Haben Bomben je den Frieden gebracht?

Natürlich berührt mich das Bombardement von Syrien durch die USA, Großbritanniens und Frankreich. Wird es Frieden für Syrien bringen? Ich habe nur den Eindruck, dass diese drei westlichen Staaten zeigen wollten, dass sie es nicht tolerieren, das Giftgas eingesetzt wird. Ist dieser Einsatz überhaupt bewiesen?  Jedenfalls bin ich nicht überzeugt, dass dieses Bombardement irgendetwas in Syrien verändern hat oder verändern wird.

Die Ausnahme von dieser meiner „Theorie“ sind zwei Bomben, die eine große Veränderung gebracht haben: die Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki. Sie führten zum Ende des Krieges zwischen den USA und Japan.

Di vielen anderen Bomben, die auf zivile Ziele im Zweiten Weltkrieg gefallen sind, haben nur Tod, Zerstörung und Verzweiflung gebracht. Und der Widerstand der Zivilbevölkerung wurde dadurch nicht gebrochen. Ich habe das als Kind, zumindest am Rande erlebt. Der strategische Bombenkrieg der 1940er-Jahre hat etwa 600 000 Menschen das Leben gekostet. Die Zerstörung deutscher Städte war demnach militärisch ineffizient.

Gehen wir in der Zeit etwas zurück: Im Jahr 1912 – also noch vor Beginn des Ersten Weltkriegs – entwickelte der bulgarische Hauptmann Simeon Petrov ein Gerät, um die erst seit wenigen Jahren in Betrieb befindlichen Motorflugzeuge als Angriffswaffe nutzbar zu machen: die Fliegerbombe. Erstmals kamen in diesem Ersten Weltkrieg die neuentwickelten Bomber-Flugzeuge sowie Militärluftschiffe für Angriffe auf Ziele im gegnerischen Hinterland zum Einsatz. Dabei wurden neben Angriffen auf militärische Ziele vermehrt auch Angriffe zur Terrorisierung der feindlichen Zivilbevölkerung als Mittel der Kriegsführung genutzt. Unter anderem war London häufiges Ziel deutscher Bomber- und Zeppelinangriffe.

In den 1920er-Jahren war es der italienische General Giulio Douhet, der eine Theorie des hemmungslosen Bombardements entwickelte und damit die Totalisierung des Krieges predigte. Systematische Luftangriffe auf das Hinterland des Feindes sollten Angst, Zerstörung und Tod bringen. Davon versprach Douhet sich den moralischen Zusammenbruch der Bevölkerung, was eine schnelle Beendigung des Krieges ermöglichen würde. Da aber den Luftwaffen die Möglichkeiten für einen strategischen Luftkrieg fehlten, entwickelten sie die Doktrin der taktischen Luftangriffe, welche die Bodentruppen unterstützen sollten.

Die Bombardierung von Städten wurde als Mittel der Kriegführung gleich zu Beginn des Zweiten Weltkrieges im Polenfeldzug von der deutschen Luftwaffe am 1. September 1939 gegen Wieluń mit 87 deutschen Sturzkampfflugzeugen eingesetzt. 70 Prozent der Stadt wurden zerstört. Danach folgte der Angriff am 13. September 1939 auf Frampol und anschließend die Schlacht um Warschau in Kombination mit Artilleriebeschuss durch das Heer. Beim schweren Bombardement mit Sprengbomben durch die deutsche Luftwaffe auf die niederländische Stadt Rotterdam am 14. Mai 1940 starben 814 Einwohner. Selbst als Deutschland die erste strategische Luftoffensive des Krieges gegen Großbritannien eröffnete, waren anfänglich das Töten von Zivilisten und die Verbreitung von Terror sekundär gewesen: Vielmehr war zunächst die Erringung der Luftherrschaft das Ziel, um die Invasion Englands zu ermöglichen. Nach dem Scheitern dieses Plans wurde durch die Zerstörung von Verkehrswegen und Hafenanlagen eine Art Wirtschaftsblockade aus der Luft angestrebt. Zivile Opfer wurden dabei in Kauf genommen – es waren Tausende.

Dem Alliierten Bombenkrieg über Europa, also den Briten und lange Zeit auch der US-Airforce, fehlten zunächst die notwendigen Mittel. Dabei drängte Churchill auf rücksichtslose strategische Bombenangriffe auch gegen zivile Ziele. Arthur Harris versprach zu liefern. Es kam zu der Entscheidung der britischen Militärs, verstärkt Brandbomben und Luftminen über dicht bebauten Stadtgebieten Deutschlands abzuwerfen, um so einen Feuersturm zu entfachen. Bis Ende 1943 mussten die Alliierten gegen die kampfstarke deutsche Luftverteidigung schwerste Verluste hinnehmen. Dennoch kam es zu Massenangriffen. Der erste Angriff, der nach der Area Bombing Directive durchgeführt wurde,

