Wie es zur Spaltung in Sunniten und Schiiten kam

Die Muslime beherrschten zwar einen großen Teil der bekannten Welt, aber nun brachen Spannungen innerhalb der islamischen Gemeinschaft aus. Es war die Zeit, als die Araber begannen, das überlieferte Wissen der Griechen zu übernehmen. Es war aber auch die Zeit, in der die jetzige Fassung des Koran und der Sunna entstehen. Und in Europa war es die Zeit Pippins I., Stammvaters der Karolinger und Hausmeier

Begonnen hat es 644, als Umar zehn Jahre nach seinem Amtsantritt beim Gebet von einem persischen Sklaven erstochen worden war. Dass dieser Mörder ein Mann war, der nach der Eroberung seines Landes auf den Status eines Sklaven herabgesunken war, zeigt einen ethnischen Konflikt, der bis heute nicht beseitigt ist. Dieser Mord ließ auch die Rivalitäten wiederaufleben, die bereits nach dem Tod des Propheten aufgetreten waren. Da der Prophet keine Nachfolger nominiert hatte, war Ali, Vetter und Schwiegersohn dessen Meinung nach, übergangen worden.

Umar rief sechs angesehene Männer an sein Sterbebett und empfahl ihnen einen Konsultativrat, eine Schura, zu bilden, um einstimmig festzulegen, wer der nächste Kalif sein sollte. Ein Abweichler sollte mit dem Tod bestraft werden. Ali gehörte dieser Schura an, aber es war nicht er, sondern Uthmann, auf den man sich als Kalifen einigte. Ali verhielt sich passiv. Manche meinten später, dass sein Unvermögen, einen Führungsrolle zu beanspruchen, Verrat an Gott wäre.

Uthman, der schon 70 war und dem Clan der Umayya angehörte, überschüttete seine Verwandten mit Vergünstigungen. Alis Clan sah das mit großer Missgunst. Es kriselte in den Garnisonen von Irak und Ägypten, daraufhin strömten Hunderte von Gegnern des Kalifen nach Medina. Uthman wurde in seinem eigenen Haus belagert und vom Mob erschlagen.  Damit begann ein Bürgerkrieg. Nun übernahm Ali, Abū l-Hasan ʿAlī ibn Abī Tālib, die Macht und begab sich nach Kufa. Aischa, die Lieblingsfrau des Propheten, die immer schon einen Groll gegen Ali gehegt hatte, unterstützte eine Rebellion gegen ihn. Sie ritt sogar auf einem gepanzerten Kamel in die Schlacht gegen Ali. Diese Schlacht brachte kein Ergebnis, aber in Syrien hatte Uthman einen seiner Vettern, Muawiya, an die Spitze einer großen Besatzungsarmee gestellt, den aber Ali nicht anerkannte.

Damit hatte die später so genannte fitna begonnen. Das Wort kommt im Koran öfter vor und bedeutet „schwere Prüfung“ bzw. „Versuchung durch Gott“. Gemeint ist eine Prüfung oder Versuchung, die so schwer ist, dass der Glaube (insbesondere der „Glaubensschwachen“) gefährdet ist. Die Zusammenstöße 657 entwickelten sich zu einem militärischen Konflikt, in einem am Euphrat gelegenen Dorf namens Siffin. Einer Legende nach schwenkte Muawija das blutbefleckte Hemd des ermordeten Kalifen sowie einen Koran, womit er einen Angriff Alis zu verhindern suchte, dem er vorwarf, den Mörder des Kalifen Uthman nicht zur Rechenschaft gezogen zu haben. Mit dieser Aktion waren Alis Bogenschützen und Kavallerie, die meinten, dass Gott sie alle beobachteten, wie gelähmt.  Ali strebte neuerlich einen Kompromiss an. Muawiya behielt die Kontrolle über Syrien, während Ali von einer Gruppe von Anhängern im Stich gelassen worden war. Diese waren von Ali enttäuscht.

