Gehört der Islam zu Europa? Ja, aber ……

Allenthalben wird neuerlich die Frage gestellt: Gehört der Islam zu Europa. Ich meine, dass da differenziert werden muss. Denn „der Islam“ ist weit mehr als eine Religion.  Enthalten sind z.B. auch eine Staatsform (Kalifat), aber auch rechtliche Aspekte (Scharia), der Dschihad, die Dawa (Missionierung) und das gehört nun nicht so sehr zu Europa. Wir können auch das Konzept des Dar al-Islam (Haus des Islams) und seinen Gegenbegriff Dar al-Harb („Haus des Krieges“) nicht als europäisch akzeptieren. Gebiete, die nicht von der Umma kontrolliert werden, gelten als Dar al-Harb. Aus politischen und ideologischen Gründen wird der Dar al-Islam auch als Dar as-Salam („Haus des Friedens“) bezeichnet. Die Bewohner des Dar al-Islam sind entweder Muslime oder aber so genannte Dhimmis, Schutzbefohlene minderen Rechts. Nichtmuslime aus dem Dar al-Harb müssen einen zeitweiligen Schutzvertrag (Aman) abschließen, wenn sie den Dar al-Islam betreten wollen, da sie als so genannte Ḥarbis sonst keine Rechte hätten, nicht einmal das Recht auf Leben. Nach klassischer Lehre dürfen Polytheisten im Dar al-Islam dazu gezwungen werden, den Islam anzunehmen.

Ich glaube, dass wir uns alle einig sind, dass auch der Islamismus (wobei ich zugebe, dass die Abgrenzung schwer ist) in seiner extremen Form ebenfalls nicht zu Europa gehören darf.

Daher kann es keine einfache Antwort auf die Frage:“ Gehört der Islam zu Europa“ geben.  Heute möchte ich nur einen Aspekt des Islam herausgreifen, die meines Erachtens auch nicht zu Europa gehören soll:

Taqiyya (Furcht, Vorsicht) ist ein bei verschiedenen schiitischen Gruppen geltendes Prinzip, wonach es bei Zwang oder Gefahr für Leib und Besitz erlaubt ist, rituelle Pflichten zu missachten und den eigenen Glauben zu verheimlichen. Taqiyya gilt Schiiten auch als das „Gute“, mit dem man laut 28:54 Böses abwehrt. Die Notwendigkeit der schiitischen Gruppen, ihren Glauben zu verheimlichen, erklärt sich aus den Verfolgungen durch sunnitische Herrscher, unter denen sie standen. So entwickelten die Schiiten schon früh ihre Doktrin von Taqiyya. Der erste Muslim, der nach schiitischer Auffassung Taqiyya betrieben hatte, war der Schwiegersohn des Propheten. Mit seiner Anerkennung der ersten drei Kalifen, die ihm nach schiitischer Auffassung fälschlicherweise das Amt des Kalifen vorenthielten, habe er Taqiyya begangen.

Der elfte Imam wird mit dem Ausspruch zitiert: „Ein Gläubiger, der die Taqiyya nicht übt, ist wie ein Gläubiger ohne Kopf.“ Aber schiitische Minderheiten im Nahen Osten sehen sich mit Verweis auf Taqiyya noch immer schnell der Lüge bezichtigt.

Im sunnitischen Islam ist das Konzept zwar ebenfalls bekannt, doch hat es nicht in der Allgemeinheit Anwendung gefunden und wurde oft auch abgelehnt. Verheimlichung des eigenen Glaubens in Gefahrensituation gilt jedoch meist als zulässig. Der große Unterschied ist, dass Taqiyya im schiitischen Islam eine „unerlässliche Pflicht“ darstelle, während es im Sunnitentum  „als Konzession für die Schwächeren“, gelte.

Die nachfolgenden Koranstellen werden stets unter dem Vorbehalt einer Gefahr für das Leben eines Muslims gedeutet:

„Die Gläubigen sollen sich nicht die Ungläubigen anstatt der Gläubigen zu Freunden nehmen. Wer das tut, hat keine Gemeinschaft (mehr) mit Gott. Anders ist es, wenn ihr euch vor ihnen (d.h. den Ungläubigen) wirklich fürchtet.“

Und

„Diejenigen, die an Gott nicht glauben, nachdem sie gläubig waren außer wenn einer (äußerlich zum Unglauben) gezwungen wird, während sein Herz (endgültig) im Glauben Ruhe gefunden hat, nein, diejenigen, die (frei und ungezwungen) dem Unglauben in sich Raum geben, über die kommt Gottes Zorn (w. Zorn von Gott) und sie haben (dereinst) eine gewaltige Strafe zu erwarten.“

Ist Taqiyya eine Strategie, mit welcher das islamfeindliche Milieu Muslime außerhalb des demokratischen Dialogs stellen und in Anspruch nehmen, erklären zu können, was die wahre Absicht von Muslimen sei. Damit würden Islamfeinde die Stimmen von Muslimen in einer demokratischen Gesellschaft ersticken und die Macht über Muslime an sich reißen. Denn der Vorwurf von Taqiyya könnte nämlich davon zeugen, dass überhaupt kein Interesse besteht, Muslime anzuhören.

Muslime dürfen nur in äußersten Notsituationen ihren Glauben verheimlichen, ein Beispiel dafür findet sich in der Reconquista: im Zuge derer Muslime unter Zwang das Christentum annahmen, Schweinefleisch aßen oder – wenn überhaupt – im Geheim ihre Rituale durchführten, um ihr Leben zu retten. Damit wäre Taqiyya keine Strategie, sondern Notwehr. Da Islamfeinde in Europa behaupten, dass Islam in ihrer Gesellschaft keinen Platz hätte, werfen sie jedem Muslim, der dem widerspricht oder den Islam nicht extremistisch auslebt, vor, Taqiyya zu betreiben. Die Tatsache, dass diese gezielte Missinterpretation von Taqiyya Einzug in die Mehrheitsgesellschaft hält, ist alarmierend. Im islamfeindlichen Diskurs wird die Taqiyya oft als „Pflicht zur Lüge“ und Verstellung interpretiert, die Muslimen angeblich geboten sei. Eine demokratische Gesellschaft muss sich gegen die „Diffamierung“ einer religiösen Minderheit genauso wehren, wie sie sich gegen fundamentalistische Feinde wehrt.

„Wisse, dass die Lüge in sich nicht falsch ist. Wenn eine Lüge der einzige Weg ist, ein gutes Ergebnis zu erzielen, ist sie erlaubt. Daher müssen wir lügen, wenn die Wahrheit zu einem unangenehmen Ergebnis führt.“ Meinte schon Al Ghazzali (1059-1111), einer der bedeutendsten Theologen des Islam.

Daher: Muslime leben in Europa, sie haben das Recht ihre Religion auszuüben, aber nicht jene Teile des Islam, die in Konflikt mit der jeweiligen Ordnung in den einzelnen Staaten in Europa sind.

Gehört der Islam zu Europa? Ja, aber ……

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