Reiseerlebnisse gestern – und heute?

Gestern – als ich über den Nil geschrieben habe – habe ich daran gedacht, wie unbeschwert meine Generation eigentlich noch reisen konnte. Wir haben persönlich das Glück gehabt, viele Länder besucht zu haben. Jetzt habe ich mir die Liste „Reisewarnungen“ des Außenministeriums (bitte um Entschuldigung: BMEIA) angesehen.

Eine Warnung Stufe 6 – höchst-mögliche Stufe – besteht z.B. für Syrien. Wir waren mehrmals dort. Bei einem Besuch im Libanon (ebenfalls auf der Reisewarnungsliste, allerdings „nur eine partielle“ Warnung), mietete man sich einfach ein Taxi und fuhr nach Damaskus. Die Bekaa Ebene war prächtig im Frühjahr, die Wiesen grün, die Lämmer mit den Lämmchen weideten darauf, es gab gute Restaurants entlang des Weges. Und in Damaskus hatte man gerade so viel Zeit, dass man einen ausgedehnten Spaziergang durch den Basar machen konnte, der einfach bot, was das Herz begehrte. Jetzt hausen Flüchtlinge in Notunterkünften im der Bekaa Ebene. Wir sollten nie vergessen, dass ein Viertel bis ein Drittel der Bewohner des Libanon Flüchtlinge ist. Oder man konnte auch mit dem Miettaxi einen Ausflug in das damals noch unzerstörte Palmyra machen. Beim ersten Mal waren wir weitgehend allein, die Unterkunft war noch eher einfach, aber man konnte überall dazu, die Hirten trieben ihre Ziegenherden durch. Vereinzelt sah man ein paar Russen – die bauten damals in Syrien, gerufen vom dem damals herrschenden Baath-System. Leider ging’s mir damals nicht so gut – ich hatte in Beirut wahrscheinlich etwas Falsches gegessen (diverse Mezze, darunter auch junge knackige Radieschen und das darf man halt gar nicht) aber angesichts des überwältigenden Anblicks von Palmyra war auch das bald vergessen. Ich kann mich noch gut daran erinnern, auf dem Hinweg sind wir durch die Wüste gefahren und wir hatten das Glück, dass es gerade geregnet hatte und sofort war die Wüste zu einem Blütenteppich geworden.

Das zweite Mal waren wir mit einer Reisegruppe dort, schon unter vielen Touristen, man konnte nicht mehr alles betreten, das Hotel war ungleich luxuriöser geworden. Aber och immer übte die Königin Zenobia ihren Bann auf uns aus. Septimia Zenobia (* um 240; † 272/73) war von 267/68 bis 272 n. Chr. die Herrscherin Palmyras und des römischen Orients. Sie war die zweite Gemahlin des Exarchen der Oasenstadt Palmyra, Septimius Odaenathus. Nach Odaenathus’ Ermordung (267) dehnte Zenobia das palmyrenische Reich durch Eroberungen von unter römischer Herrschaft stehenden Ländern, so Arabien und Ägypten, weiter aus. Dies führte zum Konflikt mit Kaiser Aurelian, der sie in einem Feldzug 272 n. Chr. besiegte. Aufgrund widersprüchlicher Quellenangaben ist unklar, ob sie auf dem Transport nach Rom starb oder die Reise dorthin überstand und in Italien weiterlebte. Dass Zenobia Palmyra zu einer für Rom bedrohlichen Größe und wirtschaftlichen Blüte entwickeln konnte, macht sie zu einer der bekanntesten antiken Frauengestalten.