Nun übernahm Muawiya das Kalifenamt – und ernannte, gegen die bisherige Methode des Einsatzes einer Schura, seinen Sohn zum Nachfolger. Dieser Sohn Yazid übernahm 680 das Amt und Titel des Kalifen. Aber Alis jüngerer Sohn Hussein verweigerte ihm die Gefolgschaft. Es kam zu einer militärischen Auseinandersetzung in einem irakischen Dorf namens Kerbala. Husseins magere Streitmacht bestand fast nur mehr aus seiner Kohorte. Dieser gestatte seinen Leute nicht an dem Kampf teilzunehmen. Etwa hundert Männer, Frauen und Kinder wurden von Yazids Truppen gefangen genommen und größtenteils getötet. Husseins Kopf wurde als Trophäe für den Kalifen zurück nach Damaskus gebracht, während sein Leichnam ausgeraubt wurde und unbestattet in der Sandwüste zurückblieb.

Dieses Gemetzel bei Kerbela markierte einen Wendepunkt. Bis zum heutigen Tag pilgern Schiiten der ganzen Welt am Jahrestag dieses Gemetzels nach Kerbala.

Als dann einer von Abu Bakrs (erster Kalif und Schwiegervater des Propheten) Enkelsöhnen Yazid, den amtierenden Kalifen, von Medina aus als Hochstapler bezeichnete, begann ein zweiter Bürgerkrieg. Er wurde er 692 beendet und hatte Tausende von muslimischen Toten auf beiden Seiten gefordert. Yazid aber zementierte den Zugriff seiner Familie auf die Macht und übertrug das Kalifat seinen eigenen Sohn. Der Umayyaden-Clan hatte die spirituelle Nachfolge des Propheten in ein erbliches (Macht-)Privileg verwandet. In dieser Periode mussten die Vorstände der Moscheen Ali in ihren Gebeten verfluchen.

Damit waren Sunniten und Schiiten (die Anhänger Alis) gespalten und einander Feind.

Ich kann nicht umhin daran zu denken, dass diese Auseinandersetzung und die daraus resultierenden Spannungen das Weltgeschehen noch immer beeinflussen: Die Situation im Nahen und Mittleren Osten gibt davon Zeugnis.

 

 

 

 

 

 

Wie es zur Spaltung in Sunniten und Schiiten kam

Status der Ungläubigen im frühen Islam

Dimmitude und Dschizya

Als sich der Islam anfing, sich auszubreiten, lebten Menschen unterschiedlicher Religionen n den eroberten Gebieten. Primär gegen Westen waren es Christen und Juden, gegen Osten Zoroastrier.  Aus Sicht der Muslime waren sie zwar keine Ungläubigen, sondern Menschen der Bücher (Bibel).  Aber diese Menschen wurden zu Dhimmis („Schutzbefohlenen“) und mussten dafür auch Steuer zahlen, die so genannte Dschizya.

Dhimma ist eine Institution des islamischen Rechts, die den juristischen Status nichtmuslimischer „Schutzbefohlener“ unter islamischer Herrschaft festlegt. Die Definition der „Dhimma“ und der juristische Umgang mit Schutzbefohlenen sind im islamischen Kriegs- und Fremdenrecht im zweiten muslimischen Jahrhundert (8. Jahrhundert n. Chr.) entstanden. Ein solches Schutzbündnis war ursprünglich nur Juden, Christen und Sabiern vorbehalten (im 12./13. Jahrhundert untergegangene Religionsgemeinschaft, die vor allem im Südosten der heutigen Türkei und in den benachbarten Gebieten des heutigen Syriens und des Libanons verbreitet war. Der Kult beruhte offenbar auf der Verehrung der Gestirne. Wichtigster Gott war wahrscheinlich der babylonische Mondgott Sin). Im Laufe der islamischen Expansion hat man indes das Angebot der Dhimma auch auf andere Religionsgemeinschaften, wie beispielsweise die Zoroastrier oder die Hindus, ausgeweitet, so dass letzten Endes alle Nichtmuslime schlechthin dazu befähigt waren, einen Dhimma-Vertrag mit den muslimischen Eroberern zu schließen.

Seit der Entstehung der Nationalstaaten in der islamischen Welt mit jeweils unterschiedlichem Geltungsbereich der Scharia in ihren Legislativen ist die Rechtsstellung des Dhimmi in der Gegenwart entweder aufgegeben oder modifiziert worden!

