Metamorphosen

Manchmal kommt mir ein Wort in den Sinn, ich kann nicht sagen warum, aber es geht nicht weg. Heute sind es „Metamorphosen“. Vielleicht wurde das durch die vielen Veränderungen in meiner Stadt ausgelöst. Damit meine ich jetzt nicht so sehr die neuen Stadtteile die entstehen, auch nicht die Fassadenneovierungen oder Dachausbauten die allenthalben sprießen, ich meine wie oft die Geschäfte ihren Besitzer und damit ihr Angebot verändern. Konkret heißt das: ich brauche einen neuen Pass und dafür benötigt man ein Photo, ohnedies jenes, auf dem man letztendlich ausschaut, wie ein Kettenhund, die grad einen Angriff startet. Dafür eignet es sich dann für die Gesichtserkennung, ich weiß nicht mir das gefällt. Na jedenfalls, in dem Geschäft, ein kleiner Laden ganz in meiner Nähe hier, in dem bisher derartige Photos gemacht worden waren, ist jetzt ein schickes Modegeschäft. Dafür steht ein Apparat in der Nähe, wo man seine Abbildung selber machen kann, dass wollte ich aber nicht. Der kleine Handy-Tandler, der alle Art von Reparaturen durchführt, die die Hersteller Firmen ablehnen, damit man ein neues Handy kauft, und der auch solche Photos gemacht hat, hat seinen Laden auch dichtgemacht. Eine Kette, wohin man sich früher wenden konnte, ist inzwischen in die Pleite gerutscht. Ich habe dann ein Photogeschäft gefunden, bei dem zwar eher erotische Photos ausgestellt sind, daher betrat ich das Geschäft eher zögerlich – aber die Passphotos wurden gemacht.

Heute ging ich an einem ehemaligen Geschirrgeschäft vorbei, wo man wirklich alles bekommen konnte, was man so in der Küche braucht, eine Fundgrube, sogar ein „ehem. k. und k. Hoflieferant“ (steht noch über der Tür), jetzt ist alles zugeklebt und steht leer (wahrscheinlich war die Miete bei Besitzerwechsel zu hoch). Dabei bin ich auch durch das elegant umgestaltete Viertel um die Tuchlauben gegangen, das so genannte Goldene Quartier, aber da ist es recht still, es fehlt die äußerst zahlungskräftige Kundschaft. Neulich habe ich über die Bank Austria geschrieben – das ehemalige CA-Gebäude. Der wunderschöne Kassensaal wird die Filiale eines Lebensmittelgeschäftes (Spar). Mir blutet das Herz!

Zurück zu den Metamorphosen: das kann eine Menge bedeuten (nicht nur Veränderungen in der Stadt).

  • Metamorphose (Botanik), evolutionäre Anpassung einer Pflanze an ihre jeweiligen Umweltbedingungen. Sogar Goethe hat sich mit dem Thema befasst: Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklären
  • Metamorphose (Geologie), Umwandlung der mineralogischen Zusammensetzung eines Gesteins durch geänderte Temperatur- und/oder Druckbedingungen
  • Metamorphose (Glaziologie), Metamorphose des Schnees hin zu Gletschereis
  • Metamorphose (Musik), komplexe Verwandlungen eines musikalischen Themas
  • Metamorphose (Mythologie), in der Mythologie den Gestaltenwechsel oder die Verwandlung einer Gottheit, eines mythischen Wesens oder eines Menschen, seltener von Tieren oder Objekten

Vielen von uns sind die Metamorphosen des Ovid vertraut aus dem Lateinunterricht, geschrieben vermutlich ab dem Jahr 1 oder 3 n. Chr. bis um 8 n. Chr., sie sind ein in Hexametern verfasstes mythologisches Werk über Metamorphosen („Verwandlungen“). Sie beschreiben die Entstehung und Geschichte der Welt in den Begriffen der römischen und griechischen Mythologie. Ovid wählt die in Mythen häufig anzutreffenden Verwandlungsgeschichten zum Thema, in denen meist ein Mensch oder ein niederer Gott in eine Pflanze, ein Tier oder ein Sternbild verwandelt wird. Das Werk beginnt mit der Entstehung der Welt aus dem Chaos und einer großen Flut, die nur ein Menschenpaar (Deukalion und Pyrrha) überlebt, und es endet mit der Verwandlung von Caesars Seele in einen Stern.

Das Buch „Die schönsten Sagen des klassischen Altertums“ von Gustav Schwab habe ich mehrmals und mit Vergnügen gelesen. In meiner Jugend bewunderte ich die starken Helden, z.B. Achilles, von dem ich nun meine, dass er eigentlich ein eitler, eigensinniger Kerl gewesen sein muss.

Aus heutiger Sicht, jetzt bin ich schon alt geworden, gefällt mir die Sage von Philemon und Baucis wohl am besten:

„In einem Dorfe voll wohlhabender Einwohner lebte ein armes, aber zufriedenes und durch Eintracht und Liebe glückliches Ehepaar, Philemon und Baucis. Zu jenem Dorfe wandelten einst in Menschengestalt Zeus und Hermes, wie bisweilen die Himmlischen taten, um die Sterblichen zu versuchen. Die Götter klopften an alle Türen, bittend um Aufnahme für eine Nacht, doch keine öffnete sich. Nur die Ärmsten des Orts nahmen die Fremdlinge auf, und trugen willig herbei, was ihre Dürftigkeit vermochte. Dankbar segneten die Götter das frugale Mahl, und immer von Neuem füllte sich von selbst der Weinkrug. Da erkannten die Gatten, dass ihre Gäste Unsterbliche seien, und beteten sie an. Nun offenbarte sich der Gott der Götter gnädig und zürnend zugleich. Er führte die alternden Gatten auf einen Hügel, von dem sie sahen, wie schwellende Wasserfluten heranbrausten und alle Häuser des Ortes und alle Bewohner verschlangen. Nur die Hütte des gastlichen Paares blieb stehen, und wölbte sich zum säulengetragenen Göttertempel. In diesem ferner den Göttern dienen zu dürfen und dann vereint zu sterben, ist Alles, was Philemon und Baucis erflehen, und gnädig gewährte der Göttervater diese fromme Bitte. Lange Jahre lebten als treue Hüter des Tempels die beiden Treuverbundenen, bis ihnen im hohen Greisenalter das Ende nahte. Aber Keines von beiden sah das Andere sterben, sondern zugleich wurden beide in starke Bäume, Philemon in eine Eiche, Baucis in eine Linde verwandelt, die vor dem Tempeleingang standen; und so umfingen sie einander mit dem Gezweig noch liebend nach der Verwandlung, und es rauschte das Lob der Gottheit durch die flüsternden Blätter.“

Die Sage entspricht zwar nicht den christlichen Vorstellungen von der Sintflut und vom Leben nach dem Tode, sie berührt dennoch!

So viel heute zu den Metamorphosen!

Metamorphosen

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