Das Wandern, meine Lust

Schon als Kind bin ich mit meinen Eltern, mit meinen Verwandten in der Gegend von Pernitz viel gewandert. Damals hatte man kein Auto, das einen zuerst zum Beginn der Wanderung brachte und hinterher am Ziel abholte, es gab also nur Rundwanderungen. Aber ausgerüstet mit Thermosflasche und Proviantdose erachtete man das nicht als Problem. Ein besonders beliebter Weg führte für uns Kinder über die vielen Brücken und Stiegen der Myrafälle, man wurde vom rauschenden Wasser angespritzt. Dann ging’s weiter zum Jagasitz, wo man einkehrte und ein Kracherl bekam. Unterwegs konnte man manchmal Gämsen sehen, wenn man nicht zu laut war. Nach den Erfrischungen ging’s ins dustere Türkenloch und die Steinwandklamm hinunter über Leitern und auf gesicherten Steigen. Dann aber musste man wieder hinauf und vom Jagasitz führte dann ein direkter Weg nach Hause.

Später, als wir schon etwas größer waren, gings allein zu den Myrafällen, die wir, wenn das Wasser für die Gewinnung der Elektrizität abgeleitet worden war, durchklettern konnte.

Viel, viel später feierten wurde einer meiner Enkeltöchter mit Mirawasser am Weiher am Fuß der Myrafälle getauft.

Steinwandklamm

Die Steinwandklamm, nahe Weißenbach an der Triesting wurde 1884 touristisch erschlossen. Die Klamm wird von einem Bach, der am Almesbrunnberg (1079 m) entspringt, durchflossen. Abhängig von der Wasserführung rauscht es in der Klamm gewaltig bis gar nicht, die Durchquerung ist wegen der Felsszenerien, der Stege und Treppen und Leitern beeindruckend. Auf diesem Steig kommt man in mehrere nebeneinander liegende kleinere Durchgangshöhlen, wobei die größte als Wildschützenloch bezeichnet wird, und etwas höher, das sogenannte „Türkenloch“, eine Durchgangshöhle mit rund 20 Meter Länge.

Türkenloch

Der Name ist von einem schaurigen Ereignis abgeleitet, das sich zur Zeit der Türkenbelagerung 1683 abgespielt haben soll. Leute der Umgebung hätten sich in der Höhle vor den Türken versteckt. Der aufsteigende Rauch von Kochfeuer soll sie jedoch verraten haben. Sie wurden dadurch von den Türken entdeckt, verschleppt oder getötet. Archäologische Grabungen im Jahr 1981 bargen Münzen, Tonscherben sowie Knochen und sollen diese geschichtliche Überlieferung bestätigen. Der Ausstieg aus der Klamm erfolgt auf einer Hochfläche mit einer Höhe von rund 750 Meter. Über einen Waldweg gelangt man zum Kreuthsattel (Gasthaus Jagasitz, 710 m). Von dort kann man über einen zurück zum Ausgangspunkt wandern oder nach Muggendorf zu den Myrafällen.

Myrafälle

Diese Klamm wird vom Myrabach gebildet, einem kleinen Nebenfluss der Piesting. Die Myra entspringt am Fuße des Unterbergs aus der sagenumwobenen Myralucke, einer Quelle, die vom Grundwasser des Unterbergs gespeist wird. Obwohl die Myra nur wenige Kilometer lang ist, trieb sie früher viele Mühlen und Sägewerke im Myratal.

1898 hatte Oskar Edler von Rosthorn im Zusammenhang mit dem Ansuchen um die Konzession für Bau und Betrieb eines Elektrizitätswerks betroffene Liegenschaften erworben., gegen den Willen des Österreichischen Touristenclubs. 1912 wurde von der Stadt Wiener-Neustadt beschlossen, für die Errichtung eines Elektrizitätswerks zu stimmen. Das kleines Speicherkraftwerk, das Myrawerk, war bis 1974/1975 in Betrieb.

Die eigentliche Klamm mit den Wasserfällen ist etwa 600 Meter lang, der Höhenunterschied beträgt 70 Meter, sie ist als Naturdenkmal geschützt. Der Klammuntergrund besteht aus Kalkstein. Der Myrabach fällt in mehreren Kaskaden durch die Klamm, am oberen und unteren Ende wird das Wasser jeweils zu einem kleinen Weiher gestaut.