Der Begriff der Dhimma kommt in einer Auseinandersetzung Mohammeds mit den Polytheisten von Mekka in den Versen 8 und 10 der 9. Sure in der Bedeutung von „Bindung“ und „Verpflichtung“ vor. In einigen Sendschreiben Mohammeds an die arabischen Stämme und christlichen Gemeinschaften wird die „Dhimma Gottes und seines Gesandten“ bei der Bekehrung zum Islam zugesichert.

Dschizya ist eine für die den nichtmuslimischen Schutzbefohlenen (Dhimmi) unter islamischer Herrschaft auferlegte Steuer. Diese Abgabe beruht auf einem Koranvers (9.29), der vor dem historischen Hintergrund der Feldzüge Mohammeds gegen Byzanz und dessen arabischstämmige Verbündete im Norden der Arabischen Halbinsel im Jahre 629 entstand.

Zwangsbekehrungen waren die Ausnahme, aus einem guten Grund: Die Dschizya brachte immer mehr ein, als die so genannte Armensteuer (Zakat), die Muslime zahlen mussten. Aufgrund der damals noch sehr hohen Anzahl an Christen brachte sie dem Staat hohe Einnahmen. Zusammen mit der Kriegsbeute aus den Eroberungsfeldzügen füllte sie die Schatztruhen der Kalifen und 638 gestand Kalif Umar (Umar ibn al-Chattāb, * 592 in Mekka; † in Medina, oft kurz Omar, der zweite Kalif 634–644). Die Sunniten betrachten ihn als einen der vier „rechtgeleiteten“ Kalifen. Die imamitischen Schiiten erkennen ihn dagegen nicht als Kalifen an. (jedem Gläubigen (also Muslim) das Recht auf einen Anteil zu. Mit zunehmender Ausdehnung und Aufwertung wurde der Islam zu einer lukrativen Angelegenheit, und Übertritte zu einem Privileg, das nur jenen Ungläubigen gewährt wurde, die einen arabischen Fürsprecher finden konnte.

Neben diesem finanziellen Anreiz, Bekehrungen zu begrenzen, gab es noch andere Überlegungen: Zu einer Zeit, als die Muslime glaubten, die Posaunen der Apokalypse könnten jederzeit ertönen, sah man die Notwendigkeit, jedweden negativen spirituellen Einfluss zu vermeiden. Der Umgang mit Ungläubigen galt als riskant, und für unwillige oder unechte Bekehrte würde es allzu leicht sein, einen guten Muslim auf Abwege zu führen.  Damit Beschloss Umar, Juden und Christen aus dem Hedschas zu vertreiben. Später allerdings also 985 – wurde festgestellt, dass die meisten Menschen in Qurh, der zweitgrößten Stadt nach Mekka auf dem Hedschas, Juden waren). Andererseits dient diese Erlass Umars noch heute in Saudi-Arabien, eine Staatspolitik zurechtfertigen, die Nicht-Muslime ausschließt.

Komplizierter war es in den Ländern, die die Araber neu7 erobert hatten: da schloss man sich von der einheimischen Bevölkerung ab. Die Besatzungsarmeen errichteten einzelne aus Schilf und Lehm gebaute Kasernen, an strategisch wichtigen Orten wie z.B. Basra und Kufa am Schatte el-Arab und am Euphrat, und sie beschränkten den Umgang mit der lokalen Bevölkerung auf ein Minimum. Dennoch wuchsen Orte um diese Kasernen herum, in denen sich Händler ansiedelten, die Bauern ihre Produkte zum Markt brachten. Als diese Ortschaften dann zu Städten wurden, nahmen die Gefahren des Umgangs mit ungläubigen Unterworfenen zu. Zwei von Umars ersten Gouverneuren im Irak wurden abberufen, nachdem berichtet worden war, dass sie den Irak so verführerisch wie eine Prostituierte fänden.  Ein anderer Amtsträger hatte ein Gedicht zu Ehren von Kneipen und Tänzerinnen in der Provinz Maysan verfasst, das dem Kalifen zu Ohren kam.