war der Luftangriff auf Lübeck am 29. März 1942. Ihm folgten Luftangriffe auf das Ruhrgebiet und im Mai 1942 der erste sogenannte „Tausend-Bomber-Angriff“ auf Köln (Operation Millennium). Hamburg wurde in der Operation Gomorrha im Juli und August 1943 Ziel der opferreichsten Luftangriffe auf Deutschland während des Krieges. Diese und die Luftangriffe auf Dresden im Februar 1945 durch die Royal Air Force waren perfektionierte Flächenbombardements mit 40 bis 60 Prozent Stabbrandbomben. Wesentlich bei dieser Strategie war auch, nicht nur Brandbomben zum Einsatz zu bringen, sondern auch die Straßen (und Wasserleitungen) zu zerstören, um Löschfahrzeuge und Rettungseinsätze zu verhindern. Die gewünschten Feuerstürme forderten daher sehr viele Menschenleben. Der prozentual an Menschenverlusten größte britische Luftangriff war der Luftangriff auf Pforzheim am 23. Februar 1945, das damals 65.000 Einwohnern hatte. Von diesen kamen bei einem einzigen 22-minütigen britischen Luftangriff 20.277 Einwohner (31,2 %) ums Leben.

Die Amerikaner verfolgten eine andere Vorgehensweise. Sie griffen primär wirtschaftliche und militärische Ziele bei Tag an. Dafür zahlten sie einen hohen Preis und erreichten eher wenig. Harris hingegen befahl Massenangriffe bei Nacht, deren Zweck angesichts der Zielungenauigkeit in der Vernichtung von Arbeitskräften lag, um so die deutsche Kriegswirtschaft entscheidend zu treffen.

Aber diese Methode lieferte außer massenhafter Zerstörung, Tausenden Toten und unsäglichem Leid wenig Ertrag. Die deutschen Luftschutzmaßnahmen, behördliche Hilfe für die Betroffenen, die Einsatzbereitschaft der Bevölkerung und der Terror des NS-Regimes hielten Wirtschaft und Kriegsmoral aufrecht. Harris verkannte zudem, dass das NS-Regime sogar bereit war, das eigene Volk zu opfern. Erst im Sommer 1944, als die US-Luftwaffe systematisch die deutsche Luftwaffe und deren Treibstoffversorgung niederkämpfte, errangen die Alliierten die Luftherrschaft über Deutschland und konnten nun gnadenlos bombardieren. Die erfolgreiche Landung in der Normandie verschaffte den Bomberflotten zusätzlich freie Hand. Die Angriffe auf deutsche Städte zwangen letztlich die NS-Führung dazu, enorme Ressourcen, die an der Front dringend benötigt wurden, zur Luftverteidigung umzuleiten.

Ich habe es erlebt, den „Kuckuck“, der im Radio mitteilte, dass Bomberstaffeln im Anflug wären, die heulenden Sirenen, die die Menschen dazu aufforderten, in den nächstgelegenen Luftschutzraum zu laufen. Zu Hause gab es ein Köfferchen, in dem die wichtigsten Dokumente aufbewahrt wurden, dieses Köfferchen wurde dann immer in den Luftschutzkeller mitgenommen. Wir Kinder waren angehalten worden, beim Schlafengehen immer die vollständige Kleidung neben unserem Bett herzurichten, um möglichst rasch in den Keller kommen zu können. Und dann unten im Keller, man hörte das Sirren der fallenden Bomben, die Erschütterung, wenn sie einschlugen. Aus der Schwere der Erschütterung konnten manche abschätzen, in welcher Entfernung die Bomben gefallen waren. Wenn es dann wirklich schon in der Nähe war, fing auch der Putz von der Decke und den Wänden zu rieseln an. Im Keller lebte man immer mit der Angst „verschüttet“ zu werden. Wenn ich mich erinnere, kommt mir wieder das Grauen dieser Zeit in Erinnerung.

Ich fürchte, diejenigen Personen, die jetzt über einen Bombeneinsatz entscheiden, haben keine Bombenangriffe selbst erlebt, darum können sie so zynisch darüber entscheiden, was und wer getroffen werden soll.

 

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Haben Bomben je den Frieden gebracht?

11 Gedanken zu “Haben Bomben je den Frieden gebracht?

      1. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hat Verständnis für den westlichen Militäreinsatz in Syrien geäußert, der eine Reaktion auf den jüngsten Chemiewaffen-Einsatz in dem Land sei. Zugleich forderte er, eine weitere Eskalation zu verhindern.
        „Dieser jüngste Angriff mit Chemiewaffen gegen die Zivilbevölkerung war schockierend und ist auf das Schärfste zu verurteilen. Angesichts der Blockade des UN-Sicherheitsrates habe ich Verständnis für diese begrenzte militärische Aktion mit dem Ziel, weitere Kriegsverbrechen mit Chemiewaffen in Syrien zu verhindern“, so der Bundeskanzler in einer der APA am Samstag übermittelten Stellungnahme.

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