Fröhliche Ostern

Viele Ostern habe ich schon erlebt. Ein Osterfest ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Ostern 1945. Der Ostersonntag fiel, genauso wie heuer, auf den Ersten April.  Das Wetter war schon frühsommerlich und warm. Die Bäume waren schon in voller Blüte. Der krieg neigte sich dem Ende zu. Deutsche Soldaten warfen ihre Waffen weg, verließen Fahrzeuge, bei denen der Treibstoff ausgegangen war, man versuchte zivile Kleidungsstücke von der Bevölkerung zu erbetteln und bot Uniformen dafür. Wesentlich war für die fliehenden Soldaten nicht in russische Kriegsgefangenschaft zu geraten, sondern zu den Amerikanern durchzukommen um sich dort zu ergeben. Das liebste Ziel der Soldaten war es, nach Hause zu kommen und sich dort zu verstecken. Das konnte ich damals im Mühlviertel ich war gerade 10 Jahre alt, verfolgen.

Die Bombardierungen hatten aufgehört, die Tiefflieger, die so gefürchtet waren, flogen jetzt woanders. Es war Ostersonntag, ich hatte mein sehr gehütetes Sonntagsgewand angezogen (einen Schottenrock mit weißer Bluse, alles schon ein bisserl knapp und kurz und wollte in den Ort (Pregarten) gehen. Wir wohnten etwas außerhalb in einer Hammerschmiede an der Aist. Meine Mutter erlaubte mir nicht, das Haus zu verlassen, das „warum“ verstand ich damals nicht – und war ziemlich enttäuscht.  Ostereier hatten wir ein paar (sie waren mit Zwiebelschalen gefärbt worden). Dann wäre ich gerne an den Fluss spielen gegangen – auch das wurde mir verboten. Ich begriff einfach nicht, worin eine Gefahr bestehen könnte.

Ein paar Jahre später verbrachte ich die Osterferien bei meiner Tante in Pernitz. Damals fand die Auferstehungsprozession schon am Samstag am Nachmittag statt. Vorher musste noch der Kies im Vorgarten ordentlich gerecht werden, dann wurden die Kinder in der Waschküche gebadet und erst dann durften wir an der Prozession teilnehmen. Jeder trug sine neues Gewand, man musterte einander eher streng. In Pernitz gab es meine um 4 Jahre ältere Cousine.  Auch damals war das Wetter zu Ostern warm und sonnig. Die Freunde und Freundinnen meiner Cousine Erna hatten eine Wanderung auf das Waxeneck geplant. Sehr zu ihrem Missvergnügen musste meine Cousine mich mitnehmen, ich allerdings war begeistert.

Dann kam meine Alpenvereinszeit. Da wurden zu Ostern noch einmal die Schier ausgepackt, wir fuhren eher ins Hochgebirge, denn dort war die Schneelage noch gut. Entweder waren wir in einer der Hütten stationiert oder wir hatten eine Selbstversorgerhütte gemietet. Dorthinauf musste alles mitgenommen werden, was benötigt wurde, Essen vor allem, aber auch Holz zum Heizen. Am häufigsten gab‘s dann dort Erbswurstsuppe und Ostereier. Wasser wurde durch Schneeschmelzen gewonnen. Tagsüber wurden Touren unternommen – mit den Fellen an den Schien stiegen wir an, um dann bereits etwas erschöpft herunter zu fahren.

Während meiner Studienzeit hatte ich ein Jahr in Kalifornien in den USA verbracht. In der Karwoche hatten wir – einige ausländische Studentinnen – spanische Missionen im südlichen des Staates besucht.  Sie waren zwischen 1769 und 1823 von Franziskanern errichtet worden. Nach europäischen Maßstäben noch nicht sehr alt! Die Missionsstationen waren die ersten europäischen Niederlassungen in Alta California und ein Meilenstein im Vordringen der europäischen Kolonialmächte im amerikanischen Nordwesten. Am Ostersonntag war ich dann schon zurück in Fresno, im ziemlich leeren Studentenheim, und da, bei der Ostermesse, packte mich dann zum ersten und einzigen Mal wirkliches Heimweh.

Ein andermal fuhr ich über Ostern nach Paris, Ich kann mich erinnern, dass es heiß und sonnig war. Alle die Museen, die ich mir vorgenommen hatte, habe ich nicht besucht, weil es so schön war, die Zeit im Freien zu verbringen. Die Kastanienbäume blühten, jeder der Parks und Gärten war eine Pracht. Museen kamen dann bei späteren Besuchen zum Zug.

Während meines Semesters in Nancy fuhr ich während der Osterferien nach Luxembourg. Damals wollte ich mich schon erkundigen, ob ich eine Chance hätte, nach dem Abschluss meines Studiums für Europäische Behörden zu arbeiten, es war nach dem Abschluss der Römischen Verträge und die Europäische Gemeinschaft (der Sechs) begann sich zu entwickeln.   Da Österreich kein Mitglied wein würde, gab es für mich auch Chance. Das war zwar einigermaßen enttäuschend, aber Luxembourg – Überreste der Festung, großherzoglicher Palast, Kathedrale – haben mir dennoch gut gefallen. Als Ostergeschenk hatte mir meine Mutter einen handgestrickten Mantel nach Nancy geschickt.

Als unser Häusl in Pernitz errichtet wurde und gerade im Rohbau stand, sind wir zu Ostern dorthin gefahren – es war alles verschneit. Die meisten Ostern haben wir in den vielen darauffolgenden Jahren mit den Kindern in Pernitz verbracht. Mich hat immer schon fasziniert, dass die Glocken zu Ostern nach Rom fliegen – aber dafür kamen dann die Ratschenbuben. „Wir ratschen, wir ratschen zum englischen Gruß, damit ein jeder Christ beten muss. Fallet nieder auf eure Knie, betet ein Vaterunser, drei Ave Marie“, so „sangen“ sie und erhielten am Ende kleine Geschenke. Jetzt kommen sie leider nicht mehr, meine Enkelkinder kenne diesen Brauch nicht mehr!

Jetzt werden die Altäre nicht mehr mit lila Tüchern verhängt, sondern es sind z.T. wunderschöne (alte und neue) Fastentücher im Einsatz. Besonders die Michaelerkirche in Wien überrascht jedes Jahr damit. Die Auferstehungsfeiern wurden zuerst in den Abend verlegt und dann später in die frühen Morgenstunden. Jetzt werden die Ostereier nach den Messen an die Gläubigen verteilt.

Auch Ostern hat sich verändert. Jedenfalls: Fröhliche Ostern!

Fröhliche Ostern

4 Gedanken zu “Fröhliche Ostern

      1. Oder überhaupt umherziehende Soldaten.

        Weißt Du, es ist ja hier in der BRD eher nicht Allgemeinwissen, daß auch Österreich unter Viermächte-Kommando stand nach dem Krieg. Wenn ich mich richtig erinnere, wurde es im Geschichtsunterricht der DDR-Schulen kurz behandelt.

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      2. In der Gegend, in der ich damals lebte Mühlviertel, zogen zuerst die Amerikaner ein, dann aufgrund territorialer Abmachungen wurden sie von den Russen abglöst. und das war dann ein Schock, dfie Russen blieben dann 10 Jahre (wie die anderen 3 Mächte auch). In Wien lebte ich in der amerikanischen Zone. In der Inneren Stadft, wo ich jetzt wohne, lösen die 4 einander ab.

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