Es entstanden nun Gesellschaften in diesen eroberten Ländern, die kulturell außerordentlich vielfältig waren. Obwohl die Toleranz des Islam anfangs einer Notwendigkeit darstellte, betrachteten die Muslime ihre Bereitschaft, Außenseiter zu akzeptieren als eine Tugend. Die ersten islamischen Kalifen waren milde Herrscher. Z.B. in Damaskus requirierten die Muslime nur einen Teil der dortigen Kathedrale, sie wurde erst zu einer Moschee umgestaltet, nachdem sie ihren christlichen Eigentümern Anfang des 8. Jahrhundert abgekauft worden war. Die Dschizya war nicht höher, als die vormaligen Steuern an Byzanz oder an die Sassaniden.                Trotz alledem blieben Christen und Juden Menschen mit wesentlich geringeren Rechten, vielen zusätzlichen Einschränkungen und vermindertem Status.

Status der Ungläubigen im frühen Islam

Was ist ein Hassposting?

Ich lese, dass es in Deutschland eine Institution gibt, deren Aufgabe es ist, Hass-Postings aus Facebook zu löschen. Dieses Center wird von Arvato, das zur Bertelsmann Gruppe gehört, im Auftrag von Facebook betrieben. Diese Organisation startete mit 200 Mitarbeitern im Jahr 2015, als die große Flüchtlingswelle über Mitteleuropa schwappte.  Jetzt sind es bereits 1200, die über 5 Ebenen verteilt in einem Backsteingebäude im Westen von Berlin arbeiten.  Das deutsche Deletion Zentrum ist derzeit das größte weltweit.

Der Zugang dazu ist streng geregelt. Alle Mitarbeiter müssen einen Geheimhaltungsvertrag unterschreiben. Es stehen fünf Trauma Spezialisten für diese Mitarbeiter zur Verfügung.  Diese Frauen und Männer müssen entscheiden, wie weit die Freiheit der Meinung geht und welche Postings hasserfüllt sind und welche nicht. Ihre wesentliche Aufgabe besteht darin, dass sie z.B. folgendes erkennen müssen: terroristische Propaganda, Nazi Symbole, Kindesmisshandlung etc. Sie müssen feststellen können, welche Aussagen Gesetze und welche die Standards der betroffenen Provider verletzen. Auch sollten Interventionen von Drittstaaten bei Wahlen erkannt werden. Eine herausfordernde Aufgabe!

Facebook will weltweit weitere 10 000 Mitarbeiter einstellen, schon heute arbeiteten 10 000 Beschäftigte daran, Schutz und Sicherheit zu verbessern. Bei uns ist es noch nicht so weit, aber z.B. in Indien wurden aufgrund eines viral gewordenen Hasspostings auf WhatsApp (gehört zu Facebook) sieben Personen erschlagen. In Myanmar gab es verbale Gewalt gegen die Rohingya.

Waren es anfangs Texte, die diffamierende Äußerungen über Flüchtlinge enthielten. Manche davon wurden nie eliminiert. Das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz in Deutschland war alarmiert. Gerd Billen aus diesem Ministerium bildete eine Gruppe aus Verantwortlichen für Facebook- und anderen Sozialen Medien. Einige Monate später haben diese Gesellschaften eine gemeinsame Deklaration unterschrieben, in der sie versprochen haben, gekennzeichnete Posting zu überprüfen und gegebenenfalls innerhalb von 24 Stunden zu eliminieren.

Aber diese Vorgehensweise funktionierte nicht, In den nächsten 15 Monaten gaben sich Experten, die von der Regierung beauftragt worden waren, als „normale Nutzer“ gekennzeichnete Hasspostings auf. Facebook eliminierte davon weniger als die Hälfte. Facebook wusste, dass es eine Plattform für illegale, ja kriminelle Aktionen war, aber sie agierten eher, wie der Wolf im Schafspelz, meinte Gerd Bill, der Verantwortliche im Bundesministerium.

Nach 2 Jahren haben die Deutschen Behörden die Geduld verloren und es kam zum Netzwerkdurchsuchungsgesetz (NetzDG), das 2018 in Kraft getreten ist. Das Gesetz soll Facebook, Twitter und Co. dazu zwingen, binnen 24 Stunden „offensichtlich rechtswidrige Inhalte“ zu löschen. Dabei bleiben sie abhängig davon, dass User die Beiträge melden. Twitter macht es den Usern einfach, Facebook weniger. Eine Grenze wurde bei rassistischen und verhetzenden Kommentaren gezogen. Aber ansonsten waren der Wortgewalt keine Grenzen gesetzt. Probeweise wurden Konten vorab mit Leben gefüllt, um nicht zu schnell als Fake-Konten identifiziert zu werden. Schon am nächsten Tag starten sie mit den verbalen Entgleisungen. Von Idiot bis Arschloch ist alles dabei und trotzdem reagieren Twitter und Facebook nicht mit Löschungen.

