Was lernt Korea aus Libyen?

Dazu sollte man möglichst kurz in die Geschichte Libyens schauen: Dort tummelten sich Phönizier, Griechen und Perser, die Ptolemäer herrschten, nur um von den Römern abgelöst zu werden. Dann fielen die Vandalen über das Land her, bis es wieder von Ostrom vereinnahmt wurde.  Kurz vor der arabischen Eroberung kam es zu einer kurzzeitigen Perserherrschaft, darauf folgte die Islamisierung des Landes. Als sich das arabische Großreich auflöste übernahmen erst die Aghlabiden Tripolitanien, um es an die Fatimiden abzugeben. Den Ayyubiden folgten die Mamluken.

Eine Zeitlang dominierten die Christlichen Seemächte, unter den Osmanen kam es zur Entstehung einer politischen Einheit zwischen Tunesien-Algerien und Ägypten. Dort siedelten sich ein Teil jener Juden an, die anlässlich der Reconquista aus Spanien vertrieben worden waren. In der Gegend wüteten dann die Piraten und Barbaresken. Nachdem diese Probleme gelöst waren wurde Tripolitanien ein Vilayet des Osmanischen Reiches (1835–1911), die Sanussiya Brüderschaft herrschte in der Cyrenaika (ab 1843).

Im beginnenden 20. Jahrhundert begann die “italienische Phase“. Im Landesinneren Libyens führten die Wüstenscheiche einen erfolgreichen Kleinkrieg. Der Kriegszustand zwischen Italien und dem Osmanischen Reich blieb bestehen.

Die 1918 ausgerufene Republik Tripolitanien hatte aber nur provisorischen Charakter. 1919 wurde die Cyrenaika italienische Kolonie und 1919 kamen einige algerische und westafrikanische Oasen zu Libyen. Im Friedensvertrag von Sèvres (1920) verzichtete die Türkei damit auf alle Rechte in Libyen. Italien hatte Tripolitanien und die Cyrenaika ab 1922 wieder fest in der Hand. Nach der Machtergreifung Mussolinis wurde König Idris 1923 vertrieben und die Republik aufgelöst. Ab 1. Mai 1923 kam es zum Kriegsausbruch zwischen den Italienern und der Senussi-Bruderschaft. 1931 wurden die ersten 5.000 italienischen Kolonisten in Tripolitanien angesiedelt.

Im Zweiten Weltkrieg standen sich in Nordafrika die Achsenmächte und die Alliierten gegenüber. Entgegen Hitlers Befehlen griff Rommel mit dem Afrika-Korps im  März 1941 die alliierten (britischen) Truppen an und leitete damit die Rückeroberung der Cyrenaika durch deutsche und italienische Truppen ein. Die großen Erfolge hatten einen Gegenangriff zur Folge. Im Mai 1943 erfolgte die Kapitulation der deutsch-italienischen Heeresgruppe Afrika. Insgesamt starben während des Zweiten Weltkriegs in Nordafrika auf beiden Seiten über 96.000 Soldaten. Die Zahl der zivilen Opfer ist unbekannt. Die Cyrenaika und Tripolitanien wurden unter britische und der südliche Landesteil Fezzan ab September 1943 unter freifranzösische Verwaltung gestellt. Im November 1949 verabschiedeten die Vereinten Nationen eine Resolution, die vorsah, Libyen bis 1952 in die Unabhängigkeit zu entlassen.

Libyen wurde am 24. Dezember 1951 unter Idris I., dem religiösen Oberhaupt des Senussi-Ordens, zur Monarchie erklärt. Am 27. April 1963 erfolgte eine Verfassungsänderung. Libyen mit seinen 1.474.000 Einwohnern, darunter 40.000 Italiener und 3.000 Juden, wurde zu einem Einheitsstaat.