Was Syrien so faszinierend macht(e), ist die Tatsache, dass es Kulturdenkmäler aus vielen Epochen, gab und gibt. Unerhört faszinierend sind in dem Zusammenhang die Spuren der Kreuzritter, wie der hervorragend erhaltene Krak des Chevaliers. Ganz anders die christlichen Spuren: in Maaloula, wo z.T. noch aramäisch gesprochen wurde. Es ist das Thekla Kloster dort, dessen Wundertaten von Christen und Muslimen gesucht wurden. Zerstört, die Christen vertrieben. Großartig auch die St. Simeon Zitadelle. Ich glaube es handelt bei diesem Simeon (es gibt deren mehrere) um den Säulenheiligen. Dieses Konzept ist mir etwas unverständlich.  Dieser wurde 389 in Sisan, heute vermutlich Samandağ im Grenzgebiet zwischen Syrien und Kilikien geboren; gestorben ist er am 2. September 459 in Qal’at Sim’an). Er ging als erster christlicher Säulenheiliger in die Kirchengeschichte ein. Er lebte als Anachoret über mehrere Jahrzehnte auf einer Säule, um durch strenge Askese zu ständiger Gemeinschaft mit Gott zu finden. Simeon selbst hat keine Schriften verfasst; er konnte wahrscheinlich nicht lesen und schreiben.  Simeon war zunächst ein Schafhirte. Nach seinem Konversionserlebnis in einer Kirche lebte er zwei Jahre bei Asketen und ging dann in ein Kloster bei Tell ‚Ada. Dort lebte er zehn Jahre, verließ das Kloster dann, weil er durch zu extreme asketische Praktiken negativ aufgefallen war. Er ging nach Norden in die Gegend von Aleppo.  Dort verbrachte er drei Jahre auf dem Gipfel eines nahegelegenen Berges in einer Hütte. Daraufhin beschloss er, an derselben Stelle fortan unter freiem Himmel zu leben. Dort wurde ihm auch seine erste Säule errichtet, die er wohl gestiftet bekam. Sie war zunächst nur 2-5 Meter hoch, wurde jedoch bald erhöht, bis sie am Ende angeblich 40 Ellen (ca. 18 Meter) hoch war. Auf ihrer Spitze befand sich eine ca. 2 m² große Plattform. Die Quellen stimmen darüber überein, dass Simeon seine Säule nie wieder verließ und auf ihr lebte bis zu seinem Tode. Nach Simeons Tod (459) wurden dort 476-490 eine große Pilgerkirche und ein Baptisterium erbaut, genannt Qal’at Sim’an (die Festung Simeons).  Simeon galt als Heiliger, der durch konsequente Übung zu Gott gefunden hatte. Das Können und Wissen, über das er infolge dieser Übung verfügte, zeigte sich z. B. in seiner Fähigkeit zu heilen sowie darin, dass er zweimal täglich von der Säule herab lehrte, Fragen beantwortete, Segen erteilte und dergleichen mehr. Kaiser Theodosius II. stieg sogar auf die Säule, um sich von Symeon beraten zu lassen. Auf diese Weise hatte Symeon der Stylit erheblichen Einfluss auf Politik und Gesellschaft. Für die verfolgten Christen im Perserreich war er ein Symbol der Rettung, denn er trat für die Armen und Unterdrückten ein. Eine seine Forderungen war eine Zinsbeschränkung auf sechs Prozent.

An Aleppo habe ich nur schöne und gute Erinnerungen. Die Zitadelle, die Altstadt und wieder der Basar. Unwiederbringlich verloren.

In Damaskus: Die Umayyaden-Moschee, sie ist (war) eine der ältesten Moscheen der Welt. In vorislamischer Zeit wurde sie als eine Johannes dem Täufer geweihte, frühbyzantinische Kathedrale errichtet. Im späten 4. Jahrhundert n. Chr. wurde hier ein dem Gott Jupiter geweihter römischer Tempel durch eine christliche Basilika ersetzt, in der gemäß der Überlieferung der Kopf Johannes‘ des Täufers aufbewahrt wurde. Nachdem sich während der arabischen Eroberung Damaskus im Jahr 636 den Muslimen ergeben hatte, diente das Gebäude noch ungefähr 70 Jahre sowohl Christen als auch Muslimen als religiöse Kultstätte.  Zerstört! So wie die Altstadt von Damaskus, wo wir noch die Derwische tanzen sahen!

 

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