In Österreich wurde entschieden, dass Facebook bestimmte Hass-Postings in Österreich nicht nur sperren, sondern vollständig löschen muss. Es ist demnach nicht ausreichend, die fraglichen Beiträge in Österreich unzugänglich zu machen, sie dürfen auch außerhalb des Landes nicht mehr verfügbar sind.

Unterschiedlicher Auffassung sind Twitter und Facebook, als es um Beschimpfungen „im Dialekt“ geht. Diese Beschimpfungen werden bei Facebook wegen Verstoß gegen §185 des deutschen Strafgesetzbuchs gelöscht. Aber auch Anspielungen n z.B. das Götz Zitat wurde wiederum nach Meldung nicht als strafbar eingestuft. Denn es gibt keine universelle Definition von Hass-Inhalten.

Die Europäische Union setzt bisher auf Kooperation mit den Internetkonzernen statt auf Vorschriften. Jedenfalls erhebt sich die Frage, ob die Parlamente oder Facebook über den Inhalt zu entscheiden haben.  Ich befürchte, dass uns diese Thema in Zukunft noch öfter beschäftigen wird.

Ich möchte nicht einer von diesen Tausenden von Mitarbeitern sein, die entscheiden müssen, was gelöscht werden muss und was nicht. Ich gehöre einer Generation an, die nicht mit der Political Correctness aufgewachsen ist, daher erscheint mir vieles akzeptabel, das anderen vielleicht schon als „Hassposting“ wahrnehmen. Und ich bin auch der Meinung, dass nur durch Tauschen von Begriffen nicht mehr Empathie mit Betroffenen entsteht. Ich beuge mich der neuen Diktion auch nur dann, wenn ich weiß, dass Betroffenen unter den früher üblichen Begriffen leiden.  Ich finde auch, dass es zulässig ist, die Wahrheit zu sagen, selbst wenn sie für andere schmerzlich sein sollte. Wahrheit kann auch auf subjektiver Wahrnehmung beruhen – dann kann es problematisch werden.

Ich fühle mich auch dem durchgängigen Gendern nicht verpflichtet, weil ich – vielleicht inkorrekter Weise – dem Binnen-I – keine bewusstseinsändernde Wirkung zu schreibe.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie es in der Bank, als ich noch dort arbeitete, eine Verordnung gab, dass keine „Schimpfwörter“ als Losungsworte – die ja der Kunde selbst wählt – verwendet werden durften. Damals hat man das Problem halt auf die Mitarbeiter an den Schaltern abgewälzt.

Ich jedenfalls erlaube mir, am Grundrecht der freien Meinungsäußerung festzuhalten.

 

 

Was ist ein Hassposting?

Der Weg nach Floridsdorf

Am besten (für mich) erreiche ich das SMZ Floridsdorf mit der U-Bahn, nämlich derzeit die U4 und die U6. Die Strecke der U4 ist mir wohlvertraut – da hab‘ ich noch eine Observierung und damit einen Nachtrag zum „Donaukanal“.  Ja, auch heute lagern Leute am Ufer, nicht mehr im Gras, sondern auf Liegestühlen und nicht mehr in der Kombinage.

Wenn ich nun in der Station Spittelau in die U6 umsteige wird die Welt plötzlich bunter und jünger – viele fahren auf die Donauinsel zu Sport und Spiel. Und zum Glück geht da die Strecke nicht nur unterirdisch: Und wenn ich da so in die Gegend schaue: Häuser und Villen im Grünen, eine nicht all zu große Moschee mit Minarett (die erste in Wien erbaute – damals ohne Widerstand) und im Hintergrund die Hochhäuser am nördlichen Donauufer. Es schaut für nicht so aus, als ob es in Wien wäre.