Am 1. September 1969 wurde König Idris I. von einer Gruppe panarabischer Offiziere gestürzt. Alle ausländischen Banken, Versicherungen sowie die Erdölindustrie wurden nach und nach verstaatlicht. Dennoch erfreute sich das Regime zunehmend internationaler Anerkennung. 1970 wurde der seit 1948 bestehende US-Luftwaffenstützpunkt geschlossen, am 11. Juni 1970 auch der seit 1955 genutzte britische Stützpunkt. Die libyschen Streitkräfte erhielten ab September 1970 von Frankreich modernere Ausrüstung, auch die Sowjetunion und zu einem geringeren Teil die USA halfen bei der Aufrüstung des Landes. 1973 schossen zwei israelische Kampfflugzeuge ein Passagierflugzeug der Fluggesellschaft Libyan Arab Airlines (Flug Bengasi-Kairo) über dem israelisch besetzten Sinai ab. Österreichs Regierungschef – damals Kreisky – hatten in den 1970er Jahren mit seiner etwas unkonventionellen Nahostpolitik Gaddafi die Türen auf die internationale Bühne geöffnet.

Muammar al-Gaddafi proklamierte 1973 die „Völkische Revolution“ („das Volk hat das Recht und die Aufgabe, die Macht und Verantwortung zu übernehmen“) und den Islam zum sozialrevolutionären Weg. 1975 hat Libyen den Atomwaffensperrvertrag ratifiziert. Libyen importierte aber zwischen 1978 und 1981 insgesamt 2.263t Uran aus dem Niger, wovon lediglich 1.000t gegenüber der IAEO deklariert wurden. Im Zuge einer Zusammenarbeit mit der UdSSR wurde 1979 ein nuklearer Forschungsreaktor, mit einer Kapazität von 10MW fertiggestellt, welcher auch heimlich für die Erforschung der Herstellung von Plutonium genutzt wurde.

Dann kam es zum Krieg mit dem Tschad sowie einen Grenzkrieg mit Ägypten. In den 1980er und 1990er Jahren unterstützte Libyen terroristische Organisationen und insbesondere deren gegen die USA oder Israel gerichtete Anschläge. 1986 verhängte die USA ein Wirtschaftsembargo gegen das nordafrikanische Land und führten Luftangriffe auf Tripolis und Bengasi durch. Wegen der Verwicklung in den Lockerbie-Anschlag 1988 beschloss auf Druck der USA 1992 der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen Embargomaßnahmen gegen den „Schurkenstaat“ Libyen. Ende 1993 wurde eine Militärrevolte in Tripolis niedergeschlagen.

Gaddafi unterzeichnete 1996 einen Vertrag über die Einrichtung einer atomwaffenfreien Zone in Afrika. 1997 dagegen kam es zum der Kauf von Zentrifugenkomponenten, unter anderem aus Pakistan. Im Oktober 2000 führte Libyen dann seinen ersten erfolgreichen Zentrifugentest ohne nukleares Material durch, woraufhin ein Jahr darauf der Kauf von ca. 2t Uranhexafluorid welches hochangereichert zum Bau von Atombomben genutzt wird, angeblich aus Pakistan oder Nordkorea, gelang. Ab dem Jahr 2000 erwarb Libyen große Mengen von Komponenten, die zur Zentrifugenherstellung benötigt werden. 2003 wurde eine große Schiffsladung vor der libyschen Küste von US-Geheimdiensten abgefangen.

Dezember 2003 stimmte Libyen im Zuge der Verhandlungen mit den USA und Großbritannien, der Eliminierung sämtlichen nuklearen Materials, Equipments und Programmen für den Bau von ABC-Waffen und ballistischen Raketen zu und erklärte offiziell, gegen den Atomwaffensperrvertrag verstoßen zu haben.

Im März 2011 begannen die Militäraktionen mit französischen, deutscher und  US-amerikanische sowie kanadischer Beteiligung – es war dann eine Nato-Operation – an dem Einsatz. Faktisch sollte diente der Militäreinsatz auch der Unterstützung der Aufständischen dienen. Gleichwohl erlitten Rebellen-Einheiten in einer Reihe von Fällen Verluste durch Militärschläge der Koalition.

2011 wurde Gaddafi gestürzt und letztlich hingerichtet.

Und das ist nun die Lehre für Nordkorea: Wäre der Sturz von Gaddafi auch erfolgt, hätte er noch über Atomwaffen verfügt?

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