelbeergebüsch. Dort war es nass, es tropfte von den Bäumen und gebückt pflückte man Heidelbeeren. Sobald ein Gefäß (in meinem Fall ein Häferl) gefüllt war, ging man zum Sammelplatz, um es auszuleeren. Heidelbeeren sind nicht sehr groß und es dauert lang, bis man so ein Häferl gefüllt hatte. Und ganz zu füllen galt es eine große Milchkanne (wie sie Bauern zum Abliefern ihrer Milch verwendeten). Also Spaß machte mir das überhaupt nicht, dazwischen gab es Butterbrote aus einer Proviantdose und Tee aus einer Thermoskanne. Zu Hause musste dann diese „Beute“ sofort entweder eingekocht (es gab aber kaum Zucker dafür), Kompott daraus gemacht werden oder die trocken gebliebenen Beeren wurden getrocknet.

Somit habe ich Heidelbeeren ein einigermaßen gestörtes Verhältnis, abgesehen davon, dass sowohl die Lippen als auch die Zähne blau wurden, sobald Heidelbeeren gegessen worden waren.

Es gibt noch viele Beeren, die in der freien Natur wachsen, aber zu denen habe ich keine besondere Beziehung entwickelt, bzw. sie auch nicht gerne gegessen.

Advertisements
Erd- und andere Beeren

Ein Gedanke zu “Erd- und andere Beeren

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s