Der Blick in die Alte Donau: lustiges Strandtreiben –  naja, wäre schon fein, jetzt dort zu sein. Und schon ist Endstation: Floridsdorf – und oben kommt man auf dem Franz-Jonas-Platz heraus. Er ist benannt nach dem Bürgermeister von Wien und Abgeordneten zum Nationalrat (1951-1965) beziehungsweise österreichischen Bundespräsidenten (1965-1974) Franz Jonas, der 1946-1948 Bezirksvorsteher von Floridsdorf gewesen war. Jonas wurde unmittelbar nach Kriegsende in die provisorische Gemeindeverwaltung in seinem zur sowjetischen Zone gehörenden Heimatbezirk Floridsdorf berufen, wo er sich als Bezirksvorsteher Verdienste um die notleidende Bevölkerung erwarb und sich vehement für den Wiederaufbau seiner zerstörten Heimat einsetzte.  Dass dieser Bahnhof ein „sozialer Brennpunkt“ sein soll, habe ich noch nicht feststellen können.  In den letzten Jahren ist der fünftgrößte Wiener Bahnhof sicherheitstechnisch aufgerüstet worden. Klassische Straftaten gibt es am Franz-Jonas-Platz nur sehr wenige.

Dies ist der Bezirksteil Donaufeld.  Das spätere Donaufeld gehörte ursprünglich zur Gemeinde Leopoldau. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts wurden hier zahlreiche Fabriken und Wohnhäuser errichtet. Daraus entstanden zwei neue Ortschaften: Neu-Leopoldau und Mühlschüttel. 1881 wurden diese beiden Orte von der Gemeinde Leopoldau getrennt und bildeten eine eigene Gemeinde Neu-Leopoldau mit Mühlschüttel, die 1886 aufgrund der Verwechslungsgefahr mit der Gemeinde Leopoldau in Donaufeld umbenannt wurde.

1894 wurde Donaufeld mit den Gemeinden Jedlesee, Floridsdorf und Neu-Jedlersdorf zur Großgemeinde Floridsdorf zusammengeschlossen. Am 28. Dezember 1904 erfolgte schließlich gemeinsam mit weiteren Ortschaften die Eingemeindung in Wien zum 21. Wiener Gemeindebezirk Floridsdorf. In Donaufeld befinden sich Industrie und Landwirtschaft nebeneinander – und zusätzlich ist es ein Naherholungsgebiet aller Wiener. Durch die Donauinsel und die Alte Donau verfügt der Bezirksteil über ein großes Freizeit- und Badeareal. An der Alten Donau befinden sich noch einige Strandbäder.

Aber so viel von dem Bahnhof und dem Platz muss ich gar nicht wahrnehmen, denn kaum bin ich draußen, bin ich schon in der Franklinstraße.  Jetzt spaziere ich durch die schattige Franklinstraße – eine Fußgängerzone. Früher hieß sie Rudolfstraße. Jetzt ist sie benannt nach dem amerikanischen Politiker, Schriftsteller und Naturwissenschaftler Benjamin Franklin (* 17. Jänner 1706 Boston, † 17. April 1790 Philadelphia), Sekretär des Kolonialparlaments von Pennsylvanien, Oberpostmeister von Philadelphia, Unterzeichner der Unabhängigkeitserklärung von 1776, Gesandter in Paris (1776-1785) und Gouverneur von Pennsylvanien. 1746-1752 beschäftigte er sich mit Naturwissenschaften (Entwicklung des Blitzableiters, Untersuchung der Wärmestrahlung und des Magnetismus). Und trefflicherweise befinden sich gleich drei Schulen in dieser Straße und ein Hallenbad. Hier ist gut sein! Die Straße wird beidseitig von großen schönen unterschiedlichen Bäumen gesäumt, dazwischen finden sich Bänke, Trinkwasserbrunnen. Am Rade sind außer dem Schulen modern Wohnhäuser – ebenfalls in Gärten, in denen  sich sogar meine geliebten Platanen finden. Dadurch, dass es nach „nahem Wasser“ riecht, könnte man sich vorstellen in irgendeinem Ferienort an der oberen Adria und nicht in Wien spazieren zu gehen. Dann werden die Bäume weniger und es stehen und fahren auch Autos herum.