Durch die Klamm führt ein gut ausgebauter Wanderweg, mit 19 Brücken und 8 Stiegen, angelegt 1885 und gut gewartet. Beim Einstieg in die Myrafälle hat mich eine Erinnerungstafel besonders beeindruckt. Sie ist „Dem Andenken an den am 19. September 1801 erfolgten allerhöchsten Besuch der Myrafälle durch Seine Majestät den römisch-deutschen Kaiser Franz II., Ihre Majestät Kaiserin Maria Theresia, sowie durch die kaiserlichen Hoheiten den Kronprinzen Ferdinand Karl Leopold Josef und die Erzherzogin Maria Ludovica“ – gewidmet.

Miralucke

Hier entspringt der Myrabach. Die Mira Lücke ist eigentlich ein Höhleneingang. Diese Höhle ist eine zeitweilig aktive Wasserhöhle und kann nur durch Tauchen und teilweise mit einem Schlauchboot zu überwinden sein. Die Gesamtlänge der Höhle beträgt über 306 m, der Gesamthöhenunterschied 19 m. Erst 2003 wurde der letzte Teil der Höhle erforscht.

Um die Miralucke ranken sich zahlreiche Sagen: ein verzauberter Kaiser mit Gefolge halte sich hier auf, mit Losungswort sei ein Schatz zu erhalten. Weitere Geschichten handeln von blinden Fischen, Seemännchen,   dem armen Holzknecht vom Hasnhäusl und dem Eingang zur Unterwelt.

Auf dem Petersberg (bei Muggendorf) stand vor vielen, vielen Jahren eine stattliche Burg mit mächtigen Türmen und dicken Mauern. In ihr lebte ein alter Graf mit seinem Sohn Heinrich. Der Alte war stolz und mürrisch; er gab Pechern und Bauern keine Antwort, wenn sie ihn grüßten. Nicht weit davon entfernt stand ein Bauernhaus. Der Bauer hatte eine schöne Tochter, die Marie hieß. Die Leute nannten sie „Mirl“. Den jungen Grafen gefiel das schöne Mädchen und er hätte sie gerne geheiratet.

Eines Tages, es war im Winter, saß er mit seinem Vater in einem Zimmer der Burg. Dicke Holzscheiter prasselten im offenen Kamin, aber es war nicht warm in dem Raum, denn durch die Fugen der mit Brettern verschlagenen Fenster pfiff der Wind, dass die Kerzen auf dem mächtigen Tisch flackerten. Da sprach der alte Graf: „Heinrich, du bist jetzt beinahe 30 Jahre alt, bring eine Frau auf die Burg, ich möchte sie noch gerne sehen, bevor ich sterbe!“ Der junge Graf freute sich, als er das hörte und antwortete: „Ich hab‘ schon gewählt, Vater.“ „Wer ist es?“ „Die schöne Mirl vom Dorf unten.“

Zuerst saß der alte Graf ganz starr, so war er erschrocken; dann schlug er mit der Faust auf den Tisch und schrie: „Nie und nimmer heiratest du eine Bauerndirn. Wenn du aber nicht folgst, jage ich davon und du bekommst weder Burg noch Geld, merk dir das. Dann ging er in seinen Schlafraum.

Von Mirl wurde von diesen Tag an nicht mehr gesprochen. Nach etlichen Wochen starb ganz plötzlich der alte Graf. Der junge erbte die Burg und einen großen Besitz und heiratete, als die Trauerzeit vorüber war die schöne Mirl. Während diese früher freundlich und hilfsbereit war, wurde sie jetzt unfreundlich zu den Leuten und hochmütig. Sie hieß jetzt nicht mehr die Mirl, die Leute mussten Gräfin Mira sagen.

Eines Tages blieb sie vor dem Bild der heiligen Marie, das auf einen Baum hin, stehen, sah es an und sprach: „Du bist wohl schön, heilige Maria, aber noch lange nicht so schön wie ich“. Kaum hatte sie diese frevelnden Worte gesprochen, taten sie ihr leid und sie fing am ganzen Körper zu zittern an. Plötzlich wurde es dunkel, die Sonne verschwand hinter schwarzen Wolkenballen, ein heftiger Sturm brauste daher. Er hob die schöne Mirl empor und trug sie gegen den Unterberg. Dort öffnete sich der Fels, nahm die Frevlerin auf und schloss sich dann wieder. Im inneren des Berges büßt sie ihren Hochmut und ihre Lästerworte. Sehen kann man die schöne Mirl nicht, wohl aber hören. an stillen Abenden weint sie bitterlich. Ihre Tränen fließen bei der Myralucke heraus und bilden den Mirabach.

Das Wandern, meine Lust

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