Und schon habe ich einen Kirchturm im Auge: Die Donaufelder Pfarrkirche ist ein neugotischer Backsteinbau und mit ihrem 96 Meter hohen Turm die dritthöchste Kirche Wiens. Die Donaufelder Pfarrkirche war ursprünglich als Bischofskirche einer neuen niederösterreichischen Diözese geplant. Diese neue Diözese wurde nie gegründet und die Pfarre, die dem Heiligen Leopold geweiht ist, der Erzdiözese Klosterneuburg unterstellt. Bei der Grundsteinlegung dieser Kirche 1905 waren sowohl der Kaiser Franz Joseph I. mit dem damaligen Wiener Bürgermeister Dr. Karl Lueger, sowie zwei Erzherzöge anwesend. Der Sakramentsaltar der Kirche stammt aus dem Akademischen Gymnasium (die Schule, die man Mann besucht hat) und wurde erst 1940 aufgestellt. Da man aber der Meinung war, er störe das Jugendstil-Gesamtbild der Kirche, wollte man ihn wieder abtragen lassen. Nach Bekanntwerden der Kosten von damals 30.000 Schilling nahm man von einer Abtragung wieder Abstand. Der Sakramentsaltar befindet sich noch heute in der Kirche.

Und schon bin ich beim SMZ Floridsdorf angelangt, das auch einen schönen schattigen Garten hat.

Übrigens diese Fahrt dauert – je nach Frequenz der U-Bahnen ca. 50 Minuten. Soweit habe ich jetzt Floridsdorf/Donaufeld erkundet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Weg nach Floridsdorf

Ich lerne einen neuen Bezirk kennen,

einen so genannten Flächenbezirk dazu. Wieso? Mein Mann liegt im SMZ Floridsdorf und ich besuche ihn dort.

Als Wienerin habe ich bisher nur im 9., 13., 17. und Ersten Bezirk gewohnt und gearbeitet.  Daher hat mit wenigen Ausnahmen für mich der alte römische Limes – nämlich die Donau – als Grenze gegolten.

In sehr guter Erinnerung sind mir z.B. die Heurigen in Stammersdorf. Erst seit dem Jahr 1938 gehört Stammersdorf zu Wien, doch bis heute ist der Ort ein echtes Weindorf geblieben. Nirgendwo sonst findet man so viele Weinbau- und Heurigenbetriebe und die Stammerdorfer Kellergasse gilt als die schönste der Stadt. Während sich der Gipfel des Bisambergs (358 m) bereits in Niederösterreich befindet, stellt dessen Seitengipfel Falkenberg (320 m) den höchsten Punkt Floridsdorfs dar. Stammersdorf ist eine der ältesten Ansiedlungen im Wiener Raum auf der „anderen Seite“ der Donau und geht in seiner heutigen Form vermutlich auf eine Gründung um das Jahr 1.000 zurück, als sich Franken und Bajuwaren hier ansiedelten. Freilich waren diese bei weitem nicht die ersten Menschen, die ihren Fuß auf dieses Gebiet setzten, das beweisen Funde wie die sogenannte „Venus vom Bisamberg“, eine kleine Statue aus der Zeit um 4.000 vor Christus, die 1955 auf dem Gebiet von Langenzersdorf ausgegraben wurde.

Zu Strebersdorf habe ich auch einen Bezug: dort – in den Gebäuden der Schulbrüder durften die Mitarbeiter der Creditanstalt (in der ich ja gearbeitet habe) schwimmen und sonstigen Sport betreiben. Strebersdorf war bis 1910 eine eigenständige Gemeinde und wurde am 1. Jänner 1911 in Floridsdorf eingemeindet. Urkundliche Erwähnung fand Strebersdorf erstmals 1078. Erste Besiedelungsspuren in Strebersdorf stammen aber schon aus der Steinzeit. Die Römer hinterließen keine Spuren, im Mittelalter gab’s wechselnde Besitzer des Dorfes. 1440 wie die benachbarten Siedlungen Stallern und Krottendorf von einer Hochwasserflut völlig zerstört. Die Bewohner von Strebersdorf siedelten sich daraufhin am Bisamberg an und gründeten den Ort neu. 1428 brannten die Hussiten den Ort nieder, später trieben Raubritter ihr Unwesen. 1477 eroberte Matthias Corvinus das Land und verwüstete auf seinem Heerzug auch Strebersdorf. Als 1529 die Türken vor Wien standen, blieb auch Strebersdorf nicht verschont. Auch der Dreißigjährige Krieg hatte Einfluss auf die Geschichte Strebersdorfs. Nachdem bereits 1679 mehr als ein Drittel der Bevölkerung der Pest zum Opfer gefallen war, bezog am 16. Juli 1683 Herzog Karl von Lothringen mit Reitern und Geschützen Stellung südlich des Bisambergs, um die Türken an der Überfuhr über die Donau zu hindern. Die Türken brannten Strebersdorf und die Nachbardörfer nieder. Daraufhin kehrte Karl von Lothringen zurück und besiegte bei Stammersdorf mit rund 12.000 Soldaten den Pascha von Varaždin. 1703 brandschatzten Kuruzen in der Region und 1713 litt Strebersdorf unter der Pest. Wirtschaftlich profitierte Strebersdorf ab 1753 vom Recht, halbjährig eine Schenke zu betreiben. Die Anwesenheit der Franzosen 1809 überstanden die Strebersdorfer wegen guter Kontakte ihres Herrschaftsbesitzers relativ schadlos. Am 4. Juli 1822 zerstörte dafür ein Brand große Teile der Gemeinde.  Danach raffte die Cholera große Teile der Bevölkerung nieder. In den folgenden beiden Weltkriegen spielte vor allem die Lage am Bisamberg für Strebersdorf eine entscheidende Rolle. Im Ersten Weltkrieg wurden Geschütze sowie Beleuchtungs- und Fernsprecheinrichtungen auf ihm errichtet. Zudem wurden im Ort Eisenbahn-Werkstätten, ein Munitions- und Futtermagazin sowie ein Autokader errichtet, wo Kraftfahrzeuge instandgesetzt wurden. Auch nach 1918 ließen sich immer mehr Firmen in Strebersdorf nieder. Im Zweiten Weltkrieg lag Strebersdorf in einer Haupteinflugsschneise der alliierten Bomber und die Flak-Batterien auf der Elisabethhöhe und im Gebiet von Stammersdorf sorgten oftmals für einen Splitterhagel explodierender Flak-Granaten. Vernebelungsanlagen im südlichen Strebersdorf wurden spätestens nach der Erfindung von Bodensichtungsgeräten auf Radarbasis obsolet. Im April 1945 lag Stammersdorf weiters in der Reichweite alliierter Geschütze, die die zurückweichende deutsche Armee unter Feuer nahmen.

Ein Teil der Neuen Donau und ein Abschnitt der Donauinsel liegen in Floridsdorf, und Limes hin der her, gibt es jede Menge Brücken, die nach Floridsdorf führen.  Dieser Bezirk besteht aus sieben auf ehemals eigenständige Gemeinden zurückgehenden Bezirksteilen. Der namensgebende Bezirksteil Floridsdorf ist der flächenmäßig kleinste. Den größten Bezirksteil bildet Stammersdorf im Norden des Bezirks. An Stammersdorf grenzen Strebersdorf sowie Großjedlersdorf, das aus den beiden Katastralgemeinden Großjedlersdorf I und Großjedlersdorf II besteht. Östlich davon, an der Grenze zum 22. Gemeindebezirk, liegen die Leopoldau und Donaufeld. Jedlesee im Westen setzt sich aus der Schwarze Lackenau zusammen. Zusätzlich befinden sich in Floridsdorf kleine Teile von Kagran und Kaisermühlen, die zum Großteil, im Gemeindebezirk Donaustadt liegen.

Die erste Führung „Floridsdorf by night“ hat ein Taxler gemacht, stolz hat er mich auf die Highlights des Bezirks aufmerksam gemacht, sogar sein Wohnhaus hat er mir gezeigt. Er hatte eindeutig Migrationshintergrund, aber auf sein Floridsdorf ist er mächtig stolz. Und so etwas freut mich sehr!

Näheres zu der Umgebung, die ich gerade kennenlerne: demnächst!

 

Ich lerne einen neuen Bezirk kennen,

Eine Frage

Man liest so viel über Shitstorms, wie nennt man eigentlich das Gegentiel davon, wenn man nur positive, hilfreiche und freundliche Kommentare auf einen tweet bekommt?  Lovestorm kommt nir falsch vor, es hat ja nichts mit Liebe zu tun. Vielleicht hat jemand einen Vorschlag?

Eine Frage